Es heißt ja manchmal, die Leute würden ja gar nicht mehr lesen. Aber die, die sowas sagen, fahren nie Straßenbahn, glaube ich.
Das ist ja, als würde ich behaupten, Maschinenbauer würden grundsätzlich nicht rauchen. Ich kenne schließlich keinen einzigen, der das tut. Ich kenne allerdings auch keinen, der es nicht tut.
In der Straßenbahn und im Zug wird jedenfalls jede Menge gelesen. Es gibt tatsächlich sogar sowas wie zeitliche „Leseschichten“: nämlich Zeitungszeit (8:00 bis 9:00 Uhr) und Bücherzeit (ab 9:00). Das sind vermutlich hauptsächlich Berufstätige, die an ihre Fließ- bänder und in ihre Büros fahren. Davor gibt’s aber noch die MP3-Playerzeit (7:00 bis 8:00) der Schüler. Sicher sind auf den Playern massig Hörbücher drauf… Neulich stand z.B. Einer im Abteil, der hörte offenbar ein Technobuch, jedenfalls rummste es immerzu aus seinem Kopf und plöppte rhythmisch dazu. Dazwischen schrie eine weibliche Stimme immer wieder den Namen „Maaartin!“ oder so ähnlich.
Wieso auch nicht? Ich selbst kenne einen ausgesprochen netten Martin sogar persönlich, bin allerdings bisher nie auf die Idee verfallen, ihm mal ein zünftiges Geboller zu kompo- nieren. Pech. Jetzt ist mir jemand zuvor gekommen. Ich hoffe, der gute Martin ist mir jetzt nicht böse. Ehrlich gesagt glaub’ ich aber, der würde sich sowieso bedanken.
Zwischen den Lesenden sitzen übrigens manchmal Frauen, die sich schminken. Das finde ich irre! Die holen da wirklich Spiegel, Make-Up, Puder, Lidstrich, Rouge und Lippen- stift aus riesigen Kulturbeuteln (Entschuldigung: das heißt sicher Beautycase) und los geht die Fahrt. Zwischendrin werden widerspenstige Strähnen ins oder aus dem Gesicht gezupft. Ich kann gut verstehen, dass man die Zeit in der Bahn sinnvoll nutzen möchte, dann kann man schließlich 9 oder 13 Minuten länger im Bett liegen bleiben. (Es ist ja nur in den amerikanischen Filmen so, dass Frauen schon mit leichtem Tages-Make-Up auf- wachen.)
Ich mache es mir da einfacher und schminke mich einfach so gut wie gar nicht. Etwas Wimperntusche und ein bisschen Rouge. (Außer vorgestern, als das Fernsehen bei der Arbeit da war. Da habe ich sogar mal ein wenig „grundiert“, damit es nachher nicht heißt: „Und wer ist die Wasserleiche, die da hinten durchs Bild marodiert?“) Sowas dauert keine Minute, und deswegen mache ich das ungewöhnlicherweise in meinem eigenen Badezim- mer. Ebenso übrigens das Kämmen, Zähneputzen und noch ein paar andere Sachen.
Die Zeit in der Bahn zu nutzen, finde ich trotzdem irgendwie gut. Vielleicht nehme ich morgen einfach mal die Bügelwäsche mit.
Ich würde ja eigentlich gerne mal das Scheppergeräusch aufnehmen, das in diesen Lam- penschalen entsteht, wenn Frau Nachbarin über mir durch ihre Räumlichkeiten stiefelt.
Übrigens ist mir Freund T. wegen dieser Lampe noch immer fast ein kleines bisschen bö- se, weil ich die eines Morgens einfach so auf den Weg zum Bäcker auf dem Bürgersteig liegen fand. (Nein, es war KEIN Umzugswagen daneben geparkt!) Ich dachte mir damals: falls die da immer noch so liegt, wenn ich mit den Brötchen wieder zurückkomme, ist sie mein. Und so wars ja dann auch. Freund T. findet nun allerdings, er hätte kurz vor mir da lang gehen müssen, denn genau so eine Lampe sucht er angeblich schon lange. Schon mehrfach hat er mir erklärt, wieso sie eigentlich ihm zustünde. Ich nicke dann bedächtig, klopfe ihm tröstend auf die Schulter und sage: „War aber nicht so, ätsch.“ Und dann kriegt er stattdessen einen Kaffee. Die Lampe ist nämlich auch noch komplett und völlig in Ordnung gewesen, nur ein kleines bisschen staubig. Ich musste die bloß anschrauben und sie leuchtet seither für und für.
