23. Dezember

Von Freundin T. hab’ ich auch noch eine Frage, und zwar:

„Stimmt es, dass Cocacola die rotweißen Weihnachtsmänner geschaffen hat?“stern23

 

Antwort:

Siehste, das habe ich ja auch immer gedacht!
Und hab’s fröhlich weiterverbreitet…

Und nun gucke ich nach und finde das und das. Hm.

 

Also, der Weihnachtsmann bzw. Santa Claus ist wohl sowas wie eine Zusammenführung aus Nikolaus (der ein Bischof war) und Knecht Ruprecht, der die Kinder auch schon mal bestraft, wenn sie nicht artig waren. Einen roten Mantel hat der Weihnachtsmann auch schon früh. Ebenso aber auch schon mal einen grünen oder braunen. Schon in den 20er Jahren scheinen sich die Weihnachtsmänner aber irgendwie zu synchronisieren und treten immer häufiger in Rot auf. Bärte haben sie bestimmt auch alle gehabt. Sogar die Statur wird schon immer ähnlicher.

 

Ab 1931 bringt CocaCola jährlich Weihnachtsmotive mit einem Weihnachtsmann heraus, dessen Gesichtszüge einem ehemaligen Mitarbeiter nachempfunden sind. Wahrscheinlich hat sich da jemand im Konzern gedacht: Dieser Weihnachtstyp da ist rot und weiß, und mit dem Gesicht von Mister Dingswieheißtdernoch passt der gut zu unserer Brause! Und weil das bei den Kunden gut ankam, überschwemmte der Brausebrauer die Welt nicht nur mit Flüssigbollo, sondern auch mit Bildern des netten alten Herrn. Und prägt damit das Bild des Weihnachtsmannes.

 

Heute ist es natürlich im Interesse des Colakonzerns, als „Erfinder des Weihnachtsman-
nes“ gesehen zu werden, darum werden sie einen Teufel tun und der Legende wieder-
sprechen. Man sollte aber wohl lieber sagen, sie haben ihn entdeckt, gepäppelt, getunt, gemanaged und auf Tingeltangel geschickt.

 

Hoffentlich sagen ihm nicht noch irgendwann, dass es ihn gar nicht gibt…

Liebe T., Danke schön für diese Frage! Rotweiß ist ja eine mir sehr angenehme Farbkombi. Da fällt mir gleich ein, dass ich noch gar nix gegessen hab’…

Ho! Ho! Ho!
Deine Theobromine

 

22. Dezember

stern22Hossa! Noch eine Frage von Sansibar:

„Wieso ist eine so lebenslustige, fröhliche, interessante Frau wie Du eigentlich nicht verheiratet?“

Antwort:

Erstmal Danke für die Blümchen, Sansibar. Muss ich mal gleich nach einer Vase gucken…

Dass ich nie geheiratet habe, liegt schlicht daran, dass Heiraten irgendwie wohl nix für Theobrominen ist. Wenn ich gewollt hätte, könnte ich vielleicht sogar schon mehrfach verheiratet sein, aber das ist ja zum Glück sowieso verboten.

Wenn Freunde von mir heiraten, finde ich das meistens schön und passend, das Zeremo-
nielle und so. Und ich versteh’ auch, warum sie das tun (auch, wenn viele sich mit der Steuer rausreden, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie heimlich doch olle Romantiker sind). Ich war übrigens auch schon mal Trauzeugin. Offensichtlich nicht mal die schlech-
teste, denn die Ehe besteht noch immer.

Aber für mich selber finde ich das Verheiratetsein irgendwie nicht passend. Das war auch schon immer so. Eine Zeitlang habe ich immerhin gedacht, ich würde wohl bestimmt mal Kinder haben, aber dann kam’s doch nicht so und das ist auch völlig o.k. Wozu hab’ ich denn Freunde mit Kindern! Da kann ich wenigstens nach Hause fahren und nachts schön durchschlafen… Jetzt kann man das ja nun nicht auf’s Verheiratetsein umarbeiten (- wozu habe ich denn Freundinnen mit Ehemännern! Da kann ich wenigstens…).

Immerhin scheint es eine gute Ehevorbereitung zu sein, sich eine geraume Zeit in meiner unmittelbaren Nähe aufzuhalten, denn drei der Herren, die das in den letzten 20 Jahren taten, sind heute verheiratet und sogar Väter.

Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich noch gelernt habe, dass man nicht sagt: „Ich will!“, sondern höchstens: „Ich möchte.“ Oder „Ich würde gerne…“

Oder daran, dass ich mal den Spruch gelesen habe:
„Wenn geheiratet wird, glauben die Frauen: jetzt wird alles besser.
Männer hingegen glauben: jetzt kann alles so bleiben.“

Nein, mein eigentlicher Grund, unverheiratet bleiben zu wollen, ist: Ich möchte bis ins hohe Alter mit „Frollein“ angeredet werden. Das finde ich schick. Pünktlich ab meinem 70sten Geburtstag werde ich auch Bubikrägelchen und einen winzigen Knödeldutt tragen. Und wenn sich jemand zur Verfügung stellt, würde ich, wer weiß, mit 80 auch glatt doch noch heiraten. Naja, ich überlege noch, ist ja noch ein bisschen hin.

Das Tollste ist ja, das hat mir neulich mal jemand ganz genau erklärt: „Unverheiratet sein“ bedeutet nicht, dass man dann unbedingt allein bleiben muss…      😉

(Und interessanterweise höre ich hier gerade die ganze Zeit ein Lied, in dem es u.a. heißt: „I’m not living to be the misses…“)

Auch für diese Frage vielen Dank, lieber Sansibar!
Viele Grüße, Theobromina

21. Dezember

Lieber Trithemius, heute beantworte ich nun Deine letzte Frage.  Du hattest mir ja netterweise gleich sechs Fragen für den Kalender geschickt:

stern21„Sagen Sie einmal, verehrte Theobromina, was bedeutet eigentlich das Versal-D auf dem Ring an deiner Hand auf dem Profilfoto? Spricht man in Hannover vielleicht das T so weich, dass es klingt wie Dheobromina? Oder steht das D eventuell gegebenfalls für Dada?“

Antwort:

Also, wenn man irgendwo das „T“ korrekt ausspricht, dann ja wohl in Hannover! Hör doch mal: „T!… T!… T!…“
– Nein, das ist es also nicht.

d_ringDas „D“ könnte also vielleicht für Dada stehen.

Oder für: Dame, Deckname, Definition, Dekolleté, Denken, Donner, Double, delikate Dosensuppe oder meinetwegen Düsseldorf.
Ist aber nicht so.

Eigentlich müsste da natürlich ein „T“ für „Theobromina“ draufsein, das stimmt schon. Bei dieser Gelegenheit kann ich ja mal einfließen lassen, was „Theobromina“ bedeutet.

Dieser Name hat überhauptnix mit Religion oder Theologie zu tun, auch wenn manche das vielleicht glauben. Sondern es geht um Theobromin. Das ist nämlich ein koffeinähnlicher Wirkstoff in der Kakaobohne. Er wirkt anregend und macht den Synapsen Spaß. Aller-
dings eher menschlichen Synapsen. Tiere vertragens eher nicht und Hunde können sogar ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Silbe „Theo“ hat insofern was mit Gott zu tun, als der Kakao bei den Azteken ein göttlicher Trank war. Das wird bei der Namensgebung (Kakaopflanze: Theobroma) wohl eine Rolle gespielt haben. Kakaobohnen waren ja früher auch richtig teuer, wurden sogar als Zahlungsmittel verwendet. Außerdem ist Kakao eben saulecker. Und für mich als olle Schokoladistin kam hier eben nur dieser Name für mich in Frage.

Der Ring ist übrigens aus der Tippfläche einer alten Schreibmaschinen-D-Taste gemacht (deshalb fand ich das auch einen schönen Kontrast für das Foto), und mein Väterchen hat ihn mir aus Berlin geschickt. Jetzt ahnt man auch schon: es könnte was mit meinem rich-
tigen Namen zu tun haben, der eventuell mit D beginnt.

