Kassel.

Ja. Kassel. Genau. Yeah.

Die dOCUMENTA13 lief ja nach 100 Tagen am Sonntag aus, und so bin ich geschwind am Donnerstagmorgen noch in den Zug und kriege gleich mal Druck. Und zwar auf die Ohren. Man fährt nämlich durch ca. 3874,2 Tunnel, und das wirkt ungefähr so, als würde man im Flugzeug dauernd Sinuskurven rauf und runter fliegen. Ohrenkämmerchen auf, Ohrenkämmerchen zu. Die Rentner um mich herum, die wohl zur Kur oder zum Wandern oder sonstwas nach Berchtesgaden wollen, stört das nicht im Geringsten. Oder das Kauen ihrer Leberwurschtsstullen wirft einen ohrenkämmerchenschonenden Bann um sie. – Magischer Tieraufstrich!

Nach einer Stunde bin ich aber auch schon am Bahnhof Kassel/Wilhelmshöhe angekommen und werde vom Liebsten abgeholt. Er guckt ebenfalls ein bisschen unfrisch, denn auf der Autobahn hat es kraftraubende Elefantenrennen nicht zu knapp gegeben, und die bösen Kopfschmerzen hatte er sowieso schon vorher. Die besten Voraussetzungen also für: Zwei Tage Kunst! Ich sag‘ jetzt aber gleich dazu, dass ich hier über die Kunstwerke im Einzelnen nix berichten werde. Dazu gibt’s wahrscheinlich ohnehin schon 3.000 Blogs. Außerdem, Kunst wird ja doch immer sehr persönlich wahrgenommen. Was den einen umhaut, lässt den andern Koppkratzen oder folgern: „Na, das kann doch jeder!“ Kann er übrigens nicht, aber das ist eine Diskussion für sich. Aber vom Drumherum kann ich ja ruhig ein bisschen erzählen.

Das Auto geben wir im Parkhaus mit dem wohl naheliegendsten Namen für Parkhäuser schlechthin ab:

dOKUMENTA13_Vaterland

Als wir zurück auf die Straße treten, sehen wir uns einem Schild gegenüber, das uns freundlich „Beulenpflege + Fahrzeugkosmetik“ anbietet. Klingt schon verlockend, aber wir wollen ja Kunst gucken. Zuerst aber wollen wir noch lieber Getränk gucken. Am Bahnhof ist plötzlich alles lila, und wir haben kurz Angst, versehentlich auf einem Kirchentag gelandet zu sein, aber dann scheint die Sonne so schön, die Getränkemamsell nennt mich „Gnädigä Frrrau“ und mir ist alles gleich. Ich will nur hier sitzen und mit meinem Kandis rumknuspern.

Was wir aber von hier aus schon sehen können: Überall Schlangen. Das reinste Terra- rium. Die längste Schlange gehört zum Glück zu einem Angebot, für das wir gar kein Interesse mitgebracht haben. Und im Vergleich schneidet nun die Reihe vor den Ticketschalter geradezu zierlich ab. Um im Bild zu bleiben: Boa Constrictor gegen Blindschleiche. Ungefähr.

Wir sind bald im Besitz zweier 2-Tages-Karten, vor dem Bahnhof zücke ich noch mal den Übersichtsplan, und wir bummeln los, Richtung Documentahalle. Kassel ist -sagenwirmal- belebt. Alles voll mit Leutchen wie uns, die noch schnell die Gelegenheit ergreifen wollen, mal zu gucken. Damit meine ich die dOCUMENTA13, denn Kassel selbst…, naja. Ich bin ja nicht so für Städte-Bashing und so. Wer aus Hannover kommt, stellt früh fest, wie sinnlos das ist. Und deshalb bin ich mir sicher: Die Kasselaner wissen bestimmt, wieso sie da so vor sich hinwohnen. Und ein bisschen heimelig ist dieses 50er-Jahrige ja durchaus. Ich muss immerzu an Sonntagsausflüge mit den Großeltern denken.

Vorm Fridericianum, einem der Hauptausstellungsorte, wieder eine Mordsschlange. Wir beschließen, uns das lieber für später aufzuheben, ich zücke noch mal den Plan, und wir bewegen uns weiter zur Documentahalle. Dort merke ich, dass meine Eintrittskarte weg ist. Richtig weg. Futsch. Zusammen mit dem Übersichtsplan aus der Tasche gezogen und ab die Flatter. Ich habe viele Talente. Offenbar auch das, Kunsttrubelkarten binnen 10 Minuten doppelt so viel Wert zu verpassen, denn ich muss mir eine neue kaufen. Also, ich habe 35,00 Euro schon schöner ausgegeben! Für Schokolade zum Beispiel. Da hatte ich anschließend auch viel bessere Laune.

