Waaaaarum?!?!

Ist im „Jugendbund Landeskirchl. Gemeinschaft“ etwa auch Ach-nö-schon-wieder-Herbst-
muss-das-denn-sein
-Stimmung ausgebrochen? Verständlich wär’s schon, mir jedenfalls… Ja, aber dann sollen sie doch nicht rumjammern und lieber bei der
Kastanienbewegung mitmachen!

warum_laesst_gott_das_zu

Oder geht’ hier um was ganz Anderes, dessen Zulassung irgendwie unverständlich bleibt?

Um diese schrecklichen künstlichen Früchte zum Beispiel? Hat sich da vielleicht jemand an einem halben Plastikapfel aus Versehen die Kauleiste verbogen? Ich wunder’ mich ja auch immer mal, dass Leute sich (schon von weitem als unecht zu erkennendes) Holz-
obst oder Stoffblumen in die Hütte drapieren, wo diese dann bald zustauben. Nach ein paar Monaten sieht das Zeug so fies aus, dass man geflissentlich dran vorbeiguckt, denn Anfassen und Entsorgen will man’s erst Recht nicht.

Vielleicht geht’s hier aber auch bloß um den Schaukasten selber. Dann wüsste ich schon, warum Gott den zulässt: Ist doch klar! – Damit der Plunder da nicht rausfällt!

Schmuck, schmuck!

Gestern musste ich mal wieder mit vielen anderen Menschen über eine Stunde auf etwas warten. Das gab mir Gelegenheit, die Mitwartenden dabei zu beobachten, wie sie mit ih-
ren funkelnden, möpenden und blinkenden Lieblingsspielzeugen herumtaten, obwohl da mindestens fünf(!) verschieden große (also große bis riesige) Schilder aufgehängt waren, auf denen deutlich „HANDY AUS!“ stand. Und zwar in Worten und als Piktogramm.

Mein eigenes Handy ist zwar nicht gerade aus der Steinzeit, aber fast. Es kann nur schwarzweiß-Display, telefonieren und simsen. Und es geht nicht kaputt, wenn es mir mal wieder aus der Jackentasche fällt. Ich finde, das reicht. Was man noch alles damit kann, hat mich bisher nicht interessiert. Weder Klingeltöne noch Spiele wollte ich.

Doch neulich habe ich mit Erstaunen und Belustigung festgestellt, dass es neuerdings wohl sowas wie putzige Handy-Cleaner zu geben scheint, die man mithilfe eines Bänd-
chens an die Handys dranbammelt, damit man damit das Display immer mal blankputzen kann. Wahrscheinlich ist mein Gerät nur nicht speckig genug oder ich mache die falschen Sachen damit, aber in den drei Jahren, die es jetzt schon bei mir verbringt, habe ich noch nie einen einzigen Handy-Cleaner gebraucht. Auch binde ich mir da keine Kettchen oder Glitzertiere dran, weil ich einfach nicht rauskriegen kann, wozu eigentlich.

Weil das aber vielleicht doch mal nötig wird, wer weiß, hab’ ich mich eben mal für nix umgeschaut und einen Riesenmarkt für Sinnlosgebaumel entdeckt. Was mir da bisher alles entgangen ist! Ich könnte endlich meine ganzen Reichtümer loswerden für merk-
würdigen Plastikkrempel, der für nur ein paar Cent billig in Asien zusammengefummelt wird! Wenn ich nur nicht so orientierungslos in diesen Beschreibungen rumirren würde!

POOODLE
Let`s go Gassi! Ein Königspudel im Regenbogenlook, verdammt rich und chic.

Let’s go mal lieber blödwerden… – Es geht aber noch doofer:

FLAMINGO
Stolz und erhaben präsentierst Du Dich mit rosarot schillerndem Strass-Gefieder Deinen Lieben. Dieser ChinChin unterstreicht besonders Deine Repräsentanz und Schönheit.

