Am Mittwoch war ich zum 2. Vorstellungsgespräch und nachdem sich die ganze Chose ja nun über 5 Wochen hingezogen hat, und ich schon kurz davor war, zu sagen: „Nö. Nönö. Jetzt will ich nicht mehr!“, kam gestern nachmittag endlich der erlösende Anruf.
Sie haben sich für mich entschieden, und es geht frühestens zum 1. Juni los (das hängt jetzt noch an Internem), eventuell auch ein paar Tage später.
Das passt mir wunderbar, denn ich saß hier ja jetzt wochenlang „in Bereitschaft“, weil es erst hieß, es könne auch alles ganz fix von jetzt auf hopp losgehen. Nun habe ich wenigs- tens noch zwei Wochen, in denen ich hier ganz entspannt vor mich hinramentern kann, – herrlich! Und dann geht’s aber sicher ordentlich rund und wird mich voraussichtlich auch ziemlich fordern. Aber gucken wir mal.
Ich freu‘ mich jetzt jedenfalls erstmal und bin auch ein bisschen stolz auf mich, weil ich Anfang des Jahres schon irgendwie geahnt habe, dass es bestimmt bald irgendwohin weitergeht. Euch jedenfalls ganz vielen & ganz lieben Dank für stetige, ja geradezu unermüd- liche Daumendrückung, Mutmachung, Unterstützung (und speziell auch für’s „Überdendingenschweben“ *ggg*) und überhaupt für Alles. – Ihr seid super!!! Eure Theo
Freundin T. war das Grauwetter leid und verfügte, es wäre mal wieder Zeit für die Sauna.
Eigentlich muss sie da nicht großartig verfügen, weil ich mich ja sowieso jedes Mal freue, wenn sie mal Zeit für sowas und mich hat. Aber wenn sie gern ein bisschen verfügen möchte, dann lass‘ ich sie natürlich. Übrigens kann sie nicht nur prima verfügen, sondern sogar auch verfugen! Selbst gesehen habe ich das! Allerdings ist das eine ganz andere Geschichte…
Also, wir sind ins Warme. Herrlich, sich auszupellen und dann schummerbeleuchtet aufs Schwitzen zu warten! Wo macht man das schon sonst? (Naja. Jetzt fällt mir vielleicht doch noch ein weiteres Szenario ein…) Und endlich mal warme Füße! Hach. Und außer- dem diesmal netterweise lauter schwatzhafte Herren um uns (um das Glück komplett zu machen, dabei auch noch ausschließlich mit sich selbst beschäftigte) sodass wir diesmal einen Freibrief zum Schnattern haben. Also schnattern wir. Über den Job, wer was wann weshalb zu wem gesagt hat, ob man wirklich gern etwas trinken möchte, das „Antioxi- dant“ heißt und darüber, dass es hier aber mal ganz schön warm ist.
Nach zwei Gängen mit anschließender gehöriger Abschreckung (sicherlich kann man mir jetzt ganz leicht die Schale abpellen, aber zum Glück gibt es niemanden, der so eine Un- geheuerlichkeit auch nur andächte) und nachgeschobenem Nickerchen am Kamin gehen wir ins Bistro. Freundin T. meint dann, kaum dass wir sitzen, wir müssten wohl noch ein bisschen „abschwitzen“ und ich erkläre ihr (erklären, ja das tut sie gern), dass das bei Pferden so heißt: Abschwitzen. Bei Rennpferden z.B. Die würden meines Wissen sogar nach dem Lauf abgerakelt, wenn es sein muss. Freundin T. amüsiert die Vorstellung, wir seien Pferdchen, die quietschend abgezogen werden, da kommt auch schon der Kellner angetrabt, er bringt mein Malzbier.
