Hilfe, ich bin birnensüchtig!

Gerne würde ich behaupten, diese Überschrift hätte ich mir nur ausgedacht, weil sie irgendwie sensationell und höchstvermutlich ungeheuer leseranlockend rüberkommt. Stimmt aber nicht.

Ich bin zurzeit tatsächlich birnensüchtig. Immer, wenn ich einkaufen gehe und zwangsläu- fig an der Obstabteilung vorbei muss, kriege ich Heißhunger auf die perfiden Dinger. Äpfel, Bananen und sogar Erdbeeren lassen mich völlig kalt; – lediglich Birnen bringens. (Viel- leicht habe ich aber auch bloß deshalb eine augenblickliche Neigung zur Birne, weil da wenigstens noch keine überflüssigen, nervigen Miniaufkleber drauf sind, so wie inzwischen bspw. auf allen Äpfeln. Deren Abgefiesel strengt mich nämlich mitunter so an, dass ich die Klebedinger am liebsten einfach mitessen möchte.)

Kaum zuhause angekommen, leere ich den Rucksack und zücke das Obstmesser. Und weil ich so furchtbar praktisch veranlagt bin (das wär’ übrigens mal ein komplettes, ande- res Thema), habe ich für Obst eine besondere Schneidetechnik entwickelt: Ich viertele die Birnen nicht, um sie dann mühselig vom Kernhäuschen zu entschnitzen, sondern schnei- de einfach glatt am Gehäuse vorbei und habe so einen praktischen Vierkantstrunk mit Anfasser zum Wegwerfen übrig.

BirneSo sieht das dann aus.

Der Vorteil ist, dass einem dabei keine Kerne ins Auge sprin- gen und man auch eine Woche später beim Saubermachen keine Birneninnereieneinzelteile unterm Sofa findet, die dann schon festgeklebt sind und nur mit einem scharfen Messer vom Boden abgehen, und dabei zerkratzt man dann sich die em- pfindliche Dielenlackierung, die man aus Umweltschutzgründen ja nur mit Aqualack gemacht hat, obwohl man ganz genau weiß, wie schnell der sich abnutzt. Gerade und besonders unterm Sofa.

Jedenfalls kaufe ich andauernd Birnen und kaum zwinkere ich einzweimal, sind sie auch schon wieder weg. Einen Mitbewohner, dem ich die Schuld dafür in die Schuhe schieben könnte, habe ich ja nicht. Nur einen Liebsten, der hier öfter mal weilt. Aber der isst mir eigentlich bloß nachts die übrig gebliebenen Kartoffeln aus dem Topf und behauptet dann ungerührt, da wären sowieso nur noch zwei drin gewesen und selbst aus fünf Kartoffeln hätte ich ohnehin keine lohnenswerte Portion Bratkartoffeln mehr zusammengekriegt.

Gestern habe ich jedenfalls mal wieder vier Birnen gegessen und heute bin ich auch schon bei der Zweiten, dabei ist es noch nicht mal elf Uhr! Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich auch schon wieder um sechse aufgestanden bin. (Wahrscheinlich plagte mich Birnenappetit.) Dabei haben Birnen nicht mal besonders schöne Namen! Wer isst schon gerne was, das „Abate Fetel“ heißt? Auch „Williams Christ“ finde ich nun nicht so… Es soll ja sogar Sorten geben, die nach Fisch heißen, aber zum Glück nicht da, wo ich momentan einholen gehe.

„Einholen“ hat übrigens meine Oma aus Springe immer gesagt, wenn’s um die Lebensmit- telbeschaffung ging. Sie sagte dann beispielsweise, wir müssten noch „das Brot für heute Abend einholen“, weswegen ich ziemlich lange glaubte, das Springer Brot sei irgendwie schneller als das Hannöversche. Meine Oma hätte vermutlich auch gewusst, was es mit einer schweren Birnensucht so auf sich haben könnte, denn sie hatte ein tolles medizi- nisches Hausfrauenwissen, weswegen ich zum Beispiel mal erst grob mit einer halben Zwiebel abgerieben und dann (gefühlt) stundenlang eine blanke Messerklinge flach an meinen dünnen Kinderhals gelegt kriegte, weil mich eine Biene knapp unterm Kehlkopf gestochen hatte. Geholfen hat’s. Und wer sich mit Bienen auskennt, wüsste sicher auch über Birnen toll Bescheid.

