Ach, in letzter Zeit fühle ich mich öfter wie diese Artisten im Zirkus, die auf einem Brett-
chen balancieren, unter dem so eine Walze liegt. Und oben rum wird onnoch wild jongliert. Ich hab’ eben mal versucht, rauszukriegen, wie dieser spezielle Balance-, oder vielmehr Equilibristik-Akt eigentlich heißt. Das war gar nicht einfach. Das Walzen-/Brettchendings heißt also Rola Bola.
Ich kann somit jetzt immerhin, wenn jemand fragt: „Wie geht’s?“, antworten: „Och, ich füh-
le mich wie auf einem Rola Bola!“ Und dann weiß sicher sofort jeder Bescheid und wird mich mit weiterbohrenden Fragen verschonen.
(Übrigens kann ich mich im Moment nur ganz schlecht konzentrieren, weil über mir gera-
de eine Gitarre verhauen wird. Also, jetzt nicht direkt über mir, sondern natürlich in der Wohnung über meiner. Ich hab’ ja eigentlich schon den Friedhelm nebenan, der seit min-
destens acht Jahren seine arme Gitarre beschrummelt. Neulich kam ich mal nach Hause, da erklang aus der Nebenwohnung plötzlich virtuoses Geperle. Toll, dachte ich, er lernt’s nach all‘ den Jahren doch noch! Das ist ja ein richtiges Konzert! – Und dann sprach mitten-
mal der Radiomoderator… Und nun noch so einen Kandidaten über mir? Im Moment hört es sich an, als versuche er? sie? wenigstens erstmal, die Gitarre zu treffen. Klappt…)
Hm. Was liegt denn hier noch?
Ach so. Das sind ja bloß die vier Damen aus der Mückenvergrößerungsabteilung, die sich da gerade ihre verdienten Feierabendbiere bestellen…
Und ich behaupte hier einfach mal, dass auf der Rückfahrt kein einziger Technofuzzi im Zug war. In keinem der drei Regionalzüge, mit denen ich gefahren bin. Dafür bin ich jetzt fast so schockgefrostet wie die Spinatpellets in meinem TK-Fach, weil die Klimaanlage in diesen Zügen vermutlich nach dem Kalender funktioniert (und sogar auf Jahre hinaus vor-
eingestellt ist) und nicht nach den tatsächlich vorherrschenden Temperaturen. Demnach hatte man jedenfalls für den heutigen Tag richtig dicken Sommer eingeplant. Sei’s drum. Bahnanmotzung ist schon seit 100 Jahren langweilig, deswegen hör’ ich jetzt auch wieder damit auf.
Der Koffer ist also frisch ausgeleert, der Wäschekorb eingevollt aufgefüllt…
Das bringt mich wieder darauf, dass ich manche Sachen einfach nicht kann. Dazu gehört nämlich u.A. das „Komplett-Leerwaschen-des-Wäschekorbs“. Es soll irgendwo Leute ge-
ben, die diese Kunst meisterlich beherrschen und noch nicht mal damit angeben.
Weitere Sachen, die ich nicht kann:
– Im schwarzen Shirt Zähne putzen, ohne hinterher weiße Pünkte drauf zu haben (bei allen anderen Farben geht’s merkwürdigerweise).
– Morgens schon Bier trinken. (Sekt hingegen: alle Tageszeiten.)
– Meine Augenbrauen so gut wie weg zupfen, um sie mir dann zwei Zentimeter höher wie-
der aufzumalen.
– Hosenröcke tragen. (Das wohl lächerlichste Kleidungsstück aller Zeiten.)
– Salto.
– Geburtstagskarten schön beschreiben (im Gegensatz bspw. zu Einkaufszetteln).
– Mist noch mal…, – was war das noch, was ich mir nie merken konnte?!?
– Morgens schon McDämlich-Kram essen. (Oder nachmittags. Oder überhaupt.)
