Kassel.

Ja. Kassel. Genau. Yeah.

Die dOCUMENTA13 lief ja nach 100 Tagen am Sonntag aus, und so bin ich geschwind am Donnerstagmorgen noch in den Zug und kriege gleich mal Druck. Und zwar auf die Ohren. Man fährt nämlich durch ca. 3874,2 Tunnel, und das wirkt ungefähr so, als würde man im Flugzeug dauernd Sinuskurven rauf und runter fliegen. Ohrenkämmerchen auf, Ohrenkämmerchen zu. Die Rentner um mich herum, die wohl zur Kur oder zum Wandern oder sonstwas nach Berchtesgaden wollen, stört das nicht im Geringsten. Oder das Kauen ihrer Leberwurschtsstullen wirft einen ohrenkämmerchenschonenden Bann um sie. – Magischer Tieraufstrich!

Nach einer Stunde bin ich aber auch schon am Bahnhof Kassel/Wilhelmshöhe angekommen und werde vom Liebsten abgeholt. Er guckt ebenfalls ein bisschen unfrisch, denn auf der Autobahn hat es kraftraubende Elefantenrennen nicht zu knapp gegeben, und die bösen Kopfschmerzen hatte er sowieso schon vorher. Die besten Voraussetzungen also für: Zwei Tage Kunst! Ich sag‘ jetzt aber gleich dazu, dass ich hier über die Kunstwerke im Einzelnen nix berichten werde. Dazu gibt’s wahrscheinlich ohnehin schon 3.000 Blogs. Außerdem, Kunst wird ja doch immer sehr persönlich wahrgenommen. Was den einen umhaut, lässt den andern Koppkratzen oder folgern: „Na, das kann doch jeder!“ Kann er übrigens nicht, aber das ist eine Diskussion für sich. Aber vom Drumherum kann ich ja ruhig ein bisschen erzählen.

Das Auto geben wir im Parkhaus mit dem wohl naheliegendsten Namen für Parkhäuser schlechthin ab:

dOKUMENTA13_Vaterland

Als wir zurück auf die Straße treten, sehen wir uns einem Schild gegenüber, das uns freundlich „Beulenpflege + Fahrzeugkosmetik“ anbietet. Klingt schon verlockend, aber wir wollen ja Kunst gucken. Zuerst aber wollen wir noch lieber Getränk gucken. Am Bahnhof ist plötzlich alles lila, und wir haben kurz Angst, versehentlich auf einem Kirchentag gelandet zu sein, aber dann scheint die Sonne so schön, die Getränkemamsell nennt mich „Gnädigä Frrrau“ und mir ist alles gleich. Ich will nur hier sitzen und mit meinem Kandis rumknuspern.

Was wir aber von hier aus schon sehen können: Überall Schlangen. Das reinste Terra- rium. Die längste Schlange gehört zum Glück zu einem Angebot, für das wir gar kein Interesse mitgebracht haben. Und im Vergleich schneidet nun die Reihe vor den Ticketschalter geradezu zierlich ab. Um im Bild zu bleiben: Boa Constrictor gegen Blindschleiche. Ungefähr.

Wir sind bald im Besitz zweier 2-Tages-Karten, vor dem Bahnhof zücke ich noch mal den Übersichtsplan, und wir bummeln los, Richtung Documentahalle. Kassel ist -sagenwirmal- belebt. Alles voll mit Leutchen wie uns, die noch schnell die Gelegenheit ergreifen wollen, mal zu gucken. Damit meine ich die dOCUMENTA13, denn Kassel selbst…, naja. Ich bin ja nicht so für Städte-Bashing und so. Wer aus Hannover kommt, stellt früh fest, wie sinnlos das ist. Und deshalb bin ich mir sicher: Die Kasselaner wissen bestimmt, wieso sie da so vor sich hinwohnen. Und ein bisschen heimelig ist dieses 50er-Jahrige ja durchaus. Ich muss immerzu an Sonntagsausflüge mit den Großeltern denken.

Vorm Fridericianum, einem der Hauptausstellungsorte, wieder eine Mordsschlange. Wir beschließen, uns das lieber für später aufzuheben, ich zücke noch mal den Plan, und wir bewegen uns weiter zur Documentahalle. Dort merke ich, dass meine Eintrittskarte weg ist. Richtig weg. Futsch. Zusammen mit dem Übersichtsplan aus der Tasche gezogen und ab die Flatter. Ich habe viele Talente. Offenbar auch das, Kunsttrubelkarten binnen 10 Minuten doppelt so viel Wert zu verpassen, denn ich muss mir eine neue kaufen. Also, ich habe 35,00 Euro schon schöner ausgegeben! Für Schokolade zum Beispiel. Da hatte ich anschließend auch viel bessere Laune.

In der Halle aber also nun die erste Kunst. Und total viele Kunstgucker. Man sieht die Kunst kaum. Vor allem erlebe ich sie kaum, weil ich ständig ausweiche, jemandem Platz mache, warte, bis ich auch mal gucken kann… So teilt sich mir nur wenig mit. Mein Liebster hat Mühe, anständige Fotos zu machen, denn alle wollen Fotos machen. Die Kunst wird zwar kaum gesehen, aber dafür fleißig reproduziert. Ich versuche, mich nach außen hin möglichst dicht zu machen (was mir eigentlich immer schwer fällt), um ein bisschen Wirkung aufzunehmen. Und das Eine und Andere gefällt mir dann doch.

