Tut mir leid!

Also, der Mann. Mir tut der irgendwie leid. Schon seit Tagen. Man muss sich ja bloß mal die ganze Abstrampel-Geschichte angucken: Erst dauert es Dekaden, bis er endlich Minipräsident werden kann (und es klappt auch erst, als der Schröder sich von hier aus auf Bundesebene verzieht und eine Lücke hinterlässt, die für ihn schmal genug ist), dann kriegt er den Absprung zur Bundespolitik nicht so richtig, obwohl Muddi ihn überall anpreist wie Sauerbier, dann wird er sogar überraschend, aber ungeliebt Bundespräsident im zweiten Anlauf… – Und noch immer zeigt niemand den Respekt, den er sich so wünscht! Die verstehen ihn alle einfach nicht!

Ganz im Gegenteil. Bei erster Gelegenheit stolpert er zur Hintertür schon wieder raus, kaum, dass er vorne reingeeiert war. War alles ein Nümmerchen zu groß. Und eben ist das passiert, da kübelt seine Tätowierte noch ein Eimerchen Doofdreck hinterher, indem sie Eheprobleme auf ewig zwischen Buchdeckeln festhält und u.a. alle wissen lässt, was völlig offensichtlich ist. Nämlich, dass der Mann keine „Ecken und Kanten“ habe. Soso. Nuja. Und deswegen lässt sie ihn nun mit seiner neuen Brille allein. Ich find ja sowieso, die steht ihm viel besser als die Frau.

Bisher hatte ich ja für Herrn Wulff kein einziges freundliches Wort übrig, fand immer schon ihn lächerlich-schwiegersohnig-farblos, und gewählt habe ihn selbstverständlich auch nie, diesen quakenden Polokragen, den. Möcht‘ auch gar nichts Genaueres wissen über niedersächsische Verfilzungen und so, da wird’s schon genug schwache Momente gegeben haben. Die kommen dann ja demnächst alle noch zum Vorschein, nehme ich an.

Aber was er jetzt so alles an Rundum-Häme über berufliches und privates Versagen einstecken muss, das gönne ich Keinem. Gab’s nicht mal so was wie Boxerehre?: Einen, der schon am Boden liegt, den tritt man nicht? Ich find das irgendwie alles ein bisschen zu viel. Und deshalb ist jetzt was eingetreten, was ich nie-im-Leben! gedacht hätte: Wenn ich den Mann im Fernseher seh‘, dann denke ich tatsächlich: Lasst den doch in Ruhe, der kann donnich mehr…

22 thoughts on “Tut mir leid!

  1. Er tut mir nicht leid. Kein bißchen.
    Er hat viel gewollt, er hat sich viel genommen. Die Frage war, stand es ihm jemals zu, was hat er dafür gegeben.
    Er war Berufspolitiker und vieles, aber nicht dumm. Er hätte wissen können, wo das Risiko ist und welchen Preis er u.U. wird zahlen müssen.

    Das Ganze ist ja mittlerweile eine Tragödie von nachgerade shakespearschen Ausmaßen. So einen tiefen Fall hat man lange nicht beobachten dürfen. Und ich frage mich schon, ob nicht auch die Medien da ein Gutteil zu beigetragen haben.

    In diesem Zusammenhang allerdings finde ich auch, dass man ihn jetzt in Ruhe lassen sollte und das würde ich ihm tatsächlich auch wirklich gönnen. Auch, dass er irgendwann sowas wie einen inneren Frieden wiederfindet.

    • Ich glaub‘, er hat bloß all‘ die Jahre nicht verstanden, wieso die Leute ihn nicht endlich lieben oder wenigstens respektieren. Immer war er aber eine Nummer zu klein, das muss doch schrecklich sein! Natürlich gibt das Niemandem das Recht, krumme Wege zu gehen. Aber ich glaube auch, wenn politische Feinde und Medien was finden wollen, dann finden die auch! Wer da so doof ist und an Immunität glaubt…

      Ich wette, das Schwerste ist im Moment für ihn, in den Spiegel zu sehen, da möcht‘ ich nicht an seiner Stelle sein. Ich wünsch‘ ihm persönlich, dass er seine Geschichte mit sich selbst klar kriegt. Solange sie ihn so um’s Haus hetzen, wird datt aber nix.

      • Hm, naja, vielleicht kann er tatsächlich nicht in den Spiegel sehen, aber wohl kaum, weil er einsieht, tatsächlich Fehler begangen zu haben; garantiert sind die anderen schuld.

        Und mit dem, was Ihm an Lebensleistungrente verbleibt, kann man Depressionen hervorragend bei einem guten Psychater auskurieren und hat trotzdem noch genug zum wohlfeinen Leben übrig.

        • Ja, der Ehrensold… Da steht er ja ziemlich allein im Glauben, dass er sich den „verdient“ hat. Ich find‘ auch, da hat er sich verrannt, indem er auf’s Prinzip pocht. Vielleicht geht’s ihm dabei auch wirklich um die Anerkennung, dass er ihm zusteht, als um die Knete selbst. Letztlich kann man nur spekulieren…

          Mir kommt er jedenfalls wie ein angeschossenes Gnu vor, das ums Wasserloch gehetzt und ausgelacht wird. Im Vergleich zu so Löwen und Nashörnern wie weiland Schröder, Kohl, F.J. Strauß. An die hat sich nie jemand recht herangewagt, weil sie wohl trotz bekannter Mauscheleien ihre Machtstrukturen aufrecht halten konnten. Das hat der Wulff nie hinbekommen, deswegen steht er jetzt auch so gut wie allein da.