– Gitarre spielen. (Mein geduldiger Gitarrenlehrer empfahl mir nach 5 Unterrichtsstunden, lieber beim Singen zu bleiben. Da müsste ich wenigstens nix mit den Händen machen. Aber ich könnte seinetwegen natürlich ruhig, wenn ich wollte.)
– Kapuzinerkresse endlich mal ohne Blattläuse haben.
– Pulverige Sachen umfüllen, ohne zu rumzubröseln.
– Salzfässchen aufschrauben, ohne dass ein halbes Pfund Salz verstreut ist.
– Einen Text tippen, ohne wenigstens einmal an der blöden fESTSTELLTASTE hängen zu bleiben (weswegen ich sie auch aus meiner PC-Tastatur heraus operiert habe).
Endlich muss selbst in schweren Fällen nicht mehr mit der Rüttelplatte gearbeitet werden, um das Gewebe in Schw(ing)ung zu bringen!
Und wenn der Pflug dann einmal gründlich durch ist, geht man einfach noch mal mit dem Damenspaten oder einer Harke drüber und schon kann man die tollsten Sachen anbauen: Kohlrabireihen zwischen den Schulterblättern, Radieschenbüschel in den Kniekehlen, Stangenbohnen in den Ohren, leckere Tomaten auf den Augen, Spargel in der Bauchfalte, Rosenkohl unter den Armen und auf der Hüfte Bananen…
Und so ist gleich eine gesunde, kalorienarme Ernährung auf Dauer gewährleistet und die Vitaminversorgung aber so was von gesichert, was dem warum-auch-immer-schwingen- müssenden-Gewebe sicher ausgesprochen zugute kommt.Und als Nächstes erwartet uns vermutlich „Mit dem Heuwender durch die Frisur!“. Eventuell.
Kaum Jemandem wird’s verborgen geblieben, dass ich öfter mal mit’m Zug fahre; – gestern hab’ ich’s schon wieder getan. Und zwar habe ich’s nach Düsseldorf getan.
In Hannover auf dem Bahnsteig saß ich erst noch ein Viertelstündchen in so einem Draht- ding, die sie einem dort als „Sitzgelegenheiten“ unterjubeln wollen und wo einen der kalte Wind so richtig schön von unten und von hinten erwischen kann. Ein Pärchen setzte sich neben mich und dann roch es plötzlich sehr unfein. Ich dachte schon: Puh, da ist aber bestimmt jemand ziemlich krank oder so. Aber als ich vorsichtig rübergucke, stelle ich fest, dass die Beiden nur ihr Frühstück ausgepackt haben. Aus so braunen Papiertüten, die man bei diesem einen Frikadellenbrater bekommt. Sie hatte sich wohl so ein komi- sches Eidings einpacken lassen, und dem Geruch nach musste das fast älter sein als ich. Was Leute so runterkriegen, morgens um achte!
Als unser Zug dann kam, stiegen da auch ein paar Jungs ein, die schon ein 5l-Bierfäss- chen ernsthaft in Arbeit hatten. Also wirklich. Was Leute so runterkriegen, morgens… Zum Glück setzten die sich aber eine ganze Ecke weit weg von mir und der Zug war ohne- hin himmlisch leer. Leider bin ich mit diesem Zug nur eine halbe Stunde gefahren, bis ich in Minden umsteigen musste.