In der Halle aber also nun die erste Kunst. Und total viele Kunstgucker. Man sieht die Kunst kaum. Vor allem erlebe ich sie kaum, weil ich ständig ausweiche, jemandem Platz mache, warte, bis ich auch mal gucken kann… So teilt sich mir nur wenig mit. Mein Liebster hat Mühe, anständige Fotos zu machen, denn alle wollen Fotos machen. Die Kunst wird zwar kaum gesehen, aber dafür fleißig reproduziert. Ich versuche, mich nach außen hin möglichst dicht zu machen (was mir eigentlich immer schwer fällt), um ein bisschen Wirkung aufzunehmen. Und das Eine und Andere gefällt mir dann doch.

dOKUMENTA13_Versorgung

Als wir irgendwann wieder rauskommen, scheint die Sonne immer noch und da ist ein freundlicher Rasen. Wir legen uns ein paar Minütchen drauf und beschließen, es als nächstes in der „Neuen Galerie“ zu versuchen. Dort wartet ein großes Schnipselwerk aus 50 Jahrgängen „Life“-Magazin, das möchten wir sehen. Ich mag ja aus Zeitungen Ausgeschnittenes, aber das ist hier nun wirklich keine Neuigkeit. Erst gucken wir uns aber noch amüsant-assoziative Bilderpaare an, bevor wir uns in die Schnipselschlange einreihen. Dem dazu gehörigen Ordner passt nicht, wie wir Wartenden da stehen und er möchte, dass wir uns entlang der Wand im Viereck aufreihen. Es gibt auch so ein Absperrband, das irgendwie konfus herumsteht. Wir wissen nicht, was er will. Und vor allem nicht, warum. Er kann’s auch nicht vermitteln, und schon gibt’s Diskussion. Uns allen ist warm, wir stehen doch hier nur so, ganz freundlich und er „macht nur seinen Job“. Nach einer Weile hab‘ ich rausgefunden, was er meinte, aber da sind wir schon drin und finden die Schnipselkunst prompt gut.

Es ist nun Zeit für ein längeres Päuschen, also verdrücken wir erstmal ganz gute Pommes und fahren dann ins Hotel, um ein Weilchen auszuruhen. Gegen Abend zieht es uns wieder los, den Kulturbahnhof ansehen. Hier fühle ich mich gleich viel wohler, denn die Luft hat sich abgekühlt und es staut sich auch nicht alles so. Einige Installationen sprechen mich an, aber die meiste Zeit bin damit beschäftigt, die Fotos, die ich im Vorfeld gesehen hatte, mit dem Erleben in Einklang zu bringen. Am schönsten sind eigentlich die Sachen, von denen ich vorher nichts wusste, die Klanginstallation an den abendlichen leeren Gleisen zum Beispiel. Hier schweift der Geist dann auch endlich und dabei geht die Sonne kunstvoll unter.

Über den jetzt folgenden Restaurantbesuch könnte ich einen eigenen Eintrag machen. Mach‘ ich aber nicht. Nur so viel: Wir werden wegen Andrangs mit zwei älteren Damen an einen Tisch gesetzt. Die eine hat eine furchtbare Stimme und beginnt ihre Sätze gern mit: „Sorry!..“ Ich mümmle meinen Lady-Toast, so schnell ich kann. Mir tun die Beine ordentlich weh und ich will ins Bett.

Nächster Tag. Wir sind schon morgens total matschig und beschließen, es ganz ruhig angehen zu lassen, Was wir nicht sehen, sehen wir eben nicht. Es ist ohnehin unmöglich, in zwei Tagen alles zu schaffen. Heute soll die Karlsaue, ein riesiger Park im Herzen Kassels, in dem sich locker 30 Kunstwerke und Performances befinden, drankommen. Doch zuerst zieht’s uns in die noch stille Orangerie. Wir finden einen Liebesbriefgenerator und eine Art Sex-o-meter, der bei Handauflegen Geräusche macht. Mein Sexgeräusch scheint ein tiefes Brummen zu sein. Erst als der Liebste dazukommt, steigt der Ton höher, keine Überraschung also.

