Fortfahren vorübergehend ausgesetzt wegen Fortfahrt

Das Brominchen muss mal raus.
Aus dem Haus, aus der Straße, aus der Stadt. Deswegen geht’s morgen mit’m Rollköf-
ferchen zum Bahnhof und dann einfach mal ab in den nächstbesten Zug. Aber natürlich habe ich mir diesen nächstbesten Zug ganz genau vorher ausgesucht und mir vorgestern sogar schon, vor Streikangst zitternd, eine prima Fahrkarte dafür erworben. Während der Fahrt, habe ich mir vorgenommen, singe ich: „Ich fahre in die Stadt, ich fahre in die Stadt, ich fahre in die Stadt, die keine Himbeerbollos hat!“ Eventuell mache ich das aber nur ganz leise.

Heute habe ich dann u.a. noch damit zu tun, alles, was ich außer den guten Bollos dort brauche, in den Koffer zu kriegen. Naja, man kennt das. Ich kann aber ruhig mal dazu sagen, dass mein Rollkoffer wirklich nur ein kleiner ist, und ich da aber Zeug für über eine Woche reinkriegen muss. Der ist ja schon voll, wenn ich nur den Sekundärkrempel rein-
lege, da ist dann noch kein einziges Paar Socken dabei. Hm.
Vielleicht werfe ich mir morgen früh auch einfach nur den Mantel über’n Schlafanzug, nehme meinen Sekundärkrempelkoffer und sause los, auf’s Beste hoffend.

Dann muss ich auch noch eine CD brennen und in die Post schmeißen, nämlich für die gute A. in Berlin, die gestern vorschriftsmäßig angetan war von meinen Entwürfen für das Cover ihrer Showreel-DVD. Nebenbei erzählte sie mir noch, sie habe nun anteilig in die Pacht für einen total verwucherten Kleingarten investiert. Darauf stellte ich mir vor, wie sie dann im Frühling „mit dem Sauzahn die Scholle umbricht“.

Schade, dass es von dem Telefonat keine Tonaufnahme gibt, denn sie kriegte sich nun irgendwie gar nicht mehr ein. Keine Ahnung wieso. Das ist doch astreines Gärtnervoka-
bular! Ich fürchte, die Frau hat wenig Ahnung. Aber Farne und Efeu rausruppen und Obst-
bäume schneiden wollen! Meinen Vorschlag, das ganze Gestrüpp einfach abzuflämmen, dann einmal durchzukerchern und schicken Kunstrasen zu verlegen, lehnte sie frech ab. Ich glaub’, ich muss bald mal wieder nach Berlin… Wenn der Grillofen gemauert ist.

Aber jetzt geht’s ja erstmal woanders hin. Dort wird höchstvermutlich nicht gegrillt, aber bestimmt trotzdem gut gegessen und getrunken und fantasiert und herumgestrolcht. Ob ich dann von dort auch Bloggen werde, weiß ich noch nicht. (Gucken werde ich ganz sicher, schon allein wegen der Adventskalendersache.) Ich erinnere mich vom letzten Besuch her noch an eine Tastatur mit Internetzugang.
Möglich wär’s also.

"Kinder, die was wollen, …

…kriegen was an die Bollen!“ heißt es immer so unschön. Kluge, freche Kinder fragen dann erstmal nach: „Was denn? Was Schönes? Du? Duhuuu? Was sind denn Bollen überhaupt? Und wo sind die denn? Isses noch weit? Ich muss mal auf’s Klo! Mami, ich hab’ Durst…“

Und weil man Kindern immer alles schön und genau erklären soll, hier die Auflösung (dafür bin ich letztes Jahr extra nach Texel/Niederlande gereist!):

TexelBollen

 


 

 

 

Die Bollen sind nämlich Untiefen im Texelstroom! Vielleicht waren es sogar mal richtige Inseln, wer weiß?

Wenn ich irgendwann wieder hinfahr, versuch ich’s mal, rauszukriegen.

