Informier‘ mir!

Man kann so alt werden, wie man eben so alt wird, aber man lernt ja nu‘ nicht aus…

Aus dem Pressepiegel zur CeBIT (Neue Presse Hannover v. 02.03.2010):ITK-Branche

Und ICH dachte immer, es handele sich hierbei um Informations- und Kommunikations- technologie, die Technologien im Bereich der Information und Kommunikation hübsch zusammenfasst!

Tse…

"Gmmmbllmsklabmfrskefnssrembllgrummrömömötach…,

… – Schröder! Ich rufe wegen … an!“
So melden sich manche Leute am Telefon. Also, das hat mich schon immer gestört.

Wenn ich schon vom Telefon genötigt werde, eine angenehme Tätigkeit wie vielleicht zum Beispiel… – ach nein, ich nehme lieber ein anderes: Stullenessen, zu unterbrechen, dann will ich gefälligst auch wissen, wer da anruft und mir keine Urlaute anhören! Wer keine Lust hat, den Firmenbezeichnungssermon runterzubeten, den der Chef ihm aufgedrückt hat, soll mir lieber e-mails schreiben. Ich kann doch schließlich nix dafür!

Nein, es ist eine Frage der Aufmerksam- und Höflichkeit (och, hübsch, wie effizient ich da 1x -keit eingespart habe!), sich am Telefon anständig zu melden und schön deutlich zu sprechen. Überhaupt scheint mir deuliches Schbrechn ausse Mode su komm. Ich behöre und -obachte(!) auch immer wieder, wie Leute, die von Ausländern nur schlecht verstanden wurden, ihren Text einfach noch mal LAUTER sprechen, statt einfach deutlicher. Die sind ja nun nicht alle taub, die Ortsfremden, die kommen bloß mit verschleppten Silm oft nicht so direkt klar.

Und jetzt muss ich mich mal selber loben, denn das ist DIE Gelegenheit.

Ich arbeitete nämlich mal in einem Feinkost- und Delikatessengeschäft und hatte mich dort am Telefon zu melden mit: „Guten Tag. L. T….. -Gourmet-Service, mein Name ist G……, was kann ich für sie tun?“ Und mein Chef rief gern und oft in meiner Filiale an, weil ich das „sooo schön“ sagte. Auch Kunden versprachen häufig, sofort Appetit zu kriegen. Zumindest lag es nicht an mir, dass der Laden später den Bach runterging, denn da war ich schon lange nicht mehr dabei. Es lag vielmehr an dem Windhund von Chef, der zwar ein ausgesprochen gutes Händchen für Filialleiterinnen hatte, aber leider keines für seri- öse Geschäfte, Finanzen und wie man Mitarbeitern ihren sauer verdienten Lohn auszahlt. Mistfink, der.

Was wollte ich noch sagen? Ach so, ja. Wenn Leute was sagen. Am Telefon oder sonst- wo. Neulich waren im Radio welche, die hatten dort extra angerufen, um ihre Kosenamen zu verraten. Da waren welche dabei, die hießen „Gogo“, „Käsetiger“ oder sogar „Wampi“ und meinten, sie hofften, das hätten jetzt nicht so viele gehört…

Das war in dem Radio bei der Arbeit, das auf der Schreibtischseite der Kollegin steht. Darin läuft so ein Sender, der mir den ganzen Tag praktische Gänsehaut macht. Was an Gänsehaut nun praktisch ist, weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber vielleicht machen sie ja darüber auch bald mal eine Sendung, die würde dann prima ins Programm passen.

Die Gänsehaut kriege ich, weil jeden Tag und immerzu Sachen gespielt werden, von de- nen ich gehofft hatte, dass sie sich inzwischen längst irgendwie verkompostiert hätten. Es scheint aber auch bei Musik sowas wie schwer abbaubare Substanzen zu geben, woraus sich dann „Hits“ von Meatloaf („I would do anything for you…“), Marillion („Kayleigh“), H.R. Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“) und, das Schlimmste, Clowns und Helden („Ich liebe Dich!!!“) zusammensetzen. (Wer sich jetzt erdreistet, mir sowas in die Kommentare zu vertublinken, muss mit rigoroser Kommentarlöschung rechnen. *gg*)

Immerhin, es kommen auch Feine junge Kannibalen („Sie fährt mich wahnsinnig!“), Billy Idol („Fleisch für Fantasie“) und Strangulierer („Immer die Sonne“) zu Gehör. Und kennt vielleicht auch noch jemand „Sing‘ diese Verrostung zu mir!“?