Im Park umwandern wir dann einen hübsch bunt bewachsenen Hügel, unter dem Zivilisationmüll schlummert und kommen bald zu einem Häuschen mit Garten, das mit Tropenvogelstimmen lockt. Wir treten ein und finden: Wurst. Überall Wurst. In den Regalen, auf den Sitzmöbeln, dem Boden, auf dem Bett. Ich bin vergnügt.

dOKUMENTA13_Wurstbett

Als ich wieder vor die Tür in den Garten treten will, stehen die beiden jungen Ordner mit dem Rücken zu mir. „Boh, voll runtergedonnert!“ – „Jaaa! Von dem Baum da. Krass!“ Ich schlängel‘ mich vorbei und sehe, um was es geht. Eine Kastanie ist wohl eben wie ein Meteorit vor den Türstufen im Rasen eingeschlagen. Da liegt sie. Da sich die Jungs nicht rühren und schon wieder auf ihren Smartphones rumwischen, ist mir klar: Das ist sie. Punktlandung. Diesmal hat sie mich gefunden. Sofort habe ich verschmitzte Laune und möchte ein Wasser trinken.

Kastanie_2012-2013

Als nächstes suchen wir ein winziges Bootshaus, denn dort soll ein Archiv eingerichtet sein, in dem sich unter anderem Filme von Marina Abramović finden. Diese Frau wird von mir höchstverehrt! Wir finden es auch, doch mit dem Film wird es nichts. Der wird gleich morgens um zehn auf der Leinwand gezeigt, wir sind also zu spät, und die paar Monitore, an denen man was anwählen kann, funktionieren leider nicht mehr alle. Schade ist das, aber ich verschmerze es, wir begeben uns auf die Rückschleife und gucken noch hier und da, kaufen ein Tütchen Kunst-Zwetschgen und etwas Kunst-Mangoldtarte, finden auch noch eine Kastanie für den Liebsten, essen Kekse, gehen eine Limo trinken und das war’s.

Wir beschließen, dass es auch Leute geben muss, die eben nicht im Fridericianum waren, um sich Hitlers Badetuch mit kitzligem Grusel zu beäugen. Nämlich uns.

Im Vorbeilaufen hatten wir außerdem gesehen, dass in einer Kirche, mitten im Geschehen, still und leise eine kleine Balkenhol-Ausstellung läuft. Die gucken wir uns noch in sakraler Ruhe an, das ist ein prima Abschluss.

Fazit vons Janze: Es war gut, endlich mal eine Documenta gesehen zu haben, denn das wollte ich schon sehr lange. Und vielleicht lag’s an mir und meiner Verfassung, aber ich fand es teilweise ganz schön erschöpfend, mich durch die vielen Menschen zu schieben und weite Strecken abzulaufen, – so richtig angezündet hat mich da nichts. Zwar habe ich viel Schönes gesehen, manches hätte ich mir wohl in größerer Ruhe auch noch erschließen können, aber insgesamt war’s mir so zu glatt, zu harmonisch, ich blieb weitestgehend unbeteiligt.

Aber ich würd’s sofort wieder tun! Oder in fünf Jahren.

Schichtarbeit für neue, alte Zeiten. – Oder sind’s alte, neue Zeiten?

Hallo, Ihr süßen Hasen!
(Das wollte ich Euch schon immer mal als Anrede vorsetzen.)

Im Freundeskreis recken und strecken sich Blogs und werden renoviert oder sogar verpflanzt. Scheint gerade Zeit dafür zu sein, denn auch ich habe hier wieder mal umgeräumt, es ist ein bisschen wie ein Schiebepuzzle… Man muss ja auch aufpassen, dass man sich nicht selbst total verwirrt mit Blogs überall und Webseite und Fatzebuch und Kram. Neulich bin ich jedenfalls erstmal heimlich, still und leise „Pro“ geworden, denn ich will zum Einen bald mal meine ganzen alten Einträge (natürlich samt Eurer ganzen Kommentare dazu!) als PDFs exportieren, zum Andern habe ich ein zweites Blog erstellt und kann so sinnvoll umschichten und meine Schnökerzeugeinträge, die ja verlockend zur Theobromina-Webseite rüberreichen sollen, in einen eigenen Extrablog sortieren. Den hier nämlich. Auch wenn da zeitweilig wenig passiert, ist es für mich immer noch wichtig, mich da ein wenig herzuzeigen und auf der Schiene weiterhin sinnvolle Kontakte zu knüpfen.

Und hier kann ich dann wieder ab und an in altgewohnter Form, eben als die Theo, die Ihr kennt, Einträge hinservieren. Es ist jetzt wohl genug Zeit vergangen und ich habe wieder Lust dazu. Prost.

