In den letzten Tagen habe ich, ehrlich gesagt, nur ganzganzganz selten ans Bloggen ge- dacht, hoffentlich hat das keiner gemerkt. Stattdessen war ich schön mit meinem tollen liebsten Besuch unterwegs am Mittellandkanal, in der Eilenriede, in der Stadt, auf’m Floh- markt, im Biergarten.
Der Biergarten ist übrigens wunderschön gelegen, hoch oben auf dem Lindener Berg. Den Lindener Berg raufzukommen ist gar nicht mal so einfach, besonders wenn man noch ein bisschen Muskelkater vom Radfahren hat und schnell höhenkrank wird, denn der ist ziem- lich steil und hoch. Ich müsste direkt mal kurz aufstehen, wenn ich von hier aus drüber gucken möchte! Aber so eine gemächliche Bergbesteigung lohnt sich allemal…
Wenn man danach endlich oben im Biergarten sitzt, kann man sich toll unter Kastanien erholen, derweil die junge Frau aus der Selbstbedienungsbude unermüdlich so schöne Sa- chen wie „Kartoffelecken!!!“ und „Quarkbällchen!!!“ schreit, und man kann auch fremde Menschen vorsichtig dabei beobachten, wie sie regional beliebte, aber eher merkwürdig anmutende Getränke trinken (Altbierbowle mit fies aussehenden Früchten). Und man kann auch genau sehen, dass Männer Getränke im Allgemeinen anders vor sich hertragen als Frauen. – Herrlich!
Nebenbei hab’ ich dieser Tage eine 4 vorne dran bekommen, dazu viele tolle Schokoladen- sachen, einen leichten Sonnenbrand, was zum Gucken, was zum Anziehen, was zum Hören (u.a. ein feines Ständchen auf meinem Anrufbeantworter. Danke, liebe Jule!), was Wunderschönes zum aufen Tisch stellen mit Wasser unten drum und dann die Nase nah dranhalten. Dazu wurden Biere und Sektflöten leer getrunken und der liebe Gott war mal wieder ein echt guter Mann.
Außerdem ist endlich meine Eismaschine angekommen!!! Da werde ich heute wohl teure Milch und Sahne reinkippen, und zudem alles, was sich in der Küche noch so findet. Hof- fentlich schaffe ich’s, ein Foto vom Ergebnis zu machen, bevor ich’s verschlinge. Auch von den ganzen anderen Sachen habe ich noch ein paar Bilder, die ich eventuell noch zeige. Mal gucken.
Aber zuerst gibt’s mal ein aktuelles Foto meiner Schokoblume, die ihre Arbeit fleißig auf meiner Fensterbank verrichtet. Damit man mal sehen kann, wie großzügig ihre Wohnung geschnitten ist, habe ich mal ein schmutziges Geld daneben gelegt. (Inzwischen liegt es aber nicht mehr da, denn davon kaufe ich mir gleich Eiswaffeln…)
Bleibt mir jetzt nur noch, endlichBlackLily zu be- grüßen, die mir mit ihrer charmanten Einladung eine große Freude gemacht hat: Vielen Dank dafür, Willkommen & einen lieben Gruß!
Gestern war ich mit Freund M. auf einer Vernissage eines gemeinsamen Freundes. Ich hatte mich darauf schon gefreut, denn ich hatte seine früheren Bilder länger nicht gesehen und kannte die neuen noch nicht. Ich vermutete schon vorher, dass dort wahrscheinlich ein ganz spezielles Publikum auftauchen würde. Doch das Publikum war noch spezieller. Es waren richtig viele Alt-Toscanisten um die 60 da, die sich prompt nach der Rede auf den Shiraz und die Wurst- und Käsehäppchen stürzten. Sicherlich waren das die Stamm- gäste der Galerie. Man trug entweder Leinen- oder bunt gemusterte Freizeithemden mit Sacco drüber. Untenrum Bundfalten, aus Stoff oder Jeans. Alles so Möchtegern-Karasek- typen, irgendwie, jedenfalls die Männer. Karasek konnte ich übrigens noch nie leiden. Die Frauen passten auch richtig gut dazu, und sie bewachten den Wein fast noch schärfer als die Männer. Dabei war man überall damit beschäftigt, entweder jovial oder unterschwellig zynisch zu sein und Visitenkarten zu tauschen.
Das Erstaunliche für mich war dabei, dass ich tatsächlich auch einige Leute dort traf, die ich von Irgendwoher kannte. Einen ehemaligen Mitmusiker z.B., aber darüber habe ich mich gefreut. Wir laufen uns nämlich immer mal alle paar Jahre über’n Weg und erzählen uns dann im Schnelldurchlauf, was wir in der Zwischenzeit so gemacht haben und was wir jetzt so machen. Er möchte nämlich auch bald in dieser Galerie ausstellen. Dann haben wir Visitenkarten getauscht.
Außerdem habe ich einen Exfreund meiner Mutter erkannt (denn er sieht noch genauso aus wie vor dreißig Jahren), aber er mich nicht (ich seh’ nicht mehr so aus wie vor dreißig Jahren), einen ehemaligen Geschäftspartner (mit dem hätte ich eigentlich gleich einen hübschen Streit anfangen können, aber da wär’ vorher mehr von dem Shiraz nötig gewe- sen) und ein paar Gesichter, die mir bekannt vorkamen, wahrscheinlich von ähnlichen Veranstaltungen.