Und scheppert eben. Manchmal. Dann aber vernehmlich. Besucher, die zuweilen auf dem Stühlchen darunter sitzen, eben noch noch entspannt und vergnügt, ziehen plötzlich den Kopf ein und klammern sich an der Tischkante fest. Oder wollen doch lieber aufs Sofa.
In den anderen Räumen klirrt es übrigens nicht, was aber nicht etwa daran liegt, dass die Nachbarin da nicht drüberwummert, sondern den schlichten Grund hat, dass da bloß Reispapierlampen und asiatische Seidenlampions hängen. Wenn man da ganz nah dran gehen und genau hinhören würde, dann könnte man eventuell ein sehr leises Rascheln vernehmen, und dagegen kann man ja nun wirklich niemand was haben.
Wenn ich mir vorstelle, wie ich das Klirren aufnehmen könnte, bilden sich vor meinem in- neren Auge komplizierte Versuchsaufbauten, in denen Leitern auf Tischen, untergelegte Telefonbücher, verschobene Kühlschränke, per Verlängerung in die Küche geschleppte und auf Regale gestemmte PCs, zur Stabilisierung mit Klebeband befestigte Besenstiele, in die Luft gestreckte Headsets, lahme Arme und höchstvermutlich himmlische Ruhe vorkommen.
Denn die Nachbarin wird natürlich einen Teufel tun und wie auf Bestellung rumpeln. Und ich kann ja schlecht nach oben gehen, klingeln, und sagen: Tach! Könnense mal eben ein bisschen wummern, jetzt, wo ich mir solche Mühe gegeben habe? Oder wenigstens etwas rumpeln? Also, so hin- und herramentern, wie Sie das immer machen? Ich will das nämlich mal aufnehmen und der Welt zum besseren Verständnis vorspielen. Da wäre sie zu Recht konsterniert, also mache ich das man lieber nicht.
Zudem bin ich gerade feste erkältet, mir würde sicher irgendwie schwindelig werden und ich würde von der Leiter kippen und auf den Abwasch fallen, der sich damit zwar erledigt hätte, aber trotzdem. Oder ich würde in die Aufnahme reinhusten und müsste nachher noch dranschreiben: Der Husten gehört übrigens nicht dazu. Hustende Lampen gibts ja gar nicht!
Also kann ich das Geräusch nur beschreiben: es ist eine Mischung aus Scheppern und Klirren. Eben ein Schnirren. Aber mit Beleuchtung.
Wiedergefunden. Diese Dropse habe ich mal im November irgendwo mitgekauft:
„Beglückt“ wurden damit z.B. NetRat (Survivalpäcksken ins Studio) und Freundin T. (im Adventskalender). Und vor einigen Tagen fand ich auch Spuren einer wohl nächtlichen Verkostung im Wohnzimmer. Da ich das selber nicht war, kanns nur er gewesen sein. Das hat mich schon ein kleines bisschen amüsiert, denn die Dinger schmecken leider genauso fies, wie sie aussehen (ich weiß nicht, soll es Ananas-Broccoli oder Zahnpasta-Colada sein), und ich hatte leider keine Gelegenheit, vorzuwarnen. (Oder wenigstens wäh- rend des Verzehrs Fotos zu machen.)
Wenn man sich die Bollos aber hochkant in die Schnute klemmt (ungefähr, als wollte man Oooooh! sagen), dann kann man da die tollsten Weisen drauf pfeifen!
„Dann werd ich mich jetzt erst mal föhn’n, es muss ja schließlich weitergeh’n.“
Wer auch findet, dass das eigentlich ein ganz niedlicher (wenn auch etwas unsauberer) Reim ist, der kann ja mal eben die Hand hochhalten (und davon eventuell ein Foto ma- chen, um’s dann hier zu posten). Dieser Ausspruch, das nur zur Erklärung, entstand gestern Morgen, während ich den Weihnachtsbaum endlich mal gehörig auseinander genommen habe.
Danach hätte ich mir dann übrigens fast einen Mausarm angeschafft, obwohl das sicher blöd ausgesehen hätte. Ich habe aber den ganzen Tag im Fotoschopp herumgetan und u.a. ein Chamäleon freigestellt, weil ich das für einen Falti brauche. Das Freigestelltwer- den scheint wohl des Chamäleons Schicksal zu sein, denn vorher wurde es mal von Freund A. (Steinbildhauer) aus einem dicken Stein herausgehämmert, was ich ziemlich nett von A. finde. Inzwischen ist das Chamäleon zwar verkauft worden (und vermutlich schon wieder ins Freie gestellt!), aber es soll trotzdem mit rein, als Beispiel für A.s Hämmerkünste.
