Schulterzucken hilft bei Gewitterfront

Nachdem ich gestern früh einen wichtigen Termin abgehakt hatte, bei dem sich übrigens rausstellte, dass ich völlig umsonst schlecht geschlafen, mich aufgeregt und -gerüscht hatte, weil der Job dann doch leider nicht in Frage kam, rief ich endlich mal wieder Freun-
din M. an, drohte mit meinem spontanen Besuch und versprach, Brötchen mitzubringen.

In der Bäckerei sollte ich 2,18 € zahlen und schob der Verkäuferin einen Zwanziger zu. Sie hatte aber nur wenig Wechselgeld in der Kasse und war jetzt völlig zerknirscht, weil sie mir nur Hartgeld zurückgeben konnte.

„Naja“, antwortete ich schulterzuckend, „ist doch schließlich auch Geld. Heute ist wohl so ein Tag, an dem alle mit Scheinen kommen, was?“ Sie entschuldigte sich aber gleich noch mal so, als wäre sie mir aus Versehen heftig über den Fuß gefahren und meinte, es täte ihr wirklich total leid! Dann fing sie an, mir zögerlich die Ein- und Zwei-Eurostücke hinzuzählen, was ihr sichtlich unangenehm war. „Och was“, sagte ich, “das krieg’ ich auch noch irgendwie ausgegeben. Ist doch nicht schlimm…“ Ihre Kollegin hatte nebenbei alles mit angehört und meinte anerkennend: „Also, so viel Verständnis haben die Kunden aber echt selten!“ und ihr war tatsächlich Erleichterung anzusehen.

Jetzt weiß ich nicht, ob’s nun daran lag, dass ich früher selbst mal im Verkauf gearbeitet habe, oder ob es selten vorkommt, dass die da nicht so wechseln können, wie sie wollen. Aber ich frage mich schon, welche Reaktion die Beiden denn befürchtet hatten. Sind die Kunden inzwischen so, dass man regelrecht Schiss vor ihnen haben muss? Hatten sie Angst, ich würde gleich anfangen, das schlimme Lied von der „Servicewüste Deutschland“ zu singen? Haben sie mit einer Anzeige gerechnet, wegen „mutwilliger Portemonnaie-
Beschwerung“?

Etwas später ahnte ich dann, wie bei denen die Otto-Normalkundin aussehen muss:

Freundin M. wollte nach dem Frühstück gern noch mit ihren beiden süßen Töchtern auf den Spielplatz an der Fußgängerzone. Kaum, dass wir so dasaßen und schnatterten, kam eine Kindergartentruppe angetummelt und begann unter fröhlichem Gejohle einen Regentanz.

Eine ältere Frau, Typ Hanseatenschickse, näherte sich mit ihrem halbvollen Einkaufsbeu-
tel, verzog schmerzlich das Gesicht und fragte ein Kind: „Was schreist Du denn so! Du musst doch nicht so schreien!“ Das Kind ließ sich aber zum Glück nicht beirren und lach-
te herzhaft, bevor es erneut loslegte. Jetzt blieb die Frau aber stehen und fing an, erstmal kräftig rundum zu meckern, erwischte dabei einen Betreuer und wollte ihn jetzt zur Verant-
wortung ziehen: „Muss das sein, dieses Geschrei hier!?! Das geht doch nicht!“ Der blieb aber ganz ruhig und meinte nur: „Das ist’n Spielplatz hier!“

Nu’ wurde Omi aber richtig fuchsig, holte ihr Handy raus und fing an, zu Demonstrations-
zwecken zu telefonieren. Nur um irgendeinem armen, unbeteiligten Menschen mitzuteilen, es sei hier so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstünde!