Na, jetzt ist erstmal Wochenende, da schweigt das Radio. Es schnauft nicht mal. Das wiederum habe ich vorhin gemacht, nachdem ich einen 35l-Sack Blumenerde vom Super- laden nach Hause und drei Etagen hoch gezerrt hatte.

Ihr ahnt sicher schon, was ich damit vorhabe…

Hä?!?

Gestern auffer Arbeit:

Telefon. Die Kollegin geht ran, hört, sagt: „…Frag‘ ich mal und melde mich wieder.“
Dann geht sie nach nebenan zu den beiden Kollegen, die im Lager unterwegs sind und ruft:

„Hat einer von euch Beiden Interesse an einem Seh- und Hörtest bei Dr. G., dem Betriebsarzt?“

„Also ich nicht…“

„Hä?!?“

„Ich hör‘ genuch und bin auch froh, wenn ich nicht alles sehen muss!“

„HÄ?!?“

Neuschkeiten von auffer Aabeit.

So.

Ich hab‘ langsam das Gefühl, als würde ich einzelne Abläufe in SAP schon kennen, ohne entweder auf meine Spickzettel zu gucken (mit denen man langsam mal eine Turnhalle auslegen könnte, also, natürlich nicht, während da gerade ein Fußballtraining oder so wä- re, da würde ich dann schon lieber warten, bis das vorbei wär‘, sonst zerknüdelt ja alles) oder meine Kollegin zu nerven.

Das Nervenbündel ist jetzt schon tagelang weg zur Kur, was mir durchaus lieb ist, ande- rerseits bekomme ich jetzt auch nicht mehr so schöne Sachen zu hören wie: „DAS wär‘ mal das Nullplusultra!„, oder am Telefon, zum Lieferanten: „Wir haben im Jahre des Herrn 2004 mal Fleischerboxen bei ihnen bestellt…“ Also, ich würde da ja sofort auflegen.

Aber nun habe ich die Oberhoheit über seinen Tisch und seinen Rechner und habe sogar schon mal den Tacker ein paar Zentimeter verschoben! Wollte nur mal sehen, was dann passiert. Ist aber kein durchdringender Pfeifton erschollen oder irgendwoher eine Gruppe dunkel geschminkter Männer in Montur und mit Gewehren und Messer quer im Mund erschienen. Eigentlich schade.

Auf den Rechner muss ich übrigens immer aufpassen, weil ich noch immer keinen eige- nen Account habe und mich die Kollegin morgens als das Nervenbündel anmeldet. Und wenn man gerade mal nicht hinguckt, wirft sich das Gerät in Standby und hält eben schnell ein Nickerchen. – Und dann muss man sich tatsächlich wieder neu anmelden… Die Kollegin ist praktisch nur dabei, um den Tisch zu laufen, um mich und die Maschine wieder arbeitstüchtig zu machen. Vielleicht schaffe ich mir so eine kleine Aufziehmaus an, die ich an die PC-Maus dranbinde, damit die immer mit ihr spazierenfährt. Schließlich will ich ja auch mal woanders hingucken oder muss sogar gelegentlich einen Aktenordner suchen. – Ach, und dann lerne ich ja auch noch neue, schöne Wörter!

Montag habe ich „Mutterschutzkappe“ gelernt. Ich dachte ja immer, diese Dinger hießen was „Dia-…“ vorne, aber nö.

Und heute gab’s tatsächlich „Spurtschrauben“! Das sind sicher solche für Sportler, die sich beim 300m-Lauf nebenbei noch fix ein Telefontischchen zusammenspaxen wollen…

Oh, what a whole lot of Wiederholungen…

So. Also, seit gestern neuer Job.

Der Mann, der mich da einarbeitet, wäre ein Nervenbündel, wenn er denn irgendwie ge- bündelt wäre. Stattdessen fliegt er einem quasi in Einzelteilen um die Ohren, seine unzusammenhängenden Erläuterungen ebenso. – Hektik und Unkonzentriertheit, Eure Namen seien der, den ich hier bestimmt nicht hinschreiben werde!

Jungejunge.

