Küchensofagedanken am Morgen (Teil 9) – Frauen und Männer

Theobrominenfuesse_1sockeNeulich mal bin ich echt zusammengezuckt. Ich knipse so im Fernseher herum, bleibe bei sog. Comedy hängen, und muss doch tatsäch-
lich über Mario Barth lachen… Puh!

Grundsätzlich mag ich nämlich seine Männer-/
Frauen-Frontenbildung überhaupt nicht, und da kann man sich wegen eines rausgerutschten Lachers schon mal tüchtig erschrecken. Leider ist dieser Typ aber längst nicht der Einzige, der es sich zum Thema gemacht hat, wie achso unterschiedlich die Geschlechter doch angeb-
lich sind.

Wieder angefangen hat das wohl mit diesen komischen Büchern, nach denen Frauen den ganzen Mars zuparken oder so. Ganz bestimmt gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, manche kann man sogar mit bloßem Auge deutlich sehen, wenn man ganz genau hinguckt.

Aber wieso muss das jetzt neuerdings wieder ständig aufs Tapet? Ist das die Kapitula-
tionserklärung an die Emanzipation? „Emanzipation“ ist ja, so wie’s aussieht, zu einer Art Schmuddelwort geworden, keine Ahnung, wieso. Die war doch auch noch gar nicht fertig! Ich hab’ das eigentlich immer für beide Seiten wichtig und notwendig gefunden, scheint aber sonst kaum noch jemanden zu interessieren. Wir interessieren uns merkwürdiger-
weise im Moment wieder viel mehr für die Sitten der Steinzeit. Nanu? Und ja: Frauen kaufen Schuhe, ich weiß. Hab’ ich auch schon gemacht. Das ist aber doch nicht lustig! Soll ich vielleicht mal aufschreiben, was ich außerdem schon alles gekauft habe? Vielleicht ist da noch was Lustigeres dabei…

Was mich in diesem ganzen Zusammenhang häufig auch sehr stört, ist die Art und Wei-
se, wie mit dem dazugehörigen Thema Erotik und Sexualität umgegangen wird. Obwohl wir seit knapp 40 Jahren sowas wie „befreit“ sein sollen, finde ich den Umgang damit nach wie vor sehr verkniffen. Verfügbar und öffentlich ist alles. Sinnlich hingegen ist es nur sel-
ten. Zuhause wird immer noch viel zu selten über Bedürfnisse und Vorlieben gesprochen. Wenn überhaupt, geht man damit ins Fernsehen, aber da wird dann gleich wieder alles auf Mainstream gebürstet. Ich lass’ mir sowas Feines jedenfalls nicht von Experten aus der Hand nehmen. Expertin für mich selbst bin immer noch… Na? Wer? Eben. Ich selbst. Und ich habe es auch viel lieber, wenn mir mein Liebster persönlich erklärt, wo er genau gekrault sein will. Die anderen Herren sehen bitte davon ab, mich mit solcherlei Informa-
tion zu beliefern. Was soll ich denn auch damit.

Denn leider muss ich mich als Frau auch immer noch auf oft reichlich niedrigem Niveau anmachen lassen. Herrschaften, das geht mir auf den Zeiger! Wahrscheinlich bin ich nur nicht befreit genug, wenn ich es nicht mag, wenn man mit meinem Dekolletee spricht oder mir doofe Angebote macht, die ich nie eingeholt habe. Ich sollte das dann wohl anregend finden, – muss an mir liegen. Doch es greift mich manchmal regelrecht an und bügelt mir meine 3-Meilen-Zone platt. Ich kleide mich übrigens weder oll und trutschig, noch auffällig sexy. Letzteres schon allein, weil ich keine Lust habe, unterwegs beglotzt zu werden wie ein Frühstücksbuffet. Das hat durchaus schon mal Einfluss auf meine morgendliche Kla-
mottenauswahl, z.B., was das Tragen von Sommerröcken angeht. Natürlich weiß ich, dass viele Frauen diesen Effekt einfach ignorieren, und wiederum andere ihn durchaus sehr genießen. Ich gehöre halt nicht unbedingt dazu, nur manchmal. Ab und zu eben. (Man sollte das eigentlich auch an der Körpersprache merken, aber die sprechen leider nicht viele Leute.) Tja, so wenig, wie es „die Männer“ gibt, gibt es eben „die Frauen“.