Ich muss jetzt mal sagen, dass mir das noch nie passiert ist. Ich verstehe meine eigenen Worte immer prima, egal, ob’s nun laut ist oder nicht. Manche verstehe ich sogar, obwohl ich den Mund gar nicht erst aufgemacht habe! Was ich hingegen manchmal nur ganz schlecht verstehe, sind die Worte der Anderen, aber das ist ja ganz normal…

Ich meine, wenn man in der Nähe eines Spielplatzes wohnt, kann das im Sommer schon mal anstrengend sein; ich weiß gut, wovon ich rede. Aber im Vorbeigehen Kinder anzu-
meckern, die sich in der Stadt auch mal austoben wollen…? – Das erinnert mich schwer an das Titellied der 70er-Kinderserie „Rappelkiste“, in dem ja vorkommt: „Machste mal zuhause Krach, kriegste gleich eins auf das Dach. Willste übern Rasen laufen, mußte dir ein Grundstück kaufen. Spielste mal im Treppenhaus, schmeißt dich gleich der Hauswart raus.“

Der Kindergartenbetreuer schlug der Frau vernünftigerweise vor, sie könnte doch auch ein-
fach weiter gehen…

So hätte ich das übrigens auch gemacht. Die Gesetze der Physik sagen schließlich, dass die Lautstärke mit der Entfernung abnehmen muss. Madame hatte aber zuwenig Ahnung von Physik und rief entrüstet: „Ja, ich kann doch nicht fliegen!!!“. Aber stehen bleiben und wertvolle Energie verpuffen, das konnte sie prima. Erst als sie merkte, dass wirklich niemand Partei für sie ergriff, sondern eher überall geschmunzelt wurde, ging sie unter anhaltendem Gezeter und Gepruste weiter.

Ich vermute, zum Bäcker.

Das hier…

…ist ja wohl die schmalste Bäckereifiliale, die ich je gesehen habe!

 Schmaler_Baecker

Ich mein’: schicke Plastik-Brezel, Beleuchtung, Vierkantrohr in Appetit anregendem Grün, – schon mal alles da!

Nicht da:

– Tür, Tresen, Teilchen.

– Brötchen, Brote, Baguettes.

– „Zimtschnecken“, „Mohnhörnchen“, „Schweineöhrchen“.

– „Wellenreiter“, „Fitnessgranaten“, „Kürbiskerngeschosse“.

– „Nusskantenecken“, Apfelbackentaschen gebackene „Apfeltaschen“, „Zitronenhüftröllchen“.

– „Amerikaner“, „Berliner“, Wiener „Frankurter Kranz“.

(Es würden ja auch höchstens Salzstangen rein passen.)

 – Kein Kaffeeausschank, kein Kakaokühlschrank, kein Hefegestank.

 – Keine dicke Bäckerin mit kräftigen Oberarmen.

(Nach einigem Suchen: Links davon ist und bleibt tatsächlich nur Gebäum, aber dafür auf der anderen Straßenseite, im Tiefparterre eine Wohnhauses: Bäckerladen. Anzunehmen, dass sich also dort auch ein paar Meter weiter noch eine Bankfiliale befindet…)

Küchenkokolores (Teil 2) – Formschinken

FormschinkenNa, schon gefrühstückt? Nein?

Ein bisschen Natriumnitrit gefällig? – Nö?

Oder vielleicht ein paar leckere Di- und Tri-
phosphate
? – Onnich?

Eventuell drei Sorten Zuckerstoffe?
(Dextrose, Glucosesirup, Saccharose)

Nicht weiter definierte Gewürzextrakte?
– Hm?

Ebenso undefinierte Aromen? – Nee?

Eventuell Natriumascorbat? – Wieder nix?

Wieso denn nicht? Wo das doch aber alles so schön emulgiert, Wasser bindet, rosig macht und Bakterien killt!

Naja, hätt’ ich eh’ alles nicht da gehabt, nur als Foto. Bis auf die Saccharose, denn das ist normaler Haushaltszucker.

 

Formschinken_2

Ich versuche aber schließlich auch nicht, in der Brominenküche Fleischstückchen so zu-
sammen zu kleben, dass sie eine handliche, hübsch rosige meterlange Stange von etwa
10 cm Durchmesser ergeben, aus der ich dann solche „hauchzarten“ Scheibchen raus-
säbeln kann.

Ich mein’, vielleicht gibt’s ja auch bald Schwei-
ne, die sich solche Schinkenstangen freundli-
cherweise gleich wachsen lassen, da müsste man eben mal vernünftig mit den Schweinen reden… Bis dahin ist es anscheinend nötig, einen Brei aus zerkleinertem Fleisch, Wasser und allerhand Stabilisatoren anzurühren, der die Fleischstücke schön zusammen bappt, sonst fällt das Finesse-Genießer-Irgendwas nachher noch beim Schneiden wieder in Teile.