Das möchte ich aber schon gern mal sehen, wie ein winziges Handygefiesel ChinChin meine, äh…, Repräsentanz und Schönheit unterstreicht. Beinahe hätte ich mir das Ding bestellt, obwohl es fast 20 Tacken kostet, aber dann konnte ich mich doch nicht zwischen „stolz und erhaben“ und plötzlicher „Lust auf Kuscheln“ mit dem Telefon entscheiden:

 True Friend, grau

Lust auf Kuscheln? Kein Problem, denn mit Deinem treuen Begleiter aus hellgrauem, flauschigen Fell hast Du immer Dein Kuscheltier dabei. Superweich und umwerfend süß! (Auch in den Farben weiß und braun erhältlich.)

Material: grauer Pelz
Größe: der treue Freund ist zwischen 8,0 und 9,0 cm lang.

Ja, es gibt sogar „Sexy black Puschls“ aus Zobel! – Meine Herren! Damit sind ja wohl alle körperlichen Bedürfnisse, die man an ein Handy stellen kann, erstmal abgedeckt, oder wie? 

Und sollte man doch noch ein Bedürfnis darüber hinaus haben, also eins, dass sich auf’s menschliche Geschlecht bezieht, gibt’s ja noch den „Handy-Nacktscanner“ zum Runter-
laden. In der TV-Werbung sieht man dann immer sehr schön die Funktionsweise: Man kann nämlich damit z.B. jungen Damen unter die Klamotten lugen und sie dann angeblich nackt sehen. (Sowas gab’s übrigens schon mal als Röntgenbrillen. Ist aber schon ein paar Jährchen her.) Das irre an diesen Geräten ist, dass sie ausgesprochen schlau und auch feinfühlig sind, man sieht’s auch in der Werbung.

Sie machen nämlich brav Halt bei der Unterwäsche…

Radikalkur

Also, mal ehrlich: unter einem „Vibro Massager Deluxe“ hätte ich mir was Anderes vorge-
stellt. Einen wie Barry White brummenden Physiotherapeuten zum Beispiel. So einer wär’ sicher wohltuend… Was man hingegen mit diesem Gerät machen soll, sieht mir wenig gesundheitsfördernd aus:

Bauchweg

weiß

Angeblich kann man sich damit den ganzen Körper behandeln, sogar die Fußsohlen. Also, speziell da-
von hätte ich ja nun schrecklich gern eine Abbildung gehabt! Dass sich bei regelmäßiger Anwendung das „Gewebe strafft“, glaube ich übrigens sofort. Aller-
dings glaube ich auch, dass damit das Gewebe des Massiergurts gemeint ist.

Bauchweg_Text

Und: bei ebendieser regelmäßigen Anwendung werden sogar gleich ganze, störende Kör-
perteile entfernt! Schließlich ist es auf dem unteren Bildchen ganz deutlich zu sehen. – Nämlich, dass man davon nix mehr sieht. Toll.

Also…, och…, ich bin dann aber doch mal lieber wieder auf dem Sofa…

Schönen Gruß von Anke!

Heute bekam ich folgende Mail:

 Hallo D…..!

Hoffe bei euch sind alle gesund. Lea hat ne leichte Grippe aber das bleibt ja bei diesem Wetter nicht aus. Wann ist noch mal deine Tupperparty? Ich meine du hast gesagt Di. 07.10 um 20 Uhr. Bin mir aber nicht sicher. Dienstags habt ihr doch schwimmen. Wünsche euch noch ein schönes Wochenende.

Viele Grüße Anke

Aha. Schaun wir also mal:

Hmmmm, jaaaa, ich bin alle gesund, aber warum der Pluralis majestatis? Hält man mich etwa neuerdings für ein Prinzesschen? Und was ist bitte eine „leichte Grippe“? Entweder ist man doch erkältet, auch schon mal mit Fieber, oder man wird von einer richtigen Grip-
pe
umgelegt. Entschuldigung, aber da bin ich streng. Mich mopst das nämlich immer wieder, wenn Leute behaupten, sie hätten schlimme Grippe, bloß weil sie mal niesen müssen. Ich, …äh, wir hatten nämlich mal Grippe, und das war gar nicht lustig.