Und in Minden schwante mir Böses. Denn der Mindener Bahnhof, der übrigens eine sehr interessante Anordnung der Gleise hat (Gleis 1 führt irgendwie vor dem Bahnhofsgebäude lang. Da muss man, wenn man drauf angewiesen ist, auch erstmal drauf kommen.), war voll mit Geradeerwachsenen in unterschiedlich stark angetrunkenen Zuständen. Wie ge- sagt, was die Leute so runter… Ich brachte mich fix auf einem Fensterplatz unter, meinen Koffer vor dem Sitz neben mir, als die Mindener schon unter Getöse den Zug stürmten. Vor mir nahm ein netter junger Mann Platz, und fragte mich gleich: „Na? Fährste auch zur Love-Parade?“ Und da hat’s dann aber ganz ordentlich gedämmert in meinem Oberstüb- chen! „Äh, nee. Wo ist die denn dieses Jahr?“ – „Na, in Dortmund!“
Bis Dortmund waren’s noch zweieinhalb Stunden, mindestens. Eher drei. Ach, – hab’ ich schon erwähnt, dass der Zug übrigens ein Regionalexpress war? So einer, der alle zehn Meter anhält? Jetzt wurde mir auch klar, wieso ich kein vernünftiges ICE-Ticket mehr be- kommen hatte. Sondern nur so eins, mit dem ich zweimal umsteigen musste, um an meinen Zielort zu kommen. Love-Parade! Und keine Zusatzzüge für die erwarteten 2 Millionen Besucher. Na klar! Deswegen. Na, das konnte ja lustig werden…
Wurde es leider nicht. Es wurde sehr schnell sehr eng. Neben mich quetschte sich ein Mädchen, dem es zum Glück nichts ausmachte, dass wir unsere Beine um meinen Koffer drapieren mussten (in Regionalzügen sind die Über-Kopf-Gepäckträger-Regale nämlich in so einer wahnwitzigen Schräglage angebracht, dass kein kleinstes Köfferchen reinpasst. Höchstens mal ein Tütchen Erdnüsse oder so). Das Mädchen packte mal gleich ein Grapefruitbier aus (Grapefruit ist ja auch sehr gesund zum Frühstück) und dazu noch so ein kleines Püllchen, bei dem man wohl erstmal anklopfen muss, bevor man’s öffnen darf. Fiel aber gar nicht weiter auf. Eigentlich war ich die Auffällige, weil ich als Einzige keinen Flaschenhals im Gesicht hatte.
Mein „Prost!“ hat sie bestimmt auch gar nicht gehört, dafür war die Musik zu laut. Ich bin mir jedenfalls relativ sicher, dass da Techno lief, irgendwo unter dem Geschrei („Nee, das macht voll blass, da sieht man ja aus wie son Gothik-Vieh!“ „Intim mach’ ich mir nicht, das ist doch voll hässlich!“ „Boah, ich muss voll pissen, Alter, ich glaub’, der Urin zirkuliert bei mir schon bis in die Herzkammern!“) und den Fußballgesängen („Oleeee, wir fahr’n zur Love-Parade!!!“ „Es gibt nur ein’n Rudi Völler!“). Es war aber auch sowieso kein besonders guter Techno, eher so das, was man an der Tanke als Sampler-CD kaufen kann, deswe- gen war’s auch nicht richtig schade drum.
Schade war, dass in mir Panik aufstieg, weil ich mir vorkam wie in einem Viehtransporter. Eng zusammengequetscht, keine Aussicht darauf, eventuell irgendwie zum Klo zu kom- men oder auch aussteigen zu können, um dann drei Stunden in, sagenwirmal, Beckum rumzustehen und zu warten, bis alle Sauftüten in Richtung Dortmund durchgerauscht sind. Das war nix für die alte Bromine, das kann ich Euch sagen. Das Feiern, Rauchen, Saufen und die aufgeregte Vorfreude hätte ich noch prima ausgehalten, wenn da nicht noch diese drangvolle Enge und der unglaubliche Lärm gewesen wären.
In jedem Bahnhof versuchten sich noch Hunderte dazuzuquetschen, was dazu führte, dass wir jeweils mindestens eine Viertelstunde standen und mehrfach die Durchsage kam, wir sollten doch bitte endlich die Türen freigeben, damit’s weiter gehen kann. Und natürlich fingen auch welche an, sich zu buffen, weswegen dann auch noch Spezialpolizei in voller Montur anrückte, um „zu schlichten“. Da standen wir schon in Hamm und eigent- lich wär’ es jetzt nicht mehr weit gewesen. Das ging natürlich schon ein bisschen auf die allgemeine gute Laune. Ich konnte eigentlich schon länger nicht mehr, wenn ich ehrlich bin. Irgendwann setzte sich in mir ein Mantra durch: „Halt durch, Baby. Halt durch.“ Komisch, ich hab’ mich noch nie von Ir-gend-wem „Baby“ nennen lassen, nicht mal von mir selber. Half aber. Muss ich mir also mal merken.