„Wenn das jetzt auch noch kalt ist, drehe ich geradewegs durch!“ behaupte ich. Immerhin kann man es durchaus als kühl bezeichnen und T. bietet gleich an, mich später in die nächste Pferdepsychiatrie zu fahren. Leider haben wir auf dem Weg zum Saunabad aber bloß eine Kleintierpraxis gesehen und sind nicht sicher, ob die uns nehmen. „Wieso?“, führt T. an, „Früher diese Urpferdchen, die waren doch auch nur so groß wie Hunde!“ – „Ja, aber da waren die Hunde bestimmt noch größer, so Stockmaß von 2 m, bestimmt!“ – „Hm, hm.“
Jetzt kommt das Essen. Meinen Salat mit Spargel hat man mit einem besonderen Phäno- men bedacht: Spargel, der ab-so-lut geschmacksneutral ist. Ich meine, Spargel hat ja normalerweise schon einen eigenen Geschmack. Aber der hier ist ganz sicher eine teure Spezialzüchtung für Leute, die keinen Spargel mögen, und schmeckt nicht mal nach Lei- tungswasser. – Irre! Das versprochene Bärlauchbaguette ist dafür ein Kürbiskernbrot, aber kleine Pferdchen müssen wohl auch irgendwann mal lernen, dass sie nicht einfach immer so alles bekommen können, was sie wollen. Und wenn es noch so auf der Karte steht!
Dennoch sind wir echt vollgefuttert, als wir uns zum dritten Gang aufmachen. Eigentlich gehen wir ja bloß in die Sauna, weil der Ruheraum mit Kaminfeuer im großen Holzhaus so schön ist. Mal ehrlich gesagt. Wir liegen da also gemütlich (nachdem T. wieder ungefähr zwanzig Minuten gebraucht hat, sich ihrer inneren Vorschrift gemäß in die Decken einzu- wickeln), haben sogar den Ruheraum für uns allein (können also schwatzen), als unser Lieblingssaunameister M. reinkommt. Gerade rege ich mich so schön darüber auf, dass es in der Stadt nur noch so „Kunstlederjackensch…“ gibt, als er (wieder mal echt gut aussehend) fragt, ob er für uns denn noch mal einen neuen Scheit aufs Feuerchen legen soll. „Ach, das wäre aber reizend!“ flöte ich. Da bringt er gleich zwei und hampelt direkt vor uns mit seinem Geschirrtuchläppchen rum, das seine Arbeitskleidung darstellt. Muss wohl offensichtlich sein, dass wir uns bannich wohl fühlen, denn er meint: „Und jetzt noch ein Gläschen Rotwein, was?“ – „Au ja. Und Schnittchen! Mit Wurst und Ei.“ – „Und am besten noch ein Schnittchen, dass die Schnittchen serviert?“ – „Gern. Nix dagegen!“
M. verschwindet und wir überlegen direkt, ob man eine spezielle Ausbildung braucht, um solche Geschirrtücher tragen zu dürfen. „Koch, bestimmt.“ – „Meinste?“ – „Also, wenn er gut ist, kommt er in fünf Minuten mit zwei Gläsern Rotwein wieder.“ – „Aber bloß keine Schnittchen, ich kann nix mehr essen!“
Nach sechs Minuten stehen wir dann aber auf und gehen gut gelaunt kichernd allmählich den schönen Abend beschließen.
Diesen Fund machte ich neulich beim Zeitunglesen und wusste nach kurzem Auflachen und anschließendem (etwas längerem) Augengerolle sofort wieder, wieso ich mich bisher nie bei so einer „Online-Partner-Börse“ habe handeln lassen:
Ach, wär‘ das schön: eine Art GPS zum in-die-Brief- tasche klemmen! „Frauen, – einfach gemacht!“
Na, gucken wir doch mal, soviel Spaß darf sein:
1) Klassiker.
