Klug, der Mann!

Eben ist der gute M. mit mir einkaufen gefahren. Das machen wir so einmal in der Woche, da fahren wir mit’m Auto zu einem Superladen, der nicht so überfüllt ist. Also, er fährt sowieso und weil wir ja so nahe beieinander wohnen, mich nimmt er dann oft mit. Jedenfalls ist da auch so ein Billig-Schuhheimer nebenan. Und da blieben wir hängen und ich guckte nach Puschen, weil ich immer so frostige Hacken habe, wenn ich hier vor der Kiste sitz’. Socken allein helfen nämlich nicht. Am liebsten hätte ich so Hüttenschuhe.

Also stand ich da, drehte und wendete die verschiedenen Sorten Hausschuhe in den Händen, überlegte hin und her und konnte mich doch nicht entscheiden. Die waren alle aus Polyester, aber sonst sahen sie ganz gemütlich aus und waren auch gar nicht schlimm für die Augen. Das ist ja selten.

Doch irgendwann seufzte ich, lege die Schlappen weg und sagte: „Wenn im Zweifel, tue es nicht sagt Konfusius“

Darauf M.: „Na, wenn einer schon was mit Fus(s) heißt, sollte man meinen, dass er davon Ahnung hat!“

Das Teil!

Es ist schon ganz schön lange her, vielleicht so 20 Jahre fast, da wurde ich freundlicher-
weise mal ein Weilchen von Freund P. beherbergt. Er hatte eine sehr kleine Ein-Zimmer-
Wohnung mit Kochnische im Flur und Dachschräge überall da, wo man eigentlich lieber hätte stehen können wollen. Ich schätze mal, alles zusammen hatte so vielleicht 25 m². Um mich für’s Beherbergtwerden zu bedanken, kochte ich ganz gerne mal was für uns. So auch an dem Abend.

Zur Vorbereitung hatten wir aber so getrocknete Sachen geraucht (damals fand ich das eine Zeitlang richtig gut), und dazu noch Rosé getrunken („Rosé d’ Anjou“, immer!). P. war ganz versunken in irgendeine Müsike, lag auf seinem Bettsofa und guckte sich intensiv das Plattencover Millimeter für Millimeter an. Ich stand vor dem Winzherd, wo es zischte und brodelte, denn ich hatte uns zwei Schnitzel in die Pfanne geschmissen. Ich musste mich sehr konzentrieren. Nun waren aber die Schnitzel so weit, dass sie hätten umge-
dreht werden müssen. Ich konnte die aber nicht umdrehen, weil mir das Werkzeug fehlte.

Ich: „P.? Wo isn der…?“

P: “…“

Ich: „P.?! Der… öh… Du?“

P: “Hm?“

 

*brutzel*

 

Ich: „Der, der, …manno! … Der. Wo isn der???“

P: “Hm?“

Ich: „Dasder, …wo… der IS!“

P: “… … …“

Ich: „Mann! Sonst brennt das an…! Sag’ mal, jetze!“

P: „Hmmm…?“

Ich: „Derderder… Der is’ hier nich’… schnell!“

P: „…“

Ich: „Na, dieser… wo… das Ding. Dieses. Wech is der… Au Mann!“

 

Schublade zum fünften Mal auf, halbherziges Herumkramen. Aus der Pfanne scheint das Gebrutzel immer lauter zu werden…

 

Ich: „P.!!!!“

P: „Hä?“

Ich: „Das Teil!“

*BRUTZEL!!!*

 

P: „Teil…???“

Ich (langsam panisch): „Wo. Iss. Das. Tei-ell…!!!“

P: „Teil…???“


Ich (stürze ins Nebenzimmer): „Ja! Das Teil! Der. Der. Das Ding! Der. Der! Der!! Wie heißt das!?!?  Das. Der. Dieses…     Der. Derder… (luftanhalt) – BRATSPACHTEL!!!

Kurzes erstauntes Schweigen.
Dann eruptives, langes Riesen-Etappengelächter. Seitdem heißt das Ding so.

Wie ich Samstag dreimal nass wurde

Zurück zuhause. Im Briefkasten war lauter gute und sogar tolle Post, das ist auch selten. Dafür ist der Kühlschrank leer bis auf eine Tube Tomatenmark, ein Glas Tahina und eine schöne Pulle Schokolikör. Wer dafür ein Rezept hat, darf’s mir schicken. Zum Glück fährt aber der gute Freund M. gleich mit mir einkaufen. Ich weiß schon, was ich mir in den Einkaufswagen häufen werde: Himbeerbollos. Viele. Da, wo ich war, herrschte Bollodürre. Trotzdem fahre ich wieder hin, sobald es geht, denn die Nusstörtchen da… Ich gebe zu, das ist nicht der einzige Grund.

Zum Zurückkommen gab’s aber auch Grund. Der M. hatte Geburtstag, den wievielten verrate ich nicht. Aber er hatte es sich in den Kopf gesetzt, den Grill anzuwerfen. Hat es eigentlich irgendwo nicht geregnet am Samstag? Da waren wir jedenfalls nicht, sondern in Hannover. Ich kam vom Bahnhof (übrigens auch diesmal: keinen Grund zum Meckern über die Bahn gehabt, außer, dass der Mann neben mir Käsemauken hatte, aber darüber…), fuhr mit der Bahn bis Linden,  – wurde nass.