Und ich bin die Vetretung von dem Typ, wenn er nächste Woche in die Kur fährt. Die Kur, die er offenbar schon vor Jahren mal längst hätte antreten sollen. Und jetzt muss ich ganz schnell SAP lernen, was für mich normalerweise wohl kein Problem wäre, wenn wir mal auch nur einen Vorgang von Anfang bis Ende komplett durchgehen könnten. Das ging bis- her nicht, weil z.B. gestern andauernd Kollegen unter irgendwelchen Vorwänden reinliefen (dabei wollten sie bloß mal „Aushilfe gucken“). Also musste jede Erklärung sofort mitten im Satz unterbrochen werden, damit stattdessen jeder Einzelne zur Belohnung die irre spannende Geschichte der vorgestrigen Darmspiegelung(!) des Kuristen erzählt kriegen konnte. – Und die des kaputten Heizkessels noch obendrauf für die, die echt Geduld hatten oder einfach länger gucken wollten.

Mein Tagesabschluss lautete gestern dann ungefähr: 30x Darmspiegelungsgeschichte, 20x Heizungskesselkaputtgehschilderung. Und beides wurde auch beim erneuten Zuhören nicht witziger, obwohl der Kollege sich wirklich Mühe gab. Das muss man schon sagen… ER hat jedenfalls jedesmal gelacht!

Heute war dann dran: Schneeschippgeschichte. Und wie ihm dabei die Schaufel von seinem Salzspaten abgefallen ist. Sowas Komisches! (25x bestimmt.)

Morgen kommt dann vielleicht: „Wie ich mir gestern Abend noch ein Wurstbrot belegt habe. Das haste noch nicht erlebt!.“ Mal sehen.

Jedenfalls taste ich mich nebenbei durch SAP, superkomplizierte Bestell-, Rücklauf- und Dokumentationslisten, knuffe mich mit BANF-Nummern, traue mich auch schon mal ans Telefon, loche und hefte, dass es nur so eine Art hat. Und jedesmal, wenn ich eine ganz bestimmte Liste öffne, bekomme ich gesagt: „Wie gesagt, sie müssen die nicht führen, ich habe mir die mal so angelegt, wie sie das dann machen, ist ihnen überlassen, wie gesagt.“ (50x, fast.) Und dazu ununterbrochenes Kuligeknipse und Fußgescharre. Wenn der so weitermacht, gehe ich Montag aber auch in Kur!

Ansonsten sind die Kollegen aber ausgesprochen nett und morgen ist dann auch die Dame wieder da, mit der ich in den nächsten 6 Wochen zusammenarbeiten werde.

Auf die bin ich jetzt aber wirklich sehr gespannt.

Nachtrag:

Die Kollegin ist zum Glück nett, seeehr ruhig und hat mir schon zu verstehen gegeben, dass es ab nächster Woche weniger hektisch zugehen wird. *zwinkerzwinker*

Kantapper, kantapper…

Heute galoppier‘ ich nur mal schnell so durch…
Ich hab‘ nämlich gleich ein Vorstellungsgespräch. Dabei geht’s zwar nur um einen kleinen Übergangsjob für 6 Wochen, aber der ist wenigstens gut bezahlt und wenn man mich dort in guter Erinnerung behält (woran ich natürlich arbeiten werde), könnte später mal was richtig Interessantes draus entstehen.

Und wenn ich wiederkomme, lege ich mich für’n Stündchen auf’s Ohr, weil ich heute Abend mit Freundin S. und ihrem Mann auf ein ganz duftes Konzert (Depedro) gehe, wo ernsthaft ich vorhabe, einige Bierchen wegzutrinken, mich zu amüsieren und mal wieder so’n büschen umzugucken.

– Ja, man hat eben zu tun. Bis morgen (frühestens mittach!) dann!

Schluss! Aus! – Das war’s!!!

So ein Blog-Reprise ist schön und gut und hat (mir zumindest) reichlich Spaß gemacht, aber jetzt wird gefälligst wieder frisch und der Nase nach gebloggt!

Inzwischen ist bei der Bromine natürlich viel passiert. Also eigentlich sind den ganzen Januar durch ständig irgendwelche Sachen passiert. Aber das ist ja eigentlich immer so, dass im Januar Sachen passieren. Sogar bei anderen Leuten ist das so. Irgendwas ist ja immer. Aber von dem, was hier so passiert ist, habt Ihr eben kaum was mitbekommen. Und das ändert sich jetzt.

Wartet, gleich… – Soll ich?

