Wenn Metallsachen frech werden

Also, im Dunkeln gegen eine Leiter zu laufen ist nicht halb so lustig, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich werde das also wahrscheinlich nicht noch mal machen. Ich hatte gestern Abend eigentlich gedacht: hier drin kann mir ja nüscht passieren. Und hatte das eben vergessen, dass die da noch im Schlafzimmer stand. Aber jeder weiß ja, dass sich die meisten Unfälle im eigenen Haushalt ereignen. Da war ich wohl zu blauäugig.
Das passt jetzt schön zu meinem Schienbein.

Draußen hingegen bin ich mir der Gefahr bewusst. Wir haben hier nämlich schlimme Parasiten in unserer Gegend, die auf den Straßen und Bürgersteigen herummarodieren. Besonders in der Dämmerung muss man aufpassen, dass man nicht rüde von der Seite angefahren und frech um ’nen Euro angehauen wird. Wer sich dann weigert, muss in den Kindersitz und wird den Lindener Berg runtergerollt. Aber glücklicherweise ist Hilfe unter-
wegs. Beherzte Kerle fangen die schlimmen Randalisten ein und verbinden sie zu einer chain gang, die dann ordentlich eingegattert wird.

Einkaufswagenplage 

Johannes und Helmut, die Zwei. Mutige Männer.
Kann man gar nicht oft genug über’n Kopf streicheln, wenn man mal zufällig dran vorbei kommt.

Astrein

Also bestimmt ist das so’n neuer Gastro-Trend und ich kenne mich nur mal wieder nicht aus. Als ich eben wieder nach Hause komme, hängen in der ganzen Straße Werbezettel in den Hauseingängen. Ein Café-Restaurant wirbt mit einem

branchy

Im Englischen ist „crunchy“ ja wohl knusprig, knirschend.
Und so weit ich weiß, ist „branch“ der Ast.

Ein Buffet für knirschende Äste? …? Hm.

Heißen die jungen Leute sich vielleicht heutzutage gegenseitig so? „Ey, guck’ mal, der scharfe crunchy branch da! Der hat mich doch grade angezwinkert, oder?“ Das wäre dann ein Leutekennenlernfrühstück für Spätaufsteher. Glaub’ ich aber irgendwie selber nicht. Oder findet das Frühstücken einfach draußen statt, wo sich die Zweige knarrend im Herbstwind wiegen?

Oder meinen die ein astreines Knusperbuffet?

Vielleicht gibt’s da jede Menge Müesli und Röstflockenzeug aus dicken Schüsseln, aber dafür ausnahmsweise mal ohne Milch… Immerhin dazu: alkoholfreie Getränke! Diverse sogar. Bestimmt gut gegen diverse Staubhusten.

Nee ich hab’s: ein Buffet ist doch ein Schrank, so eine Anrichte…!

Also geht es hier um einen krachenden Schrank aus Astholz. Oder?
Also, ich bin ratlos.

Küchensofagedanken am Morgen (Teil 7) – Vom Mögen

Theobrominenfuesse_HerbstwiIch hab’ ja vor ein paar Tagen schon davon er-
zählt, dass ich neuerdings versuche, mich mit Lakritze anzufreunden. Bisher klappt das recht gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es bei mir zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmacksrangliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt als das), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerisch-
er Liebe wird es bei uns Beiden wohl nichts, aber Freundschaft könnte es werden, wenn wir uns bemühen. Außerdem bin ich ja mal vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

O.k., Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck.
Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken.
Und Spargel liebe ich inzwischen geradezu. Immer her damit!
Man sollte vielleicht alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur schlecht oder lieblos zubereitet. Damit kann man noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie die Restauranttester, die da ganz analytisch dran gehen. Sie müssen ja auch gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie eigentlich nicht mö-
gen und gewöhnen sich das richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich dann durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Natto habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen, Ume heißen die wohl, die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an, sonst wird hier noch jemandem schlecht. Das will man ja nicht.

Ich kann das nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungshaltung und mein Misstrauen abzulegen, und erstmal loszuschmecken. Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass Menschen, die Lakritze lieben, allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazugehörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechseltes Verfeinertes ist ihnen nicht wichtig, der ganze Aufwand ist ihnen schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht durch die halbe Stadt, weil es da den leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffel. Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, und auch der Umkehrschluss funktioniert nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Ein-
kaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispiels-
weise schicke Schuhe es jemals könnten… *g*

Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. Entschuldigung, da bin ich voreingenommen. Von dem Geld kann man in einem Dürregebiet ’nen ganzen Brunnen bohren, wahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern bestimmt nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertelliterpulle.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem Outfit oder dieser location passen. Dann gäb’s hier womöglich nur noch Wollkürbis und gestreifte Radieschen. Und die mag ich ja nun überhaupt nicht…

1x Entstauben, bitte.

