Glück muss man haben

Wenn das alte Jahr in ein neues kippt, wird ja gern orakelt.
Ich mach‘ das auch, Bleigießen und so (es ist ein Eichelhäher. Jetzt muss ich nur noch rauskriegen, was das bedeutet. Bestimmt was Gutes.).

Für die, die kein Orakelmaterial auf Küchenschublade haben, stelle ich diesen Glücks-
keks zur Verfügung, den mir ein geschäftstüchtiger China-Bringdienstbetreiber vor einigen Tagen brachte:
glueckskeks_w
Viel Glück damit!

Mumpeln! Mumpeln! Mumpeln!

So, hm. Weihnachten ist jetzt vorbei, oder? Ich hab’ gar nicht mehr geguckt, aber meine Schokolade geht langsam zuende…

Vielleicht kommt’s ja daher, dass ich zurzeit manchmal ein bisschen mumpelige Laune hab’. Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass ich überhaupt gar nicht zuhause in Hannover bin, und meine hiesige Laune und ich verstehen uns nur nicht so richtig, weil sie gelegent-
lich ganz plötzlich holländisch spricht und davon kann ich doch nur ein paar Brocken! Vielleicht ist die dann verwirrt, wenn ich nicht gleich antworte und meint, ich hätt’s nicht nötig? Nee, ich glaub’, das ist zu verstiegen… So Laune kann ja auch einfach nur so mal mumpeln. Wenn man übrigens das Wort „mumpeln“ ein paar Mal deutlich hintereinander weg laut sagt, ist das 1. eine schöne Unterkiefergymnastik und man bekommt 2. gleich ein wenig bessere Laune.

Vorgestern sah ich übrigens eine ausgesprochen gut gelaunte holländische Taube, die offensichtlich gerade einen ganzen Wäschekorb leerer dreiäugiger Grünhäschen in den passenden Container entsorgt hatte. Ich konnte gerade noch auf den Auslöser drücken, bevor sie wieder auf ihr Fahrrad stieg und davon radelte; – sonst glaubt einem das ja wieder keiner!

Fahrradtaube

Das wird eine ordentliche Weihnachtsparty gewesen sein, da zuhause bei Taubens. Nach zweidrei Grünhäschen auf ex geht da nämlich das Gurren und Kopprucken und Geflatter und Brustgepluster erst richtig los! Das weiß man ja, bzw. hört man ja so einiges. Getrunken wird übrigens solange, bis die Hasen wieder zwei Augen haben… Musik wird bei solchen Parties keine gebraucht. Kann sich ja jeder denken, wieso.

Bestimmt ist die Taube auch gleich wieder Nachschub holen gefahren, jetzt, wo wieder Platz im Gepäckkörbchen war. Schließlich wird doch morgen schon wieder gefeiert. Und garantiert sogar mit Geboller! Da müssen also noch Knallfrösche und Luftschlangen her. Meinetwegen auch Rummsböcke, Leuchtkäfer, Rumpelkämmerer, Knallchargen, Explo-
dierschweinchen und Zundern. Na, passt ja mehr als genug in den Korb.

Dass das Fahrrad drei Räder hat, liegt wohl daran, dass Tauben im Allgemeinen ein biss-
chen Schwierigkeiten mit dem Radfahren haben, wegen der Balance und so. Deswegen fahren die meisten Tauben am liebsten mit Stützrädern. In Holland jedenfalls. Oder gleich Liegerad. Es geht nämlich die Kunde, das sei einfacher. Im Gegensatz zu den meisten Tauben glaube ich das aber nicht.

Ich glaube aber, dass das eine gute Idee von dieser Taube war, sich mollige Flügelspit-
zenwärmer an den Lenker zu machen. Schade, dass sie gar nicht dran kommt.