Na gut. Also, am 1. Januar hab‘ ich…, – am 2. Januar dann…, – und am 3. erst, hoho!
Nein, ich mach‘ nur Witze.

Ich fasse mal lieber eben knappst zusammen: Arbeit, tiefe Freundschaft, Kummer, Lese- berge, glatte Schnitte, Stellensuche, Zankerei, „Eisenbiegerei“, Bewegung, Erkenntnisse, die Neuerfindung des Zwerchfells, innere Ruhe (da wo ich gar keine vermutet hätte), und: Stärke. So ungefähr war bisher mein Januar.

Was den Kummer angeht: Ein paar von Euch haben’s mitgekriegt. Den Anderen muss es eben so reichen.

Außerdem hatte ich Dienstag meinen letzten Arbeitstag. Vertrag ist um. Bisher habe ich fast alles, was mit meinem Job des letzten Jahres zu tun hatte, als „Freundeseintrag“ gepostet, so zur Sicherheit. Der Job war von der Aufgabe her schön, abwechslungsreich, und passte wirklich gut zu mir. Was gar nicht passte, war die einzige Kollegin in der Abteilung, über die ich mich mal lieber nicht weiter auslassen möchte. Jetzt nicht der Sicherheit wegen, sondern weil ich mich sonst bloß gleich wieder aufrege, mir die neue Frisur raufe, hektische Flecken kriege, mir die Galle überläuft… Und das soll ja nun alles mal schnell Vergangenheit werden. Die Verabschiedung war knapp und der aufmerksame Zuhörer hat sicher Steine fallen hören. Zumindest müssten da auch Löcher im Boden sein.

Der Abschied von den Chefs und den Kollegen der anderen Abteilungen war hingegen anerkennend, rührend, herzlich und trotz Allem aufbauend. Wer weiß, vielleicht sieht man sich sogar mal wieder. Nun bin ich also mal wieder auf Stellensuche, schreibe fleißig Bewerbungen, und ein paar Sachen sehen dabei schon besser aus als Andere, deshalb bin ich zuversichtlich, dass auch bald was klappt. In ein paar Tagen fahr‘ ich zum Beispiel in die Wedemark. Da war ich noch nie, aber ein früherer Schwarm von mir ist dort aufge- wachsen, deswegen kann es da ja so schlecht nun nicht sein. Leider ist der Schwarm inzwischen groß und wohnt meines Wissens in Berlin, aber da fahr‘ ich bestimmt auch bald mal wieder hin. (-Um mein Väterchen zu besuchen! Was denkt Ihr denn?)

Zuvor geht’s aber nach Köln, denn es ist bald ISM und ich kann an fast nix anderes mehr denken…

* * * * * * * * *

Doch, an eins noch:
Gestern um 18 Uhr 18 überknackte tatsächlich jemand die Marke der drei Millionen Seitenaufrufe.
3_Mio_u_eins

Diesem 3.000.001. Besucher gebühren selbstverständlich Blumen und Konfetti!

Blumen_u_Konfetti

Und allen weiteren, die hier seit dem 30.4.2007 vorbei- und reingelesen haben, sowieso.
(Meinetwegen sogar den Gockle-Bots…)

Blumen & Konfetti für alle!!!Und natürlich: Danke.

Eure Theo

Mariah, mach‘ Du’s!

(Erstveröffentlichung: 28. April 2008)

Eben habe ich bei den Herrschaften, die mir freundlicherweise und ganz selbstlos meine e-mail-Adresse bereitstellen, gelesen, wofür Promis manchmal so Assistenten beschäf-
tigen. Jessica Simpson hat demnach einen Assi, der nix anderes tut, als Badeanzüge für sie anzuprobieren. Soso. Mariah Carey und Jennifer Lopez haben jemanden, der sich ausschließlich darum kümmert, dass ihre Möpse auf Film und Foto immer gut ausseh- en. – Also, jede hat natürlich ihren eigenen Assistenten dafür. Selbstverständlich. Denn sonst müssten sie ja immer gleichzeitig überall hin, und das hielte ja schon keiner aus. Und wenn dann noch Celine Dion denselben Busenspezialisten hätte…