dOKUMENTA13_Versorgung

Als wir irgendwann wieder rauskommen, scheint die Sonne immer noch und da ist ein freundlicher Rasen. Wir legen uns ein paar Minütchen drauf und beschließen, es als nächstes in der „Neuen Galerie“ zu versuchen. Dort wartet ein großes Schnipselwerk aus 50 Jahrgängen „Life“-Magazin, das möchten wir sehen. Ich mag ja aus Zeitungen Ausgeschnittenes, aber das ist hier nun wirklich keine Neuigkeit. Erst gucken wir uns aber noch amüsant-assoziative Bilderpaare an, bevor wir uns in die Schnipselschlange einreihen. Dem dazu gehörigen Ordner passt nicht, wie wir Wartenden da stehen und er möchte, dass wir uns entlang der Wand im Viereck aufreihen. Es gibt auch so ein Absperrband, das irgendwie konfus herumsteht. Wir wissen nicht, was er will. Und vor allem nicht, warum. Er kann’s auch nicht vermitteln, und schon gibt’s Diskussion. Uns allen ist warm, wir stehen doch hier nur so, ganz freundlich und er „macht nur seinen Job“. Nach einer Weile hab‘ ich rausgefunden, was er meinte, aber da sind wir schon drin und finden die Schnipselkunst prompt gut.

Es ist nun Zeit für ein längeres Päuschen, also verdrücken wir erstmal ganz gute Pommes und fahren dann ins Hotel, um ein Weilchen auszuruhen. Gegen Abend zieht es uns wieder los, den Kulturbahnhof ansehen. Hier fühle ich mich gleich viel wohler, denn die Luft hat sich abgekühlt und es staut sich auch nicht alles so. Einige Installationen sprechen mich an, aber die meiste Zeit bin damit beschäftigt, die Fotos, die ich im Vorfeld gesehen hatte, mit dem Erleben in Einklang zu bringen. Am schönsten sind eigentlich die Sachen, von denen ich vorher nichts wusste, die Klanginstallation an den abendlichen leeren Gleisen zum Beispiel. Hier schweift der Geist dann auch endlich und dabei geht die Sonne kunstvoll unter.

Über den jetzt folgenden Restaurantbesuch könnte ich einen eigenen Eintrag machen. Mach‘ ich aber nicht. Nur so viel: Wir werden wegen Andrangs mit zwei älteren Damen an einen Tisch gesetzt. Die eine hat eine furchtbare Stimme und beginnt ihre Sätze gern mit: „Sorry!..“ Ich mümmle meinen Lady-Toast, so schnell ich kann. Mir tun die Beine ordentlich weh und ich will ins Bett.

Nächster Tag. Wir sind schon morgens total matschig und beschließen, es ganz ruhig angehen zu lassen, Was wir nicht sehen, sehen wir eben nicht. Es ist ohnehin unmöglich, in zwei Tagen alles zu schaffen. Heute soll die Karlsaue, ein riesiger Park im Herzen Kassels, in dem sich locker 30 Kunstwerke und Performances befinden, drankommen. Doch zuerst zieht’s uns in die noch stille Orangerie. Wir finden einen Liebesbriefgenerator und eine Art Sex-o-meter, der bei Handauflegen Geräusche macht. Mein Sexgeräusch scheint ein tiefes Brummen zu sein. Erst als der Liebste dazukommt, steigt der Ton höher, keine Überraschung also.

Im Park umwandern wir dann einen hübsch bunt bewachsenen Hügel, unter dem Zivilisationmüll schlummert und kommen bald zu einem Häuschen mit Garten, das mit Tropenvogelstimmen lockt. Wir treten ein und finden: Wurst. Überall Wurst. In den Regalen, auf den Sitzmöbeln, dem Boden, auf dem Bett. Ich bin vergnügt.

dOKUMENTA13_Wurstbett

Als ich wieder vor die Tür in den Garten treten will, stehen die beiden jungen Ordner mit dem Rücken zu mir. „Boh, voll runtergedonnert!“ – „Jaaa! Von dem Baum da. Krass!“ Ich schlängel‘ mich vorbei und sehe, um was es geht. Eine Kastanie ist wohl eben wie ein Meteorit vor den Türstufen im Rasen eingeschlagen. Da liegt sie. Da sich die Jungs nicht rühren und schon wieder auf ihren Smartphones rumwischen, ist mir klar: Das ist sie. Punktlandung. Diesmal hat sie mich gefunden. Sofort habe ich verschmitzte Laune und möchte ein Wasser trinken.

Kastanie_2012-2013

Als nächstes suchen wir ein winziges Bootshaus, denn dort soll ein Archiv eingerichtet sein, in dem sich unter anderem Filme von Marina Abramović finden. Diese Frau wird von mir höchstverehrt! Wir finden es auch, doch mit dem Film wird es nichts. Der wird gleich morgens um zehn auf der Leinwand gezeigt, wir sind also zu spät, und die paar Monitore, an denen man was anwählen kann, funktionieren leider nicht mehr alle. Schade ist das, aber ich verschmerze es, wir begeben uns auf die Rückschleife und gucken noch hier und da, kaufen ein Tütchen Kunst-Zwetschgen und etwas Kunst-Mangoldtarte, finden auch noch eine Kastanie für den Liebsten, essen Kekse, gehen eine Limo trinken und das war’s.

Wir beschließen, dass es auch Leute geben muss, die eben nicht im Fridericianum waren, um sich Hitlers Badetuch mit kitzligem Grusel zu beäugen. Nämlich uns.

Im Vorbeilaufen hatten wir außerdem gesehen, dass in einer Kirche, mitten im Geschehen, still und leise eine kleine Balkenhol-Ausstellung läuft. Die gucken wir uns noch in sakraler Ruhe an, das ist ein prima Abschluss.

Fazit vons Janze: Es war gut, endlich mal eine Documenta gesehen zu haben, denn das wollte ich schon sehr lange. Und vielleicht lag’s an mir und meiner Verfassung, aber ich fand es teilweise ganz schön erschöpfend, mich durch die vielen Menschen zu schieben und weite Strecken abzulaufen, – so richtig angezündet hat mich da nichts. Zwar habe ich viel Schönes gesehen, manches hätte ich mir wohl in größerer Ruhe auch noch erschließen können, aber insgesamt war’s mir so zu glatt, zu harmonisch, ich blieb weitestgehend unbeteiligt.