Ein charmantes Geplänkel hingegen habe ich sehr gern, doch das gibt’s leider selten, stattdessen wird leider allzu häufig direkt mit dem Holzhammer auf die armen Planken gehauen. Davon krieg’ ich Ohrenschmerzen, und das will man ja schließlich nicht. Des-
halb halte ich mich übrigens auch hier im Blog überwiegend zurück, obwohl mir zu Erotik eine ganze Menge einfällt! Prüde bin ich nämlich keineswegs. Doch das freundliche Ab-
wehren wird eher überlesen und man muss das grobe Werkzeug holen, quasi das letzte Mittel, die Zickenzange. Die bestätigt dann aber unter Umständen wieder herrschende Vorurteile, herrjeh.

Ich hab’ auch irgendwie keine Lust, gegen Männer zu sein, weil ich eine Frau bin. Kann ich doch nun nix für! Ich mag Männer. Ich kenne sogar welche persönlich. Oder als Frau grundsätzlich entweder berechnend oder graumauslangweilig zu sein. Wir führen nämlich angeblich die Herren entweder vorsätzlich am Sch an der Nase herum, oder stehen nur auf Blümchensex im Dunkeln. Dazwischen gibt’s wohl irgendwie nix. Was ist denn eigentlich „Blümchensex“? Das muss ja wohl der reinste Horror sein! Dabei sind Blümchen doch so hübsch. Die armen.

Mir geht es, man mag’s ja gar nicht schreiben, um Verständnis zwischen „denen“ und „uns“. Ich bin halt so’ne Durchgeknallte. Doch Zeitschriften, merkwürdige Bücher und diese Comedy-Hanseln erklären uns den ganzen Tag, dass wir uns gar nicht verstehen können, uns aber trotzdem gegenseitig mit Tricks steuern sollen.

Versteh das mal einer.

Da hat doch wieder einer an dem Hebel rumgestellt!

Und zwar mindestens an dem Hebel, der hier in meiner Wohnung die Schwerkraft regelt. Und dann gibt’s u.a. auch noch einen Hebel, der meinen Muskeltonus reguliert. Da wurde natürlich auch irgendwas verstellt. Das merke ich ganz genau daran, dass mir heute alles runterfällt: Ein Eimer, ein Durchschlag (auch Nudelsieb genannt), eine Spülbürste, eine Haarbürste, eine Fusselbürste, – Bürsten überhaupt. Dann noch ein Kuli, ein Marienkäfer aus Schokolade, ein Einwegrasierer und dann ist noch eine leere Wasserflasche umgekippt.

Jetzt gibt es Spaßvögel, die dann sagen: „Sei doch froh, dass alles nach unten fällt, sonst würden die Klamotten alle unter der Decke hängen, und du müsstest ständig die Leiter hinter der Küchentür vorzerren! So musst du dich nur bücken.“ Ich will mich aber nicht andauernd bücken, mir tut ja schon der Rücken weh! Ich fänd‘ es gar nicht schlecht, wenn das Zeug mir nach dem Runterfallen nicht vor den Füßen herumliegen würde, sondern irgendwo oben über mir schweben würde, wo ich’s nicht dauernd sehen muss. Vielleicht rucke ich den Hebel mal eben auf „Schwerkraftextremniedrigbisgarnichtodernochweniger“.

Ich möcht’ halt nur nicht grade drunter stehen, wenn einer den Hebel dann wieder richtig stellt.

Und sonst?

Ich hatte ja gehofft, während ich in der Agentur bin, passieren dort vielleicht ständig irgendwelche lustigen oder wenigstens spektakulären Sachen, die ich dann hier bloggen kann, aber nö. Wir arbeiten vor uns hin, ab und zu wird geseufzt oder gemurrt, manchmal ein bisschen gescherzt, und dann wird wieder gearbeitet. Am meisten erzählen noch die Katzen dort. Besonders die eine ist eine ziemliche Quasselstrippe und mauzt den lieben langen Tag. Man weiß aber irgendwie nicht richtig, was sie will. Meistens irgendwo rein. Oder raus. Oder was anderes.