Gibt es offenbar immer noch, dass vermutet wird, Frauen seien automatisch jüngere Versionen ihrer Mütter. Also, wer z.B. meine Mutter anblicken will, muss ziemlich genau hinsehen, die ist nämlich ganz klein. Dafür ist sie mollig bis füllig. Wie soll ich das denn bittschön hinkriegen?! (Ich hab‘ eher die Figur meines Vaters abgekriegt, nur ohne die breiten Schultern.)
Ach nee, es geht ja um den Charakter, der sich durch „einen Blick“ erschließt. Entschuldigung. Bei dieser „Freundinnen“-Sache wäre ich jedenfalls gespannt, meine Lieben sind nämlich mal alle total unterschiedlich, und zwar sowohl vom Äußeren, als auch von ihren Charakteren und gewählten Lebensinhalten. Sieht man natürlich auch sofort. Naja, wieso, es soll ja Männer geben, die genau hingucken! Weiß ich aber nicht genau, denn Freunde, also männliche, habe ich selbstverständlich keine. Ist klar.
2) Also, da kann ich voll zustimmen!. Ich zum Beispiel bin in den eigenen vier Wänden der allerreinste Liebreiz in Person, werde gar niemals laut oder peinlich. Aber kaum, dass ich die Türschwelle zum Draußen überschreite, flippe ich aus, krakeele mich durch bevölkerte Straßenzüge, beschmiere mich absichtlich mit teuren Lebensmitteln, rülpse und halte un- flätige Reden. Je mehr Publikum, umso lieber. (Meine Freundinnen sind selbstverständlich auch alle so.) Lösung: Nie rauslassen, die Frauen. Immer schön zuhause behalten.
3) Der Putzcharakter, ja. Jaja.
4) Merke: Wenn es wirklich intim wird! Nicht etwa nur so larifari-intim, sondern eben wirk- lich. Vielleicht sogar mit Nackichmachen…! Das ist genau der Moment, in dem Männer aber allergenauestens auf charakterliche Eigenschaften gucken. (Das weiß ich übrigens aus Erfahrung.)
5) Hehehe. Sie guckt Kochsendungen, ist also für nix zu gebrauchen, strohdumm und verfressen. Aber wenn man Glück hat, kann sie Rührei.
6) Das lässt sich natürlich nur durch kon-se-quen-te Zeitabnahme per Stoppuhr wirklich zuverlässig ermitteln. Leider fehlt hier (wie überhaupt) eine anständige Tabelle zur genau- en Auswertung. Vielleicht steht sie auch bloß stundenlang heulend davor, weil sie nicht aussieht wie ihre Mutter…
7) Passiert Euch das auch ständig? Ihr glaubt Euch allein im Auto? Und dann dreht Ihr Euch um, und da sitzen 20-30 Leute auf der Rückbank und kriegen mit, dass Ihr eben zu Take Thats „Want you back (for good)“ laut mitgesungen habt? (Das hättet ihr aber auch schon früher merken müssen, denn die Hälfte dieser Hinterleute sind auch Frauen. Haben also ebenfalls mitgesungen.
8) Dazu muss ich ja wohl nix sagen.
Vermisst habe ich übrigens eine Liste, die aufzeigt, woran man den wahren Charakter eines Mannes erkennt. Für Vorschläge wäre ich somit zuallertiefst dankbar!
Berlin. So schreibt sich das. Und nicht etwa „Bärlin“ oder gar „Börlinn“. (Na, super. Da verschöllert sie erst ein paar Tage, meldet sich kaum mal und dann kommt sie gleich als erstes mit vorgezogenen Zurechtweisungen an, hier.) Ich bin, ehrlich gesagt, ein bisschen überfordert, weiß ich doch kaum, wo ich überhaupt anfangen soll. Drei Tage war ich nur weg, trotzdem… (Obwohl, stimmt gar nicht. Ich war nicht weg, sondern schon irgendwie die ganze Zeit da. Nur eben woanders.) Also war ich drei Tage woanders und davon wollte ich ja nun berichten. (Wirke ich etwa wirr? Egal.) Also.