Und das ist auch so! Hehehe…             🙂

Lieber Jules, ich hab‘ mir sehr gefreut, dass Du so fleißig mitgemacht hast beim Adventskalender! Deutlichen Dank Dir & stark kakaohaltige Grüße,

Deine Theobromine

20. Dezember

stern20Sansibar, der fleißige Fragenschreiber, fragte:

„Worüber denkst Du öfter nach: Über Deine Vergan-
genheit (Jugenderinnerungen, Streit mit den Eltern, erste Liebe, Kinderhoffnungen…) oder über Deine Zukunft (Pläne, Wünsche, Befürchtungen, Lebens-
ziele…)?“

Antwort:

Das ist leicht: Über die Vergangenheit.

Weil ich die kenne. Aus der Vergangenheit habe ich Bilder, schöne und unschöne, die sich immer mal einstellen, ob ich das will oder nicht. Die Zukunft kann ich mir ja nur vorstellen, weiß aber nicht richtig, wie sie aussehen wird. O.K., auch die Erinnerung verändert sich ständig, über die Zukunft kann man aber nun wirklich nur Vermutungen anstellen.

Ich hab’ fast noch nie so richtig viel geplant oder große Ziele gehabt. Und als ich es mal tat, kam natürlich alles ganz anders und ich hatte eine Weile ganz schön zu tun, damit klarzukommen. Heute bin ich übrigens sehr froh, dass meine Pläne von damals scheiterten.

Im Moment allerdings bin ich in einer Phase, in der ich planen müsste, und es fällt mir schwer, das merke ich. Eigentlich habe ich bisher immer darauf vertraut, dass die Dinge sich schon so hinschieben werden, bzw. ich flexibel genug bin, mit allem klarzukommen, was sich ergibt. Das ist aber immer weniger leicht. Es bieten sich auch nicht mehr stän-
dig neue Wege, ich muss mir immer öfter selbst welche bauen, und das find’ ich ziemlich schwierig.

Leider bin ich fast gar nicht ehrgeizig, was das Erreichen von Zielen angeht, deshalb setze ich mir auch kaum welche. Meine Energie lege ich eher in meinen Umgang mit Anderen. Da habe ich hohe Ansprüche an mich selbst und das spielt sich ja auch fast ausschließ-
lich im Jetzt ab. Also im Alltag. Aber natürlich hat das auch wieder viel mit vergangenen Erfahrungen zu tun.

Nach hinten zu gucken ist eben einfacher, denke ich. Selbst wenn man’s gar nicht bewusst tut, tut man’s. Nach vorne zu sehen ist ein aktiver Prozess, das tut man absichtlich. Oder?

Lieber Sansibar, ich glaub‘, mit all‘ Deinen Fragen könnte ich glatt bis Ostern durchkalendrisieren… Aber soweit plane ich ja nicht voraus. 😉
Lieben Gruß, Theobromina

19. Dezember

Der sätzefeilende Wortspieler Indogermane schrieb:

„Ich frage mich/Dich, welches wohl der hinterhältigste/ am aufwendigsten geplante/ lustigste/ durchschlagendste/ bösartigste oder einfach bloß bemerkenswerteste Streich war, den Du jemals jemandem gespielt hast. DAS würd mich wirklich brennend interessieren.“

(Die Frage schickte er mir per PN. Nicht ohne Grund, denn er beschrieb mir darin einen ganz schön durchtriebenen Streich, den er mal, allerdings wohl nicht allein, „Bekannten“ gespielt hatte.)

stern19Antwort:

Tja, lieber Indogermane, da habe ich jetzt echt lange drüber nachgedacht, und mir will beim besten Willen nix Richtiges einfallen! Du willst bestimmt so eine richtig schöne Reißerstory lesen…

Aber das so ungefähr Gemeinste, was ich mir erlaubt habe, ist, dass ich meinen da-
maligen Freund mal ganz bekloppt gemacht habe, als wir eine Zeitlang Schwankungen im Stromnetz hatten. Das Licht flackerte dann jeweils so ein bisschen, und er fragte dann immer: „Haste das gesehen? Da! Jetzt hat’s wieder so geflackert!“

Und ich habe mich jedes Mal doof gestellt und ganz unschuldig gefragt: „Flackern? Was denn für’n Flackern? Hab’ nix gesehen… Da war kein Flackern…“

Ihn machte das aber ganz nervös, weil er dachte, er wird jetzt doch verrückt oder sowas. (Er war nämlich so’n bisschen paranoid, das kam vom vielen Kräuterrauch.) Die Sache zog sich über mehrere Wochen, manchmal war tagelang alles ruhig, und dann ging es wieder los. Irgendwann konnte ich mir mein Grienen aber nicht mehr verkneifen, da merkte er’s natürlich… Hat er mir noch lange vorgeworfen.