Sylvester Stallone steigt übrigens in keine Boxershorts, die nicht mindestens auf 25 °C vorgewärmt sind (da stand noch mehr, aber den Rest lasse ich lieber weg). Und vor Jahren hatte ich auch schon mal so was gelesen, weiß nicht mehr, um wen es genau ging, ich glaube, um Barbra Streisand: Wenn sie auf Tour ist und dann in Hotelsuiten logiert, müssen dort im Badezimmer immer ganz bestimmte Blüten in der Kloschüssel schwimmen. Mir tut Frau Streisand eigentlich leid, wenn sie bestimmte Sachen nur kann, wenn meinetwegen Gerbera drunter dümpeln. Hoffentlich kommt die arme Diva nie in die Verlegenheit, mal spontan irgendwo irgendwas zu müssen und es ist gerade kein Blumenladen in der Nähe. Und hoffentlich wird sie nicht eines Tages als Gerbera wieder- geboren.

Ich verstehe natürlich, dass solche Marotten was damit zu tun haben, sich auch unter-
wegs im Hotel oder in Stargarderoben wenigstens ein bisschen wie zuhause fühlen zu können. Wenn das nur geht, wenn ein Körbchen mit ganz bestimmten Süßigkeiten oder Obst-, oder meinetwegen auch Biersorten bereitgestellt wird, oder ein besonderes Par- fum versprüht wird, dann geht das eben nur so. Aber sicher geht’s dabei auch darum, sich etwas bunter und schillernder zu präsentieren und ordentlich Gesprächsstoff für Gazetten zu liefern.

Das bringt mich jetzt aber schon darauf, mal zu überlegen, was ich mir denn so alles wünschen würde…

Was mir zuerst einfällt, wäre natürlich ein Leibkoch, der mir Tag und Nacht auf Zuruf an-
ständige Bratkartoffeln macht. Vielleicht auch mal was anderes zwischendurch, aber Bratkartoffeln müsste er schon richtig gut können. Das ist aber eigentlich zu einfach. Ein Konditor, bzw. Confiseur, der mir täglich die dollsten Torten und Pralinen erfindet? Auch nicht schlecht. Aber eigentlich immer noch viel zu einfach.

Vielleicht jemanden, der die Türklinken daran hindert, nach dem Runterdrücken zu rasch wieder hochzuschnellen? Das konnte ich noch nie leiden. Oder jemanden, der mein Haar nachts im Schlaf alle paar Stunden vorsichtig durchkämmt, damit ich morgens nicht immer so strubbelich bin? Der könnte mich dann auch gleich nachts schminken, damit ich morgens auch mit einem leichten Make-up, Wimperntusche und Lidschatten erwache, wie diese Frauen in den amerikanischen Filmen immer.

Vielleicht hätte ich einen Assi, der auf Galas hohe Schuhe für mich trägt, damit ich trotzdem gut aussehe, obwohl ich auf den Dingern nicht laufen kann. Und wäre ich beispielsweise als Sängerin berühmt geworden, dann hätte ich vielleicht jemanden, der mir vor dem Konzert die Stimmbänder schön einsingt. Im Gegenzug würde ich mich übrigens um mein Dekolletee komplett selber kümmern. Das ist mir ohnehin viel lieber.

Auf Fotos sehe ich fast immer schrecklich aus, darum würde ich verfügen, dass von mir überhaupt keine Aufnahmen gemacht werden dürften, sondern höchstens Zeichnungen oder Skulpturen angefertigt. Das Hotelzimmer, in dem ich bereit wäre, zu nächtigen, müsste immer unbedingt am Meer sein, aber dennoch mit Blick in den hässlichen Innenhof des Hotels, auf die Mülltonnen vielleicht. Das allein würde meiner Kunst den richtigen authentischen Impuls geben, während ich die leckeren Bratkartoffeln äße.

Ach, eigentlich, dieses ganze Täterää ums Berühmtsein würde mir sicherlich gar nicht gefallen: Interviews und Autogramme geben, morgens Papparazzi in der Garage vorfin- den, und, im schlimmsten Fall, mich vom Gottschalk auf seinem Wetten dass-Sofa 10 Minuten blöd anwanzen lassen und den Rest des Abends zwischen Dings Hilton und Götz George sitzen. – Geh mir weck!

Und deshalb macht das ja auch freundlicherweise die Frau Carey für mich. Nett von der.

Da hat man dann die Quittung.