Wie ich gestern nicht überfahren wurde und hinterher ein mieses Gefühl hatte

Gestern hat es hier ordentlich geregnet und der Wind hat den Regen immer mal in die Waagerechte gepustet. Wenn man zuhause am Fenster sitzt, ist das gemütlich. Wenn man mit vollem, schwerem Rucksack vom Einkaufen nach Hause radelt, ist das anstren-
gend. Als ich zum Lindener Markt komme, und in die Posthornstraße rechts abbiegen will (so richtig mit Hand raushalten und so), kommt mir dort ein Wagen quer, er will in die Einfahrt der Post, und zwar mit Karacho!

Alles geht ganz schnell, ich blicke noch ins Fahrergesicht, sehe Schockschreck, – genauso gucke ich bestimmt auch gerade. Ich sehe mein Vorderrad an seiner Stoß-
stange, fühle schon einen Aufprall, sehe mich schon auf der Haube oder drunter liegen. Doch er hat gute Bremsen und trifft sie auch.
Mein Herz schlägt wieder.

Ich stehe genau quer vor seinem Auto, zwischen uns sind nur noch wenige Zentimeter. Meine flache Hand schnellt hoch auf mein Brustbein, ich sacke etwas ein: die interna-
tionale Geste für „großer Schreck und noch mal davongekommen“. Ich schreie ihn an: „Mann!“, steige wieder auf und fahre weiter. Nun merke ich auch, wie meine Knie verreisen und der Kopf wieder loslegt: Das war aber echt knappski! Weihnachten im Gipsbett und so…

Ich will nur weg, flüchten, nach Hause. Ich brauch’ jetzt ’nen Kakao. ‚Nen starken.

Neben mir taucht das Auto wieder auf, der Fahrer hat die Scheibe runtergekurbelt und entschuldigt sich heftig, er habe mich nicht gesehen, ich sei im toten Winkel gewesen, er sei untröstlich, und ob er was für mich tun könne. Ich rufe: „Ja!!! Nicht wieder machen!“ und strample weiter. Er wolle heute Abend für mich beten, sagt er. Meinetwegen. Ein mittelalter Mann, ein Bürger. Fast tut er mir leid, er windet sich in Schuld. Ich will nach Hause. Also lächle ich ihn an und rufe: „Ist ja zum Glück nix passiert, da können wir beide doch froh sein! Ich bin in Ordnung, es war ja nur ein Riesenschreck!“ Dabei prasselt der kalte Regen auf meine Brille und ich lasse mich nicht aufhalten.
Hause. Kakao. Lass’ mich.

Er fährt an mir vorbei. Doch 100 Meter vor mir hält er an, öffnet die Tür, kommt mir mit ausgestrecktem Arm entgegen. Er will mir die Hand geben, also halte ich auch an, obwohl ich gar nicht will. Er faselt was von: “…wenigstens ein kleines Schmerzensgeld, auf den Schreck, – es tut mir so leid!“, und drückt mir die behandschuhte Hand. Ich sage noch mal: „Neinnein, …ist ja gut. Ist ja alles gut gegangen, nix passiert…“ Dann steigt er wieder ins Auto, und ich beeile mich auch, wieder loszuradeln.

5erEr hat mir einen zerknitterten 5-Euro-Schein in die Hand gedrückt! Und ich habe ihn genommen, ohne zu denken.

Der Schein wandert in die Tasche. Mir kommt ein komi-
sches Gefühl. Einen hässlichen verknitterten 5er für’s Nichtüberfahrenwerden? Was für eine Art Ablasshandel hat hier gerade stattgefunden? Jetzt fühle ich mich ganz merkwürdig. Ich bin beschämt. Eigentlich sollte er sich schämen! Das mit dem Fast-Anfahren nehme ich ihm nicht übel. Das hätte mir auch passieren können, und er hat gut reagiert.

Bis er die Idee mit dem Freikauf hatte. Er wollte sich unbedingt entschuldigen, im Wortsinn. Doch das ist gründlich daneben gegangen.

