Fensterknistern

Gestern hab’ ich richtig abgeräumt!
Auf dem Weg zum Flohmarkt konnte ich gleich drei Fotos der allerneusten hannöverschen „Fenstermoden-Kollektion“ machen. Ich hatte mich ja vor einigen Wochen schon mal über das regional auftretende Phänomen des Tiermotiv-Acryldecke-im-Fenster-Aufhängens, kurz der
Fensterdecke, gewundert. Das ist hier nämlich so üblich. Man kauft eine Knister-
decke, stellt anschließend wohl fest, dass die beim Zudecken wirklich knistert und die eigene Frisur auch immer merkwürdiger vom Kopp absteht, und dann hängt man sie vors Fenster, damit man nicht mit der komischen Frisur gesehen werden kann.

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Gestern nun begegnete mir zunächst diese eigentlich gar nicht Picasso-artige Darstellung einer Gruppe von, äh, „Hirschen“, die sich im Herbstwald, äh, tummeln.

Ein Glücksmoment für die Fotografin.

 

Keine 100m weiter die Straße runter dann ein Ensemble, das mir die Freudentränen nur so in die Fingerspitzen trieb: „Leopard trifft Sponge Bob“. Aber welches Fenster ist denn jetzt Kinder-, und welches ist Muddis Schlafzimmerfenster? Hm.
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Während ich da noch so drüber nachdenke und aber schon zu weit weg bin, um doch noch mal zu klingeln und nachzufragen, erblicke ich das hier:

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Eine prima Reihe feinster Abwechslung! Bambus, Deckenbezug, und so Lappen. Wer lange genug hinschaut, sieht bestimmt sogar Tiere. Da hat sich doch jemand so richtig ins Zeug gelegt… Ins Bettzeug vermutlich.

Fensterdecke_detailUnd damit man das auch würdigt, hat er sogar ein Schild gemalt, das uns ermahnt, den Blick nicht zu Unwichtigem abschweifen zu lassen. „Achten sie nicht auf dieses Schild!“

Das wäre ja wohl auch geradezu ignorant.

 

 

 

 

 

 

 


HA!

Vor ein paar Jahren musste ich mal ein paar Monate in einer Firma arbeiten, die ich sehr bald nur noch „Die Kackbude“ nannte. Mir wurde der Arbeitsvertrag geradezu aufgenötigt, obwohl ich sogar extra mit zerknüllter Bluse und gelangweiltem Gesicht zum Vorstel- lungsgespräch erschienen war, bei dem ich dem Chef auch noch ständig ins Wort fiel und ihm widersprach, wo ich konnte. Das schien ihm entweder zu imponieren, oder gar nicht erst aufzufallen. Er wollte mich unbedingt als Marketingtante einstellen, obwohl ich ihm bestimmt fünfmal gesagt hatte, dass ich von Marketing so viel verstehe wie meinetwegen ein Konditor vom Trampolinspringen.

Die Firma, für deren Marketinggeschicke ich nun zuständig war, vertrieb Software für Kon- strukteure und Architekten. Im Grunde waren das alles Vertreter. Man sagt ja, dass das schon irgendwie eine Gruppe für sich ist, mit ganz eigenen Regeln. Nachdem ich heraus fand, dass offensichtlich niemand genau wusste, was eine Marketingfrau eigentlich so zu tun hat, machte ich einfach, was mir so einfiel, oder was man mir hinlegte.

Der Chef hieß B. und begann jeden Ausspruch mit der Einleitung: „Ich sach’ mal, halt, was könn’wir tun, was könn’wir machen, das ist dann halt die Sache, halt…“  Das machte mich ganz irre, und ich musste bald sehr aufpassen, ihm nicht aus Daffke genauso zu antworten.

