Komisch. – Hätt‘ ich mir eigentlich denken können.

Also, das mache ich jetzt aber bestimmt wirklich nie wieder! Obwohl ich das ja schon ganzganz oft gesagt habe und es dann natürlich doch immer wieder gemacht hab. Jetzt ist aber wirklich Schluss. Gestern war das letzte Mal.

Da habe ich mir nämlich ein Buch gekauft, das mir in verschiedenen Lieblingszeitschriften ganz überschwänglich als superduftes Debut empfohlen wurde. Saukomisch und flott ge- schrieben sollte es sein. Von wegen. Keine Ahnung, wieso die Autorin aufgrund dieses eher langweiligen und auch gar nicht mal witzigen Schreibens so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, dass sie innerhalb kürzester Zeit sogar zu einem Oscar als Drehbuch- autorin gekommen ist… – Oder doch, ich hab’ eine Ahnung: Es kommt nämlich Sex drin vor. Und da sind natürlich manche Leute gleich ganz aufgeregt, weil das ist ja diese eine „Sache, von der sie schon mal gehört“ haben. Und dann finden sie eben auch komisch, was eigentlich überhaupt nicht komisch ist, bloß weil sie die ganze Zeit wegen der „Stellen“ verschämt kichern müssen.

Also, manchmal bin ich echt müde. Von den happigen 17 Euro hätt’ ich mir lieber eine schöne, knisternde Schachtel Pralinen gekauft. Die macht viel mehr Spaß und wäre auch garantiert erotischer.

So sieht’s aus.

Dass ich mit meinem neuen Job nicht ganz glücklich bin, hat man mir hier wahrscheinlich schon angemerkt. Dass ich aber regelrecht unglücklich bin, gebe ich erst heute richtig zu. Ich fühl mich sogar fast ein bisschen wie eine Fliege auf Leimpapier.

Es könnte ein toller Job sein, die Aufgabe macht mir richtig Spaß, weil ich dort vieles anbringen kann, was ich in anderen Bereichen aufgesammelt habe. Ich muss Gruppen kompetent/witzig erklärend durch die Ausstellung führen, mich für die anschließende Verkostung in eine fixe Kaltmamsell verwandeln und zwischendrin den ganzen, vielen Bürokram machen. Meine Gäste sind mal fidele Landfrauen, mal Lions-Clubs. Mal die öligen Außendienstler mit ihren Kunden, mal Seminargäste, mal die Geschäftsführung mit wichtigen Besuchern.

Ich bestelle die ganze Ware, karre sie an, hüte den Verkauf, organisiere Veranstaltungen und bereite sie vor (und nach). Dann bin ich noch für das ganze Gebäude und seine Tech- nik zuständig und muss Handwerker koordinieren und wissen, wieso die Heizung mal wieder nicht zündet und warum die Beleuchtung neuerdings flackert. Zwischendrin stehe ich auf der Leiter und wechsle Spots aus, während ich vielleicht eine telefonische Anfrage entgegennehme oder mache die Abrechnung für die letzte Veranstaltung.

Die Details lasse ich jetzt mal weg.

Alles wäre schön, wenn ich das nicht mit der Kollegin machen müsste. Sie hat offiziell die Leitung der ganzen Klamotte inne, wir sind also zu zweit, und ich bin ihre „rechte Hand“. Ich bin da eigentlich gut drin, ich bin nämlich was ganz Seltenes: gern die Zweite.

Allerdings geht das nur so lange gut, wie ich jemanden unterstützen kann, der was auf dem Kasten hat und weiß, was er an mir hat. Oder sie. Leider ist meine Weisungsbefugte aber unfähig zur Teamarbeit, herzlich unorganisiert, dafür extrem hektisch, trickst sich überall durch und lässt sich liebend gern den Allerwertesten nachtragen. Dabei tut sie wahnsinnig herzlich und glaubt, man merkt nicht, wie sie ihre Schäfchen unterm Ellen- bogen durch ins Trockene winkt. Ehrlich gesagt, brauchte ich tatsächlich ein Weilchen, bis ich das alles so auseinanderkriegte, weil ich diese Form von „Zusammenarbeit“ überhaupt nicht kannte, arglos und hilfsbereit, wie ich bin. Und nachdem ich nun einige Monate dort bin, fassen andere Mitarbeiter Vertrauen zu mir und bestätigen mir, was ich schon lange ahne: Intrigen, Stuhlgesäge, und meine mitunter von Heulkrämpfen geschüt- telte Vorgängerinnen, die immer gegangen wurden, wenn’s irgendwo hakte.

