Volker, häng‘ meine Gardinen auf!

Ich muss schon den ganzen Morgen an Volker denken. Ihr wisst schon, den, der immer diese Signale hört. Bestimmt kommt jetzt gleich einer und sagt: „Das heißt aber doch Völker!“ Als wenn Völker ein anständiger Namen wär’… Jedenfalls war ich heute Vormit-
tag ungeheuer fleißig, habe drei Paar Gardinen abgehängt, gewaschen, gebügelt (jaha, gebügelt… Die sehen sonst wie Altpapier aus.), aufgehängt. Und immer, wenn ich die Leiter hoch stieg, summte ich: „Auf zum letzten…“ Nur, dass ich das eben dann doch glatte sechsmal mit der Gardinenstange gefochten habe.

Und weil ich schon mal auf der Leiter stand, habe ich meine Regalwand mal von oben gestaubwischt. Als ich fertig war, hörte ich einen Satz, der normalerweise nicht zu mei-
nem Repertoire gehört, nämlich: „Na, die hat’s aber echt mal nötig gehabt!“ Und weil ja sonst keiner da war, muss ich den wohl selber gesagt haben. Ich weiß auch nicht, was heute mit mir los ist. Den Pony habe ich mir auch geschnitten, und dann noch einigen Blumentöpfen ein paar Händevoll frischer Erde spendiert. Übrigens liegt draußen etwas Schnee, dabei habe ich gestern am Telefon noch fest behauptet, Hannover sei wohl die einzige Stadt in Deutschland, in der es in den letzten beiden Tagen nicht geschneit habe. Das haben wir jetzt davon, tut mir leid.

Ab sofort werde ich also behaupten, dass es in Hannover eigentlich dauernd und ständig schneit, und dass mehr Schnee nun eigentlich gar nicht nötig tut. Wenigstens scheint die Sonne. Deswegen kann man auch ganz deutlich sehen, dass ich zwar vor drei Wochen die Fenster geputzt habe, aber sie jetzt trotzdem irgendwie schon nicht mehr zu den fri-
schen Gardinen passen. Und weil mich das irritiert, gehe ich jetzt raus und gucke mir den Schnee an (der ja ganz sicher gleich wieder verschwindet), damit ich Irgendjemandes Enkeln später mal davon erzählen kann.

‚Wildes‘ aus’m Fundus

Untenrum-OtterImmer, wenn Freundin T. hier zu Besuch war, und sie im Flur steht, um ihre Jacke anzuziehen und ihre vierhundert Sachen zu schultern, guckt sie an meine Fitzelwand und grient. Manchmal sagt sie auch: „Im-
mer, wenn ich das Bild da sehe, muss ich grinsen.“ Als ob ich das nicht selber sehen würde!

Ich muss aber selber noch manchmal grin-
sen, dabei habe ich das Foto bestimmt schon vor 6-7 Jahren gemacht, damals noch per analoger Kamera. Ich gehe beim Einkaufen nämlich oft an dieser Litfasssäu-
le vorbei und dachte damals: Sieht ja ulkig aus, die zwei Plakate da, besonders von Weitem. Morgen nimmste mal die Knippse mit… Im dritten oder vierten Anlauf klappte das dann sogar.

Jedenfalls wirkt das Foto besonders gut, wenn man die Augen beim Begucken ein bisschen zukneift.

Das richtige Vokabular

Kinder. Ich selber hab’ ja, aus verschiedenen Gründen, keine, könnte mir aber wohl jeder-
zeit welche borgen. Vielleicht mache ich das sogar mal. Gestern jedenfalls war ich mit meiner japanischen Freundin M. und ihrer bald zwei Jahre alten Tochter M.N. in der Stadt. Freundin M. hatte einen Arzttermin und M.N. sollte solange im Wartezimmer auf mich aufpassen.

Damit uns die Zeit nicht zu lang wird, bekamen wir eine schöne Tüte Tierkekse für auffe Faust. Im Wartezimmer stand zudem ein Körbchen mit bunten Bauklötzen, und zwischen den Bauklötzen fanden sich so hübsche, flache, klar lackierte Holztiere. Kekslöwe in der rechten Hand, Holzlöwe in der linken, kann es schnell schon mal zu Verwechslungen kommen. Beinahe hätte ich einen Zahnarzttermin gebraucht. Von M.N. war kein Trost zu erwarten, sie versuchte nämlich gerade, einer Wildfremden unauffällig in die Handtasche zu steigen.