Alles, was nicht so anfing, wurde gebrüllt. Und wie! Herr B. genoss es sichtlich, eine At- mosphäre von Angst und Schrecken zu verbreiten. Alle Kollegen sahen immer so aus, als wollten sie lieber zum Schutz unter den Tisch kriechen. Nur ich wieder nicht. Ich blieb ganz unbeeindruckt und antwortete jedes Mal in gut gelauntem Plauderton. Einmal mach- te ihn das so rasend, dass er tatsächlich anbot, mir den Hals umdrehen zu wollen. Ich lehnte das aber genauso ruhig ab wie alles andere. „Ach nein danke, Herr B. , ich hab’ ja auch zu tun.“ Hinterher wollte er das als „Scherz“ gemeint haben. Deswegen also hatte ich so lachen müssen.

Die Kollegin, mit der ich in ein Büro gesetzt wurde, war 22, hatte unterm Bauchnabel so eine Tätowierung, die man wohl normalerweise auf der anderen Seite hat, wo sie dann „Geweih“ heißt. Der Rest von ihr sah wie etwas, dass man erst aus einem rosa Karton pellen muss. Und im Nebenkarton wohnt Ken. Trotzdem verstanden wir uns gut, denn der Rest der Belegschaft war männlich und nicht zum Aushalten.

Ich will sie nicht alle beschreiben, aber in einem Büro saßen z.B. ein Zweitmeterzehn- Mann und ein Terrier von höchstens 1,60 m zusammen, die nebeneinander einfach zum Schießen aussahen. Der Eine bog sich über seinen Schreibtisch wie ein Geier, während der Andere kaum über die Tischkante gucken konnte. Aus der offen stehenden Tür ihres Büros hörte ich immer wieder ein Geräusch wie von einem Nagelknipser, so etwa alle halbe Stunde.

Später fand ich heraus, dass der Geier sich nicht etwa in Zeitlupe die Nägel schnitt, son- dern so ein schickes Knipsfeuerzeug hatte, mit dessen Hilfe er den Terrier mit Zigaretten- rauch einnebelte. Bestimmt, um dessen doofes Gesicht nicht sehen zu müssen. Leider musste er ihn trotzdem weiterhin hören und darum beneidete ich ihn auch nicht gerade. Der Terrier war nämlich nie für irgendwas zuständig oder verantwortlich und sprach in „Wir“-Sätzen, wenn er „Du“ meinte. Zudem kam er aus Sachsen, was man deutlich hören konnte: „Ham wiör dännschö die CäDähs geprannd?“ Und er war ordentlich scharf auf die Barbie-Sekretärin, erklärte ihr ständig die Welt und merkte nicht, dass sie davon völlig unbeeindruckt blieb.

Eines Tages bekamen wir neues Geschäftspapier. Für Hannover und für Hamburg. Damit da keine Verwechslungen aufträten, sollten die Kartons beschriftet werden. Die Beschrif- tung nahm der Chef persönlich vor, mit dickem Filzschreiber. Ein Stapel Kartons wurde mit „H“ beschriftet, ein Stapel mit „HA“. Ich wollte dazu lieber ausnahmsweise nichts sagen. Wir mussten dann jedes Mal überlegen, welche der Kartons nun für welche Stadt waren, bis die „H“-Kartons endlich nach Hamburg gebracht wurden. Übrig blieben dann im Flur der hannöverschen Niederlassung diese Kartons, die sich offensichtlich genauso über die Verhältnisse dort amüsierten wie ich…

lustige_kartons

Ich glaube, ich nehm ’ne Pommes…

Maeuerchen

Ich weiß gar nicht, wie oft ich hier schon achtlos vorbei gelaufen bin.