Nicht sehr perfide, ich weiß; – aber ich bin halt nicht so!
Auch wenn’s vielleicht manchmal sogar ganz angeraten wäre.

Zum Ausgleich erzähle ich jetzt, was ich mal zum Thema Rache gelesen habe:
Eine Frau wurde von ihrem Liebsten aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen, weil der eine neue Flamme hatte. Blöderweise dachte er nicht daran, dass seine Ex ja noch einen Schlüssel hatte. Sie konnte also, während er mit seiner neuen Freundin zwei Wo-
chen im Liebesurlaub war, in aller Ruhe dort werkeln: Sie wässerte alles. Den Teppich, die Sofalandschaft, das Bett, Tische, Stühle, – einfach alles. Und streute Kressesamen aus.

Kiloweise.

Als das verliebte Pärchen zwei Wochen später in der Tür stand, blickte es auf eine ziem-
lich grüne Wohnlandschaft! Keine Ahnung übrigens, wieso ich mir das gemerkt habe.

Und dann kann ich noch erzählen, warum jemand, mit dem ich mal eine Weile befreundet war, sich nicht traute, jemals zu heiraten: Er dachte sich nämlich jedes Mal ganz fiese Streiche aus, wenn einer seiner Kumpels heiratete. Bei einem wollte er die Wohnung prä-
parieren, kam aber nicht rein, weil der Bräutigam mitgedacht hatte. Also verbretterte der Übeltäter mit Hilfe eines Freundes kurzerhand die Wohnungstür sorgfältig von außen (ich glaube, es wurde sogar schnell ein neuer Türrahmen dafür gebaut und in den alten einge-
passt), hinterher setzten sie eine Deckplatte drauf, in die sie jede Menge Schrauben don-
nerten, auch an Stellen, wo gar keine hingemusst hätten. Hunderte.

Und um die Bescherung komplett zu machen, versenkten sie die Schraubenköpfe und spachtelten die Löcher zu!

Das arme Brautpaar brauchte so gefühlte drei Wochen, um in die Wohnung zu kommen. Und der Bräutigam war stinksauer, redete nicht mehr mit dem „Verbrecher“, schwor aber dafür ewige Rache. Leider kann ich nicht berichten, ob es inzwischen dazu kam, denn der Kontakt besteht nicht mehr. Aber immerhin haben die beiden Jungs sich vertragen, als der Freundeskreis sich gemeinsam das Video zu der Veranstaltung anguckte. Denn da muss-
te wohl sogar der Bräutigam lachen.

So, ich hoffe, mit diesen beiden Geschichten habe ich wenigstens ein bisschen für Ausgleich gesorgt, wenn ich schon selber nicht so durchtrieben bin…

Vielen Dank für Deine schöne, witzige Frage und ganz liebe Grüße,
von der Theobromine

18. Dezember

Heute beantworte ich mal wieder zwei Fragen von Sansibar. Und zwar:

„- In welcher Epoche der Weltgeschichte würdest Du leben, wenn Du es Dir aussuchen könntest? Und warum?

– Lächelst Du manchmal im Bus wildfremde Leute an?“

 

stern18Antwort:

Zur ersten Frage:
Da ich nicht zu den Frauen gehöre, die schon mal gelebt haben, kann ich jetzt gar nicht sagen, welche Epoche ich am schönsten fand. Wenn ich aber schon mal gelebt hätte, wäre ich bestimmt eine ägyptische Tempeltänzerin gewesen oder eine Mittelalterkräuter-
hexe. So wie alle anderen auch…

Im Ernst: Ich schätze, mir würde es reichen, wenn ich einfach 20 Jahre eher geboren wäre, allerdings dann lieber in Kalifornien. Dann hätte ich die Hippiezeit abge-
kriegt, den ganzen Rausch und die dazugehörigen Ideen, die Revolution der Musik und alles. Das hätte mir bestimmt gefallen. Ich bin ja auch so eine, die meint, man kriegt alles friedlich hin, wenn man’s wirklich will und man sollte sich doch gegenseitig unterstützen und so. Heute finden das alle lächerlich, karikieren es, und im Moment ist es sehr ange-
sagt, die 68er und ihre Ideale zu demontieren, aber ich glaube, die Ideen sind zum Teil immer noch ganz gut. Außerdem mag ich diesen ganzen indischen und marokkanischen Krempel, und den Gedanken, dass jeder lieber das machen sollte, was er will und gut kann. Naja, Peace, halt, Du… *g* Man muss dabei ja nicht gleich aussehen wie eine billige Nschtotschi-Kopie.

