Hannover, es tut mir leid!

In der Zeitung stand gestern, dass Hannover im Ranking der beliebtesten deutsche Städte gnadenlos abgerutscht ist. Je nach Liste und Auswahlkriterien steht die Stadt nämlich mal auf Platz 7, mal auf Platz 15 von 50. Doch neuerdings hockt man schlecht gelaunt auf Platz 25 herum. Grund: Die Kriminalstatistik. Da steht, sie weise 15.059 Straftaten je 1.000 Einwohner aus und der Bundesdurchschnitt läge „nur“ bei 10.723 Delikten. Das kann ich zwar nicht ganz glauben, aber wenn’s doch in der Zeitung steht…

Und ich bin Schuld. Eingerechnet sind nämlich auch die Schwarzfahrvergehen. Und ja, ich gebe es zu: Ich bin Freitag schwarzgefahren! Mein Gewissen plagt mich so…, – aber ich hatte doch mein Portemonnaie in der anderen Jacke gelassen! Und hab’s erst am Bahnhof gemerkt! Und ich musste doch pünktlich bei der Arbeit sein! Und zurück habe ich mir dann auch eine Karte gezogen, wirklich!

Ich weiß nicht, wie sie es spitzgekriegt haben, aber Samstag stand’s halt schon in der Zeitung:

Meinetwegen_ist_H_jetzt_una

Wenn Freundinnen zu sehr telefonieren.

„Na? Was machst’n grade?“

„Hab‘ eben meinen neuen Schrittmacher repariert.“

„Du hast’n Schrittmacher?!? Seit wann?“

„Montag. Und nachdem der mir prompt runtergefallen war, ging er nicht mehr richtig. Da hab‘ ich ihn kurzerhand aufgeschraubt und gesehen, dass da bloß so ’ne winzige Feder lose war. Also hab‘ ich die mit Hilfe einer Stecknadel wieder über ihre Kontakte gezogen, und jetzt tickt das Teil wieder!“

„Wieso weiß ich davon nix, – warst Du denn im Krankenhaus?“

„Nö, die gab’s bei L*dl. So ein ganz kleiner silberner Kasten ist das.“

„Bei L*dl gibt’s Schrittmacher?!?“

„Jetzt nicht mehr, die waren sofort alle.“

„Und in Gang setzt man die dann selbst, ja?“

„Joh, da sind Batterien und alles bei, und die Einstellungen nimmt man dann selbst vor.“

„Du verarschst mich doch, oder?“

„…?“

„Du hast mir nie erzählt, dass Du herzkrank bist!“

„… Ach… – Schrittzähler! Entschuldige. Schrittzähler.“

„Kuh, Du!!!“

Mühsam nährt sich das Brominchen.

Echte Gartenwalnüsse.
ImKorbwälzensichWalnüsserum

Die sammle ich morgens auf dem Weg zur Arbeit auf.

Und wenn ich abends aus dem Wohnzimmerfenster schaue und sehe, wie der Wind so in die Bäume fährt, dann weiß ich: Prima, morgen gibt’s wieder eine reiche Ernte. Eigentlich sollte ich ja keine Nüsse essen, aber ich bin einfach bockig und esse sie trotzdem, weil ich fast mit jeder Nuss etwas Schönes bekomme.

Meine Großeltern hatten einen Walnussbaum in ihrem handtuchschmalen Garten und ich hab‘ als Kind immer ganz ungeduldig darauf gewartet, dass er die holzigen Dinger mit dem Schnäbelchen endlich fertig hat. Ich hab‘ nicht viel Familie und noch weniger schöne Kind- heitserinnerungen, deshalb hüte ich die ebenso wie in einer festen Schale. Besonders gern mochte ich, wenn die Nüsse noch so waren, dass man die bittere, frische Haut von den Kernen abziehen konnte. Ich hockte mit den Nüssen am Fenster und pulte sie ge- duldig, bis ich eine kleine Handvoll hatte, die ich dann langsam und mit Genuss aß…

Die Nüsse, die man normalerweise beim Weihnachtszeug im Laden findet, stammen bekanntermaßen meist aus Kalifornien, sind oft trocken und oll, weil sie vom Vorjahr sind, und außerdem sind sie gebleicht. – Wozu eigentlich?!? Wo doch dort sonst alles extra gebräunt wird.