An dieser Kultstätte der Currywurstsekte. Wahrscheinlich habe ich meine Aufmerksam-
keit dann immer auf die Mitgliederversammlungen gelegt, die sich in lockeren Formationen auf dem Vorplatz ihres Gotteshauses gruppieren. Da ist schon wieder einer, der sich eine Glaubensrichtung aussuchen möchte. Vielleicht „Knüppel mit Gerümpel“?
Ich hörte einmal, das sei die geheime Umschreibung für „Currywurst mit Pommes“, also quasi der Code, mit dem sich die eingeschworene Gemeinde im Untergrund verständigt, ohne dass Außenstehende wissen sollen, was gemeint ist.
Der, der mir das verraten hat, den habe ich danach nie wieder gesehen…

Aber eigentlich frage ich mich heute, warum diese Trafokästen im Vordergrund durch ein Mäuerchen voneinander getrennt werden müssen. Auf der einen Seite zwei Große, auf der anderen Seite die Kleinen. Der kleine Schmuddelige vorn hat bestimmt mal einen von den Großen doof von der Seite angeredet, da hat der gar nicht lange gefackelt und ihm vor’s Schienbein getreten.
Oder eben das, was bei Trafokästen das Schienbein wäre, wenn sie eines hätten.
Und nun ducken sich die Kleinen hinter dem Mäuerchen zusammen und überlegen, wie sie mal pfiffig zurückschlagen können. Wie das wohl ausgeht?

Ich glaub’, die Uhr fragt sich das auch.

Fieber! (2)

Ich hatte ja hier mein wieder gefundenes Disco-Tänze-Buch schon mal vorgestellt und dazu sogar Fortsetzung versprochen. Und was man versprochen hat, soll man auch halten. Hier also einige neue Tanzfiguren. Der Sonntagmorgen, wenn man noch ein bisschen in Öl liegt von der gerade überstandenen Sauftour Tanznacht, ist vielleicht nicht die ideale Zeit zum Üben. Aber man kann sich’s ja schon mal  ausschneiden und bis nach der Kaffeetafel bei Tante Karin damit warten.
Bump_Shake








Die 1. neue Tanzfigur heißt: „Macker, ich hab’ Dir schon 3x mal gesagt, Du sollst abzischen! Jetzt mach’ endlich die Biege…“

Im Buch heißt sie verschleiernd: „Bump-Shake mit elbow-pull“, aber jeder weiß, was gemeint ist. Zur Not muss man eben den elbow kräftiger pullen.

 

Dog

 

Diese junge Dame hätte das mal früher tun sollen, denn der Mensch da versucht gerade eben, ihr den Oberkörper abzuschneiden. Das ist aber nicht sehr nett von dem. Sie winkt um Hilfe. Hoffentlich kommt da gleich jemand!

Wieso das „The Dog“ heißt, weiß ich nicht.
Ich habe jedenfalls noch nie Hunde gesehen, die sich gegenseitig durchschneiden wollten. Vielleicht ist es eine Empfehlung, nächstes Mal lieber einen beschützenden Schäferhund mit in die Tanzbude zu nehmen. Also, im über-
tragenen Sinne, einen großen Bruder oder so. Richtige Hunde dürfen ja gar nicht in die Disco. Schließlich muss man da mindestens 16 sein. Und das ist für Hunde schon ein ziemliches Alter, da stehen die eher schon auf Marsch-
musik und Fr*lic-Werbung im Fernsehen.

 


Cleveland_Conti

Guck, jetzt hat er von ihr abgelassen, und damit er nicht gleich wieder auf doofe Ideen kommt, kriegt er zum Abschied noch einen „Cleveland Continental“ verpasst. Also einen Handkantenschlag in die Rippen, der sich gewaschen hat. Ja, der Herr trägt übrigens wirklich eine Riesen-Fliege um den Hals. Und die Hose hat er aus zwei alten Futter-
säcken zusammen getackert, bis die Tackerklemmen alle waren.


 Rock_steady

Und weil das ganz schön kneift, bewegt er sich jetzt irgendwie komisch. Keine Ahnung, ob die Mädels ihn nun nur nachäffen, oder ob sie ihm tatsächlich glauben, dass das ein „Rock Steady“ sei. (Wir wissen ja wohl alle, wie ein richtiger „Rock Steady“ aussieht!) Es sieht jedenfalls auch nicht besser aus, wenn man’s zu dritt macht. Die Hintere macht ein Gesicht, als wolle sie beim Kirschkern-Weitspucken mitmachen. Und die Vordere muss sich an der Wand abstützen, damit sie nicht umkippt mit ihren Absätzen. Wahrscheinlich hat sie deshalb die Söckchen zu so Wülsten aufgerollt, um im Falle eines Sturzes ihre Knöchel zu schützen.

