Jetzt ist Frühling. Basta.

Ihr lieben Kastanienbeweger,

kann es eventuell sein, dass diese Zeilen ein kleines bisschen krumm sind? Ich habe nämlich einen kleinen Schwips, weil ich den Sekt eben ganz schön fix heruntergestürzt habe. Weil’s ja doch überrraschend frisch war, das war nicht so ganz vorgesehen, geb‘ ich ja zu. – Hat’s bei Euch gestern auch noch mal geschneit? Ich dachte ja schon, ich guck‘ nicht richtig! Also, in Hannover hätte ich das ja halbwegs normal gefunden, da ist man Winterwetter eher gewöhnt. aber im Ruhrgebiet schneit es eigentlich selten (und wenn, dann auch nicht viel). Jedenfalls im Vergleich. Aber wenn, dann rasten alle aus und steigen sofort in ihre Autos und Bahnen, um noch schnell nach Hause zu kommen, bevor der ganze Fahrbetrieb zusammenbricht. Das ist für mich als Zugewanderte ganz amüsant zu begucken. Letztes Jahr z.B. ist das ganze Kollegium mal zwei Stunden früher in den Feierabend gegangen, weil es wahnsinnige 7-8 cm Neuschnee gab, der sich natürlich sofort in Matsch verwandelt hat. Alle redeten aufgeregt durcheinander, zeigten aus dem Fenster, hatten Angst, nie mehr nach Hause zu kommen, und prompt gab’s Riesenstaus überall und so. Ich bin dann übrigens einfach mit’m Fahrrad nach Hause… (Hier ein kleines Grinsen einfügen.)

Gehen wir jedenfalls mal frech davon aus, dass das momentan hoffentlich nur ein letztes Aufbäumen des Winters ist, ne? Schließlich haben wir heute um 12:00 Uhr den Frühling gemacht! Und zwar unumstößlich. Finde ich. Beschlossene Sache und so. Reicht jetzt ja auch mit kalt, dunkel, nass und zugig. Gegen Mittag stapfen der Liebste und ich denn auch durch’s Wäldchen auf dem Duisburger Kaiserberg, mit Sektgläsern, Piccolo und Kastanien im Gepäck. (In diesem Wäldchen haben wir übrigens im vergangenen Sommer reichlich Beute an dicken, saftigen Brombeeren gemacht, aus denen ich direkt ein knappes Dutzend Gläser leckersten Gelees gebraut habe, das uns regelmäßig Frühstücke und Pfannkuchenschlachten versüßt. Oder heißt es „verfruchtet“?)


Der Beweis: Die Natur hat nicht etwa vergessen, wie’s geht und möchte demnächst mal expodieren.


Diesjährige Abwurfschanze auf dem Kaiserberg.


Alles parat. Nur der Liebste dreht noch eine Runde um die Wiese, damit die Füße weiterhin durchblutet werden. Deshalb erstmal nur eine Kastanie im Bild. Aaaber:


…da kommt die zweite dazu! Jetzt sind es nur noch wenige Minuten bis zum Startschuss.

Um kurz vor zwölf werden wir ganz still und die lieben Wintertaschenbegleitbollen noch einmal liebevoll betrachtet, bestreichelt, glatt gerieben und mit stillem/gemurmelten Dank für die letzten Monate bedacht. Unsere Kastanien sind ja diesmal aus Veere/Zeeland und bekommen daher zusätzlich ein inniges „Dank u well“ zugehaucht. Und dann ist es schon 12:00 Uhr, es gibt einen ordentlich kräftigen Schwung und sie verlassen uns in die Freiheit. Hurra! Frühling! Darauf einen dicken Schluck Sekt, natürlich nicht, ohne vorher in alle Himmelsrichtungen allen anderen Werfern zuzuprosten. Und dann halt gleich noch einen, wir wollen ja schnell wieder ins Warme.

Schwupps, sind die Gläser halbleer, der Winter aus und wir ganz herzgewärmt in dem Wissen, dass da jetzt an vielen Orten Kastanien geflogen sind und Ihr auch alle gerade so dasteht und Euch auf den Frühling freut. Mit dem letzten Schluck im Glas trotten wir schon den Weg zum Auto herab, denn zuhause warten heißer Tee und Bloggerät. – Frühling? Kannst kommen. Wir sind dann nämlich soweit.

Wie war’s denn bei Euch?

Bunt sprießende Grüße
Eure Theo

 

Eure Wurfberichte:

 

10 thoughts on “Jetzt ist Frühling. Basta.