(Erstveröffentlichung: 13. Oktober 2007)

Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich früher eine Zeitlang gekellnert habe…

Und vor ein paar Tagen fiel mir plötzlich und mittenmal wieder diese kackfreche Kollegin ein, die ich damals in dem einen Altstadtlokal hatte. Sie war ca. 1,50 groß, hatte das Temperament eines aufgezogenen Tschingderassabumm-Äffchens und hieß irgendwie Silke oder Sandra oder so.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund genoss sie totale Narrenfreiheit, was den Umgang mit Gästen anging. Der Chef, sonst Choleriker mit starkem Drall zum Alkoholmissbrauch, schmiss nach uns anderen schomma Töpfe oder drohte uns mit dem Messer, wenn wir zur Unzeit was von ihm wollten. Eine Bestellung für den Gast zum Beispiel.

Silke dagegen riss einfach die Klappe auf, nannte ihn „nicht ganz dicht“ oder „wohl schon wieder hacke“, drängte sich an ihm vorbei und holte sich einfach, was sie brauchte. Da lachte der nur. Silke durfte alles. Als wir mal spanische Messegäste hatten, die sich lei- der wie Sau benahmen, unverschämt waren und dann nicht mal das kleinste bisschen Trinkgeld gaben, schrieb sie ihnen nicht „Speisen und Getränke“ auf die Quittung, sondern setzte stattdessen „Klappräder und Gummimäuse“ ein.

Als dann im Sommer mal wieder Altstadtfest war, engagierte der Chef eine nette Klofrau, die 50 Pfennig Zoll erheben sollte, wenn Leute unseren Laden nur zum Pinkeln betreten wollten. Das war total sinnig, denn draußen schoben sich bierseligen Massen nur so vorbei, die Bude war auch voll mit richtigen Gästen, und ständig rannten Pinkeltrüppchen durch den Laden. Wenn es die gute Klofrau nicht gegeben hätte, hätte das Kabäuschen schnell ziemlich fies ausgesehen. Und darum sollte sie dann eben auch gut entlohnt werden.

Ein Pinkelgast regte sich aber über dieses „unverschämte Gebaren“ sehr auf und wandte sich blöderweise ausgerechnet an Silke, um sich lautstark über den „gepfefferten Preis“ zu beschweren. Der Chef stand übrigens auch dabei, aber der Gast hatte sich ja nun Silke ausgesucht. Sie ließ ihn einfach erstmal reden und fragte dann ruhig, was er denn jetzt genau von ihr wolle. Überrascht überlegte er kurz und meinte, er wolle eine Quittung! Beifall heischend sah er sich um, ob auch alle zuhörten und wiederholte: „Genau. Eine Quittung über die 50 Pfennig! Dann reiche ich das beim Finanzamt ein! So!“

Silke verzog keine Miene, holte den Block raus, schrieb ihm in aller Seelenruhe eine Quittung und stempelte sie ordentlich ab. Wir warteten unauffällig gespannt, denn wir kannten sie ja nun. „Sooo, bitte. Hier habense ihre Quittung über ihre 50 Pfennig, der Herr!“ Sie faltete das Papierchen noch einmal ordentlich zusammen und lächelte den Verärgerten versöhnlich an. Er steckte das Papier in die Tasche, klopfte da noch mal drauf und meinte: „Na also! Schön! Das kann ich doch bestimmt von der Steuer ab-
setzen…“
Und damit verließ er erhobenen Hauptes das Lokal als Sieger.

Wir guckten natürlich neugierig, da drehte sich Silke zu uns um, grinste und meinte: „Da wird sich der Finanzbeamte aber schön wundern. Ich hab’ dem da gerade für seine 50 Pfennig ’nen schönen Bordellbesuch draufgeschrieben…!“

HA!

(Erstveröffentlichung 24. August 2007)

Vor ein paar Jahren musste ich mal ein paar Monate in einer Firma arbeiten, die ich sehr bald nur noch „Die Kackbude“ nannte. Mir wurde der Arbeitsvertrag geradezu aufgenötigt, obwohl ich sogar extra mit zerknüllter Bluse und gelangweiltem Gesicht zum Vorstel- lungsgespräch erschienen war, bei dem ich dem Chef auch noch ständig ins Wort fiel und ihm widersprach, wo ich konnte. Das schien ihm entweder zu imponieren, oder gar nicht erst aufzufallen. Er wollte mich unbedingt als Marketingtante einstellen, obwohl ich ihm bestimmt fünfmal gesagt hatte, dass ich von Marketing so viel verstehe wie meinetwegen ein Konditor vom Trampolinspringen.