 
Armstyling


 


Diesen Trick kennt diese Dame noch nicht. Sie hat aber auch gar keine Zeit, mit ihren Freundinnen Tipps auszutauschen.
Sie bewundert diesen tollen Tänzer, der sich wohl gerade die Hände hat auswech-
seln lassen und dazu gleich die Arme neu stylen. Und er freut sich und denkt: Hat sich doch gelohnt, das teure Armstyling! Schon hängt eine leckere Biene dran…

Und da hat er natürlich Recht. Gut gestylte Arme machen bei den Damen unheimlich Eindruck. Also auf in die nächste Armsty-
lerei um die Ecke, meine Herren!

(Hey HikE, das wäre doch eventuell auch was für’s Häkeltierchen!)

 

Der Kurs wird noch fortgesetzt. Versprochen. Aber jetzt ist ja erstmal das Üben dran…

Freundinnen

In den letzten Tagen hatte ich endlich mal wieder Gelegenheit, mich mit meinen Freundinnen zu treffen. Am Mittwoch besuchte mich Freundin S., um mich über die allerneusten Neuigkeiten auszuquetschen und indiskrete Fragen zu stellen.
Ganz nebenbei und unauffällig füllte sie mich mit Prosecco ab. Kaum, dass ich zwinkerte, war mein Glas schon wieder voll und S. rief zackig: „Nur keine Müdigkeit vorschützen! Hopp, weg damit, Puppe!“ Nach kurzer Zeit war mir ziemlich schwurbelich zumute und ich konnte die Buchstaben aus Russisch Brot, die an meiner Kühlschranktür kleben, kaum noch lesen. Aber die Laune war prächtig, denn so was war längst überfällig gewesen.

Am Donnerstag, also gestern, kam Freundin T. Sie hatte eine Flasche Wein in ihrem umfangreichen Gepäck. T. hat immer reichlich Zeug dabei. Sie gehört zu den Frauen, die z.B. immer ein Nagel-Nessesaire dabei haben. Wahrscheinlich verbergen sich in ihrer Tasche auch eine Wasseraufbereitungsanlage, ein Iglu-Zelt, ein Lagerfeuer und mehrere Schrankwände. Sie ist also die Freundin, die man dabei haben sollte, wenn man in der Wildnis ausgesetzt wird. Wein schleppt sie normalerweise aber nicht herum, das war eine Ausnahme, denn T. trinkt selten mal was. Aber auch sie wollte mit mir anstoßen und das Neueste der letzten Wochen hören. Als wir nämlich zuletzt miteinander gesprochen hatten, hatte sie eigentlich gar nichts gesagt, weil sie eine furchtbare Stimmband-
entzündung hatte. Diesmal sagte sie auch wieder nicht viel, aber das lag zum Glück nur daran, dass ich einfach so viel mehr zu erzählen hatte. Und sie hatte ja auch mit ihrem Wein zu tun.

Wenn ich den Besuch beider Freundinnen auf einen Abend gelegt hätte, dann hätten wir auch fast Rommee spielen können. Ich kenn’ mich mit Kartenspielen nicht so gut aus, glaube aber, dass man für Rommee zu viert sein muss. Dazu hätten wir also noch eine weitere Freundin am Tisch gebraucht. Gut gepasst hätte die gute A. aus Berlin, die ich hier übrigens mal ganz lieb grüßen möchte! Huhu!

Und dann wäre der Abend vermutlich ähnlich verlaufen wie der in dieser kleinen Geschichte von Fanny Müller (deren Miniaturen aus dem hamburger Schanzenviertel ich liebe), die ich mal spaßeshalber mit meinem neuen Headset aufgenommen habe, das mir ein sehr lieber Mensch neulich geschenkt hat. Die Aufnahmequalität ist noch nicht so, wie sie sein sollte und die Datei ist dicke 3 MB groß, aber ich wünsche trotzdem:

Viel Spaß!