Ein Schinken ist meiner Meinung nach eigentlich aus einem gewachsenen Stück.

Man kann das ja nun finden wie man will, wenn einer ein Stück aus einem Schwein raus rupft und das dann pökelt. Aber ich finde es noch doofer, wenn sich einer hinstellt und das versucht, selber zu basteln, weil ihm die natürliche Form irgendwie nicht gefällt, nicht in seine Maschinen und auch nicht in seine Schachteln reinpasst. Komischerweise wird sowas aber in allen möglichen Formen gemacht, – sogar mit dran geklebter Kruste und „pommerschem“ Loch drin! (Das ist aber ein anderer Produzent. Der hat natürlich auch ganz andere Schachteln.)

Also ich weiß nicht…

Zu dem „hauchzart“ fällt mir übrigens nur eins ein: man muss mal auf den „Hauch“ achten, der beim Öffnen der Packung „ausgeatmet“ wird. Da macht sich mein zartes Hungergefühl aber direkt vom Acker…

Küchenkokolores (Teil1) – Rührei

Versprochen ist versprochen! Dann geht’s heute mal los mit Produkten, die die Welt nicht braucht. Also, meine Welt jedenfalls nicht. Natürlich kann und soll’s aber jeder machen, wie er will…

Jedenfalls: Sonntag hatte ich hier ja noch rumgeunkt, es gäbe sicher bald Fertigspiegelei im Kühlregal. Schließlich gelingt es ja nicht immer, das Ei so zu braten, dass das Eigelb heile bleibt… – Doch es geht noch schlimmer. Eben stand ich nämlich vor einem solchen Regal und was seh’ ich da?

Tetra_Rührei_vorn

Rührei. Aus’m Tetrapack. Wozu? Hat sich denn schon mal jemand beschwert, dass sich Rührei ja immer so schlecht stapeln lässt?!? Mal gucken und im Ernst: Was ist da drin?

Tetra_Rührei_Zutaten

Vollei. War klar. Das heißt: Eiklar und Eigelb zusammen gemixt. Wie frisch diese Eier wa-
ren, wissen wir leider nicht, da können wir nur hoffen. Aber vermutlich wurden sie mal kurz ultrahocherhitzt, um eventuellen Salmonellen den sprichwörtlichen Garaus zu machen.

 

Modifizierte Stärke. Na, dahinter kann sich alles Mögliche verbergen. Interessant finde ich dabei diesen Satz, den ich bei Wikipedia dazu fand:

Es bestehen Tendenzen, Stärke, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen wird, als Grundstoff für die Produktion modifizierter Stärken einzusetzen.

Normalerweise rege ich mich an der Stelle direkt auf, das spare ich mir jetzt mal (denn schließlich habe ich auch kürzeren Text versprochen). Ich mach’ jedenfalls nie Stärke ins Rührei, und wüsste auch gar nicht, wozu.

Butterreinfett. Scheint mir o.k., das ist Butterschmalz. Also Butter, der alle wässrigen Anteile entzogen sind, so hält sie sich ewig und ist super zum Braten. In der indischen Küche kennt man das übrigens als Ghee. Jodsalz ist auch klar.

Würzmischung. Hier versammelt sich so einiges: Vermutlich „richtige“ Gewürze (Sellerie muss immer angegeben sein, weil darauf viele Leute allergisch reagieren), Hefeextrakt (wozu?), zwei Sorten Zucker (Dextrose ist Traubenzucker) und Gewürzaroma (das kann nun wirklich alles Mögliche aus dem Labor sein! Brrrr…).

Konservierungsstoff Kaliumsorbat. Gilt als unbedenklich. Kommt in meiner Küche aber natürlich normalerweise nicht vor. In Eurer?