Wer die nicht mag, muss schauen, dass er französische aus dem Périgord bekommt, jetzt ist immerhin die Jahreszeit dafür. In unserer Markthalle kostet ein Kilo aber schon mal 6-7,-€, das kann man sich auch nicht dauernd leisten. Falls aber doch, wird man mit Geschmack belohnt. Als ich in selbiger Markthalle noch französische Feinkost verkauft habe, gab’s in unserem Sortiment eine Art Praline, die sich „Les Harlequines de Périgord“ nannte. Es waren ankaramellisierte Walnusshälften im Kakaomantel und so ungefähr das Leckerste, was man mit den Dingern anstellen kann. (Abgesehen von, natürlich, Likör.) Leider gab’s die Harlekine nur bei uns (den Laden gibt’s inzwischen zum Glück nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte) und über’s Internet findet man diese Köst- lichkeit nicht.

Nachts liege ich deshalb wach und verzehre mich danach. Und der, der mir ein Tütchen davon bringt, darf die Prinzessin zur Frau haben. Aber wenigstens habe ich die Nüsse vom Bürgersteig. Was brauch‘ ich da einen Prinzen.

Auf Sonntag folgt Sonntag.

Gestern war aber wirklich mal ein verschrobener Tag.

Erstmal bin ich gar nicht richtig aufgewacht, sondern aus einem Traum wie rausgerutscht. Den Traum kannte ich schon, den habe ich seit vielen Jahren immer dann, wenn ich mir selbst was Bestimmtes zu sagen versuche. Zuletzt hatte ich übrigens vor ungefähr zwei Jahren so deutlich mit mir geredet.

Nach dem Aufstehen tat ich dann ein Weilchen etwas, dass ich beim besten Willen nicht anders als „Rummuckeln“ bezeichnen kann, obwohl ich mir wünschte, dass das Wort „Muckel“ in allen seinen Abformungen nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehörte. – Sei’s drum! Ich hab‘ also in meinem kleinen, bunten Haushalt so’n büschen gemuckelt und bin dann anschließend mit dem Fahrrad los.

Als ich am Zeitungsladen vorbeifuhr, dachte ich noch: „Ham die Urlaub?“, aber als ich dann zum Lindener Markt kam, wo weder die zwei Apotheken, noch der Italienische Laden, noch die Post aufhatte, würde mir blümerant. Ich hatte wirklich für einen Moment das schräge Gefühl, ich hätte womöglich den ganzen Samstag (und die Nacht drauf auch noch) verschlafen und es wär‘ Sonntag. Dafür allerdings war der Traum irgendwie zu kurz gewesen… In der mündlichen Rede würde ich jetzt sagen, es hätte sich „strange“ ange- fühlt, aber geschrieben sieht das ja total blöd aus, auch wenn es hier passt. Das Gefühl war unwirklich und fremd. Zum Glück fiel mir rechtzeitig, bevor ich mich mal zu einer gründlichen Kopfuntersuchung anmelden konnte, ein, dass ja Tag der deutschen offenen Tür oder sowas war!

Da war ich natürlich kurz beruhigt, und dann aber gleich ziemlich sauer! Schließlich hatte ich total viel vor: Geld einzahlen, Zeitung besorgen, Wocheneinkauf, Tablettchen abholen und mir Blumen schenken… – Also alles ziemlich dringend und dann steh‘ ich da im kurzen Hemd. Und dann war auch noch der Geldautomat in der Post gestört und wollte mir keine Penunzen rausrücken!

Ich finde das sowieso grundsätzlich seit Monaten doof, dass ausgerechnet in dem ersten Jahr, in dem ich wieder auf dem „normalen Arbeitsmarkt“ zugange bin, die Feiertage so beknackt liegen. Menno.

Aber der Bäcker, der hatte immerhin auf! Und hat auf mein Geheiß auch sofort Brötchen auf die Theke gelegt. Geht doch. Auf dem Rückweg habe ich einer Konkurrenzbank beim Abheben vermutlich ein Bündel unsichtbarer, weil noch virtueller Geldscheine in den Rach- en geworfen (Fremdautomatenabhebegebühr oder wie das heißt) und bin grummelnd bis leise schimpfend nach Hause, wo ich mich dann für den Rest des Tages über Pralinen, mein Strickzeug und Gedanken zur Lage hermachte.