In Dortmund kamen wir jedenfalls nach vier Stunden an, kurz bevor die ersten anfingen, in die Ecken zu pinkeln oder sich zu übergeben. Der Zug leerte sich und zurück blieben eine Handvoll „Normalreisende“ wie ich, die wortlos erschöpfte, aber bedeutungsvolle Blicke tauschten. Dazu tonnenweise leere Flaschen (was eine eigentlich interessante Geräusch- kulisse abgab, wenn wir z.B. in Kurven fuhren oder hielten), Müll und eine gefühlte 1-cm dicke klebrige Bodenschicht aus Asche, Bier, Wodkairgendwas, Kippen und zertretenen Chips. Was eben von der Liebe übrig blieb…
So sehr hab’ ich echt mich noch nie gefreut, Düsseldorf zu sehen.
Da war der Rest der Fahrt (immerhin noch anderthalb Stunden) die reinste Kreuzfahrt. Nächstes Jahr soll die Love-Parade ja in Bochum sein. Aber dann ganz sicher ohne mich. Bochum liegt ja noch hinter Dortmund, also, von Hannover aus gesehen.
Nee, echt. Voll sorry.
(Der Text ist übrigens nur deshalb so lang, weil mir die Fahrt fast wie ein halbes Leben vorkam…)
Der Zweite ist es also geworden, mit eigentlich nur knappem Ab- stand. – Kinder, meine Nerven! Na, vielleicht im nächsten Jahr…
Ich freue mich natürlich wie Bolle, dass so viele von Euch für mein Blog freundlich gedrückt oder sogar getrommelt haben (speziell die „T-Gang“: Freundin T., Träumer und Trithemius) und bedanke mich jetzt noch mal ganzganzganzganzganz herzlich bei Euch!
Nachdem der geschätzte Kollege Professor Dr. Dr. Dr. Totte uns heute früh einen wahrlich sen-sa-tio-nellenFund im Fachbereich Dominotiere präsentiert hat (wirklich alle Achtung!), brauche ich mit meiner heutigen kleinen botanischen Entdeckung natürlich gar nicht erst dagegen anzustinken.
Zeigen tu’ ich sie aber trotzdem:
Was ich da heute Morgen überraschenderweise in meinem Backofen fand, scheint mir eine waschechte „Knallrabenschwarze Riesenkorinthe“ zu sein. Aber da müsste ich die Kollegen eventuell noch mal zu Rate ziehen…
Erste Hinweise über diese außergewöhnliche Frucht einer noch außergewöhnlicheren Pflanze finden sich bereits in mittelalterlichen Schriften. Offenbar wurde sie damals, ver- mutlich aus Unwissenheit, zunächst zur Steinigung von Übeltätern verwendet. Im späteren Verlauf der Jahrhunderte diente die leider völlig ungenießbare, aber dafür wenigstens kern- lose Frucht u.A. als natürlicher Bremsklotz für Kutschen, als Irgendwas für Kaminkehrer, als Blockabsatz unter 70er-Jahre-Stiefeln und zur Not auch mal als pittoresker Setzkas- teninhalt. Eine Zeitlang vermochte sich auch noch die Vorstellung zu halten, ihr beißender Geruch hielte blutsaugende Insekten fern, was sich aber gegen Ende der 90er Jahre end- gültig als wissenschaftlich völlig unhaltbar erwiesen hat.
Was man heutzutage hingegen damit anstellt, ist mir leider völlig unbekannt. Und so habe ich sie dann auch weggeschmissen.