Säuerungsmittel: Milchsäure und Zitronensäure. Also, keine Ahnung, wieso man Rührei säuern muss, aber Milchsäure wird wohl gern zum Entkalken eingesetzt., vielleicht hofft man so, Eierschalenreste loszuwerden. Das ist jetzt aber nur so ’ne Vermutung von mir. Zitronensäure mag ich besonders, seit ich mal im Fernseher gesehen habe, dass sie mithilfe des schwarzen Schimmelpilzes aspergillus niger gewonnen wird, der gerne auch in der Duschabtrennung in schlecht belüfteten Badezimmern wohnt.

Fazit: Unter einem Feinschmeckerrührei stelle ich mir ganz was anderes vor:

Um ein prima Rührei selbst zu machen, braucht man doch nur 2 Eier, Salz, Pfeffer, schnell in einer Tasse verquirlt und etwas Butter zum Braten.

Eier hat man doch schon mal zuhause (und da man sieht wenigsten auch, ob die noch frisch sind), und sonst soll es sogar Häuser geben, in denen man ganz legal welche kau-
fen kann. Ganz Verrückte tun in das Verquirlte übrigens auch noch Kräuter rein, die sie auf der Fensterbank oder fein gehackt im Tiefkühlfach haben. Richtig Durchgeknallte geben sogar ein Schlückchen Milch oder ein paar Schinkenstreifen dazu. Und außerdem erzählt man sich Sagen, es soll welche geben, die machen da Krabben rein, aber da hört der Spaß natürlich entschieden auf!

Dann ab das Ganze in eine möglichst beschichtete Pfanne und erstmal ein bisschen an-
stocken lassen, bevor’s mit der Rührung losgeht. Mit einem Pfannenwender geht’s am besten, damit schiebt man einfach alles vorsichtig ein bisschen herum, bis die Konsistenz stimmt. – Mehr ist es nicht. Und so lecker! Besonders, wenn man’s schafft, noch schnell ein Butterbrot drunter zu schieben, bevor’s auf dem Teller Platz nimmt.

Wer da Klotzei kauft, ist doch irgendwie selber Schuld, oder…?

Küchensofagedanken am Morgen (Teil 11) – Genuss & Verdruss

TheobrominenfuesseHuch, ist das lange her, seit ich zuletzt so auf dem Sofa lag! Erst jetzt merke ich, wie ich das vermisst habe…

Schön ruhig hier, das Haus schläft noch, der Tee ist heiß, die Kissen sind kuschelig. Und seit Dienstagmorgen klemmt mir ein sperriges Thema im Kopf, das will heute endlich mal beachtet werden. Achtung: viele Staben!

Ich hab’ nämlich mal wieder die „Frühschicht“ auf Radio Unerhört Marburg gehört, die diens-
tags bekanntlich von Blogfreundin NetRat_WTX moderiert wird. Dort spielte sie u.a. ein Interview mit Thilo Bode, das eine Kollegin von einem anderen freien Radio mit ihm geführt hatte. Thilo Bode ist Gründer von foodwatch und war mir davor jahrelang als Geschäftsfüh-
rer bei greenpeace bekannt. (‚Tschuldigung für die vielen Links, aber das musste jetzt mal eben so…)

Foodwatch, das erkläre ich mal eben, beschäftigt sich mit den Machenschaften der lieben Lebensmittelindustrie und der Frage, warum der Verbraucher eigentlich so wenig Handha-
be hat zu beeinflussen, was ihm da alles in den Mund gejubelt wird. Bodes These ist: Die Gesetze in Deutschland, die den Markt für Lebensmittel und die Informationen darüber regeln, sind verbraucherfeindlich. Wir haben keine Chance, uns zu informieren, welcher Großhändler z.B. Gammelfleisch verschoben hat und wo es gelandet ist. Ebenso wenig, wie wir ahnen können, ob in Fertigprodukten Käfigeier verarbeitet wurden und ob die über-
haupt frisch waren. Die Liste der Beispiele ist ja endlos…

Da hatter sicher Recht, der Herr Bode. Die Gesetze schützen hauptsächlich die Hersteller und Händler, und der Verbraucher bleibt auf seinen Fragen und dem miesen Gefühl sitzen, schon lange gar nicht mehr zu wissen, „was man eigentlich noch essen kann.“ Tja, offen-
bar können wir alles essen, das haben die Hersteller längst verstanden. Was uns nicht umbringt… Wie soll ich denn heute noch beweisen, dass mir vor drei Monaten von heftig verpilztem Käse so kreuzübel geworden ist?

