Küchensofagedanken am Morgen (Teil 2) – Begrüßung

Theobrominenfuesse

Ich hab‘ mir gedacht, vielleicht mache ich wirk-
lich mal so was wie eine Rubrik aus solchen
Küchensofagedanken. Gerade eben dachte ich nämlich mal wieder über ein Thema nach, das mich schon seit Monaten ab und an beschäf-
tigt und da eigentlich ganz gut rein passt. Wollen wir doch mal sehen:

Mich verwirrt das, dass in meiner Umgebung, meinem Freundeskreis, jeder jeden anders begrüßt. Die einen umarmen, die anderen küssen (ein- oder mehrmals), wieder welche wollen die Hand geben oder die Schulter klopfen. Manche sagen auch schlicht „Hallo“. Die Herren sehen manchmal aus, als wollten sie gleich eine gepflegte Klopperei anfangen. (Zum Glück bin ich nicht in Hiphopperkreisen unterwegs, wo man komplizierte Tänze aufführt, wenn man sich trifft.)

Geht das nur mir so? Und geht es denen mit mir auch so? Wahrscheinlich.

Wenn ich jemanden mag, umarme ich den. Manche scheinen das zu mögen. Eine Umar-
mung ist, wenn sie von Herzen kommt, was Feines und kann mich sogar den ganzen Tag über erfreuen. Wie oft ich aber schon angesetzt habe, jemanden zu umarmen, der irgend-
wie was anderes vorhatte! Und wenn man z.B. jemanden umarmen möchte, der einen grade auf die Wange küssen will, landet das Küsschen günstigstenfalls irgendwo hinterm Ohr, schlechterdings entsteht ein komischer Kuddelmuddel. Hürden: Zu welcher Seite neigt man sich? Wohin mit den Armen? Es gibt Links- und Rechtsumarmer. Die eben noch freudige Begegnungsszene wird unter Umständen zu einem verlegenen Gehampel. „Na, wie denn jetzt!?“ Oft ist das ziemlich lustig.

Irritiert bin ich aber auch, wenn mir jemand aus dem Freundeskreis die Hand geben möch-
te, da das für mich eine eher geschäftliche, offizielle Geste ist. Ich kann mir das nicht recht angewöhnen, obwohl ich als Kind zum Glück nicht mit dem „schönen Händchen“ getriezt wurde. Da diese Freunde aber überwiegend im Handwerk arbeiten, erkläre ich mir das so, dass das da wohl üblich ist, auch morgens unter den Kollegen und so. Eine rich-
tige Handwerkerhand zu schütteln ist ja auch irgendwie angenehm.

Feld-, Wald- und Wiesenbegegnungen kriegen „Hallo“ oder „Tach, wie geht’s?“ gesagt.
(Ich kenn’ einen Schlagwerker, der hat uns früher bei der Probe immer mit: „Na, ihr Arsch-
löcher?“ begrüßt. Im Gegensatz zu den anderen, die immer plötzlich nach Zitronensaft aussahen, fand ich das aber lustig, weil es einfach zu ihm passte.)

Hier mal meine ganz persönlichen Abstufungen:

Handgeben bei offiziellen Sachen.
Dann aber richtig! Nicht nur die Fingerspitzen und mit angenehmem Druck und kurz.

„Hallo!“, „Hi“, „Salut!“, „Tagchen!“, „Na, Puppe?!“ oder was auch immer bei Leuten, die man vielleicht noch nicht so gut kennt, zu denen man aber auch nicht so ein offizielles Verhält-
nis hat. Neuerdings sagen manche auch „Aloha!“. Ich glaube aber, das ist eher eine Ver-
abschiedung. (Genau andersrum: „Ciao!“)

Herzliche Umarmung bei Freunden.
Plus: Küsschen bei sehr guten Freunden, feiner Familie und vielleicht Kindern, vorausge-
setzt, die mögen das. Diese neuerdings sehr beliebten französischen Bisous sollten meiner Meinung wieder abgeschafft werden, da nicht mal die Franzosen wissen, auf welcher Seite man damit anfängt und wann man aufhört und was man dabei mit den Händen macht.