Später, wieder zu dritt, untersuchten wir das Sortiment eines skandinavischen Klamotten-
verjublers. M.N, die gerade sprechen lernt, kann drei Wörter schon besonders gut und benutzt sie gern: „Mehr!“ (Variante: „Mehrmehr!“), „Bitte!“ und „Liebe!“. Die daraus zu bildenden Kombinationen kann sich ja jeder selbst ausrechnen und wer gestern in der Innenstadt war, konnte sie auch deutlich hören. Ebenso die mütterliche Antwort über zwei Kleiderständer hinweg: „Ja, gleich…!“ oder: „Jetzt nicht…!“

Weil ich mir schon morgens beim Hochheben der kleinen Rackerin irgendwie den Rücken verknorzelt hatte, dauerte der Bummel nicht so lang wie sonst, und trotzdem kriegten wir Hunger. (Keine Sorge, der Rücken hat sich gegen Abend geräuschvoll wieder in seine für ihn vorgesehene Position eingefunden.) Beim Sushi (was sonst) fiel mir ein, dass es hier zum Glück ausnahmsweise mal keine Anwendung gibt für eine inflationär gebrauchte Redewendung, die mir neuerdings ständig aus dem Fernseher entgegenfällt. Bald fange ich eine Strichliste an. Neee, nicht „in aller Munde“. Das wird ja unappetitlicherweise dauernd über Zeitungsartikel geschrieben: „Bio (bzw. Health food, xyz…) ist in aller Munde“.

Sondern das, was in diesen Kochshows jetzt immerzu alle sagen; – müsst Ihr mal drauf achten, nämlich: „…auf den Punkt gegart!“ Das konnte man vom Sushi nun wirklich nicht behaupten.

Als Kind…

Kueche1

…bin ich oft in dieser Küche gewesen. Wenn wir hinfuhren und angekommen waren, war ich immer ganz vorfreudig, diesen Raum zu betreten, und lief als erstes vor.

Und immer waren da gerade volle Schüsseln und ich hätte gern auch in die Töpfe geguckt, wenn ich es gedurft hätte. Aber es hieß immer: „Nur gucken! Nix anfassen.“ Dabei hätte ich mir am liebsten einfach ein paar Würstchen aus der alten Porzellandose auf dem Bu-
ffetschrank genommen und mich still in die Ecke gesetzt, um zu gucken, wie hier fleißig gewerkelt wird. In dieser Küche habe ich mich immer aufgehoben und ganz ruhig gefühlt, denn sie blieb immer, wo sie war, während ich alle paar Jahre wieder umziehen musste. Und wenn ich heute da bin, fallen mir unzählige Geschichten wieder ein…

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Ich besuche sie noch manchmal, – sie steht im Historischen Museum in Hannover und ist Teil eines alten Puppenhauses…

Iris Berben…

…hat mich vor’n paar Tagen gefragt, ob mir auch schon aufgefallen sei, dass „pralle Haut weniger Falten“ habe. Och, nu. Na ja. Ehrlich gesagt, es gibt vielleicht sogar so fünf bis sechs Sachen, die mir außerdem noch aufgefallen sind. Zum Beispiel, dass Frauen, die ihre Familien versorgen, das neuerdings umschreiben müssen mit: “Ich führe ein sehr er-
folgreiches kleines Familienunternehmen!“, damit sie nicht in die Eva H.-Sitzecke gesetzt werden. Und dass in den tollen Familienküchen immer noch die Frauen die Saucen-Tüt-
chen aufreißen dürfen. Wenn’s nämlich ein Mann macht, dann macht er das dermaßen verschmitzt und zwinkerzwinker, dass man gleich merkt: Achtung, hier kommt die Aus-
nahme! Und beim Vorführen von Putzsachen oder Waschmitteln ist es ganz genau so. Aber jetzt hätte ich beinahe die Iris verbummelt… 

Also pralle Haut, ja? Iris sagt, da gibt’s jetzt eine neue Paste für. Mit Rotbuche drin. Also, der Extrakt wird „in umweltfreundlichen Entwicklungsverfahren aus der Rotbuche gewon-
nen“. Gewonnen! Das finde ich toll. Und die Rotbuche fand ich schon immer den prallsten Baum von allen. Echt. Bestimmt träumen Buchen auch sogar nachts davon, von Iris und mir extraktiös ins Gesicht geschmiert zu werden. Höchstvermutlich kostet eine kleine Tube voller Pro-Xyladings-Moleküle nur ungefähr 20-30 Euro und reicht für glatte 6-7 Tage. Ich krieg’ mich partout gar nicht mehr ein!

Ich hab’ jetzt aber noch eine viel bessere Idee, die überhaupt kein bisschen was kostet: ich geh’ raus, setze ich unter die nächste Rotbuche und lasse die ganzen feinen Moleküle einfach auf mich draufregnen… Gratis!

Prall, was?