Weiter.
Wer ist eigentlich Lea? Ach ja, das ist die, die bei Wetter immer Grippe kriegt, die Arme!

Und jetzt wird’s spannend: Meine Tupperparty. Meine Tupperparty?!? Wann die noch mal ist? Ja, das wüsst’ ich aber auch mal gern! Und wo, vor allem. Ich besitze ja sogar zwei-
drei Gefäße dieser Firma, und die sind zugegebenermaßen auch recht praktisch, aber deswegen schmeiße ich hier doch nicht gleich Partys! Muss ich jetzt etwa damit rechnen, dass am Dienstag ein Rudel wilder Hausfrauen auf meiner Matte steht und lautstark nach Käsewürfeln, Flipsen, Prozecko und Minischokoküsschen verlangt? Und guter Laune aus dem Katalog? Und muss ich dann hier demonstrativ mit dem „Großen Frischepalast“ rum-
fuhrwerken und auch noch allen meinen „Kleinen Würzling“ zeigen? Herrjeh, was mach’ ich denn da? Da komm’ ich aber wirklich ins Schwimmen, wie von Anke vorausgesagt.

Ich könnte doch eben schnell antworten und die ganze Sache noch rechtzeitig abblasen… Aber das tu’ ich nicht.

Die mail von „Anke“ ist nämlich bloß spam. Von dieser Absenderin habe ich schon eini-
ges an Post bekommen und bin mir sicher, sie nicht nur nicht zu kennen, sondern auch, dass es sich hier um eine merkwürdige Sorte von mailmüll handelt. Speziell auf Frauen ausgerichtet, deshalb nämlich auch der private Ton. Die wollen bloß wissen, ob diese Adresse noch aktiv ist und ich reagiere. Von wegen!

Und falls es nicht so ist: Sollen sie doch kommen! Und gefälligst Schnittchen mitbringen. Ich bin gespannt! Und Likör hätt’ ich zur Not auch noch da…

Kastanienbewegung 2008/2009 – Ansehnlicher Zwischenstand.

Hallo, Ihr lieben Herbstmelancholiker und Frühlingswünscher!

Es haben sich ja schon Einige der diesjährigen Kastanienbewegung angeschlossen, das möchte ich eben gern mal dokumentieren, ich bin nämlich ganz begeistert!

Hier also die Liste der Kastanienbeherberger bis jetzt:Kastanie_08_1

Rebhuhn

Trithemius

DieTaste

MaRSTeam

Sansibar

MisterPocket

Orphelins

Petramarkgraf

Hauslude

Freundin T. (die keine URL hat)

Und sogar eigene Einträge (mit „Kastanienfotos“ dazu) haben bisher verfasst:

DocTotte

KaterMurr

Pocemon

BlackLily

NetRat_WatcherX

Andi63

Anschu

Plapperlapapp

(Hoffentlich hab‘ ich jetzt niemanden vergessen, falls ja: Bitte melden!) Noch liegen die kleinen Rundbollen ja überall rum und lassen sich bereitwillig einsammeln. Ich rechne daher natürlich noch mit einer Listenverlängerung…

Übrigens erhebe ich nicht den Anspruch, nun grundsätzlich das Kastanie-in-die-Tasche-
stecken
erfunden zu haben. Wie könnte ich auch! Lediglich die Winterblues-dämpfende-
Vorfreude-auf-das-rituelle-Weitwegschmeißen-bei-Aufgehen-der-ersten-Blattknospe-im-
Frühling
schreibe ich mir zu. Aber selbst da kann ich mir nicht sicher sein. Muss ich ja auch gar nicht. Weil: darum geht’s nicht.

Wenn ich nämlich jetzt in meine Tasche greife und da die Kastanie finde, denke ich nicht mehr nur: „Irgendwann wird’s schon wieder Frühling werden… *seufz*“, sondern seit dem letzten Jahr auch noch: „Ich freu’ mich auf den Tag des weltweiten Massenkastanienflugs!“ und fange direkt das Grinsen an.

