Zurück zuhause. Im Briefkasten war lauter gute und sogar tolle Post, das ist auch selten. Dafür ist der Kühlschrank leer bis auf eine Tube Tomatenmark, ein Glas Tahina und eine schöne Pulle Schokolikör. Wer dafür ein Rezept hat, darf’s mir schicken. Zum Glück fährt aber der gute Freund M. gleich mit mir einkaufen. Ich weiß schon, was ich mir in den Einkaufswagen häufen werde: Himbeerbollos. Viele. Da, wo ich war, herrschte Bollodürre. Trotzdem fahre ich wieder hin, sobald es geht, denn die Nusstörtchen da… Ich gebe zu, das ist nicht der einzige Grund.
Zum Zurückkommen gab’s aber auch Grund. Der M. hatte Geburtstag, den wievielten verrate ich nicht. Aber er hatte es sich in den Kopf gesetzt, den Grill anzuwerfen. Hat es eigentlich irgendwo nicht geregnet am Samstag? Da waren wir jedenfalls nicht, sondern in Hannover. Ich kam vom Bahnhof (übrigens auch diesmal: keinen Grund zum Meckern über die Bahn gehabt, außer, dass der Mann neben mir Käsemauken hatte, aber darüber…), fuhr mit der Bahn bis Linden, – wurde nass.
Schmiss zuhause den Inhalt des Koffers in den Wäschekorb, zog mich schnell um, fuhr mit dem Fahrrad zur Party, – wurde nass.
Setzte mich dort an den Ofen, trocknete, tratschte mit Freundin M. und Freundin S., freute mich, den guten C. mal wieder zu sehen, während sein kleiner Hund vom jüngsten Partygast (Matilda, 1 Jahr 4 Monate) um Tische und Bänke gejagt wurde. Freund M. kann jetzt die nächsten Wochen damit zubringen, zu lesen, dabei „White Stripes“ zu hören, zu rauchen wie ein Schlot, und dazu Honig zu schlecken, weil er eigentlich alles doppelt und dreifach geschenkt bekommen hat. Gut, dass er noch Urlaub hat. Ich versuchte, eine Forelle im Halbdunkeln zu grillen, zu essen und auch bei mir zu behalten, als plötzlich am Tisch über Aggregatzustände verschiedener Lebensmittel gesprochen wurde. B. trank aus Versehen (war dunkel) alkoholfreies Bier und wurde trotzdem so lange betrunken, bis wir ihn aufklärten. Da ich Hannöversches Bier bevorzuge, kann mir das nicht passieren, denn das erkenne ich auch im Dunkeln an der Flaschenform. Deswegen war ich auch um elf schön angeschusselt und müde, verabschiedete mich, fuhr nach Hause, – und wurde nass.
Gestern war ich dann auch nur mal kurz draußen. Zum Brötchen holen.
„Nein, ich hab‘ jetzt nur Brötchen. Ich dachte, das wäre eventuell eine gute Idee.“
„Aber wenn Du ohnehin losgehst, dann hättest Du doch gleich noch Brötchen mitbringen können!“
„Brötchen? Wieso? Wolltest Du denn welche?“
„Ja, Du wolltest doch welche holen!“
„Naja, ich war in diesem Laden, dieser Bäckerei, eigentlich um Brötchen zu holen. Und da hab’ ich gedacht: Wenn du schon hier bist, kannste ja gleich auch noch Brötchen mitbringen.“
„Tolle Idee! Und? Hatten sie welche? Brötchen, mein’ ich.“
„Ja, hab’ ich gleich mal welche mitgebracht. Die werden Dir sicher gefallen, schau mal. Aus der Bäckerei.“
„Ach. Das ist ja irre! Da in der Brötchentüte? Guck‘ ich gleich mal. Aber sag‘ mal, wenn Du in der Bäckerei warst, dann hättest Du ja sogar Brötchen mitbringen können! Oder haben sie keine gehabt? Hast Du denn gefragt?“
„Ja, ich habe schon daran gedacht, dort mal danach zu fragen. Aber dann habe ich doch lieber ein paar Brötchen mitgebracht.“
„Echt? Brötchen? Wenn ich ehrlich bin, wollte ich doch aber lieber ein paar einfache Brötchen haben! Da hatte ich mich so drauf gefreut. Naja, wird schon gehen…“