Den 5er kriegt jedenfalls der erste Punk in die Hand gedrückt, der mich morgen in der Innenstadt anschnorrt…

Tubenstress & Dankeschöns

Mensch, jetzt habe ich mich seit Freitag gar nicht blicken lassen…

Tubensortieren Aber ich hatte ja auch so viel zu tun! Ich muss mich erstmal setzen, ich bin nämlich fix und fertig. Seit Freitag habe ich Tuben sortiert. Und kann mich immer noch nicht entscheiden: Stell’ ich die mittlere nach rechts, oder die linke in die Mitte, oder wie? Welche war denn jetzt über-
haupt noch mal die mittlere? Menno.
Und schon bin ich wieder völlig durcheinander…
Kann ich noch mal von vorne anfangen!

So ist das, wenn man reist. Da muss man eben ganz anderen Anforderungen gerecht werden als zuhause. In Hannover stell’ ich die Dinger einfach so hin. Meistens auf den Kopf, so wie’s da immer drauf steht. Aber hier? Hier legt man wohl gesteigerten Wert auf gut sortierte Tuben. Verflixt schwierig. Naja, Hauptsache, die Knochen bleiben heil.

Und nachdem ich immer gemault habe, weil’s hier keine Himbeerbollos gibt, möchte ich bitte an dieser Stelle mal sagen: Aber B*unty-Eis! Das krieg’ ich nämlich in Hannover immer nicht und stand schon manche Stunde weinend vor der Kühltruhe. Und hier geht man einfach in den Laden, muss kein Formular ausfüllen und nix, und hat schon das schönste Kokoseis. Das muss man ja auch mal sagen.

Und dann möchte ich noch was sagen:

sternIch freue mich sehr, dass schon einige Fragen für meinen Advents- kalender eingegangen sind. Vielen Dank an die, die sich schon beteiligt haben. Sechs Fragen sind es bisher (2 kamen über PN. Danke, Sansibar.), sehr unterschiedliche, und so habe ich es mir ja gewünscht. Und nun wünsche ich mir dreist bis morgen Abend noch 18 weitere, denn ich freu‘ mich schon auf’s Beantworten. Hach, wär’ das schön!

 Liebe Grüße, Eure Theobromine

„Du? Theobromina? Sag’ mal, …“ (Mitmacher gesucht!)

sternIch hatte da gerade so’ne Idee…
Ich weiß aber noch nicht, ob sie gut ist.

Weil ich doch so auf Adventskalender stehe, überlege ich schon seit Tagen, ob ich hier nicht so was wie einen Blog-
Adventskalender
machen könnte. Es soll sich ein bisschen unterscheiden von dem, was ich hier tagtäglich so mache.
Darum dachte ich: Warum nicht sowas wie ein Frage- und
Antwortspiel?

Fragen Sie Frau Theobromina!

Habt Ihr dazu Lust?
Ihr fragt mich, was Ihr wollt (!), und ich beantworte bis Weihnachten jeden Tag eine der Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und natürlich auf meine Art. Dafür brauche ich mindestens 24 Eurer Fragen (lustige, neugierige, ganz normale), sonst geht’s nicht. Ich zähl’ natürlich auf meine Blogfreunde, – Euch wird schon was einfallen, da bin ich mir sicher. Aber ich möchte auch unbedingt die Besucher bitten, sich zu beteiligen. Das würde mich total freuen. (Ihr könnt auch mehrere Fragen stellen. Lieber ein paar zu viele als zu wenig… )

Ich sage mal: Einsendeschluss ist nächste Woche Mittwoch (28. November).
Dann kann’s nächsten Samstag losgehen…

Gespannte Grüße – Eure Theobromine

Fortfahren vorübergehend ausgesetzt wegen Fortfahrt

Das Brominchen muss mal raus.
Aus dem Haus, aus der Straße, aus der Stadt. Deswegen geht’s morgen mit’m Rollköf-
ferchen zum Bahnhof und dann einfach mal ab in den nächstbesten Zug. Aber natürlich habe ich mir diesen nächstbesten Zug ganz genau vorher ausgesucht und mir vorgestern sogar schon, vor Streikangst zitternd, eine prima Fahrkarte dafür erworben. Während der Fahrt, habe ich mir vorgenommen, singe ich: „Ich fahre in die Stadt, ich fahre in die Stadt, ich fahre in die Stadt, die keine Himbeerbollos hat!“ Eventuell mache ich das aber nur ganz leise.