So werde ich also zur Entsorgungsstelle für „umme“ Lebensmittel und zahle noch dafür! Normalerweise ist es nämlich der Produzent, der für die Entsorgung zahlen müsste, und nicht zuwenig. Da geht er lieber den Weg über meinen Magen, und wenn er erwischt wird, dann zahlt er meine einzwei Euro irgendwohin, das ist immer noch billiger. Und weil er Zu-
lieferer ist, merke ich mir noch nicht mal seinen Namen, weil ich eh’ nicht weiß, an wen der Gammel eigentlich gegangen ist. War der jetzt in den Nudeln oder im Fertigsalat?

Das muss natürlich unbedingt anders werden. So einer müsste dichtmachen und in den Knast wandern, wo er natürlich nix anderes zu essen kriegt als…
– Entschuldigung, aber man wird ja noch mal träumen dürfen!

Ich finde allerdings, wir sind auch in der Pflicht, uns zu informieren. Und das fängt schon viel früher an, im Laden. Herr Bode spricht uns quasi fast frei davon, immerhin die Infor-
mationen zu lesen, die uns gegeben werden (müssen!). Nur Wenige lesen nämlich das Kleingedruckte auf den Verpackungen. Fast niemand möchte genauer wissen, was Sta-
bilisatoren
eigentlich sind, was Aromen sind (und was genau der Unterschied zwischen künstlichem, natürlichem oder einem naturidentischen Aroma ist). Jeder hat schon mal gehört, dass Erdbeeraroma was Sägespänen zu tun haben soll, aber da im Joghurt keine Sägespäne sind, scheint das nicht zu stimmen. (Es ist, nebenbei gesagt, ein Holzpilz, der als Abfallprodukt ein Erdbeeraroma abgibt, während er auf den Holzspänen hockt.)

Was ist ein Emulgator? Was zählt alles unter Zuckerstoffe? Und wenn auf Weingummis „ohne Fett“ und „mit Vitaminen“ draufsteht, sind die dann kalorienarm und gesund? – Sind sie natürlich nicht, weil sie purer Zucker sind. Also eine Süßigkeit. Und wer glaubt, dass er seinem Kind wirklich was Gesundes tut, wenn irgendwo auf der Verpackung „mit dem Guten aus der Milch“ draufsteht, der handelt ja fast schon fahrlässig. Ist ein Zuckerfett-
batzen gesund, weil drei gepoppte Cerealien (Getreidekörner) drin sind?

Also, wenn vom Hersteller ein besonderer Vorteil hervorgehoben wird, kann man eigentlich immer davon ausgehen, dass das irgendwas Unvorteilhaftes überdecken soll.

Ist eigentlich gar nicht sooo schwierig: wenn ich Erdbeerjoghurt will, dann mache ich mir Erdbeeren mit etwas Zucker zurecht und kippe Naturjoghurt drüber. Drei Zutaten, das wäre nur eine kurze Liste. Und er wäre frisch, weniger süß und hätte viel mehr Früchte als ein fertig Gekaufter (eine viertel Erdbeere oder so, der Rest ist eben Aroma). Es kostet natürlich etwas Zeit, aber wenn ich mir die Zeit nicht für mich (und meine Lieben) nehmen kann, für wen sonst? Wenn ich Pfannkuchen will, kaufe ich mir keine Plastikpulle mit Mehl, Zucker, Stärke, Eipulver, Stabilisatoren und Triebmitteln drin, in die ich nur noch Milch schütten und sie „shaken“ muss, um angeblich 5 Pfannkuchen rauszubekommen, sondern verquirle 2 Eier mit etwas Milch und Mehl und Zucker und haue das in die Pfanne. Lecker!