Und ich schreibe das nur als Beispiel für meine gestrigen, äh, Abwesenheitskünste hier hin. Leider gibt’s davon kein Foto, aber das macht eigentlich nix, denn da wär’ ja, wie man sich denken kann, eh’ nix drauf.
Und damit ich gleich mal wieder loslegen kann, werd’ ich mich jetzt erst mal föhn’n…
Ich fand schon etwas länger, dass es in meiner Küche leicht (sagen wir: zierlich) nach Gas roch, aber in den letzten Tagen vor Weihnachten wurde der Geruch merklich stärker, da roch man’s mitunter schon, wenn man zur Wohnungstür reinkam. Also habe ich immer ordentlich gelüftet und mal meinen Vermieter bzw. das Büro seiner Firma angerufen.
Glücklicherweise ist es nun so, dass diese Firma eine Installationsfirma ist, und sich der Vermieter den ganzen Tag mit Wasser, Abwasser, Leitungen, Thermen, Rohren und Zeug beschäftigt. Und natürlich auch mit Gas. Unglücklicherweise war die gesamte Firma aller- dings schon komplett im Weihnachtsurlaub und es lief nur der AB. Also murmelte ich da was drauf, dass bei mir in der Küche mal schwächer, mal deutlicher Gas zu riechen sei, und dass ich nun nicht wüsste, ob das vielleicht doch was Dringendes wär‘ und ob da mal jemand zurückrufen könnte, dann am 5. Januar… Am privaten Anschluss lief auch nur so eine Box, also ging ich davon aus, dass man sich wohl schon im Skiurlaub befindet und legte auf. Man will ja auch so kurz vor’m Fest nicht mit eventuellen Bagatellen nerven.
Und weil ich ja viel fernsehe, und Fernsehen bildet, habe ich morgens, wenn ich in die Küche kam, erstmal ordentlich Durchzug veranstaltet, bevor ich den Lichtschalter ange- knipst habe. Nur zur Sicherheit.
Einen Tag vor Heiligabend rief der Vermieter plötzlich doch noch zurück, weil er zufällig im Büro gewesen war und mehr so der neugierige Typ ist, was blinkende Anrufbeantworter angeht. Gegen Abend wolle er dann doch mal vorbei schauen, er wäre ja ohnehin in der Gegend… Und ich backte noch seelenruhig Kekse und ärgerte mich hinterher noch ein bisschen darüber, weil es jetzt natürlich mehr nach Keksen als nach Gas roch, und das ist ja nun wirklich kein Notfall.
Als der Herr dann kam, holte er so ein Kästchen mit Rüssel raus, und kaum, dass das aktiviert war, fing es immer wilder zu piepsen an und erzeugte schließlich bald einen durchdringenden Dauerton. Mein Vermieter, sonst die Lässigkeit in Person, wirkte plötz- lich doch unruhig. Vielleicht kam mir das aber auch nur so vor, weil er rief: „Frau G., das ist ja total gefährlich hier! Sie hätten ja in die Luft fliegen können!!! Machense mal sofort die Fenster auf! Da ist was undicht! Mensch!!!“ Dabei räumte er meine Kochbücher von der Fensterbank und zerrte gleichzeitig am Fenstergriff herum.
Und ich wurde in dem Moment wohl auch ein bisschen nervös, denn ich rief: „Ogottogott! Hörnse auf, Herr H., das ist ja schrecklich! Ich weine gleich!“ und hob schnell meine Zi- tronengeranie vom Fenster weg.
Zum Glück kamen wir mit Hilfe hochgezüchteter Technik (Seifenschaum auf verdächtige Stelle, und dann gucken, ob da Blasen kommen) schnell dahinter, dass die Dichtung des Schlauchs von meinem Gasherd aus unerfindlichen Gründen porös ist. („Sowas darf aber nicht sein, dass die undicht sind… Den schicke ich mal ein!“) Kurzerhand wurde der Hahn abgedreht und das Piepsgerät konnte sich und uns langsam beruhigen. Pause. Dann schaute der Vermieter mich an und meinte: „So, da kommt jetzt nix mehr raus… Alles dicht. Hm. Naja. Sie wollen Weihnachten ja bestimmt was kochen, oder?“ Ich sah uns schon bei Knäckebrot sitzen. „Schon, eigentlich.“ – „Dann fahre ich jetzt noch mal in die Werkstatt und hole ihnen einen neuen Schlauch. Den schenk’ ich ihnen zu Weihnachten!“
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich über einen Gasschlauch mal so freuen würde, ehrlich gesagt.