Im gemütlichen, alten IC-Zug nach Berlin teilte ich das Abteil mit einer älteren Dame, die zwei ziemlich große Sträuße Tulpen bei sich führte. Diese Tulpen fielen ihr während der Fahrt mehrfach zu Boden, was zu wiederholten, reisezeitverkürzenden Herunterbeugungen beiderseits und entschuldigend gemeintem Lächeln ihrerseits führte. Nujoh, andere Leute nehmen sich halt Zeitschriften mit, um sich zu beschäftigen, aber die quietschen natürlich auch längst nicht so schön beim Aufheben. Und wenn ich jetzt noch frisch gestochenen Spargel zum Herumhantieren dabei gehabt hätte, hätten wir sogar hübsch zweistimmig quietschen können.
Am Berliner Hauptbahnhof wartete schon das Väterchen, bis zur Hutschnur gefüllt mit allem, was er mir seit unserer letzten Begegnung vor anderthalb Jahren unbedingt erzäh- len wollte. Und natürlich noch ein paar Sachen, die er mir sowieso jedes Mal erzählt. (Und dann heißt es immer, man könne niemals zweimal am selben Redefluss stehen oder so. -Von wegen.) Kurz darauf waren wir aber auch schon im schönsten Streit, ob das, was da auf dem Friedhof Alt-Mariendorf (wo nämlich meine lieben Großeltern liegen) wächst, nun Flieder sei oder eher was ganz Anderes. Ich war sofort für Flieder, weil es ganz genauso aussah und auch roch wie Flieder. Väterchen war für „ürgndwat Anderet“, – aber dafür vehement! Und zwar während der ganzen Fahrt nach Hause.
Dort angekommen, rief ich zunächst den werten Prinzen an. Und begrüßte ihn am Telefon erstmal schmissig mit „Hagebutte!!!“. (Das war aber nur, weil das Väterchen kurz vorher noch aus der Küche gebrüllt hatte: „Und wat’n für’n Tee?“) Rupi aber ist die Coolness in Person und lässt sich von Anruferinnen, die ihm Teenamen geben, gar nicht verwirren, sondern verabredete sich sogar direkt mit mir für den nächsten Mittag. Das läuft ja wie geschmiert, dachte ich, und wählte gleich auch noch den lieben Murr an, verkniff mir hier ausnahmsweise putzige Spitznamen, und prompt stellte er sich für alles Folgende zur Verfügung.
Der Nachmittag ging dann noch so dahin, man spazierte, sah berlintypische Schilder…
…ging was essen, sprach und hörte zu.
Abends gab’s Fernseherei, einen ganz schlimmen Krimi auf dem „zweiten“, den hätte ich mal besser nicht gesehen. Denn in dieser Nacht schlief und träumte ich wirr und leider unbequem. Vermutlich hatte der schlechte Drehbuchschreiber irgendwie meine kleine Seele gekapert und fuhrwerkte damit herum…
(Teil 2 und 3 blog-chronologisch unkorrekt hier drunter…)
Doch nichts konnte mich davon abhalten, am nächsten Tag zum „High-noon“ am Witten- bergplatz parat zu stehen, von wo Prinz Rupi mich zu einer wunderbaren Überraschung entführte. Er machte es zunächst ein kleines bisschen spannend, doch dann mittenmal standen wir vor dem doch ziemlich berühmten Geschäft der Familie Hamann, ihres Zei- chens Schokoladenfabrikanten, und mir bisher nur aus Netz und Fernsehen bekannt (vor allem für ihre feine Borkenschokolade). Rupi hatte uns sogar telefonisch angekündigt und um Besichtigung der Produktionsstätten gefragt! Und so durfte die Bromine mal gleich hinter den Tresen flitschen und von dort aus, an Packtischen und Lagerregalen vorbei, die Zauberküche betreten. Allein der Duft dort versetzte uns natürlich in Hochlaune.