Und das scheint das Problem zu sein. Es gibt immer weniger Menschen, die auch nur einfachste Gerichte kochen können. Ein Mittagessen herzustellen, scheint vielen ein Prozess zu sein, bei dem sie nicht mehr mitkommen. Gibt es vielleicht bald Fertigspie-
gelei im Kühlregal? Butterbrot? Oder Schon-geöffnete-Milch? Ich überlege gerade, welche ganz einfachen Gerichte man noch fertig anbieten könnte, aber die gibt’s ja alle schon: Nudeln mit Tomatensauce, Milchreis, Pellkartoffeln mit Quark… Alles so gewürzt, wie es die Laborjungs gern haben wollen. Und meistens zu fett, zu süß, in der Konsistenz der maschinellen Verarbeitbarkeit angepasst. Und wir essen das dann auch noch! Natürlich mache ich mir ab und zu eine Fertigpizza, schließlich habe ich auch nicht jeden Tag Lust, zu kochen. Es bleibt für mich aber ein Fertigessen, und wird auch so konsumiert, u.a. weil’s auch so schmeckt, nämlich immer gleich.

Und im Fernsehen sieht man ja auch ständig, wie aufwändig das mit dem Kochen ist. Da guckt man zwar gerne zu, weil es irgendwie was Gemütliches hat, aber: Frischer Rosma-
rin! Woher soll man so was denn bekommen? Jacobsmuscheln! Doradenfilets! Mangold! Polenta! Safran! Puh! Wie gut, dass es auch noch Nudeln und Tütensauce dazu gibt. Da befolgt man die Anleitung und hat „gekocht“. – Nein, hat man nicht. Man hat Wasser heiß gemacht. (Manche tun ein Stückchen Butter dazu, und behaupten dann, sie hätten die Sauce „verfeinert“. – Na, und die gute Butter versaut.)

Man muss sich schon mal trauen. An die Töpfe, an die frischen Zutaten, und sich nicht gleich überfordern. Und das fällt nicht jedem leicht. Es fällt eventuell ein bisschen leichter, wenn man damit anfängt, nach dem Einkauf zuhause mal in Ruhe zu gucken und zu le-
sen, was man da eigentlich nach Hause geschleppt hat. Vielleicht bin ich ja naiv, aber ich glaub’ schon, dass der nächste Einkauf dann schon anders ausfällt.

Und man sollte sich trauen, auch mal selbst zu schmecken, was einem eigentlich lieber ist, manches ist eben auch nur ungewohnt. Das finde ich übrigens gerade für Kinder wichtig. Ich mag zum Beispiel bis heute Dosenbohnen lieber als frische, weil es die bei uns zuhause immer gab.
Als ich dann als größeres Kind mal frische aß, fand ich sie un-
angenehm „grün“ im Geschmack und zu fest und rau in der Konsistenz. – Und ich bin in den 70ern aufgewachsen, da gab’s noch gar nicht soviel Fertigzeug!

Gesundheitsapostelin bin ich nicht, die sind mir viel zu freudlos. Mir geht’s hauptsächlich um Geschmack und Genuss. Und Essen, also leckeres, ist was Feines, das man sich selbst gönnen sollte. Das hat mit der Haushaltskasse übrigens überhaupt nichts zu tun. Es geht bloß darum, einfach zu wissen, was ich mir da so alles zuführe. Dann kann ich nämlich selbst entscheiden, ob ich das jetzt gerade will oder nicht. Und weil mir dieses Thema so wichtig ist, werde ich in der nächsten Zeit mal solche Produkte vorstellen, die ich aus verschiedenen Gründen für völligen Kokolores halte, und dazu schreiben, warum. Bestimmt ist auch mal ein Rezept dabei, so als Alternativ-Vorschlag, und damit man sieht, dass es eigentlich nicht sehr schwierig ist und viel mehr Spaß macht, selbst in der Küche rumzuholzen.

Diese Idee ist nicht ganz neu, schon klar, in anderer Form gibt es das z.B. hier.
Aber da fehlen mir ein noch paar Aspekte und deshalb.

(Und ich seh‘ auch zu, dass die Texte dann ein bisschen kürzer sind… *g*)

"Siehste?" – "Nö."

Manchmal sieht man Sachen eine ganze Weile nicht, obwohl sie da sind und eigentlich sogar ganz interessant. Mir ist zum Beispiel eben erst aufgefallen, dass ich wohl kürzlich aus Versehen das tag „außeririsch“ vergeben habe. Draufgeklickt verbirgt sich dahinter Darth Vader. Und der ist natürlich wirklich außeririsch, ja sogar außerkontinentisch! Der schmiert sich morgens bestimmt keine golden eingewickelte Butter auf’s Brot und hört dabei auch sicher nicht die Pogues. Also lasse ich das tag jetzt auch so stehen.