(Ich fürchte übrigens, eben beim Umschichten der Süßkrameinträge in den neuen Zweitblog sind eventuell kurz mal „Geistereinträge“ in Euren Neue-Einträge-meiner-Freunde-Listen erschienen, weil ich die Zeitstempel zuerst ein bisschen vertüdelt hatte, aber jetzt müsste alles wieder hübsch in Reihe sein.)

Ach so, in diesem Blog tauchen bald wohl (fast) alle alten Posts wieder auf, die ich mal in mühseliger Heimarbeit einzeln privat geknipst hatte. Sind ja bloß umdieungefähr Tausend. Also alles wieder zurück; – das wird ein Weilchen dauern, puh! Aber dann finde ich’s wieder ziemlich sinnvoll aufgedröselt. Mal sehen, wie lange… *g*

Nachtrag: So. Das Archiv ist wieder da. Ich war fix! Aber es war ’ne ganz schöne Reise in die Vergangenheit, Jungejunge. Manches habe ich auch im Keller gelassen, wo es hingehört und von mir aus verstauben kann. -Guckt Ihr eigentlich manchmal Eure alten Einträge durch? Und seid Ihr dann auch so auf Zeitreise? Mir sind eben ständig Sachen wieder eingefallen, die vorher ganz weg waren…

Liebe Kastanienbewegerinnen und -beweger, …

… noch ist ja Sommer, zurzeit sogar mal recht angenehm, doch die Zeichen kündigen bereits zaghaft den Herbst an. Will sagen: Neulich ist mir die erste, klitzewinzige Kastanie über’n Weg gelaufen.

Natürlich ist das Quatsch, denn sie lag eigentlich halb unter einer Brombeerhecke, halb in Brennnesseln, und ein tapferer Recke hat sie mir am langen Arm hervorgeangelt. Aber es dauert nun nicht mehr lang, bis sie ihre dickeren Schwestern herpfeift, und dann geht sie wieder los: Die phänomenale, internationale, lichtbewahrende, über-den-Herbst/Winter-wärmelnde Kastanienbewegung. Und weil es zum jeweiligen Starteintrag oft ungefähr solche Kommentare gab: „Das ist ja mal ’ne hübsche Idee, da würd‘ ich ja gern mitmachen, aber jetzt finde ich doch nie und nimmer mehr eine Kastanie!“, hier eben also mal diese kleine „Vormerkerei“. Wem somit jetzt in den nächsten Tagen und Wochen eine Kastanie vor die Füße rollt, der kann sie vorbereitend einsammeln und steht, wenn’s bald losgeht, gut da.

Hier noch mal eben die Idee, sowie die Regeln in Kürze (Ausführlicheres findet sich in den älteren Einträgen dazu):

Idee:
Da ich zum Herbst hin immer ein bisschen schwermütig und melancholisch werde, weil ich die Dunkelheit und ungemütliche Kälte, die sich dann für ein halbes Jahr einstellen, nicht besonders mag, fing ich vor vielen Jahren mal an, mir jeweils die erste Kastanie des Jahres in die Jacken-/Manteltasche zu stecken. Sie sollte mich einfach daran erinnern, dass es irgendwann auch wieder hell und warm werden wird. Also blieb sie einige Monate und tröstete mich als Handschmeichlerin, bis endlich der Frühling wieder auftauchte, ich sie wieder in die Freiheit werfen konnte und mit ihr die dunklen Tage und mumpeligen Stimmungslagen. Nachdem ich diese Geschichte vor einigen Jahren hier erzählt hatte, gab’s zu meiner freudigen Verwunderung nicht wenige, die mitmachen wollten und es entstand die jährliche Kastanienbewegung. – Wie geht die nun?

Regeln:
Im Herbst rufe ich also hier den Start aus. Wer mitmachen möchte, braucht bloß eine frisch gefundene Kastanie, schreibt einen kleinen Blogeintrag (möglichst mit Bildchen der kleinen Runden) und verlinkt darin freundlicherweise hierher zum Startartikel. Wer keinen Blog hat, kommentiert einfach unter dem Startartikel. Ich nehme dann alle Teilnehmer (samt Verlinkungen) in meine Liste auf.

Dann tragen wir die Kastanie bis zum Frühjahr in unseren Jacken- und Manteltaschen herum, wo sie uns z.B. bei besonders zugigem Fieswetter daran erinnert, dass wir erstens nicht alleine sind, und zweitens es bald ein gemeinsames Aufatmen gibt. Wenn es dann deutlich Frühling wird, rufe ich hier einen festen Termin an einem Wochenende aus, an dem wir gemeinsam (jeder an seinem Ort, Grüppchenbildung ist jedoch sehr erwünscht und hat’s auch schon gegeben!) die Kastanie mit Schmackes weit fort in die freie Wildbahn zurück werfen.