Rommee

(MP3 – 3,2 Mb)

Fanny Müller: „Wenn Frauen zu sehr Rommee spielen“, gelesen von Theobromina

Drei Damen in der Straßenbahn (und noch eine vierte, die zuguckt)

Eine Frau sitzt in der Bahn, belegt die eine Hälfte eines 2er-Platzes.

Zwei weitere Frauen steigen zu. Eine davon setzt sich neben die, die schon da war, die andere lässt gegenüber auf einen Einzelplatz nieder. Die, die schon da war, fragt: „Soll ich mich umsetzen? Dann können sie zusammen sitzen. Das macht mir gar nichts aus!“
Sagt, die, die nun neben ihr sitzt: „Nein Danke. Dann stecke ich sie (deutet auf ihre Freundin) bloß mit meiner Erkältung an…“

Die hilfsbereite Dame schweigt. Sagt dann nach langer Pause: „Ich hab’ ja bloß asthmatischen Husten. Wenn sie mich auch noch anstecken, habe ich richtigen Husten. Aber ist ja egal, haha.“

Andere Dame: „Ja. Haha.“

Laminier mir!

Gerade vor wenigen Tagen hörte ich mich noch fragen, was denn wohl so ein Laminier-
gerät kosten täte, denn ich wollte endlich auch laminieren. Alle Welt lamininiert ja heutzutage. Urkunden, Visitenkarten, Dokumente… So kann man zum Beispiel jetzt ableckbare Visitenkarten machen. Und darauf haben wir ja eigentlich alle gewartet.
Also, ich nicht. Und auch niemand, den ich kenne, hat bisher jemals gesagt: „Ach, hätte ich nur eine ableckbare Visitenkarte! Die hier ist schon ganz wellig und abgelutscht!“  Aber vielleicht auch nur, weil man da bisher einfach aus Mangel an Möglichkeit noch nicht drauf gekommen ist. Und jetzt geht das ja.

 Alles wird eingeschweißt, hermetisch und wasserdicht. Hermetisch hat was mit dem Götterboten Hermes zu tun, soviel weiß ich. Ob der auch vielleicht was eingeschweißt hat, ist unbekannt. Ich vermute eher, nicht.

Ich habe auch noch nie was eingeschweißt, aber das kann auch an dem schrecklichen Wort „eingeschweißt“ liegen. Schon klar, warum die Geräte nicht Einschweißmaschinen heißen, sondern fein Laminiergeräte. Das spricht sich gleich viel Hamburg-Pöseldörf-
licher aus. „Larissa, wir haben gestern mithilfe unseres goldenen Laminiergerätes die neuen Mitgliedsausweise für den Poloclub eingeschw… laminiert! Möchtest Du noch etwas Tee?“

So, und heute gehe ich in den geisteskranken Discounter mit den vier Buchstaben, und da stehen so süße rosa Kartons herum mit richtigen Laminiergeräten drin! Für ordentlich wenig Geld. Potztausend! Oder lieber: Ach, das ist aber reizend!
Und Folientaschen lagen gleich daneben. Na, da habe ich mal gleich zugeschnappt, denn ich habe eine prima Idee, was ich da so alles reinlaminieren möchte. Vielleicht geht’s sogar gleich morgen damit los. Mal sehen.