Die Firma, für deren Marketinggeschicke ich nun zuständig war, vertrieb Software für Kon- strukteure und Architekten. Im Grunde waren das alles Vertreter. Man sagt ja, dass das schon irgendwie eine Gruppe für sich ist, mit ganz eigenen Regeln. Nachdem ich heraus fand, dass offensichtlich niemand genau wusste, was eine Marketingfrau eigentlich so zu tun hat, machte ich einfach, was mir so einfiel, oder was man mir hinlegte.

Der Chef hieß B. und begann jeden Ausspruch mit der Einleitung: „Ich sach’ mal, halt, was könn’wir tun, was könn’wir machen, das ist dann halt die Sache, halt…“ Das machte mich ganz irre, und ich musste bald sehr aufpassen, ihm nicht aus Daffke genauso zu antworten.

Alles, was nicht so anfing, wurde gebrüllt. Und wie! Herr B. genoss es sichtlich, eine At- mosphäre von Angst und Schrecken zu verbreiten. Alle Kollegen sahen immer so aus, als wollten sie lieber zum Schutz unter den Tisch kriechen. Nur ich wieder nicht. Ich blieb ganz unbeeindruckt und antwortete jedes Mal in gut gelauntem Plauderton. Einmal mach- te ihn das so rasend, dass er tatsächlich anbot, mir den Hals umdrehen zu wollen. Ich lehnte das aber genauso ruhig ab wie alles andere. „Ach nein danke, Herr B., ich hab’ ja auch zu tun.“ Hinterher wollte er das als „Scherz“ gemeint haben. Deswegen also hatte ich so lachen müssen.

Die Kollegin, mit der ich in ein Büro gesetzt wurde, war 22, hatte unterm Bauchnabel so eine Tätowierung, die man wohl normalerweise auf der anderen Seite hat, wo sie dann „Geweih“ heißt. Der Rest von ihr sah wie etwas, dass man erst aus einem rosa Karton pellen muss. Und im Nebenkarton wohnt Ken. Trotzdem verstanden wir uns gut, denn der Rest der Belegschaft war männlich und nicht zum Aushalten.

Ich will sie nicht alle beschreiben, aber in einem Büro saßen z.B. ein Zweitmeterzehn- Mann und ein Terrier von höchstens 1,60 m zusammen, die nebeneinander einfach zum Schießen aussahen. Der Eine bog sich über seinen Schreibtisch wie ein Geier, während der Andere kaum über die Tischkante gucken konnte. Aus der offen stehenden Tür ihres Büros hörte ich immer wieder ein Geräusch wie von einem Nagelknipser, so etwa alle halbe Stunde.

Später fand ich heraus, dass der Geier sich nicht etwa in Zeitlupe die Nägel schnitt, son- dern so ein schickes Knipsfeuerzeug hatte, mit dessen Hilfe er den Terrier mit Zigaretten- rauch einnebelte. Bestimmt, um dessen doofes Gesicht nicht sehen zu müssen. Leider musste er ihn trotzdem weiterhin hören und darum beneidete ich ihn auch nicht gerade. Der Terrier war nämlich nie für irgendwas zuständig oder verantwortlich und sprach in „Wir“-Sätzen, wenn er „Du“ meinte. Zudem kam er aus Sachsen, was man deutlich hören konnte: „Ham wiör dännschö die CäDähs geprannd?“ Und er war ordentlich scharf auf die Barbie-Sekretärin, erklärte ihr ständig die Welt und merkte nicht, dass sie davon völlig unbeeindruckt blieb.

Eines Tages bekamen wir neues Geschäftspapier. Für Hannover und für Hamburg. Damit da keine Verwechslungen aufträten, sollten die Kartons beschriftet werden. Die Beschrif- tung nahm der Chef persönlich vor, mit dickem Filzschreiber. Ein Stapel Kartons wurde mit „H“ beschriftet, ein Stapel mit „HA“. Ich wollte dazu lieber ausnahmsweise nichts sagen. Wir mussten dann jedes Mal überlegen, welche der Kartons nun für welche Stadt waren, bis die „H“-Kartons endlich nach Hamburg gebracht wurden. Übrig blieben dann im Flur der hannöverschen Niederlassung diese Kartons, die sich offensichtlich genauso über die Verhältnisse dort amüsierten wie ich…

lustige_kartons