Zum Glück war ich aber mit M. da, und es tauchte bald noch ein guter alter Freund von ihm auf, der immer genau so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was ich ganz erfrischend finde und mich selbst nur selten traue. M. traf auch noch einen früheren Pro- fessor aus seiner Studierzeit wieder, der dann sehr sympathisch mit uns in der Gegend herumstand. Wir sprachen ein bisschen über die mit den Jahren zunehmende Unmög- lichkeit, über Zäune zu springen. Bevor er und M. Visitenkarten tauschten.
Irgendwann hatte der liebe Künstler auch mal kurz Zeit, sich ein bisschen zu uns zu stel- len und da konnte ich auch von Nahem sehen, was mir von Weitem schon aufgefallen war: Er war ganz zufrieden. Sicherlich lag das auch daran, dass an einigen Bildern schon rote Punkte klebten, und ich dachte die ganze Zeit: „Das gönn’ ich dem!“ Hoffentlich kommen da in den nächsten Wochen noch ein paar dazu.
In 14 Tagen gibt es in der Galerie noch ein „Künstlergespräch“, da muss er sich den Fra- gen eines interessierten Publikums stellen. Ich hab’ zufällig mal erlebt, wie sowas vor sich gehen kann, und zwar anlässlich einer Ausstellung von Peter Basseler. Da waren lauter ehemalige Grundschullehrerinnen aufgetaucht, original mit Pottfrisuren und Häkelwesten. Sie verstanden seine Schaukästen irgendwie nicht, wollten andauernd Erklärungen von ihm und kamen ihm mit merkwürdigen Szenen aus der Literatur und so. Ich litt mit dem Künstler und gab gestern meiner Hoffnung Ausdruck, dass sowas dem guten C. dann nicht auch passiert. Schnell waren wir uns einig, dass es eventuell hilft, wenn er dann die Gesprächsrichtung ein bisschen vorgibt. Auf die Schnelle fielen uns ein: „Kurt Beck“ und „Die Spargelernte in Mecklenburg-Vorpommern“.
In ein paar Wochen ist es soweit: Miss T. durchbricht eine Schallgrenze! Beziehungsweise steigt sie mal eben über ein zierliches Mäuerchen. – Ja, was denn nu? Herrjeh, es fühlt sich eben mal so und mal so an…
Tausende Artikel sind darüber bestimmt schon weltweit verfasst worden. Es passiert stän- dig überall. Mir ist es zwar noch nie passiert aber es wird mir bald passieren. Zum Glück aber wohl nur einmal. Wissenschaftliche Untersuchungen führender Labors auf der ganzen Welt haben ergeben, dass es Jedem eigentlich nur einmal passiert. Reicht ja auch. Aber es wird eben darüber geredet und auch geseufzt. Also bitte, hier kommt jetzt die Stelle, an der geseufzt wird: Seufz.
Wieso seufz? Hatte ich das noch gar nicht gesagt? Ach so. Ich werde 40.
Ja, seufz. Sag’ ich doch. Die alte Leier. Ist schon komisch, dass man sich von einem Datum so erschrecken lässt. Es ist ja nicht so, dass ich über Nacht, BAM!, altere, und wenn ich dann morgens in den Spiegel gucke, sind da plötzlich 20 Jahre mehr im Gesicht abgeheftet.
Trotzdem wird mich die Zahl stören, weil ich finde, sie steht mir nicht. Mir sind nämlich manche Zahlen schon immer unsympathisch, und die 2 und die 4 mochte ich noch nie, ganz besonders die 4 nicht. Die ist mir irgendwie zu pieksig. Meine Lieblingszahl ist und bleibt die 3, und die gebe ich jetzt auch ganz ungern her. Meinetwegen könnte ich jetzt noch 10 Jahre lang irgendwas mit 3 davor sein, und dann direktemang 50 werden. Die 5 hab’ ich nämlich auch ganz gern und die steht mir dann bestimmt auch wieder viel besser.
Eventuell hat der Argwohn gegenüber der 40 auch was mit solchen Zeichen zu tun, dass z.B. die Damen in „Liebe her!“-Anzeigen immer höchstens 39 sein sollen und wollen. Dahinter beginnt wohl so eine Art Niemandsland. Wer will da schon hin. Das hätte dann also was mit der Angst vor schwindender Attraktivität zu tun. Jetzt sagen natürlich alle: „Quatsch! Wieso soll eine Frau mit 40 denn nicht attraktiv sein? Da musste doch drüber stehen!“ Schon, aber deswegen kann es mir ja trotzdem mal auffallen, oder? Das merke ich aber sowieso schon länger, dass die Jungs nicht mehr so gucken wie früher. Zuerst dachte ich: nanü, die gucken ja gar nicht mehr. Werde ich vielleicht langsam unsichtbar? Aber weil im Freundes- und Bekanntenkreis eigentlich niemand Probleme hatte, mich optisch auszumachen, dachte ich dann: Ach, phhhh…, wer will denn schon von Jungs beguckt werden! – Die Männer, die gucken nämlich schon noch…
Und Frauen, die vierzig sind, kriegen außerdem meistens keine Kinder mehr. Da findet also schon eine Art heimliche Staffelübergabe statt und da sagt irgendsoein Steinzeittrieb eventuell „Abwinken“. Da kann man sich noch so gut gehalten haben.