Wie ich Samstag dreimal nass wurde

Zurück zuhause. Im Briefkasten war lauter gute und sogar tolle Post, das ist auch selten. Dafür ist der Kühlschrank leer bis auf eine Tube Tomatenmark, ein Glas Tahina und eine schöne Pulle Schokolikör. Wer dafür ein Rezept hat, darf’s mir schicken. Zum Glück fährt aber der gute Freund M. gleich mit mir einkaufen. Ich weiß schon, was ich mir in den Einkaufswagen häufen werde: Himbeerbollos. Viele. Da, wo ich war, herrschte Bollodürre. Trotzdem fahre ich wieder hin, sobald es geht, denn die Nusstörtchen da… Ich gebe zu, das ist nicht der einzige Grund.

Zum Zurückkommen gab’s aber auch Grund. Der M. hatte Geburtstag, den wievielten verrate ich nicht. Aber er hatte es sich in den Kopf gesetzt, den Grill anzuwerfen. Hat es eigentlich irgendwo nicht geregnet am Samstag? Da waren wir jedenfalls nicht, sondern in Hannover. Ich kam vom Bahnhof (übrigens auch diesmal: keinen Grund zum Meckern über die Bahn gehabt, außer, dass der Mann neben mir Käsemauken hatte, aber darüber…), fuhr mit der Bahn bis Linden,  – wurde nass.

Schmiss zuhause den Inhalt des Koffers in den Wäschekorb, zog mich schnell um, fuhr mit dem Fahrrad zur Party, – wurde nass.

Setzte mich dort an den Ofen, trocknete, tratschte mit Freundin M. und Freundin S., freute mich, den guten C. mal wieder zu sehen, während sein kleiner Hund vom jüngsten Partygast (Matilda, 1 Jahr 4 Monate) um Tische und Bänke gejagt wurde. Freund M. kann jetzt die nächsten Wochen damit zubringen, zu lesen, dabei „White Stripes“ zu hören, zu rauchen wie ein Schlot, und dazu Honig zu schlecken, weil er eigentlich alles doppelt und dreifach geschenkt bekommen hat. Gut, dass er noch Urlaub hat. Ich versuchte, eine Forelle im Halbdunkeln zu grillen, zu essen und auch bei mir zu behalten, als plötzlich am Tisch über Aggregatzustände verschiedener Lebensmittel gesprochen wurde. B. trank aus Versehen (war dunkel) alkoholfreies Bier und wurde trotzdem so lange betrunken, bis wir ihn aufklärten. Da ich Hannöversches Bier bevorzuge, kann mir das nicht passieren, denn das erkenne ich auch im Dunkeln an der Flaschenform. Deswegen war ich auch um elf schön angeschusselt und müde, verabschiedete mich, fuhr nach Hause, – und wurde nass.

Gestern war ich dann auch nur mal kurz draußen. Zum Brötchen holen.

"Entschuldigung? Gleis 16?"

Verreisung ist ein dolles Ding.
Besonders, wenn man am Tag zuvor irgendwas ganz Verkehrtes gegessen hat und die Verreisung mit’m Zug vornimmt, der mal eben vier Stunden durch die Pampa gökelt, Um-
steigen nicht mal inbegriffen. Eigentlich ist damit schon fast alles erzählt. Es ist nicht schön, im Zug zu sitzen und alle fünf Meter zu denken: Ich will nicht in das schlimme Kabuff da müssen! Mir schräg gegenüber sitzt ein junger Mann, der immer besorgter herüberschaut. Ich versuche, beruhigend zurück zu schauen. Hinter mir sitzt Einer mit lautem Rasierwasser, davon wird mir auch nicht besser.

Beim Umsteigen stelle ich fest, dass auf diesem Bahnhof Gleis 11 und Gleis 16 an einem Bahnsteig liegen. Gut, dass ich nicht Harry Potter lese, sonst würde ich glauben, ich müsste gegen die Pfeiler rennen. Ich bin aber nur beim Aussteigen aus Gleis 11 sofort ohne zu gucken die Treppe runter gehechtet, um dann in der Halle zu sehen, dass ich direkt wieder hoch muss, wenn ich von Gleis 16 weiterfahren will. Auch gut, dass ich nicht von Gleis 13 weiter fahren muss! Das liegt dann vielleicht neben Gleis 7, oder sogar in einem anderen Bahnhof. Womöglich in einer anderen Stadt.