Außerdem war das wohl die letzte Phase, in der die Leute keine schlimme Zukunftsangst hatten, sondern eher in Aufbruchstimmung waren. Jedenfalls mehr als heute.

Allerdings hat mich Punk später auch fasziniert. Ich konnte ja auf dem Dorf, in dem man mich von 12-18 festgesetzt hatte, nicht mitmachen. Das Rotzige, Wütende sagte mir aber eine Menge, wenigstens innerlich. Also habe ich dann später versucht, das Äußere etwas nachzuholen, aber da war’s eigentlich auch schon ein bisschen zu spät dafür. Ende der 80er war Punk ja schon mal scheintot. Heute erlebe ich manchmal neue Punks, die rich-
tig spießig sind. Das amüsiert mich dann.

Eigentlich passen diese beiden Haltungen gar nicht zueinander, das musste ich mir schon oft anhören, aber inzwischen macht mir das nix mehr aus. Ich lebe quasi meine eigene Epoche, wenn ich das hinkriege.

Zur zweiten Frage:
Dann verwundert es jetzt wahrscheinlich auch nicht, wenn ich sage, dass ich durchaus öfter mal wildfremde Menschen anlächle. Am ehesten, wenn ich eine hübsche kleine Szene beobachte und mit dem Lächeln dann signalisiere, dass ich’s mitbekommen habe. Oder, wenn ich in der Straßenbahn so einen ernsten, prüfenden Kinderblick einfange.

Und gerade neulich erst ging ich dick bepackt über die Straße, da kam ein Radfahrer angefahren. Es war nicht ganz klar, ob er erst noch vorbeifährt oder ich zuerst auf den Bürgersteig hüppe. Und so bewegten wir uns beide mal zögernd-abstoppend, mal wieder beschleunigend. Das sah bestimmt total witzig aus. Er fing auch prompt das Grinsen an und fuhr dann demonstrativ ganz breite Schlangenlinien. Da gab’s natürlich Gelächter.

So was passiert mir ab und zu und kann mir dann auch mal den Tag retten. An dem Tag war aber sowieso schon alles schön. Für den Radfahrer kann ich jetzt allerdings natürlich nicht sprechen…

Danke, lieber Sansibar, auch für diese beiden Fragen!

Lächelnde Grüße nach Berlin,
von Theobromina

17. Dezember

stern17Da auch Trithemius mir gleich ganz schön viele Fragen gestellt hat, fasse ich heute mal drei davon zusammen, denn das bietet sich geradezu an. Er möchte nämlich wissen:

„Bist du Schröder in Hannover schon begegnet?
Was ist mit der Albrecht-Bagage? Und geisterte
nicht auch Herr Dosenpfand in Hannover herum?“


Antwort:

Erstmal vorweg:

– Wer Schröder ist, weiß ja vielleicht noch der Eine oder die Andere.

Ernst Albrecht war mal Ministerpräsident von Niedersachsen, hat uns in dieser Zeit jede Menge Atommüll eingebrockt, und ist außerdem der Vater von reichlich Kindern, eins davon heißt übrigens Ursula von der Leyen und will Kinder als Alkoholkauf-Spione einset-
zen. Herr Albrecht war lange Ministerpräsident (14 Jahre), hat mich als Kind mit seinem berühmten Gutsherrengrinsen ziemlich angestrengt, und wurde dann damals von Gerhard Schröder abgelöst. Das nur zur Erklärung.

– Herr Dosenpfand kann ja nur Jürgen Trittin sein, der tatsächlich auch lange in Hannover herumgewerkelt hat. Allerdings hatte er hier noch eine Schuhbürste im Gesicht, die ich im Geiste immer noch jedes Mal hinzufüge, wenn ich sein Gesicht irgendwo abgebildet sehe.