„Naja, ich ging halt so auf die Bäckerei zu, dachte: ach, holste mal so Brötchen. Deswegen war ich ja überhaupt auch erst losgegangen, weißt Du? Und als ich so im Laden stand, und die ganzen Brötchen sah, habe ich völlig vergessen, nach Brötchen zu fragen. Dann hab’ ich einfach Brötchen gekauft, ohne groß drüber nach zu denken.“
„Aha. Du! Brötchen! Mensch! Das sollten wir denen überhaupt mal vorschlagen da, dass sie auch Brötchen verkaufen. Das ist doch die Geschäftsidee! Die werden uns dankbar sein.“
„Genau! Gleich morgen gehen wir da mal vorbei und fragen, ob sie sich das vorstellen könnten, auch Brötchen zu verkaufen. Ich mein’, das würde ja auch total gut ins Sortiment passen da. Zu den Brötchen und so. Ist doch auch Gebäck.“
„Die werden vielleicht erst mal skeptisch gucken, aber wenn sie den Gedanken mal zulassen und es einfach mal ausprobieren… Bestimmt gibt’s auch noch andere Leute, die sowas kaufen würden. Zum Frühstück oder so. Vielleicht sogar belegte. Das ist doch was für alle Tage!“
„Und wenn der Rubel dann erstmal rollt, werden sie uns noch dankbar für die Anregung sein. Schade, dass wir jetzt gar keine Brötchen haben. Das wäre jetzt schön, oder?“
„Aber wir können ja stattdessen die Brötchen essen, die Du mitgebracht hast. Da kann ich jetzt irgendwie auch total drauf. Die sehen aber lecker aus!“
„Da bin ich aber froh. Ich dachte schon, ich muss noch mal los…“
Freundin T. hat Schuld. Vor ein paar Wochen hat sie mich mit Himbeerbollos infiziert. Ein berühmter Hersteller von so Hustelutschsachen hat eine neue Sorte mit Himbeergeschmack in so niedliche kleine Schachteln getütet und Freundin T. ist denen prompt auf den Leim gegangen und hat sie probiert. Und mir begeistert davon berichtet. Also habe ich auch probiert, und das habe ich jetzt davon. Ich kann nicht mehr ohne. In Hannover gibt’s die Dinger an jeder Ecke zweimal. Da, wo ich zurzeit weile, nirgends.
Nicht im Superladen, nicht im Kaufhaus, nicht in der Drogerie. Ich war überall. Freundin T. wird mir eine Schuhneubesohlung springen lassen müssen, das ist das mindeste! Ich sitze hier in einer fremden Stadt, die so schön sein könnte, wären die Einwohner fähig und willens, Himbeerbollos einer ganz bestimmten Sorte feilzubieten oder im Laden danach zu verlangen. Mir ist nämlich schon ganz blümerant. Wenn ich nach Hause komme, kaufe ich sofort eine Anstaltspackung und kippe die Hälfte davon in meinen Koffer, damit mir das nicht wieder passiert!
Vorhin wieder. Beim Pennie-Markt. Ich stehe in der Kassenschlange, lehne mich gemütlich mit aufgestützten Armen über den Einkaufswagen, will noch den Fuß… und trete heftig ins Leere. Als wollte ich eine unsichtbare Mofa starten. Die blöden Wagen bei Penny haben nämlich keine Querstange unten dran, auf die man seinen Fuß setzen könnte. Dauernd passiert mir das! Und ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin, der das so geht. Wahrscheinlich muss ich erst ausrutschen und dabei unglücklich hinfallen, Pennie auf Millionen verklagen und Recht bekommen, bevor die sich da mal vernünftige Wagen mit Theobrominen-Fußstützen anschaffen. Überhaupt: Einkaufswagen!
Ich erinnere mich: Als es noch ganz neu war, dass man in die Wagen 1,- DM Pfand reinstecken musste, wurde man oft von Leuten angesprochen, die einem den Wagen verlegen grinsend „abkaufen“ wollten, noch bevor man ihn wieder anketten konnte. Heute passiert einem das nur noch sehr selten.