Darum sage ich hier jetzt mal: Danke Euch für’s Mitmachen bzw. Macht noch mit!

Wenn wir noch mehr Schmeißer werden, müsste ich mich vielleicht mal beim Flughafen erkundigen, ob man da vielleicht eine Erlaubnis oder sowas braucht. Nicht, dass einer aus Versehen so ’nen Mallebomber abschießt, oder meinetwegen den Wetterhahn vom Kirch-
turm runter und ich bin dann mittenmal zuständig oder sowas…

Isch glotz‘ Tehvau!

Ich vertrete ja nach wie vor die These, dass Fernsehen nicht zwingend doof macht, wenn man was hat, das man dem mitunter kruden Inhalt dieses Kastens entgegen halten kann, nämlich Distanz. Und damit meine ich jetzt nicht, dass man in der Küche sitzt, während in der Stube der Fernseher läuft.

Wer vorher schon doof ist, hat aber vermutlich keine Chance und glaubt, dass das alles normal ist, was da so rauspurzelt und lebt es dann nach, um beim Nachleben wiederum abgefilmt zu werden. So wie Mandy neulich. Sitzt da in einer Talkshow und kann alles, bloß nicht „talken“. Schwanger ist sie auch noch. Und das, obwohl (oder weil) sie noch ein Teenager ist. Die Moderatorin fragt: „Mandy! Du bist schwanger. Wieso wolltest Du das Kind behalten?“ Sagt Mandy: „Das geht schon. Ich hab’ Hinterhalt in der Familie!“

Naja, woher soll sie’s auch können, wenn die Vorbilder ebenfalls quer durch die Rabatten faseln, so wie neulich Germanysnexttopmodel-Ziege Fiona beim „perfekten Promi-Dinner“. Da wollte sie uns teilhaben lassen an tunesischer Mergues-Wurst: „Die ist wie Salami, aber viel enger, grobmaschiger und kräftiger.“ Scheint sich wohl um eine Art Strickwurst zu handeln. Diese Tunesier! Außerdem fing sie jeden zweiten Satz an mit: „Ich muss sa-
gen…“
. Und die Sätze dazwischen endeten dann mit: „… – muss ich sagen“. Das arme Ding! In den fiesen Krallen des unerbittlichen Managements.

Selbst Thomas Gottschalk, bei dem ich mir einbilde, ich höre inzwischen seine Knie ganz deutlich knirschen, wenn er sich wieder so ungeheuer jugendlich vom „Wetten-dass“-Sofa hochstemmt, und der doch zu Lehrzeiten eigentlich noch eine prima Sprecher-Ausbildung genossen haben muss, sagt Wörter wie „orginal“. Zumindest, wenn’s um Weingummige-
tier geht. Gelatine soll ja übrigens gut sein für die Gelenke. Aber bei „orginal“ oder sogar „oginal“, das man fast ebenso oft hört, muss ich einfach immer an was Medizinisches denken. Wie zum Beispiel der Doktor sagt: „Nehmen sie diese Zäpfchen bitte oginal und 3x täglich!“

Mein Zusatztipp: keine Champions dazu essen, das verträgt sich nämlich nicht.

Pürier‘ mir!

Kartoffel

Man sagt ja angeblich, dass manche Frauen wie Kartoffeln aussehen. Ich kenn’ mich da jetzt nicht so aus, aber ich würde spontan behaupten, dass es da sicher auch noch Un-
terschiede gibt: Die einen sehen vielleicht aus wie „Bamberger Hörnchen“, andere mehr wie „Drillinge“ und blaue Kartoffeln soll’s auch noch geben. Manche haben sich bereits in eine leckere Knödelform gebracht, einige sind eher krokettig unterwegs. Es gibt schlanke und ganz pfeifenreinigerdünne Pommesfiguren und sogar Herzoginkartoffeln. Wer aussieht wie Gratin, sollte schleunigst was unternehmen.