Doof dazu, dass Madame mit der Oberchefin lose befreundet ist und die auch nur am Rande mitbekommt, was bei uns so los ist, denn wir sind relativ autark in unserem Gebäude.

Ich weiß, was ich leiste. Ich rackere 40 Std. in der Woche, und zwar so, dass ich abends umkippe. Schließlich arbeite ich nicht selten für Zwei, habe die ganze Organisation immer mit im Kopf. Ich glaube, dass auch die Oberchefin und die anderen Herrschaften der Geschäftsleitung inzwischen sehr zufrieden mit dem sind, was sie von mir mitbekommen. Leider ist das aber nicht wirklich viel. Wenn die wüssten, was sie alles nicht wissen! Aber ich kann (und will) ja schlecht hingehen und petzen. Und kündigen kann ich auch nicht, weil ich natürlich das Geld brauche, um die Verluste der letzten Jahre mal wieder aufzu- holen und zudem eine Förderung zurückgezahlt werden müsste, wenn der Vertrag (1 Jahr) nicht erfüllt wird.

Mein Plan ist nun, nach dem Urlaub (dann ist auch meine 6-monatige Probezeit rum) ein Gespräch mit der Oberchefin zu suchen und dann sehr gut vorbereitet zu sein. So viele sachliche Argumente wie nur möglich, Persönliches nur hauchdünn mal zwischen zwei Zeilen oder so. Eventuell weckt das mal Aufmerksamkeit und die Erkenntnis, dass es ja nicht immer ausschließlich an den „rechten Händen“ liegen kann, wenn was nicht läuft.

Und nebenbei studiere ich eben die Stellenanzeigen. Schade. Wirklich.

Alles Stulle.

Urlaub. Endlich.

Völlig erschöpft lagere ich auf dem Diwan, Naschkram in Reichweite, und lasse mich vom Fernseher belullen. Bericht von der Berliner Modewoche, die ulkigerweise „bread & butter“ heißt. Keine Ahnung, wieso. Alle dort sehen so aus, als würde sie außer Mineralwasser gar nichts mehr essen. Herr Becker, der angeblich ein Hobbymodist (nur eben ohne Hüte) ist, wird nach schweren Sünden der männlichen Klamottierung gefragt. Er überlegt.

Ich überlege auch. Wieso ist der Boris denn da neuerdings ein Fachmann? Ich meine mich nämlich ziemlich genau zu erinnern, ihn mal einem Ensemble mit Leopardenmuster gesehen zu haben. Oder war das der Kahn? Oder der Gottschalk? Ich habe aber garan- tiert mal wieder keine Ahnung, denn für mich ist das ohnehin alles eine Liga.

Bobbele hat fertig überlegt. Er meint, ganz schlimm sei, wenn der Gürtel nicht zu den Schuhen passt. „Genau!“ rufe ich, und: „Schrecklich! Man hat schon ganze Volksstäm- me deswegen aussterben sehen!“

Ach, fährt er unter Mühen fort, und wenn der Anzug zu klein sei. Oder auch zu groß.

„Oder gerade so eng, dass man damit noch über’n Allgemeinplatz stolpern kann, was Boris?“ schiebe ich hinterher.

Ansonsten fällt ihm aber nix ein.

Und das, das wundert mich nun widerum kein kleines bisschen…

Neulich mal auf dem Markt.

Ich kaufe zwei Schnitzel, denn es kommt lieber Besuch und ich habe versprochen, ein Abendessen aufzutischen, mit Spargel und lecker Soße und so.

„Darfs noch etwas sein?“, fragt die Verkäuferin.

„Nö, der Dritte am Tisch ist Vegetarier, da finde ich bei Ihnen ja nix für.“

Sie guckt ein bisschen konsterniert und antwortet: „Nee, da kann ich Ihnen nicht helfen!“

Nicht, dass ich Hilfe nötig gehabt hätte.

Dann rückt sie zögernd raus: „Eine Kollegin von mir ist auch Vegetarierin.“

„Echt?“, frage ich über die Steaks, Schnitzel und Schinken hinweg, „Das ist ja kurios! Wie kommt das denn?“

„Ja, sie hat wohl auch früher schon nicht viel Fleisch gegessen, und dann über die Jahre immer weniger. Jetzt nimmt sie nur noch für ihren Mann und den Sohn was mit…“

„Irre!“

„Ja, und wissen Sie was!?“, empört sie sich, „- Die Kunden sagen, wenn sie sie fragen, hat sie immer die besten Rezepte!“

Mücheln. Und endlich: der Stiefelettchenfund.