Glück durch Fermentation

Noch in der letzten Woche war ich ja hübsch verreist und unterwegs. Und unterwegs ist gut in Straßencafés sitzen und Leute begucken. Am liebsten natürlich in netter Gesell-
schaft, die beim Begucken und Kommentieren hilft. Hatte ich. Sogar ganz ausgesprochen nette… Manchmal laufen aber kaum beguckbare Leute herum und dann liest man die Ge-
tränkekarte ausnahmsweise etwas genauer. Ich z.B. studierte eine Liste von Teesorten. Da gab es natürlich schwarzen Tee, „Earl Grey“, Hagebuttentee, sogar verschiedene Kräutertees und neuerdings gibt’s gern auch mal leckeren indischen „Chai“ oder merk-
würdig schmeckenden „Yogi-Tee“ in solchen Lokalen.
So eine Auswahl findet man schon ganz normal.
Aber dann las ich „Orange-Sahne-Ginkgo“-Tee. Und da blieb ich doch hängen. Das kann doch nicht schmecken und was ist daran noch Tee? Orange: na gut. Im Kombination mit Sahne: schon merkwürdiger. Aber Ginkgo? Wozu dattdenn? Wie schmeckt denn Ginkgo? Ein schöner Witz wäre es jetzt vielleicht, zu sagen: „Hab’ ich vergessen…“ Denn angeblich hilft das Zeug gegen Gedächtnisstörungen. Wozu man das zusammen mit Orange und Sahne im Tee haben muss, weiß ich nicht. Ich habe eine Vorstellung davon, wer sich so was bestellt, aber die schreibe ich hier nicht hin.

Darunter stand auch noch „Wind der Savanne“ in der Liste, also gehe ich davon aus, dass es sich auch hier um ein Brühgetränk handelte. Alles, was gebrüht wird, und kein Kaffee ist, kann ja nur noch Tee oder eben Brühe sein. Wie so ein Savannenwind schmeckt, kann ich mir noch weniger vorstellen als den Geschmack der Ginkgosache. Vielleicht ein bisschen nach staubigen Datteln? Ach nee, das wäre ja „Wind der Sahara“. Was gibt’s denn In der Savanne? Löwen! Der Tee schmeckt also wahrscheinlich nach staubigen Löwen.

Ich beschloss, mich demnächst etwas eingehender mit Teesorten zu befassen und bestellte erstmal gut gelaunt und ausnahmsweise Capuccino, mein lieber Begleiter orderte einen Milchkaffee. Wir bekamen auch bald zwei Tassen, die erheiterte Verwirrung bei uns auslösten. Mein Cappuccino war nämlich ganz schön groß, in einem großen hohen Becher. Sein Milchkaffee war etwa ein Drittel kleiner, in einer nach oben schlanker werdenden Tasse. Beide Getränke sahen aber sonst gleich aus. Kein Kakaopülverchen als Hinweis, nix, nur unterschiedliche Tassenform. Ein kurzer Test ergab, dass beide Getränke auch genau gleich schmeckten. Wir tauschten die unterschiedlichen Tassen, denn sein Kaffeedurst war größer als meiner und dann kamen mal wieder ein paar Leute zum Begucken vorbei, wir plauderten angeregt und ich vergaß fast die Sache mit den Tees wieder. Keine zwei Tage später jedoch kam ich nicht umhin, dieses Foto zu machen:

Druidentee

„Druiden-Zaubertee“ mit Erdbeer-Vanille-
Geschmack! (Deswegen auch das Foto. So was glaubt mir doch sonst wieder keiner.) Ich weiß auch schon, was der zaubert: Magengrimmen und verödete Geschmacksknospen, nämlich. Da würde ich auch lieber die Tüte dran lassen, wenn ich mir den in die Tasse täte!

Wieder zuhause wollte ich’s wissen und guckte mal so ein bisschen herum zum Thema „Sachen, die man mit heiß Wasser nass macht, die komische Namen haben, und an denen man sich bestimmt mehrere goldene Nasen ver-
dient, wenn man’s geschickt anstellt“. Ein großer Tee-Abfüller bietet im gut sortierten Superladen schon mal „Momente des Glücks“ an. Ja, sogar „Momente der Versuchung“! Das will ich mir gar nicht ausmalen. Vielleicht geht’s aber auch nur um den Versuch, eine trinkbare Plörre herzustellen. Im Internet fand ich die Teesorte „Quelle des Glücks“. Das ist ja einfach! Beutel auf, heiß Wasser drauf, das Glück 5-8 Minuten ziehen lassen, – fertig! Wahrscheinlich ist es eher mein Portemonnaie, das da als Glücksbrunnen dient, für den Herrn Teeeintüter. Was denken die sich denn sonst dabei?