Dazu habe ich hier zwei Theorien vorliegen: Die erste besagt, dass die Wagenabkäufer zu oft zu hören bekamen: „Geht leider nicht. Da ist so ein Plastikding drin!“ Die zweite Theorie besagt, das lustige Wagenabkaufen war anfangs eine kollektive Neusituations- bewältigungsmaßnahme. Wagenpfand will erstmal gemeinsam ulkig gefunden werden, bevor es zur Normalität wird. Danach ist lieber wieder jeder mit seinem Wagen allein und es kommt einem auch nicht mehr doof vor, zu warten, bis der Vorbenutzer das Ding ganz zurückgebracht und mühselig angekettet hat, bevor er endlich genau so eine Münze daraus hervorholt, wie man selber vorhat, hineinzustecken. Eine Theorie ist von mir, eine nicht. Wahrscheinlich stimmen beide.
Was Schönes habe ich übrigens neulich in einer außerhannöverschen PLÜS-Filiale erlebt: Nur eine Kasse geöffnet, lange Schlange davor und die Kassiererin eine echte Walküre. Riesig, rosig, kräftig, sogar muskulös, mit Donnerstimme. Sie zieht 6er-Packs Wasser- flaschen bestimmt über den Scanner wie nix, um dann die zu zahlende Endsumme dem ganzen Laden bekannt zu geben, und dazu noch das, was ihr sonst so dazu einfällt. Das hat mich schon belustigt.
Am schönsten ist aber, dass sie diese dreieckigen Warentrenndinger aus Plastik jeweils mit so viel Schmackes zu den anderen in die Schiene am Gummitransportband hinein- pfeffert, dass das jeweils hinterste Teil mit Karacho herausschießt und im ungünstigen Fall einen unvorsichtigen Kunden trifft, der da grade seine Milchschnitten und Olivengläs- chen auf’s Band packen möchte. Ansonsten fliegt es eben meterweit und es gibt einen ordentlich lauten Knall, wenn es zu Boden scheppert. Und irgendwer bückt sich bestimmt, um das Ding aufzuheben, als auch schon wieder das nächste angeraketet kommt. Die Kassiererin lässt sich aber nicht anmerken, ob sie das extra zur inneren Belustigung macht, oder gar nicht erst mitkriegt. Aber plötzlich reden wieder alle miteinander, und es werden belustigte Blicke und Bemerkungen getauscht. Ganz genau wie anfangs bei den freizukaufenden Einkaufswagen.
Nee, nicht CSD. Das ist ja was ganz anderes und dieses Jahr auch schon gewesen…
SCD kann man immer haben. Wann man will. Ich selbst habe mich noch vor zwei Tagen dabei erwischt, wie ich vor meinem Schrank stand und zu ihm sagte: „Ich hab’ irgendwie garnix anzuziehn!“ Peinlich. Allerdings liegt das daran, dass mir erstens die Mode der letzten paar Jahre oft nicht recht behagt, ich zweitens neulich ganz viel weggeschmissen habe und drittens meine Piepen zusammenhalte, wenn’s geht. Aber der Ausspruch rächte sich prompt. Ich hatte nämlich noch am selbigen Tag ein tolles „Magazin“ im Briefkasten: Es heißt „For me“ und ist ein Kundenmagazin von Protector & Gähnbel. Darin zu lesen auf Seite 15 unter folgender Überschrift:
Also, ich als Frau habe natürlich schon von der Anlage her immerzu die dollsten Gefühle. Das ist ja bei uns so eingebaut. Ab Werk, quasi. Deswegen müssen wir ja z.B. auch immerzu heulen und können auch keine Bierkisten tragen. (Also, wenn ich mal welche tragen soll, kommen mir jedenfalls immer die Tränen, das hat noch jedes Mal gewirkt.)
Aber es gibt nun wohl ein „Gefühl, das jede Frau kennt.“ Also wahrscheinlich bedeutet das, dass jede Frau dieses Gefühl schon mal hatte (ein viel benutztes, also), und nicht, dass es ein Gefühl gibt, dass so ein dickes Adressbuch hat, dass es alle Frauen kennt. Ist ja auch egal jetzt.