Zwar mache ich mir wegen meiner Birnensucht nun durchaus Sorgen, werde dieses spe- zielle Symptom aber ganz sicher nicht g**geln, weil ich mir schließlich nicht noch mehr Sorgen machen möchte. Nachher habe ich eine dubiose, rückwärts gewandte politische Krankheit. Oder eine schwere, sich immer weiter verstärkende Psychomacke, die sich auf die drohende Abschaffung bewährter Beleuchtungstechniken bezieht…
– Oder sogar irgendwas mit Fruchtzucker!

Die Natur schlägt zurück!

Ich glaub‘, wir können uns wirklich bald mal auf was gefasst machen: nicht nur, dass uns die ganzen Kühe unser schönes Klima allmählich zerpupsen; – jetzt schmeißen auch noch die Bäume ihren Dreck überall auf unsere sauber gefegten Bürgersteige!

Umweltvollmüllung1

Umweltvollmüllung2

Und wer muss es nachher wieder wegmachen? – Also ich jedenfalls nicht!

Breite Streifen machen Mühe

Gott, ist mir das peinlich! – Ich habe vor ein paar Tagen…

Also, wenn meine Freunde das mitkriegen, ist es aber aus. Und auch noch unter freiem Himmel, wo mich jeder sehen kann! O.K., ich schreib’s jetzt hin: Ich habe eine Deutsch- landfahne gehisst.

Ich kann verstehen, wenn ab hier niemand mehr weiter lesen mag. Fahnen hissen! Und auch noch schwrrrz, rrrtt, gllb… Hoffentlich darf ich jetzt noch zur Anti-Rechts-Demo am 1. Mai. Nicht, dass die mich dann anbrüllen: “Geh’ doch rüber, wenn’s dir hier nicht passt!“

Aber natürlich hatte ich einen Grund: Es gehört anscheinend zu meinen neuen Aufgaben, im Job. Vor unserem Gebäude stehen halt so Fahnenmasten. Und damit die nicht verge- bens da rumstehen, zerren wir europäische Fahnen dran hoch. Also, eben nicht nur deutsche, sondern auch italienische, französische, norwegische, wattweißich. Und weil der eine Fahnenmast, an den die deutsche dran sollte, irgendwelche Verklemmungen hat, und man die olle Schlaufe, wo der Stoff mit Karabinern eingehakt wird, nur auf 3 Meter fuffzich runtergelassen kriegt, und meine Chefin sich an der Stelle ausklinkte und ein wichtiges Telefonat vorschob, musste die Bromine sich eine Leiter aufklappen und auf Zehenspitzen auf dem obersten Trittchen nach der Schlaufe angeln. Das war übrigens vermutlich der Moment, in dem die Lagermannschaft komplett am Fensterchen hing, um nach der Frage: „Watt um Himmels Willen fuddelt die denn da?!“ einen Blick auf der Brominen weißen Bauch abzukriegen.

Diese Jeans hören ja heutzutage alle auf dem Beckenknochen auf, als hätten sie Angst, ihn zu überschreiten. Schließlich, wer weiß, was einen im Tal der Taille so erwartet…! Und passend dazu sind die Blusen zu kurz und die Ärmelchen eng, so dass alles um einen halben Meter hochversetzt wird, wenn man mal schwungvoll jemandem zuwinken möchte. Deswegen vermutlich ist auch das Winken fast ausgestorben. Zu enge Ärmel.

Aber in meiner Höhenangst und in dem Willen, das jetzt alles schnell hinter mich zu bringen, war mir sogar das egal.