Dann wurde interviewt, ein bisschen gezeigt und so Manches erklärt, während ich mit gla- sigem Blick versuchte, alles zu erfassen. Und überall stand und lag feine Bitterschokolade und lockte. Darüber vergass ich fast das Fotografieren, aber einzwei Bilder habe ich dann doch mitgenommen:
Links die fast 100 Jahre alte Schoko-Borken-Maschine mit ihren Granitwalzen. Die temperierte Schokomasse kommt in den Trichter, läuft über die kühlen Walzen und wird, wenn sie gerade so anzuziehen beginnt, auf der Rückseite mit einer Art Schablineal abgetragen. Rechts daneben alte Gussformen für Mokkaböhnchen und jugendstilige Pralinen.
Und natürlich konnte ich nicht mit leeren Händen zurückkommen, hier mal ein nicht mehr ganz aktuelles Bildchen vom Pegelstand der Beute:
Marzipankonfekt, Orangenplättchen, Marzipanbruch. (Und Ihr könnt ja mal raten, ob in der Schachtel noch was drin ist. *g*)
Mit ordentlich Süßhunger verließen wir diesen Schauplatz und steuerten als Nächstes „nibs cacao“ an, ein schmales Ladenlokal, in dem ich, Rupis gutem Beispiel folgend, eine „Spanische Schokolade“ bestellte und einen Becher sämigen, dunklen und heißen Para- dies-Trunks bekam, begleitet von zwei frittierten und süßen Gebäckstängelchen namens „Churros“ zum Stippen… Ich werde sofort eines der spanischen Lokale in meinem Viertel zwingen, das auf die Karte zu nehmen. – Carambös lecker!
Dermaßen angeregt, plauderten wir lebhaft und kletterten von Hölz- auf Stöckchen, bis die Zeit auch schon viel zu schnell vorbeigehuscht war und ich noch formvollendet zum Bahn- hof Zoo chauffiert wurde, um die Bahn nach des Katers‘ Moabit zu besteigen.
An der Birkenstraße nahm er mich auch gleich strahlend in Empfang und ab gings in ein gemütliches Café, in dem sogar Nichtkindern rotweiße Pommes serviert werden, die aber nicht mal von zwei schon ziemlich Erwachsenen aufessbar sind. Viel zu viel… Und im Milchkaffee hätte man seinen Freischwimmer machen können, wenn man denn in dem ganzen Milchschaum noch gesehen hätte, wo man langschwimmt. Da wir nun schon in Moabit waren, erwähnte ich, dass ich sogar ein paar Jahre in der Stephanstraße gewach- sen sei (ca. 1968-1973), Murr rief umgehend: „Na, das ist doch hier gleich!“ und schon standen wir vor dem Haus der Nummer 11. Seit damals war ich nicht mehr dort gewesen und erkannte auch erstmal nichts wieder, bis Murr alle Klingeln auf dem Brettchen durch hatte und tatsächlich Einer den Summer drückte.
„Reklame!“ miaute er, als sich die Gegensprech doch noch rührte, aber das war, ehrlich gesagt, total gelogen!
Das Hinterhaus war mir dann auch gleich viel vertrauter und ich meinte sogar, mich an manches zu erinnern. Zum Beispiel daran, wie ich mal als wohl 4-jährige Steppkine nach „Juh jork“ abhauen wollte, mal eben in einen Bus gestiegen und später von amüsierter Pullezei wieder zuhause abgeliefert worden war.
Nun, dann lernte ich noch schnell die freundliche Murreliebste und einen felligen, schüch- tern-neugierigen Oskar kennen, bevor es dann noch auf zwei kühle, henkellose Biere in ein kleines, sympathisches Lokal ging, wo die Bromine unter diesem Alkoholeinfluss noch um feinste technische Ausgebufftheiten erleichtert und dann allerfreundlichst zur Bahn geleitet wurde, bevor das Väterchen zuhause anfing, sich zu sorgen.