Die Wissenschaft hat es nun aber erforscht, das Gefühl. Es heißt SCD. Und jetzt festhalten! Denn das bedeutet: Seasonal Clothes Disorder bzw. „Jahreszeitlich bedingte Kleidungsstörung“. Ich musste mehrfach lesen, aber das stand da wirklich!
Und damit Ihr mir’s glaubt:
Verdammt, ich muss sofort Vanilletee kaufen, denn ich habe eine Kleidungsstörung!!! Hoffentlich finde ich einen guten Therapeuten! Vielleicht auch eine Selbsthilfegruppe, denn nicht nur mir geht es so schlecht… Auch diese Frau hier ist total verzweifelt und klagt den Baumwollgöttern ihr Leid.
Dabei müsste sie bloß mal nach unten gucken, da steht ja die Lösung. Grob zusammen gefasst, besteht sie aus folgenden Tipps:
1) Accessoires an die gestörte Kleidung pinnen, z.B. Ansteckblüten aus Wildleder (aha).
2) Im Internet einzwei schicke Gürtel ersteigern (soso).
3) Topmoderne Ketten und Ohrringe anbringen (hm, hm).
(Meiner Meinung nach ist das ja eigentlich nur ein Tipp, aber da kommt ja noch was: )
4) Klamottentausch-Party mit Freundinnen machen.
Na, die kennen meine Freundinnen nicht! Die haben doch ganz unterschiedliche Figuren, die guten. Bei einer Hose von Freundin T. wären mir die Beine viel zu kurz, bei einem Kleidchen von Freundin M. kriegte ich schomma den Reißverschluss gar nicht zu und Freundin S. wird bestimmt ihre Cowboystiefel nicht rausrücken und stattdessen nach Prosecco und Schnittchen verlangen. Die Freundinnen hätten natürlich ähnliche Probleme mit meiner Garderobe, und großartig was zu bieten hätte ich auch nicht, denn das, was ich kürzlich nicht weggeschmissen habe, will ich ja schließlich behalten. Das gibt doch bloß Gezeter. Muss ich mich wohl mit meiner Störung abfinden.
Vielleicht gibt’s ja bald ein lustiges Medikament dagegen. In Größe 38, bitte.
Wenn ich will, kann ich mich in einer Tour über Kleinigkeiten aufregen. Meistens will ich das zwar nicht, aber manchmal komme ich irgendwie nicht dazu, was nicht zu wollen.
Es fing meines Wissens damit an, dass ich vor ein paar Tagen den Fernseher anmachen wollte, um „Die Ludolfs“ zu gucken. Da waren aber keine Ludolfs drin. Nicht mal was anderes. Nur eine Anzeige: „kein Signal“. Genauso gut hätte da stehen können: „Bin mal eben Milch holen“. Nach kurzer Forschung bekam ich heraus, dass es meinem uralten Fernseher gut geht, aber mein neuer DVB-T Receiver sich wohl hinge- legt hatte. Na gut, dachte ich, dann gucke ich eben vom Schlafzimmer aus was anderes. Da habe ich nämlich noch einen kleinen Fernseher, den ich mir mal für Messegäste ausgeliehen hatte. Auch hier ist ein solcher Receiver angestöp- selt, allerdings hat der ein paar Mucken. Seine Einstellungen sind nämlich über einen Code einbetoniert. Natürlich weiß inzwischen niemand mehr, welchen Code man da mal vor Jahren eingegeben hat, so dass ich keinen Sendersuchlauf machen kann. So ist es also Essig mit einigen Kanälen. Das hatte ich aber vorher einkalkuliert.
Was ich nicht wusste war, dass auch dieser Fernseher schwarz bleiben würde. Das war mir dann aber doch komisch. Wenn aus beiden Fernsehern am selben Tag nix mehr rauskommt… Für einen Moment dachte ich: Jetzt isses soweit! Die Außerirdischen sind da und haben alle Fernseher tot gemacht!!!