Jetzt wundern sich vielleicht welche, weil hier bisher nix vom KaterMurr stand, dem ich die Bewegung vor zwei Jahren angetragen hatte und der sie wirklich liebevoll betreut und umgesetzt hat, wofür ich ihm zutiefst dankbar bin. Damals brauchte ich dringend Abstand von blog.de und hatte mich auch bereits innerlich verabschiedet. Nur die Bewegung sollte eben nicht eingehen, und der liebe Murrekater machte und tat, illustrierte, bastelte und kümmerte sich rührend, für und für!

Na, und mittlerweile kommen zwei Dinge zusammen: Er hat inzwischen zu meinem großen Bedauern verflixt wenig Zeit zum Bloggen, was furchtbar schade ist, und ich habe so langsam wieder Lust, mich hier öfter zu zeigen. Und darum ist die Kastanienbewegung nun wieder zurückgewandert an den Ursprungsort, so ist das.

KaterMurr, wir danken Dir herzlich für’s Hochhalten der Kastanie!

Das musste unbedingt gesagt werden. – Na, und Ihr geht Euch mal schön umgucken, denn zum Startschuss kann es jetzt nicht mehr so lang sein! Ich habe übrigens wispern hören, dass man Kastanien besonders oft unter Kastanien findet, – wenn Ihr wisst, was ich meine…

Das Ruhrgebiet feiert und Venlo hat montags erstmal zu.

(…) Samstag war nämlich aus 175 Geburtstagsgründen eine dicke Ruhrgebietsfeier in einem ganzganzganz kleinen Häusken anberaumt, das sich später aber doch als großzügig geschnittenes Veranstaltungszentrum herausstellte. Sogar so großzügig, dass ungefähr 100 Leute rein- und davorpassten, von denen eine gute Handvoll mir -wenn nicht persönlich, so doch zumindest schriftlich- mehr oder weniger bekannt waren. Sprich: Blogger aus allen Himmelsrichtungen. (…)

Hier gibts den ganzen Eintrag…

Kastanienwurf 2012

Böses Wetter, heute. So gar nicht frühlinglich… Fieser Wind, kalter Regen, sogar Graupelschauer! Höchste Zeit für den einzig wahren, deutschlandweiten, offiziellen Frühlingsanfang! Und siehe da: Gegen zwei lugte (zumindest hier) dann doch gelegentlich die Sonne raus, so konnte es dann losgehen in die Ricklinger Masch, diesmal zu Zweit, zur alten Weide. Piccolo und Gläser (man hat ja doch Stil, und sei’s im Rucksack) sind auch dabei.

Und pünktlich werden die kleinen Bollen hervorgeholt (man meint, sie blinzeln sogar ein bisschen gegen’s Helle), gelobt und bedankt (meine hat mich durch die letzten Wochen im Stressjob gebracht, in die Kur begleitet, im Permafrost gewärmt, … ) und dann heben sie ab:

Kastanienwurf_2012
Liebe Grüße nach Berlin, nach Hamburg, ins Ruhrgebiet… – Nach überallhin, wo’s heute geprasselt hat. Prost Frühling! (Und das Wetter, das wird auch schon irgendwann wieder werden. Geht ja nu’ gar nicht mehr anders.)

Kastanienbewegung 2011/2012

Psssst! Weitersagen: Der Frühling kommt…

Und zwar am Samstag, den 31. März, um Punkt 14:00 Uhr!

Der Murrekater hat’s verfügt. Dieses gilt. Und nicht irgendwelche meteorologischen Messarien, kalendarischen Schnickschnacke oder vorauseilende Befindlichkeiten. In Berlin nämlich herrscht oft strenger, kalter Ostwind, da dauert’s auch schon mal einzwei Wochen länger, bis der Hauptindikator, das ist das erste erkennbare grüne Blatt am Zweig, sich hervorschiebt, vom sicheren Ende des Winters zu künden, denn Krokusse und noch geschlossene Knospen gelten nicht. (Und der lieb geäußerte Wunsch einer sich am selbigen Tag in Hamburg versammelnden umfassenden Wurfzelle von mindestens 5 Kastanienbeherbergern und -werfern wird auch eine kleine terminfindende Rolle gespielt haben. *g*)

Also grabt in Euren Taschen, holt die kleine Beschützerin hervor, haucht sie noch mal warm an, poliert sie ein bisschen und bereitet Euch langsam auf den baldigen Abschied vor. Nicht traurig sein: Sie wird ja nicht alleine in die Freiheit fliegen; überall in der Republik erhebt sich das wellig gewordene Bollending, den Winter kräftig zu verprasseln.