Jedenfalls. Kurz, bevor mir so schwindelig wurde, dass ich versucht war, mich am schwankenden Fahnenmast festzuhalten und dort auf die Feuerwehr zu warten, und als ich trotzdem eben noch überlegte, ob ich die Fahne vielleicht aus Spaß einfach mal falschrum aufhänge und dann frech als belgische verkaufe, kriegte ich das Biest endlich doch noch eingehakt und war, ja, ich war tatsächlich stolz, den Lappen endlich da hoch zerren zu können.

Und wie viel stolzer wäre ich erst gewesen, wenn da ein „Wer das liest, ist doof!“ oder wenigstens ein hübsches, knallbuntes Blümchenmuster auf Pink draufgewesen wären!

Hm. Wo is’n eigentlich meine Nähmaschine…?

Sutéki na!

Ich habe bekanntermaßen eine ganz liebe japanische Freundin namens M.

Und M. reist einmal im Jahr zu ihrer Familie, um sich da den Bauch mit unaussprech- lichen Dingen vollzuschlagen und in heißen Quellen herumzusitzen, während sie mit Mutter und Schwester die neuesten Entwicklungen in der Nachbarschaft und im Bekann- tenkreis betratscht. Natürlich bringt M. auch immer Geschenke mit. Nach Japan führt sie jede Menge Schokolade aus, denn die ist da immer noch sehr teuer. (Hauptsächlich ex- portiert sie übrigens L*ndt-Pralinen und das auch gut so, dann müssen wir die hier nämlich nicht essen. Wie ja jeder weiß, schmeckt das Zeug wie Sägemehl. – Aber immerhin: die Schachteln sind wirklich hübsch gemacht…)

Und wenn sie schweren Herzens wieder zurück nach Hannover kommt, bringt sie mir die tollsten Dinge mit, weil sie weiß, dass ich dann vor Begeisterung das Fiepen und Piepen anfange. Letztes Mal hat sie mir z.B. ein Dutzend kleine Tütchen mit salziger Knabberei mitgebracht, da waren u.a. sehr leckere getrocknete, kleine Fischchen drin. Allerdings durfte ich die nur essen, wenn ich alleine war, sonst gab’s merkwürdige Bemerkungen von der anderen Seite des Sofas.

Und das hier ist die diesjährige Ausbeute:

Japanische_Mitbringung

Im Uhrzeigersinn: Auf 12 Uhr ein Päckchen ungeheuer feiner, zarter Kekse. Jeder natürlich einzeln verpackt (das ist, glaube ich, eine alte japanische Tradition, um die Altpapierabfuhrgötter zu heiligen).

Dann kommt ein 4er-Set von kleinen Plastikdöschen in Tierkopfform. Laut Aufschrift handelt es sich um Mayonnaise-Behälterchen für die Kindergarten-Lunchbox. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass man auch sehr gut Blumensamen oder Perlen oder anderen Killefitt da rein tun kann.

Und weil ich es ein bisschen mit Hasen habe (frag’ mich keiner. Ich weiß nicht, wieso.), einen magnetischen Hasenhaken. Ich hoffe, ich muss da jetzt keinen richtigen Hasen dranhängen, aber das kriege ich noch raus.

Am allerschönsten finde ich aber die kleinen Sojasaucen-Fläschchen (ebenfalls für die Lunchbox) mit Tierköpfchen und Einfüllpipette für ca. einen halben Milliliter. Jeder Wo- chentag hat eins, und wie man deutlich sieht, ist Montag schon mal Hasentag. Das muss ja auch mal gesagt werden. (Sonntags wird übrigens zuhause gegessen.)