Dann merkte ich, dass der Leihfernseher lediglich den Geist aufgegeben hatte. Dabei gehört der mir gar nicht! Hätte er mit dem Sterben nicht warten können, bis ich ihn wieder zurück gebracht habe? Na, das wird noch was. Immerhin geht aber der geliehene DVB-T Receiver noch. Jedenfalls empfängt er eine Handvoll Programme. Zur Belohnung durfte er mit meinem Fernseher im Wohnzimmer zusammenziehen, und ich lag den ganzen Abend meckernd davor.
Ein paar Tage später wollte ich unbedingt Minze kaufen. Es gab aber keine. Und zwar überall. Den letzten Versuch unternahm ich in einem Laden mit einem beeindruckenden Kräuterregal. Auch hier: keine Minze. Bis ich dachte: Die Petersilie hier sieht aber komisch aus! Und die riecht auch komisch. Das ist doch… Nanü? Hömma, dat IS doch Minze! Wieso schreiben die denn da Petersilie drauf? Wollen die mich hier verkohlen oder was? Vielleicht waren die Petersilien in den anderen Läden auch schon alle Minzen gewesen. Und ich gökel’ durch die halbe Stadt und hab’ ja sonst nix zu tun! Jedenfalls kam die Minze mit und zuhause sah ich auch, dass auf dem kleinen weißen Aufkleber- chen auch tatsächlich „Minze“ steht. Wahrscheinlich, damit die, die mich da verkohlen wollten, selber noch durchsteigen. Ich komm’ Euch schon auf die Schliche! Irgendwo ärgert sich jetzt vielleicht einer, weil ich den Trick durchschaut habe. Ätsch, war lecker, Dein Kraut! Aber wehe, Du machst das noch mal und schreibst demnächst an die Kartoffeln womöglich „Vollmilch“ dran…
Und gestern musste ich mich sogar zweimal aufregen! Zuerst darüber, dass ich schon wieder was lesen musste, worin jemand Hartz IV und Bier zusammen schmiss. Es sollte wohl für den Reim sein, aber mich strengt das kolossal an. Es steht nämlich keinesfalls im Antragsformular für Arbeitslosengeld II, dass man nur dann Leistungen beziehen kann, wenn man sie ausführlich in Bier investiert. Das weiß ich zufällig ganz genau. Und es soll sogar Hartz IV-ler geben, die überhaupt nie Bier trinken! Und auch gar keine Jogginganzüge tragen! Und die noch nicht mal richtig prollig sind! Ich weiß; – wenn das bekannt wird, löst es einen deutschlandweiten Skandal aus.
Und als ich mich gerade so richtig schön aufregte, beschloss ich, ein Bad zu nehmen. Und wollte gerade heißes Wasser einlassen, da blieb das Wasser einfach kalt. Beziehungsweise, es wurde sogar immer kälter. Da ging doch mittenmal die Therme nicht mehr! Onnoch! Na, da hat sich aber bestimmt jemand gewundert, wie viele Rohrspatzen in der Theobromine wohnen. Und was die plötzlich für Wörter kennt. Und wie energisch die mit dem Hausbesitzernachwuchs telefoniert, damit der gleich heute Morgen („Spätestens!“) einen Thermenheilpraktiker schickt.
Immerhin. Geholfen hat’s. Das Wasser sprudelt wieder mollig warm, später wird gebadet. Beruhigungsbad. Ist aber eigentlich nicht mehr nötig. Hab’ mich abgeregt und schon längst wieder prima Laune, das geht ja fix bei mir. Außerdem ist noch genug Schokoladeneis im Haus.
Man hört ja neuerdings so oft, dass man gefälligst mobil zu sein hat. Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß können nach Hause gehen. Hauptsache, man ist flexibel, ein Teamplayer und eben mobil. Das gilt nicht nur für Angestellte, sondern natürlich auch für Selbständige. Um auch unterwegs lästigen Bürokram erledigen zu können, bietet PLÜS dieser Tage das mobile Büro für einzwei Piepen fuffzich.