Allerorten wurd’s empfohlen: „Na, dieser Typ, der so heißt wie dieser Aschevulkan da!“ – Olafur Eliasson, nämlich. Im Martin-Gropius-Bau. Da war auch gleich ordentlich was los, denn Herr Eliasson macht duftes Zeug über Wahrnehmung innen und außen und beson- ders in der Stadt. Wer Gelegenheit (und ein bisschen Geld zuviel) hat, soll sich’s mal ruhig begucken, so wie das Väterchen und ich. Wer keins von beidem so recht ausgeben will oder kann, kriegt hier wenigstens drei heimlich geknipste Bilder:
Vaddern hat fümf Schatten, eena dafon is jelb.
Große bunte Lampe. Find‘ ich prisma!
Wer sich traut, mal komplett die Orientierung abzugeben, tappt hier durch mehrere, mit nix als buntem Nebel möblierte Durchgangszimmer. Klingt jetzt wahrscheinlich ulkig, ist aber sehr empfehlenswert!
Oben drüber übrigens wohnt zur Zeit Frida Kahlo, aber die Dame hatte so viel Besuch, dass wir stattdessen lieber in die Kantine des Kreuzberger Rathauses gingen, um dort vom 10. Stock aus über Berlin zu gucken und Nudeln und Schöllchen zu verputzen. Aber nicht zu doll, denn für abends war ich ja noch bei Freundin A. in Neukölln eingeladen, die „uns was in den Ofen schieben“ wollte.
Nämlich handelte es sich dabei um Brötchen, die es zu einer ausgesprochen leckeren Rote Bete-Süßkartoffel-Suppe gab (wo bleibt eigentlich das Rezept, hm?). Den Sekt dazu bezog Madame dann aber doch lieber aus dem Kühlschrank, was den Vorteil hat, dass er dann kalt ist. Und Sekt muss kalt sein! Und während ich des Langen und Breiten erzählte, was mir so alles neulich und jüngstens wiederfahren ist, hatte A. klammheimlich ihre Zim- merpflanze angewiesen, ihre Blätter in Form eines süßen, zungestreckenden Häschens zu drapieren. Ausgeprochen aufmerksam, das!
Zur Belohnung durfte auch Freundin A. dann gelegentlich was sagen und mir sogar ver- beulte Bilder ihres Flauschigen zeigen. Ein feiner Abend auch dieser! Müd‘, vollgefressen und zufrieden trottete ich nach Kreuzberg zurück und schlief wie eine Kartoffel.
Mittwoch früh ging es dann noch mal mit dem Väterchen auf Rundgang über’n Kreuzberg zum Schinkeldenkmal hin, wo schon die geliebten Mauersegler durch die Luft flitzten, und durch’s Gleisdreieck, wo ich gleich mal lernte, was Berliner Kinder heutzutage so alles dürfen und was nicht:
Und dann fuhr leider auch schon wieder der Zug nach Hause…
Immer, wenn ich nach Berlin fahre, holt mich ein spezielles Phänomen ein: Kaum, dass ich zwei Stunden da bin, fange ick mittenmal det Berlinern an. Und det hält denn onnoch wochenlang an! Ooch wennick schon längst wieder zuhause bin und schon allen jeröhich damit uffde Nerven jeh‘. Det kommt aba davon, det meine ersten fünf Lehmsjahre sich in Kreuzberg und Moabit begaben, so dettick ersma Hochdeutsch lern’n musste, wie ick bei Hannover denn plötzlich einjeschult wern sollte. – Hat aber fix geklappt, seither weiß ich, dass ich wohl über ein Dialekte- und Sprachtalent verfüge.