Aber ich würd’s sofort wieder tun! Oder in fünf Jahren.

Berlin in Einzelteilen! (2)

Doch nichts konnte mich davon abhalten, am nächsten Tag zum „High-noon“ am Witten- bergplatz parat zu stehen, von wo Prinz Rupi mich zu einer wunderbaren Überraschung entführte. Er machte es zunächst ein kleines bisschen spannend, doch dann mittenmal standen wir vor dem doch ziemlich berühmten Geschäft der Familie Hamann, ihres Zei- chens Schokoladenfabrikanten, und mir bisher nur aus Netz und Fernsehen bekannt (vor allem für ihre feine Borkenschokolade). Rupi hatte uns sogar telefonisch angekündigt und um Besichtigung der Produktionsstätten gefragt! Und so durfte die Bromine mal gleich hinter den Tresen flitschen und von dort aus, an Packtischen und Lagerregalen vorbei, die Zauberküche betreten. Allein der Duft dort versetzte uns natürlich in Hochlaune.

Dann wurde interviewt, ein bisschen gezeigt und so Manches erklärt, während ich mit gla- sigem Blick versuchte, alles zu erfassen. Und überall stand und lag feine Bitterschokolade und lockte. Darüber vergass ich fast das Fotografieren, aber einzwei Bilder habe ich dann doch mitgenommen:

Berlin_Hamann
Links die fast 100 Jahre alte Schoko-Borken-Maschine mit ihren Granitwalzen. Die temperierte Schokomasse kommt in den Trichter, läuft über die kühlen Walzen und wird, wenn sie gerade so anzuziehen beginnt, auf der Rückseite mit einer Art Schablineal abgetragen. Rechts daneben alte Gussformen für Mokkaböhnchen und jugendstilige Pralinen.

Und natürlich konnte ich nicht mit leeren Händen zurückkommen, hier mal ein nicht mehr ganz aktuelles Bildchen vom Pegelstand der Beute:

Berlin_Teilbeute
Marzipankonfekt, Orangenplättchen, Marzipanbruch. (Und Ihr könnt ja mal raten, ob in der Schachtel noch was drin ist. *g*)

Mit ordentlich Süßhunger verließen wir diesen Schauplatz und steuerten als Nächstes „nibs cacao“ an, ein schmales Ladenlokal, in dem ich, Rupis gutem Beispiel folgend, eine „Spanische Schokolade“ bestellte und einen Becher sämigen, dunklen und heißen Para- dies-Trunks bekam, begleitet von zwei frittierten und süßen Gebäckstängelchen namens „Churros“ zum Stippen… Ich werde sofort eines der spanischen Lokale in meinem Viertel zwingen, das auf die Karte zu nehmen. – Carambös lecker!

Dermaßen angeregt, plauderten wir lebhaft und kletterten von Hölz- auf Stöckchen, bis die Zeit auch schon viel zu schnell vorbeigehuscht war und ich noch formvollendet zum Bahn- hof Zoo chauffiert wurde, um die Bahn nach des Katers‘ Moabit zu besteigen.

An der Birkenstraße nahm er mich auch gleich strahlend in Empfang und ab gings in ein gemütliches Café, in dem sogar Nichtkindern rotweiße Pommes serviert werden, die aber nicht mal von zwei schon ziemlich Erwachsenen aufessbar sind. Viel zu viel… Und im Milchkaffee hätte man seinen Freischwimmer machen können, wenn man denn in dem ganzen Milchschaum noch gesehen hätte, wo man langschwimmt. Da wir nun schon in Moabit waren, erwähnte ich, dass ich sogar ein paar Jahre  in der Stephanstraße gewach- sen sei (ca. 1968-1973), Murr rief umgehend: „Na, das ist doch hier gleich!“ und schon standen wir vor dem Haus der Nummer 11. Seit damals war ich nicht mehr dort gewesen und erkannte auch erstmal nichts wieder, bis Murr alle Klingeln auf dem Brettchen durch hatte und tatsächlich Einer den Summer drückte.

Berlin_KlingelMurr

„Reklame!“ miaute er, als sich die Gegensprech doch noch rührte, aber das war, ehrlich gesagt, total gelogen!

Das Hinterhaus war mir dann auch gleich viel vertrauter und ich meinte sogar, mich an manches zu erinnern. Zum Beispiel daran, wie ich mal als wohl 4-jährige Steppkine nach „Juh jork“ abhauen wollte, mal eben in einen Bus gestiegen und später von amüsierter Pullezei wieder zuhause abgeliefert worden war.

Nun, dann lernte ich noch schnell die freundliche Murreliebste und einen felligen, schüch- tern-neugierigen Oskar kennen, bevor es dann noch auf zwei kühle, henkellose Biere in ein kleines, sympathisches Lokal ging, wo die Bromine unter diesem Alkoholeinfluss noch um feinste technische Ausgebufftheiten erleichtert und dann allerfreundlichst zur Bahn geleitet wurde, bevor das Väterchen zuhause anfing, sich zu sorgen.

Hach.

(Teil 3 untendrunter, eins weiter…)

Berlin in Einzelteilen! (3)

Und am dritten Tage ging’s ins Museum.

Allerorten wurd’s empfohlen: „Na, dieser Typ, der so heißt wie dieser Aschevulkan da!“Olafur Eliasson, nämlich. Im Martin-Gropius-Bau. Da war auch gleich ordentlich was los, denn Herr Eliasson macht duftes Zeug über Wahrnehmung innen und außen und beson- ders in der Stadt. Wer Gelegenheit (und ein bisschen Geld zuviel) hat, soll sich’s mal ruhig begucken, so wie das Väterchen und ich. Wer keins von beidem so recht ausgeben will oder kann, kriegt hier wenigstens drei heimlich geknipste Bilder:

Berlin_Eliasson_1
Vaddern hat fümf Schatten, eena dafon is jelb.