Heute habe ich dann u.a. noch damit zu tun, alles, was ich außer den guten Bollos dort brauche, in den Koffer zu kriegen. Naja, man kennt das. Ich kann aber ruhig mal dazu sagen, dass mein Rollkoffer wirklich nur ein kleiner ist, und ich da aber Zeug für über eine Woche reinkriegen muss. Der ist ja schon voll, wenn ich nur den Sekundärkrempel rein-
lege, da ist dann noch kein einziges Paar Socken dabei. Hm.
Vielleicht werfe ich mir morgen früh auch einfach nur den Mantel über’n Schlafanzug, nehme meinen Sekundärkrempelkoffer und sause los, auf’s Beste hoffend.

Dann muss ich auch noch eine CD brennen und in die Post schmeißen, nämlich für die gute A. in Berlin, die gestern vorschriftsmäßig angetan war von meinen Entwürfen für das Cover ihrer Showreel-DVD. Nebenbei erzählte sie mir noch, sie habe nun anteilig in die Pacht für einen total verwucherten Kleingarten investiert. Darauf stellte ich mir vor, wie sie dann im Frühling „mit dem Sauzahn die Scholle umbricht“.

Schade, dass es von dem Telefonat keine Tonaufnahme gibt, denn sie kriegte sich nun irgendwie gar nicht mehr ein. Keine Ahnung wieso. Das ist doch astreines Gärtnervoka-
bular! Ich fürchte, die Frau hat wenig Ahnung. Aber Farne und Efeu rausruppen und Obst-
bäume schneiden wollen! Meinen Vorschlag, das ganze Gestrüpp einfach abzuflämmen, dann einmal durchzukerchern und schicken Kunstrasen zu verlegen, lehnte sie frech ab. Ich glaub’, ich muss bald mal wieder nach Berlin… Wenn der Grillofen gemauert ist.

Aber jetzt geht’s ja erstmal woanders hin. Dort wird höchstvermutlich nicht gegrillt, aber bestimmt trotzdem gut gegessen und getrunken und fantasiert und herumgestrolcht. Ob ich dann von dort auch Bloggen werde, weiß ich noch nicht. (Gucken werde ich ganz sicher, schon allein wegen der Adventskalendersache.) Ich erinnere mich vom letzten Besuch her noch an eine Tastatur mit Internetzugang.
Möglich wär’s also.

Im Wartezimmer (ohne Pointe)

Links gegenüber: Eine zierliche, irgendwie ätherisch-durchgeistigt wirkende Frau liest in einem Buch. Dabei lächelt sie ganz selig. Ihre Bewegungen sind zart, ihre Haltung sehr aufrecht. Sie hat einen langen weiten Rock an, ein schönes Tuch um die Schultern dra-
piert, die Haare hochgesteckt.

Direkt neben mir sitzt ihr Gegenteil: Eine herbe, große Frau mit Pottschnitt und Gesund-
heitsbotten. Einen dicken Aktenordner hat sie auf dem Schoß und erledigt offensichtlich ihren Bürokram hier. Sie schreibt etwas und tütet das Geschriebene in einen Umschlag, den sie umständlich anleckt und verschließt. Sogar Briefmarken hat sie dabei!

Irgendwie ist mir die Herbe sympathischer. Als die Zarte aufgerufen wird („Frau Sänger, bitte!“ – wie passend… wie wohl die Andere heißt?), erhebt sie sich langsam und schrei-
tet hinaus, dabei verliert sie ein schwarzes Bändsel aus ihrer Tasche.