Zuerst sieht man’s mit bloßem Auge kaum, dann aber ist man schlagartig vollstens überzeugt. Alles dabei, was man braucht: Ein Druckbleistift, ein normaler Bleistift, ein Kuli. Und ein hübscher „Mini-Aktenvernichter“ von der Größe eines großen Päckchens Zigaretten. Und weil er so mini ist, hat er wenigstens eine auffällige Farbe, dann findet man ihn auch im Rucksack wieder, wenn man unterwegs mal eine Akte schreddern muss. Ich würde das ja gerne mal sehen, wie das jemand ausprobiert. Der Schlitz zur Einspei- sung der Akten ist gut und gerne 55 mm breit. Da schreddert man per Handkurbel ordentlich was weg und hat bis Einbruch der Dunkelheit bestimmt fast eine ganze DIN A4-Seite verwurstet. Toll. Aber steht ja auch drauf:
– Handbetrieb
– Für sicherer Vernichtung von Ihrer Akten zu Hause und ins Büro
– Kap. 55 mm
– 2 Gleitschutzfüße
Die Füße finde ich, glaubich, am Besten. Die hebe ich mir für den Winter auf. Wer weiß, vielleicht gibt’s da ja wieder mal so ein dickes Glatteis wie Ende 2002, als ich hier im Stadtteil über die gebogene Brücke am „Schwarzen Bären“ musste und ewig nicht rüberkam, weil ich immer wieder rückwärts wegrutschte. Der, der mich damals vielleicht beobachtet und heimlich ausgelacht hat, muss mir dann demnächst mal was vorschreddern.
Hab’ gestern Tomaten gekauft. „Norddeutsche Tomate“, steht auf dem niedlichen kleinen Schildchen, das sie tragen. Liest sich schomma ungewöhnlich. Die Tomaten sehen aber lecker aus. Eigentlich genau, wie Tomaten immer so aussehen. Auf des Schildchens Rückseite steht, man soll sie bei Zimmertemperatur aufbewahren, und zwar mitnichten im Kühlschrank.
Und dann steht da außerdem: „Durch Hummeln befruchtet.“ Befruchtet! Das klingt ja vielleicht. Wieso nicht gleich: „Wir lassen von Hummeln befummeln!“ „Wenn Blüte die Tomate ziert, die Hummel sich dort verlustiert!“ „Blüht die Blüte der Tomate, denkt die Hummel schon: Na warte!“ „Welch ein Gequietsche und Gesummel! Tut’s die Tomate mit der Hummel?“ „Wo die Hummeln leise schnaufen, geh’ ich mir Tomaten kaufen!“
Können die da nicht draufschreiben „Durch Hummeln bestäubt?“ Wahrscheinlich fand man aber „Frucht“ im Zusammenhang mit Tomaten schöner als „Staub“. Allerdings so im ersten Moment überlegt man doch kurz, ob man was essen möchte, das von irgendwem vorher befruchtet wurde.
Zumindest werde ich sie schön abspülen. Aber das mache ich sowieso immer. Schon allein wegen der BSE-Viecher.
Gerade vor wenigen Tagen hörte ich mich noch fragen, was denn wohl so ein Laminier- gerät kosten täte, denn ich wollte endlich auch laminieren. Alle Welt lamininiert ja heutzutage. Urkunden, Visitenkarten, Dokumente… So kann man zum Beispiel jetzt ableckbare Visitenkarten machen. Und darauf haben wir ja eigentlich alle gewartet. Also, ich nicht. Und auch niemand, den ich kenne, hat bisher jemals gesagt: „Ach, hätte ich nur eine ableckbare Visitenkarte! Die hier ist schon ganz wellig und abgelutscht!“ Aber vielleicht auch nur, weil man da bisher einfach aus Mangel an Möglichkeit noch nicht drauf gekommen ist. Und jetzt geht das ja.
Alles wird eingeschweißt, hermetisch und wasserdicht. Hermetisch hat was mit dem Götterboten Hermes zu tun, soviel weiß ich. Ob der auch vielleicht was eingeschweißt hat, ist unbekannt. Ich vermute eher, nicht.