Zum Abschied kriegte der gute Mann noch ein Tütchen leckerer Kekse auf die Faust und man wünschte sich noch frohe Festtage und das Übliche und vorbei war der Spuk. Und mir kamen in der entstehenden Stille langsam die Bilder einer schrecklichen Explosion in den Sinn, die mich und meinen Liebsten am Heiligabend vom Sofa katapultiert und Löcher gemacht hätte, wo man nicht gerne Löcher hat.
– In der 3. Etage zum Beispiel. Jungejunge.
Deswegen werd’ ich dann heute wohl bei jedem Knall daran denken, dass der zum Glück nicht aus meiner Küche kommt, wo wir nachher hoffentlich gemütlich beim Raclette sitzen werden. Und es riecht höchstens mal nach angebräuntem Käse…
Und was ich noch sagen will: Ich wünsch’ Euch Allen hiermit einen ganz tollen Rutsch und dann ein ganz besonders 2009igesJahr 2009 mit allem Zipp und Zapp und was eben noch so dazu gehört!!! – Feiert mal schön, gell?
Gerade vor ein paar Tagen bin ich mal wieder drüber gestolpert. Nämlich über das Argument: „Wenn das Alle machen würden!“
Wenn ich mich dann nicht gerade über den Anlass an sich ärgern muss, fange ich hier an zu schmunzeln. Denn dieser Ausspruch wird von mir fast immer auf dieselbe Art und Wei- se beantwortet, mit: „Ja, es machen aber nicht alle!“ Diese Antwort ist zwar fast genau so sinnvoll wie das Jägerzaun-Rasen-betreten-verboten-Argument selbst, aber sie löst immer- hin verwirrte Blicke aus. Und das ist doch auch schon was.
Ich glaube, „Wenn das Alle machen würden!“ rufen vor allem Leute aus, die sich selber nie irgendwas trauen, das vom geliebten DIN A4-Format abweicht. Solche Leute haben auch immer frisch rasierte Hecken mit scharfen Kanten, polieren samstags ihr Auto, schnippen Papierfitzel in den Rinnstein und gucken vor allem drauf, wo Andere sich Verfehlungen leisten, damit sie sich die Mütze des Allgemeinwohlhüters aufsetzen können. Dabei sind sie vielleicht klammheimlich ein bisschen neidisch, wenn Einer quer über’n Rasen läuft, denn das würden sie selbst sich niemals trauen. Erst, wenn’s noch 20-30 Andere tun, seufzen sie erleichtert und probieren auch mal aus, wie verwegen sich das anfühlt. Und wenn dann einer fragt, sagen sie: „Das haben doch aber Alle so gemacht…“ In der Herde muht sich’s eben am schönsten.
Und dann muss man ja auch mal gucken, dass man in einem angemessenen Verhältnis bleibt. Wenn eben einer über’n Rasen läuft, sogar mit gutem Grund vielleicht, kann man das anders betrachten, als wenn einer aus purem Daffke durch die Rabatten trampelt und dabei alle Tulpen zerknittert. Das nennt man übrigens „Ausnahmen bestätigen die Regel“.
Wenn jemand andere oder neue Wege geht, sind die Allgemeinwohlhüter grundsätzlich misstrauisch, denn neue Ideen widersprechen dem Glaubensgrundsatz des „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Es gibt aber doch zum Glück immer Welche, die sich darin nicht einrichten wollen und deren Ideen über Zäune gucken und dann eben gern da hin wollen. Und eine neue Idee ist ja nicht automatisch eine schlechte Idee. Sondern eine schlechte Idee ist schlechte Idee. Dann wird sie sich aber höchstvermutlich auch nie durchsetzen. Wenn sie aber gut ist, dauert’s manchmal nicht lange, und dann machen es auch Alle so.
Und wenn es Alle so machen, dann weil sie es wollen. Und dann werden auch ganz fix die Regeln geändert. – Von Allen.