Zum Glück liegt in meinem Badezimmer aber das Hannöversche Stadtmagazin und das verriet mir, dass heute in der Innenstadt verkaufsoffener Sonntag ist. Dann eben sorum! Bittesehr. Wäre doch gelacht, wenn ich heute nicht noch an Zeitung, Blumen, Tomaten und Zeug komme! Los geht’s, konsumier‘ mir!

Und den Kopf, den kann ich ja auch genausogutundgerne ein anderes Mal nachgucken lassen.

Zwei bis drei Mädchen? Von wegen!

Diese Woche habe ich wieder eine von diesen Sendungen geguckt, von denen jemand ganz Bestimmtes immer einen seiner berühmten „Spangenhälse“ bekommt. Ich guck‘ die aber einfach trotzdem, denn man wird weder doof noch dumpf davon, das war man ja -wenn- schon vorher. Im Gegenteil, mich entspannt und belustigt es zuweilen, eine Koch- sendung zu sehen. Keine Ahnung, was es ist, was diese Formate so beliebt macht, ich hab‘ da auch nur Theorien.

Eine davon lautet, dass man etwas von der Behaglichkeit zurückbekommt, die man vielleicht als Kind hatte, wenn man in der Küche hockte, und die Eltern oder Großeltern brutzelten das Abendessen. Man fühlte sich familiär und wusste: gleich gibt’s was Gutes. Zudem bin ich hoffnungslos romantisch und glaube tatsächlich, dass einige Zuschauer beim Zugucken Lust kriegen, auch mal wieder „richtig“ zu kochen und das dann auch tun, – vielleicht sogar für Gäste! Ja, natürlich gibt’s auch viele vor’m Gerät, die Fertigpizza dabei essen, aber die gibt’s ja eigentlich immer. Wenn Olympische Spiele sind, oder Fußball-Irgendwas ist, dann sieht man das auch auf allen Kanälen & jederzeit und kaum jemand beschwert sich über den Sinn darin, Anderen beim Sporteln zuzusehen, während sich in den Straßen die Pizzakartons bis an die Fensterbretter stapeln.

Mir als Gourmette machts einfach Spaß, Leuten beim Kochen zuzusehen und mir vorzu- stellen, ob und wie das wohl schmeckt. Manchmal guck‘ ich mir sogar was ab und bisher hat sich auch noch niemand beschwert, das schmecke irgendwie doof nach Fernseher…

Allerdings mache ich (und das sollte Jeder tun) einen großen Bogen um diese „Promi“- Sachen, denn diese Promis zeichnen sich ja eigentlich nur durchs Promi-sein-wollen aus und meistens ist es ihnen völlig schnuppe, wie das Essen wird. Hauptsache, man sieht, dass sie einen tollen Inneneinrichter hatten. Auch, wenn Profiköche um die Wette kochen, finde ich das eher langweilig.Dass die es können, weiß man ja nun.

Nein, ich mag ganz normalen Menschen mit normalen Berufen beim Schnippeln und Rühren zugucken. Die Kandidaten sind auch ganz unterschiedlich sympathisch und ich fühle direkt mit, wenn ein ansonsten netter junger Mann seine Nudel verk…, äh, verkocht und dann kaum Punkte kriegt, der Arme.

Solche Sendungen kommen jede Woche aus einer anderen Stadt und dann freu‘ ich mich, wenn ich z.B. Hannoveraner wiedererkenne, weil ich die eventuell schon mal in einem Club gesehen habe oder wir sogar gemeinsame Freunde haben. In dieser Woche kam übrigens eine Reihe von Folgen aus Aachen und ich freue mich klammheimlich, dass der Küchenchef des Lokals wirklich so selbstherrlich-unfreundlich ist, wie jemand ganz Bestimmtes das sicher annehmen würde, denn er ist aus Prinzip eigentlich nie in dieses Lokal der Aachener Haute-Volée gegangen. Jetzt weiß ich, dass er damit Recht hatte, – aber er nicht.

Merkwürdigerweise war in dieser Woche aber auch hier ein „Promi“ dabei, weil es eine Jubiläumsfolge gab. Der Promi war dann Hans Meiser. Egal. Er musste, wie die anderen Kandidaten, ganz normal kochen und kriegte das sogar ganz nett hin. Am Dienstag allerdings schnitt er sich leicht in den Daumen und tat in Großaufnahme so, als würde er nicht jammern. Der Küchenchef sagte daraufhin, er dächte, er hätte nur zwei Mädchen in der Küchenmannschaft diese Woche, es seien aber wohl doch drei!

