Ich trag ja im Winter meistens Strumpfhosen drunter, weil mir das sonst zu kalt wird. Ich weiß, dass das Viele jetzt lieber gar nicht so genau wissen wollten, besonders die Herren nicht.
Denn Frauen in schwarzen Baumwollstrumpfhosen sind auf der supersexy- Skala irgend- wo zwischen dem eingelegten Obst und der alten Skiausrüstung. Im Keller, nämlich. Das ist mir aber egal. Draußen muss ich ja normalerweise nicht sexy sein, jedenfalls nicht im Winter. Und deswegen: Strumpi. Dieses ausgesprochen schöne Wort habe ich übrigens von Freundin S., bei der es allerdings meistens in der kritischen Frage auftaucht: Haste mal wieder Strumpi unter? – Wo die doch so auftragen!
Find ich übrigens gar nicht. Außerdem schadet so ein bisschen Auftrag meiner Figur nicht im Mindesten. Sollen doch die Anderen frieren und Blasenkatarrhe kriegen! Da seh ich lieber dick aus.
Jedenfalls, gestern hatte ich die Strumpfhose schon an, als ich feststellte, dass ich links ein Zehenloch drin hatte. Erst wollte ich trotzdem so los, aber nachher drückt mich der Rand beim Laufen, und dann gehe ich komisch, und dann raunen die Leute hinter mir auf der Straße: Guck mal, die Dicke, die geht aber komisch!, und das wollte ich dann lieber doch nicht.
Also hab ich mein Handarbeitskörbchen mit Nadel und Faden geholt (mich bald gefreut, dass ich es immer noch schaffe, ohne Brille zackzack einzufädeln) und in den Sessel gesetzt, um die Lochzunähung direkt am Fuß vorzunehmen. Nein, ich habe mich nicht gestochen! Aber die Schere vergessen.
Und dann war ich sehr zufrieden, dass niemand mit einer Kamera in zufälliger Nähe war. Weil ich nämlich vornüber gebeugt durchs Wohnzimmer humpeln musste, den Faden noch am Fuß, die Nadel dazu auf Knöchelhöhe in der Hand, damit ich da nicht etwa aus Versehen reintrete. Und natürlich lag die Schere dann ausnahmsweise nicht da, wo ich sie normalerweise hinlege, sondern im Irgendwo der fernen Küche.
Ich überlege jetzt neuerdings, was eigentlich ungesünder ist: Blasenverkühlung oder Hexenschuß.