Aber es geht ja noch weiter:
Doch vielleicht lieber eine „Atempause“? Also, sprich: mal eine Weile nicht atmen? Eventuell solange, bis der „Elfentau“ fertig gezogen hat? Dann sind die Lippen schon mal schön elfenmäßig blau. Und damit dann wieder Leben in die Bude kommt, hätten wir da ja noch die „Dschungelparty“ im Teebeutel! Hoffentlich sind da keine ausflippenden Orang-
Utans drin, die statt mit Konfetti mit Riesenradnetzspinnen und giftigen Tausendfüsslern werfen, der Stimmung wegen!
Oder wie wär’s mit „Kräuter-Kinder-Tee“? Also, da werden wohl Kräuter drin sein, und… Och nee, lieber donnich. Da kann ich ja gleich „Schlechtwetterhexen-Tee“ trinken!

Also doch lieber was Feines: „Champagner-Aprikosen-Tee“. Mist, die Sektflöten stehen noch im Abwasch. Und warmer Champagner ist auch nicht jedermanns Sache. Also, meine jedenfalls nicht. Auch nicht mit Aprikose, leider. Was denn nu?
Auch der „Grüne Schmorapfel“-Tee verheißt nix Gutes mehr. Schmorgeruch lässt mich entweder an Rindsroulade denken oder an Kabelbrand. Beides möchte ich nicht in der Tasse haben.

Ein wahrscheinlich probates Mittel übrigens, das jeweils andere Geschlecht per Heißgetränk zur Tür raus zu gruseln, ist meiner Meinung nach: 1. Sie setzt ihm „Bio-Liebes-Kräutertee“ vor und lässt es ihn auch noch wissen. (Der Mann, der so was freiwillig austrinkt, mit dem möchte man dann, glaubich, auch gar nicht mehr… Wo bleibt denn da die Würde?)

Oder 2.: Er kocht ihr „Alibabas 40 Düfte“-Tee. Man kann sich ja eigentlich vorstellen, wie jemand riecht, der gerade tagelang durch die Wüste geritten ist. Will man das denn? Nach Sesam jedenfalls wird er nicht riechen.

 Also vielleicht doch wieder Zuflucht zum Kaffee nehmen? Eigentlich bin ich doch überzeugte Teetrinkerin! Ich habe das hier ja auch schon mal beschrieben. Und ich will’s mir auch nicht gern damit verderben lassen. Och, nu kann ich mich gar nicht entscheiden… Ah, ich glaub’, jetzt habe ich’s!

Eine der wohl sinnlosesten Kreationen auf dem Teemarkt wird’s retten: Der „Caffé Latte“-Tee!

 (Alle hier beschriebenen Teesorten gibt’s wirklich! Und bestimmt noch viele mehr, die ich jetzt übersehen habe. Was es bisher wohl nicht gibt, sind so feine Sorten wie „Rocker-Tee“, „Schwitzende-Bauarbeiter-Tee“ und „Ich-bin-deprimiert-aber-das-soll-so!-Tee“)

Fieber!

Heute fiel mir ein Buch wieder in die Hände, das ich vor Jahren mal auf dem Flohmarkt für drei Mark erstanden hatte. Es lag dann lange als Klolektüre im Badezimmer herum, was dazu führte, dass Besucher oft ziemlich lange im Bad brauchten und dieses dann oft unter lustigen Verrenkungen wieder verließen.

Das hier ist das tolle Verrenk-Buch:

Disco_TitelImmer, wenn ich es in die Hand nehme, freue ich mich darüber, dass ich ’79 noch zu jung war für die Disco. Ist doch toll, wenn das Freuen so einfach geht. Und sei es nur, weil man einer Zeit grad’ noch von der Schippe gesprungen ist.