Und nur deshalb schreibe ich eigentlich diesen Eintrag.
Das mit der Kochguckerei war nur der Anlass und in die Irre führendes Drumrum, hehe.

Ich muss nämlich diesem Küchenmann da mal gewohnt freundlich, aber ganz entschie- den widersprechen: Nach meiner Erfahrung jammern Mädchen und Frauen nämlich erheblich seltener und weniger auffällig über körperliche Wohligkeitsabwesenheiten als Jungs und Männer! Somit kann Herr Meiser sich geadelt fühlen, wenn man seine Lei- densfähigkeit „mädchenhaft“ findet.

Das wollt‘ ich nur mal eben sagen. Und jetzt gehe ich mir Frühstück kochen.

Nix als Behauptungen: Weiße Hosen werden schneller dreckig

Vorgestern abend am Bahnhof tummelten sich drei Jugendliche. Zwei von ihnen wohl mit migrantösem Hintergrund. („Migrantenhintergrund“ ist, das weiß ich genau, wenn hinter einem ein eingewandertes Plakat oder ein Plakat mit Eingewanderten aufgehängt ist.) Der dritte kann vom Anschein her gut mit inländischem Stammbaum über mehrere Generation ausgestattet gewesen sein (das weiß ich jetzt nicht so genau, den Stammbaum führt man ja normalerweise nicht bei sich, und ich hätte mich auch schwer gehütet, ihn danach zu fragen), sprach aber merkwürdigerweise genau so wie die beiden vermutlich türkisch- stämmigen Jungs.

Nämlich so, dass jede Silbe so dumpf hingespuckt wird und am Satzanfang und Satzen- de jeweils „Alter!“ gebrüllt wird. (Das nennt man Interpunktion, das weiß ich ebenfalls genau.) Wenn das mit dem „Alten“ vorne und hinten nicht wäre, könnte man das Gespro- chene auch für eine merkwürdige Art von Husten halten (bei Husten gibt’s ja, soweit ich das weiß, auch keinen anständigen Satzbau), und es erstaunt mich immer wieder, dass das anscheinend die aktuelle Jugendsprache sein soll, die sich eben nicht an Jugend- fachausdrücken festmacht, sondern an Tonfall und Schlichtheit, und viele so reden, als wären sie mit der Sprache erst vor ein paar Monaten zum ersten Mal in Berührung gekommen.

Ehrlich gesagt, macht mir das schon ein bisschen Sorgen, denn wer seine Gedanken nur schwer in Worte gefasst bekommt, dessen arme Gedanken müssen sich doch irgend- wann ziemlich eingesperrt vorkommen und dann anfangen, gegen ihren Besitzer zu rebellieren. Aber vielleicht bin ich auch im Irrtum und Brockensprache reicht völlig aus, um damit gut durchs Leben zu gondeln.

Mitzuteilen hatte man jedenfalls sich und den Umstehenden, dass „weiße Hosen ja echt cool“ sind, aber „scheiße voll schnell dreckich werden“.

Mich amüsierte das ein bisschen, denn ich wusste es schließlich besser.

Weiße Hosen werden nämlich überhaupt nicht schneller dreckig als andere! Es sei denn, es sind zufälig auch noch Arbeitshosen, aber dann liegts eben an der Tätigkeit. Bei der Arbeit wird man ja allgemein rascher dreckig, als wenn man z.B. nur so rumsitzt oder so. (Und das weiß ich nun wirklich ganz genau!) Beim Rumsitzen ist die Hosenfarbe ziemlich egal.

Ansonsten werden weiße Hosen genauso schnell dreckig wie andere, man sieht’s bei den weißen nur viel deutlicher.

Und genau deswegen sind sogenannte Arbeitshosen meistens dunkler, gern blau oder grün. Ausnahme sind natürlich die von Malern, die allerdings auch überwiegend weiße Farbe verstreichen müssen. Und weil die sich dabei genauso einsauen wie -sagenwirmal- Autoschrauber, sind Malerhosen eben weiß. Die sind nach getaner Arbeit quasi ebenfalls dreckig, aber man sieht’s nicht gleich so… Daraus leitet sich ab: Wer Hosen trägt, muss sich eben den farblich passenden Schmutz dazu suchen. Im Vorteil ist klar, wer vielfarbig gemusterte Hosen trägt, der hat dann die größere Auswahl. Alles bloß ’ne Sache von Köpfchen.