Da ist es ja nur naheliegend, wenn die Kartoffelzüchter ihre Sorten mitunter nach ihren Frauen benennen. (Gibt es eigentlich eine Gemüsesorte, die besonders gern nach Ehe-
männern benannt wird?) Meine Wirklichkurzrecherche zur Kartoffel hat nicht nur ergeben, dass das Bundessortenamt überraschenderweise hier in Hannover seinen Sitz hat, son-
dern auch, dass es anscheinend Kartoffelbauer-Frauen gibt, die „Albatros“, „Big Rossa“, „Django“, „Fausta“, „Golf“, „Panda“, „Pom Queen“, „Stärkeprofi“, „Ulme“ oder „Zorba“ heißen. Kann ja alles sein…

Was mich aber nun grübeln lässt ist die Frage: Was wäre mir wohl lieber? Wenn man eine eher Festkochende oder eine Mehlige mir benennen tät’? Hm.

Berlin.

Mein Bericht zum Weltbloggertreffen zockelt jetzt natürlich so’n bisschen hinter den an-
deren her, aber ich bin ja schließlich auch erst gestern Nachmittag aus Berlin zurück gekommen (und dann auch noch direkt weitergetrabt zu Freund M.s Geburtstag). Aber: Versprochen ist natürlich versprochen! Mit Fotos halte ich mich aber lieber zurück, das haben Andere schon gründlicher erledigt und meine sind eh’ nicht besonders geworden.

Also:

Erstmal ging’s ja am Donnerstag ab zum Bahnhof, wo ich Jules, meinen lieben Begleiter, aus dem einen Zug rauserwartete und in den anderen reinbegleitete. Und was soll ich sa-
gen: Keine zwei Stunden später waren schon alle Käsebrote verputzt und wir erreichten den Bahnhof Spandau. Das mit Spandau war ein kleiner Trick, denn von dort aus lässt sich’s prima mit der U-Bahn nach Kreuzberg fahren, ohne zwischendrin auszusteigen. In Kreuzberg wiederum wartete mein Vater schon darauf, uns in die kleine Behausung einer Bekannten zu begleiten, die hauptsächlich in Italien weilt und ihre Berliner Wohnung zum Glück nicht dorthin mitgenommen hat.

Zu dieser Wohnung könnte ich jetzt manches bemerken, beschränke mich aber darauf: Manche Hochbetten sind Vertrauen erweckend gebaut, andere nicht so. Dieses hier war quasi begleitet von weiteren Selfmade-Konstruktionen innerhalb der Wohnung, wie bei-
spielsweise einer Duschvorhangwinkelstange, die (um sie am Durchsacken zu hindern) mit einem langen Schlüpfergummiband an einem Wasserrohr befestigt war. Wie viel Erfolg dieser Bastelei beschieden war, kann sich jeder selber denken. Aber schließlich komme ich so wenigstens endlich mal dazu, die Wörter „Duschvorhangwinkelstange“ und „Schlüp-
fergummiband“ in einem Satz zu verwenden! Und werde in Zukunft sicher keine nassen Handtücher mehr über solcherlei Arrangement hängen.

Wir richteten uns also ein, und zum Donnerstag ist dann eigentlich nichts weiter zu sagen, außer, dass wir noch ziemlich leckere Pizza an der Gneisenaustraße aßen. (Die Adresse rücke ich auf Anfrage gern heraus.)

Der Freitag begann mit einer Brückenfahrt. Diese Bezeichnung ist jetzt ein bisschen irre-
führend, denn die Brücken fuhren ja nun kein bisschen, sondern wir. Und zwar auf einem Schiffchen und unter den Brücken durch. Wer mal nach Berlin kommt, sollte das ruhig mal machen, weil’s einfach schön ist und man die Stadt aus einer sehr sympathischen Perspektive kennen lernt. Da ich das schon öfter gemacht habe, bekomme ich einen Son-
derservice: ein Freund meines Vaters lebt in einem schicken Haus am Landwehrkanal und wird per Handtelefon zum Winken auf seinen Balkon komplimentiert, wo er dann jedes Mal wahlweise Hüte, Schiffsflaggen oder sogar beides schwenkt. So auch diesmal…

Spreeufer_Baumschnitt

Nachmittags machten wir uns dann allmählich auf den Weg zu mokono. Dass der Fuß-
weg dorthin doch ziemlich lang war, merkten wir erst unterwegs, denn natürlich ist das blog.de-Office immer genau am anderen Ende der Oranienstraße untergebracht. Und weil das Wetter so schön war, hatten wir an Mantel und dickem Zeug nicht gespart und kamen sozusagen gar an.