Damals bereitete man sich nämlich wirklich noch zuhause aufs Wochen-
ende vor. Da wurden noch Tanzschritte und Drehungen vor dem Spiegel geübt! Und Schnurrbärte getrimmt! Jawoll. Travolta war ganz groß und alles war voller BeeGees.

Jedenfalls hat sich in dieser Vergang-
enheit wohl jemand mal hoffnungsvoll dieses Büchlein gekauft, um dann am Samstag auf der Tanzfläche richtig loslegen zu können. Womöglich zur Damenbeeindruckung. Bestimmt funktioniert das auch heute noch! Daher will ich mal nicht so sein und mal reingucken lassen. Die Tanzfigu-
ren haben dufte Namen und sind auch ganz leicht nach zu machen. In dem Buch sind nämlich prima Beschreibungen und Bilder drin.

Lassoarm



Das hier ist z.B. nicht „Herr Ober, noch ein Getränk!“, sondern der „Shake mit Lasso-
Arm“. Na, steht ja auch dran. Das ist bestimmt leicht nachzutanzen. Leg’ doch schon mal was Schmissiges auf! Ich vermute mal, der Lasso-Arm ist der obere, denn im Beitext steht: „Die linke Hand schwingt das Lasso, die rechte hält die Zügel des Pferdes.“

Das Pferd ist grad’ Getränke holen.

 

 

 

Die Drei hier gucken inzwischen, wo es bleibt. Sie heißen „Shake“, „Frug“ und „Surf“ und haben wohl Durst. Frug will wohl sogar eine Kutsche anhalten, um den Fahrer nach dem Pferd zu fragen. Das kann jetzt natürlich dauern…

Shake_Frug_Surf

Ihr habt also genug Zeit, das Lassoschwingen zu üben. Und wenn ihr das drauf habt, geht’s weiter. Ich muss jetzt los zum Friseur, hab’ Termin für’ne Dauerwelle.

Zeitunglesen ist schlecht für den Nervenhaushalt

TeurerDie Weltmarktpreise, die Weltmarktpreise!
Kaum wird mal was teurer, erschreckt sich gleich alles mit und wird ebenfalls teurer. Erst die Milch und nun soll’s auch noch die Schoko-
lade erwischen! Was die Margarine dabei soll, will ich lieber gar nicht wissen. Als ich meinen letzten Becher Margarine gekauft habe, liefen nämlich noch die „Teens“ im Radio. Mit anderen Worten: Das ist mir doch piepe, wattie kost’!

Aber Schokolade?
Die Sorten, die hier so durchwandern, kosten ohnehin schon selten unter 2 Euro für die Tafel. Eigentlich eher mehr. Von den Trüffelpralinen will ich jetzt gar nicht reden, sonst wird mir ganz schwindelig. Und ich lasse nun schon extra die teuren Milchprodukte weg…

Ich fürchte, da bleibt mir irgendwann nur die Beschaffungskriminalität. Ich werde Autoradios klauen müssen und den Jungs hier in der Gegend die Jacken und Turnschuhe abziehen, um mir weiterhin das leise „Knack“-Geräusch leisten zu können, das entsteht, wenn man von einem feinen Schokotrüffel abbeißt. Nicht nur mir wird es so gehen. Wahrscheinlich wird es Aufstände geben, jeden Tag zwei, mindestens. Ich habe mich ja schon gewundert, dass es seit der Einführung von „Hartz IV“ noch nicht zu täglichen Amokläufen gekommen ist, aber die Kakaoverteuerung wird jetzt das Fass endlich mal zum Überlaufen bringen. „Die Weihnachtsmänner erwischt es als Erstes.“ Das klingt schon ziemlich nach Kanonenfutter, oder? Die Armen!

Himmel, ich muss mich beruhigen, meine Hände zittern ja! Da war doch noch ein Rest von der 45 %igen Feodora…