Was die Kinderfrage angeht, bin ich ja sowieso etwas verdreht. Früher wollte ich durchaus eines Tages Mutter werden. Aber irgendwie wollten die Männer, mit denen ich ernsthaft zusammen war, auf gar keinen Fall Kinder. Bis auf einer. Der sagte irgendwann, er wün- sche sich sogar ganz doll eins von mir. Bevor ich aber richtig überlegen konnte, ob ich ihm das nun zum Geburtstag oder lieber zu Weihnachten schenken soll, machte er sich vom Acker. Man gut, dass wir noch nicht angefangen hatten damit! Direkt auf der anderen Seite des Ackers stand übrigens die Frau, der er das Kind noch viel lieber machen wollte. Und heute bin ich amüsiert und sogar richtig froh drüber, dass es so gelaufen ist. Der wär’ nämlich wirklich der Falsche dafür gewesen. Das eigentlich Irre ist aber: Alle diese Herr- schaften, mit denen ich länger zu tun hatte, wurden in der Beziehung nach der unseren Vater. (Bis auf Freund M. Der will das nämlich wirklich nicht.)
Eventuell bin ich also keine Frau, mit der man Kinder will, obwohl ich eigentlich gar nicht so richtig wüsste, wieso. Und vielleicht ist das auch gar wirklich nicht so, es wäre aber eigentlich nicht schlimm. Mit dem Thema bin ich inzwischen sowieso, nach sorgfältiger Auseinandersetzung damit, durch. Nur, wenn mal wieder eine Freundin muttert (so wie Freundin M. zurzeit), flackert kurz auf, dass das ja eigentlich schon ganz schön ist, so was… – Aber ich kenn’ das schon, das ist nichts Ernstes, dauert ungefähr 2-3 Monate und geht dann von alleine wieder weg. Was man von Kindern nun wieder nicht behaupten kann.
Müsste ich mich jetzt eigentlich für diesen ziemlich privaten Exkurs entschuldigen? Nö. Da denke ich halt so drüber nach. Ich behaupte jetzt mal frech: Das ist evolutionär so angelegt, das Frauen um die vierzig immer mal über Quark nachdenken müssen. Da können die nix für. Aber es reinigt die Hirnwindungen, also lass ’se mal.
Das sind eben die Sachen, die einem so einfallen können, wenn man 40 wird. Ob Männer das dann wohl mit der 50 haben? Dieses etwas unangenehme Gefühl, mal gucken zu müssen, was man eigentlich bis hier geschafft hat, und ob man noch irgendwo hin will? Hin will ich schon irgendwo, weiß aber im Moment nicht so Recht, wohin.
„Wohin?“ fragen mich gelegentlich auch Freunde und so. Da denke ich manchmal direkt bergeweise drüber nach, und weiß hinterher immer: Nee, da war jetzt noch nix dabei. Es muss schon laut und deutlich „PLINGGG!“ machen. Und Vieles hab’ ich ja auch schon gemacht: Ausbildung, Arbeiten in einigen total unterschiedlichen Sparten, Entwicklung von Universaltalenten, Musikmachen, Selbständigkeit, Liebe mit Zusammenwohnen, Liebe mit Getrenntwohnen, Freundschaft, Trennung, Krisen, Wiederaufstehen, Weitermachen.
Soweit also die Bilanz.
Und was mache ich denn an meinem Geburtstag? Also, soll ich das auch noch feiern, oder wie? Und mir launige Sprüche über die 40 anhören? Mich „altes Haus“ nennen lassen? Mein ganzes Taschengeld für Bier ausgeben, damit die Gäste dann fröhlich behaupten, ich sähe „keinen Tag älter aus als 39!“? Ich sehe sowieso höchstens wie 36 aus, dass das mal klar ist.
Eigentlich würde ich viel lieber wegfahren, ich vermisse das Meer sowieso schon seit län- gerer Zeit. Und Muscheln stellen auch keine doofen Fragen und schenken einem keine T-Shirts, auf denen draufsteht: „Ich bin 40, bitte helfen sie mir über die Straße!“ O.K., das machen auch meine Freunde nicht, da würd’ ich denen nämlich was husten. Ebenso, wenn mir einer auf die Schulter haute und riefe: „Na? Und? Schon Mitleidskrise? Hahaha!“ Schließlich habe ich das oder Ähnliches im letzten Jahr bei Freundin S. beobachten kön- nen, die mir zum Glück neulich mal erzählte, ihr sei die 40 auch immer noch nicht recht geheuer, obwohl sie schon ein Jahr damit rumläuft. Leider reicht aber meine Haushalts- kasse nicht so richtig zum Wegfahren. Und wenn ich nach Hause käme, müsste ich die Biere ja trotzdem noch ausgeben. Ich könnte mich eventuell tot stellen. Aber auf Beerdi- gungen wird ja für gewöhnlich sogar noch mehr gesoffen als auf runden Geburtstagen. Weiß ich also noch nicht…
Na, bis mir was einfällt, altere ich einfach noch ein bisschen vor mich hin…
Vorgestern sagte eine Frau einen tollen Satz aus meinem Fernseher heraus. Und das war wirklich nett von ihr, denn der Satz passt heute prima hier hin:
„Ich mache eine Sache so lange, bis sich sie so haben will, wie ich sie mir vorstelle!“
Genau. Und da ich noch nicht so ganz si-
cher bin, ob und was ich mir überhaupt genau vorstelle, und wo ich das schon wieder hin habe, und wie ich’s dann auch vielleicht will, wenn ich eventuell möchte, also, gesetzt den Fall…, – mache ich die Sache einfach noch ein bisschen weiter…
Ich möcht‘ mich gern mal bedanken bei denen, die hier immer mal vorbeischauen:
Danke für die vielen warmen Gedanken, witzigen Wortspielereien und guten Taten!