Das Päckchen mit der Socke drauf und das darüber beherbergen eine ganz große japa- nische Erfindung und ich bitte M. immer darum, mir unbedingt welche mitzubringen. Es sind Wärmepflaster in verschiedenen Größen, die sich aufs molligste erhitzen, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung gebracht werden. Sprich: wenn man sie auspackt. Man kann sie sich in die Klamotten kleben (eben in die Socken oder eventuell hinten in den Hosen- bund), wo sie dann locker 8-10 Stunden vor sich hinwärmeln. Keine Ahnung, wie sie das machen, es ist ein grauschwarzes Pülverchen drin, vermutlich eine besonders aktive Kohle oder irgendwas ganz anderes. Aber wer, wie ich, immer mal Rückenmalesche hat, weiß diese Wunderdinger bald zu schätzen, zumal sie keine Wirk-/Schadstoffe abgeben. In Deutschland verkauft man sowas zwar inzwischen auch, allerdings zu reichlich gepfef- ferten Preisen. In Japan kostet ein Pflasterchen (M. hat das mal so grob umgerechnet) ca. 20 Cents. Bin gespannt, wann ein Importeur das mal rauskriegt und die Dinger endlich in Asia-Shops verkauft werden.

In der Mitte schließlich hockt ein Hasendöschen, bei dem ich noch immer überlege, was um Himmels Willen ich da reintun soll. Alles, was mir einfällt, sind Süßstofftablettchen. Nur: bei mir gibt’s ausschließlich anständigen, richtigen Zucker, weil meine Synapsen sonst direkt das Schmollen anfangen. Eventuell versuche ich demnächst mal, ob wenig- stens ein Zuckerwürfelchen reinpasst.

Bei der Mini-Pralinen-Dose (ja, die kann man aufklappen), die eigentlich ja ein Handy- schmuck ist (aber jetzt an meinem Schlüsselbund baumelt), wusste ich gleich, was ich reintu’: Eine schöne Schokolinse. Die passt da genau rein.

Für die Theobromin-Notversorgung unterwegs. Sicher ist sicher.

Brote machen einsam.

Ich sitz’ hier und habe mir eine Radiokonserve aufgemacht, die schon vor längerer Zeit gesendet wurde und erst jetzt den Eingang in mein Ohr findet. Auch komisch, wenn aus dem Lautsprecher plötzlich der Februar wieder rauskommt, obwohl draußen schon April ist und die Bäume zaghaft ihr grünes Geblatt rausrücken. Und dann spielt die HikE auch noch ein 13 bis 16 Jahre altes Lied, das mich noch weiter zurückschießt, bis ich fast überhaupt nicht mehr weiß, wo ich bin. Macht nix. Kann ja auch mal ein ganz angeneh- mer Zustand sein.

Unter der Woche weiß ich leider ziemlich genau, wo ich bin. Und nein, – es ist noch nicht viel besser geworden. Ich befinde mich in einem Paralleluniversum, das von fidelen Seni- orengruppen, hektischer Konfusion, Arbeitsaufkommen und Vertreterwitzen bevölkert ist. – Kostprobe? „Ach, heute janz in Schwarz? Ist jemand jestorm?“ Nur knapp kann ich mich beherrschen, mit kummervoller Miene zu sagen: „Ja, der Witz.“

Da kommt schon der Zweite. Und was sagt er? „Huch, ganz in Schwarz. Jemand ge- storben?“ Und Frau Bromina ist kurz davor, zurück zu fragen: „Huch! Ist heute denn schon wieder Zwei-Männer-teilen-sich-einen-Witz-Tag?“, reißt sich aber zusammen.

Zwischendrin bzw. vorher und nachher lungere ich auf Bahnsteigen rum, warte auf: „Auf Gleis Hmpzehn fährt ein: S soundso nach Daundda, bitte Vorsicht bei der Einfahrt!“ Wieso soll ich denn da aufpassen? Soll das doch der Lokführer machen, der wird den Bahnhof schon treffen! Kann ja nicht so schwer sein bei Gleisfahrzeugen, oder wie?! Während ich darüber nachdenke, halluziniere ich ein riesiges Playmo-Handy, das tatsächlich versucht, mich anzubaggern.

Baggerhandy1

Und als ich (nun doch neugierig) gucke und abwarte, was es will, produziert es mir tatsächlich einen möglichen Begleiter, den ich dann aber dankend ablehne.