Während ich also auf dem richtigen Bahnsteig warte und versuche, beruhigend auf meinen Magen einzudenken, stelzt ein Mann um mich herum. Er ist groß und trainiert. Außerdem ist er sich sicher, dass er ungeheuer attraktiv ist und wartet nun auf den Moment, in dem ich das auch merke. Ich lächle ihn auch strahlend an, aber das liegt nur daran, dass er einen großen Brötchenkrümel neben dem Mund kleben hat. Ich könnte fragen: „Was war denn drauf?“ und mir dann Verwirrung angucken. Aber ich will jetzt sowieso nicht ans Essen denken. Nachher sagt er: „Wurstsalat!“ oder so was.

Als ich es mir im Anschlusszug so gemütlich wie möglich gemacht habe, befinde ich mich schräg einer Vierer-Sitzgruppe gegenüber. Dort zieht ein völlig übermüdet wirkender junger Dynamo-Dresden-Fan ein, hängt sich in den Sitz, wohl um zu schlafen. Alles still. Ich krame meine Zeitung raus und beginne zu lesen, als der Kontrolleur kommt. Der Dresden-Fan lümmelt sich herum und quetscht sich ein „wissema… die faahkadde hamodda …wie?“ raus. Jetzt merke ich: Der Typ ist total besoffen und heiser und braucht eine Generalüberholung!

Kaum ist wieder Ruhe im Waggon eingekehrt, halten wir und es steigen vier junge Türken zu. Ein Mädchen, drei Jungs. Das Mädchen setzt sich mit zwei der Jungs zu dem armen Fußballfan, der dafür seine Beine wieder umbauen muss, der dritte Junge hockt sich gegenüber hin. Sofort ist richtig Ramenter in der Bude. Das Mädchen sendet auf einer unglaublichen Frequenz, die Flimmerhärchen in meinen Ohren knistern nur so. Sie hat jede Menge Neuigkeiten zu erzählen, zu allem eine Meinung. Die Jungs antworten ruhiger, aber auch alle gleichzeitig. Ich verstehe nur jeden zweiten Satz, der Rest ist wahrschein-
lich türkisch. Ich bewundere das immer wieder, wie man zwei Sprachen gleichzeitig sprechen kann. Dazu hat jeder von ihnen mindestens zwei Handys, die auch alle piepen und fiepen, in Mörderlautstärke. An Zeitunglesen ist kaum mehr zu denken. Der Dresden-
Fan fällt in Duldungsstarre. Ich versuche das Kreuzworträtsel.

„Da! Alles voll mit Arbeit, ey!“ schreit das Mädchen. Hat sie sich bekleckert? Mit Arbeit? „Das ist alles voller Arbeit!“ Ich schiele rüber. Ach so, sie zeigt Handyfotos ihrer Kollegen herum. Wir erfahren jetzt genau, wer was wann zu wem gesagt hat, und ob das eine Unverschämtheit war oder so. Außerdem will sie immerzu wissen, „was geht!?!“ Die anderen wissen es aber jetzt auch nicht so genau.

Nach einer Stunde steigen sie wieder aus, der Dresden-Fan erhebt sich ebenfalls und sieht jetzt noch viel schlimmer aus als vorhin. Hoffentlich schafft er’s bis nach Hause!
Und ich? Bin vergnügt, denn ich bin auch bald am Ziel und habe inzwischen tatsächlich völlig vergessen, dass mir schlecht ist.

Evakuierung

Gerade gestern habe ich’s wieder im Fernseher gehört: Angeblich mussten auf den Kanaren wegen der Waldbrände Anwohner und Touristen evakuiert werden. Die Brände sahen wirklich schlimm aus, und mir blutete das Herz, denn ich war schon zweimal auf den Kanaren und fand es da z. T. beeindruckend schön. Dennoch fällt es mir schwer, zu glauben, dass dort Menschen evakuiert werden mussten. Zumindest hoffe ich das sehr für die gebeutelten Leutchen da. Evakuiert werden nämlich normalerweise Gebiete oder meinetwegen Gebäude. Das Wort kommt wohl ursprünglich von „Ausleeren“, ja sogar „ein Vakuum schaffen“. Ich möchte jedenfalls nicht gern von Sicherheitskräften ausgeleert werden, und wenn es noch so brennt. Vor allem meine Organe behalte ich lieber selbst.

verreistZum Glück verreise ich für ein paar Tage, bevor hier jemand auf komische Ideen kommt. Vielleicht wird meine Wohnung dann etwas evakuiert wirken, aber ich werde mich hoffentlich dennoch sehr unausgeleert fühlen, wenn ich Ende nächster Woche wieder zurück-
komme.
Mal sehen, vielleicht schaffe ich es sogar, von unterwegs mal ein paar meiner Eindrücke aus meinem Gedächtnis zu evakuieren und in den Blog einzufüllen…

Reisen, aber nicht wackeln.