Und, na klar, kenne ich die alle persönlich, Hannover ist ja eher klein. Nee, stimmt gar nicht, aber ich kann tatsächlich von allen sagen, dass ich sie schon mal live vor der Nase hatte. Allerdings ist dabei nie was Spektakuläres passiert, – schade eigentlich. In den 90ern habe ich nämlich ziemlich viel gekellnert. Das lag daran, dass ich damals mit einem Koch verbandelt war, der hat mich da mit reingezogen… Und irgendwie bin ich wohl öfter mal dahin geraten, wo „man“ eben hinging, wenn man Hüngerchen hatte. Kann ich ja nix für.

Es muss so 1994 gewesen sein, als ich in einem italienischen Restaurant beschäftigt war. Eines Mittags tauchte dort Gerhard Schröder, damals noch Ministerpräsident, mit ein paar Bodyguards auf und bestellte Spaghetti Bolognese. (Er war ja noch mit „Hillu“ Hiltrud verheiratet, und die ist Vegetarierin und weigerte sich, ihm zuhause Schnitzel und sowas zu braten.) Ich war ziemlich nervös und hatte Angst, ihm vielleicht aus Versehen die Nu-
deln in den Schoß zu kippen. Zum Glück war wenigstens der Laden nicht so voll. Herr Schröder war aber wider Erwarten ganz normal nett, geradezu sympathisch, ich beruhigte mich und er aß in Ruhe seine Nudeln.

Da wusste ich ja zum Glück noch nicht, dass er mal Kanzler werden würde, sonst wären die Nudeln vor Aufregung doch sonstwo gelandet. Und wenn ich da schon gewusst hätte, wie sehr er sich mal für „lupenreine“ Demokraten einsetzen würde, hätte ich womöglich sogar nachgeholfen. Nett hin oder her.

Herrn Trittin hingegen hatte ich ein paar Jahre zuvor als eher arrogant und herablassend empfunden. Das war die Zeit, als ich in der Markthalle einen ziemlich umfangreichen Delikatessenstand alleine schmeißen musste. Der Stand war ein Ableger eines französi-
schen Feinkostladens mit kleinem Restaurant. Samstags war immer die Hölle los, denn es kamen nicht nur mehr Kunden zum Einkaufen, sondern auch die Möchtegern-Haute vollée zum Champagner-und-Schnittchen-Umtrunk. Da war der Herr Dosenpfand öfter mal mit seiner Entourage dabei und wollte natürlich immer alles sofort und pronto. Sollten die Anderen doch ruhig warten, und ich war ja eh’ nur die Schnittchenmamsell.

Ungefähr zur selben Zeit tauchte dann auch die Albrecht-Familie mal im dazugehörigen Restaurant auf. Wir hatten sonntags dort ein kleines, aber feines Brunch-Buffet. Die Albrechts kamen, ich weiß es nicht mehr genau, nicht ganz vollzählig, trotzdem sind es richtig viele gewesen. Schließlich hatten wir ja auch noch ein paar andere Gäste. Buffet-
erfahren, wie die Albrechts waren, rasierten sie uns komplett, scheuchten uns getränke-
herbeikarrend durch die Gegend, aber vom typischen Albrecht-Lächeln war nix zu sehen. Eine knappe Dreiviertelstunde später war der Spuk vorbei, sie gingen so schnell, wie sie gekommen waren und ließen uns erschöpft zurück. Danach zitterten wir jeden Sonntag, ob sie vielleicht noch mal kämen.

Mir war der ganze normale Betrieb ohne Promis immer viel lieber, und ich hab’ mich über meine ganz normalen, aber netten Stammgäste viel mehr gefreut. Da fing der Chef auch nicht an, sich zu überschlagen, es gab keinen Grund zur Nervosität und mehr Trinkgeld gab’s meistens noch dazu…

 
So, lieber Jules, eine Deiner Fragen habe ich nun noch übrig; – die kommt dann wohl kurz vor Weihnachten dran. Mal gucken.