Bitte dokumentiert (/kommentiert, für die ohne Blog) Euer Mitmachen und spinnt/verlinkt unser feines Netzwerk zum KaterMurr hin.

Ach so: Und Piccolo kaltlegen auch nicht vergessen…
Schließlich will der Frühlingsjubel dann auch adäquat begossen sein!

Kastanienbewegung 2011/2012

Ihr Lieben!

Zur traditionellen, großen, herzwärmenden Kastanienbewegung geht es, wie auch schon im vergangenen Jahr, hier entlang. (Dort findet Ihr natürlich auch die Regeln und so.)

Vielen Dank, lieber KaterMurr, für das tapfere Hochhalten der Fahne!

Also: Beteiligt Euch wieder zahlreich, zeigt her Eure Kastanien, verlinkt zum Kater und der Zauber wird alsbald wirken; – versprochen!

Liebe Grüße aus dem Off,
Eure Theo

Kastanie_2011
(Hier ist meine: Sie ist schon ein bisschen angeschrumpelt, denn ich habe sie wirklich früh gefunden, schon am 3. September. Und sie hat einen ulkigen Knubbel, den ihr vielleicht ein vorwitziges Insekt mal verpasst hat, aber es war eben die erste, die ich sah…)

Heute wurde nun geflogen! – Kastanienbewegung 2010/2011 – (inzwischen inkl. Nachtrag)

Liebe Kastanienbeherberger,
(Liest hier denn noch einer? – Eigentlich ganz lustig, eine Stimme aus den Off zu sein!)

Morgen ist es soweit: Der Winter ist jetzt wirklich und bestimmt auch ganz sicher vorbei!

Also, morgen dann.
Um 12:00 Uhr, wie gewohnt.

Der kastanienbewegungsnachgefolgte Kater hat gesprochen; es gilt.
Ziehet also hinaus ins zaghaft Grüne und werft mit uns den Winter weit fort!

Ein Fotochen oder ein kleiner Eintrag mit Verlinkung an den guten KaterMurr trägt zur Erhaltung der Bewegung bei und wird mit Freude entgegengenommen.

– Ich zähl‘ auf Euch!

Blühende Grüße
Eure Theo

Nachtrag, am 27. März 2011:
Geschafft! Unter aufmerksamer Beobachtung einiger Wildgänse stehend, saß ich erst ein Weilchen in den dicken Ästen meiner tapferen, alten Weidenfreundin, schraubte dann mein Sprudelfläschchen auf, nickte dem Winter noch einmal bedauernd zu, bedankte mich artig bei meiner Lachkastanie (denn sie hat ihre Sache diesmal wirklich gut gemacht!), drückte ihr ein paar Küsschen auf und ließ sie frei… – Jipphiiieee!!!

Damit ist es amtlich. Wir haben Frühling.
Kastanienwurf_2011

Kastanienbewegung(sweiterleitung) 2010/2011

Hallo Ihr Lieben!

Ja, mich gibt’s noch. – Und wieso auch nicht?
(Nein, ich fange nicht wieder an, hier zu bloggen. Aber besondere Situation erfordern ja durchaus mal besondere Mittel…)

Davon konnte sich am vergangenen Sonntag auch der gute KaterMurr überzeugen, der mir netterweise während einer Durchfahrt direkt, aber viel zu zurzzeitig auf’s Brominensofa rauschte. Da er mir, von ausführlichem Getränkegenuss am Vorabend leicht ermattet, nahezu wehrlos erschien, nutzte ich die günstige Gelegenheit, ihm mal gleich die Nachfolge für die große Kastanienbewegung unterzujubeln.

Sie wird nun also

hier

aufs Wunderbarste und würdig-liebevoll fortgesetzt. Ich freue mich wirklich sehr, dass KaterMurr sich bereit erklärt hat, denn bei ihm ist die Bewegung in allerbesten Händen.

Auch ich habe „meine“ für diesem Winter natürlich schon gefunden und sie hat ihre neue Wohnung in meiner Manteltasche bereits bezogen. (Foto kann ich jetzt nicht, ich sitze im Zug.) Dass sie, im Vergleich zur letztjährigen (die ordentlich dick wie eine Kartoffel war), geradezu zierlich ist, weist sicherlich darauf hin, dass der kommende Winter viel weniger hart, un- wirtlich und kraftraubend sein wird. Aber ich hab‘ sowieso guten Grund, dies anzunehmen. – Mir geht’s nämlich richtig fein und Euch hoffentlich auch!