Berlin_Eliasson_2
Große bunte Lampe. Find‘ ich prisma!

Berlin_Eliasson_3
Wer sich traut, mal komplett die Orientierung abzugeben, tappt hier durch mehrere, mit nix als buntem Nebel möblierte Durchgangszimmer. Klingt jetzt wahrscheinlich ulkig, ist aber sehr empfehlenswert!

Oben drüber übrigens wohnt zur Zeit Frida Kahlo, aber die Dame hatte so viel Besuch, dass wir stattdessen lieber in die Kantine des Kreuzberger Rathauses gingen, um dort vom 10. Stock aus über Berlin zu gucken und Nudeln und Schöllchen zu verputzen. Aber nicht zu doll, denn für abends war ich ja noch bei Freundin A. in Neukölln eingeladen, die „uns was in den Ofen schieben“ wollte.

Nämlich handelte es sich dabei um Brötchen, die es zu einer ausgesprochen leckeren Rote Bete-Süßkartoffel-Suppe gab (wo bleibt eigentlich das Rezept, hm?). Den Sekt dazu bezog Madame dann aber doch lieber aus dem Kühlschrank, was den Vorteil hat, dass er dann kalt ist. Und Sekt muss kalt sein! Und während ich des Langen und Breiten erzählte, was mir so alles neulich und jüngstens wiederfahren ist, hatte A. klammheimlich ihre Zim- merpflanze angewiesen, ihre Blätter in Form eines süßen, zungestreckenden Häschens zu drapieren. Ausgeprochen aufmerksam, das!

Berlin_Hasenpflanze

Zur Belohnung durfte auch Freundin A. dann gelegentlich was sagen und mir sogar ver- beulte Bilder ihres Flauschigen zeigen. Ein feiner Abend auch dieser! Müd‘, vollgefressen und zufrieden trottete ich nach Kreuzberg zurück und schlief wie eine Kartoffel.

Mittwoch früh ging es dann noch mal mit dem Väterchen auf Rundgang über’n Kreuzberg zum Schinkeldenkmal hin, wo schon die geliebten Mauersegler durch die Luft flitzten, und durch’s Gleisdreieck, wo ich gleich mal lernte, was Berliner Kinder heutzutage so alles dürfen und was nicht:

Berlin_Kinder_düfen

Und dann fuhr leider auch schon wieder der Zug nach Hause…

Kunst aus Deutschland.

(Erstveröffentlichung: 27. Juni 2007)

Das wollte ich noch schnell erzählen, wer weiß, wann ich wieder Zeit zum bloggen finde…
Freundin T. und ich sind ja grade in der kestnergesellschaft gewesen, wo wir wegen der Kunst gucken wollten.

Ziemlich am Eingang steht auch gleich eine kleine Vitrine mit was drin und neben der Vi- trine ist so was wie ein kleiner Gullydeckel, der zwar nicht zur Kunst gehört, aber dafür schön klappert, wenn man drüber läuft. Ich will schon meinen tollen Messegullydeckeltrick machen und kichere so ein bisschen mit T. herum, als ein anderer Besucher uns böse anschaut. Wahrscheinlich findet er, man dürfe in Gegenwart von Kunst nicht lustig sein. Oder aber wir sind ihm zu „laut“. Woraufhin er dann auch mit ohrenbetäubend quietschen- den Schuhen und seiner weiblichen Begleitung ums Eck verschwindet.

Nach angemessener Zeit folgen wir in Richtung des ersten Saals. Laut Anleitung hat es dort irgendwas mit Otto Hahn auf sich. Im Saal steht erstmal ein braun lackierter Truck.

Huehnerbus

Daneben steht des Quietscheschuhens Frau und gackert. (Für’s Foto habe ich natürlich gewartet, bis sie weg war.) Nee, ist gar nicht die Frau. Auf der Ladefläche des Trucks sind sieben Hühner untergebracht, dazu eine versilberte Büste.

Rumhuehnern

Ist der da jetzt Otto Hahn? Und sind die Hühner seine chicks?
Kommt mir zusammenhängend vor. Doch nee, der Silberne ist nicht Hahn sondern Kleo- patra(!). Och so. Herr Hahn hängt an der Wand daneben.

Das eine Huhn zwinkert mir freundlich zu. Und zwar mit dem unteren Lid. Mir fällt ein tol- les Wort ein, das Frau Fanny Müller erfunden hat: Rumhühnern. Das ist, wenn wir Weiber so hühnerige Sachen machen. Ich liebe Frau Müller (für dieses Wort und auch sonst)!

Mit uns laufen da übrigens auch noch zwei Herren und eine Dame in dem Saal herum. Die Herren überlegen mal gleich, wie der Truck da wohl reingekommen ist. Durch den Türbo- gen da jedenfalls nicht.

Noch ein Stückchen weiter hat einer Fotos gesammelt und aufgehängt. Sein Künstlerna- me: Peter Piller. Na, das muss er ja nun wissen. Seine Fotos gefallen mir aber ganz gut.

Herrjeh! Jetzt muss ich über eine Luftnummer aus Aluminium gehen, was mir gar nicht passt wg. Höhenangst. Darunter befinden sich drei Meter freier Fall, das kann man durch die Ritzen sehen. Sowas kann ich gar nicht ab. Da kletter’ ich lieber auf Bäume. Also schnell Augen zugekniffen und übergesetzt.

Auf der anderen Seite kriegt man zur Belohnung gezeigt, wie ein hermaphrodiesischer Eisbär von unten aussieht. Leider darf ich das Bild nicht mitnehmen, und wenn ich auch noch so lieb gucke.