Mensch, hier ist schon wieder so viel los, dass ich kaum mal an die Tastatur drankomme. Aber ab nächster Woche hab’ ich erstmal Urlaub! – Obwohl, da hab’ ich mir auch schon wieder Einiges…

Jedenfalls, wo war ich?
Ach ja. Sternenhimmel.

Also wieder: Geschlafen, geschlafen, geschlafen. Sonntag.

(Prinzessin Juleikas Schlaf wurde wohl ein kleiiiiines bisschen durch einen sich nächtlich aus dem Regal neigenden und dann mit lautem Knall niedergehenden Folianten beein- flusst. Laut ihrer Aussage dahingehend, dass sie von der Waagerechten mirnixdirnix zum größeren Teil in die Senkrechte schoss.)

Der Sonntag beginnt mit einem turbulenten Frühstück im großen Mühlenraum, ein landen- des Flugzeug ist ja wohl nix dagegen… *g* Vielleicht hatte ich aber auch bloß Kater, da höre ich nämlich mitunter, wie sich Flöhe am Kopp kratzen. Anschließend gab’s noch mal eine Mühlenbesichtigung, weil ja noch nicht Alle alles gesehen hatten. Irgendwann danach mussten auch Ormuz und Einhardt mal zum Zug, also drückte und herzte man sich wie- der im Mühlengarten, streichelte noch mal schnell die Katz’ und winkte ein bisschen zum Abschied.

Zum Mittagessen sollte es zum Italiener gehen, also stromerten wir ein bisschen durch Mücheln, beguckten uns das Wasserschlösschen, verschafften uns Zutritt zum Kirchlein und versuchten, eventuell einen Fisch im absolut klaren Bach zu erkennen. Beim Italiener lief dann die dollste Musike, also wirklich. Ich war ja eigentlich froh, dass der schlimme Polypenmann nicht schon wieder sang, denn der wird bei der Erbauung jedes italieni- schen Lokals ja quasi immer gleich fest mit in die Musikanlage installiert. Aber hier hatte man einen Trick gefunden, stattdessen wilde Disco-Remixes von so bekannten Liedern wie „Felicitᓠund „Azurro“ abzuspielen. Gekrönt wurde das Ganze bloß noch durch die Aufmachung der Damentoilette, die rosa gestrichen und mit halbnackten Kalenderjungs behängt war, die sich wohl alle aus Versehen just in dem Moment den Hosenknopf ge- öffnet haben mussten, als der Fotograf das Bild machen wollte. Länger her, dass ich in einer war, aber ich kam mir ein bisschen vor wie in einer Jubeltrinen-Disco. (Also, solche Jubeltrinen, die auch schon mal Schnurrbart tragen.) Die liebe Juleika bestätigte mir diesen Eindruck kurz darauf unter breitem Grinsen. Die Besichtigung der Herrentoiletten haben wir uns übrigens für unseren nächsten Besuch aufgehoben.

Ich möchte unbedingt noch erwähnen, dass das Essen ganz prima war! Ich bin norma- lerweise Diejenige am Tisch, die am längsten braucht, aber die Lasagne war wirklich ruckzuck weggelöffelt. Ich glaube, ich war sogar schneller als Jules mit seiner Pizza Funghi, – das ist mir noch nie passiert!

Auf dem Rückweg zur Mühle dann, satt und zufrieden, lag plötzlich was mitten auf der Straße. Jemand sehr Kleines musste wohl sein Schuhwerk verloren haben. Vermutlich einer dieser berühmten ganz winzigen Müchelner Cowboys. Wir hatten ihn wohl knapp verpasst. Ein passendes Winzpferdchen war auch nicht mehr zu sehen. Wahrscheinlich war das Stiefelchen beim Galopp über die Straße einfach so abgefallen. Man kennt das ja.
Stiefelchen1

Und dann war’s plötzlich Nachmittag, Zeit zur Abreise. Am Müchelner Bahnhof spielten sich noch mal herzzerreißende Szenen ab, dann war sie mittenmal weg, die Jule. Gleich darauf wurde der Gastgeber noch mal gedrückt, herzlich bedankt & genötigt, einen baldi- gen Gegenbesuch zuzusagen. Lieber Jenne, auch hier noch mal: Vielen lieben Dank für Deine Gastfreundschaft, die sorgfältige Vorbereitung, die lebendigen Geschichten, die spektakulären Ausblicke, die Wortspiele, die Fürsorge und natürlich den Sternenhimmel.