Schmiss zuhause den Inhalt des Koffers in den Wäschekorb, zog mich schnell um, fuhr mit dem Fahrrad zur Party, – wurde nass.

Setzte mich dort an den Ofen, trocknete, tratschte mit Freundin M. und Freundin S., freute mich, den guten C. mal wieder zu sehen, während sein kleiner Hund vom jüngsten Partygast (Matilda, 1 Jahr 4 Monate) um Tische und Bänke gejagt wurde. Freund M. kann jetzt die nächsten Wochen damit zubringen, zu lesen, dabei „White Stripes“ zu hören, zu rauchen wie ein Schlot, und dazu Honig zu schlecken, weil er eigentlich alles doppelt und dreifach geschenkt bekommen hat. Gut, dass er noch Urlaub hat. Ich versuchte, eine Forelle im Halbdunkeln zu grillen, zu essen und auch bei mir zu behalten, als plötzlich am Tisch über Aggregatzustände verschiedener Lebensmittel gesprochen wurde. B. trank aus Versehen (war dunkel) alkoholfreies Bier und wurde trotzdem so lange betrunken, bis wir ihn aufklärten. Da ich Hannöversches Bier bevorzuge, kann mir das nicht passieren, denn das erkenne ich auch im Dunkeln an der Flaschenform. Deswegen war ich auch um elf schön angeschusselt und müde, verabschiedete mich, fuhr nach Hause, – und wurde nass.

Gestern war ich dann auch nur mal kurz draußen. Zum Brötchen holen.

Brötchen (Morgendialog)

„Ich hab’ Brötchen geholt!“

„Schön. Haste Brötchen auch mitgebracht?“

„Nein, ich hab‘ jetzt nur Brötchen. Ich dachte, das wäre eventuell eine gute Idee.“

„Aber wenn Du ohnehin losgehst, dann hättest Du doch gleich noch Brötchen mitbringen können!“

„Brötchen? Wieso? Wolltest Du denn welche?“

„Ja, Du wolltest doch welche holen!“

„Naja, ich war in diesem Laden, dieser Bäckerei, eigentlich um Brötchen zu holen. Und da hab’ ich gedacht: Wenn du schon hier bist, kannste ja gleich auch noch Brötchen mitbringen.“

„Tolle Idee! Und? Hatten sie welche? Brötchen, mein’ ich.“

„Ja, hab’ ich gleich mal welche mitgebracht. Die werden Dir sicher gefallen, schau mal. Aus der Bäckerei.“

„Ach. Das ist ja irre! Da in der Brötchentüte? Guck‘ ich gleich mal. Aber  sag‘ mal, wenn Du in der Bäckerei warst, dann hättest Du ja sogar Brötchen mitbringen können! Oder haben sie keine gehabt? Hast Du denn gefragt?“

„Ja, ich habe schon daran gedacht, dort mal danach zu fragen. Aber dann habe ich doch lieber ein paar Brötchen mitgebracht.“

„Echt? Brötchen? Wenn ich ehrlich bin, wollte ich doch aber lieber ein paar einfache Brötchen haben! Da hatte ich mich so drauf gefreut. Naja, wird schon gehen…“

„Naja, ich ging halt so auf die Bäckerei zu, dachte: ach, holste mal so Brötchen. Deswegen war ich ja überhaupt auch erst losgegangen, weißt Du? Und als ich so im Laden stand, und die ganzen Brötchen sah, habe ich völlig vergessen, nach Brötchen zu fragen. Dann hab’ ich einfach Brötchen gekauft, ohne groß drüber nach zu denken.“

„Aha. Du! Brötchen! Mensch! Das sollten wir denen überhaupt mal vorschlagen da, dass sie auch Brötchen verkaufen. Das ist doch die Geschäftsidee! Die werden uns dankbar sein.“

„Genau! Gleich morgen gehen wir da mal vorbei und fragen, ob sie sich das vorstellen könnten, auch Brötchen zu verkaufen. Ich mein’, das würde ja auch total gut ins Sortiment passen da. Zu den Brötchen und so. Ist doch auch Gebäck.“

„Die werden vielleicht erst mal skeptisch gucken, aber wenn sie den Gedanken mal zulassen und es einfach mal ausprobieren… Bestimmt gibt’s auch noch andere Leute, die sowas kaufen würden. Zum Frühstück oder so. Vielleicht sogar belegte. Das ist doch was für alle Tage!“

„Und wenn der Rubel dann erstmal rollt, werden sie uns noch dankbar für die Anregung sein. Schade, dass wir jetzt gar keine Brötchen haben. Das wäre jetzt schön, oder?“

„Aber wir können ja stattdessen die Brötchen essen, die Du mitgebracht hast. Da kann ich jetzt irgendwie auch total drauf. Die sehen aber lecker aus!“

„Da bin ich aber froh. Ich dachte schon, ich muss noch mal los…“