Ist übrigens mal jemandem aufgefallen, wie Heidi Klum Leute begrüßt? Das fällt mir grade ein. Sie legt die Hände ganz vorsichtig an die Schultern des zu Begrüßenden, als hätte sie grade frisch lackierte Nägel und dann macht sie so Luftküsschen und ruft laut: „Müah! Müah! Müah!“ mit so eingebauten kleinen Knutschgeräuschen. Meine japanische Freundin M. und ich haben ja immer schön Germanysnexttopmodel geguckt und uns dazu prima amüsiert. Anschließend haben wir uns dann total übertrieben nach Heidi-Art voneinander verabschiedet.

Ach, und Liebespaare denken sich bitte was Eigenes aus, beachten aber, dass Umste-
hende evtl. verlegen werden könnten.

Falls noch Fragen oder Anregungen auftauchen: Ich bin dann wieder mal auf dem Sofa…

Im Gehirnkasten hinten liegt noch was

Na, wenn hier schon alles blitzneu aussieht, dann komme ich jetzt mal mit einer ganz alten Meldung, die mir vorhin wieder einfiel, als ich in der Stadt war und eine mächtig dicke Taube ganz knapp an mir vorbei flog. Ich dachte eigentlich, ich hätte die Geschichte schon vergessen.

Es ist schon bestimmt 10-15 Jahre her, da las der Herr Wickert die Tagesschau, und weil nicht viel los war in der Welt, hatte er Gelegenheit, noch eine kuriose Warnmeldung aus zu sprechen: Er bat die Spaziergänger in Münchens Englischem Garten um Vorsicht. Und außerdem darum, die Schwäne dort bitte nicht mehr zu füttern.

Was war passiert?

Eine Frau war im Englischen Garten spazieren gegangen, als ihr plötzlich ein unglaublich dicker Schwan, der hinter ihr zum Flug gestartet war, mit Karacho auf den Kopf fiel!
Für die Frau war das gar nicht lustig, sie erlitt eine Gehirnerschütterung und ich meine, es wäre sogar noch ein Halswirbeltrauma dabei gewesen. Die Schwäne dort im Park sind so überfüttert, dass sie über 20 kg schwer werden, nicht mehr richtig fliegen können und wie olles Obst einfach aus dem Himmel fallen!

Ob die Frau zum Vogelfüttern im Park gewesen war, wurde nicht gemeldet. 
Dass der Schwan den Absturz unversehrt überstand, hingegen schon.

Kuchenbesuch von Rieta und Knut

Für gestern Nachmittag hatten sich ja nun Rieta und Knut angekündigt, das mir innewohnende Ehepaar. Also habe ich schön den Küchentisch gedeckt, ein paar Blümchen drauf gestellt, das Sofa noch mal abgeklopft. Und pünktlich um 15 Uhr fuhren die Beiden in ihrem Aud* vor. Vom Fenster aus konnte ich sehen, dass Rieta wie versprochen Kuchen dabei hatte. Prima! Nur hoffentlich keinen Frankfurter Kranz. Rietas Frankfurter Kranz ist ein berüchtigt-monströses Gebilde, das jeden Schachmatt setzt, der sich daran versucht. Außerdem macht sie die Buttercreme nicht mit Butter, sondern mit Margarine, weil es „gesünder“ sei und man den Unterschied angeblich nicht schmecke. Sie glaubt da fest dran und ich bringe es nicht übers Herz, ihr die Wahrheit zu sagen. Außen rum sind die Kränze fingerdick mit Haselnusskrokant überkrustet, der auch noch nach Tagen zwischen den Zähnen zu knirschen scheint.

Ich setze noch schnell Wasser auf, da klopft es auch schon, sie haben es in den dritten Stock geschafft. Beide sind heftig aus der Puste, Knut wischt sich mit einem Stofftaschentuch den Schweiß von der Stirn. Rieta legt sofort los, während sie zielstrebig die Küche ansteuert: „Na, Lieb? Da sind wir! Freuste Dich? Nimm doch mal der Tante den Kuchen ab! Ist Bienenstich! Danke, Lieb. Ach, da haste schön gedeckt! Haste etwa schon Kaffee gekocht? Oh, neue Kissen? Schick!“