An den anderen Tagen der Woche vermeide ich das eher, was aber nicht etwa daran liegt, dass Brötchen in Hannover nun so eine besondere Sonntagsspeise darstellen, sondern an der Verkäuferin, die die Brötcheneintüterei unter der Woche vornimmt. Die ist nämlich eine anstrenge Person.
Sie ist launisch und vorlaut. Man weiß, wenn man den schmalen Laden betritt, nie, wie sie wohl aktuell gelaunt ist. Ich wünsche mir, wenn ich doch mal hinmuss, eigentlich immer, dass sie schlechte Laune hat. Dann ist sie kurz angebunden bis wortlos, stopft einem die Brötchen in zu kleine Tüten, die dann oben nicht zugehen, schnappt sich die Knete und draußen ist man wieder. Die Sonntagsfrau hingegen ist übrigens immer min- destens mittelgut gelaunt, ehrlich freundlich und kann sogar im Kopf ausrechnen, wieviel zwei frische Brötchen und ein Pflaumenmuskrapfen vom Vortag kosten (94 Cent).
Wenn die Alltagsfrau gute Laune hat, ist sie wiederum nicht zum Aushalten, will plaudern (vielmehr tratschen), fragt frech nach meinem Privatleben („Wo hast Du Deinen Freund denn eigentlich kennen gelernt? Und was macht der so beruflich?“), nennt mich „Schatz“ und „Lady Di“ (fragt mich nicht, ich hab‘ kei-ne Ahnung!) und rückt das Gebäck erst raus, wenn ich mir halbwegs zufriedenstellende Antworten rausgequetscht habe (die auch schon mal frei erfunden sind. Ich möchte gar nicht wissen, was man im Viertel jetzt so alles über mich denkt).
Auch meinen liebsten Besucher hat sie gleich kalt erwischt, als er das erste oder zweite Mal dort hereinschneite und ganz arglos nach Brötchen verlangte. Offenbar wollte sie ihn gleich irgendwie einnorden, indem sie ihn donnernd fragte: „‚N Döner dazu?!?“ Dazu muss man sagen, sie ist kurdischer Herkunft. Und er ist Vegetarier. Die Beiden mochten sich sofort.
Auf dem Weg nach unten habe ich jetzt endlich mal mein Altpapier mitgenommen, zwei schwere gelbe Säcke, die unter anderem die verpflanzten Zeitschriftenstapel aus dieser Aktion beinhalteten. Und eigentlich hatte ich gehofft, das Gratis-Sonntagsblättchen läge schon unten aus. Der Zeitungsausträger steckt den Stapel nämlich gern in gelbe Säcke, bevor er sie vor die Haustür legt, um sie vor Regen zu schützen. Ich hole dann den Stapel rein und nehme als Belohnung die Tüte. Seit Längerem bin ich nämlich schon zu faul und zu vergesslich, mir eine neue Rolle davon zu besorgen…
Zu faul bin ich heute auch für irgendwas Sinnvolles. Obwohl ich gestern auf Trithemius‘ wieder mal wunderbarer Nachtwanderung eigentlich nur einen Piccolo getrunken habe (den zweiten habe ich nur angenippt), liege ich heute irgendwie „in Öl“. Aber soll ich ehr- lich sein? Manchmal mache ich das ganz gern. Besonders nach so einer feinen Nacht.
Deswegen lege ich mich jetzt wieder hin und frühstücke erstmal…
Mein Bericht zum Weltbloggertreffen zockelt jetzt natürlich so’n bisschen hinter den an- deren her, aber ich bin ja schließlich auch erst gestern Nachmittag aus Berlin zurück gekommen (und dann auch noch direkt weitergetrabt zu Freund M.s Geburtstag). Aber: Versprochen ist natürlich versprochen! Mit Fotos halte ich mich aber lieber zurück, das haben Andere schon gründlicher erledigt und meine sind eh’ nicht besonders geworden.
Also:
Erstmal ging’s ja am Donnerstag ab zum Bahnhof, wo ich Jules, meinen lieben Begleiter, aus dem einen Zug rauserwartete und in den anderen reinbegleitete. Und was soll ich sa- gen: Keine zwei Stunden später waren schon alle Käsebrote verputzt und wir erreichten den Bahnhof Spandau. Das mit Spandau war ein kleiner Trick, denn von dort aus lässt sich’s prima mit der U-Bahn nach Kreuzberg fahren, ohne zwischendrin auszusteigen. In Kreuzberg wiederum wartete mein Vater schon darauf, uns in die kleine Behausung einer Bekannten zu begleiten, die hauptsächlich in Italien weilt und ihre Berliner Wohnung zum Glück nicht dorthin mitgenommen hat.