Herein kommt ein älterer Herr, will sich auf ihren Stuhl setzen, da sieht er das schwarze Dings auf dem Boden liegen. Er schnippt es mit dem Fuß einen halben Meter weiter nach links. So, wie ältere Leute eben oft auch Sachen vom Bürgersteig in die Gosse befördern. Jedes Mal frage ich mich, was das soll. Wahrscheinlich ist ein Stück Papier oder eben so ein Bändchen zu hoch zum Drübersteigen. Dann setzt sich der Mann auf den freien Stuhl. Er sitzt da und guckt immer wieder ganz angestrengt zu dem Bändsel hin. Es stört ihn, er kann es da nicht liegen sehen.

Eine alte Dame öffnet die Tür, sie hat einen Blumenstrauß dabei, und ruft mit kräftiger Stimme: „Morgen!“. Dann geht sie gleich wieder hinaus. Die Tür bleibt angelehnt. Der Mann guckt nun auf die Tür.

Angelehnt. Nicht richtig auf, nicht richtig zu.

Er steht auf, öffnet die Tür, schaut der Blumenfrau vorwurfsvoll hinterher, schließt die Tür ordentlich, guckt sich um, ob wir’s auch mitbekommen haben. Dann setzt er sich wieder und guckt das Bändsel weiter an. Hat sich immer noch nicht bewegt.

Als mich die Sprechstundenhilfe aufruft, möchte ich fast sagen: „Ich komm’ gleich! Ich muss das hier erstmal zu Ende gucken…“

Aber dann bin ich doch gleich hin.

Ich würde jetzt gerne…

…behaupten, ich sei in den letzten Tagen unterwegs gewesen, um endlich den ersten Scheck meiner haushohen Rente bei Frau Geggus-Wiens in Stuttgart abzuholen.

GewinnfahrplanUnd dann könnte ich gleich noch dazu behaupten, ich hätte mich unterwegs viel-
leicht ein bisschen mit dem Zug verfahren, obwohl mir doch die Dame freundlicherwei-
se alles genau aufgemalt hat; – wo nun die Schienen langführen und so. Aber ich wäre dann eben doch hinter Fulda versehentlich nach Würzburg abgebogen und irgendwie erstmal nach Passau geraten. Und bis ich anschließend doch noch nach Stuttgart zu Frau Geggus-Wiens und hinterher mit dem schweren Portemonnaie wieder nach Hau-
se gekommen wäre, hätte ich natürlich kaum Zeit zum Bloggen gehabt…

Das würde aber alles gar nicht stimmen.

Wahr ist, dass ich in dieser Woche wirk-
lich kaum vor dem Rechner saß, weil ich noch lieber Besuch hatte, mit dem ich in der Küche saß. Oder in der Kneipe. Oder im Museum. Nein, natürlich haben wir nicht im Museum gesessen! Da haben wir gestanden. Oder sind geschlendert.

Hinterher aber haben wir schon wieder in der Kneipe gesessen, obwohl das tagsüber bestimmt sogar Café heißt. Das Vor-dem-Rechner-sitzen geht dann wohl morgen wieder los. Ganz bestimmt.

Küchensofagedanken am Nachmittag (Teil 8) – Unsexy

Theobrominenfuesse_HerbstwiDarüber, was sexy ist, streiten die Experten zur Stunde noch. Wenn sie damit fertig sind, sollten sie direkt weiter streiten, finde ich. Nämlich darüber, was unsexy ist. Darüber wird leider viel weniger nachgedacht. Wieso eigentlich?

Ich habe z.B. in den letzten Jahren oft behaup-
tet: „Wenn ich einen Mann kennen lerne, der so unheimlich toll ist, dass ich gerne zu ihm nach Hause kommen möchte, und ich komme da rein, und der hat im Wohnzimmer so eine schwarzgraue, plastikbeschichtete Schrankwand mit dreieckiger, beleuchteter Vitrine da stehen, dann gehe ich aber sofort rückwärts wieder raus!“

Zum Glück ist dieser Fall aus verschiedenen Gründen nie aufgetreten. Womöglich hätte in der Vitrine auch noch eine Leon*rdo-Glas-Sammlung gestanden! Und zur Feier des Tages hätt’s bestimmt Sekt aus diesen Gläsern gegeben, der dann natürlich nach staubigem Schrankmuff geschmeckt hätte. Dabei sitzt man auf einem passenden Sofa, das ich mir jetzt lieber nicht ausmalen möchte. Jedenfalls unsexy.
Ich hätte schlimme Nachhausegehschmerzen bekommen.