Baggerhandy2

Im Zug esse ich übrigens oft meine Brote, weil ich „auf Arbeit“ ja doch keine Zeit dazu habe, und beobachte dabei jeden Tag, wie jeder Fahrgast versucht, eine 4er Sitzgruppe für sich allein zu erringen und diese dann mit abschätzigen Blicken zu verteidigen. Dabei ist das Broteessen der viel bessere Trick. Da kommen sich Zugestiegene nämlich unhöflich vor, wenn sie beim Essen stören. Brote machen also einsam und das ist unterwegs manchmal gar nicht verkehrt.

Abends bin ich dann auch schon mal ein bisschen tüdelig, wenn ich nach Hause komme. Gestern z.B. bin ich mit dem Ärmel meines Shirts so blöd am gerade anlaufenden Was- serhahn hängen geblieben, dass mir das kalte Wasser ordentlich bis zum Ellenbogen reingelaufen ist und ich beinahe, beim Versuch mich zu befreien, den ganzen Abwasch umgeschmissen hätte.

Aber immerhin war ich danach wieder wach genug, vergnügt ein schönes Feierabendbier zu trinken und es auch zu genießen…

Bakterielle Psychologie

In Hannover gibt’s ja ziemlich viel berühmte Medizin. Die MHH zum Beispiel. Oder diesen bekannten Gehirndokter, der sich hier vor Jahren eine eigene Spezialklinik in Hirnform hat bauen lassen und sowieso sein eigenes Hirn auch immer auf alle Promifotos draufhält.

Krank könnte man hier also ruhig mal werden, man wäre hier wohl ganz gut versorgt.

Der neueste Coup im Gesundheitssektor ist hierzulande nun das „Netzwerk“ gegen Bak- terien. Ich vermute ja, dass das ein ziemlich kleines Netz sein muss, wenn man die winzigen Biester wirklich damit fangen will. Trotzdem scheints irgendwie hinzuhauen, denn anschließend werden so-fort! strenge Bakterienerziehungsmaßnahmen eingeleitet.

Doch, wohl! Steht doch in der Zeitung!
Bak1

Im Innenteil geht’s sogar noch weiter:
Bak2

Sie könnten auch sagen: „Aus!“ oder „Pfui!!!“ oder mit so kleinen elektrischen Halsbänd- chen arbeiten. Und zur Not geht’s aber sicher auch einfach mal ohne Abendbrot ins Bett. Zumindest würde ich das so handhaben. Ich finde nämlich auch, man muss in solchen Dingen streng und vor allem konsequent sein, sonst lernen die das doch nie! Nein muss auch Nein! heißen. Basta.

Und wenn so eine niedliche Bakterie einen dann mit großen Schmelzaugen anblickt, muss man sich auch mal zusammenreißen können, um nicht etwa einzuknicken und zu sagen: „Naaa gut… Du darfst nach den Hausaufgaben noch ein bisschen mit deinen Freunden rumkeimen… – Aber um Punkt sieben bist Du zuhause!“

Das führt, sind wir doch mal ehrlich, auf lange Sicht nur zu Autoritätsverlust.

Und weil das mit der Konsequenz manchmal so schwierig ist, haben sich Hannovers Mediziner quasi stationsübergreifend zusammengetan. Sicherlich auch, um sich gegen- seitig den Rücken zu stärken. Ich stelle mir vor, wie sie sich untereinander anrufen und am Telefon Erziehungstipps austauschen:

„Meine ist gestern Abend wieder über’n Balkon abgehauen, als sie dachte, ich komm’ nicht mehr gucken.“

„Dann musst Du jetzt wirklich mal hart sein, Inge. Mach’s, wie Du’s angedroht hast: Keine neue Petrischale zum Geburtstag!!!“

Frohes Fest!

