Bier, Brause & witzige Männer.

Das Fiese an meinen Schlafgewohnheiten ist, dass ich auch nach Parties und Alkohol- missbrauch spätestens um sieben Uhr wach werde und dann wie ein Geist zwischen den Möbeln herumschleiche, im Vorbeigehen Koppaua-Tabletten brauend und Tee brühend, bis ich dann mit Getränk links und rechts in der Hand hoffnungslos überfordert auf dem Sofa hocke. Keine Hand mehr frei für die Stirn.

Heute ist es zum Glück nicht so schlimm, denn ich habe gestern gerade mal 3 kleine Biere getrunken, Brause im Reißverschlussverfahren dazwischen, und angefangen hat dieser Riesenspaß schon nachmittags, sodass ich gegen halb elf mit allem durch und wieder zuhause war. Allerdings habe ich wieder geraucht, für meine Verhältnisse sogar ziemlich viel, und fühle mich jetzt wie ein kleiner, müder Aschekübel. Ich finde, als Nichtraucher (normalerweise) merkt man sehr deutlich, wie Nikotin und Zubehörstoffe johlend durch die Organe ziehen und überall ihr Zeug rumliegen lassen. Und das arme, körpereigene Reinigungssystem hat dann ordentlich zu tun, alles wieder gründlich auszufegen.

Aber ganz schön war’s. Viele Leute hatte ich bestimmt zwei Jahre nicht mehr gesehen. Bei manchen war die Wiedersehensfreude größer als bei anderen. Bei B. zum Beispiel, der zu den angenehmen Menschen zählt, mit denen man immer schnell ein interessantes oder kurioses Thema findet. Am lustigsten für mich wurde es allerdings, als M. sich dazu setzte und es plötzlich um Witze ging. M. erzählte den ganzganz doofen, aber kürzesten Witz, den man so kennt. B. guckte kariert und wartete. „Ja und? Da kommt doch noch was!“ – „Nee! Kommt ’ne Frau beim Arzt. Das ist der Witz. Der ist bescheuert, aber den kennt doch jeder!“ – „Der geht doch noch weiter! Das ist doch nicht der Witz! Da kommt doch noch was!“ (Inzwischen beide entrüstet.) – „Nein, Alter, das ist der Witz!“ – „Das ist doch kein Witz: Kommt ’ne Frau beim Arzt. Wo ist denn da der Witz! Das heißt doch: Kommt ’ne Frau zum Arzt und dann kommt noch was!“ – „Nee, nur die Frau kommt! Sonst keiner!

Das war dann tatsächlich das erste Mal, dass ich über diesen Witz ein bisschen lachen musste.

bartbromineBald darauf fuhr ich dann auch schon nach Hause, wo mir direkt vor dem Schlafengehen noch überra- schend ein Schnurrbart wuchs.

Da konnte ich nix für, das kam einfach so, aber nu‘ weiß ich auch wieder, wieso ich Bärte doof finde: Die stehen mir einfach nicht.

Und jetzt geh‘ ich erstmal weiter aufwachen und frühstücken…

Und mich dann rasieren. *g*

 

Zwischendrin-Pieps (geht ja auch ohne Twitter…)

Vorhin erst sprach ich noch davon, dass ich mir keine Sorgen mache, wie’s beruflich wohl so weitergeht. (Denn ich vertrau‘ zum Glück auf ein paar meiner, natürlich hübsch hoch- glänzenden, Fähigkeiten.)

Da rappelt das Telefon, und während ich im Kopf eigentlich noch im Sonstwo bin, um ein Sonstwas erstmal vorsichtig zu enttüddeln, spricht eine Personalfrau der Vertretungsjob- firma von neulich zu mir, ob ich denn wohl am Freitag mal zu einem Vorstellungsgespräch kommen mag, sie hätte da was! Und dieses Was ginge dann ggf. so um den 20. rum los. (Allerdings gibt’s auch noch eine Mitbewerbung…) Aufgabe scheint o.k., Piepen locken in gefälliger Menge. Könnte was sein.