Liebe Grüße, auch an die Mum & hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

Mücheln. Der Fortsetz.

Geschlafen, geschlafen, geschlafen. Samstag.

Der Vormittag steht im Zeichen der Aberntung von leckeren Gartenbeeren (die Jenne extra für mich dran gelassen hatte. Ich hab’ wiederum im Gegenzug für Jenne noch was dran- gelassen.), der ausführlichen Besichtigung der Mühle (Kinder, Kinder, hat das Ding viele Zimmerchen, Kemenaten und Räume!) und des Frühstücks mit Brotaufstrichen aus aller Welt (Ormuz hatte bunte, selbstgekochte Marmeladen und ein Döschen „Naschi“ mitge- bracht, Shaveskin eine leckere Schoko-Espresso-Paste). Leider führte das Frühstück irgendwann gen Mittag zu Shaveskin-Verschwindung Richtung Bahnhof. Vielleicht gab es da aber auch gar keinen Zusammenhang. Schade war’s allemal.

Und dann ging’s Uta besuchen. Sind wir mal ehrlich: die meisten gehen doch in den Naumburger Dom, um die Gute dort zu sehen. Für ihren etwas wohlgenährten Gemahl Eckehard interessieren sich doch die Wenigsten. – Uta ist eben zu und zu schön! Ich finde, sie sieht aus wie eine dieser 50er-Jahre-Schönheiten. Da gab’s doch auch diese ganzen Ritterfilme mit Eroll Flynn oder wie der noch mal hieß…

Uta_und_der_Dings

So ein verwinkelter Dom, der hat schon was. Ich guck’ mir sowas gerne an, auch wenn ich’s mit dem Mittelalter normalerweise eher nicht so habe. Ich hätte ja lieber im Berlin der 20er (natürlich ohne die anschließende Katastrophe) oder 70er gelebt. Also, ich habe ja sogar im Berlin der 70er gelebt, wenn man’s genau nimmt… Allerdings war ich da noch zu klein, um bei Kommunengründungen und Hippieparties mitzumachen.

Nach der Uta bummelten wir in ein Cafe am Naumburger Markt, wo der Kaffee dufte war, aber das Schokoeis so blass, dass man’s glatt fast für Vanille halten konnte. Vermutlich waren auch deshalb vorsichtshalber Sahne und bunte Streusel drauf, die ich gar nicht bestellt hatte. Damit glich sich das natürlich irgendwie wieder aus.

Die nächste Station war ein originaler Weinberg, in dem der originale Jenne letztes Jahr bei der Lese mitgeholfen hatte! Ormuz war so klug, sich den Aufstieg in 14 Kilometer Höhe mit einer Steigung von 75% zu sparen und blieb schön in der Straußwirtschaft sitzen. Dafür hatte sie allerdings auch nicht diesen Ausblick:
Weinberg_Hey

Nach dem Abstieg gönnte ich mir ein feines Zitronen-Fenchel-Süppchen mit Olivengre- molata und dann gings fix zurück in die Mühle, denn wir erwarteten ja noch die liebe Juleika, die eigentlich absagen musste und dann kurz entschlossen doch noch kommen konnte. Endlich mal die Jule drücken, das wollte ich doch schon soooo lange mal!

Und dann saßen wir wieder im Mühlengärtchen, alles summte durcheinander, ein paar Texte wurden vorgelesen, und ganz wie nebenbei wurden Getränke getrunken. Die Bro- mine hielt tapfer durch bis halb eins oder so, dann war der Knopf ab. Ich hätte eine weniger wüste Arbeitswoche vorher haben sollen, dann hätt’ ich sicher morgens um fünfe noch dagesessen. Oder vielleicht auch nur bis um vier…

Jedenfalls guckte ich mir schon wieder den Sternenhimmel an, während die Anderen noch im Mühlenraum saßen.

(Dritter und letzter Teil irgendwann demnächst. Diesen hab‘ ich ja schon wie auf der Flucht geschrieben *g*)

Mücheln. Wo die Stiefelettchen einfach so auf der Straße liegen.