Damit ist auch schon alles erzählt.
Naja, immerhin führt das dazu, dass ich jetzt zwei ganz gute Entwürfe habe (von 4einhalb), die ich jetzt noch etwas ausarbeite und dann müsste das bis Donnerstag soweit sein, dass wir’s abschicken können.

Und sonst?

(“Und sonst?“ ist übrigens eine meiner Lieblingsfragen. Man trifft jemanden auf der Straße, erzählt sich stundenlang das Neueste, Wowieundwas, Wergegenwen, Wermitwem, Wermitwemwill und so. Wenn man dann alles ausgetauscht hat, entsteht meistens eine Pause und man will schon weiter gehen, plötzlich sagt der Andere: „Und sonst so?“ Und dann erzählt man alles wieder von vorne!)

Ja. Öh. Sonst? Also, ich hatte ja gehofft, während ich in der Agentur bin, passieren vielleicht…

Iron Woman

Ich wieder. Gestern hab’ ich mir ein neues Bügeleisen gekauft. (Ja, ich gestehe: Ich bügle. Ist so’ne Macke von mir. Ich mach’ es aber nicht zu oft, ich hab’ das voll im Griff.) Jedenfalls ist mein altes Bügeleisen mit der Zeit immer launischer geworden und eigent-
lich nur noch nach Spezialsystem warm geworden. Das Spezialsystem geht so: Mal geht’s, mal nicht. Vielleicht liegt das daran, dass es mir ab und zu mal runtergefallen ist…

Kalt kann ich jedenfalls auch mit der Butterglocke bügeln oder sogar mit der flachen Hand, dafür brauch’ ich kein Bügeleisen. Also: Neues. Kaum, dass ich zuhause war, habe ich das Ding ausgepackt, aus Karton und Folientüte getüddelt und habe den Stecker in die Dose gemacht, um zu sehen, ob es auch schön heiß wird. Nicht, dass ich in Zukunft womöglich beidhändig kalt bügeln muss.

Das wurde sogar schnell heiß, – aber ruckizucki! Woran ich das gemerkt habe? Erst roch’s komisch, und ich denk’ noch: Das riecht aber komisch, na ja, ist neu und so. Als ich dann hinsehe, bemerke ich, dass da gerade eine Folie schmilzt! Also fix den Stecker wieder raus. – Folie? Mist! Wo kommt die denn jetzt her?

Da war nämlich, das hatte ich in meinem Eifer nicht gesehen, noch so eine Schutzfolie auf der Bügelfläche! Damit die Fläche schön bleibt und keine Kratzer kriegt. Und diese Folie war bestimmt vorher ganz glatt gewesen. Jetzt hatte sie Blasen. Und war knalle-
heiß. Wieso machen die da kein Zettelchen an den Stecker, auf dem steht: „Hallo, erst Folie abziehen, bitteschön!“? Garantiert passiert sowas jeden Tag vierhundertmal überall auf der Welt und DuTube ist bis obenhin voll mit Videos dazu!

Jetzt wollte ich natürlich rettend eingreifen, und zupfte einen Teil der Folie schnell mit spitzen Fingern ab, aber das war ein bisschen wie bei einer Pizza mit viel heißem Käse. Darum dachte ich: nee, lass’ mal lieber erst abkühlen, sonst sehen deine Finger ganz schnell genauso aus. Und dann ist’s Essig mit’m Tastaturschreiben und der Gobelin-
stickerei. – Wer weiß schließlich: vielleicht will ich ja morgen unbedingt damit anfangen, und dann geht das wochenlang nicht, und hier liegt ein Wandteppich und kiloweise Garn, und die Wandhalterung ist schon montiert, und dann frustriert mich das, und ich komme mies drauf, und das will man ja nicht.