Zum guten Abschluss stehen wir vor einer Wand, auf die man mit Tontauben geschossen hat.

Diewandistauchhin

Es hat was mit der Durchdringung des Raumes zu tun, die aber nicht gelingen will. Überall liegen und stecken die Splitter. T. sagt knapp: „Na, die Wand ist auch hin.“
Also, wose Recht hat,…

Irgendwie können wir das alles heute nicht so mit gewichtigem Ernst nehmen. Mein Ver- hältnis zur Kunst ist ohnehin nicht grundsätzlich vorauseilend ehrfürchtig. Und heute jedenfalls bin ich viel zu gut gelaunt dafür. So wie der hier.

OnkelTod

Der Herr Onkel Tod. Steht kippelig und gut gelaunt in der Gegend herum.
Ich glaub‘ fast, der hat mir am besten gefallen.

Küchensofagedanken am Morgen (Teil 13) – Sinnlichkeit.

TheobrominenfuesseAlso ehrlich, hier habe ich lange nicht gele- gen… Tja, trauriger Mangel an Gelegenheit.

Aber ich bin gerade mal ein bisschen krank geschrieben und wo könnte man überraschend geschenkte Zeit besser verstreichen lassen als auf einem gemütlichen Sofa. Mit einer schönen Tasse Tee, warm in meiner Hand, die heute mal ganz ohne Eile getrunken werden kann.

Damit bin ich schon direkt beim heutigen Thema, das seit Wochen klammheimlich immer ein Stückchen näher an mich rückt, wie ein schüchterner Verehrer neben einem auf der Parkbank. Heute hat er dann endlich seinen Arm um mich gelegt und ich genieße das.

Die Sinnlichkeit hat mich wieder.

Nein, hier geht’s nicht um Sex… Jedenfalls nicht vordergründig. Wer was über Sex lesen möchte, muss auf der Plattform nicht lange suchen, bis er unter eine gelüpfte Bettdecke schauen darf. Der Brominen Decke bleibt gefälligst ungelüpft.

Es geht ja bloß um Schmecken, Riechen, Hören, Sehen, Fühlen.

Ungefähr seit einem Vierteljahr schleicht er sich wieder an, einer meiner liebsten Lebens- begleiter, der Geschmackssinn, der Hochgenuss beim Essen. (Nicht ganz umsonst zeige ich der Welt schließlich meine Zunge.) Natürlich habe ich auch vorher alles schmecken können, aber ich hab‘ immer wieder Phasen, in denen ich verstärkt zur Geschmacksjäge- rin werde. Dann will ich Neues, Ungewöhnliches, noch unbekannte Kombinationen, mir Gutes tun, mich verwöhnen und mal überraschen. Und dann darf es gerne, muss aber gar nicht unbedingt Schokolade sein. Ein feiner Wein, ein gutes Brot, ein neues Gewürz tun’s auch. Sich etwas genussvoll auf der Zunge zergehen zu lassen, von dem man weiß, dass in dieses Produkt vielleicht viel Sonne, Liebe und Könnerschaft eingegangen ist, ist doch wohl eine friedlichsten Handlungen überhaupt! So, eine kleine, zarte Praline zum Beispiel, an deren entzückender Form, Textur und komponierten Aromen sich ein Confiseur lange gemüht hat, happst man nicht einfach so weg wie Stulle.

Komm‘ mir jetzt bitte keiner mit getrüffelter Stopfgänseleber! Davon ist hier ja gar nicht die Rede. Ebensowenig wie von Austern oder Kaviar. Sowas hat Liebhaber, zugegeben. Vor allem doch aber, weil es teuer ist. Wer isst sowas schon zuhause, wenn keiner guckt? Eben. Natürlich mag ich auch mal einen schönen Champagner trinken, aber ein gut ge- machter Crémant für 8 Euro ist auch was Feines und ich behaupte auch gar nicht erst, dass ich den Unterschied überhaupt schmecken würde.

Aber den Unterschied zwischen einem Brot, das in Folientüte für 59 ct. beim Discounter rumliegt und einem, das ein guter Bäcker ganz in Ruhe und aus wenigen Zutaten bäckt, den schmeckt man sofort! Und den sollte man sich ruhig ab und an gönnen, auch wenn für’s Gönnen eigentlich nichts auf Tasche ist. Das hat auch was mit Selbstwertgefühl zu tun. (Ich weiß, wovon ich rede, denn auch hier gab’s Hartz-IV-Zeiten.)

Aber mal weg vom Essen, ich krieg‘ hier langsam Appetit und habe nix Anständiges mehr im Haus…

Der Geschmackssinn ist mir also wichtig, aber er ist ja nun nicht der Einzige. Ich war wohl schon immer ziemlich sinnlich und das auf allen Ebenen. Das hab‘ ich vermutlich von der Mutter. Gerüche z.B. rufen schnell Gefühle oder Erinnerungen in mir auf, aber das geht ja eigentlich jedem so. Ob es ein leicht feuchter Kellergeruch ist, der mich an das stets gefüllte, dämmrige Vorratslager meiner Oma erinnert oder aktuell der herbe Geruch von Herbstlaub, das feucht auf den Wegen liegt. Der metallische Geruch, den die Stadtluft im Sommer nach einem Regenguss hat, der Gestank nach Schwefel in der Silvesternacht (den ich aber komischerweise mag) oder wenn mein Nachbar eine seiner scheußlichen Zigarillos raucht (was ich eher nicht so…). Und dann wieder: frisches Brot, Gurkensalat, Erdbeeren, Freilandrosen, Kaffee, das Fell einer Katze, die eben in der Sonne gelegen hat, und natürlich: frisch gemähtes Gras. Stars der Geruchshitparade.

