Frau T. spricht in Zungen und erlebt sich so durch.

Immer, wenn ich nach Berlin fahre, holt mich ein spezielles Phänomen ein: Kaum, dass ich zwei Stunden da bin, fange ick mittenmal det Berlinern an. Und det hält denn onnoch wochenlang an! Ooch wennick schon längst wieder zuhause bin und schon allen jeröhich damit uffde Nerven jeh‘. Det kommt aba davon, det meine ersten fünf Lehmsjahre sich in  Kreuzberg und Moabit begaben, so dettick ersma Hochdeutsch lern’n musste, wie ick bei Hannover denn plötzlich einjeschult wern sollte. – Hat aber fix geklappt, seither weiß ich, dass ich wohl über ein Dialekte- und Sprachtalent verfüge.

Ach so, ach ja, ich hatte ja eigentlich vor, von hier aus immerzu und geradezu stündlich zu bloggen, was mir so widerfährt, aber nun widerfährt mir die ganze Zeit so viel, dass ich gar nicht dazu komme. Ständig treffe ich mich mit den allernettesten Menschen, laufe kilometerweit Boulevards entlang, springe in U-Bahnen und wieder raus (und dann wieder rein, weil’s doch die richtige war, aber das ist ’ne andere Geschichte). Und sobald das Väterchen meiner ansichtig wird, erklärt es mir die Welt, die Stadt, die politische Lage und Zeug. Also, alles so wie immer. Und so ging das gleich am Sonntag los und ist bis jetzt auch gar nicht besser geworden.

Und nachher fahre ich auch schon wieder nach Hause und werde versuchen, die anderthalb Stunden im Zug wenigstens mal vernünftig zu nutzen…

49 thoughts on “Frau T. spricht in Zungen und erlebt sich so durch.

  1. Willkommen im Club der Dialektetalentierten – ich bin in Oberwischau in Nordrumänien auch als „Nachbarin“ durchgegangen und man war erstaunt, als ich erklärte „Kumm ich vun Deitschland!“
    Schönen Tag noch.:wave:

    • Na, mitten auf der Fahrt wurde ich unsicher, ob die Richtung stimmt, bin raus, aber die andere Richtung war’s auch nicht, also bin ich einen Waggon weiter wieder rein. Und war auch goldrichtig! 😉 (Hab‘ ich natürlich nur für den Nervenkitzel gemacht!)

    • Danke ooch schön! Die Retourfahrt habbick grade noch so hinjekricht, zuhause binnik fast direkt in nahezu 18-stündigen Tiefschlaf jefallen, wohl Nachholbedarf oder sowat.

  2. Portioniert er? Portioniert er? Kartoffelbrei? Muahaha!

    Mich hat es ja wieder gerissen… – Aber es ist echt wirklich tatsächlich in der Tat so (oder so ähnlich): ich bin jetzt über 10 Jahre hier unten am Rande der Alm zu Gange und mittlerweile so verzweifelt, dass ich beinahe im Ernst erwäge, einen Volkshochschulkurs zu absolvieren, um des bayerischen Idioms hinreichend Herr zu werden (das hat allerdings auch seine Vorteile: in Augsburg habe ich viel weniger Geld ausgegeben, weil ich fast gar nichts mehr verstanden habe); und am Telefon werden die härtesten Personal-Marketing-Tusneldas weich, kaum, dass ich die Beißerchen auseinander gerissen habe, „Kommsieausberlin?“

    (… ich meine ja nur… is‘ so…)

    • Das mit dem Portionieren gehört wohl noch zum vorherigen Eintrag… Ja, er portioniert! In der Knastküche. Angeblich ist das ein begehrter Super-Job dort und man munkelt, er habe den für seinen Promi-Bonus bekommen. 😉 Das habe ich aus dem Fernseher!

      Bairisch mog i net aso, dös liagt mer zschwer aufda Zung‘.

      • … das passiert mir jetzt andauernd, dass ich einen Kommentar zu drei Postings schreibe… wahrscheinlich trainiert mein Unbewusstes marktwirtschaftliche Effizienz…

        Scheiß Ferns…- sorry!

        Ich ja auch nicht (bayrisch)… Ich nehme das gar nicht erst „auf die Zunge“… Nachher führen die mich doch zu…

        • Dann wirste assimiliert, nämlich, und musst Krachlederne tragen. Mei!

          Ich mag meinen Fernie, der ist bestimmt schon 300 Jahre alt und wiegt mehrere Tonnen! Das hat sowas Seriöses, das dem herauskommenden Programm inzwischen völlig abgeht.

          • Stimmt! Und Bier saufen an langen Tischen (und mein Dirndl is‘ in der Werkstatt – es klappert beim Maßkrug heben)…

            Na ja – in so hysterischen… Verzeihung… historischem (Fernseh-)Rahmen (Hand gepflücktes Mahagoniholz usw.) wird doch der Inhalt automatisch aufgewertet… wird er nicht?

          • Das wünsch‘ ich mir zumindest. 😉 Wenn das Programm von vorne raus zu doof, guck‘ ich eben anner Seite drauf, auf’s schicke Holzdekor. Für zur Beruhigung.

          • „Für zur Beruhigung“? Chch. – Das verstehe ich sehr gut!

            (… und das eine oder andere Pralinchen dazu*… – sorry… reiner Neid… logo…)
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            * Wir beeilen uns hinzu zu fügen, dass mit „Praline“ nicht das bildungsbürgerliche Printmedium gemeint ist. – Die Red.

          • Ist aber nicht oft nötig, weil ich eh‘ meistens davor einschlafe… 😉

            Das nämliche Fudelblatt wirbt offenbar mit der Unterzeile „100% deutsche Vollerotik“ (hab’s gegoogelt). Also wenn das ist, was der 100%ig volle Deutsche unter Erotik versteht, dann mal lieber nicht „Gute Nacht“. Buä!

          • Jetzt habe ich es begriffen!* Du magst den, chch, „Ferni“ – was aber nicht heißt, dass Du auch die Programme mögen tust nämlich also, welcher dieser (der, chch, „Ferni“) abstrahlen tut…

            Ich bin nun dermaßen beeindruckt, dass ich mal was begriffen habe, dass ich verstumme! Umgehendst (Minuten lang anhaltender Beifall aus allen Himmelsrichtungen)!!!

            (… Erotik ist mir zu anstrengend… Mei Rua will i hom! Sakra!)

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            * Bilde ich mir ein! – Bekanntlich haben Illusionen eine gewisse Notwendigkeit…

          • Ja, genau. Aber sowas von begriffen. Glückwunsch! 😉

            Mit Deiner Verstummung bin ich übrigens ganz und gar nicht einverstanden!!! Aber mich fragt ja auch wieder keiner… 🙁

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