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lecker-im-Geschmack

Toll! Pfundweise Salatpampe für billig.

Adrett zurecht frisiert mit Peterlistrunk und Dillzweigerei. Doch offensichtlich war man sich noch etwas unsicher, ob das denn auch appetitanregend genug ausfällt, deswegen hat noch Einer zur Sicherheit „lecker im Geschmack“ drunter geschrieben. – Geradezu pfiffig ist das!

Und dieser dufte Einfall lässt sich sogar astrein auf weitere Artikel ausweiten.
Spontan schlage ich vor:

„Schuhe – gut im Gehen.“
„Schaumbad – seifig im Drinliegen.“
„Kaffee – heiß im Trinken.“
„Kartoffeln – schwer im Nachhausetragen.“
„Dosensuppe – anstrengend im Aufkriegen.“ … usw., usf.

Ölsonntag

Sonntags kaufe ich mir schon mal Brötchen.

An den anderen Tagen der Woche vermeide ich das eher, was aber nicht etwa daran liegt, dass Brötchen in Hannover nun so eine besondere Sonntagsspeise darstellen, sondern an der Verkäuferin, die die Brötcheneintüterei unter der Woche vornimmt. Die ist nämlich eine anstrenge Person.

Sie ist launisch und vorlaut. Man weiß, wenn man den schmalen Laden betritt, nie, wie sie wohl aktuell gelaunt ist. Ich wünsche mir, wenn ich doch mal hinmuss, eigentlich immer, dass sie schlechte Laune hat. Dann ist sie kurz angebunden bis wortlos, stopft einem die Brötchen in zu kleine Tüten, die dann oben nicht zugehen, schnappt sich die Knete und draußen ist man wieder. Die Sonntagsfrau hingegen ist übrigens immer min- destens mittelgut gelaunt, ehrlich freundlich und kann sogar im Kopf ausrechnen, wieviel zwei frische Brötchen und ein Pflaumenmuskrapfen vom Vortag kosten (94 Cent).

Wenn die Alltagsfrau gute Laune hat, ist sie wiederum nicht zum Aushalten, will plaudern (vielmehr tratschen), fragt frech nach meinem Privatleben („Wo hast Du Deinen Freund denn eigentlich kennen gelernt? Und was macht der so beruflich?“), nennt mich „Schatz“ und „Lady Di“ (fragt mich nicht, ich hab‘ kei-ne Ahnung!) und rückt das Gebäck erst raus, wenn ich mir halbwegs zufriedenstellende Antworten rausgequetscht habe (die auch schon mal frei erfunden sind. Ich möchte gar nicht wissen, was man im Viertel jetzt so alles über mich denkt).

Auch meinen liebsten Besucher hat sie gleich kalt erwischt, als er das erste oder zweite Mal dort hereinschneite und ganz arglos nach Brötchen verlangte. Offenbar wollte sie ihn gleich irgendwie einnorden, indem sie ihn donnernd fragte: „‚N Döner dazu?!?“ Dazu muss man sagen, sie ist kurdischer Herkunft. Und er ist Vegetarier. Die Beiden mochten sich sofort.

Auf dem Weg nach unten habe ich jetzt endlich mal mein Altpapier mitgenommen, zwei schwere gelbe Säcke, die unter anderem die verpflanzten Zeitschriftenstapel aus dieser Aktion beinhalteten. Und eigentlich hatte ich gehofft, das Gratis-Sonntagsblättchen läge schon unten aus. Der Zeitungsausträger steckt den Stapel nämlich gern in gelbe Säcke, bevor er sie vor die Haustür legt, um sie vor Regen zu schützen. Ich hole dann den Stapel rein und nehme als Belohnung die Tüte. Seit Längerem bin ich nämlich schon zu faul und zu vergesslich, mir eine neue Rolle davon zu besorgen…

Zu faul bin ich heute auch für irgendwas Sinnvolles. Obwohl ich gestern auf Trithemius‘ wieder mal wunderbarer Nachtwanderung eigentlich nur einen Piccolo getrunken habe (den zweiten habe ich nur angenippt), liege ich heute irgendwie „in Öl“. Aber soll ich ehr- lich sein? Manchmal mache ich das ganz gern. Besonders nach so einer feinen Nacht.

Deswegen lege ich mich jetzt wieder hin und frühstücke erstmal…

Vögelchen!

Also, wenn jemand auf tausend Arten bescheuert gucken kann, dann ja wohl ich.