Ja, und dann konnte ich jedenfalls mal erleben, wie lange so’n Bügeleisen eigentlich heiß bleibt. Ewig nämlich. Eigentlich kann man es morgens mal kurz anmachen, dann wieder aus, und den Rest des Tages kann man trotzdem damit bügeln. Nach ca. 1 Stunde hab‘ ich dann trotzdem angefangen, die Folie da runterzupulen. Aua. Ich wollte aber unbedingt wissen, ob ich jetzt zwei kaputte Bügeleisen habe. Und Hilfsmittel, die über Fingernägel hinausgehen, wollte ich man lieber nicht nehmen, sonst wären ja doch gleich Kratzer… Langer Rede kurzer Sinn: Es dauerte eine weitere Stunde, bis ich alle millimeterkleinen Fetzen abgefisselt hatte. Aber es ist noch mal gut gegangen.

Jetzt steht das verschlagene Biest hier und guckt unschuldig.
Hat sie mir doch gleich gezeigt, wer hier der Chef ist.

… … "knack!"… …?

Heute bleib’ ich mal zuhause. Irgendein komischer Bazillus hat mich erobert: Ich bin total matt, supermüde, etwas kodderich und wie durch eine Mangel gedreht. Aber das scheint hier gerade umzugehen, Freundin T., mit der ich gestern Abend eigentlich auf ihren tollen neuen Vertrag anstoßen wollte, sagte mir nachmittags aus ebenjenem Grund ab. Und auch in der Agentur haben schon zwei Leutchen ähnliche Beschwerden gehabt, die dann aber wohl ganz plötzlich verschwinden, wenn man gerade mit einem größeren Ausbruch rechnet. So hätte ich das bitte auch gern, ich weiß jetzt nur nicht, wen ich da anrufen muss.

Also mache ich heute halblang oder gleich ganz kurz, schleiche nur mal eben zum Bäcker und zum Zeitungsmann und setze mich dann zum Sonnen ans offene Fenster. Diese Wohnung hat nämlich den Luxus, nach Süden ausgerichtet zu sein. Da ich im dritten Stock wohne, und gegenüber nur flachere Gebäude sind, habe ich einen weiten Blick und volle Sonne (die heute sogar mal scheinen möchte). Und das Beste: Es kann mir niemand reingucken. Ach, wenn mein Wohnzimmerfenster doch ein Balkon wäre… Man kann sich ja so alles Mögliche selber schreinern, aber mal eben einen Balkon irgendwo anzubringen, geht trotzdem nicht. Das muss schon der Hausbesitzer machen. Der reagiert aber immer irritiert, wenn ich ihn nach Balkonanschraubung frage.

Na, ich will mich nicht beschweren, sonst ist die Wohnung ja prima. Die Wände wirken durchaus stabil (obwohl ich es besser weiß), da wo Löcher sind, hat jemand Pfiffiges Fenster und Türen reingemacht, die sich anstandslos öffnen und schließen lassen. Der Fußboden ist noch kein einziges Mal eingebrochen, sondern knackt nur gelegentlich zutraulich, wenn die Sonne mal länger drauf scheint. Ist doch schön, oder?

Das wird heute mal meine Tagesaufgabe: Horchen, ob’s vielleicht knackt.

Waddema, ich hab’s gleich…

Gestern habe ich irgendwoher aus’m Fernseher gelernt, dass Leute, die sich viel mit an-
deren Leuten unterhalten, ein besseres Gedächtnis haben sollen, als solche die weniger Gelegenheit dazu haben. Weil so ein Gespräch irgendwelche Hirnareale anschieben soll.

Da musste ich kichern.
Wieso?

Weil ich, wie aus der Pistole geschossen, gleich drei Menschen aus meinem näheren Umfeld nennen kann, die sehr gern und viel gesprächeln, aber (auch nach eigenen Aus-
sagen!) über ein sagenwirmal ausbaufähiges Gedächtnis verfügen. Eine Freundin sagt sogar lachend, wenn ich mal überlegen muss, ob ich was Bestimmtes wirklich raustun soll: „Erzähl’ doch ruhig! Hab’ ich doch übermorgen sowieso wieder vergessen!“

Das ist also durchaus mal praktisch. Ich kann auch alle Lieblingsgeschichten immer wieder erzählen, sie klingen wohl immer wieder neu. Allerdings sehe ich (das ist ein Lerneffekt und reiner Selbstschutz) möglichst davon ab, mir von diesen Personen längere Witze erzählen zu lassen.