Ja nu‘ aber guck!

Also, DAS war vielleicht wieder mal ’ne Woche…

(Kein Wunder, dass ich die Kommentare nicht beantwortet kriege und es nicht zur Post schaffe!)

– Ein wirklich schönes Telefonat.
– Die Erlaubnis, über die Arbeit ISM-Tickets kaufen zu dürfen (Yeee-hah!).
– Eine feine Comicpost (Danke HikE!).
– Eine total verlogene Weihnachtsfeier (mit wenig Wein, damit ich nämlich nicht sage, was ich so denke).
– Ein ganz schlimmes Schrottwichtelgeschenk (Augenaua!).
– Dafür aber ein richtig gutes Arbeitszwischenzeugnis!
– Dazu natürlich noch besonders viel Arbeit (deswegen abends um acht schon Lampe aus) und…
– …meine letzte Gruppenführung am Donnerstag.

48 fidele Omis kriechen aus ihrem Reisebus und kichern sich durch die Ausstellung.
– Ich liebe solche Gruppen! Polyesterhäkelpullover in unbekannten Farben und leberwurs- tige Handtaschen. Die Damen können zudem plastisch erzählen, wie sie früher als junge Mädchen noch selbst gebuttert oder sich vor den Trinken der warmen Ziegenmilch gegru- selt haben. Außerdem sind immer ein paar dabei, die nie aufgehört haben, das naive Dummchen zu sein und die entsprechenden Fragen stellen: „Frollein, können sie mir von dem mal was abschneiden, der sieht ja lecker aus!“ – „Das ist eine Atrappe.“ – „Aber das macht doch nix!“ (Ich hab‘ dann auch immer ’ne Frage, allerdings stelle ich die nicht laut: „Wie kommen manche Leute eigentlich so durch’s Leben?“ Die waren doch mit 20 sicher schon dooftüdelich.)

Jedenfalls komme ich natürlich auch nicht drumrum, dann später ab und an mal was von der Tischkonversation aufzuschnappen: „Mensch Inge, ich hätte dich beinahe gar nicht wieder erkannt, so lange, wie das jetzt her ist! Du siehst ja gaaanz anners aus! GANZ anners! Jaja, manche werden im Alter ja dicker. Und andere werden viel dünner…
– Und manche auch beides!!!“

Auf Sonntag folgt Sonntag.

Gestern war aber wirklich mal ein verschrobener Tag.

Erstmal bin ich gar nicht richtig aufgewacht, sondern aus einem Traum wie rausgerutscht. Den Traum kannte ich schon, den habe ich seit vielen Jahren immer dann, wenn ich mir selbst was Bestimmtes zu sagen versuche. Zuletzt hatte ich übrigens vor ungefähr zwei Jahren so deutlich mit mir geredet.

Nach dem Aufstehen tat ich dann ein Weilchen etwas, dass ich beim besten Willen nicht anders als „Rummuckeln“ bezeichnen kann, obwohl ich mir wünschte, dass das Wort „Muckel“ in allen seinen Abformungen nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehörte. – Sei’s drum! Ich hab‘ also in meinem kleinen, bunten Haushalt so’n büschen gemuckelt und bin dann anschließend mit dem Fahrrad los.

Als ich am Zeitungsladen vorbeifuhr, dachte ich noch: „Ham die Urlaub?“, aber als ich dann zum Lindener Markt kam, wo weder die zwei Apotheken, noch der Italienische Laden, noch die Post aufhatte, würde mir blümerant. Ich hatte wirklich für einen Moment das schräge Gefühl, ich hätte womöglich den ganzen Samstag (und die Nacht drauf auch noch) verschlafen und es wär‘ Sonntag. Dafür allerdings war der Traum irgendwie zu kurz gewesen… In der mündlichen Rede würde ich jetzt sagen, es hätte sich „strange“ ange- fühlt, aber geschrieben sieht das ja total blöd aus, auch wenn es hier passt. Das Gefühl war unwirklich und fremd. Zum Glück fiel mir rechtzeitig, bevor ich mich mal zu einer gründlichen Kopfuntersuchung anmelden konnte, ein, dass ja Tag der deutschen offenen Tür oder sowas war!