Ich habe auch noch nie was eingeschweißt, aber das kann auch an dem schrecklichen Wort „eingeschweißt“ liegen. Schon klar, warum die Geräte nicht Einschweißmaschinen heißen, sondern fein Laminiergeräte. Das spricht sich gleich viel Hamburg-Pöseldörf- licher aus. „Larissa, wir haben gestern mithilfe unseres goldenen Laminiergerätes die neuen Mitgliedsausweise für den Poloclub eingeschw… laminiert! Möchtest Du noch etwas Tee?“
So, und heute gehe ich in den geisteskranken Discounter mit den vier Buchstaben, und da stehen so süße rosa Kartons herum mit richtigen Laminiergeräten drin! Für ordentlich wenig Geld. Potztausend! Oder lieber: Ach, das ist aber reizend! Und Folientaschen lagen gleich daneben. Na, da habe ich mal gleich zugeschnappt, denn ich habe eine prima Idee, was ich da so alles reinlaminieren möchte. Vielleicht geht’s sogar gleich morgen damit los. Mal sehen.
Noch in der letzten Woche war ich ja hübsch verreist und unterwegs. Und unterwegs ist gut in Straßencafés sitzen und Leute begucken. Am liebsten natürlich in netter Gesell- schaft, die beim Begucken und Kommentieren hilft. Hatte ich. Sogar ganz ausgesprochen nette… Manchmal laufen aber kaum beguckbare Leute herum und dann liest man die Ge- tränkekarte ausnahmsweise etwas genauer. Ich z.B. studierte eine Liste von Teesorten. Da gab es natürlich schwarzen Tee, „Earl Grey“, Hagebuttentee, sogar verschiedene Kräutertees und neuerdings gibt’s gern auch mal leckeren indischen „Chai“ oder merk- würdig schmeckenden „Yogi-Tee“ in solchen Lokalen. So eine Auswahl findet man schon ganz normal. Aber dann las ich „Orange-Sahne-Ginkgo“-Tee. Und da blieb ich doch hängen. Das kann doch nicht schmecken und was ist daran noch Tee? Orange: na gut. Im Kombination mit Sahne: schon merkwürdiger. Aber Ginkgo? Wozu dattdenn? Wie schmeckt denn Ginkgo? Ein schöner Witz wäre es jetzt vielleicht, zu sagen: „Hab’ ich vergessen…“ Denn angeblich hilft das Zeug gegen Gedächtnisstörungen. Wozu man das zusammen mit Orange und Sahne im Tee haben muss, weiß ich nicht. Ich habe eine Vorstellung davon, wer sich so was bestellt, aber die schreibe ich hier nicht hin.
Darunter stand auch noch „Wind der Savanne“ in der Liste, also gehe ich davon aus, dass es sich auch hier um ein Brühgetränk handelte. Alles, was gebrüht wird, und kein Kaffee ist, kann ja nur noch Tee oder eben Brühe sein. Wie so ein Savannenwind schmeckt, kann ich mir noch weniger vorstellen als den Geschmack der Ginkgosache. Vielleicht ein bisschen nach staubigen Datteln? Ach nee, das wäre ja „Wind der Sahara“. Was gibt’s denn In der Savanne? Löwen! Der Tee schmeckt also wahrscheinlich nach staubigen Löwen.
Ich beschloss, mich demnächst etwas eingehender mit Teesorten zu befassen und bestellte erstmal gut gelaunt und ausnahmsweise Capuccino, mein lieber Begleiter orderte einen Milchkaffee. Wir bekamen auch bald zwei Tassen, die erheiterte Verwirrung bei uns auslösten. Mein Cappuccino war nämlich ganz schön groß, in einem großen hohen Becher. Sein Milchkaffee war etwa ein Drittel kleiner, in einer nach oben schlanker werdenden Tasse. Beide Getränke sahen aber sonst gleich aus. Kein Kakaopülverchen als Hinweis, nix, nur unterschiedliche Tassenform. Ein kurzer Test ergab, dass beide Getränke auch genau gleich schmeckten. Wir tauschten die unterschiedlichen Tassen, denn sein Kaffeedurst war größer als meiner und dann kamen mal wieder ein paar Leute zum Begucken vorbei, wir plauderten angeregt und ich vergaß fast die Sache mit den Tees wieder. Keine zwei Tage später jedoch kam ich nicht umhin, dieses Foto zu machen:
„Druiden-Zaubertee“ mit Erdbeer-Vanille- Geschmack! (Deswegen auch das Foto. So was glaubt mir doch sonst wieder keiner.) Ich weiß auch schon, was der zaubert: Magengrimmen und verödete Geschmacksknospen, nämlich. Da würde ich auch lieber die Tüte dran lassen, wenn ich mir den in die Tasse täte!
