Herr K.

K. gesehen. Wir fuhren beide auf Rädern auf dieselbe Kreuzung zu, in entgegen gesetzter Richtung. Ich sah ihn schon von weitem, bog dann noch schnell vor der Kreuzung ab. Keine Ahnung, ob er mich gesehen hat.
Es gibt zwei Menschen, die ich nicht treffen will.
K. der eine, meine Mutter die andere (aber dit is ne anre Jeschischte…).

Jedenfalls: spontan wich mir vorübergehend sämtliche Kraft aus dem Körper. Gleichzeitig fühlte ich mich total kindisch. Das Treffen irgendwann ist ohnehin unvermeidbar. Er arbeitet nur zwei Straßen von meiner Wohnung entfernt, besucht gerne dieselben Clubs und Veranstaltungen wie ich.
Trotzdem schaffe ich es schon 4 Monate, ihm aus dem Weg zu gehen. Ich weiß, dass er gern mit mir sprechen würde über das, was im Januar passiert ist. Aber ich kann nicht. Und wozu auch? Ich habe ihm doch alles schon vorher so oft erklärt. Er ist immer voller Verständnis, ohne was zu verstehen. Dabei gibt es gar nicht mal so viel zu verstehen. Es wäre schon schön, wenn er so handeln würde wie er spricht.
Ich bin aber immer noch jedes Mal erstaunt, dass es nicht so ist. Und dass er das nicht merkt. Und jetzt will ich nicht mehr.
Mein Wunsch ist, dass er wieder aus Hannover wegzieht. Vor einiger Zeit sprach er öfter darüber. Aber jetzt hat er natürlich einen guten Grund, hier zu bleiben. Der Grund heißt F. Mein Vorname fängt anders an.

Als eben das Telefon klingelte, ging ich nicht gleich dran. Dachte: Womöglich isser das, weil er mich vorhin doch gesehen hat…
War aber meine Freundin T.
Was Besseres konnte mir jetzt gar nicht passieren.

Verleser

Das passiert mir dauernd, dass ich mich verlese.
Dabei kommen oft schöne neue Bedeutungen zum Vorschein. Gestern las ich was von „Östrogenland“, obwohl da eigentlich Ostgrönland stand. Und vor einigen Tagen freute sich Frau Merkel angeblich über „stinkende“ Arbeitslosenzahlen.
Einer meiner Lieblingsverleser ist aber schon ein Weilchen alt:
Ich war im Superladen, da traf ich auf ein Schild, auf dem stand:

Echte Göttin
Mettwurst

„Dufte!“ dachte ich, genau das was ich jetzt will! Aber da stand rechts was davor und als ich näher kam, hieß es dann natürlich:

Echte Göttinger
Mettwurst

Böh.

Manchmal muss ich mich aber auch gar nicht verlesen. Bei Plus gab’s echt mal „Kinderheimdecken“. Und auf einem Limonadekarton stand mal drauf gedruckt: „Wir machen ihren Durst erst schön!“ Da habe ich mir eine Flasche von der Limo gekauft und hatte dann zuhause den schönsten Durst meines Lebens…

Parallelwelt/Neulich im Sanitätshaus

Alles voll gestopft mit Schachteln und Tütchen, bis unter die Decke. Bin umgeben von „Tena Lady“, Pediküre-Zubehör und Angora-Hemdchen.
Alle 3 dort beschäftigten Personen (Mutter, Vater, Sohn) bewegen sich mit affenartiger Langsamkeit. Besonders der Sohn, der ungefähr 50 ist und eine Günther Netzer-Frisur trägt. Er sieht völlig verraucht aus. Alle sehen so aus, als wären sie seit 20 Jahren nicht mehr vor die Tür getreten, wo das Leben brummt.
Hinterm Tresen die Mutter, davor eine mollige Omi. Auf dem Tresen liegen ziemlich benutzte hautgräulichfarbene Kompressionsstrümpfe. Sie haben Laufmaschen und sollen repariert werden.

Das Telefon klingelt. Keiner der drei reagiert. Es klingelt lange.
Dann geht der Sohn unsicher darauf zu, als wäre es ein Päckchen mit unbekanntem Inhalt. Er hebt langsam den Hörer ab, sagt mit unsicherem Gesichtsausdruck ein langes: „Sssss…“, horcht gleichzeitig dabei, stellt fest, dass niemand mehr dran ist und legt genauso langsam wieder auf. Nicht auszudenken, wie lange es wohl gedauert hätte, bis er gesagt hätte: „Sanitätshaus Brandes + Gieseking; Gieseking Junior am Apparat…?“
Da hätte ich auch rechtzeitig aufgelegt, schon wegen der Telefonrechnung.