Zur Erklärung: Ich brauch’ gerade ein aktuelles Bewerbungsfoto. Und weil ich sogar noch bescheuerter gucke, wenn jemand vor mir steht, mir eine Linse direkt ins Gesicht hält und dann sagt: „So, und jetzt ganz locker!“, bin ich auf die großartige Idee verfallen, die Bilder eben selbst zu schießen. Was soll ich auch -zig Euro dafür hinblättern, Fotos von mir zu bekommen, auf denen meine Gesichtskrämpfe zwar zugegebenermaßen anständig aus- geleuchtet werden, die ich aber anschließend sofort ganz unten in der Küchenschublade verschwinden lasse. Das kann ich schließlich auch billiger haben.

Also hab’ ich heute Morgen vor der einzigen Wand, die weder raufasertapeziert noch ge- fliest ist (also in der Küche), den Tisch weggeschoben, Zeitschriftenstapel verpflanzt, alle Lampen aufgestellt, die hier mobil sind und dazu mir gegenüber einen großen Spiegel aufgebaut, um meine Gesichtszüge schön im Gleis zu halten.

Dann ging’s los: Gerade hinsetzen, die Kamera am ausgestreckten Arm in der linken Hand, die Schultern trotzdem locker, ein freundliches, aber nicht zu freundliches Lächeln, – Knips! Zur Sicherheit gleich ein paar Mal hintereinander weg. Erst jetzt fällt mir auf, wie laut eigentlich die Gefrierbox ist, die mir Freund M. kürzlich freundlicherweise überlassen hat. Er hat sich nämlich einen neuen Kühlschrank mit allem Zipp und Zapp gekauft. Und ich sitze jetzt hier neben einem brummenden, vibrierenden Friermonster und versuche, geschäftsmäßig zu gucken.

Auf dem Display seh’ ich gleich: Das Licht ist fies, außerdem spiegelt sich’s in den „ent- spiegelten“ Brillengläsern. Also Umbau. Damit die Lampen so scheinen, wie ich sie haben will, muss ich die Stehlampe über’n Herd legen und mit dem Nudeltopf von gestern verkei- len. Dabei kriege ich direkt Hunger, überlege auch kurz, aber schließlich muss ich jetzt arbeiten! Wenn ich jetzt anfange zu essen, klecker’ ich mich garantiert mit der leckeren Tomatensauce voll. Die würde man bestimmt sogar auf der schwarzen Bluse sehen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Personalpeter auf das Bild guckt und sagt: „Aha! Die Frau mag Tomatensauce, – wie sympathisch!“ Also weiter.

Ich probiere verschiedene Lichtkombinationen, bilde mir ein, ungünstige Schatten noch im Photoschopp retuschieren zu können und knipse, was das Zeug hält. Zwei Drittel der Bil- der lösche ich direkt vom Display weg, weil ich darauf entweder gucke wie ein verliebtes Dorfmäuschen oder eine schnippische Gräfin. Dazwischen schiele ich, hab’ die Augen ganz geschlossen oder mache ein Doppelkinn. Wenn das Gesicht halbwegs passt, dann schlagen Bluse oder Frisur Falten. Zur Auflockerung schneide ich immer wieder Grimas- sen, von denen ich aus Versehen auch noch einige mitfotografiere.

Doch als kaum zwei Stunden vergangen sind, verfüge ich, dass es jetzt genug sein muss. Ehrlich gesagt, habe ich einfach keine Lust mehr. Unfotogen zu sein ist ja nun nicht gerade ein beliebtes Hobby. Zumindest habe ich das nie unter dieser Rubrik angegeben gefunden.

Am Rechner lösche ich noch mal alle Bilder bis auf fünf Stück. Eines davon suche ich mir seufzend aus und retuschiere dran rum, bis ich mir immerhin sagen kann: „Besser als das Jetzige ist es allemal.“ Allerdings ist das keine große Kunst, denn das wurde wirklich zwi- schen Tür und Angel von einem Fotografen gemacht, der normalerweise Brillen verkauft. Und das Modell, das ich trug, hatte ich sichtbar woanders erstanden. Das sah man den Bildern dann auch an.

Ach so: Nein, ich werde das Bild hier nicht zeigen, ich will ja niemanden desillusionieren. Die einzige Chance, es in die Finger zu kriegen, ist, mir einen feinen Job dafür zu geben.

Ich hab’s wieder getan.