Brominen_zum_Mitnehmen Eine ziemlich ulkige Situation übri-
gens, einen Raum zu betreten, in dem sich Leute aufhalten, die man „kennt“, aber man weiß noch nicht recht, wen, weil man sie vielleicht nicht erkennt. Ich hatte mir darum Erkennungsmaterial erstellt, nämlich einen dicken Anheftebutton mit mei-
nem Avatarfoto und kleine, leckere Schokotäfelchen, mit denen ich mich beliebt zu machen hoffte.

Das allgemeine Prozedere allerdings war, noch Unbekannte einfach am Ärmel zu zupfen und dann zu fragen: “Wer bist’n Du?“ Bei Einigen war das nicht mal nötig, da sie einwandfrei und ohne Zupferei als sie selbst zu erkennen waren.

Am verblüffendsten ergings mir jedoch mit einem jeansbejackten Herrn, der plötzlich ums Eck geschlendert kam und in mir sofort den Gedanken freisetzte: „Dat is’ der KaterMurr!“ Und er tat mir freundlich den Gefallen und war’s auch prompt.

Soll ich denn hier jetzt wirklich aufzählen, wen ich nun noch alles kennen gelernt habe? Nachher vergesse ich in meiner Schusseligkeit jemanden und der oder die weint dann dicke Tränen und ich bin nicht in der Nähe, um mit tröstender Schokolade auszuhelfen!

Na gut, ich versuch’s mal: Da war der Richard/Sansibar (der leider nur Freitagabend kurz vorbeischauen konnte), Prinz Rupi (der fast den ganzen Abend als Interviewer in seiner Loge zubrachte und sich erst später unter’s Volk mischte), BlackLily (mit der ich dann mal freudig anstoßen konnte, wenn auch mit dem falschen Bier *zwinker*), KaterMurr (der wirklich genauso war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte), ein Bohnenzähler (der mit ein unmögliches Versprechen abnahm und zum Tausch eine Handvoll Bohnen schenkte, die aber leider keine Kakaobohnen waren), Orphelins (die ein erfrischendes Lachen und ihren Gatten mitbrachte), Caramellino (der trockene Kommentare und seine Gattin dabei hatte), die Töpferschnecke mit Mann Repuhan und Sohn Lordkev, die freundliche Mondelfe, zwei Paparazzi namens Teddykrieger und Lichtundschatten, ferner ein Großteil des Blog.de-Teams und vieleviele Andere, deren Hände ich geschüttelt habe. Ich hoffe, ich hab’ jetzt niemanden ausgelassen… – Und wenn ich jetzt noch aufzählen würde, wen ich da alles schmerzlich vermisst habe…!

Es war jedenfalls ein Abend in aufgekratzter Stimmung, der später in einer Bar namens „Würgeengel“ endete. „BAR“ bedeutet zweierlei: dass man zwar erstens was zu Essen von der Karte bestellen kann, es aber eine Stunde dauert, bis sie es bringen (laut Aus-
kunft der resoluten Tablettbiene), und dass man zweitens dort kein Alster bekommt (weil in Bars eventuell Brauseverbot herrscht?). Übrigens bekommt man zur Minestrone auch keinen Löffel und muss auf Tischnachbarn hoffen, die ihren Spaghettilöffel opfern. Es wur-
de jedenfalls ganz schön spät, bis uns der exzellente Fahrdienst (Danke, lieber Rupi!) wieder in unserer Straße absetzte.