Also, die Freunde sind tatsächlich umgezogen, das konnte ich am Samstag ganz deutlich sehen, als ich abends mal gucken ging, denn da standen überall Kartons herum, und die waren vor einer Woche noch nicht da. Dafür waren die voll gekleckerten Planen weg und man sah endlich das sehr schöne Eichenparkett. Ziemlich durcheinander wirkte das alles aber immer noch. Deswegen hab’ ich erstmal drei Biere getrunken und leckeren japani- schen Nudelsalat gegessen. Die Stimmung war eher so lálá, aber außer mir und meinem Begleiter hatten ja auch alle den ganzen Tag Kartons herum geschoben und Schränke verwuppt. Die Einzige, die auch um halb zwölf noch richtig fit war, war die lütte M.N., die gern mit dem auch völlig erschöpften Riesenhund Rocky spielen wollte und immerzu „Ucki! Ucki! Ucki!!!“ rief, wenn sie ihn sah. Er probierte aber mal lieber das Parkett aus. Liegeeigenschaften und so. Das habe ich genau gesehen, weil ich direkt daneben das Sofa auf Sitzeigenschaften…
Ach, ich hab’ ja übrigens noch gar nicht erzählt, dass ich mir was ganz Feines gekauft habe! Seit Monaten schon hatte ich nämlich die Idee: Ein gebrauchtes Notebook könnte mal her. Und dann las ich neulich von einer neuen Einrichtung hier in Hannover: Einem gemeinnützigen IT-Haus namens AfB. Da werden u.a. neue, aber auch von Firmen ausge- musterte PCs, Notebooks und Zubehör von Menschen mit Behinderung gecheckt, bei Bedarf repariert, und dann wieder verkauft. Letzten Montag bin ich da mal mit Freund M. hingefahren, um zu gucken. Sehr nett alles da, auch die Beratung ist kompetent und nicht so auf Umsatzumsatzumsatz! gebürstet. Diese Läden gibt’s sogar schon länger in 9 anderen Städten. Find’ ich prima, sowas.
Und weil sie aber gerade nix Passendes für mich da hatten, habe ich dann mal im eben- falls schon länger bestehenden Onlineshop gestöbert, und gleich ein prima Notebook für mich entdeckt. Montag bestellt, Geld überwiesen, gewartet. Und am Donnerstag war das außerordentlich gut gepackte Paket schon da! Und was soll ich sagen: Alles super! Datt Dingen läuft (der Akku kann sogar noch so 1 ½ Stunden), sieht gut aus, ist auch nicht so schwer, – kann ich auch prima mit verreisen. Und wenn was hakt, kann ich hier in Hanno- ver in den Laden, dann kümmern die sich, weil: 1 Jahr Gewährleistung. Dufte.
Und Freund M. hat Freitag auch schön zwei Stunden mit mir hier gesessen und mir das Ethernet angefummelt, – der Gute, der. Gestern Abend hab’ ich dann im Liegen mal eine ganz nette mail an die Leutchen vom AfB geschickt, weil ich ja finde, positive Resonanz ist auch wichtig.
Eine Meckermail hingegen ging noch an eine Bäckereifilialkette hier in Hannover. Die haben nämlich in den letzten Jahren im Frühling immer ein echt sauleckeres, fluffiges, goldgelbes Bärlauchbrot gebacken. Ich bin ab Februar immer schon ganz gierig drauf… Am liebsten schmeiße ich dicke Scheiben davon in die Pfanne oder auf den Grill, aber auch einfach mit Butter und etwas Salz drauf ist es ein, na klar, Gedicht. Und was ma- chen sie in diesem Jahr? Verändern das Rezept, tun da Roggenmehl rein und datt Dingen schmeckt fast wie ein stinknormales Zwiebelbrot! Und ich schwärm’ noch meinem Besu- cher davon vor, wie toll unser Leben erst wird, wenn es wieder das gute Bärlauchbrot gibt!
Jetzt bin ich mal gespannt, wie die Herren Bäcker antworten werden. Leider habe ich vergessen, zu erwähnen, dass ich Protestdemos vor allen Filialen plane, sollte das Brot nicht unverzüglich wieder zurückgeändert werden.
– Sach ma‘: Wo hab’ ich eigentlich mein Megaphon…?
Falls einer fragt, wer mich vorgestern freundlicherweise eingeladen hat, und wessen Einladung ich natürlich freudig angenommen habe: Rrrita war’s. *g*
Was gibt’s noch zu erzählen?