Da war ich natürlich kurz beruhigt, und dann aber gleich ziemlich sauer! Schließlich hatte ich total viel vor: Geld einzahlen, Zeitung besorgen, Wocheneinkauf, Tablettchen abholen und mir Blumen schenken… – Also alles ziemlich dringend und dann steh‘ ich da im kurzen Hemd. Und dann war auch noch der Geldautomat in der Post gestört und wollte mir keine Penunzen rausrücken!

Ich finde das sowieso grundsätzlich seit Monaten doof, dass ausgerechnet in dem ersten Jahr, in dem ich wieder auf dem „normalen Arbeitsmarkt“ zugange bin, die Feiertage so beknackt liegen. Menno.

Aber der Bäcker, der hatte immerhin auf! Und hat auf mein Geheiß auch sofort Brötchen auf die Theke gelegt. Geht doch. Auf dem Rückweg habe ich einer Konkurrenzbank beim Abheben vermutlich ein Bündel unsichtbarer, weil noch virtueller Geldscheine in den Rach- en geworfen (Fremdautomatenabhebegebühr oder wie das heißt) und bin grummelnd bis leise schimpfend nach Hause, wo ich mich dann für den Rest des Tages über Pralinen, mein Strickzeug und Gedanken zur Lage hermachte.

Zum Glück liegt in meinem Badezimmer aber das Hannöversche Stadtmagazin und das verriet mir, dass heute in der Innenstadt verkaufsoffener Sonntag ist. Dann eben sorum! Bittesehr. Wäre doch gelacht, wenn ich heute nicht noch an Zeitung, Blumen, Tomaten und Zeug komme! Los geht’s, konsumier‘ mir!

Und den Kopf, den kann ich ja auch genausogutundgerne ein anderes Mal nachgucken lassen.

Was man alles so hört.

Hier in meinem Viertel heißen ja viele Mütter Anne, das weiß ich ziemlich genau, weil meinem Haus gegenüber ein Spielplatz angebracht ist, von dem aus die kleinen Racker ihre Mütter ans Fenster rufen, damit die dann mal ein bisschen Geld für Eis runterschmei- ßen oder einfach bloß mal gucken, weil Lukas dem Mehmet gerade die Kekse wegfrisst.

Dieser Spielplatz ist offenbar so schön, dass die Kinder gleich dableiben, bis sie ungefähr 25 sind und nächtens um dreie Bier trinken, sich Witzigkeiten zubrüllen, gegen die Klet- tersachen treten und sich gegenseitig „voll bescheuerte“ Videos auf dem Handy zeigen, was wiederum zu eruptivem Gelächter und dem mehrmaligen lauten Wiederholen der Pointe führt. Den Rest der Handlung kann ich mir jeweils theoretisch dazu denken, wach wär’ ich dann ja schon mal…

Zwischen dem normalen Radau tagsüber und der nächtlichen Rumkobolzung gibt’s aber auch noch die Dämmerung, in der sich mitunter herzzerreißende, aber typische Szenen belauschen lassen. So wie vor ein paar Tagen zwischen Mutter und Kind:

„Los! Nach Hause!“

„Nee, noch nicht…“

„Doch, komm jetzt!“

„Gleich.“

„Ich will aber nach Hause.“

„Nur noch 5 Minuten…“

„Dann geh’ ich alleine!“

„Mir doch egal, ich bleib’ noch!“

„O.K. – Dann geh’ ich jetzt.“

„Du hast ja nicht mal’n Schlüssel…“

„Manno, ich will jetzt aber nach Hause. Ich hab’ auch riesigen Hunger!“

„Jaaahaaa! Gla-heich! Die Mami raucht jetzt noch in Ruhe ’n Kippchen und trinkt ihr Bier zuende, ja? Dann gehen wir nach Hause und ich koch uns was Schönes.“