Der Mühlenkönig hatte schon vor Monaten geladen und wir sind natürlich gern gekom- men…

Nachdem Freundin T. so großherzig war, uns ihr prima Autochen zu leihen, wurde ein Wein-Käse-Kuchen-Schokikörbchen draus und ab gings für uns in Richtung Leiptsch, bzw. natürlich Mücheln, wo Jenne uns herzlich empfing und Shaveskin, Ormuz und Einhard bereits behagliches Angekommensein ausstrahlten. Ich wusste auch bald wieso: Der Hausherr gehört zu den Menschen, die ihren Besuchern sofort „Schrankrecht“ ein- räumen. So nannte das mal die Mutter eines früheren Freundes von mir. Es bedeutet, man kann und soll sich als Gast ganz frei bewegen und nicht zu verlegen sein, mal eine Küchenschublade oder den Kühlschrank zu öffnen, falls man darin was Benötigtes vermu- tet. Solche Gastgeber habe ich übrigens am liebsten.

Kaum angekommen, gings nach einem kurzen Rundumblick in der Mühle zur Burg Quer- furt, wo man schwer wieder abzukriegende Stempel (wohl hatte ich mich am Morgen danach gewaschen!) auf den Pelz gebrannt bekommt, weil gerade zufällig Burgfest ist. Da gibt’s dann Gesottenes, Handgenähtes, Selbstgetöpftertes, musikalische Sitzwalzer und sogar original mittelalterliche Traumfänger zum Ans-Fenster-Hängen und Gänsemagd- leibchen aus echter, 100%iger Viskose!

Solche hatte der dicke Heinrich (einer der Burgtürme) vermutlich noch ganz gut von früher in Erinnerung. Was der liebe Jenne uns allerdings über den Marter- und den Pariser Turm erzählt hat, versuche ich gerade wieder zu vergessen, um auch forthin gut schlafen zu können. Überhaupt: erzählt. Wenn jemand ein wandelndes Geschichtsbuch ist, dann ja wohl der gute Jenne! (Ich bin mir sicher, dass er nichts dagegen hätte, ein Buch zu sein, wenn er nur dabei immer in Bewegung bliebe.) Selten habe ich erlebt, dass jemand sich so gut und so ausführlich in seiner Gegend auskannte. (Vielleicht noch bei meinem Vater, der in Kreuzberg jeden Stein kennt und das oooch ganz normal findet.)

Zurück im Mühlengarten wurde dann flugs der Grill angeschmissen, gespachtelt und tapfer getrunken. Ormuz hatte ein verdächtiges Gebräu dabei, das sie ganz verharmlosend „Mäusemilch“ nannte, doch ich traute dem unschuldig dreinschauenden Fläschen (1-Liter-Pulle) nicht und blieb beim köstlichen Blauen Zweigelt eines prima heimischen Winzers. So klang der Tag langsam aber nicht stille aus, denn Redestoff gab’s natürlich genug.

Als ich mich schließlich zu später Stunde im behaglichen Mühlenschlafzimmer in die Federn schmiss, summten mir noch die Ohren und als das Licht ausging, leuchteten über mir mittenmal bestimmt ungefähr 1000 Sternenpünkte, die der Hausherr dort irgendwann mal eben unters Dach getupft hatte.

Am nächsten Morgen würde es dann weitergehen mit Gartenerkundung, ausführlicherer Mühlenführung und einem Besuch bei Eckehard und Uta, den Beiden. Und Lady Juleika sollte auch noch zu uns gelangen, darauf freuten wir uns natürlich sowieso wie Bolle…

(Wird also ganz bald fortgesetzt. Freundin T. hat nämlich gerade geklingelt, um das Neueste zu hören und ihr Auto wieder abzuholen…)

Wie unaufgeräumt von mir!

Ach, Entschuldigung. Das ist ja nun sonst nicht meine Art, aber da liegen noch einige Kommentare lose herum, die ich zwar mit Vergnügen gelesen habe, aber noch nicht beantworten konnte und auch gerade nicht beantworten kann, weil ich nämlich in 10 Minuten in ein Auto steigen und kurzverreisen werde. Und da freue ich mich schon seit ungefähr sagenwirmal circa freundlich geschätzt ein Dreivierteljahr drauf…

Ich antworte dann, wenn ich wieder zurück bin, ja?
(Montag, nämlich.)

Gut zu wissen.