Nun huscht erstmal hurtig ins Nochgrüne, findet Eure Taschenbewohnerin, und dann direkt weiter zum Murr, um Euch der diesjährigen Bewegung (wieder) anzuschließen…

Ich denk‘ oft an Euch, – liebe Grüße!

Eure Theo


Nachtrag am 10.10.2010:

Hier ist sie endlich, meine Kleine. – Und ich könnte schwören, sie lacht!

Lachkastanie


Küchensofagedanken am Morgen (Teil 14) – Gender-Irgendwas

Theobrominenfuesse– Puh! Warm, oder?

Also, in den letzten Tagen war mir teilweise so warm, dass ich vor lauter Schwitzerei meine eigenen Gedanken kaum hören, geschweige denn mitteilen konnte. Trotzdem freu‘ ich mich, dass so richtig Sommer ist! Heute scheint’s mir aber etwas kühler, und dann kann ich ja gleich mal erzählen, worüber ich mich neulich echt geärgert habe.

Und zwar:

Im Fernseher lief, während ich gerade einen prima Brief auf dem netböökchen schrieb, so ein komischer Produkttest zum Thema „Vibro Plate“. Ich hab‘ da aber nur mit halbem Ohr hingehört. Die Vorstellung von stark brummendem Geschirr lockte mich erstmal nicht und sowieso wollte sich mir der Sinn leise hüpfender Speisen nicht direkt erschließen. Man muss ja nun auch nicht mehr unbedingt jeden Trend mitmachen…

Irgendwann bekam ich aber doch mit, dass es wohl um ein Trainingsgerät ging, dass den Turner spürbar erschüttert und ihm so die Kalorien gründlich raussiebt oder so. Der Test bezog sich nun auf die Frage, ob man sowas für zuhause haben muss oder lieber ins Studio geht, um sich da mal nach Strich und Faden verbrummen zu lassen. Eins der beiden Testfrolleins, das sich das Bestellgerät für Zuhause aufbauen sollte, hatte wohl Schwierigkeiten mit dem Zusammenstecken der mehr als 3 Teile und sprach dann allen Ernstes, und jetzt kommt’s:

„Da muss man beim Aufbau aber echt einen Mann dabei haben, der sich mit diesen ganzen Schrauben auskennt und so. – Für Frauen ist das eher nix.“

Leider hatte ich an dieser Stelle doch kurz mal aufgeschaut und hingehört, – 1A-Haarsträubung war die Folge.

Ja, sind wir denn vielleicht 40 Jahre im Kreisel rumgefahren? „Neenee, schon schön, so’n Kreisel, hier bleibe ich noch ein-zwei Generatiönchen…“ Liegt das Sichauskennen mit Schrauben vielleicht neuerdings in den Genen, auf den Chromosomen verankert? Und wurden dafür Kippdübel benutzt? Und wieso glaube ich das nicht? Vielleicht, weil ich mich selbst mit Schrauben auskenne? Bin ich deshalb ein Mannweib? Und sind Männer, die des Schraubens unkundig sind, überhaupt richtige Kerle? Ach, und womit sind die Gren- zen zwischen den Geschlechtern eigentlich befestigt?

Seit ewigen Zeiten schon (hey, ich bin immerhin über 40!) fasziniert mich die Vorstellung, mal für 24 Stunden ein Mann sein zu können. Nein, nicht so mit Schnurrbart ankleben und verkleiden. Solche Versuche gibt’s schon zur Genüge, und die zeigen höchstens an, wie unterschiedlich die Umgebung reagiert. Sicher interessant, aber nicht ganz, was ich mei- ne. Nein, auch Prägungen, Denkweise und besonders körperliche Empfindungen würde ich gern mal ausprobieren. Tatsächlich hatte ich schon zweidreimal interessante Träume dazu, die ich aber garantiert nicht hier ausbreiten werde… – Na, so viel kann ich ja ruhig verraten: Es ging natürlich hauptsächlich darum, ob Männer wirklich nicht so schnell frieren, Rasieren echt so eine Plage ist und wie sich Klimmzüge so anfühlen.
(Das ist jetzt zwar schamlos gelogen, ich gebe jedoch unumwunden zu, dass mir das völlig schnuppe ist.)

Dass Männer und Frauen aber tatsächlich unterschiedlich ticken, erlebe ich wirklich jeden Tag. Nur war mir nie so recht klar, wieso eigentlich. Hat das was mit der Erziehung zu tun? Mit den zugewiesen Rollen? Man muss da ja mit solchen Überlegungen auch ein bisschen vorsichtig sein, sonst sitzt man plötzlich mit Frau Herrman in einem Boot und fährt zurück in die 50er Jahre! (Petticoats stehen mir nicht.) Oder man findet sich im Büh- nenprogramm von Herrn Barth wieder und muss zuhören oder einparken (wie war das noch mal?) und solche Sachen. Ich glaube übrigens, so sieht die Hölle aus.