Anschließend hat das Telefon nie geklingelt.
Ich stehe nun schon seit 5 Minuten da und jetzt sieht er mich. Er fragt, was ich möchte. Ich sage, ich brauche so ein Teil, um meinen Sitzball aufzupumpen. Er sieht mich an, als hätte ich einen merkwürdigen Dialekt drauf. Sein Gesichtausdruck schwankt zwischen Misstrauen und Unverständnis. Ich erkläre genauer und kann zusehen, wie dabei der Groschen fällt, langsam fällt.
Er fängt an zu kramen, Schubladen aufzuziehen, verschwindet in Katakomben, findet nichts. Er will seine Mutter fragen: „Muddi, diese Kundin möchte so einen Aufsatz, um Petzi-Bälle aufzupumpen.“
Da quatscht die Kundin mit den Strümpfen wieder dazwischen und Muttern hat ihre kurze Aufmerksamkeitsphase überwunden, redet weiter mit der Strumpfoma. Sohn steht eingefroren daneben. Sekundenlang.

Dann dreht er sich zu mir. Ich bin noch da. Er erschreckt sich.
Ich kann jetzt auch nicht gehen. Ich will das hier zu Ende gucken.
Irgendwann schafft er es, Muddi abzuwerben. Sie sieht mich kurz an, geht zu einer der Schubladen, die ihr Sohn schon 2x durchgeguckt hat, greift ein Tütchen heraus, schnappt: „Kostet 1 Euro!“
Ich bezahle, gehe fröhlich grüßend hinaus und stelle fest, dass sie mir ein Ventil verkauft hat, das ich nicht wollte.

Auf jeden Fall!

Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass es seit einiger Zeit eine neue Standard-Antwort gibt, die auf alles zu passen scheint und deshalb grassiert?
Ich beobachte das seit ungefähr 2 Jahren. Wenn irgendwo in irgendeiner Fußgängerzone eine Befragung fürs Fernsehen veranstaltet wird, antwortet jeder Zweite erstmal: „Auf jeden Fall!“ Egal, auf was.

Woher kam das plötzlich?
Ist das so wie bei manchen Fußballern, die gerne erst mal sagen: „Ich sach mal so: …“
Damit verschaffen sie sie sich 3 Sekunden Zeit zum Überlegen, was sie denn dann „mal so“ sagen werden.

Vielleicht nicht so wichtig, wo das herkommt. Das soll aber bitte wieder aufhören!!! Im Freundeskreis gibt es schon die ersten Opfer, die das in den Sprachgebrauch integriert haben, ohne es zu merken. Gutmütige Klapse helfen nicht.

Ganz schlimm finde ich die Kurzversion: „Auf jeden!“

Was soll das bloß?
Und müsste das nicht außerdem heißen: „In jedem Fall?“

Hm.

Guten Morgen

Heute morgen aufgewacht und gedacht: Heute machste mal endlich einen blog auf!
Hab‘ mich aber erstmal auf allen möglichen Webseiten rumgedrückt, die gar nix damit zu haben. Aber jetze! Bisher habe ich nur eine grobe Ahnung, wie das alles hier so funktio-
niert, aber Andere werden auch mal klein angefangen haben…

Also hier bin ich nun. Eigentlich geht’s mir zurzeit ganz gut, obwohl ich in diesem Jahr zum 1. mal Heuschnupfen habe (das nervt natürlich). Normalerweise bin ich nämlich viel im Grünen unterwegs, und das stundenlang bei jedem Wetter. Nun traue ich mich nicht so richtig raus und vermisse das Bäumerauschen, Vogelpiepen und sonstige bunte Ge-
schwurbel. Da hat man schon mal einem so sommerlichen Frühling und wünscht sich Regen! Wie man’s macht…

Aber die Laune ist jetzt trotzdem gut.
Im Gegensatz zu der im vergangenen Winter. Da hing ich eigentlich nur durch. Allerdings hatte ich so einiges, das mich schwer beschäftigte. Große, dicke Themen: Liebesleid, schrumpfenden Freundeskreis + Wasmachichhiereigentlich?

Gemacht habe ich dann: zuviel Fernsehen, rauskriegen welche die leckerste Schokolade ist, Tapeteanglotzen, Führerschein (mehr so aus Versehen, wurde ja auch mal Zeit), Aus-
sage verweigern und zuviel Grübeln.

Aber mit aufgehender Sonne wird immer alles viel besser bis gut. Und ein gutes Gespräch im März hat mir dann noch ein paar dicke Steine aus dem gefühlten Rucksack genom-
men. (Doch dazu vielleicht ein andermal mehr)

Jetzt also: allet dufte!

Zum Abschluss für heute noch ein Erlebnis der vorletzten Woche: Industrie-Messe in Hannover. Ich habe ein Zimmer vermietet an eine nette Messegästin aus Chemnitz, die nicht nur sehr leise sprach sondern auch sehr gesächselt hat (ich finde das eigentlich ganz sympathisch, also bitte nicht falsch verstehen!).

Als ich sie eines Morgens fragte: „Na, wo wart ihr denn gestern noch?“,
antwortete sie: „Tscheckse ribböhr!“
Ich: „Wo?!?“
Sie: „Tscheckse ribböhr! Des wohr dödahl gühd!“

Zum Glück hat’s bei mir noch rechtzeitig geklickert: „Jack the Ripper“ ist so ein Laden hier in der Innenstadt. Offensichtlich hatte es ihr da ganz gut gefallen.