Zu dieser Wohnung könnte ich jetzt manches bemerken, beschränke mich aber darauf: Manche Hochbetten sind Vertrauen erweckend gebaut, andere nicht so. Dieses hier war quasi begleitet von weiteren Selfmade-Konstruktionen innerhalb der Wohnung, wie bei- spielsweise einer Duschvorhangwinkelstange, die (um sie am Durchsacken zu hindern) mit einem langen Schlüpfergummiband an einem Wasserrohr befestigt war. Wie viel Erfolg dieser Bastelei beschieden war, kann sich jeder selber denken. Aber schließlich komme ich so wenigstens endlich mal dazu, die Wörter „Duschvorhangwinkelstange“ und „Schlüp- fergummiband“ in einem Satz zu verwenden! Und werde in Zukunft sicher keine nassen Handtücher mehr über solcherlei Arrangement hängen.
Wir richteten uns also ein, und zum Donnerstag ist dann eigentlich nichts weiter zu sagen, außer, dass wir noch ziemlich leckere Pizza an der Gneisenaustraße aßen. (Die Adresse rücke ich auf Anfrage gern heraus.)
Der Freitag begann mit einer Brückenfahrt. Diese Bezeichnung ist jetzt ein bisschen irre- führend, denn die Brücken fuhren ja nun kein bisschen, sondern wir. Und zwar auf einem Schiffchen und unter den Brücken durch. Wer mal nach Berlin kommt, sollte das ruhig mal machen, weil’s einfach schön ist und man die Stadt aus einer sehr sympathischen Perspektive kennen lernt. Da ich das schon öfter gemacht habe, bekomme ich einen Son- derservice: ein Freund meines Vaters lebt in einem schicken Haus am Landwehrkanal und wird per Handtelefon zum Winken auf seinen Balkon komplimentiert, wo er dann jedes Mal wahlweise Hüte, Schiffsflaggen oder sogar beides schwenkt. So auch diesmal…
Nachmittags machten wir uns dann allmählich auf den Weg zu mokono. Dass der Fuß- weg dorthin doch ziemlich lang war, merkten wir erst unterwegs, denn natürlich ist das blog.de-Office immer genau am anderen Ende der Oranienstraße untergebracht. Und weil das Wetter so schön war, hatten wir an Mantel und dickem Zeug nicht gespart und kamen sozusagen gar an.
Eine ziemlich ulkige Situation übri- gens, einen Raum zu betreten, in dem sich Leute aufhalten, die man „kennt“, aber man weiß noch nicht recht, wen, weil man sie vielleicht nicht erkennt. Ich hatte mir darum Erkennungsmaterial erstellt, nämlich einen dicken Anheftebutton mit mei- nem Avatarfoto und kleine, leckere Schokotäfelchen, mit denen ich mich beliebt zu machen hoffte.
Das allgemeine Prozedere allerdings war, noch Unbekannte einfach am Ärmel zu zupfen und dann zu fragen: “Wer bist’n Du?“ Bei Einigen war das nicht mal nötig, da sie einwandfrei und ohne Zupferei als sie selbst zu erkennen waren.
Am verblüffendsten ergings mir jedoch mit einem jeansbejackten Herrn, der plötzlich ums Eck geschlendert kam und in mir sofort den Gedanken freisetzte: „Dat is’ der KaterMurr!“ Und er tat mir freundlich den Gefallen und war’s auch prompt.
Soll ich denn hier jetzt wirklich aufzählen, wen ich nun noch alles kennen gelernt habe? Nachher vergesse ich in meiner Schusseligkeit jemanden und der oder die weint dann dicke Tränen und ich bin nicht in der Nähe, um mit tröstender Schokolade auszuhelfen!
Na gut, ich versuch’s mal: Da war der Richard/Sansibar (der leider nur Freitagabend kurz vorbeischauen konnte), Prinz Rupi (der fast den ganzen Abend als Interviewer in seiner Loge zubrachte und sich erst später unter’s Volk mischte), BlackLily (mit der ich dann mal freudig anstoßen konnte, wenn auch mit dem falschen Bier *zwinker*), KaterMurr (der wirklich genauso war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte), ein Bohnenzähler (der mit ein unmögliches Versprechen abnahm und zum Tausch eine Handvoll Bohnen schenkte, die aber leider keine Kakaobohnen waren), Orphelins (die ein erfrischendes Lachen und ihren Gatten mitbrachte), Caramellino (der trockene Kommentare und seine Gattin dabei hatte), die Töpferschnecke mit Mann Repuhan und Sohn Lordkev, die freundliche Mondelfe, zwei Paparazzi namens Teddykrieger und Lichtundschatten, ferner ein Großteil des Blog.de-Teams und vieleviele Andere, deren Hände ich geschüttelt habe. Ich hoffe, ich hab’ jetzt niemanden ausgelassen… – Und wenn ich jetzt noch aufzählen würde, wen ich da alles schmerzlich vermisst habe…!