Seit Samstag renoviere ich nicht mehr bei Freundens herum, sondern erstmal an mir selber. Will heißen: Ich hab’ zwei Tage nicht viel mehr gemacht als Rumliegen, Lesen, Keksverkosten, Carameldinger mit Schokoklecks drauf aus ihren Plastiknäpfchen pulen, immer mal den Fernseher umschalten und dabei gelegentlich wegratzen. Das tat gut.
Gestern hab’ ich mich sogar mal wieder rausgetraut, aber da hat’s dann geregnet, also hab’ ich mich so schnell wie möglich wieder reingetraut. Vorbei an dem Autorepariermann hinten im Hof. Der hat da seine Werkstatt und lauert hinter seinen zerlegten Patienten auf mich. Wenn ich mein Fahrrad aus dem Schuppen hole, schleicht er sich gern von hinten an, und wenn ich mich umdreh’, fragt er: „Hallo, wie geht’s?!? Was gibt’s Neues?“ und dann muss ich ganz knapp antworten: „Gut. Nix. Schöntachnoch!“, sonst komm’ ich da nie wieder weg und muss mir womöglich den Durchzug der Jahreszeiten hinten im Hof angucken. Und seinen ulkigen, wattierten 70er-Jahre-Overall dazu. Das will man ja nich.
Die Freundereifamilie von der Renovierstelle will übrigens am Samstag endlich umziehen, aber da habe ich gleich meine arme verknickte Wirbelsäule vorgeschoben, also zumindest theoretisch. Ich bin mir übrigens sicher, dass dieser Umzug nervenfetzend chaotisch wird, denn wahrscheinlich sind bis morgens noch keine Kartons gepackt, die Klamotten werden schnell in Plastiksäcke gestopft und es müssen bestimmt erst noch mehrere Schränke auseinandergebaut werden. Beschriftet wird sicher auch nix, weswegen alles in den fal-
schen Zimmern landen wird.
Ich weiß übrigens nicht, wieso das so ist, vielleicht kann mir das ja endlich mal einer er-
klären, aber sowas wie einen Umzug zu organisieren, gilt in manchen Kreisen immer noch als total unlässig. Meiner Meinung nach ist es eher unzulässig, deshalb halte ich mich da sicherheitshalber raus. Sonst muss ich mir noch gutgelaunte Sprüche anhören, in denen dann „Schrebergartenmentalität“ oder „vollverspießt“ vorkommen.
Außerdem bekomm’ ich übermorgen endlich mal wieder Besuch bis Sonntag, und das wurde auch langsam mal Zeit, aber eben die hatte ich vorher ja nicht. Deswegen gehen dieser Besuch und ich erst abends mal gucken und kontrollieren, ob nun alles vorschrifts-
mäßig herumtransportiert wurde. Wir ziehen dann vielleicht auch eine von mir noch zu schmiedende Spinatquiche mit um, denn der gute Umzugs-Freund A. hat es passender-
weise so arrangiert, dass er am Samstag auch gleich noch Geburtstag hat, darum rechne ich mit ordentlich Hallo und mehreren Kisten Bier in der Bude.
Und heute? Wenn ich die „Frühschicht“ auf RUM zuende gehört habe, geh’ ich erstmal schön in die Stadt. Kontrollgang, selbstverständlich. In den Lieblingsbudiken mal wieder die Kleiderbügel grade rücken und so…
Eigentlich sollte das ein vergnüglicher Abend werden, gestern. Aber als ich noch mal schnell ins Blog wollte, bevor Freundin S. mit den Getränken einbummelt, stellte ich fest, dass mein Internet tot ist und mein Telefon auch. Forschende Anrufe ergaben, dass das langhaarige Flatrate-Frollein keine Schuld trifft, sondern die gute alte Tante Teledings an meiner Leitung herumgeruckelt hat. Und zurückruckeln sei erst morgen, am Samstag möglich. Von wegen! Ist es nämlich nicht, weil ich da dann weggefahren sein werde… Und wenn ich das nicht persönlich beaufsichtigen kann, ruckelt niemand an meinen Sachen herum! So weit kommt’s noch.
Also wird die Leitung erst nächste Woche Donnerstag untersucht und hoffentlich auch gleich durchgepustet. Freundin S. hat mich beim Telefonieren übrigens tatkräftig unter- stützt, in dem sie jedes Mal, wenn ich zur Weiterleitung in der Service-Hotline ein Wort besonders deutlich sagen musste, mit den Bierflaschen in Kühlschrank herumgeklötert hat. Und dann sagte die automatische Servicemamsell: „Hm. Ich habe sie leider nicht verstanden. Wiederholen sie bitte.“ Ich erwarte von einem Apparat sowieso kein Verständ- nis, denn das setzt ja Verstand voraus. Aber ich möchte auch irgendwie nicht, dass er „Hm.“ zu mir sagt. Da bin ich eigen, sowas irritiert mich. Später hatte ich dann eine patzige Schwäbin dran, die verstand mich eben sowenig. Wahrscheinlich aus den selben Gründen. Donnerstag jedenfalls kommt der Techniker, bis dahin kann ich ja eventuell von unterwegs bloggen. Jetzt sitze ich glücklicherweise gerade beim lieben Freund M. am Rechner. – Danke, M.