Solche Phonstärken hat meine Küche lange nicht erlebt. Eigentlich, seit sie mich zuletzt besucht haben nicht mehr. Knut steht immer noch an der Tür und versucht, die Jacke auszuziehen, ohne seinem Baumwollbeutel abzustellen. Ich helfe ihm eben, er hat noch immer nichts gesagt, drückt aber kurz meinen Arm. Dann schiebt er sich an mir vorbei und klemmt sich direkt aufs Sofa. Rieta steht immer noch da und zeigt mir nun einen neuen Anhänger an ihrem Bettelarmband. Ein Eiffeltürmchen. „Guck! Schön, ne?“
Ich bewundere den Miniturm gebührend und frage, ob sie den von Knut hat. Knut schnalzt nur mit der Zunge gegen die Backenzähne und guckt zur Seite. Rieta erzählt: „Den hat mir Marianne (ihre Schwester) mitgebracht. Die war nämlich grad’ in Parriss (Paris)! Mit ihrem Neuen! Der hat die zu so ’ner Bustour eingeladen. Das muss herrlich gewesen sein!“ Seitenblick auf Knut.
Sie wolle ja auch schon immer mal nach Parriss, aber Knut sei das da alles zuviel, mit der ganzen Romantik und so. Und Champagner schmecke ihm auch nicht. Scheint ein Thema zwischen den beiden zu sein, da sag‘ ich mal lieber nichts.
Knut packt eine Schachtel Zigaretten aus der Baumwolltasche, fummelt sich eine heraus und knipst sie an. Ich frage: „Nanu, Knut. Du rauchst wieder?“ und stelle ihm schnell einen Ascher hin. Er kneift nur ein Auge zu, zuckt mit den Schultern und sagt: „Meinetwegen kannse ja fahren. Und ich bleib schön zuhause.“ Rieta guckt verstimmt und wechselt das Thema. Offenbar habe sie da tatsächlich schon öfter drüber gesprochen.

Sie mustert mich: „Hör mal, du bist ja so dünn! Haste etwa abgenommen? Pass bloß auf, sonst kannste dich noch hinter ’ner Birke verstecken! Sach, haste eigentlich kein Likörchen da? Wo wir uns so lange nicht gesehen haben!“
Doch, habe ich: da ist noch die Flasche von dem Minze-Schokozeug, das gar nicht nach Schoko schmeckt. Laut Freundin T. aber auch nicht nach Minze. Das ist Rieta aber egal und mir jetzt auch und deswegen prosten wir erstmal schön. Knut streicht mit der flachen linken Hand über den Tisch und dreht mit der anderen Hand die Asche seiner Zigarette vorsichtig am Rand des Aschenbechers ab.

Das Wasser kocht. Rieta steht ja noch und übernimmt sofort die Führung. Sie weiß, dass mein Kaffee lausig ist und hat vorsichtshalber eine Portion Kr*nung mitgebracht, so wie früher Karin Sommer. Knut kramt eine Frischhaltedose aus dem Beutel. Ich hatte mal eine Freundin, die erzählte immer Geschichten, in denen kam ganz oft der Satz vor: „Und dann steh’ ich da wie Karin Sommer!“ In ihrem Fall bedeutete das allerdings, dass sie wieder mal ratlos gewesen war und erstmal überlegen musste. Was ja eher auf die Karin Sommer-Umgebenden gepasst hätte. Vielleicht war es ihr aber nicht einprägsam genug, zu sagen: „Und dann steh’ ich da, wie diese Leute da immer in der Werbung, bevor Karin Sommer endlich die Kr*nung auspackt!“
Egal, jetzt.

Inzwischen hat Rieta den Kaffee fast fertig und flötet: „Der Kaffee ist fertig!“ Knut seufzt. Ich schiebe die Tassen noch mal zurecht und stelle den prächtigen Bienenstich auf den Tisch.
„Und Knut, wie isset?“, frage ich.
„Joh, muss ja, nä!“
Sagt er immer, und mehr wird er heute wahrscheinlich auch nicht mehr sagen.

Rieta beginnt, den Kuchen aufzuteilen. Ich liebe ihren Bienenstich, der ist noch mit richtigem Pudding und Mandelauflage der Extraklasse. Mit vollem Mund sage ich: „Riepa, deim Biehmspich iff immer efftraklaffe! Gib’ mir endlich daf Repfept!“
„Nee“, lacht Rieta, „das kannste erben, höchstens!“
„Aber nich’ vergessen, ins Testament zu machen!“
„Mach ich, Lieb. Gleich morgen gehe ich zum Notar!“
Wir zwinkern uns zu. Knut arbeitet gewissenhaft seinen Kuchen weg, während die Kippe noch zwischen seinen Fingern klemmt.