Ich trag ja übrigens gern Jeans, weil man die länger als einen Tag anziehen kann, wenn man nicht so blöd ist, darin als Maler arbeiten zu wollen. Ein Fehlschluß wäre es jetzt allerdings, zu glauben, ich hätte es den ganzen Tag mit blauem Dreck zu tun.

Das alles habe ich den drei jungen Herren aber lieber nicht auseinandergesetzt, denn erstens hatte ich vorgestern zufällig eine weiße Hose mit einem deutlich sichtbaren Fleck (von Arbeiten!) an und zweitens kam mein Zug und ich wollte da rein, während die sich lieber am Bahnhof weitertummeln wollten…

Mobilfunk-Randale!

Also, wir hatten am Wochenende eine zweitägige Großveranstaltung bei der Arbeit, die uns inkl. Vorbereitung wochenlang auf Trab gehalten hat. – Bin ich vielleicht froh, dass die jetzt endlich durch ist!

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse dieses Wochenendes ist, dass Außendienstler wirklich die allerdämlichsten Handyklingeltöne haben. Noch dämlichere als die pubertie- renden Jungs vom Spielplatz gegenüber, – und das will was heißen! Ich weiß das jetzt deswegen genau, weil ebendiese ADs ihre Handys in mein Büro legen, während sie sich um ihre Kunden kümmern müssen. Und ADs haben ihre Handys natürlich auch immer ordentlich laut eingestellt, weil die Herren meistens selber schon so geräuschig sind (wenn sie zum Beispiel über ihre 80er-Jahre-Witze lachen müssen) und dabei natürlich nicht mitkriegen würden, wenn ihr Telefon nur mittellaut losrumpeln würde.

Man kann sich jetzt mal kurz vorstellen, wie das ist, wenn die Bromine im Büro zu tele- fonieren versucht und vielleicht gerade eine Kundin wegen einer Veranstaltung dran hat. Und dann bekommen mehrere Außendienstler parallel einen Anruf. Da die Handys alle auf der Fensterbank ausgelegt sind, meint man die Scheibe deutlich vibrieren zu sehen. Ich vermute ja, meine Gesprächspartnerin hat gedacht, ich rufe vom Rummel aus an und hocke in einem Disco-Autoscooter, während nebenan ein Riesenkarussell hupt, sirent und trötet und Leute brüllen. (Sirenen ist ja das, was eine Sirene so macht, wenn sie sich nicht gerade die Frisur durchforkelt.)

Ein bisschen peinlich ist das schon.
Ich hab‘ dann später mal ein bisschen überlegt, was mir denn wohl der liebste Klingelton wäre. Es gibt ja schließlich so schöne Geräusche, die man da drauf installieren könnte…

Zum Feierabend hin wusst‘ ich’s dann:
Das hübsche Rauschen einer sich langsam auflösenden Sprudel-Kopfschmerztablette.

Och nee, schon wieder Herbst, oder: Kastanier‘ mir! – Die große Kastanienbewegung 2009/10

Kaum zu fassen, Herbst.

Ich hab vom Sommer wirklich nichts gehabt. Das behaupten bestimmt Viele gerne mal, aber in meinem Fall ist die Behauptung erlaubt. – O.k., behaupten ist immer erlaubt. Herbst dagegen ist nicht er-, sondern entlaubt. Da darf man ruhig mal schlechte Wort- spiele machen. Ist gestattet. (Und bevor ich jetzt noch anfange mit er- oder sogar bestattet, hör‘ ich mal lieber gleich wieder damit auf.)

Herbst ist jedenfalls eins meiner persönlichen „four-letter-words“. Funktioniert zuverlässig. Sag „Herbst“ zu mir und ich krieg‘ Scheißlaune. Upps, Verzeihung. Mich deprimiert das eben, dass jetzt monatelang nur Schmuddel- und Frierwetter kommt, draußen alles immer unansehnlicher wird und mir der kalte Wind unter die Jacke kriecht. Und jedes Mal mache ich mir Sorgen, dass das vielleicht diesmal nicht aufhört, sondern einfach immer so bleibt. Geh‘ mir bloß weg mit bunten Blättern und Gemütlichkeit! Ich finde unzugiges Wetter bei freundlichen Außentemperaturen und bunte Blumen einfach gemütlicher. Haushoch. Frag‘ mich jetzt bitte niemand, was „haushoch gemütlicher“ sein soll. Wer sich’s nicht zusam- menreimen kann, soll eben einfach dran vorbei lesen.