Schon komisch. Man meint, so eine Abstimmerei sei einem ja gar nicht so wichtig, und dann ist sie doch plötzlich spannend…
Nachdem ich inzwischen allen davon erzählt habe, hat mir z.B. Freundin T. vorhin erst gesimst, sie habe jetzt alle „die mich kennen“ noch mal auf die Abstimmung angesetzt. Da bin ich ja mal gespannt! Ich war ja bisher immer der Meinung, dass ich nun nicht so viele Leute kenne, aber es scheint doch auch andersrum zu gehen. Wirken tut’s jedenfalls ausgezeichnet!
Danke, liebe T., und natürlich auch Danke an all die freundlichen Drücker!
Ich mag ja schon gar nicht mehr hingucken, meine Nerven! – Und dann tu’ ich’s doch. *g*
Na, die paar Stunden halt’ ich das noch aus, Mitternacht soll ja Schluss sein… Hapuh!
Aber mal was ganz Anderes, jetzt:
Heute Morgen begrüßte mich mein e-mail-Dienst, der immer so putzige Meldungen auf seiner Titelseite versammelt, mit dieser kleinen Leckerei:
Mal abgesehen davon, dass es mir relativ peinlich wäre, würde meine Mutter öffentlich so zitiert, finde ich die arme Frau Connor (also, die Mutter) jetzt doch ganz schön tapfer. Ich mein’, dann hat sie’s hingekriegt, gerade mal acht Herrenräder in ihrem ganzen Leben anzugucken. Was für eine Willenskraft! Wenn ich nur zehn Minuten rausgeh’, fahren ja schon direkt fünfe an mir vorbei. Nicht auszudenken, wenn ich da jedes Mal…
Hoffentlich hat Frau Connor dieses Problem nur bei Fahrrädern. Damit kann man sich ja vielleicht noch irgendwie arrangieren. Aber wenn sie nun das Gleiche auch noch bei Her-
renschuhen, Herrenhaarschnitten, Herrentorten, Herrenschokoladen und Herrendienern durchmacht… – Und auch gut, dass sie nicht in Hannover-Herrenhausen wohnt!
Das dachte ich mir vorhin also so.
Dann komm’ ich auf mein Blog und sehe diese Ad:
Na, jetzt aber aufgepasst! Wenn das nun wieder die Frau Connor liest! Da trinkt sie ein Tässchen und gleich passiert wieder was!
Und dann gibt’s ja auch noch Schwangerschafts-
mode, Schwangerschaftsgymnastik, Schwanger-
schaftskalender, Schwangerschaftsvitamine und, auf gar keinen Fall zu vergessen, noch die großen Schwangerschaftswochen!
Mensch, erst am Sonntag habe ich noch stundenlang mit meinem lieben Besucher am Maschsee in der tollsten Sonne gesessen und heute Vormittag regnet’s schon die ganze Zeit! Nein, nicht ganz die ganze Zeit. Als ich vorhin mal kurz im Bahnhof war, wo ich mit dem Fahrrad (trotz des Wetters) tapfer hingefahren war, hörte es mal für eine halbe Stun- de auf. Genau so lange brauchte ich nämlich, um mich mit dem Fahrkartenautomaten auszusprechen, damit er mir eine halbwegs vernünftige Verbindung für’s Wochenende ausspuckt. Wir waren da nämlich erstmal nicht so richtig einer Meinung. Jedenfalls, als ich rauskam, kamen gerade wieder die ersten Tropfen runter.
Das behaupten jetzt natürlich alle, dass es immer nur dann regnet, wenn sie gerade un- terwegs sind. Von vergessenen Regenschirmen fange ich jetzt mal gar nicht an! Wenn das stimmen würde, dann müssten ja immer alle gleichzeitig ohne Schirme unterwegs sein. Dann möchte ich mal wissen, was das immer für Dinger sind, deren Metallspitzen ich bei Regen ständig ausweiche. Außerdem bin ich jetzt ja gerade zuhause und Andere sicher auch, und wo regnet’s trotzdem? Na, draußen!