Jetzt weiß ich endlich wieder, was ich schon seit Wochen suchend im Hinterkopf herumrolle. Es wollte und wollte mir einfach nicht einfallen.

Es hat was mit einer Madeleine zu tun. Eigentlich mit dem Gebäck, und nicht mit der verschwundenen kleinen Maddie. Im Moment regen sich ja gerade alle wegen dieser T*tanicsache auf. Ich kann dazu nur sagen: Satire darf alles. Muss alles dürfen. Man muss das Ergebnis aber nicht gut finden. Das Nichtgutfinden drückt man dann eben über’s Nichtkonsumieren aus. Das funktioniert immer noch am Besten. Mir kann keiner erzählen, dass die Titanic mit dem aktuellen Heft plötzlich eine Mörderauflage hat.
Ich glaub’, da wird mal wieder am falschen Ende gestritten.

Aber ich wollte ja über Gebäck schreiben. Nee, über’s Vergessen und Erinnern! Was denn jetzt? Man steigt ja nicht mehr durch! Gebäck, Satire, dicke Schiffe, wieder Gebäck, dann plötzlich Vergessen? Spinnt die Theobromine jetzt oder wie? Neenee, alles gut.

Also: Seit ungefähr zwei Wochen versuche ich mich zu erinnern, wie dieser Schriftsteller hieß, der immer im Zusammenhang mit Madeleines genannt wird. Madeleines sind näm-
lich so kleine französische Küchlein, oft mit zartem Orangen- oder Mandelaroma.
Und dieser Schriftsteller hatte was geschrieben über Erinnerungen, die verknüpft sind mit Düften oder Geschmäckern. Und ich hatte mich darüber unterhalten, wusste aber nicht mehr, wer. Gestern habe ich mir sogar Madeleines gekauft, weil mir nun ebenfalls wieder eingefallen war, dass ich die auch lange nicht gegessen hab’. Heute hat’s mir dann gereicht und ich hab’s im web gegockelt.

Proust war’s nämlich, der wohl in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ die Pforten der Erinnerung mit einer Madeleine öffnete. Hab’s nie gelesen. Vielleicht fiel es mir deswegen nicht ein. Gut, dass man heutzutage ein mobiles Gedächtnis wie den Gockl hat. Eigent-
lich macht man sich’s zu einfach, wenn man da reinguckt, aber ich hab’ ja wenigstens zwei Wochen gewartet.

Was ich nicht im web fragen konnte, war das andere, was mich ebenfalls beschäftigte. Vor gut zwei Wochen war ich nämlich in Begleitung im „Mezzo“, das ist hier so ein Kneipencafé in der Innenstadt. Da bediente uns eine junge Frau, die mir bekannt vorkam. Ich kam aber nicht drauf. So eine ganz hübsche Rotblonde mit Knutschmund, aber ernstem Blick.
Ich fing an zu grübeln. Eine Freundin von Freunden? Hätte ich jetzt ausführlicher „Hallo“ sagen sollen? Falls sie mich kannte, ließ sie sich nichts anmerken. Sie war recht jung, vielleicht aus einer mal besuchten WG? Oder hatte ich sie am End’ mal im Fernsehen gesehn? Eine junge Schauspielerin vielleicht? Oder eine Poetry-Slammerin? Kannte ich sie aus einer anderen Kneipe vom Sehen? Mein Begleiter wusste auch nichts dazu zu sagen. Doch mich beschäftigte das. Tagelang. Immer wieder tauchte das auf. 

Und vorgestern saugte ich Staub. Und dachte daran, dass meine Nachbarn unter mir bestimmt gerade die Motten kriegen, weil ich so herumbollerte. Und ZACK! – da war’s. Sie hieß D. und hatte unter mir gewohnt vor ein paar Jahren. Und da immer ihren Hund angeschrieen. Wenn der bellte, schrie sie sofort: „GAYA! AUS!!! AAAAAHUUUUS!!!“ und war viel lauter als der Hund. Irgendwann fing das richtig an, mir auf die Nerven zu gehen. Gaya bellte natürlich trotzdem, – wenn Frauchen immer so schön zurückbellt…

Außerdem spielte Frauchen gern nachts um Dreie, oder tagsüber um Einse, egal wann, „Just like a pill“ von Pink. Und zwar volle Pulle, achtmal hintereinander weg und sang dazu. Und Gaya… Lassen wir das.
Jedenfalls, und was ich eigentlich sagen wollte, es müssen nicht unbedingt zarte Gebäckteilchen sein, wenn’s in der Erinnerung hakt.

Staubsaugen tut’s auch schomma..

Süßholz für’s Wohlbefinden

Gestern oder Vorgestern ist mir wieder eingefallen, dass Lakritze den Blutdruck erhöht.
Ich weiß, dass das für viele Leute eher eine Hinderungsgrund sein kann, sich dicken Lakritzetüten hinzugeben. Für mich hingegen war der Hinderungsgrund bisher, dass ich Lakritze eigentlich fast überhaupt nicht mag. Allerdings haben neueste wissenschaftliche Tests ergeben, dass mein Blutdruck zu niedrig ist, und deswegen bilde ich mir seit ges-
tern ein, sie zu mögen.