Wieder zuhause wollte ich’s wissen und guckte mal so ein bisschen herum zum Thema „Sachen, die man mit heiß Wasser nass macht, die komische Namen haben, und an denen man sich bestimmt mehrere goldene Nasen ver- dient, wenn man’s geschickt anstellt“. Ein großer Tee-Abfüller bietet im gut sortierten Superladen schon mal „Momente des Glücks“ an. Ja, sogar „Momente der Versuchung“! Das will ich mir gar nicht ausmalen. Vielleicht geht’s aber auch nur um den Versuch, eine trinkbare Plörre herzustellen. Im Internet fand ich die Teesorte „Quelle des Glücks“. Das ist ja einfach! Beutel auf, heiß Wasser drauf, das Glück 5-8 Minuten ziehen lassen, – fertig! Wahrscheinlich ist es eher mein Portemonnaie, das da als Glücksbrunnen dient, für den Herrn Teeeintüter. Was denken die sich denn sonst dabei?
Aber es geht ja noch weiter: Doch vielleicht lieber eine „Atempause“? Also, sprich: mal eine Weile nicht atmen? Eventuell solange, bis der „Elfentau“ fertig gezogen hat? Dann sind die Lippen schon mal schön elfenmäßig blau. Und damit dann wieder Leben in die Bude kommt, hätten wir da ja noch die „Dschungelparty“ im Teebeutel! Hoffentlich sind da keine ausflippenden Orang- Utans drin, die statt mit Konfetti mit Riesenradnetzspinnen und giftigen Tausendfüsslern werfen, der Stimmung wegen! Oder wie wär’s mit „Kräuter-Kinder-Tee“? Also, da werden wohl Kräuter drin sein, und… Och nee, lieber donnich. Da kann ich ja gleich „Schlechtwetterhexen-Tee“ trinken!
Also doch lieber was Feines: „Champagner-Aprikosen-Tee“. Mist, die Sektflöten stehen noch im Abwasch. Und warmer Champagner ist auch nicht jedermanns Sache. Also, meine jedenfalls nicht. Auch nicht mit Aprikose, leider. Was denn nu? Auch der „Grüne Schmorapfel“-Tee verheißt nix Gutes mehr. Schmorgeruch lässt mich entweder an Rindsroulade denken oder an Kabelbrand. Beides möchte ich nicht in der Tasse haben.
Ein wahrscheinlich probates Mittel übrigens, das jeweils andere Geschlecht per Heißgetränk zur Tür raus zu gruseln, ist meiner Meinung nach: 1. Sie setzt ihm „Bio-Liebes-Kräutertee“ vor und lässt es ihn auch noch wissen. (Der Mann, der so was freiwillig austrinkt, mit dem möchte man dann, glaubich, auch gar nicht mehr… Wo bleibt denn da die Würde?)
Oder 2.: Er kocht ihr „Alibabas 40 Düfte“-Tee. Man kann sich ja eigentlich vorstellen, wie jemand riecht, der gerade tagelang durch die Wüste geritten ist. Will man das denn? Nach Sesam jedenfalls wird er nicht riechen.
Also vielleicht doch wieder Zuflucht zum Kaffee nehmen? Eigentlich bin ich doch überzeugte Teetrinkerin! Ich habe das hier ja auch schon mal beschrieben. Und ich will’s mir auch nicht gern damit verderben lassen. Och, nu kann ich mich gar nicht entscheiden… Ah, ich glaub’, jetzt habe ich’s!
Eine der wohl sinnlosesten Kreationen auf dem Teemarkt wird’s retten: Der „Caffé Latte“-Tee!
(Alle hier beschriebenen Teesorten gibt’s wirklich! Und bestimmt noch viele mehr, die ich jetzt übersehen habe. Was es bisher wohl nicht gibt, sind so feine Sorten wie „Rocker-Tee“, „Schwitzende-Bauarbeiter-Tee“ und „Ich-bin-deprimiert-aber-das-soll-so!-Tee“)