Rieta will wissen: „Und? Was haste so gemacht zuletzt?“
„Och, ich hab mal wieder’n bisschen gearbeitet. Zwei Wochen, mit richtig Schmackes.“
„Arbeit ist gut.“,sagt Knut und nickt dabei seinen Kuchenteller an. Obwohl er das größte Stück bekommen hat, ist er schon wieder damit fertig und raucht grade den letzten Zug seiner Zigarette. Rieta und ich haben grade mal zwei Gäbelchen geschafft. Wir warten, ob noch mehr kommt, aber Knut schweigt wieder.
„Ja, war auch gut“, sage ich, “ stressig und so, aber dann komm’ ich wenigstens nicht aus der Übung.“
„Gibt’s Geld auch?“
„Kaum. Darf’s ja nicht behalten. Aber darum geht’s ja auch nicht.“
„Wo denn dann drum?“
„Na, mal raus aus der Bude und so.“
„Und jetzt?“
„Och, weiß nicht. Jetzt ist erst mal wieder Ruhe, wohl. Und bei euch?“
„Ach, Das Wetter war ja immer so mumpelich, wir haben viel im Garten gemacht. Knut hat die ganzen Thujen ausgegraben. Die mochten wir nicht mehr leiden. Der Frank will mal gucken, ob sie bei ihm angehen. Jetzt kommt da erstmal ein neuer Zaun hin und denn gucken wir mal. Der Thorsten hat wieder nach dir gefragt, übrigens.“
Ich stelle mich doof: „Thorsten?“
„Na, der von der Po-host! Tu doch nicht so ahnungslos! Der fragt ja öfter nach dir… Geh’ doch mal raus mit dem! Der ist wirklich nett. Und ein neues Auto hatter sich auch schon wieder bestellt!“
Als ob mich das interessiert.
Ihr geht gleich raus, wenn nicht mal endlich Ruhe ist mit Thorsten! Schließlich habe ich mir euch ausgedacht und muss mich nicht mit Thorstens nerven lassen. Ich kann euch nämlich auch jederzeit wieder vergessen…“
„Machste ja doch nicht.“, sagt Rieta gutmütig und steckt sich jetzt auch eine an.

Seit Monaten schon preist sie mir Thorsten an, den heiratswilligen Junggesellen. Wir haben uns mal auf einer Gartenparty sehr langweilige 15 Minuten lang unterhalten. Hauptsächlich hat er mir von seiner irre wichtigen und verantwortungsvollen Tätigkeit als Schalterheini bei der Post erzählt. Rieta meint seitdem, wir seien wie füreinander gemacht und will uns unbedingt verkuppeln. Ich kann mich grade noch beherrschen. An der Seite so eines Schalterheinis, der die Posthemden sogar am Wochenende trägt, kann ich mir nun mal keine Zukunft vorstellen.
Knut zumindest weiß das und bestellt schnell noch ein Stück Kuchen bei seiner Frau, damit die das Thema fallen lässt. Und ich schenke noch Likör nach, de
r muss eh’ weg, damit neuer her kann… Sicherheitshalber frage ich sie noch, wo sie das Halstuch her hat, das sie da trägt. 

So vergeht dann der Nachmittag mit Geschichten und gutmütigem Spott und irgendwann ist der Kuchen alle, in den Tassen kann man die Böden sehen und ich weiß wieder das Neueste aus der Nachbarschaft und der Gartenkolonie. Rieta ist leer-, meine Ohren sind vollgequatscht und Knut ist wie immer. Der kennt das natürlich und kann das ab.
Es wird langsam Zeit, wir verabschieden uns herzlich voneinander, versprechen uns, dass wir uns ganz bald wieder sehen. Ich ermahne sie, vorsichtig zu fahren, wir drücken uns noch mal und die Beiden verschwinden wieder in ihr Stübchen in meinem Hinterkopf.

Und ich sitze noch eine kleine Weile in der Küche und genieße wieder die himmlische Ruhe.


So,

nun ist der Auftrag abgearbeitet und ich bin es auch.