Ach so, ach ja, ich hatte ja eigentlich vor, von hier aus immerzu und geradezu stündlich zu bloggen, was mir so widerfährt, aber nun widerfährt mir die ganze Zeit so viel, dass ich gar nicht dazu komme. Ständig treffe ich mich mit den allernettesten Menschen, laufe kilometerweit Boulevards entlang, springe in U-Bahnen und wieder raus (und dann wieder rein, weil’s doch die richtige war, aber das ist ’ne andere Geschichte). Und sobald das Väterchen meiner ansichtig wird, erklärt es mir die Welt, die Stadt, die politische Lage und Zeug. Also, alles so wie immer. Und so ging das gleich am Sonntag los und ist bis jetzt auch gar nicht besser geworden.
Und nachher fahre ich auch schon wieder nach Hause und werde versuchen, die anderthalb Stunden im Zug wenigstens mal vernünftig zu nutzen…
Freundin T. hat mich gestern telefonisch beruhigt. Ich bin ganz normal.
Ich war nämlich gerade dabei, meinen Koffer zu packen, um damit für dreieinhalb Tage wegzufahren. Beziehungsweise hatte ich gerade fest vor, meinen Koffer zu packen, aber dann stand ich vor meinem halbleeren Kleiderschrank und hatte schon ziemliche Stapel auf dem Bett aufgebaut. Ich kann mich nämlich immer nur ganz schlecht entscheiden, was ich alles mitnehmen soll, wenn ich ein paar Tage wegfahre. Und zugenommen habe ich auch schon wieder, weswegen die Hälfte der infrage kommenden Leibchen und Hosen unterwegs zu unbequem sitzen würden. Also zuhause halte ich das zur Not mal einen Abend aus mit einem etwas zu engen Hosenbund, aber auf Reisen bin schon prinzipiell dagegen. In der Fremde fehlt mir ja immer schon mein gemütlicher Lümmeldiwan, der Kühlschrank mit den richtigen Sachen drin, die Lieblingsteetassen und die Schrankwand. Da muss mich nicht auch noch die Hose kneifen. Naja, und von dem, was vom Klamotten- berg übrigblieb, wollte ich nun ungefähr alles mitnehmen!
Freundin T. jedenfalls sprach: Ja, das ist aber auch echt egal, ob man drei Tage wegfährt oder zwei Wochen. Man weiß ja auch nicht, wie das Wetter so wird! Deswegen muss halt alles mit. – Genau! sprach ich zurück. Und: Nämlich!
Seit der Kachelmann im Knast Kartoffelbrei portioniert, kennt man sich mit dem Wetter ja sowieso gar nicht mehr aus. Dürfen wir jetzt überhaupt noch eins haben? Oder müssen wir das jetzt alles selbst organisieren? Also lieber noch zwei Pullover eingesteckt. Und drei Paar Schuhe: eins, das ich auf der Fahrt trage, eins das so ziemlich zu allem passt, und ein paar billige Schläppchen aus dem Chinaladen, um die Ecken im Koffer auszustop- fen. Und dann ist da ja auch noch das ganze andere Gerümpel, was noch so mit muss! Kulturtasche (komischerweise groß und voll, obwohl alles darin Pröbchengröße hat), Mit- bringsel für alle Lieben, 5m Kabel für all die Piepsklickundklackgeräte, tolle japanische Wunderheizpflaster, Teebeutel, Stadtplan, Schrankwand und Socken. O.k., eins davon war gelogen. – Nee, donnich. – Doch, wohl…
Und dann noch den Rucksack, da muss das Netbook rein, Trinkjoghurt für unterwegs, Taschenmesserchen, Bonbons, Kamera, Schlüssel, Geld, Fahrkarte, Notizbuch, Not- fallsalbe und Taschentücher.
Na, aber hat ja dann doch geklappt: Wohnung quasi leer, Bromine im Zug, und ich finde, die Landschaft zwischen Wolfsburg und Stendahl haben sie eigentlich ganz hübsch hin- gekriegt. Original mit Gebüsch und Rapsfeldern, sogar Tiere bei.
