19. Dezember

Der sätzefeilende Wortspieler Indogermane schrieb:

„Ich frage mich/Dich, welches wohl der hinterhältigste/ am aufwendigsten geplante/ lustigste/ durchschlagendste/ bösartigste oder einfach bloß bemerkenswerteste Streich war, den Du jemals jemandem gespielt hast. DAS würd mich wirklich brennend interessieren.“

(Die Frage schickte er mir per PN. Nicht ohne Grund, denn er beschrieb mir darin einen ganz schön durchtriebenen Streich, den er mal, allerdings wohl nicht allein, „Bekannten“ gespielt hatte.)

stern19Antwort:

Tja, lieber Indogermane, da habe ich jetzt echt lange drüber nachgedacht, und mir will beim besten Willen nix Richtiges einfallen! Du willst bestimmt so eine richtig schöne Reißerstory lesen…

Aber das so ungefähr Gemeinste, was ich mir erlaubt habe, ist, dass ich meinen da-
maligen Freund mal ganz bekloppt gemacht habe, als wir eine Zeitlang Schwankungen im Stromnetz hatten. Das Licht flackerte dann jeweils so ein bisschen, und er fragte dann immer: „Haste das gesehen? Da! Jetzt hat’s wieder so geflackert!“

Und ich habe mich jedes Mal doof gestellt und ganz unschuldig gefragt: „Flackern? Was denn für’n Flackern? Hab’ nix gesehen… Da war kein Flackern…“

Ihn machte das aber ganz nervös, weil er dachte, er wird jetzt doch verrückt oder sowas. (Er war nämlich so’n bisschen paranoid, das kam vom vielen Kräuterrauch.) Die Sache zog sich über mehrere Wochen, manchmal war tagelang alles ruhig, und dann ging es wieder los. Irgendwann konnte ich mir mein Grienen aber nicht mehr verkneifen, da merkte er’s natürlich… Hat er mir noch lange vorgeworfen.

Nicht sehr perfide, ich weiß; – aber ich bin halt nicht so!
Auch wenn’s vielleicht manchmal sogar ganz angeraten wäre.

Zum Ausgleich erzähle ich jetzt, was ich mal zum Thema Rache gelesen habe:
Eine Frau wurde von ihrem Liebsten aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen, weil der eine neue Flamme hatte. Blöderweise dachte er nicht daran, dass seine Ex ja noch einen Schlüssel hatte. Sie konnte also, während er mit seiner neuen Freundin zwei Wo-
chen im Liebesurlaub war, in aller Ruhe dort werkeln: Sie wässerte alles. Den Teppich, die Sofalandschaft, das Bett, Tische, Stühle, – einfach alles. Und streute Kressesamen aus.

Kiloweise.

Als das verliebte Pärchen zwei Wochen später in der Tür stand, blickte es auf eine ziem-
lich grüne Wohnlandschaft! Keine Ahnung übrigens, wieso ich mir das gemerkt habe.

Und dann kann ich noch erzählen, warum jemand, mit dem ich mal eine Weile befreundet war, sich nicht traute, jemals zu heiraten: Er dachte sich nämlich jedes Mal ganz fiese Streiche aus, wenn einer seiner Kumpels heiratete. Bei einem wollte er die Wohnung prä-
parieren, kam aber nicht rein, weil der Bräutigam mitgedacht hatte. Also verbretterte der Übeltäter mit Hilfe eines Freundes kurzerhand die Wohnungstür sorgfältig von außen (ich glaube, es wurde sogar schnell ein neuer Türrahmen dafür gebaut und in den alten einge-
passt), hinterher setzten sie eine Deckplatte drauf, in die sie jede Menge Schrauben don-
nerten, auch an Stellen, wo gar keine hingemusst hätten. Hunderte.

Und um die Bescherung komplett zu machen, versenkten sie die Schraubenköpfe und spachtelten die Löcher zu!

Das arme Brautpaar brauchte so gefühlte drei Wochen, um in die Wohnung zu kommen. Und der Bräutigam war stinksauer, redete nicht mehr mit dem „Verbrecher“, schwor aber dafür ewige Rache. Leider kann ich nicht berichten, ob es inzwischen dazu kam, denn der Kontakt besteht nicht mehr. Aber immerhin haben die beiden Jungs sich vertragen, als der Freundeskreis sich gemeinsam das Video zu der Veranstaltung anguckte. Denn da muss-
te wohl sogar der Bräutigam lachen.

So, ich hoffe, mit diesen beiden Geschichten habe ich wenigstens ein bisschen für Ausgleich gesorgt, wenn ich schon selber nicht so durchtrieben bin…

Vielen Dank für Deine schöne, witzige Frage und ganz liebe Grüße,
von der Theobromine

4 thoughts on “19. Dezember

  1. Ich war schon als junger Bub
    ein Streich-ler und bin es heute noch gern. 😉

    Erst kürzlich hab ich klammheimlich nachts
    ein ganzes Brathendl aus dem Fenster
    in Nachbars Garten geschleudert. ;-))
    (Hatte keinen Appetit mehr drauf.)

    Ein Allerweltsschelm.. 😉

  2. Es stimmt, daß ich Komplizen hatte. Mein hauptsächlicher Mitverschwörer und ich sind allerdings auch vorher schon zweimal von den „Opfern“ reingelegt worden. Als Retourkutsche macht es einfach viel mehr Spass, als aus purer Boshaftigkeit;-)

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