Zwei Wochen lang habe ich über eine Stadt nachgedacht, in der ich noch nie war, und die sich neu präsentieren will. Ob die Agentur, in der ich die letzten zwei Wochen verbracht habe, die Ausschreibung gewinnen wird, ist fraglich, denn es hat schon jemand seinen klobigen Fuß in die Tür gestellt. Trotzdem haben wir unser Bestes rausgequetscht und vielleicht reißen wir das Ruder ja auch herum. Ich kann jetzt jedenfalls erstmal kein Orange mehr sehen, und nächste Woche wissen wir wohl schon mehr…

Hier ist natürlich alles liegen geblieben außer mir.
Auf dem Fernseher sind sogar Spinnweben drauf! Ich dachte, ich guck’ nicht richtig.
Und auf dem Quark im Kühlschrank puschelt es.
Wenn die Herrin aus dem Haus ist, tanzen die Miniorganismen auf dem Tisch!

Also muss ich heute erstmal anständig Einkaufen gehen. Vielleicht begegnet mir ja wieder ein hübscher Verleser, wie manchmal beim Einkaufen. Ich habe schon „Shaolin“-Glasreiniger statt „Sidol*n“-Glasreiniger gesehen, „Grillhäschen“ statt Grillhähnchen und „Langsam-Hemden“ statt Langarm-Hemden. Von der „Göttin“-Wurst hatte ich ja früher schon mal geschrieben.

Also Kühlschrank und Regale auffüllen und dann die Bude durchfeudeln!

Und dann mal die Freunde darüber in Kenntnis setzen, dass ihre Rufe nicht ungehört verschallt sind. Freundin S. könnte inzwischen glatt ein drittes Kind bekommen haben, so lange haben wir uns nicht gehört! (Naja, 5 Wochen oder so…)
Freundin M. ist ja grade wieder in Japan und kämpft mit schwüler Sommerhitze, da hat die genug zu tun. Freundin T. habe ich Dienstagabend in ein Café bestellt und dort nur von mir geredet… Freund M. habe ich immerhin Montag auf der Straße getroffen und konnte mir seine schicke neue Brille schnell begucken. Heute werde ich mal ein Bier mit ihm trinken, ob er nun will oder nicht!

Und hier kann ich mich auch wieder mehr blicken lassen.
Ach, hatte ich schon erzählt, dass mich
Rieta und Knut am Wochenende besuchen kommen wollen? Ich werde dann berichten…

Aber erst muss ich mir deren Besuch ja ausdenken und dafür brauche ich ein schönes

Spinnerset

Fensterfilm

Vor Jahren wohnte ich in Hannovers Nordstadt.
Das ist ein Viertel hinter der Uni und natürlich wohnen dort auch viele Studenten und es gibt ordentlich viele Kneipen, in denen es hoch her geht. Ich wohnte einer solchen Kneipe
gegenüber und hatte das Schlafzimmer unglücklicherweise zur Straße hin. Im Sommer mit offenem Fenster zu schlafen, war schwierig, weil bei jedem Öffnen der Kneipentür laute Musik und anderes Getöse in die Nachtluft schwappte. Aber selbst daran kann man sich irgendwann fast gewöhnen.

Eines Nachts wachte ich jedoch auf, weil auf der Straße ein betrunkenes Paar herumschrie. Dass die Frau Karin hieß, hörte ich bald. Dass sie überaus aufgebracht war, sogar noch davor.
Wie er hieß, weiß ich nicht, sie nannte ihn „Arsch!“, aber das war bestimmt nicht sein richtiger Name. Inzwischen stand ich am Fenster und konnte erkennen, dass er sich rechts davon hinter einem Auto versteckte und sie sich links von mir breitbeinig und vorgebeugt auf der Straße aufgebaut hatte.
Er rief von rechts: „Mensch Karin, jetzt beruhig’ dich doch! Da war doch gar nichts!“

Und sie kreischte von links zurück: „Los komm her, ich hau’ dir auf’s Maul! Komm’ her, jetzt! Oder trauste Dich nicht?“

Und er wieder: „Jetzt komm’ doch mal runter! Ich hab’ mich doch bloß mit der unterhalten!“

Sie wurde noch wilder und schrie: „ Los, Du Schlappschwanz! Du bist so feige! Ich mach’ Dich alle! Komm‘ her, wenn Du Dich traust!“

Ich ging wieder zum Bett, weil ich keine Lust hatte, da länger zuzugucken. Hören konnte man sie ja ganz gut. Dann trat auch sogar für einen Moment Stille ein.
Gerade aber, als ich mich wieder hinlegen wollte, schepperte es ganz gewaltig! Metall quietschte auf Asphalt und das hörte sich nicht gut an für das Metall…
Also
bin ich natürlich schnell wieder hin zum Fenster.