Ob ich mich viel und oft unterhalte?
Hmm, …wann war das noch, das letzte Mal…?

Bitte haben Sie einen Moment Geduld, Sie werden so schnell wie möglich bedient…

Also, wenn ich hier Schnittbrot liegen habe, von dem ich schon weiß, dass ich es ganz bestimmt nicht mehr essen werde, bin ich irgendwie froh, wenn es zu schimmeln anfängt. Dann kann ich es endlich wegwerfen. In meiner Küche liegt schon wieder so’n Kandidat: noch 2 ½ trockene Scheiben in der Tüte, aber sieht noch ganz prima aus. Jetzt stelle ich mich natürlich nicht die ganze Zeit daneben und warte, ob es endlich pelzig wird, damit ich es in die Tonne kloppen kann, dafür bin ich viel zu ungeduldig!

Heute bin ich sowieso so’n bisschen unruhig, denn ich bin da an einer Sache dran…

Alle fünf Meter checke ich meine mails, aber das, worauf ich warte, ist nicht dabei. Ich könnte mir ein Brot machen, aber ich hab’ keine Lust. Zwischendurch habe ich mal den Rechner ausgemacht, damit ich nicht bekloppt werde. Vorhin war ich sogar in der Stadt und hab’ was umgetauscht. Ein Weihnachtsgeschenk, das ich ausweichhalber gekauft hatte, weil ich das richtige Geschenk nicht und nicht kriegen konnte. Aber dann kriegte ich es durch einen superglücklichen Zufall doch noch rechtzeitig, und da hatte ich dann plötzlich zwei. Und was soll ich sagen: Sie haben’s heute klaglos zurück genommen und das Geld fast schneller wieder aus der Kasse gezaubert, als ich gucken konnte! Astrein. Geradezu unwüstig.

Eigentlich wollte ich mich dann mit einem schönen Zug durch die Klamottenbuden weiter ablenken, aber dann kriegte ich mal wieder Rückenrucken und fuhr doch schnell wieder nach Hause. Und immer noch keine mail. Bis morgen Mittag sollte was da sein, sonst ist’s Essig. Leider ist das auch wahrscheinlicher, aber man weiß ja schließlich nie. Herrjeh, ich fang’ hier noch das Nagelbeißen an!

Primaten am Drücker (Auflösung)

Gestern wartete ich nun gespannt, ob denn der Herr Sachbearbeiter wirklich anruft. Inzwischen war mir der Gedanke gekommen, er hätte sich meine Telefonnummer vielleicht nur geben lassen, um sie auf dem Display ablesen zu können, wenn ich ihn anrufe. Und dann eben nicht dran zu gehen. Also hab’ ich mir vorgenommen: wenn er sich bis halb zwölf nicht gemeldet hat (immerhin war Freitag), dann lasse ich mich über die Zentrale mit ihm verbinden. Ich kenn’ ja inzwischen auch fast alle Tricks.

Doch er kam mir um eine Stunde zuvor. Und teilte mir mit, die Sache sei nun in meinem Sinne entschieden. Außerdem wolle er für die Zukunft dies und das festlegen. Über das Erste freute ich mich verhalten (glaub’ ich erst, wenn ich den Wisch hab’), das mit dem Festlegen sollte er mir erklären. Konnte er nicht. Und je weiter ich mit Fragen vordrang, umso konfuser wurde er, faselte was von „neuen Richtlinien“ seit dem 1. Januar. Auf meine Frage, warum ich denn dann nichts von diesen neuen Richtlinien wüsste, und ob man da mal was Schriftliches zur Information haben könne, wurde er immer wackeliger und war dann kurz davor, zu sagen: „Das ist aber so. Menno!“ Stattdessen wollte er mir weismachen, er hätte das auch nur so „unter der Hand“ gesagt bekommen, da hätte es zum Jahreswechsel eine Team-Besprechung gegeben.