So wäre ich dann auch zum Glück nie im Schlafzimmer gelandet, in dem bestimmt so ein fürchterliches Baumarkt-Bild über’m Bett gehangen hätte, und auf dem Bett: Lustige Bett-
wäsche. Mit Schafen, die alles doof finden… Oder Kopfkissen, wo auf der einen Seite Gute Nacht draufsteht und auf der anderen Seite Guten Morgen. Wahrscheinlich kommt dann nachts jemand und zieht einem das Kissen unterm Kopf weg, um es umzudrehen und (hoffentlich sanft) wieder drunter zu schieben, damit man morgens auf der richtigen Seite aufwacht. Sonst ist man ja ganz durcheinander oder schläft einfach immer weiter.

Die allergrößte Sünde im Schlafzimmer fester Paare ist übrigens meiner Meinung nach der Wäscheständer, bzw. der Korb mit Bügelwäsche. Es gibt ja wohl nichts, das unsexier ist als dieser Anblick. Ich glaube, das machen Viele so, weil sie im Schlafzimmer alles unterbringen, was eventuelle Besucher nicht sehen sollen. Ist ja auch eigentlich sehr höflich, den Besuch nicht mit dem Anblick hässlicher Drahtgestelle mit ausgebollerter Wäsche drauf zu behelligen. Aber warum tut man’s dann ohne schlechtes Gewissen seinem Liebesleben an? Und stellt zusätzlich noch olle Kartons, den Staubsauger und anderen Krempel daneben? Versteh’ ich nicht. Dazu passt übrigens auch noch der  Part-
nerlook, wenn ich schon dabei bin. Ich glaube irgendwie nicht, dass Menschen, die in den gleichen Jogginganzügen oder Freizeitjacken herumlaufen, so richtig losprickeln, wenn sie sich da gegenseitig wieder rauspellen. Eher steigen sie anschließend in Schlafanzüge aus Baumwolljersey. Solche mit Bündchen.

Ich hoffe, das Schicksal verhindert, dass ich mich jemals in einem Partner-Anorak wieder finde. Zum Glück habe ich berechtigte Hoffnung, dass mir das so bald nicht passiert. In meinem Schlafzimmer steht aber auch kein einziger Wäscheständer und das Bügelbrett klemme ich immer so hinter den Schrank, dass man es vom Bett aus auf gar keinen Fall sehen kann.

Aber selbst, wenn so eine Wohnung wie die von dem eingangs imaginierten schmucken Herrn bombig ist, mit schnieker Bettwäsche und dufter Couch und anständigen Gläsern, kann es immer noch zu einem spontanen „unsexy!“-Alarm kommen, wenn er plötzlich anfängt, Zigarillo zu rauchen. Dass ebenso plötzlich ein vorher noch nicht da gewesener Schnurrbart über dem Zigarillo auftaucht, ist zum Glück unwahrscheinlich. Wenn aber die Asche beim gemeinsamen Essen in die ausgelöffelte Eierschale oder den Teller gestippt wird, ist es sogar egal, ob Zigarillo oder normale Zigarette.
Da schüttelt’s mich eigentlich direkt zur Tür raus.

1x Entstauben, bitte.

Jetzt weiß ich endlich wieder, was ich schon seit Wochen suchend im Hinterkopf herumrolle. Es wollte und wollte mir einfach nicht einfallen.

Es hat was mit einer Madeleine zu tun. Eigentlich mit dem Gebäck, und nicht mit der verschwundenen kleinen Maddie. Im Moment regen sich ja gerade alle wegen dieser T*tanicsache auf. Ich kann dazu nur sagen: Satire darf alles. Muss alles dürfen. Man muss das Ergebnis aber nicht gut finden. Das Nichtgutfinden drückt man dann eben über’s Nichtkonsumieren aus. Das funktioniert immer noch am Besten. Mir kann keiner erzählen, dass die Titanic mit dem aktuellen Heft plötzlich eine Mörderauflage hat.
Ich glaub’, da wird mal wieder am falschen Ende gestritten.