Trotzdem wurde es gestern noch ein toller Abend, denn S. und ich schauten, so wie wir uns das vorgenommen hatten, Germanysnexttopmodel und regten uns so richtig schön über diesen Viehmarkt auf. Als erstes fiel mir auf, dass Frau Klum in ihrer schmalen Hose sehr dünne Beine hatte, und spekulierten, ob das vielleicht ein neues Vakuumhosenmo- dell sei. Und ob man das nicht eventuell mal mit Bratschläuchen in der eigenen Küche ausprobieren sollte, – oder doch lieber nicht.
Eins der ausgestellten Mädchen erklärte ernst, dass sie von Klamotten und ihrem Kauf eher wenig Ahnung hätte. Sie sprach: „Ich kaufe lieber Pferde ein, die halt etwas teurer sind. Davon hat man dann aber auch länger was.“ Finde ich ja auch, aber sie sind schwerer zu tragen, oder?
Später wurde dann noch „das Gesicht für den TV-Spot ‚Schuhe‘“ gesucht, und ein anderes Mädchen berichtete aufgeregt, sie habe ein „breites, langes Kleid“ angehabt. Genau. Das ist es, wonach ich auch immer noch suche, leider vergebens. Vielleicht könnte ein Kleiderhersteller sich das mal zu Herzen nehmen: Wir wollen breite Kleider, bittesehr. Und tief. Tief sollen sie auch sein. Ginge das?
Der Rest des Abends führte dann noch mit immer unverständlicherem, aber höchst vergnüglichem Durcheinandergerede in die Nacht…
Das war vielleicht ’ne Woche! Da war wirklich alles dabei, was ein Stimmungsbauchladen so anzubieten hätte, wenn es sowas Unheimliches denn gäbe… Hier hängen noch viele Sätze in der Luft. Aber auch, wenn Zwei dann schweigen, finden sie manchmal zu was, das ohnehin nicht gut in Worten gesagt werden kann.
Nachdem ich nun gestern auf dem Bahnhof den Abschied von meinem liebsten Besucher wieder mal tapfer überstanden hatte, bin ich gleich zu meinem nächsten Einsatz gehas- tet: Freunde M. und A. mit der lütten M.N. ziehen ja in zwei Wochen um und brauchen dringend Hilfe beim Renovieren ihrer neuen Wohnung. Wie dringend, sah ich, als ich dort ankam. Ich kann ein bisschen praktisches Tun im Moment ganz gut gebrauchen, aber: Jungejunge, da steckt noch Arbeit drin! Oder, wie ich neulich aus dem Fernseher lernte: „Das wird kein Kinderschlecken!“ Die kleine M.N. würde es wahrscheinlich auch nur kurz- fristig dulden, von ihren Eltern abgeschleckt zu werden, dann gäb’s sicher irgendwann Gemaule.
Die Renoviererei hingegen wird sich lohnen, denn die Wohnung ist groß und toll, in einer hübschen Gegend und der Vormieter hat 53 Jahre drin gewohnt. Leider ist sie nicht im Haus meinem gegenüber, so wie die alte, aber ich durfte ja auch wieder mal nicht mit- reden…
Aber Tapetenabkratzen darf ich! Komischerweise ist das ja eine „Frauenarbeit“. Ich habe selten Männer bei dieser interessanten, lehrreichen Tätigkeit beobachten können, dabei habe ich schon ganze Paläste renoviert (wenn man’s mal zusammenzählt). Das Interes- sante ist mitunter, welche hübschen oder grässlichen Tapetenmuster aus vergangenen Zeitschichten frei gekratzt werden können. Das Lehrreiche fällt mir jetzt gerade nicht ein. Der Vormieter hat jedenfalls einen beträchtlichen Teil der 53 Jahre mit dem Übereinander- kleben von langweiligen Tapeten und dem wahllosen Verlegen von elektrischen Leitungen zugebracht. Aber als kleine Überraschung hat er immerhin schöne Stuckdecken hinter einer Deckenabhängung aus Hartschaumplatten versteckt.
Jedenfalls arbeitet dort auch ein Herr mit, der irgendwie zur Familie gehört und den gan- zen Tag nix wie Unsinn redet. Das meiste versteht man zum Glück sowieso nicht, weil er wie ein Zahnloser spricht, aber wenn man doch mal was versteht, ist es eigentlich immer dümmlich-zotig. Gestern erklärte er mir beispielsweise, der Vorteil daran, ein Kleinkind zu sein, sei der, dass man allen Frauen einfach an den Busen fassen dürfe. Nu joh, ich hab’ da jetzt ohnehin kein großes Verlangen in dieser Richtung, aber ich bin eigentlich auch ansonsten ganz froh, nicht mehr unter 1m Körpergröße zu sein. Ich käme ja sonst kaum an meinen eigenen Busen dran.
Das restliche Gefasel von dem Mann habe ich dann einfach mit lauten Spachtelschabe- geräuschen zugedeckt. Überraschend, dass ich dieses metallische Gekratze manchmal doch ganz gern höre… Zum Glück kam später Freundin M. dazu und wir konnten uns z.B. darüber unterhalten, wie das wohl kommt, dass Männer bei einer einfachen Tätigkeit wie dem Zähneputzen oft den ganzen Badezimmerspiegel einsauen. Muss eine besondere Technik sein. (Übrigens hat sie damit angefangen, nicht ich.) Die dürfen das aber gern, wenn sie ansonsten lieb sind. Man möchte ihnen gutmütig durchs Haar wuscheln und sagen: „Du bist mir vielleicht einer…!“ M. könnte es sogar auf Japanisch sagen. Sie könn- te dann aber auch ganz was anderes sagen, A. würde es wahrscheinlich ohnehin nicht merken.