Also eine Geheimsache! Da hätte er aber mal lieber etwas besser aufpassen und hinhören sollen, finde ich. Oder es sollten, zum besseren Einprägen, bei diesen Besprechungen wenigstens die wichtigsten Punkte auf Zetteln ausgeteilt werden. Und kurz vor Schluss wird rundum abgefragt, bevor die Teilnehmer ihre Zettelchen vor den Augen ihrer Team-
kollegen verschlucken müssen.

Kann ja wohl nicht sein, dass Ämter jetzt neuerdings nach streng geheimen Kriterien arbeiten! Was, wenn ein Antrag nur deswegen genehmigt wird, weil der Antragsteller aus Versehen ein Eselsohr in die linke obere Ecke des Antrags gemacht hat? Oder ein ande-
rer abgelehnt wird, weil jemand nicht schwarzem, sondern mit blauen Kuli unterschreibt, oder das Ding an einem ungeraden Tag einreicht? Ich möchte jetzt nicht darüber nachden-
ken, dass das eventuell sogar schon so ist. Zumindest, wenn, kann man zurzeit noch dagegen vorgehen…

Ich sprach also beruhigend und freundlich auf dem Mann ein, ließ geschickt ein paar Mal die Wörter „Teamleiter“ und „Absprache“ einfließen, bat ihn, doch bitte bei der alten Rege-
lung zu bleiben, die ja funktioniert, und dazu bitte einen kleinen Vermerk im Aktendeckel zu machen. Ich möchte nämlich nicht so gerne, dass jeder der die Akte in die Hand nimmt, damit herumfuhrwerkt, wie’s ihm gerade in den Kopp kommt.

Und nun warte ich ganz gespannt auf die Post. Mit ein bisschen Glück ist dann erstmal wieder für ein paar Monate Ruhe und halbwegs normaler Betrieb möglich…

Primaten am Drücker

Wenn man, so wie ich, manchmal mit gewissen Ämtern zu tun hat, sollte man sich be-
mühen, sein Anliegen und das ganze Drumherum (Leben, Firmengründung, usw.) so zu gestalten, dass es möglichst einen Standardfall darstellt. Damit können die Herrschaften im Amt was anfangen. Das lässt sich prima lochen und abheften.

Sobald aber eine Besonderheit, eine Variante auftritt, kann man erleben, wie Mühlen nicht nur plötzlich langsamer mahlen, sondern sogar rückwärts!

Anders kann ich mir nicht erklären, wie das kommt, dass meine Sache im Stapel immer wieder aus Versehen nach unten wandert. Es müsste allerdings auch jemand was ent-
scheiden. Entscheiden ist sehr schwierig und gehört wahrscheinlich sowieso vom guten Hausarzt verboten. Leider gibt es auch keine amtliche Vorgaben, die das mal grundsätz-
lich untersagen. Stattdessen gibt es „Ermessensfragen“. Nach meinem persönlichen Ermessen müsste mein Anliegen ca. 2 Minuten bedacht und dann eben entschieden werden, – aber ich hab‘ hier ja auch nix zu sagen.

Im Oktober wurde mir versprochen, dass etwas „so schnell wie möglich“ geklärt würde. Man spricht ja so gern von „affenartiger Geschwindigkeit“… Wenn man dabei an Zwerg-
seidenäffchen denkt, ist der Zusammenhang ja auch prima herzustellen.

(Ich hab‘ da zufällig grade eins da. Es ist noch klein, aber viel größer wird’s auch nicht.)

ZwergseidenaeffchenIch würde mir sehr gern vorstellen, mein Sach-
bearbeiter sei so ein Zwergseidenäffchen, denn das ist nicht nur fast das allersüßeste Tier der Welt,
es ist auch flink und behände, hat seine Augen überall und würde meinen Fall innerhalb von Sekunden bearbeitet und vom Tisch haben.

O.k., aufgrund seiner Körpergröße, die man vielleicht eher Körper-
winzigkeit
nennen sollte, hätte es wohl Probleme mit dem Lochen und Abheften, und wahrscheinlich auch vorher schon mit der schweren Akte.