          Ich finde es auch gut und richtig, dass er für alles, was er sich ermogelt hat, gerade stehen muss. Unbedingt! Aber diese ganze persönlich eingefärbte Häme stößt mir langsam sauer auf. Denn da geht’s teilweise unter die Gürtellinie, und da traut man sich bei ihm mehr als bei anderen, so mein Eindruck.

          • Naja, es wird vielleicht verständlicher – also besonders die Häme – wenn man bedenkt, welche hohen Maßstäbe er als Oppositionsführer an alle anderen gelegt hat.

            Auf den öffentlichen Druck, den er damals mit seinen Kampagnen erzeugt hat hin, wurde sogar die Landesbeamtengesetze dergestallt geändert, das der Bestechungs-, Korruptions- und Vorteilsnahme im Amt-Begriff deutlich enger gefaßt wurde.

            Das Gesetz bewährte sich, bis Wulff ins Amt kam; mit als eine der ersten Amtshandlungen machte er alles wieder rückgängig.

            Er hat sich die tiefe Grube, in die er gefallen ist, selbst gegraben, zeigt ja nach wie vor kein Unrechtsbewußtsein, das verstärkt das.

            Und ja, natürlich kommt hinzu, das er kein „ganzer Kerl“ wie bspw. Strauß oder in dem Sinne Kohl ist; er hat nichts in der Hand gegen Seine Gegner und kann auch verbal nicht punkten.

            Aber Elitepartner soll Ihn wohl nehmen, weil er doch Nivea-Creme trägt :>>

            Bös, ich weiß 😉

          • Das stimmt ja auch alles, lieber Einhard. Und für solche Schachzüge und Mogeleien gehört er auch vor den Kadi gezogen, hab‘ ja nie was anderes gesagt. Ich mag ihn auch noch immer nicht leiden, davon mal ab.

            Aber ich finde, es wird auch kaum noch sachlich mit all dem umgegangen, sondern alle stürzen auf den „Kleenen“, zeigen lachend mit dem Finger drauf und ziehen ihn durch die Grütze, wo sie können. Auch und besonders auf persönlicher Ebene. Das finde ich eben nicht gut! Das ist ja bald wie früher bei den Römern, wo alle zum eigenen „Vergnügen“ den Daumen runter halten… 😉

  2. Es fällt mir schwer, besonders für einen so nachhaltig Unbeirrbaren, Mitgefühl in dieser Situation aufzubringen. Ganz offensichtlich holt ihn nun das ein, was er selbst als Mittel zum Zweck nützen wollte. Er hatte selbst gänzlich auf Privatsphäre verzichtet um möglichst werbewirksam in den Medien präsent zu sein. Und mit denen spielt man eben nicht.

    Politik ist ein dreckiges Geschäft, betrieben von selbstgerechten Gestalten. Von den Medien lässt sich ähnliches behaupten. Blender und ihr Reflektionsmedium treffen ungebremst aufeinander. Sowas kann zu harten Brüchen führen.

    • Sich mit den Medien anzulegen ist scheinbar weitaus gefährlicher, als auf politische Gegner loszugehen, das haben wir daraus gelernt. Und dass die dann die Muskeln spielen lassen, wo es geht, auch. Was mir nur irgendwie quer geht, ist, dass dann alle voller Schadenfreude nicken und meinen: „Der hat’s doch nicht besser verdient!“ Darf man einen Menschen dann wirklich einfach plattmachen? Oder gibt Einer den Status „Mensch“ (samt Würde) auf, wenn er in die Politik geht und deren Verlockungen und Vergünstigungen erliegt?

      Mir geht’s ja nicht wirklich um die Person Wulff, wie gesagt, sondern um die Art und Weise, wie da mit einem umgegangen wird. Irgendwas macht mir da Bauchweh.

  3. … irgendwie war das doch bei dem begnadetem Rhetoriker Stoiber ähnlich… ich musste damals schon an diesen „Ehrenkodex“ meiner Schulhöflinge denken: wenn Einer bei „Reiterspielen“ oder Kloppereien lag oder die Brille verloren hatte usw., wurde er in Ruhe gelassen…

    • Ich finde, er muss sich für das, was er sich an unlauteren Vorteilen verschafft hat, gerade stehen. Das wird ja hoffentlich noch untersucht und irgendwann geklärt…

      Aber der Mensch ist ja auch noch ein Mensch. Doch behandelt wird er wie eine „Figur“. Ob er sich davon irgendwann erholen kann, ist fraglich. Muss furchtbar sein.

      • die untersuchungen wurden ja aufgrund von mangelnden beweisen eingestellt.

        erholen wird er sich davon wohl wirklich nicht mehr. karriere kaputt – ehe kaputt. das steckt man nicht so leicht weg.

        guttenberg wurde ja auch zur zielscheibe gemacht für spott und hohn.

        da braucht man schon ein dickes fell …

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