Ich hab’ tagsüber kurz den Fernseher angemacht.

Als erstes sagte jemand: “Doch, doch. Ich bin da zuversichtlich! Ich bin da ganz guter Hoffnung…“ Das höre ich in letzter Zeit immer mal wieder. Komischerweise von Männern. – Diese verrückten Wissenschaftler immer, die kriegen auch alles hin!

Das Zweite, was ich dann hörte, war, wie jemand meinte, etwas sei das „noch das Sah- nehäufchen obendrauf“. – Da hab’ ich gleich wieder ausgemacht.

Los! Klingelt jetzt!

Dieses Körbchen parkt seit Stunden neben der Tür:

Mattenmären

Heute ist nämlich Martinstag. Da kommen normalerweise Kinder angeklingelt und singen wenigstens die ersten beiden Zeilen des „Mattenmär’n“-Liedes:

„Matten, Matten mären! Die Äpfel und die Beren.
Lass‘ uns nicht so lange steh’n, …“

Den Rest kennen Viele schon gar nicht mehr, weil sie da meistens schon ungeduldig von den Rausgeklingelten unterbrochen und mit Süßigkeiten abgegolten werden. Hauptsache, man kann die Tür wieder zumachen. Süßes gegen Ruhe. – Aber nicht bei mir! Bei der Bromine wird zu Ende gesungen! (Zur Not singe ich auch mit, wenn’s sein muss, hehe…)

Das hat sich wohl rumgesprochen, die Klingel schweigt.

Na, dann ess‘ ich das Zeug eben selber!
– Und was ich nicht schaffe, schick‘ ich einfach nach Marburg in die nächste Dienstagsfrühschicht…
(Hilferuf vernommen!)

Nachtrag:

Knallharte Bromin’sche Nachforschungen haben jetzt ergeben, wieso ich schon als Kind immer verwirrt war über das korrekte Datum zum „Mattenmären“; – war doch nie ganz klar, ob es nun am 10. oder am 11. November stattzufinden hatte (meistens bin  ich einfach an beiden Tagen losgezogen).

Es gibt nämlich zwei Veranstaltungen!

Außer dem (eigentlich katholischen) Martinstag, sprich: Umzug mit rotbemanteltem Reiter, gibt’s noch den protestantischen, friesischen Brauch des Martinisingens, der offenbar unsere Regionalversion hier ist und sich gar nicht auf St. Martin, sondern auf Martin Luther bezieht! Der soll nämlich am 10. November Geburtstag gehabt haben. Da soll mal einer durchsteigen!

Und unter „Martinisingen“ hatte ich mir, ehrlich gesagt, sowieso immer was ganz anderes vorgestellt…

Punkt.

DB-PunkteVor einigen Tagen habe ich Post von der Bahn bekommen, in der sie mich über meine bisher gesammel- ten Punkte informiert.

Das ist ganz interessant, denn ich gebe dort eigentlich immer an, gar keine Punkte sammeln zu wollen, weil ich finde, so gut kennen wir uns nun auch nicht, dass ich gleich alle möglichen Daten über mich rausrücken möchte. Außerdem sind die Prämien ein Witz. Jetzt haben sie mir also trotzdem 251 Punkte untergeschoben, als ich mal kurz nicht aufgepasst habe, und die soll ich wohl bis Jahresende vorbeibringen. Besonders dieser eine einzelne Bonuspunkt macht mir zu schaffen, den kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Bin ich da vielleicht mal wieder, um den Weg durch die Stadt abzukürzen, quer durch den Bahnhof gegangen? Die kriegen ja wohl alles mit!

Die anderen 250 Punkte habe ich vermutlich im vergangenen Jahr auf meinen Fahrten zwischen hier und Aachen eingesammelt, obwohl ich unterwegs eigentlich immer nur einmal kurz aussteige, meistens in Düsseldorf.

Bhf_Duesseldorf

Herumliegende Punkte sind mir da allerdings nie aufgefallen. Im Gepäck war danach auch nichts. Höchstens mal Krümel von der Reiseverpflegung, denn ich fahre ja nicht mal Stra- ßenbahn, ohne wenigstens ein Bonbon zu lutschen. Deswegen habe ich natürlich auf Zugfahrten immer mindestens geschmierte Brote und Kekse und Schokolade dabei. Zum Fahren gehört eben das Essen.