Aber Zwergseidenäffchen leben ja schließlich in Gruppen, da könnten die sich ja meinet-
wegen gegenseitig ein bisschen helfen. Mein Sachhengst gehört aber wohl eher zur Familie der Orangs. Er ist nicht doof, aber langsam. Vielleicht kämmt er sich den ganzen Tag seine langen Armhaare oder deckt sich mit einem ollen Lappen zu und spielt Verstecken. Jedenfalls kümmert er sich nicht um meinen Fall. Anfang Dezember versprach er mir, es dauere jetzt noch „ungefähr zwei Wochen“. Das ist fünf Wochen her. Als ich ihm vorhin anbot, ich könne ja gerne mal zur Klärung der Sachlage vorbeikommen, wollte er mal lieber schnell meine Telefonnummer haben, um mich morgen dann ganz bestimmt zurückzurufen. Schade, sonst hätte ich ihm gerne mal persönlich so’n bisschen den Kalender erklärt.

Nachtsicht & Ausblicke

Ich träum’ vielleicht in letzter Zeit ein wildes Zeug! Morgens wache ich auf und kratz’ mich erstmal am Kopf. Was da so alles drin ist… Aber ich bin froh, dass ich wieder träume, denn im Sommer hatte das mal für ein paar Monate ausgesetzt und das fand ich noch befremdlicher. Nein, – was ich geträumt habe, erzähle ich nicht. Es gibt ja wohl nichts Stinklangweiligeres, als anderer Leut’s Träume erzählt zu bekommen! Es sei denn, man kennt den Erzähler sehr gut, oder der Traum ist sehr witzig und gut erzählt.

Freundin T. und ich haben uns, als wir uns noch täglich sahen, oft Träume erzählt und gegenseitige Analysen versucht. Damals träumte sie immer wieder von rotweißen Bussen oder Schiffen, die sie fast über den Haufen fuhren. Wir wissen bis heute nicht, was das bedeutet und es ist ihr zum Glück auch nie passiert. Deswegen hat sie dann wohl auch aufgehört, davon zu träumen. „Hat ja doch keinen Zweck“, wird sich ihr Unterbewusstsein gedacht haben, „die kriegen das ja doch nicht raus.“

Ich hingegen habe zu jener Zeit immer wieder geträumt, dass ich irgendwo alleine herum-
stehe und es kommt ein Mann, der gar nichts sagt und mich einfach ganz ruhig umarmt. Meistens bin ich dann aufgewacht und mit diesem Umarmungsgefühl den halben Tag herum gelaufen. Das war gar nicht mal schlecht und ich konnte das damals richtig gut gebrauchen. Netterweise ist mir das seither auch gelegentlich mal im Wachzustand passiert. Wie gesagt: gar nicht mal schlecht, kann man immer gut gebrauchen…

Nun habe ich ja doch von Träumen erzählt!

O.K., also was Anderes.
Vorgestern war Freundin M. mit ihrer Lütten hier. Sie sollte ja auch noch diese bunten Dinger aus Holland kriegen (s. weiter u.). Ich glaube, sie hat sich beim Anblick etwas erschrocken. Leider sind die „Kinder-Petitfours“ auch gar nicht aus Marzipan, sondern aus einer merkwürdig schmeckenden Baisermasse. Die kleine Matilda hat eins davon immer wieder in den Mund gesteckt und dann mit verwirrtem Geschichtsausdruck wieder heraus-
gezogen. Auf den Tisch damit. Ein paar Sekunden später wieder das gleiche Spiel. So zehnmal vielleicht. Zumindest hat sie nun gelernt: Was lecker aussieht, kann durchaus, na ja ich will nicht sagen unlecker, aber doch zumindest ganz schön anders schmecken. M. und ich haben gleichzeitig überlegt, ob man da nicht einfach Magnete auf die Rücksei-
ten kleben kann, um sie an den Kühlschrank zu pappen. Vielleicht isst A. (M.s Mann) sie auch auf, – das wäre zu freundlich.