Nachtrag, Stunden später, inzwischen längst in B angekommen:
Alles hab‘ ich mit. ALLES. Und was habe ich nicht mit? Die doofe PIN für den Internetzu- gang des netbooks. Deswegen musste der gute Freund M. per Zweitschlüssel rüber in meine Wohnung, und mir die eben am Telefon vorlesen. – Danke, lieber M!
Lieben Dank an alle Brominenbesucher, die sich hier seit inzwischen drei Jahren gegenseitig Klinken in die Hand drücken (ein paar von Euch tat- sächlich von Beginn an, Ihr müsst ja Berge davon haben!) und mir dann womöglich auch noch freundliche, witzig-sprühende, kritische, ideengebende, durchgedrehte, kluge und weiterzuspinnende Gedanken da lassen.
Hilfe, ich klemme! Und zwar zwischen Baum und Borke, wie es gerne mal heißt. Oder klemm‘ ich zwischen Tür und Angel? Zwischen Herz und Verstand? Zwischen Stühlen? – Nee, ach, dann lieber das mit dem Baum…
Und das kommt so: Ich will nach Berlin für’n paar Tage. Ich könnt‘ glatt morgen oder Samstag losrudern. Aber: Die Personaldame von neulich schrieb mir vor ein paar Stunden, es sei noch nix entschie- den, es gäbe eventuell noch ein zweites Vorstellungsgespräch, sie meldet sich. Und wenn ich nun morgen nach Berlin sause, ruft sie bestimmt nachmittags an und muss mit dem Band reden, weil sie mich Montag sehen möchte (da will ich aber noch in B weilen, lohnt sich doch sonst alles nicht). Und wenn ich hierbleibe, meldet sie sich garantiert nicht vor Donnerstag…
Und dort anrufen, doof fragen, ob ich weg kann und die Pferde scheu machen, will ich auch nicht, weil, das macht einen unguten Eindruck. Wo ich doch gerade erst zweimal guten Eindruck hinterlassen habe.
Außerdem ist übermorgen 1. Mai. Und zwar ganz besonders in Berlin. Also, wenn irgend- wo 1. Mai ist, dann ja wohl da. Und in Hamburg noch. Letztes Jahr war hier auch 1. Mai, das weiß ich noch genau, da bin ich in einer Demo gegen Rechts mitgelaufen. Eigentlich hieß es, dass wir wahrscheinlich auchtatsächlich gegen Rechts laufen, aber Rechts war woanders pullezeilich aufgehalten worden, und das war mir dann, ehrlich gesagt, auch lieber so, sonst hätte ich da bestimmt angefangen, mit richtungsgeschwächten jungen Leuten rumzuzanken und mich bloß wieder aufgeregt.
Für den Berliner Maianfang fühle ich mich im Moment allerdings nicht aufbrausend genug, den müsste ich wohl eher umgehen, was eventuell per Zuganreise gar nicht so einfach wäre, aber da fehlt mir die Erfahrung. Ich weiß bloß noch, wie ich mal aus Versehen qual- voll im Zug verkeilt saß, weil ich übersehen hatte, dass in meiner Reiserichtung eine „Love-Parade“ stattfinden sollte. Gereist wurde dann aber kaum, sondern in knallvollen Waggons in knallvollen Bahnhöfen herumgestanden, bis der BGS kam und sich mal eben dazustellte. Also, schön war das nicht. Dafür hat’s ordentlich gedauert und um mich rum waren alle stinkbesoffen. (Mai-Randale und Love-Parade darf übrigens nur vergleichen, wer so eine Zugfahrt überlebt hat.)
Deswegen bleib‘ ich erstmal noch ein bisschen hinter meiner Borke und warte einfach die nächsten Stunden ab. Vielleicht wird mir die Entscheidung ja irgendwie bequem abgenom- men. Ich habe mal gehört, dass manche Leute so ganz gut durchs Leben kommen sollen, dann kann ich das ja auch ruhig mal ausprobieren…