Aber ich wollte ja über Gebäck schreiben. Nee, über’s Vergessen und Erinnern! Was denn jetzt? Man steigt ja nicht mehr durch! Gebäck, Satire, dicke Schiffe, wieder Gebäck, dann plötzlich Vergessen? Spinnt die Theobromine jetzt oder wie? Neenee, alles gut.

Also: Seit ungefähr zwei Wochen versuche ich mich zu erinnern, wie dieser Schriftsteller hieß, der immer im Zusammenhang mit Madeleines genannt wird. Madeleines sind näm-
lich so kleine französische Küchlein, oft mit zartem Orangen- oder Mandelaroma.
Und dieser Schriftsteller hatte was geschrieben über Erinnerungen, die verknüpft sind mit Düften oder Geschmäckern. Und ich hatte mich darüber unterhalten, wusste aber nicht mehr, wer. Gestern habe ich mir sogar Madeleines gekauft, weil mir nun ebenfalls wieder eingefallen war, dass ich die auch lange nicht gegessen hab’. Heute hat’s mir dann gereicht und ich hab’s im web gegockelt.

Proust war’s nämlich, der wohl in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ die Pforten der Erinnerung mit einer Madeleine öffnete. Hab’s nie gelesen. Vielleicht fiel es mir deswegen nicht ein. Gut, dass man heutzutage ein mobiles Gedächtnis wie den Gockl hat. Eigent-
lich macht man sich’s zu einfach, wenn man da reinguckt, aber ich hab’ ja wenigstens zwei Wochen gewartet.

Was ich nicht im web fragen konnte, war das andere, was mich ebenfalls beschäftigte. Vor gut zwei Wochen war ich nämlich in Begleitung im „Mezzo“, das ist hier so ein Kneipencafé in der Innenstadt. Da bediente uns eine junge Frau, die mir bekannt vorkam. Ich kam aber nicht drauf. So eine ganz hübsche Rotblonde mit Knutschmund, aber ernstem Blick.
Ich fing an zu grübeln. Eine Freundin von Freunden? Hätte ich jetzt ausführlicher „Hallo“ sagen sollen? Falls sie mich kannte, ließ sie sich nichts anmerken. Sie war recht jung, vielleicht aus einer mal besuchten WG? Oder hatte ich sie am End’ mal im Fernsehen gesehn? Eine junge Schauspielerin vielleicht? Oder eine Poetry-Slammerin? Kannte ich sie aus einer anderen Kneipe vom Sehen? Mein Begleiter wusste auch nichts dazu zu sagen. Doch mich beschäftigte das. Tagelang. Immer wieder tauchte das auf. 

Und vorgestern saugte ich Staub. Und dachte daran, dass meine Nachbarn unter mir bestimmt gerade die Motten kriegen, weil ich so herumbollerte. Und ZACK! – da war’s. Sie hieß D. und hatte unter mir gewohnt vor ein paar Jahren. Und da immer ihren Hund angeschrieen. Wenn der bellte, schrie sie sofort: „GAYA! AUS!!! AAAAAHUUUUS!!!“ und war viel lauter als der Hund. Irgendwann fing das richtig an, mir auf die Nerven zu gehen. Gaya bellte natürlich trotzdem, – wenn Frauchen immer so schön zurückbellt…

Außerdem spielte Frauchen gern nachts um Dreie, oder tagsüber um Einse, egal wann, „Just like a pill“ von Pink. Und zwar volle Pulle, achtmal hintereinander weg und sang dazu. Und Gaya… Lassen wir das.
Jedenfalls, und was ich eigentlich sagen wollte, es müssen nicht unbedingt zarte Gebäckteilchen sein, wenn’s in der Erinnerung hakt.

Staubsaugen tut’s auch schomma..