Ich habe mich ja schon länger gefragt, wieso eigentlich nicht das ganze Jahr über Oster- und Weihnachtsgeschnöker und singendes, wackelndes, krümelndes, beleuchtetes, aufdringlich-„witziges“ Dekorier angeboten wird. Wo doch Weihnachten seit mindestens einer Generation schon im August/September losgeht und Ostern allerspätestens im Februar. – Ich will die restlichen Monate auch vollhaben!

Und?!?

Hier ist –endlich– die Ganzjahreslösung:
Lebkucheneier
Diese verrückten Wissenschaftler, immer! Dann will ich mal den abwaschbaren Tan- nenzweig wieder aus dem Keller holen, um bunte Eier dran zu hängen.

– Mensch, hoffentlich schneit’s noch pünktlich zum Fest…

Beim oder über’s Essen reden.

Neulich war ich bei Freund J. zum Geburtstag (das ist der nunmehr 43-jährige Mann mei- ner lieben Freundin S.) und habe dort nicht nur eine behagende Erbsensuppe gegessen, sondern mich auch einem „gemischten Tütchen“ vergriffen, das da ein bisschen hilflos herumlag. Erwischt habe ich daraus ein merkwürdiges rundes, braunes Ding, von dem ich dachte, es schmecke vielleicht nach Cola-Kaubonbon mit Brausefüllung. Sollte es wohl eigentlich auch. In Wirklichkeit muss es aber eine Badeschaumtablette oder Schlimmeres gewesen sein… – Probieren die das in der Fabrik eigentlich selber nicht, bevor sie es an Kioske verkaufen? Ich dachte bisher, dafür gibt’s Fachpersonal! Soviel Bier kriegt man ja gar nicht runter, um diesen Geschmack wieder wegzuspülen…

Freundin S. fand dann aber, so ein schönes Colabad sei doch sicher gar nicht mal das Schlechteste. Es prickelt wahrscheinlich schön und man kann zwischendrin auch immer mal einen Schluck nehmen (wirkt belebend!). Auf meinen Einwand hin, man könne sich aber anschließend nicht einfach so ins Bettchen legen, weil: wenn man dann morgens aufstehen will und die ganze Bettwäsche klebt an einem fest, und man muss sie unter unangenehmen Klettverschlußgeräuschen erst mal kräftig abziehen, das versaue einem doch irgendwie gleich die Laune für den ganzen Tag, meinte sie nur fröhlich: „Wieso?!? Haste Ganzkörperepilation gleich mit dabei! Ist doch total praktisch!“

Ich wette, sie arbeitet schon fleißig an der Konkretisierung dieser Geschäftsidee.

Ein paar Tage später traf ich R. auf dem Weg zur Arbeit (seine Firma residiert nicht weit von meiner). Er kann sich unsichtbar machen, will mir den Trick aber ums Verrecken nicht verraten. Ich weiß nämlich, dass er immer um 8 Uhr anfängt, und wenn ich das auch mal tue, halte ich im Zug und beim Aussteigen nach ihm Ausschau. Immer erfolglos. Aber wenn ich den Bahnhof verlasse, höre ich doch wieder eine fröhliche Stimme hinter mir: „Morgen, Frau G.!“ (Langsam hege ich jetzt den Verdacht, er fährt schon um 7 Uhr los und lauert dann irgendwo hinter dem Fahrstuhlkabäuschen auf mich.) Wir gehen also zusam- men ins Gewerbegebiet und sehen dort ein Marktauto herumfahren, das die Firmenhöfe nacheinander ansteuert. Es handelt sich um eine für ihren Zustand und ihr geschätztes Alter erstaunlich mobile Brötchentheke.

R: “Kommt die eigentlich auch zu Euch, die Schnitzelfee?“

Ich: „Joh, aber ich bring’ meine Schnitzelbrote ja von zuhause mit.“

R: „Is’ besser so.“

Ich: „Wieso? Nicht gut bei denen?“

R: „Wohl ’ne Menge Haare drauf.“

Ich: „Wo? Aufer Schnitzelfee oder den Broten?“

R: „…“

Ja, wir haben eine Menge Spaß.