Auch als Beifahrerin im Auto bin ich berüchtigt. Geht es mal weiter weg als 20 Kilometer, packe ich sofort nach dem Auffahren auf die Autobahn die Schnittchen aus und drehe das Radio auf, um dann mit vollem Mund aktuelle Schlager mitzusingen. Nur auf dem Fahrrad halte ich mich bisher mit dem Essen zurück, was aber eher an den Hannöverschen Auto- fahrern liegt, und an meiner Vorliebe, schon mal über Bordsteinkanten zu holpern, um auf dem Bürgersteig weiterzufahren. Und böse verschlucken will ich mich ja nun nicht. Aber ich schweife ab. Ich habe 251 unsichtbare Punkte, und weiß nicht wohin damit.

Ab 500 Punkten bekäme ich beispielsweise ein Guthaben bei „Call a bike“. Ich weiß nicht: ob man da anruft, und dann bringen sie einem ein belegtes, überbackenes Fahrrad nach Hause? Ab 750 Punkten dürfte ich übrigens 3x der DB-Lounge frei zutreten, sogar mit Begleitperson! Ich kann mich aber gerade noch zusammenreißen. Erst ab 5.000 Punkten wird es für mich interessant, da gäb’s ein „Wein und Schokolade“-Seminar, aber sowas halte ich eigentlich sowieso viel gemütlicher in der eigenen Küche ab. Und an die 5.000 komme ich bis Endes des Jahres sowieso nicht mehr dran.

Ich fahre in diesem Jahr vermutlich nur noch einmal nach Aachen. Danach wär’s ziemlich übertrieben, den Zug zu nehmen, denn der charmante Anlass meiner Fahrten wohnt dann ja glücklicherweise nur ein paar Straßen weiter.

Schreiben lernen, mal anders.

Da ich ja selber keine Kinder habe, ist somit mancher Kelch an mir vorbeigegangen:

Ich bin bisher vergleichsweise selten nachts bebrüllt oder sogar angespuckt worden, hatte nie Sorgen wegen eines kleinen Wurms, das irgendwie kränkelt, aber noch nicht sagen kann, woran. Ich muss keine chaotischen Kindergeburtstage entwirren, keine miefenden Familien-Meerschweinchen füttern oder mein lecker gekochtes Essen mit der Bemerkung: „Das schmeckt supereklig!“ zurückweisen lassen. – All das hätte ich mir aber eventuell sogar mit Freuden gefallen lassen, wenn’s im Leben eben anders gekommen wär‘.

Worüber ich hingegen wirklich, wirklich froh bin, ist, dass ich hier keine Weihnachts- wunschlisten mit sowas drauf vorfinden muss:

Tattoo-studio

(Als Tattoomotive schlage ich übrigens vor: „Ich war hier“ oder  „Wer das liest ist doof“…)

Ich trau’ mich gar nicht…

… richtig, den Fernseher anzumachen. Als ich das zum letzten Mal gemacht habe, wurde mir alle fünf Minuten erklärt, dass Barack Obama „der erste schwarze Präsident der Ver- einigten Staaten“ werden wird. – Na, Potzblitz! Ich weiß jetzt nicht, wer das wohl kürzlich rausgekriegt hat, aber alle Anderen schreiben offensichtlich bei dem ab, anders kann ich mir das nicht erklären. Sogar in Italien hat man anscheinend irgendwas gemerkt. Also, ich vermute mal, dass Herr Obama noch einige weitere Eigenschaften mitbringt, die er dann irgendwie für’s Präsidentsein gut gebrauchen kann.

Ich hab’ aber seit heute Morgen einen ganz anderen Gedanken:

Es gibt bei solchen Wahlen ja immer diesen speziellen Zeitraum zwischen der Wahl an sich und der Einsetzung des Designierten ins Amt. Bis dahin regiert der Vorgänger noch so ein bisschen herum, aber auch gar nicht mehr so richtig. Also muss das ja eine Phase relativ stark eingeschränkter Regiererei sein. Und nun wüsste ich gern mal, ob nun diese Phase nicht vielleicht sogar positive Auswirkungen auf die Regierten hat. Stimmungsmäs- sig oder so. Oder auf die Wirtschaft. Oder die diplomatischen Beziehungen, meinetwegen. Ob es dazu eventuell Studien gibt? Wenn nicht, dann hätte ich ganz gern mal welche, wäre doch vielleicht interessant.

Nachher käm’ da nämlich raus, dass es für ein Volk eigentlich am allerbesten ist, gar nicht regiert zu werden…