So. Heute ist ja wohl ein wichtiger Tag in history.
Ich sage jetzt einfach mal frech voraus, dass sich die Amiwahlen heute nicht direkt ent-
scheiden werden. Sondern, dass es wieder wochenlang Streit geben wird, so richtig mit Heulen und Zähneklappern, bis endlich klar ist, wer wo mehr Stimmen abgekriegt hat. Das Erstnochklärenmüssen ist ja seit ein paar Jahren überall der neue Trend, und ich glaube sogar, dass die Amis selber damit angefangen haben, als der Herr Busch sich seinen Sessel damals unter’n Nagel gerissen hat.
Das liest sich jetzt aber doch ein bisschen merkwürdig: „sich einen Sessel unter den Nagel reißen“. Das müsste ja wirklich ein ziemlich kleiner Sessel sein… Oder ein echt großer Nagel. Ich glaube aber, mal gesehen zu haben, dass der Präsidentensessel ganz normal protzig dimensioniert ist. Und Herrn Busch möchte ich nun wirklich nicht gern als groß bezeichnen. Nicht mal seine Nägel. Sagen wir also lieber, „als er sich damals an die Macht rangemacht hat“. (Und diesmal meine ich sicher keine Fernbedienung.)
Jedenfalls, dieses Verfahren des Wirwissennochnichtgenauwergewonnenhat haben doch dann die Deutschen direkt nachgemacht. Als der Schröder’sche der Angela verbieten woll-
te, irgendso’ne Kirche aus dem Ort zu entfernen.
– Und die Italiener? Da war doch auch sowas, oder nicht? Sogar in Hessen und eigentlich ü-ber-all wird das inzwischen so betrieben. Also, ich glaube ja fast, dass da irgendein merkwürdiger Trick drin steckt, dessen Nutzen sich mir noch nicht erschließen will. Ich weiß ja, wir sind alle politikverdrossen, es gibt kaum noch klare Positionen (und wenn, wird einem schomma ganz schnell übel), ja, was soll man da auch wählen… Und darum sollen angeblich die Wahlergebnisse so figeliensch ausfallen.
Ich glaub’ das aber nicht recht. Verschwörungstheorien sind eigentlich gar nicht mehr so meins (außer ich hab’ zwei Bier getrunken und Lust, rumzuspinnen), aber meine Vermu-
tung ist, die Herrschaften janz oben tricksen da vielleicht jeweils ein bisschen was, um mehr Zeit zu haben für ihre Aktenschredderei oder so. Oder sie wollen gar nicht regieren und drücken sich eher um die Wette, wer den Mist jetzt weiter managen muss. Oder sie wollen noch ein Monatsgehalt mitnehmen. Vielleicht haben sie auch nur keine Lust, ihre Schränke aus- und wieder einzuräumen, weil ihnen dann zerbröselte Keksriegel, staubige Wollmäuse, Ehrenbürgerschaften und olle Notizzettel entgegenfallen, auf denen steht: „Nicht vergessen: Nelson Mandela, 20 Dollar!“ Und dann wissen sie wieder nicht, kriegt der die noch, oder hatte er sich die geliehen? Damals, im Regierungssitz-Stehcafé…