Bis dahin, erstmal pinkgefiederte Grüße,

von Theobromina

16. Dezember

stern16Der hochwohlgeborene Frieling hat mir folgende Frage gestellt:

„Warum sehen im Tierreich die Männchen stets prächtiger aus als die Weibchen, und wieso sollte das bei uns Menschenaffen anders sein?“

 

Antwort:

 

Naja, es ist wohl so, dass im Allgemeinen die Weibchen aussuchen, mit wem sie sich so fortpflanzen möchten (darum dreht sich’s nun mal meistens, sogar, wenn sich’s nicht drum dreht). Und wer aussuchen darf, wird eben auch umworben.

 

Bei den Tieren ist es ganz oft so geregelt, dass die Weibchen den Nachwuchs allein großkriegen müssen, die Männchen haben nur zu zeugen. Die Weibchen sind natürlich daran interessiert, das gesündeste, kräftigste Männchen zu erwischen. Gute Gene und so. Sonst ist die ganze Aufzuchtarbeit nachher umsonst und inne Wicken. Also suchen sie sich das Männchen aus, das auf dem ersten Blick am prächtigsten rüberkommt.

 

Da wir Menschenweibchen aber nun ziemlich lange schwanger sind, und dann auch noch ewig brauchen, bis wir dem Nachwuchs beigebogen haben, wie man isst, läuft, spricht, Spülmaschinen ein- und ausräumt, arbeiten geht, muss das Männchen nicht nur prächtig sein, sondern auch noch arbeitsam und sozialverträglich. Damit sich’s möglichst ein Weilchen damit aushalten lässt. Zumindest, bis die herzigen Blagen aus dem Gröbs-
ten raus sind. Ich schätze mal, dafür hat die Natur auch so was wie Liebe erfunden. Sie konnte ja schließlich nicht ahnen, dass das alles verkomplizieren würde.

 

Beim Menschen wird also zwar auch nach dem Aussehen ausgewählt, aber nicht nur. Der Status, die Erfahrung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit fließen ebenfalls in die Entschei-
dungsfindung ein. Das erklärt, warum auch doofe, unansehnliche, aber wohlhabende Män-
ner oft trotzdem hübsche Frauen haben. Oder hübsche, dafür aber doofe, arme Männer eine abkriegen. Oder eben reiche Männer, die relativ klug, aber leider hässlich sind.

 

Dass die Frauen bei den Menschen auch oft so schön sind, hat bestimmt auch wieder was mit diesen guten Genen zu tun, schließlich muss so ’n Mann ja auch überlegen, wer da seine Prachtkinder ausbrüten und aufziehen soll. Da ist jung und gesund natürlich praktisch. So ein Weibchen kann sich noch lange kümmern, bevor sie umfällt. Außerdem ist es auch schöner zu begucken, wenn man schon jahrelang dableiben und helfen soll.

 

Wer aber nun bei den Menschen schöner ist, möchte ich lieber nicht entscheiden. Es gibt von beiden Sorten Schöne und Nichtsodolle. Mir sind ja runde, fließende Konturen und weiche Formen grundsätzlich angenehmer. Trotzdem steh’ ich gar nicht auf Frauen, sondern ganz standardmäßig auf Männer. Komisch, eigentlich. Männer empfinde ich aber eher als eckig bzw. fest und kantig, ja manchmal geradezu sperrig. Trotzdem mag ich die lieber. Verrückt.

 

Es gibt ja aber auch schmale, feste (knabenhaft genannte) Weibchen und durchaus rund-
liche, weiche Männer. Manche sind auch nur obenrum rundlich und haben unten dann wenig Substanz, also dünne Beinchen (bekannt als: Ei auf Stelzen). Und speziell bei Frauen gibt es ziemlich oft: obenrum schmal, aber ab Hüfte abwärts ordentlich rund. Da komm’ ich ja jetzt selbst ganz durcheinander… Mir persönlich ist ein Mann am liebsten, der insgesamt in Länge und Breite so ganz gut zu mir passt, das gilt vor allem auch für den Inhalt der Hirnschale.

 

Was schön ist, entscheidet bei den Menschen wohl eher jeder selbst. Das hat ja auch viel mit Kultur zu tun. Beispielsweise reißen mich Schmucknarben nicht so vom Hocker. Wäre ich aber eine Hamer- oder Ibo-Frau, würde ich mir bestimmt die Finger danach lecken. In der westlichen Kultur sind neuerdings magersüchtige Frauen der letzte Schrei, in anderen Kulturen würden sie sie erstmal ordentlich rund füttern oder, wenn das nicht geht, möglichst viele davon nebeneinander als Zaunlatten aufstellen.