  1. Pingback: Der große Wurf – Das letzte Einhirn

    • Während ich deinen Kommentar lese, kommt mich der erste Sonnenstrahl heute in meinem Korbsessel besuchen! Ham’wer wohl ganz gut gemacht, ne? :-*

  2. „In Hamburch sacht man tschüss…“ du liebe Winterbegleitungsbolle! Bei Eiseskälte und -wind heute zwar, aber auch bei herrlichstem Sonnenschein am Alsterlauf! Nun kann der Frühling ganz bald sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lassen…!

    • Danke für dein schnuckeliges Filmchen, meine Liebe!
      Hier in Duisburg gab’s noch den ganzen Vormittag fiese Graupelschauer, aber kaum hatten wir die Bolle geworfen und waren wieder zuhause, kam direkt Frau Sonne raus zum Winken! Also: alles richtig gemacht. „Frühling, ja du bist’s! Dich hab‘ ich vernommen.“ 😉

      Wärmelnde Grüße (bitte auch unbedingt an den frisch Angeringelten!)
      Eure Theodanni

      • Danke du Liebe, und Gruß zurück! Ja, der frisch „Angeringelte“ drehte enthusiastisch das kleine Wurf-Video (und drängte auch alsbald kälteklappernd zum Auto zurück).

  3. Zauberhafte winterliche Momente

    Ja, also… in er Nähe von Hannover, wo ich wohne, hat es dann doch etwas mehr geschneit. Fleißig treibt der Wind damit seine Spiele und verzaubert mal eben ganze Landschaften. Aus braunen Äckern werden weiße Felder, aus grauem Asphalt glitzernde Oberflächen, aus Gräben fett gefüllte Schneereservoire.
    Die Sonne hat natürlich ihr Teil dazu beigetragen, sonst wäre es bestimmt nicht so zauberhaft gewesen (und noch viiieel kälter).
    Ich hatte nicht nur meine Kastanie bei mir sondern auch eine kecke Eichel, die mir im letzten Jahr als erstes vor die Füße gefallen war. Sie hat sich die gesamte Zeit über als sehr eigenwilliges Wesen bewiesen und sollte es auch noch weiterhin. So versteckte sie sich immer wieder in verschiedenen Taschen, so dass ich oft nicht wusste, wo sie denn nun schon wieder war. Und ich hätte sie bestimmt vergessen, wenn sie mich nicht gerufen hätte. Sie hatte sich in einer Fleecejacke verkrochen, die vorübergehend nicht mehr zu meinen Favoriten gehörte. Es war reiner Zufall – das Rufen der Eichel – , dass ich ausgerechnet diese Jacke unter meine Winterjacke ziehen wollte. Und was fand sich da, als ich in die Tasche fasste? Die kleine Eichel. Nun gesellte sie sich zu der Kastanie in der dicken Winterjacke und die beiden unterhielten sich leise miteinander.

    Auf der Suche nach einem schönen Plätzchen wies mir eine weiße Schneespur auf der Straße schon den Weg. Aha, hierhin sollte es also gehen, signalisierte es mir. Und der kleine Hain dahinter schien mir auch zu zurufen: „hierher“!
    Ich machte noch ein Abschiedsfoto von beiden und begab mich dann zum Hain. Auf dem Weg dorthin öffnete ich noch einmal die Hand, die trotz Handschuh schon gefühllos war. Die Eichel war verschwunden – sie hatte wohl den starken Wind genutzt, sich aus meiner Hand befreit und sich damit selbständig zu einem Plätzchen ihrer Wahl tragen lassen. Ich habe sie nicht mehr gesehen.
    Meine volle Konzentration galt nun der verbliebenen Kastanie. Sollte ich sie lieber direkt in den Hain werfen, zwischen all die anderen Bäume? Oder sollte ich sie ein wenig außerhalb platzieren, wo sie etwas mehr Platz hätte? Während ich mich noch mit dem Für und Wider der verschiedenen Plätze beschäftigte, sprang ein Feldhase aus dem Gebüsch, etwas außerhalb des Hains. Nun war doch klar, wo die Kastanie ihren neuen Aufenthaltsort finden würde. Ich hoffe, die beiden fühlen sich wohl und genießen den ab sofort kommenden Frühling.

    • Ach, liebe Freundin T.,
      erstmal besten Dank, dass du meinen Wintervergleich Duisburg/Hannover direkt mal bestätigst! Und dann auch noch ein Hasenfoto! Ich bin begeistert. Ich meine heute auch einen Hasen gesehen zu haben, der aber nur so dasaß. Die kleine Eichel hat bestimmt gedacht: „Naja, ist ja ’ne Kastanienbewegung und nix mit Eicheln, da mach‘ ich mich mal selbstständig.“

      Wie auch immer: jetzt wird es hoffentlich immer ein bisschen wärmer und bunter draußen. Toll, dass du auch wieder dabei warst!

      Ferndrückung
      Deine Theodanni

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