Jahrelang habe ich mir verboten, Pink und Rosa zu mögen, nur wegen solcher massen- kompatiblen Fußhupen. Inzwischen habe ich irgendwann mal eine günstige Gelegenheit genutzt, mich selbst zur Seite zu nehmen und mal dahingehend zu beruhigen, dass ich Herrn Barth vermutlich niemals persönlich begegnen werde, um mir abgenudelte Schuh- kauf- und Handtaschenwitze anhören zu müssen. Seither steh‘ ich auch öffentlich zu meiner Pinkschwäche. Beispielsweise habe ich erst neulich einen hübschen pinkfarbenen Schlüsselhaken in Hasenform formvollendet und natürlich selbst an die Wand gedübelt. Vorher hatte ich da nämlich jahrelang bloß einen dicken, mal eben in die Wand gedon- nerten Nagel gehabt.

Im März gab’s zur Männer-/Frauenfrage einen wirklich interessanten Hinweis, da las ich mittenmal einen Artikel im St*rn, und zwar ein Interview mit Balian Buschbaum, der nach einer Geschlechtsangleichung auch äußerlich zum Mann wurde, nachdem er als Yvonne Buschbaum jahrelang ziemlich Erfolge als Leichtathletin eingefahren hatte. Das nur zur Erklärung, der spannende Teil (also, für mich) kommt noch: Im Interview gab Buschbaum u.a. an, wie er miterlebte, dass sich sein Denken verändert hatte mit der Gabe von Testo- steron und so. (Das Davor beschreibt er übrigens als „östrogenbehaftete Gedanken“.)

(…) Chaotisch, aber vielschichtig und empfindsam. Seit ich mir Testosteron spritzen lasse, verstehe ich die Frauen mit jedem Tag ein bisschen weniger. Es haben sich viele Türen in meinem Kopf geschlossen. Das empfinde ich als großes Glück, denn mein Leben ist es jetzt viel einfacher. Es gibt nur noch ja oder nein.(…)

(…) Sie meinen also, Männer sind einfacher gestrickt als Frauen? – Männer sind eben tendenziell eher klar und nüchtern strukturiert. Wir sind direkter und sagen, was wir denken. Frauen dagegen flattern Tausend Kolibris durch den Kopf. Sie kommunizieren dadurch viel mehr und machen oft Tausend Dinge zur selben Zeit. Multitasking. Für Männer ist das oft nicht zu schaffen. Wir haben oft wenig Verständnis dafür.(…)

(…) Wie ticken Frauen wirklich? – Frauen zweifeln mehr. An sich. An der Umwelt. Wie sie wahrgenommen werden. Wenn sie scheitern, ist es ein persönliches Versagen. Deshalb spielen sie bei Entscheidungsfindungen alle erdenklichen Möglichkeiten durch. In ihnen herrscht bisweilen ein großes Ungleichgewicht. Aber genau das macht auch die geniale Seite der Frau aus. Für mich ist klar: Östrogen macht Zweifel. (…)

Quelle: Stern 10/2010

So, und nu‘ kommst Du!

Das find‘ ich mal wirklich ’nen Augenzeugenbericht, und der deckt sich auch ganz gut mit meinen jahrelangen Vermutungen zum Thema. Ich meine, ich kenne natürlich Männer, die Entscheidungen ungefähr so scheuen wie pinke Handtaschen; – und Frauen, bei denen so eine Entscheiderei zackzack geht. Aber dass Frauen oft viel mehr zweifeln und dabei ver- suchen, alle Eventualitäten vorher mitzubedenken, kommt mir sehr bekannt vor. Genau deswegen kriegen wir aber auch gern so viel gewuppt, vermute ich. Allerdings ist ja auch bekannt, dass jeder alle möglichen Sorten Hormone in sich zirkulieren hat, sowohl männ- liche als auch weibliche. Das lohnt sich jedenfalls vielleicht doch mal, zu beobachten. – Und zwar nur zum besseren Verständnis untereinander, und nicht, nicht um da womöglich dran rumzudoktern!

Wenn ich dübel‘, mach‘ ich das trotzdem nicht mit Testosteron, da bin ich mir sehr sicher.
Das ist nämlich ein ganz anderes Paar Schuhe. – Die Farbe weiß ich jetzt aber nicht…