Und jetzt das Hören: Die Geräusche im Haus, Kinder streiten sich auf der Straße, ein Auto fährt langsam vorbei. Im Sommer zirpt’s im Gras und wer Glück hat, hört Lerchen über den Feldern. Mein Lieblingsgeräusch? Das kennt ihr: Das Rauschen der Pappel vor meinem Haus. Das zweitliebste? Das lass‘ ich Euch mal raten… Mal abwarten, ob Einer drauf kommt. *g* – Wo war ich? Ach ja: Und Musik! Natürlich…

Und Stille.

In der Stille zu zweit sein und sie teilen. Unvergleichlich. Da ist viel Platz zum Sehen und Fühlen.

Kleiner Schlenker:
Gestern hab‘ ich einen kurzen Bericht über James Turell und sein „Wolfsburg-Projekt“ (Video beachten!) ferngesehen, da ging’s unter anderem um die Fühlbarkeit des Lichts. (Ich weiß von mir, dass ich auch mit verbundenen Augen sagen kann, ob das Licht an oder aus ist. Ist gar nicht so schwer, lohnt sich mal, zu probieren.) Turell hat übrigens schon vor Jahren einige Installationen im Hannöverschen Sprengel-Museum angelegt, die mich immer sehr angesprochen haben. Die Stadt Wolfsburg an sich hingegen fand ich bisher immer eher uninteressant, weil ich da eigentlich bloß an Autos denken muss, aber jetzt will ich dann doch mal hin!

Ich weiß nicht, wieso, aber manchmal frage ich mich, ob ich ohne das Sehen auskommen könnte. Ich hoffe, das ist keine schlimme Vorahnung oder sowas. Jedenfalls denke ich dann: ich habe soviele Bilder in mir, die könnte ich dann doch aufrufen… Trotzdem, wen überrascht’s, hätte ich das eher ungern, denn gerade in der Gegend rumgucken gefällt mir besonders gut.

Das Fühlen und der Tastsinn; – ich glaube, von diesen Beiden kriegen wir oft gar nicht so viel mit, denn die Wahrnehmung nimmt uns viel weg, damit wir nicht plötzlich mal balla balla werden. Dass wir Klamotten tragen, merken wir z.B. über’n Tag kaum, wenn nicht gerade die Hose kneift. Eigentlich müssten die Nerven die ganze Zeit Funken: Kontakt hier, Kontakt da. Machen sie aber nicht, weil sie oft viel lernfähiger sind als ihre Besitzer. Trotzdem lege ich Wert darauf, mich lieber mit angenehmen Materialien zu ummanteln. Am liebsten habe ich ganz, ganz weiche, zarte Baumwolle. Samt ist auch schön. Seide ist mir zu kühl und Wolle darf auf gar keinen Fall kratzen, schon allein, weil mein zarter Schwanenhals so empfindlich ist, dass ich das Kitzeln meiner eigenen Haare daran schon manchmal zu viel finde. Polyester soll übrigens meinetwegen bleiben, wo sie will. Und das sind jetzt nur Materialien, die in der Kleidung stecken können und Berührung ganz neben- bei und unbewusst auslösen.

Da gibt’s aber auch noch die ollen Küsse der ungeliebten Tante, die man jahrzehntelang lieber vergessen möchte. Oder einen frischen Luftzug im Wohnzimmer. Strahlende Ofen- wärme. Haareziepen beim Kämmen. Das Gefühl, barfuß in ’nem Bachbett herumzulaufen. In eine heiße Wanne zu sinken. Sonne auf der Haut zu haben, oder sogar geliebte fremde Haut. Ausgekitzelt werden. Eine glatte Kastanie in der Tasche umfassen.

Wie gesagt, die Sinnlichkeit hat mich wieder, ist hochwillkommen und darf sich oft über volle Aufmerksamkeit und Zuwendung freuen. Und jetzt muss ich mal einkaufen: Gucken, Tasten, Schnuppern…

Und Ihr? Tut Euch was Gutes…

Voll gefedert.

„Inhalte! Es geht um Inhalte!“

Das dachte ich, als ich versuchte, meine neue Riesenbettdecke in ihren Bezug reinzu- kriegen. Die alte Bettdecke war ja nun auch schon groß, allerdings inzwischen auch ziemlich flach, vermutlich eben wegen fehlender Inhalte. (Das würde nämlich auch erklä- ren, wieso da seit Jahren immer wieder Federn im Schlafzimmer herumliegen.) Jetzt also ist die Zeit der „Schönen, neuen Bauschigkeit“ angebrochen. Die Ära der „Zusatzdecke wegen kalt“ läuft aus. Vielleicht finde ich ja auch noch irgendwo ein paar Hippies, die deswegen singend um mein Bett tanzen, soll mir Recht sein.

Ich hab‘ gern solche Decken, unter denen ich ich quasi gemütlich begraben liege bis zur nächsten Auferste, – nein, das schreibe ich jetzt nicht. Sagen wir, ich hab’s gern mollig. Eine schönes, fluffiges Federbett muss sich für mich anfühlen wie eine schützende Umarmung, vielleicht ist mir das Bett deshalb das liebste Möbel. Der alte Tag hört dort auf und der neue fängt dort an, bei mir mit einer schönen, großen Tasse Tee. Dabei gucke ich aus dem Fenster und denke erst mal nix, das muss ja auch mal sein.

Kopf mal leermachen, Inhalt ist ja nun ausreichend in der Decke.