Es war jedenfalls ein Abend in aufgekratzter Stimmung, der später in einer Bar namens „Würgeengel“ endete. „BAR“ bedeutet zweierlei: dass man zwar erstens was zu Essen von der Karte bestellen kann, es aber eine Stunde dauert, bis sie es bringen (laut Aus- kunft der resoluten Tablettbiene), und dass man zweitens dort kein Alster bekommt (weil in Bars eventuell Brauseverbot herrscht?). Übrigens bekommt man zur Minestrone auch keinen Löffel und muss auf Tischnachbarn hoffen, die ihren Spaghettilöffel opfern. Es wur- de jedenfalls ganz schön spät, bis uns der exzellente Fahrdienst (Danke, lieber Rupi!) wieder in unserer Straße absetzte.
Am Samstagmittag ging’s dann ja gleich weiter mit dem Treffen am Neuen See, wo die Pizza groß und die Sonne warm schien. Es wurde freundlich geplaudert und irgendwie hatten sich wohl auch schon die Gruppen gefunden und nicht mal das Ruderbootrennen vermochte da eine gewisse Auflösung bzw. Neumischung zu bewirken, was ich irgendwie ein bisschen schade fand.
Nun, da wir voller Eindrücke waren und uns gerne vor Rupis Lesung noch ein Weilchen ausruhen wollten, machten wir uns mit KaterMurr im Schlepptau auf den Weg (auf dem sich prächtige Berliner Kastanien fanden, so dass ich jetzt derer zwei habe. Danke, lieber Murr!). Dass wir unterwegs wieder Durst bekamen, und noch ein Stündchen in einem wei- teren Biergarten hängen blieben, dafür kann ich nüscht. Berlin scheint eine Durststadt zu sein. Ich hatte tatsächlich von Donnerstagnachmittag bis Montagvormittag fast ununter- brochen Durst. Und das, obwohl ich sogar Getränke zu mir nahm! (Das schreib
e ich mal lieber dazu, nur falls jemand meint, mir einen prima Tipp gegen Durst geben zu wollen.)
Am Abend fanden wir uns dann natürlich in der Alten Post ein, wo Rupi, von seinen beiden Kumpels Waldorf und Statler flankiert, einige seiner vergnüglichen Texte vorlas und das Vorgelesene durch ausdrucksvolle Gestik, rasend schnelle, mit bloßen Auge kaum wahr- nehmbare Kostümwechsel und den Einsatz gefährlicher Tiere und Kekse noch unterstrich. Leider sind die Fotos indiskutabel, aber: schee war’s!
Und für mich gleichzeitig die Abschlussveranstaltung des Bloggertreffens, denn der Sonn- tag sollte doch meinem Vater gehören, der uns dann gleich vormittags auf eine kleine Rundreise nach Tempelhof und anschließend zum ausnahmsweise geöffneten Fahrzeug- depot des Technischen Museums ausführte, wo ich hauptsächlich (und leider zum großen Teil vergebens) versuchte, alte Schilder zu knipsen, während das liebe Väterchen mir einen minutiösen Bericht über sämtliche Straßenbahnfahrten seiner Kindheit lieferte.
Ich kann Euch sagen, mir schwirrte von all‘ dem nur so der Kopf! Eigentlich habe ich in Berlin jedes Mal das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben, um alles zu sehen und alle Lieben zu treffen, die ich dort habe. Aber diesmal kam ich mit der Verarbeitung der ganzen Ein- drücke wirklich nicht richtig hinterher. Da summt’s und brummt’s eigentlich noch immer im Oberstübchen.
Zum Glück hab‘ ich noch ein paar Schokotäfelchen übrig und kann mich damit nachher in meine duschvorhangstangenlose Badewanne legen…
Vor gerade mal drei Wochen hat er sich blog.de zu seinem neuen Revier erkoren und nun tappt das kluge Tier munter von Blog zu Blog, fein gemaunzte Kommentare hinterlassend, mal schnurrend, mal murrend, mal Köpfchen gebend.