Sonntagmittag war das ja wohl noch ganz anders. Wunderbar sonnig, und das, obwohl wir da schließlich auch unterwegs waren! Und außer uns offenbar auch alle Anderen.
Kaum, dass wir uns nämlich am Maschsee auf eine Bank gesetzt haben, kommt z.B. eine Mutter mit zwei Töchtern vorbei. Alle Drei haben ein dickes Eis auf der Faust, die Töchter rufen: „Schinkenspeck, Mama! Schinkenspeck!“ Und Mama antwortet geduldig: „Ja, kriegt ihr ja…“ – „Jaaaa! Schinkenspeck!!!“
Ich weiß es nicht, und möcht’s auch lieber eventuell nicht wissen.
Kurze Zeit später sind wir mittenmal von einer Rentnergruppe und ihren Fahrrädern umzin- gelt. Wir müssen nicht groß rumfragen, eigentlich gar nicht, um zu erfahren, dass noch auf Jürgen und Renate gewartet wird, bevor es auf eine Radtour gehen soll. Die Beiden lassen sich aber ordentlich Zeit und, was den Wartenden langsam Sorgen macht, Renate geht nun nicht mehr an ihr Handy! Trotzdem wird in 5-Minuten-Abständen probiert. Extra.
Sie hatte aber wohl sowieso angegeben, dass Jürgen und sie erst noch Besuch loswer- den müssten. Und nun wird kräftig spekuliert, ob der Besuch denn vielleicht nur schwer abzuwimmeln sei. Ganz nebenbei erfahre ich von der Bank rechts, dass ein Herr bei seiner „Tante Wilma noch mal den Hebel ansetzen“ will. Bevor ich aber Genaueres über dieses spannende und bestimmt auch gefährliche Vorhaben erfahren kann, drängt seine Begleiterin zum Aufbruch. Vermutlich hat sie meine gespitzten Ohren bemerkt…
Der Wortführer der Radtour-Gruppe (es gibt ja immer einen Wortführer) unterhält uns inzwischen alle mit der Mitteilung, dass er „nix gegessen“ hat „- außer Frühstück!“
Ja Frühstück. Das ess’ ich auch immer. Weil, das schmeckt mir auch am besten.
Und wenn er jetzt nichts isst, fährt er fort, dann muss er „zwischendurch mal einen Keks essen oder so“, sonst wird ihm nämlich „hun-de-e-lend!“.
Mein Begleiter raunt mir zu, das sei ja so ein Phänomen, dass man manchmal plötzlich so ein Leeregefühl im Magen bekäme. Und dass das merkwürdiger Weise oft mit länger zurückliegenden Mahlzeiten verbunden sei. Sicher arbeitet die Wissenschaft da aber schon mit Hochdruck dran.
Eine Zuhörerin des Hungrigen versucht ihn zu beruhigen, das sei „aber wirklich nichts Un- gewöhnliches! Das ist Unterzuckerung oder so. Das habe ich auch ganz häufig!“ Scheint ihm nicht zu gefallen, er hätte wohl gern das Monopol auf Zwischendurchhunger. Die ihm jetzt angebotene Packung Grissini beäugt er misstrauisch, fragt: „Wat haste da denn? So Holzstäbchen?“, nimmt aber eins und beschnuppert es erstmal, bevor er ein Stückchen abbeißt. Das Stäbchen mobilisiert ihn aber geradezu, sodass er der Gruppe begeistert vorträgt, der „Trend bei der Hörgerätetechnik“ gehe jetzt „von innen nach außen!“ – „Wie?“ – „Ja. Zuerst war von außen nach innen, jetzt ist wieder von innen nach außen!“ – „Und wieso?“ – „Weiß ich nicht, aber es geht von innen nach außen!“
Mein Begleiter befindet spontan, ich hätte jetzt auch Hunger und geht mir Pommes holen.