Spaß hatte ich auch am Donnerstag. Da hat mich Freundin T. von der Arbeit abgeholt und zum Portugiesen eingeladen. Freundin T. und ich haben uns nämlich ungefähr zwei lange Monate nicht gesehen, weil wir einfach so irre viel arbeiten mussten. In besonders stres- sigen Phasen schickten wir uns aber gegenseitig aufmunternde sms: „Schnurzelchen, halte aus! Ohren anlegen und im Tiefflug drunter durch!“ – „Hasenschnute, lass’ Dich nicht ärgern! Die sind alle doof und stinken! Du packst das!“

Und ich muss sagen: Frauensolidarität im Häkelspitzendeckchenton wirkt!

Als wir dann beim Portugiesen saßen und so herumhühnerten, fiel mir ein bestimmtes doofes Wortspiel nicht ein, das ein Handwerker am Telefon gemacht hatte. Irgendwas mit einer Stadt im Ruhrgebiet. Und ich murmelte immer: „…mit D…, Düsburch, Düsseldorf… – nee, waddema: Dortmund…?“

Freundin T.: „Bochum!“

Ich: „Mit D, manno! Mit D! Nicht B…“

Und T. mal wieder, ganz typisch: „Na wieso? Wenn man den Gürtel abmacht…!?“

Frühling is‘!!!

Kurz, bevor ich losging, hörte ich noch mal in aller Ruhe „Winter“ von Miss Amos, und tatsächlich strahlte die Sonne einmal ganz kurz mit voller Kraft durch’s Wohnzimmer- fenster! Doch kaum waren die letzten Töne verklungen, zog sich’s auch schon wieder zu. Sei’s drum, dachte ich und zog mich auch. – Nur eben an.

Rein in den Mantel, Regenschirm untergeklemmt und los! So richtig frühlingshaft sieht es da draußen ja nun ehrlich gesagt noch nicht aus, aber das wird hoffentlich noch. Zu wis- sen, dass auch Ihr Euch jetzt auf den Weg macht, machte das Grau natürlich irgendwie, naja, ungrauer.

Eigentlich wollte ich ja auf die alte Weide klettern und von dort aus meine beiden Kastanien werfen, aber als ich nach einer Viertelstunde bei ihr ankam, sah’s da so aus:
Frühling_Weide

Der Versuch, doch vielleicht einen Weg zu ihr finden, endete in nassem Strumpfwerk und einer gesunden Schlammpackung für Billigturnschuhe, die wie teure aussehen sollen. Zum Glück hatte ich aber für’s obere Ende ein kleines Ablenkungsmanöver mitgebracht.
Frühling_MatschuheFrühling_Sekt

 

 

 

 

 

 

Ich beschloss also spontan, stattdessen von hier zu werfen…Frühling_Brücke
…und dann war’s auch schon kurz vor zwölf…

Vielen Dank, Ihr kleinen braunen Bollen für Eure stille Unterstützung in den letzten trüben Monaten! Ich wünsch‘ Euch einen guten Flug und eine weiche Landung. Weg jetzt mit dem Winter! – Und huuuuiii….

Da flogen sie, sagen wir mal: mittelweit. (Den Wurf selber habe ich nicht geknipst, dafür musste ich mich schließlich konzentrieren.) Es bleibt mir übrigens immer ein kleines wehmütiges Gefühl, wenn die Kastanien dann tatsächlich weg sind, aber das kenn‘ ich schon, es gehört wohl irgendwie dazu…
Frühling_KastanienFrühling_Kastanien_weg

Also, das war’s nun mit dem Winter. Gefälligst.
Der soll sich hier erstmal nicht mehr blicken lassen!

Das hab‘ ich denen da übrigens auch gesagt, als ich mit dem Sektglas in der Hand meine Runde fortsetzte und bei Ihnen durch Wohnzimmer stiefelte:

Frühling_Graugänse
(Ich glaub‘, das wussten die aber schon…)

– Und wie war’s bei Euch? Erzählt doch ruhig mal!

Grünsprießende Grüße, Eure Theo.