Ganz nebenbei erzählte mir Freundin M. von der neuen Wohnung, in die sie Anfang April umziehen werden. Jetzt wohnen sie noch schräg gegenüber, im selben Haus wie Freund M., aber bald dann auf der anderen Seite der Innenstadt, in der List. Sie haben guten Grund, eine größere Wohnung zu nehmen, denn sie werden ab Sommer mehr Platz für Nachwuchs brauchen. Natürlich freue ich mich für sehr sie, aber die spontanen Besuche auf einen Tee werden doch wahrscheinlich seltener werden…

Auch Freund M. ist nicht gerade begeistert. So halten wir jetzt hier die Stellung „im Dorf“. Na, vielleicht findet sich ja jemand im Freundeskreis, der die Wohnung übernehmen will. Eigentlich ist das nämlich schon so eine, die man über’s Hörensagen findet. Vor zwei Jahren hätte ich noch ganz laut „HIER!“ gerufen, aber dann wurde mir hier ein neues Bad in die Wohnung gebaut, und jetzt müssten sie mich schon mit den Füßen voran hier raus-
tragen. Am besten in der Badewanne. Naja, sie müssten die Wanne dann mal auf die Seite kippen, um durch die Tür zu kommen, denn das ist so ein großes, viertelkreisför-
miges Modell, und ich würde wahrscheinlich auch raus rutschen, aber davon merk’ ich dann ja nix mehr. Wenn sie mich nur hinterher wieder reinlegen.

Aber damit ich wenigstens vorher noch ein bisschen was sehen kann, werde ich mal gleich beim Optiker anrufen, ob meine neue Brille fertig ist. Eigentlich war sie schon letzte Woche soweit, aber als ich sie dann dort aufsetzte, „schwamm“ mir so merkwürdig der Blick. Das Brillenfrollein meinte erstmal ganz überzeugt, das könne ja an der anderen Form der Gläser liegen. Meine beiden älteren Brillen haben breitere, aber nicht so hohe Gläser, sind fast rechteckig. Sie sehen aber durch die starken Rahmen etwas streng aus. Vor zwei Jahren fand’ ich das ganz stylish, wie man ja immer so schön sagt. Was haben wir eigentlich gesagt, bevor wir stylish hatten? Modisch klingt ja wohl wie Frisierkommode. Außerdem war das Strenge zu dieser Zeit ganz gut, weil ich beruflich immerzu mit reni-
tenten Handwerkern zu tun hatte, die spurten dann irgendwie besser. Wirklich wahr!

Allerdings ist es nicht immer von Vorteil, streng zu wirken. Zum Beispiel, wenn der Umarmungsmann aus dem Traum auftaucht und dann sagt: „Nimm’ doch erstmal die Brille ab!“

Wo war ich? Achso, der schwimmende Blick. „Nee“, dachte ich und sagte sogar laut: „das kann nicht an der anderen Form liegen. Und die Sehstärke hat sich auch nicht geän-
dert. Ihre Kollegin hatte das doch extra noch mal durchgemessen!“ Also verschwand die Brille mit der Optikerin in einem Kämmerchen. Wahrscheinlich haben sie dort irgendwas besprochen, denn als sie wiederkamen, sagte das Frollein: „Jetzt weiß ich, was es ist: Die Kollegin hat auf dem Formular was falsch ausgefüllt. Es sind aus Versehen beide Gläser auf -1,75 Dioptrien geschliffen worden.“ Jetzt muss man wissen, dass ich zwar links kurzsichtig bin, dafür rechts kein bisschen. Rechts sehe ich zwar nur unter 15%, das dafür aber scharf. Das weiter zu erklären, würde jetzt zu weit führen. Es stört mich jedenfalls nicht, weil’s schon immer so war, und man sieht es mir auch nicht an. Bis eben auf die Brillen, die ich seit ein paar Jahren trage. Da kann man natürlich schon auf die Idee kommen, ich sei eventuell kurzsichtig. Aber eben nur links.

Jedenfalls setzte ich die Brille noch mal auf, kniff diesmal das rechte Auge zu und alles war prima! Aber so kann ich natürlich nicht rumlaufen, wie sieht das denn aus…

Also habe ich das neue Gerät noch ein wenig in der Obhut der Brillenmeisterinnung gelassen, damit sie mir da ein schönes Fensterglas rechts reinfummelt. So schwer kann das ja eigentlich nicht sein. Mal gucken.