 

In unseren Breiten würde man, wenn man wollte, eventuell sagen: Das Eckige gehört ins Runde. Oder eben andersum. Je nachdem. Alles schön.

 

Henry Kissinger hingegen hat gesagt:

„Das Schönste an den meisten Männern ist die Frau an ihrer Seite.“


– Lieber Rupiprinz, ich weiß jetzt nicht, ob das Deine Frage irgendwie beantwortet. Ich bin mir selbst nicht so besonders sicher, was den Begriff der Schönheit angeht. Sie liegt ja bekanntlich im… Na, wo war das noch…! Wo lag die noch mal? Also, da muss ich jetzt gleich mal gucken gehen…

Vielen Dank für’s Mitmachen & die Frage,
– und ganz schöne Grüße,

von Deiner Theobrbrbrb

Geschenke (2)

Hätte ich eine kleine Tochter, dann wüsste ich genau, was ich ihr zu Weihnachten schen-
ken würde.

Da das Spiel für die lieben Kleinen ja ein vorbereitendes Üben für das spätere Leben sein soll, könnte das fiktive Töchterlein hier schön lernen, was sie später als alleinerziehende Mutter können muss. Nämlich, eine Doppelbelastung aushalten: Mies bezahlter Job und krankes Kind zuhause.

Pädagogisch wertvoll.

Morgen_Kinder_wirds

15. Dezember

Sansibar hat mich gefragt:stern15

„Welche Fremdsprache würdest Du gerne können?“

Antwort:

Am liebsten würde ich natürlich ordentlich viele können, aber bei dieser Frage fällt mir immer spontan Italienisch ein. Ich finde, das klingt so schön, eine sehr musikali-
sche Sprache, irgendwie. Tatsächlich habe ich schon ab und zu überlegt, einen Italienischkurs zu machen, aber dann hab’ ich’s doch nie angefangen.

Ich hab’ nämlich erstmal nicht vor, bald nach Italien zu fahren, weil mir ulkigerweise von der Mentalität her andere Länder viel mehr liegen, – z.B. Norwegen! Da möchte ich nämlich schon lange unheimlich gerne mal hin, obwohl mir als Außenstehender die Sprache dort staubig und dröge vorkommt (aber die Norweger spre-
chen bestimmt eh’ nicht viel, da kommt man vielleicht auch so zurecht). Oder in ein paar asiatische Länder, deren Sprachen total schwer zu lernen sind, weil man sie gar nicht erst lesen kann.

Ich mag also scheinbar entweder die Sprache oder das Land. Nach Frankreich muss ich nämlich auch nicht unbedingt noch mal reisen, dabei könnte ich mich dort theoretisch sogar halbwegs verständigen.

Mein einziger richtiger Satz auf Italienisch ist übrigens bisher:
„Dov’ e la prossima chocolata, prego?“ *

Den kann ich auch noch in ein paar anderen Sprachen. Aber der fällt ja nun auch unter „lebensrettende Maßnahmen“. Überhaupt weiß ich in den gängigsten europäischen Spra-
chen eher die Lebensmittel zu unterscheiden. Das ist ja wohl auch am Wichtigsten! Nur krank oder orientierungslos sollte ich unterwegs nie sein…

Durch meine japanische Freundin M. schnappe ich auch immer einzelne Japanisch-Brok-
ken auf, muss aber gestehen, dass ich die meisten sofort wieder vergesse (bis auf die, die lecker klingen).

Die Länder mit den schönsten Sprachen haben meiner Meinung nach auch das tollste Essen, das fällt mir gerade so auf. Und die mit dem fadesten Essen haben dafür die atem-
beraubendsten Landschaften. Vielleicht ja als Ausgleich. Da muss man beim Essen dann eben schweigen und ein bisschen aus dem Fenster gucken…

So, lieber Sansibar, ich glaube, jetzt habe ich ungefähr die Hälfte Deiner Fragen beantwortet. *g*
Es kommen also noch welche…

Arrivederci allora e a presto,
La Theobromina

* „Wo gibt es bitte die nächste Schokolade?“