Kunstbetrieb

Gestern war ich mit Freund M. auf einer Vernissage eines gemeinsamen Freundes. Ich hatte mich darauf schon gefreut, denn ich hatte seine früheren Bilder länger nicht gesehen und kannte die neuen noch nicht. Ich vermutete schon vorher, dass dort wahrscheinlich ein ganz spezielles Publikum auftauchen würde. Doch das Publikum war noch spezieller. Es waren richtig viele Alt-Toscanisten um die 60 da, die sich prompt nach der Rede auf den Shiraz und die Wurst- und Käsehäppchen stürzten. Sicherlich waren das die Stamm-
gäste der Galerie. Man trug entweder Leinen- oder bunt gemusterte Freizeithemden mit Sacco drüber. Untenrum Bundfalten, aus Stoff oder Jeans. Alles so Möchtegern-Karasek-
typen, irgendwie, jedenfalls die Männer. Karasek konnte ich übrigens noch nie leiden. Die Frauen passten auch richtig gut dazu, und sie bewachten den Wein fast noch schärfer als die Männer. Dabei war man überall damit beschäftigt, entweder jovial oder unterschwellig zynisch zu sein und Visitenkarten zu tauschen.

Das Erstaunliche für mich war dabei, dass ich tatsächlich auch einige Leute dort traf, die ich von Irgendwoher kannte. Einen ehemaligen Mitmusiker z.B., aber darüber habe ich mich gefreut. Wir laufen uns nämlich immer mal alle paar Jahre über’n Weg und erzählen uns dann im Schnelldurchlauf, was wir in der Zwischenzeit so gemacht haben und was wir jetzt so machen. Er möchte nämlich auch bald in dieser Galerie ausstellen. Dann haben wir Visitenkarten getauscht.

Außerdem habe ich einen Exfreund meiner Mutter erkannt (denn er sieht noch genauso aus wie vor dreißig Jahren), aber er mich nicht (ich seh’ nicht mehr so aus wie vor dreißig Jahren), einen ehemaligen Geschäftspartner (mit dem hätte ich eigentlich gleich einen hübschen Streit anfangen können, aber da wär’ vorher mehr von dem Shiraz nötig gewe-
sen) und ein paar Gesichter, die mir bekannt vorkamen, wahrscheinlich von ähnlichen Veranstaltungen.

Zum Glück war ich aber mit M. da, und es tauchte bald noch ein guter alter Freund von ihm auf, der immer genau so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was ich ganz erfrischend finde und mich selbst nur selten traue. M. traf auch noch einen früheren Pro-
fessor aus seiner Studierzeit wieder, der dann sehr sympathisch mit uns in der Gegend herumstand. Wir sprachen ein bisschen über die mit den Jahren zunehmende Unmög-
lichkeit, über Zäune zu springen. Bevor er und M. Visitenkarten tauschten.

Irgendwann hatte der liebe Künstler auch mal kurz Zeit, sich ein bisschen zu uns zu stel-
len und da konnte ich auch von Nahem sehen, was mir von Weitem schon aufgefallen war: Er war ganz zufrieden. Sicherlich lag das auch daran, dass an einigen Bildern schon rote Punkte klebten, und ich dachte die ganze Zeit: „Das gönn’ ich dem!“ Hoffentlich kommen da in den nächsten Wochen noch ein paar dazu.

In 14 Tagen gibt es in der Galerie noch ein „Künstlergespräch“, da muss er sich den Fra-
gen eines interessierten Publikums stellen. Ich hab’ zufällig mal erlebt, wie sowas vor sich gehen kann, und zwar anlässlich einer Ausstellung von Peter Basseler. Da waren lauter ehemalige Grundschullehrerinnen aufgetaucht, original mit Pottfrisuren und Häkelwesten. Sie verstanden seine Schaukästen irgendwie nicht, wollten andauernd Erklärungen von ihm und kamen ihm mit merkwürdigen Szenen aus der Literatur und so. Ich litt mit dem Künstler und gab gestern meiner Hoffnung Ausdruck, dass sowas dem guten C. dann nicht auch passiert. Schnell waren wir uns einig, dass es eventuell hilft, wenn er dann die Gesprächsrichtung ein bisschen vorgibt. Auf die Schnelle fielen uns ein: „Kurt Beck“ und „Die Spargelernte in Mecklenburg-Vorpommern“.

Picasso wieder aufgetaucht!

Eingeweihte und Andere wissen: Pablo Picasso selbst hat’s nicht leicht gehabt.

Und erst kürzlich sind dem hannöverschen Sprengel-Museum ja onnoch zwei Picassos, die in die Schweiz ausgeliehen waren, gemopst worden. Eines tauchte überraschender-
weise gestern wieder auf. Allerdings keines der geklauten. Eigentlich nicht einmal ein richtiger Picasso, – aber egal!

Es entstammt der graublauen Periode und Pablo hat’s gemalt, als er in seinem saukalten Atelier wie ein Schneider gefroren hat. (Die Äste hat er übrigens hinterher verheizt.)

Bevor es jedenfalls wieder abtauchte, gelang es mir, ein echtes Foto davon zu knipsen:

Piekasso

13. Dezember

stern_13Der Teppichhändler und Flamingovermehrer meines Vertrauens, Trithemius, hatte wohl den Schalk im Nacken und hat mich gefragt:

„Was steht auf dem Grabstein von Kurt Schwitters?“

Ich bin mir ziemlich ganz sicher, dass er als Schwittersbewunderer das selber genau weiß, aber natürlich beantworte ich auch diese Frage sehr gern. *g*

Antwort:

Also, Kurt Schwitters ist ja Hannoveraner gewesen. Und damit meine ich jetzt kein Pferd, sondern ein Einwohner Hannovers.

Das an sich ist ja schon schön, aber Schwitters war zudem Künstler.
Er malte, war DADA, collagierte, assemblierte, baute und dichtete seine von ihm so be-
nannte Merz-Kunst. Und er muss Humor gehabt haben. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Gedicht „An Anna Blume“ und der Merzbau, dessen Original sich über mehrere Etagen seines Wohnhauses erstreckte. Das Haus wurde im Krieg zerstört (als einziges in der ganzen Häuserzeile!), aber man kann eine Reproduktion des Merzbaus im Sprengel Museum hier in Hannover betreten und begucken.
Mehr über Kurt Schwitters und seine Arbeit findet sich u.a. hier oder dort.