Am Samstagmittag ging’s dann ja gleich weiter mit dem Treffen am Neuen See, wo die Pizza groß und die Sonne warm schien. Es wurde freundlich geplaudert und irgendwie hatten sich wohl auch schon die Gruppen gefunden und nicht mal das Ruderbootrennen vermochte da eine gewisse Auflösung bzw. Neumischung zu bewirken, was ich irgendwie ein bisschen schade fand.

Bootsrennen

Nun, da wir voller Eindrücke waren und uns gerne vor Rupis Lesung noch ein Weilchen ausruhen wollten, machten wir uns mit KaterMurr im Schlepptau auf den Weg (auf dem sich prächtige Berliner Kastanien fanden, so dass ich jetzt derer zwei habe. Danke, lieber Murr!). Dass wir unterwegs wieder Durst bekamen, und noch ein Stündchen in einem wei-
teren Biergarten hängen blieben, dafür kann ich nüscht. Berlin scheint eine Durststadt zu sein. Ich hatte tatsächlich von Donnerstagnachmittag bis Montagvormittag fast ununter-
brochen Durst. Und das, obwohl ich sogar Getränke zu mir nahm! (Das schreib
e ich mal lieber dazu, nur falls jemand meint, mir einen prima Tipp gegen Durst geben zu wollen.)

Am Abend fanden wir uns dann natürlich in der Alten Post ein, wo Rupi, von seinen beiden Kumpels Waldorf und Statler flankiert, einige seiner vergnüglichen Texte vorlas und das Vorgelesene durch ausdrucksvolle Gestik, rasend schnelle, mit bloßen Auge kaum wahr-
nehmbare Kostümwechsel und den Einsatz gefährlicher Tiere und Kekse noch unterstrich. Leider sind die Fotos indiskutabel, aber: schee war’s!

Und für mich gleichzeitig die Abschlussveranstaltung des Bloggertreffens, denn der Sonn-
tag sollte doch meinem Vater gehören, der uns dann gleich vormittags auf eine kleine Rundreise nach Tempelhof und anschließend zum ausnahmsweise geöffneten Fahrzeug-
depot des Technischen Museums ausführte, wo ich hauptsächlich (und leider zum großen Teil vergebens) versuchte, alte Schilder zu knipsen, während das liebe Väterchen mir einen minutiösen Bericht über sämtliche Straßenbahnfahrten seiner Kindheit lieferte.

Ich kann Euch sagen, mir schwirrte von all‘ dem nur so der Kopf! Eigentlich habe ich in Berlin jedes Mal das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben, um alles zu sehen und alle Lieben zu treffen, die ich dort habe. Aber diesmal kam ich mit der Verarbeitung der ganzen Ein-
drücke wirklich nicht richtig hinterher. Da summt’s und brummt’s eigentlich noch immer im Oberstübchen.

Zum Glück hab‘ ich noch ein paar Schokotäfelchen übrig und kann mich damit nachher in meine duschvorhangstangenlose Badewanne legen…

Total schweres Rätsel für NetRat + „Wir sehen uns in Berlin!“

Bin auf’m Sprung. Gleich geht’s zum Bahnhof und dann ab nach Berlin. Mein Väterchen ruft mich schon den ganzen Morgen an und meint, ich solle mich innerlich wappnen, in Berlin sei plötzlich alles Mögliche los, der Marathon und so. Die Stadt sei voll bis obenhin und ich soll unbedingt dieunddie Bahn nehmen und bloß nicht verloren gehen! Vor lauter Aufregung hat er schon Magenschmerzen, dabei muss er doch eigentlich nur warten, bis ich ankomme. Und das werd’ ich auch bestimmt, schließlich freu’ ich mich nicht nur auf ihn, sondern bin auch ordentlich neugierig auf das Weltbloggertreffen.

Bevor ich aber fahre, lasse ich noch eine kleine Gucksportaufgabe für HikE da, nämlich: Finde das Federvieh auf diesem Bildchen…  (*g* – Nein, ich hab’s immer noch nicht vergessen!)

Raetsel_fuer_HikE