Karin hatte am Zaun Fahrräder entdeckt, die unvorsichtigerweise nicht am Zaun festgeschnallt waren und hatte mit einem von ihnen nach ihm geworfen!!!
Mit sprühenden Funken und allem.

Es dauerte eine Weile, aber als er dann vorsichtig ums Auto herum schielte und sie ihn so sah, mussten beide plötzlich furchtbar lachen. Ich am Fenster auch. Dann legte ich mich kopfschüttelnd und grinsend ins Bett und schlief bald wieder ein .

Am Morgen war weder von den Beiden noch von dem Fahrrad irgendwas zu sehen.

Wo nur? Wo?

Da ich offenbar eine kleine, aber ganz feine „Bildunterschriftenvorrätezurschaustellung“ in meiner näheren Umgebung ausgelöst habe (nämlich hier und hier), gibt’s noch ein Zückerchen. (Zu mehr komm‘ ich heute eh‘ nicht.) Nicht so brachial, aber auch süß.

Keine Ahnung, was Bild und Text hier zusammengeführt hat.
Vielleicht hat ja einer von Euch ’ne Idee.

sportliche_Begabung

Wie die Schweine

Schweine sind pfiffige Tiere und machen lustige Sachen. Dass sie feine Nasen haben, weiß ja jeder und außerdem fressen sie gar nicht alles, sondern sehr ausgewählt, wenn man sie lässt, und lassen Angeranztes liegen. Das macht sie mir sympathisch.
Bekannt sind Schweinchen aber vor allem für eines: Die Suhle.
Das beguckt sich der Mensch, sieht das Vergnügen und denkt: Au ja!

Was daraus entsteht, sieht man hier.
(Und zugleich ist es ein schönes Beispiel für gelungene Bildunterschrift.)

Rund_in_eckig
(Ist schon etwas angeknüdelt, hing jahrelang auf meiner Fitzelwand im Flur.)

Wann immer ich da drauf gucke, frage ich mich, welche Gesprächsthemen da wohl herrschen mögen…

Das Jahr der fallenden Bäume

Wenn’s im Kopf saust und braust und alle Gedanken und Fragen gleichzeitig dran kommen wollen, gehe ich Spazieren. Der Rhythmus der Schritte bringt Ordnung ins Hirn und Ruhe in den Rest. Die Runde, die ich am liebsten gehe, führt mich an einer alten Weide vorbei. Ich meine, es wäre eine Knackweide.

 Weide1

Sie stand an einer großen Wiese, die von zwei Bächen umspült wird. Die alten Äste hingen tief und waren ideal, um darauf zu sitzen und über die Wiese zu schauen. Auf der Wiese kann man in der Dämmerung oft Kaninchen sehen und Graugänse, tagsüber sogar Falken, wenn man viel Glück hat.

Oft habe ich hier gesessen, wenn mich etwas sehr beschäftigte. Irgendwann mal entdeckte ich, dass jemand ein Herz in den Stamm geritzt hatte. Eins mit Initialen: D+K. Ich schwöre, dass ich das nicht war. Es haben ja noch andere Leute Vornamen, die so beginnen, aber merkwürdig fand ich es doch. So konnte ich ungefähr zwei Jahre beobachten, wie das Herz langsam nachdunkelte. Irgendwann war es nur noch für den zu sehen, der wusste, wo er gucken muss. Und Irgendwann guckte ich nicht mehr.

Vor ein paar Wochen habe ich hier noch mit V. auf der Wiese gepicknickt und der Weide ging es gut. Sie stand gebückt, wie alte Damen das manchmal eben tun. Und ausgerechnet heute, wo mir so viel durch den Kopf geht, finde ich sie so vor.

 Weide2

(Scheint das Jahr der fallenden Bäume zu sein. Das muss neulich passiert sein, als es gestürmt hat und ich so Sorge hatte um die Pappel vor meinem Fenster. Ihre „Schwester“ war ja von Kyrill umgeworfen worden. Nun also auch noch „meine“ Weide.)

