Mensch, das wird aber langsam kühl hier! Ich glaub’, ich muss mir doch bald mal Söckchen überziehen. Na, heute reicht’s noch, wenn ich die Heizung etwas hochdrehe…
Draußen bricht so richtig der Herbst aus, es ist diesig und verhangen, auf meinem metal-
lenen Fensterbrett rumort eine Amsel und guckt immer wieder neugierig durch’s Fenster. Vielleicht ist sie ein bisschen neidisch auf mein Brötchen mit Butter. Ich würd’ ja was abgeben, aber wenn ich jetzt zum Fenster gehe, haut sie ab und außerdem sind Menschenbrötchen sowieso nix für Wildtiere. Und ob ihr die Butter überhaupt schmecken würde? Da, jetzt ist sie weggeflogen, vielleicht kennt sie eine Stelle, an der es jetzt leckere Beeren gibt. Mir ist mein Butterbrötchen lieber. Mehr brauche ich nämlich nicht und werde deshalb oft gefragt, ob ich mir nix „Richtiges drauf machen“ will. Nö.
Ich habe mal versucht, eine Liste aufzustellen mit „einfachen Gerichten“, die fantastisch schmecken, obwohl oder weil sie nur zwei bis drei Zutaten haben. Ein gutes Brot oder Brötchen mit guter Butter war eines davon. Das andere waren Erdbeeren mit frischer Sahne. Dann hörte die Liste schon wieder auf. Eventuell könnte man Spaghetti „Aglio e Olio“ dazuzählen, aber eigentlich sind da schon zu viele Komponenten drin. Gar nicht so einfach. Vielleicht wisst Ihr ja noch was?
Vernünftige Brötchen oder Brote zu bekommen ist schon ganz schön schwierig. Ich jedenfalls habe lange kein richtig gutes Brot mehr gegessen, obwohl ich mich wirklich umsehe. Je ausgeflippter oder rustikaler der Name, desto größer ist meistens die Ent-
täuschung. Darüber habe ich ja schon mal was geschrieben… „Wellenreiter-Brötchen“, „Siegerschleifen“, – pffft! Also bitte, was soll denn das? Ich will doch nur frühstücken und nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen! Morgen gehe ich mal hin und frage nach „Helga-Feddersen-Gedenk-Brötchen“. Mal sehen, was dann passiert.
Neulich habe ich endlich mal wieder leckere einfache Brötchen gegessen, aber dafür müsste ich jeden Tag ein paar hundert Kilometer fahren, denn das war leider nicht in Hannover.
Bei der Butter habe ich meine Sorte gefunden, die ich zum Glück in fast jedem Super-
markt kriege, und tatsächlich am Geschmack erkenne. Wer’s nicht glaubt, soll das ruhig mal ausprobieren. Der Unterschied zwischen Süßrahm- und gesäuerter Butter ist z.B. recht deutlich. Süße schmeckt oft regelrecht fettig. Gesäuerte schmeckt irgendwie frischer und herzhafter. Süßrahmbutter ist gut für Kuchen und so.
Ich besuchte mal vor einiger Zeit Freunde, und weil diese immer Margarine essen, hatte ich mir ein kleines Stückchen Butter für’s Frühstück mitgebracht. Sie hatten aber dann doch extra Butter für mich eingekauft. Irgend so eine Egale, daher zog ich trotzdem die Mitgebrachte vor. Es kam natürlich eine Diskussion auf, ob man das denn nun wirklich schmecke, und ich würde doch bloß wieder eine Show abziehen! Daraufhin verband man mir die Augen und schmierte mir zwei Brotstückchen mit Butter ein. Ich erkannte meine schon am Geruch bzw. am Duft, das klingt etwas schöner.
Dann tauschten wir mal, und ich hatte das Vergnügen zu sehen, wie sich Erstaunen auf die Gesichter malte, als die Beiden feststellten, wie deutlich die Unterschiede doch zu schmecken waren. Man muss nämlich überhaupt kein Feinschmecker sein, um das zu merken. Trotzdem ist es den Leuten merkwürdigerweise egal. Sie kaufen die Butter nach dem Einwickelpapier, der Werbung oder nach dem Preis. Und vieles andere auch. Das verstehe ich einfach nicht! Essen müssen wir jeden Tag, also sollten wir doch etwas mehr Übung drin haben. Hm. Darüber denke ich oft nach und bestimmt schreibe ich hier auch noch mehr dazu. Mir geht es ja gar nicht um Gourmetküche (obwohl ich furchtbar gerne mal wieder nach Herzenslust in einer Feinkostabteilung einkaufen würde), sondern um den Alltag.
Ich würde gerne mal so einen Verkostungsabend mit ein paar Leuten machen, bei dem einige Lebensmittel blind erschmeckt werden können. Jeder bringt was mit, in mehreren Varianten. Das könnte doch interessant und lustig werden! Und überraschend, auch.
Wieder darauf gebracht hat mich der doofe Raab. In seine letzte Folge von „Schlag den Raab“ schaltete ich rein, als er gerade mit Pauken und Trompeten durch ein Spiel rassel-
te, bei dem er mit verbundenen Augen 20 Lebensmittel und Gewürze erschnuppern sollte. Da waren dabei: Zimt, Birnen, Fisch, Senf, Basilikum, Käse, Bier, Knoblauch…
Ich glaube, er erriet nur zwei davon, regte sich dabei aber für vier auf, weil das so eine „ver-
dammt schwere“ Aufgabe sei!!! Und das Publikum solle mal nicht so lachen, sie säßen ja nicht da, das wäre echt nicht so einfach, wie man immer denke!
Ich dachte noch vergnügt: „Doch. Das ist ziemlich einfach, meiner Meinung nach.“ Da Stefan vorlegen musste, kam sein Herausforderer anschließend dran und hatte nach drei erratenen Dingern das Spiel gewonnen. Ich hätte gerne noch gesehen, wie er auch die anderen 17 errät, aber da ging’s schon wieder weiter.
Ich habe mal gehört, dass manche Franzosen über die Deutschen sagen: „Frag’ einen Deutschen mal nachmittags, was er zu Mittag hatte! Dann kann er dir nicht sagen, was er gegessen hat. Aber er weiß noch, was es gekostet hat…“