Die Nazis fanden ihn entartet, deshalb floh er 1937 zunächst nach Norwegen und setzte dort seine Arbeit fort. Als er dort auch nicht mehr bleiben konnte, ging er nach England. Dort ist er 1948 auch gestorben und war zunächst dort beigesetzt. 1970 wurde er nach Hannover überführt und ist nun in seiner Heimatstadt begraben.

Und auf seinem Grabstein steht: „Man kann ja nie wissen -„

Hier ist ein Foto:

Schwittersgrab

Das Grab von Kurt Schwitters auf dem
Engesohder Friedhof in Hannover.
(Zum Vergrößern anklicken)

Mir gefällt die Inschrift sehr.
Und am besten gefällt mir der Gedankenstrich.

Man sollte sich wirklich ab und an mal die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was man gerne später mal auf dem eigenen Stein stehen haben möchte. Das ist eigentlich über-
haupt nicht gruselig, sondern ganz interessant. Man kann es zwar dann selbst nicht mehr lesen, aber falls mal Besuch kommt…

Man könnte ja z.B. schreiben lassen:

„Schön hier.“

 „Setz’ Dich doch. – Hast Du mir Blumen mitgebracht?“

„Hör‘ doch mal, …“

Da ich aber (wohl im Gegensatz zu Herrn Schwitters) zur zu einer gewissen vorlauten Naseweisheit neige, bin ich für meinen Stein zurzeit noch immer bei: „Ich hab’s ja gewusst!“

Oder hat noch jemand eine Idee für eine gute Inschrift? – Jules?
(Dann kann ich in der Zwischenzeit weiter über die nächsten Fragen nachdenken…)

Quietschlebendige Grüße,
von Theobromina

Kunst aus Deutschland

Das wollte ich noch schnell erzählen, wer weiß, wann ich wieder Zeit zum bloggen finde…

Freundin T. und ich sind ja grade in der kestnergesellschaft gewesen, wo wir wegen der Kunst gucken wollten.

Ziemlich am Eingang steht auch gleich eine kleine Vitrine mit was drin und neben der Vitrine ist so was wie ein kleiner Gullydeckel, der zwar nicht zur Kunst gehört, aber dafür schön klappert, wenn man drüber läuft. Ich will schon meinen tollen Messegullydeckeltrick machen und kichere so ein bisschen mit T. herum, als ein anderer Besucher uns böse anschaut. Wahrscheinlich findet er, man dürfe in Gegenwart von Kunst nicht lustig sein.
Oder aber wir sind ihm zu „laut“. Woraufhin er dann auch mit ohrenbetäubend quietschenden Schuhen und seiner weiblichen Begleitung ums Eck verschwindet.

Nach angemessener Zeit folgen wir in Richtung des ersten Saals. Laut Anleitung hat es dort irgendwas mit Otto Hahn auf sich. Im Saal steht erstmal ein braun lackierter Truck.

Huehnerbus

Daneben steht des Quietscheschuhens Frau und gackert. (Für’s Foto habe ich natürlich gewartet, bis sie weg war.) Nee, ist gar nicht die Frau. Auf der Ladefläche des Trucks sind sieben Hühner untergebracht, dazu eine versilberte Büste.

Rumhuehnern

Ist der da jetzt Otto Hahn? Und sind die Hühner seine chicks?
Kommt mir zusammenhängend vor. Doch nee, der Silberne ist nicht Hahn sondern Kleopatra(!). Och so.
Herr Hahn hängt an der Wand daneben.

Das eine Huhn zwinkert mir freundlich zu. Und zwar von unten nach oben.
Mir fällt ein tolles Wort ein, das Frau Fanny Müller erfunden hat: Rumhühnern. Das ist, wenn Weiber so hühnerige Sachen machen. Ich liebe Frau Müller (für dieses Wort und auch sonst)!

Mit uns laufen da übrigens auch noch zwei Herren und eine Dame in dem Saal herum. Die Herren überlegen mal gleich, wie der Truck da wohl reingekommen ist. Durch den Türbogen da jedenfalls nicht.

Noch ein Stückchen weiter hat einer Fotos gesammelt und aufgehängt.
Sein Künstlername: Peter Piller. Na, das muss er ja nun wissen.
Seine Fotos gefallen mir aber ganz gut.

Herrjeh! Jetzt muss ich über eine Luftnummer aus Aluminium gehen, was mir gar nicht passt wg. Höhenangst. Darunter befinden sich drei Meter freier Fall, das kann man durch die Ritzen sehen. Sowas kann ich gar nicht ab. Da kletter’ ich lieber auf Bäume. Also schnell Augen zugekniffen und übergesetzt.

Auf der anderen Seite kriegt man zur Belohnung gezeigt, wie ein hermaphrodiesischer Eisbär von unten aussieht. Leider darf ich das Bild nicht mitnehmen, und wenn ich auch noch so lieb gucke.

Zum guten Abschluss stehen wir vor einer Wand, auf die man mit Tontauben geschossen hat.

Diewandistauchhin

Es hat was mit der Durchdringung des Raumes zu tun, die aber nicht gelingen will. Überall liegen und stecken die Splitter. T. sagt: „Na, die Wand ist auch hin.“
Also, wose Recht hat,…

Irgendwie können wir das alles heute nicht so mit gewichtigem Ernst nehmen. Mein Verhältnis zur Kunst ist ohnehin nicht grundsätzlich vorauseilend ehrfürchtig. Und heute jedenfalls bin ich viel zu gut gelaunt dafür. So wie der hier.

OnkelTod

Der Herr Onkel Tod.
Steht kippelig und gut gelaunt in der Gegend herum.
Ich glaub‘ fast, der hat mir am besten gefallen.