Ich klettere vorsichtig auf ihren Stamm und nehme dort noch mal Platz. Ich werde aber gar nicht richtig traurig, weil mir plötzlich klar wird, dass hier das Zeichen ist, das ich heute brauchte. Dass die Weide ausgerechnet jetzt gefallen ist und ich sie heute so finde, hat zwar eigentlich niemand so geplant, aber symbolhaft finde ich es doch.
Die meisten schweren Dinge fallen oder vergehen irgendwann und machen Platz für Neues.
Eine Weile sitze ich noch da und werde immer zuversichtlicher, dann klettere ich langsam wieder herunter und springe das letzte Stück ins Gras. Dabei schürfe ich mir ein bisschen die Haut am Unterarm auf. Ist Recht, das wird mich in den kommenden Tagen erinnern.
Langsam gehe ich von der Wiese. Nur nichts überstürzen jetzt.

„Heinrich, der Wagen bricht.“
„Nein, Herr, der Wagen nicht,..“

(„Froschkönig“, Gebrüder Grimm.)


Küchensofagedanken am Morgen (Teil 1) – Blumen schenken

Heute Nacht bin ich um zwei aufgewacht, weil ich wirre Träume hatte und außerdem fror wie eine Schneiderin. Also bin ich im Halbschlaf umhergetappt, um mir noch eine Decke aus dem Wohnzimmer zu holen, wobei ich dachte: „Decke holn… im Juli!… brmbl…“
Dann bin ich zum Glück wieder eingeschlafen.

TheobrominenfuesseHeute Morgen dann, als ich auf dem Küchen-
sofa lag und meinen ersten Tee trank, wurde mir allerdings klar, was mich des nachts so hatte frösteln lassen: Heute ist ja der 7. 7. 07! Der Tag, an dem wie verrückt und am Fließ-
band geheiratet wird. Vermutlich hatte ich bloß vom Traualtar geträumt. Wahrscheinlich sind diese Termine so beliebt, weil die Damen hoffen, dass wenigsten ihre Ehemänner den Hochzeitstag nicht vergessen und ihnen jedes Jahr fleißig Pralinchen und Blumen schenken werden. Irgendwer hat mal geschrieben, dass wer glaubt, dass Blumen und Pralinen heutzutage als Mitbringsel für Damen nicht mehr zeitgemäß sind, keine Ahnung von der holden Weiblichkeit hat. Da hatter Recht, der Mann.

Allerdings bin ich mir sicher, dass sich auch die Herren über Pralinen und Blumen mal freuen. Sie rennen nur nicht herum und rufen mit hoher Stimme: „Oh, die schönen Blüm-
chen! Da muss ich aber mal schnell eine hübsche Vase holen!“
Es sei denn, sie sind am 17.5. geboren, und dann auch längst nicht immer.

Sie fragen eher erstmal erstaunt: „Blumen? Für mich?“ Sogar, wenn sonst gar keiner da ist. Und dann muss man ihnen manchmal mit der Vase helfen. Aber freuen tun sie sich doch.

Und jetzt kommt der Geheimtipp des Tages an Diejenigen, die vielleicht demnächst Blu-
men an eine Liebste verschenken möchten, das wird nämlich oft falsch gemacht. Es ist eigentlich ganz einfach, den Eindruck eines Connaisseurs zu hinterlassen; man muss nur einmal aufmerksam hingeschaut haben. Denn was machen denn die Damen nach Erhalt der Sträußchen als erstes? Hm?

Überleg, überleg, überleg…
Neee, nicht die Vase holen. Vorher noch.

Na, sie stecken ihr Näschen rein, um mal zu gucken, ob die Blumen duften!
(Der Satz ist zwar Quatsch so, aber da bin ich jetzt mal großzügig.)

Wer’s also richtig und richtig gut machen will, lässt teure doofe rote Langstielrosen links liegen. Die sind weder schön noch duftend und sehen in der Vase linkisch aus. Beson-
ders mit noch so zwei Grashalmen dran. Lieber nach Duftrosen fragen! Die Damen im Laden sind ja nicht nur zum Stängelkürzen da. Es gibt auch noch Päonien, Maiglöck-
chen, Veilchen, Freesien, wattweißich!

Oder wenigstens Blumen wählen, die nicht stinken. Ist doch nicht schön, wenn sie da immer drauf guckt und denkt: „Ach, der Liebe… So schöne Blumen. Aber die stinken!“
Tulpen sind meiner Meinung nach eher was für die Tante. Und Topfblumen verschenkt man sowieso nicht, außer vielleicht zur Wohnungseinweihung. Aber in allen Fällen macht man das Papier vorher ab!

Das ging mir vorhin so durch den Kopf, als ich da so lag.
Gern geschehen. Wenn jemand noch Fragen hat: ich bin dann wieder auf dem Sofa…