Heute ist übrigens renovierungsfrei, damit die neuen Nachbarn nicht schon vor dem Ein- zug durchdrehen und sich vornehmen, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zurück zu krachen und meinetwegen nachts um drei im Wohnzimmer den Laubsauger anwerfen oder so. Morgen geht’s dann weiter mit Putzen und Streichen. Und leider wohl auch mit den Zoten. Nehm‘ ich halt den breiteren Spachtel.
… liebe mokkasin, lieber Jenne (inlimbo), in meiner lütten Kakaostube! Ich freu’ mich sehr! Da auf dem Sofa sind noch zwei schöne Plätze frei, wenn Ihr mögt… – Und gegen die vorfrühlingshafte Kälte und für Theobrominzufuhr:
Gestern lag ich, zugegeben, den lieben langen Tag auf dem Diwan und streckte nur immer mal die Hand aus, um in den Korb zu greifen, der auf dem Boden neben dem Diwan steht. Allein das Geräusch, das Knistern und Rascheln, das dann entsteht, ist fast so schön wie Vogelzwitschern. Noch schöner ist nur noch, wenn ich dann eins der bunten Papierchen abpelle und es ist was Leckeres drin. Man weiß es ja vorher nicht immer…
Ich konnte mich jedenfalls nicht losreißen davon und deshalb kann ich erst heute Bericht erstatten, wie nun überhaupt alles war:
Als wir aus dem Bahnhof Köln/ Deutz traten, war olles Fissels- wetter, grau und nieselig. Doch das interessierte mich fast gar überhaupt nicht. Wir gingen auf die Treppe des Messeeingangs zu, und ich dachte mir noch: So ungefähr fühlen sich doch bestimmt Hollywoodstars, die über den roten Teppich zur Oscar-Verleihung gehen. Ich muss mal Julia Roberts fragen, ob sie sich dann auch so königlich fühlt…
Am Eingang wurden unsere Karten gescannt, dann gab’s noch Lanyards (so Umhänge- schildchen am Bande) um sie hineinzustecken, und dann waren wir drin. Einfach so. Ich konnte gar nicht viel sagen, außer: „Ich fasses nicht! Ich bin hier!“ Meine Hand tastete an meinem Begleiter herum.
„Hey! Du bist mir ja gerade an den Hintern gegangen!“
„Na und?!? Ist doch schließlich ne Süßwarenmesse hier!“
In der ersten Halle waren vor allem spanische und italienische Aussteller. Und wenig Pub- likum. Sehr wenig. So konnten wir uns gar nicht richtig abgucken, wie man sich hier wohl korrekt verhält. Wahrscheinlich schleicht man nicht mit offenem Mund durch die Gänge, wie ich es tat. Und ganz bestimmt hustet man auch nicht alles an, so wie es eine Frau tat, die ziemlich lange mit uns auf einer Höhe war. Mein Begleiter (im Folgenden einfach mal „B.“ genannt) ging fröhlich drauf los und hatte schon drei Sachen probiert und ein Eis in der Hand, als ich mich noch sortieren musste. Dass ich nun wirklich hier war! Und alles sah genauso super aus, wie ich’s mir erhofft hatte. Boah!
„Kann man das wohl alles einfach so mitnehmen? Probier’ doch mal! Ist lecker! Du musst Dich doch mal trauen!“ – „Nee, ich bin noch zu schüchtern. Außerdem muss ich mir das einteilen, sonst ist mir womöglich gleich schlecht. Bestimmt kommen da noch ganz viele tolle Sachen.“
Er also immer fröhlich drauf los, ich staunend und noch etwas verlegen hinterher. Bis wir herausbekamen, dass man nicht alles mitnehmen darf, was herumsteht, sondern eigent- lich nur das, was auf Tabletts, Tellern und in Körbchen in mundgerechten Happen präsen- tiert wird, dauerte es etwas. Zum Glück hatte B. da schon drei Tafeln feinste Schoki für mich eingesackt, und noch so Manches mehr. Ich alte Schissbutze! Später immerhin gelang es mir unter Einsatz eines gekonnten Augenaufschlags, ein paar sehr spezielle Bonbons zu erbitten, die ich morgen mal auf eine kleine Reise schicken will.
An den Gängen standen jeweils die aus den Supermärkten und Läden bekannten Displays, die zwar verführerisch lockten, aber beim Näherkommen sah man die Klebestreifen, mit denen die be- gehrten Packungen gesichert wa- ren. Eigentlich war überall fast alles festgeklebt, nur die zugehö- rigen Mitarbeiter durften sich noch relativ frei bewegen.
Dabei war doch schon der letzte Messetag, da hätten sie die ollen Streifen ruhig wieder abnehmen können, finde ich.