Schön, Dich jetzt mit dabei zu haben… – Herzlich Willkommen, lieber KaterMurr!
Und zwischendrin, zu Deiner Stärkung, dieses hier:
Fast schade eigentlich, dass ich mal wieder nicht weiß, was wir gerade für eine „Kahweh“ haben. Bestimmt irgendwas mit ’ner 3 vorn, schätzungsweise. Manche Leute legen ihr Le- ben ja in diesen „Kahwehs“ fest, diese Verfahrensweise ist mir allerdings ziemlich lange verborgen geblieben.
Bei KW denke ich höchstens an Kilowatt und dann bin ich noch lange nicht unbedingt bei Strom, sondern eher bei der Badezimmerwaage oder so. Wenn man mich z.B. fragte: „Wie sieht’s denn bei Dir mit der 36. KW aus?“, müsste man damit rechnen, dass ich antworte: „Ich war neulich erst beim Arzt, und der sagt, mit meinen KW-Werten ist alles prima. Ich sollte nur mal weniger Zucker essen. Aber das sagt er eigentlich immer, der olle Asket, der.“
Die vergangene egal-wievielte Woche war jedenfalls mal wieder voller Eindrücke und Ereig- nisse. Zum einen hatte ich wieder ganz lieben Besuch, den ich gestern schweren Herzens wieder verabschieden musste. Zum andern hatte ich am Donnerstag ein Vorstellungsge- spräch, aus dem ich etwas ratloser rausging als ich reingegangen war. Das wird sich aber hoffentlich in den nächsten Tagen mal klären…
Dazu gab’s leckerste Schokolade aus Maastricht, sonnig-windiges Picknick, Maschsee- fest, Gewitter, erschreckend viel frisches Gemüse, die erneute mittelschwere Erkenntnis, dass das Leben irgendwie einfacher wäre, wenn es nur etwaseinfacher wäre…
Ich musste mich tagelang mit dem neumodischen Begriff „Back office“ aufziehen lassen und außerdem hockt hier noch ein kleines Hühnchen, das ich demnächst mit meinem Nachbarn zu rupfen gedenke. Und zwar nicht mal, weil er in der Mittagszeit, als ich natür- lich mal ein bisschen ruhen wollte, plötzlich nebenan Stichsägearbeiten mit zünftigem Gepolter anfing. (Ich vermute, es entsteht ein neues Regal für seine Klanghölzchen und Blockflöten, mit Extra-Fach für seine geschundene Wandergitarre. Oder vielleicht hat er sich auch gleich eine neue Gitarre geschneidert! Die jetzige klingt schließlich auch wie Spanplatte.)
Ach, und ohne es zu wollen, habe ich am Donnerstag auch noch eine Rätselstube hier aufgemacht! Das will ich mal eben auflösen: der Onkel aus dem Fernsehen, auf dessen Namen mein Besucher zunächst nicht kam, war Hans-Olaf Henkel… Meines Wissen lebt der zwar noch, fiel mir aber natürlich erst Recht nicht ein, weil ich normalerweise gleich wegschalte, wenn so Wirtschaftsheinis in meiner Stube auftreten wollen. Die lesen ja doch nur von unsichtbaren Zetteln ab und versuchen sich gegenseitig zu neutralisieren. Herr Henkel war ja eine Zeitlang in jeder Talkrunde zu jedem Thema dabei und so habe ich vermutlich den Weiterschaltdaumen in dieser Zeit noch häufiger benutzt.
Weil Ihr aber offenbar so unheimlich gern rätselt, bekommt Ihr jetzt mal was Richtiges:
Welcher Begriff verbirgt sich hier? Ein bisschen müsst Ihr schon um die Ecke dabei. Kleiner Tipp: Es ist eher was für draußen.
So, was gibt’s noch? Natürlich! Das Beste zum Schluss: Ich freue mich sehr über zwei neue Blogfreunde!
Frau Familie Sonnenschein, die endlich wieder ihr Unwesen auf der Plattform treibt und deren trockenen Irrwitz ich schon oft genossen habe. Und talkavenue, der mich in kür- zester Zeit mit ägyptischen Broten und gemahlenen Schauspielern lustig verwirrt hat.
Na, da ist aber Strahlen in der Bude! Also, Herzlich Willkommen und auf eine feine Blogfreundschaft!