Gestern hingegen habe ich drei unsichtbare Brötchen gesehen. Echt.
Leider habe ich kein Foto davon gemacht.

Ich war nämlich beim p*nny, und da hatten sie so Tüten mit Aufbackbrötchen. Ich nahm eine hoch und da stand „8 Sonntagsbrötchen“ drauf. Oder vielleicht auch „8 Aufbackbröt-
chen“. Egal. Jedenfalls „8 irgendwasbrötchen“. Und weil ich eigentlich so in Gedanken war, starrte ich total lange auf diese Tüte. Irgendwas stimmte damit nicht.

Und dann war ich plötzlich wieder ganz da und sah, dass da nur 5 Brötchen drin waren. Hab’ ich natürlich gleich geguckt, ob das bei den anderen Tüten auch so ist, aber die wa-
ren alle von 8 bleichen Insassen bewohnt. Nur eben die eine nicht. Oder es waren eben 5 sichtbare und drei unsichtbare Brötchen drin. Ich hab’ dann zwar was Anderes gekauft, mich aber auf dem Nachhauseweg die ganze Zeit gefragt, ob der, der die Tüte dann statt meiner mitnimmt, das überhaupt merkt. Und wenn, ob dann dort zuhause Verwicklungen entstehen über die drei fehlenden Brötchen.

„Da waren doch noch drei Brötchen! Wo sind die?!“

„Was denn für Brötchen?“

„Na, Brötchen, eben! Dreie!“

„Da sind keine Brötchen mehr…“

„Da waren aber welche! Hier! Steht doch drauf: 8 irgendwasBrötchen! Und heute Morgen hatte ich drei und Du zwei! Wo ist denn dann der Rest? Hast Du die aufgegessen?“

„Da waren echt keine… „

„Wohl! Da stehts doch drauf…!“

Und natürlich hätte dann wirklich niemand die Brötchen heimlich gegessen. Denn was soll man sich denn auch schon auf fehlende Brötchen drauflegen? Lightkäse? Und lässt man da dann vielleicht auch noch die Butter weg?

Oder: gesetzt den Fall, es waren doch unsichtbare Brötchen: was passiert eigentlich, wenn man davon drei in der eigenen Küche frei lässt…? Vermehren die sich? Und wie? Wo die doch unsichtbar sind! Und wäre das überhaupt schlimm? Vielleicht ist meine Küche schon voll davon, und ich weiß es bloß nicht…

Also langweilig mir war der Rückweg bestimmt nicht!

"Wern’se mal nich pampich!"

motz

Ehrlich gesagt, ich vermute, bei diesem Herrenausstatter arbeitet nur ausgesucht freundliches und überaus höfliches Personal. Und ganz bestimmt hört man dort nie solche „Verkaufsgespräche“:

*dingdong!*

Kunde (gut gelaunt): „Guten Tag!“

Verkäufer: „…“

K: „Ähem, guten Tag, ich interessiere mich für diese leichte Übergangsjacke in ihren Schaufenster.“

V: „Pfff! – Was geht mich das an?“

K: „Sie sind doch Verkäufer hier?“

V: „Da könn’se aber Gift drauf nehmen!“

K: „Dann zeigen sie mir doch bitte, wo sie solche Jacken haben…“

V: „Nö!“

K: „Wieso denn nicht?“

V (gelangweilt): „ Mir passt ihre Nase nicht, ich hab’ keine Lust und schlechte Laune.“

K (verwirrt): „Wie bitte? Entschuldigung, aber das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Ich möchte gerne mal mit ihrem Chef sprechen!“

Verkäufer (greift zum Telefon): „Chef, hier möchte ein Kunde mit ihnen sprechen… Dacht’ ich mir… Ja gut, ist klar…“ (legt auf) „Er sagt, er hat Besseres zu tun als mit dahergelau-
fener Kundschaft zu sprechen. Er isst gerade ein Eibrötchen.“