Was allerdings passiert, wenn jemand seinen Stand nicht gewissenhaft verklebt, und dann nur mal kurz ein Wurstbrötchen essen geht, kann man hier sehen:
Weil so wenige Besucher da waren, trauten wir uns eher selten auf die Stände. Sobald man nämlich einen Hauch von Interesse zeigte, kam sofort jemand vom Standpersonal und versuchte, ein Verkaufsgespräch einzuleiten. Da wir ja nicht so richtig ganz offiziell auftreten konnten, und nun auch nicht das Blaue vom Himmel erzählen wollten, vermieden wir diese Situation überwiegend. Die leckersten und besten Sachen lagen natürlich auch nicht als Mitnehm-Proben bereit. Höchstens mal als streng bewachte Häppchen. Gleich essen oder gar nicht.
Das war mir aber vorher klar gewesen: Wer was auf sich hält, haut keine Riesenmengen an Proben raus. Und wer soll das auch alles schleppen? Hauptsächlich war ich ja nun zum Gucken da. Mit dem richtigen Probieren wartete ich, bis wir bei „Noble“ vorbei ka- men, wo ein edles Silbertablettchen feinster Pralinen bereitstand. Ich will jetzt gar nicht versuchen, zu beschreiben, wie lecker das war… Das würde mir sowieso nicht gelingen. Hm. Vielleicht ungefähr so lecker, die das, was ich später bei „Godiva“… – Ach, ich hör’ ja schon auf. Zum Glück hab‘ ich ja kein Foto davon. Jedenfalls: Allein dafür hat sich’s schon dreimal gelohnt.
So durchkämmten wir eine Halle nach der anderen, entdeckten viel Bekanntes, ab und zu Kurioses, ich machte viel zuwenig Fotos, und die Taschen wurden immer schwerer. Wir fanden die Messe- Cafeteria, in der gerade ordentlich Andrang war. Hier waren also alle!
Der liebe B. stellte sich in die Warteschlange, damit ich uns schon mal Plätze sichern konnte. Nach ungefähr sagenwirmal ein- zwei Stunden er mit unserem Tablett und war froh, sich auch endlich setzen zu dürfen. Er sah ein bisschen erschöpft aus. Der Mann hinter dem Tresen, der ihm Nudeln mit Pesto warm machen sollte, war damit wohl an die Grenzen seiner Belastbarkeit geraten, obwohl er das eigent- lich ja den ganzen Tag machte. Ich konnte es von weitem nicht verfolgen, aber vielleicht hatte er es mit Streichhölzern unter der Pfanne versucht. Gut, dass ich mir einen Salat bestellt hatte. Irgendwie hing über dem ganzen Lokal diese erschöpfte Stimmung, die sich sogar auf den Blumenschmuck auszuwirken schien:
Vielleicht jappsten die Rosen aber auch nach Zigaretten? Oder ihnen war schlecht vom vielen Campari. Uns war zum Glück noch lange nicht schlecht, und wir zogen neugierig weiter, um die restlichen tollen Stände zu bestaunen, solange unsere Füße noch halbwegs konnten. Die Messe ist riesig! Es gibt alles, sogar Ramadan-Kalender, die in Ungarn hergestellt werden.
Außerdem habe ich drei der unvermeidlichen Schokoladenbrunnen und
einen -vulkan gesehen. Keine Ahnung, was daran so toll sein soll. Kleine Schokoladenbrunnen stehen ja inzwischen in jedem zweiten Haushalt herum. Wahrscheinlich dort, wo auch die Crèpe- pfannen stehen und die Pizzadome und die Popcornmaschinen. Ich hab’ lieber handliche Pakete handfester Schokolade im Schrank.
Was ich aber nicht gesehen habe, war das „Zungentattoo“. Das klingt jetzt schmerzhafter, als es ist. Ich hatte nämlich noch letzten Sonntag auf WDR einen Bericht über die Messe gesehen, in dem die Zungentattoos gezeigt wurden. Es handelt sich hierbei um Esspa- pier, das mit schwarzer Tinte bedruckt ist. Man legt sich die Oblate auf die Zunge, zieht sie wieder ab, und dann steht auf der Zunge „I love you“. Oder meinetwegen: „Wer das liest ist doof!“. Das würde ich jedenfalls vielleicht drauf drucken, wenn ich der Hersteller wäre. Oder noch ganz andere Sachen.
Erwähnt wurde in dem Beitrag auch extra, dass die Messe nur für Fachbesucher sei. Echt? Für Fachbesucher? Nur? Vielleicht sollten sie das Wort Fachbesucher ins Logo aufnehmen. Statt ISM dann ISMNFFDIGWDWWKDSVDSSWNF! („Internationale Süß- waren-Messe nur für Fachbesucher, das ist ganz wichtig, denn wir wollen keine daher- gelaufenen Schnökermäulchen von der Straße, sondern wirklich nur Fachbesucher!“). Das kann man sich doch auch gleich viel besser merken.
Na, dank der beherzten Unterstützung durch die liebe Juleika waren wir ja nun Fachbesu- cher, die sich nur so gewaschen hatten! Denen haben wir’s jetzt aber gezeigt! Nee, warte mal: Die uns! So rum.
Es war jedenfalls wunderbar. Paradiesisch. Lustig. Beeindruckend. Lecker. Erschöpfend. Süß. Bunt. Glücklichmachend. Und ganzganzganz toll. Ich werde sicher noch sehr lange draran denken.