Ich lass‘ mir den Herbst jedenfalls nicht schönreden. Alle Argumentation geht ja doch nur dahin, dass die Jahreszeit trotzdem schön ist… Man müsse eben die positiven Aspekte daran verstärken. Also, eine Jahreszeit, die ich mir erst schöntrinken muss, – nee danke! Ich bin dagegen. Ich bin für die komplette Abschaltung des Herbstes! Ob die Grünen da vielleicht mal was machen können? Denen muss das Ganze doch eigentlich ebenfalls großes Unbehagen machen, so rein vom Symbolcharakter her, wenn alles so loswelken will und so. Aber das mit der Abschaltung hat ja auch schon in anderen Bereichen nicht richtig hingehauen…

Also müssen wir schnell handeln.

Aufruf zur großen, beliebten und total
internationalen
Kastanienbewegung
!
Taschenbewohnerin_09

Geht so:
Kastanie finden, in die Tasche stecken
und bei jedem Drüberreiben ist wieder
ein Stückchen Herbst geschafft und
Trost gewonnen. Und dazwischen
pflegen wir abwechselnd ein bis-
schen Melancholie und Jahres-
zeiten-Ignoranz. Und den Winter,
den kriegen wir damit auch irgend-
wie rum, bestimmt!

Dann im Frühling, wenn das erste grüne
Blatt aus dem Zweig will, dann wird sie wieder
weit, weit fortgeschmissen und mit ihr das olle Graue, Fröstelige…

Der Bollen hier ist also meine Kastanie, heute morgen gefunden. Die ist riesig!
Hier ein Beweisfoto:

Taschenbewohnerin_09b

Ich gehe selbstverständlich frech davon aus, dass es unheimlich viel Glück bringt, wenn die erste Kastanie, die einem im Herbst über’n Weg läuft, so groß ist wie eine Kartoffel und so schwer wie ein Golfball. (Zumindest meinem Orthodäden, wenn ich im Frühjahr ganz schief bin, weil ich vergessen habe, diesen Okolythen immer mal zwischen linker und rechter Tasche hin- und her zu tauschen.) Egal, es muss eben die erste sein, nur die gilt!

Ich freu‘ mich jedenfalls, wenn Ihr die Kastanienbewegung wieder zahlreich mittragt und wir im Frühling sogar zeitgleich schmeißen.

Und jetzt will ich Eure Kastanien sehen! 😉

Liebe Grüße, Eure Theo


Nachtrag

Bisher mit dabei (z. T. mit eigenen Einträgen):

– Hauslude

Rebhuhn

– Pocemon

– AndiW

– Juleika

– Sansibar

tara91

Rolline

– McMannheim

– NetRat (und das Hifiding von nebenan)

– Schnoggel

Piep.

Manchmal hat man so Phasen, da geht irgendwie nix. Nix weiter. Nix voran. Nix zurück. So eine Phase habe ich gerade.

Ich bin ungeheuer müde, dünnhäutig, ruhelos und fühl‘ mich zu oft un- oder falsch verstan- den, mitunter sogar von mir selbst. Und wenn ich merke, dass ich doch ab und zu gese- hen werde, ist das zwar ganz schön, hilft aber leider nicht viel.

Wenn man in so einer Situation feststeht, ahnt man erst und dann weiß man, dass es nur an einem selbst hängt. Und dass man die Energie und Kraft mobilisieren muss, die eine Bewegung vom Fleck möglich macht. Das kann niemand sonst erledigen. Darf auch nie- mand sonst.

Meine Energie geht seit nun schon eine Weile nach allen Seiten weg, was normalerweise gut ist. Denn die soll ja rotieren und sich verteilen und dann kommt auch automatisch genug davon zurück. So stell‘ ich mir schließlich die Welt vor. Aber irgendwas an diesem schönen, fluffigen Modell funktioniert im Moment nicht richtig.

Und deswegen.