Hier liegen jetzt so Brezeln und so Rauten und so salzige Heringe.
Das ist, was ich gestern auf Anhieb kriegen konnte, ohne ein Lakritzefachgeschäft zu betreten. Das liest sich jetzt ein bisschen so, als wäre ich keck pfeifend an mehreren Spitzenlakritzebesoinbuden vorbeigeschlendert. Dabei weiß ich gar nicht, ob wir so was hier überhaupt haben. Ich bin ja neu in der Süßholzszene.

Normalerweise einmal im Jahr, wenn’s hochkommt, stellt sich bei mir von selbst ein Lakritz-Verlangen ein. Es ist aber wohl eher so ein „mal-zwischendrin-was-Anderes-Ver-
langen“. Das ist schnell gestillt. Und sonst habe ich höchstens mal diese braunschwarzen Schichtdinger aus der Weingummi-Lakritzmischungstüte gefieselt, weil sie entfernt nach Kakao schmecken. Ich glaube aber, die gehen nicht so richtig als Lakritze durch.
Daher werde ich mich jetzt mal der richtigen Lakritze und ihrer Mögung zuwenden.

Aber erst wird gefrühstückt.

Noch mehr Freundinnen

Heute hatte ich mal wieder Lust, was vorzulesen. Ich habe nämlich noch eine schöne Stelle gefunden, in der Freundinnen zusammen Getränke trinken. Mal sehen, ob ich es hinkriege, daraus eine Art Serie zu machen. Bestimmt finde ich aber auch mal ein anderes Thema. *g*

Es handelt sich diesmal um Judith und Tine.
Judith, die Protagonistin und Ich-Erzählerin in Jenni Zylkas „1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann“, ist Textredakteurin einer Morgensendung beim Fernsehen. Ein Job, den sie übrigens nur macht, um ihre Brötchen zu verdienen.

Ihre Freundin Tine ist Wirtin, und die Beiden verköstigen Weine, die Tine eventuell in ihrem Lokal ausschenken möchte. Dabei geht’s dann erst um den Wein, dann um Politik und schließlich noch um den Papst (den alten, das Buch ist von 2003)…


Weinprobe_Zylka

(MP3 – 4,3 Mb)

Rundflug über’m Teetisch

Also heute, aber nur heute darf man ungestraft zu mir sagen: „Du hast ja wohl ’ne ganz schöne Meise…“

Sie saß gerade eben noch auf meinem Fensterbrett, nachdem sie hier tschilpend einmal durchs Zimmer geflogen war. Ich hab’ nämlich das Fenster sperrangelweit auf, und das hat sie wohl interessiert. Nach ihrem kleinen Rundflug saß sie noch eine Weile so da, beäugte mich und die Einrichtung kritisch, und ließ sich ein bisschen von mir bewundern.

Aber als ich gerade anfing, sie auszufragen („Na, wo kommst du denn jetzt her?“), wurde es ihr doch zu bunt und weg war sie wieder. Vielleicht fand sie, das ginge mich ja nun garnix an. Dabei hat sie nicht mal geklingelt oder mal vorher angerufen oder so.

Dupl*…

…gibt’s ja jetzt auch in Zartbitter, habe ich neulich gesehen, als ich an einer Kasse stand. Aber ich hab’s nicht probiert. Muss ich, glaub’ ich, auch gar nicht. So sehr ich erhöhten Kakaoanteil allgemein begrüße, so wenig glaube ich, dass er hier funktioniert. Ich finde nämlich, dass Nougatwaffel und herbe Schokolade nicht gut zusammenpassen.

Dazu fällt mir aber ein: bei B*unty hingegen, da mag ich die Zartbitterversion inzwischen sogar lieber. Die helle war immer ein bisschen zu süß. Ich kenne aber keinen persönlich, dem das auch so geht.

Ach, und immer, wenn ich an der Kasse stehe und Rol*-Röllchen sehe, fällt mir ein, dass es das früher auch mal als Zartbitter-Mint-Variante gab (das war grün eingewickelt, nicht braun), die ich geradezu geliebt habe. Weiß das noch jemand? Also, dass es das gab. Dass ich das so mochte, wird jetzt sicherlich keiner hier…

Und jetzt die Königsfrage: Wer kann sich bitte noch daran erinnern, dass es Caram*c früher auch mit Nussstückchen drin gab? Da war die Schrift auf der Folie dann nicht rot, sondern grün, und das habe ich auch geradezu gel…, – na, gern gegessen halt. Ich werde nämlich bald bekloppt, weil mir das niemand so recht glaubt, wenn ich davon erzähle. Bloß, weil sich außer mir niemand dran erinnert. Also echt!