Während er weg ist, stellt sich raus, dass Renate und Jürgen ja schon längst oben an der Löwenbastion warten und der Abmarsch wird befohlen. Bis alle Kekse, Plastikdöschen, Senioren und Pullen wieder verstaut sind, versucht der Hörgerätmann noch ein Gespräch mit mir anzufangen, sogar mit mir zu flirten, und lässt jetzt den verschmitzten Filou raus- hängen. Zu seinem Leidwesen ist es mir aber herzlich egal, was ihm so raushängt, denn just in diesem Augenblick kommen leckere Pommes und ihr freundlicher Überbringer auf mich zugetrabt. Danach hab‘ ich irgendwie nix mehr mitgekriegt.
…gerade ein bisschen über die Nachrichtenmedien hier in und um Hannover!
Am Wochenende hat nämlich mein Internet ganz untypisch nicht gerauscht, sondern nicht mal mehr gekleckert. Ab Freitagabend guckte ich immer mal minutenlang auf den leeren Monitor, dieweil der Rechner an irgendwas in Zeitlupe schwer herumlud. Bei Men- schen sagt man in so ’nem Fall gern: „Dem könnte man ja beim Laufen die Schuhe besohlen!“ Bei Rechnern sagt man aber bestimmt was anderes. Ich hab’ jedenfalls noch nie gehört, dass mal jemand ausprobiert hätte, irgendwas unter Bytes drunter zu nageln.
Weil ich nun frech davon ausging, dass es nicht am Rechner und schon gar nicht an mir liegen konnte, meckerte ich einfach alle 1-2 Stunden ein bisschen in die Gegend: „Menno! Ar…geigen! Das soll jetzt aber… – Mist! Immer nonnix!“
So ging das am Freitagabend und ebenfalls am Samstagmorgen. Später in der Stadt stell- te sich aber raus, dass in ganz Niedersachsen auch die Lottoterminals abgehängt waren, weswegen ich jetzt auch leider nicht die magischen Lottozahlen spielen konnte, die mir ein kleiner Wahrsager auf dem Schützenfest im Geheimen zugeraunt hatte. – Man gut! Ich hätte nämlich keine einzige richtig gehabt.
Aber so hatte ich immerhin einen Hinweis, dass es wohl in der ganzen Region Probleme mit den Leitungen gab. Auch Freund M., der ja nur einmal quer über die Straße wohnt, kriegte nicht so richtig Anschluss.
Und weil ich das jetzt mal genauer wissen wollte, rief ich das langhaarige Frollein an, das hier angeblich alle meine Leitungen betreibt und dafür sorgt, dass Brad Pitt andauernd das Benzin ausgeht. Frollein A. hieß am Samstag ausnahmsweise „Herr Lauer“ und war aus- gesprochen nett und bemüht. Nachdem meine Leitungen von Ferne durchstochert worden waren und kein Fehler zu finden gewesen war (was ich natürlich vorher wusste), fragte ich listig, ob’s denn vielleicht ein regionales Problem gäbe. Da guckte er mal eben nach, und siehe da: Vorwahl 05 = Ausfall des DSL-Netzes. Mehr konnte er mir leider auch nicht sa- gen. Und zum Glück ging’s Samstagabend auch irgendwann wieder.
Ich stelle mir aber vor, dass da Hunderttausende betroffen waren und eventuell ihre armen Rechner auseinander genommen haben, in der Sorge vor schlimmen Viruserkrankungen. Und dann kann ich nicht glauben, dass das außer mir niemanden interessiert, ob da der Bauer Olaf eventuell mit seinem Trecker aus Versehen ein dickes Kabel aus der Scholle geruppt hat oder ob in der großen DSL-Zentrale irgendwo ein Pixel verrutscht ist. Sowas möchte man doch mal wissen!
Aber in der Zeitung stand nix! Und im Internet stand auch nix! – Also, bis eben, eben.