Ich weiß gar nicht, was die Leute immer mit der Bahn haben! Bei mir hat bisher noch immer alles prima funktioniert. Ehrlich.
O.k., ich nehme nicht so oft den Zug, aber wenn, dann hat noch immer alles geklappt. Und nun hatte ich mir am Montagabend online eine Bahncard bestellt und tatsächlich durfte ich mir gestern eine vorläufige Version abholen. Das war auch wichtig, denn ich will am Samstag für ein paar Tage verreisen und wollte mir noch rechtzeitig so Sparfahrkarten kaufen. Natürlich will ich nicht nur am Samstag für mehrere Tage verreisen, sondern ab Samstag. Das andere geht ja gar nicht. Es sei denn, man ist in der Lage, am Raum-Zeit-Kontinuum herumzubiegen. Bin ich aber nicht.

Im Ticketcenter (Fahrkartenschalterhalle) war ordentlich was los, und die ordentlich los Seienden hingen in Labyrinth-Formation in den Absperrseilen. Bis ich das überblickt hatte, stand ich natürlich erstmal in der falschen Schlange. (Falsche Schlange, Du! Warum sachsten nix! Blöde Kuh!) Aber meine Laune war prächtig und da war auch noch eine Umstellung drin. In der anderen, noch viel längeren Schlange, lagen wohl einige Nerven blank. Wann immer jemand, der als nächstes „dran“ sein sollte, mehr als zwei Sekunden brauchte, einen freien Schalter zu bemerken, wurde von hinten losgeblökt: „Ey! Geht’s da mal weiter!“ und „Hallo! Hallloooo!!! Da ist fra-hei!“ Und immer noch hatte ich gute Laune.

Als ich dann dran war, traf ich auf eine supergut gelaunte Schalterdame, die mir vorzügliche Fahrkarten verkaufte für einen prima Preis und mir dabei mehrfach „Ein schönes Wochenende, dann!“ wünschte. Ich bin da sowieso ganz zuversichtlich, aber nun auch, dass es bestimmt nicht am Zugfahren scheitern wird, obwohl ich unterwegs sogar umsteigen muss und so. Wahrscheinlich mache ich das, wenn der Zug hält.

Und nun sitze ich hier, freue mich auf die Reise und höre nebenbei wieder mal die „Frühschicht“ auf Radio Unerhört Marburg. Nebenbei deswegen, weil ich hauptsächlich immer wieder unter meinem Schreibtisch herum krieche. Der Tisch ist selbst gebaut und besteht aus einer schönen Birkensperrholzplatte mit selbst abgerundeten Ecken und vier Beinen, die eigentlich als Treppengeländerdingse gedacht waren. Weiß nicht, wie die heißen, aber sie sind so gedrechselt, und ich habe sie weiß lackiert und mittels abenteuerlicher Konstruktion unter die Platte geschraubt. Man darf halt nicht zu genau drunter gucken. Da der Tisch L-förmig von Regalen umgeben ist, hält das auch ganz gut. Nur so zweimal in Jahr muss ich die Beinchen wieder ausrichten. Keine Ahnung, wieso sie sich immer wegbewegen wollen. Das Ausrichten ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die mit Bedacht erledigt sein will, wenn mir die Tischplatte mit dem schweren Monitor drauf nicht auf den Rücken rauschen soll. Hoffentlich sagt HiKE im Radio jetzt gerade nix lustiges. Wenn es also gleich furchtbar laut klötert und ramentert, dann…

Nein, es ist alles gut gegangen. Es lief Musik. Nun ist alles wieder arretiert und ich kann in Ruhe weiter zuhören und meinen Tee trinken…