Neulich hab’ ich zufällig die letzte Viertelstunde einer Doku im Fernseher gesehen, bei der es um deutsch/jüdischen Humor ging.

Und ich hab’ wieder gedacht: was soll das denn sein, deutscher Humor? Allein die Kombi aus diesen beiden Wörtern ergibt doch schon keinen richtigen Sinn! Wenn ich mir so an- gucke, was laut TV deutscher Humor ist, dann falle ich über Herrn Barth, Herrn Schröder, Herrn Profitlich. Oder ich falle über Frau Boes, Frau von Sinnen, Frau Köster. Das kann ich mir kaum angucken. Wenn ich es aber doch tue, könnte man meinen, ich hätte eine schlimme Gesichtslähmung.

Wenn ich aber in meinen Bücher- und CD-Schrank schaue, finde ich: Herrn Goldt, Herrn Droste, Herrn Rether, Herrn van Dannen. Und Herrn Haas. – O.k., ich geb’s ja schon zu, der ist Österreicher. Und Frau Müller. Und Frau Zylka. Und noch ein paar, die mir jetzt nicht gleich einfallen, und ich bin gerade zu faul, aufzustehen und nachzugucken.

Also, mir missfällt das einfach, bei Lustigem Ländergrenzen zu ziehen. (Das kann natür- lich auch daran liegen, dass ich allgemein schon nix für Ländergrenzen übrig habe.) Meinetwegen lasse ich mich überreden, Männer- und Frauenhumor unterschiedlich zu finden, aber sinnvoll finde ich das auch nicht. Man landet dann ziemlich schnell bei sexis- tischem Humor, und was ich davon halte, sollte bekannt sein. Meiner Meinung nach ist Humor schlichtweg individuell.

Jedenfalls, in dem Beitrag zeigen sie u.A. Leander Haußmann als Humorexperten. Seine Brille ist jetzt viereckig, weil sein Gesicht (inkl. Hals) jetzt rund ist. Das Ganze wird mittig durch ein Menjoubärtchen halbiert. Und er kämmt sich inzwischen die Haare quer über den Kopf. Zuerst dachte ich, er wär‘ verkleidet… Ach so, und gesagt hat er in etwa: „Deut- scher Humor ist ziemlich speziell und wird nicht überall verstanden.“

Aha. Ich wette aber, das sagen sie überall.

(PS: Dieser Eintrag hat ausnahmsweise keine Pointe; – das ist übrigens ziemlich speziell und wird nicht überall verstanden.)

Yeah! Guuuuter Stoff…!

Ich bin ja relativ überzeugt davon, dass der überwiegende Teil der Menschheit die meiste Zeit über recht unkonzentriert ist. (Und damit meine ich nicht etwa die mit mehr Kilos.) Aus diesem Grund fahre ich übrigens auch ungern Auto, obwohl ich’s seit gut zwei Jahren sogar offiziell dürfte. Dabei fällt mir glatt die Geschichte einer früheren Kollegin wieder ein, die tatsächlich fast 30 Jahre ohne Führerschein gefahren ist, sicherlich fast immer hoch- konzentriert, aber die erzähle ich eventuell ein andermal…

Gelegentlich ist so ein bisschen Unkonzentriertheit aber auch ganz schön, wie dieses wunderbare Bildchen von der lieben MaRSTeam-Maren zeigt, die zum Glück sehr kon- zentriert war, als sie neulich in einem Discounter stöberte und das hier entdeckte:

Rauschspeck_hmmmm

Foto: freundliche Leihgabe von MaRSTeam. Vielen Dank!

Derjenige, der das geschrieben hat, hat dabei entweder kurz mal an das nächste Woch- enende gedacht, für das er sich vielleicht einiges vorgenommen hatte (1 Kiste Bier, Pulle Schluck, Räucherwerk oder vielleicht, an speziellen Briefmarken zu lecken) oder er wuss- te was, das wir bisher nicht wussten und nun langsam ahnen: Speck verpasst Dir eine veritable Dröhnung! Kommt wahrscheinlich auf die Menge an. – Wenn man genug intus hat, tanzt man wild über Kartoffeläcker, klappert dazu kastagnettenmäßig mit Sparschä- lern rum, rührt später heiße Suppen mit bloßen Händen um und empfängt dabei den großen Porreesegen. Und dann, endlich, eröffnet sich einem plötzlich auch, was „Pote“ eigentlich bedeutet…

(Und von nebenan linst der Nachbar neidisch rüber…)