K: „Ein Eibrötchen, wie? Was ist das denn hier für’n Laden?!? Sowas! – Hier komme ich aber bestimmt kein zweites Mal mehr her. Das muss ich mir als zahlender Kunde nicht gefallen lassen…“ (will raus gehen)

V (ruft hinterher): „Jacken stehen dir sowieso nicht, du Vogel! Bei Deiner verkorksten Figur!“

K (dreht noch mal um): „Wie meinen Sie denn das, sie? Ich bin ja ein friedlicher Mensch, aber jetzt wird mir das gleich zu bunt hier! Unverschämtheit, hörn ’se mal…“

V: „Ja gucken Sie sich doch mal an! Mit ihren kurzen Armen können sie doch höchstens Westen tragen! Und die Beine sind auch noch ganz krumm!“

K (schnappt nach Luft): „Was? Wie?!? Jetzt reicht’s mir aber!!! Kurze Arme? Das hat mir ja vorher noch keiner gesagt! Kurze Arme, kurze Arme, ja? – Dann zeigen sie mir gefälligst Westen! Und zwar ein bisschen Dalli!!!

V (plötzlich ganz zahm): „Na, geht doch. Ich sehe, jetzt verstehen wir uns. Wenn sie mir also bitte hier entlang folgen wollen…“

Och Mönsch,

…ich will aber auch was Schönes bloggen heute…!

Eigentlich hab’ ich ja was Anderes zu tun: Offizielle Briefe verfassen ist aber doof und anstrengend. Wer das bisher noch nicht wusste, kann mit dieser Top-Information jetzt meinetwegen ein bisschen hausieren gehen.

*dingdong!*

„Entschuldigen Sie. Wussten Sie, dass es doof und anstrengend ist, offizielle Briefe zu verfassen?“

„Nö, echt?!? Danke für die Info! Da ruf’ ich gleich mal meine Cousine in Flensburch an, die weiß das sicher auch noch nich’…“

*zuklapp!*

Und immer muss man sich irgendwie „gut verkaufen“. Wenn ich das höre, zucke ich jedes Mal zusammen, weil ich Angst habe, es kommt gleich einer und will mich in Scheibchen zerlegen und mir so’ne Käsethekenwaage unterschieben. Und dann zack! ab ins Raschel-
tütchen, fix den Bon dran getackert. Da ist die Kasse.

Und als ich vorhin drucken wollte, war die Farbpatrone natürlich alle. Also bin ich zu so ’nem Patronenauffülldings gefahren und hab’ mir bunte Tinte geholt. Toll, dachte ich, jetzt geht’s los! Und dann lief mir doch die Schwarzpatrone aus! Keine Ahnung, wieso. Der ganze Drucker vollgesaut. Menno. Halbe Stunde lang unter Fluchen saubermachen, Test-
druck, dann lieber erstmal einkaufen gehen.

Wieder keine Ohrstöpsel dabei. Nein, das heißt nicht „Adwokado“! Es heißt übrigens auch nicht „Wörtschester-Soße“ und auch nicht „Börben-Wanillje“. Sondern „Ahwokado“, „Wuhster-Soße“ und „Buhrbong-Wanille“. Eigentlich sogar „Wanieh“… Kann man sich doch mal merken! Sonst soll man eben kein ausländisches Zeug essen.

Entschuldigung, ich bin da eventuell zu empfindlich, hab’ mal beim Nobel-Italiener gekell-
nert, da hört man die dollsten Sachen und irgendwann liegt die Reizschwelle unterhalb der Fußleiste. Ich krieg’ heute noch Krämpfe in der Eustach’schen Röhre, wenn jemand am Nebentisch „zwei Expressis“ bestellt.

Ich weiß auch gar nicht, wieso ich jetzt so’ne Laune hab. Eigentlich ist doch alles gut, ich habe schon ein paar Seiten fertig bekommen, der Drucker tut wieder ganz unschuldig, im Kühlschrank ist seit eben leckeres Rucolapesto, morgen bekomme ich herzallerliebsten Besuch, und vor mir steht ein Teller leckerer Kroketten mit Dip. Also bitte: gutere Laune.

Wenn ich jetzt nur noch wüsste, was ich heute bloggen soll!