Höflich!

Huch, Kinners, schon wieder ’ne Woche rum!

War doch eben erst Sonntag… Da hat doch wieder einer am Kalender rumgemacht! Na, immerhin, die Erkältung verzieht sich allmählich und bei der Arbeit wird’s auch langsam vertrauter. Aber viel Arbeit. Viel, viel…

Naja, gestern Abend, auf dem Weg in den Feierabend und mein wohlverdientes Wochen- ende, setze ich mich im Zug zu drei Frauen. Zweie sind figürlich ziemlich umfangreich, relativ jung, sitzen an den Fensterplätzen und gehören offensichtlich zusammen. Das kann man daran merken, dass die eine nach meinem Dazukommen laut und deutlich zur anderen sagt: „Manche fragen ja gar nicht erst!“

Scheinbar war es ziemlich unhöflich von mir, weder an dieser Vierersitzgruppe anzuklop- fen, noch, mich vorher telefonisch anzumelden oder wenigstens Blumen mitzubringen, bevor ich mich in einem öffentlichen Verkehrsmittel einfach auf einen freien Platz setze. Die dritte Dame allerdings lächelt mir fein zu, das beruhigt mich jetzt doch. Vielleicht bin ich also doch nicht unhöflich.

Die beiden Jungschen fangen nun an, über’s Essen zu reden, über so „überbackene Bröt- chen“, die „schweinelecker“ sind. Wie man diese Brötchen macht, erfahren wir auch gleich: man schneidet sie auf, schmiert eine Pampe aus Reibekäse, Sahne, Fertiggewürz und klein geschnittenem Kochschinken drauf und „schmeißt das Ganze einfach in den Ofen“. Während ich mir das lebhaft vorstelle, lernen wir noch: das geht natürlich auch mit Ananas („Hawaiibrötchen“), Thunfisch und „richtigem Schinken“. Eigentlich geht es sogar „mit Alles!“. Guck an.

Tja. Das wollte ich nur eben hier weitergeben…
– Gern geschehen.

Die Dame mir gegenüber ist ebenso amüsiert wie ich. Weiter geht’s im Thema: Jetzt geht es um Schlangen und das Problem der Fütterung. Die eine (die mit den Brötchen) hat nämlich Mäuse eingefroren („In Tüten, ey. Das sind dann so Knäuel, die sehen voll aus wie Chickenwings!“) und referiert jetzt lang und breit darüber, wie man die Piepsdinger wieder anständig aufgetaut kriegt. Ihre Freundin schlägt vor: „Einfach über Nacht rausle- gen!“ Insgeheim habe ich das ja auch eben gedacht, werd‘ aber den Teufel tun und mich einmischen. Der Tipp wird aber sowieso überhört, schließlich hat man gerade Publikum: der ganze Waggon kann nicht mehr weghören. Also folgt die Beschreibung für Problem und Lösung: „Erst wollte ich die in die Mikrowelle packen. Aber da platzen die doch! Also hab’ ich den Ofen schön angeheizt und die Viecher da rein getan. Nach zwei Minuten waren die aufgetaut und nach drei Minuten waren die fertich!!!“

Der reinste Triumph. Ihre Freundin schweigt betroffen, die Dame gegenüber rollt die Augen. Die Freundin: „Boah, Alter! Bei dir ess’ ich nie wieder Pizza!!!

– Also mal ehrlich, wer ist jetzt hier unhöflich?!?

26 thoughts on “Höflich!

  1. Also die Brötchen probier ich mal aus, und zwar mit Alles. Das mit dem in den Ofen werfen ist mir neu, aber ich probier es gerne mal aus, bin ich doch ein für alles offener Mensch. Erleichtern hinzu kommt die Tatsache daß der Ofen – trotz Mäuseverbot im Innenraum – ohnehin mal wieder geputzt werden muß.

  2. Also „ich“ fand die beiden jungen Damen nicht nur ausgesprochen eloquent und mutig. Sondern auch sehr kreativ und naturverbunden – mit ein quentchen Häuslichkeit. Tolle Kombi! Dazu die nötige kognitive suboptimale Leistungsgrenze.
    Wow! Du hast dir nicht ihre Nummer geben lassen?

    Ausserdem sollte man nicht von jedem Menschen erwarten, dass er /sie mal „insichgeht“. Dazu ist der Weg manchmal einfach zu weit *brüller*. 😉

    LG Andi

    • Also, sollte ich die Zwei mal wiedersehen, werde ich sie mal für Dich nach ihren Nummern fragen. Ich persönlich habe ja eher wenig Verwendung dafür… Das wird Dir mindestens kulinarische Höhenflüge einbringen! *g*

      Lieben zurückgruß, Theo.

  3. Ich erwäge, intensiver am Öffentlichem Personen-Nah-Verkehr teilzunehmen: hier werden Sie die Menschen näher gebracht…

    Aber man „schmeißt das Ganze einfach in den Ofen“ nehme ich lieber nicht so wörtlich: ich habe erst letztens versucht, auf Anregung der Herren Dreckscheuder und Trittenheim Eier zu braten: mir gefällt diese Tapete jetzt aber so.

    Höchstachtungstvollst

    Ihre Fossilibität, der Dino

    • Gelb is ooch’ne schöne Farbe! Hat sowas sonniges…

      Wenn’s nach mir geht, würde ich gern weniger am OPNV teilnehmen, aber die Scheffs kündigen mir, wenn ich einfach zuhause bleib‘.

      Guten Morgen!
      Theo.

      • Achso. – Die Scheffs wollen nur nicht zugeben, dass sie auch gern zu Hause bleiben würden.

        Könnte man sich ja mal ’ne Rübe machen, woran es liegt, dass keiner gern „hingeht“ (Ausnahmen bestätigen die Regel; Musiker gehen bestimmt gern ins Studio usw.).

        Jetzt fängt der wieder an mit der Weltrettung! – Ich bin schon weg!

        Tele-Arbeit… (?)

        Na ja – ein weites Feld (Old Theodor)

  4. Ich hätte einfach zu gern ein Foto von den beiden gesehen – schätze sie so ähnlich ein wie die „Mutti meines venezianischen Hundes“…die allerdings war eine äußerst sympathische Person.

      • …solche Modelle gibt es bestimmt nur bei Bogner und Aigner, denke ich mal, Superpillingmuster ist nämlich nicht billig! Aber eben etwas ganz Besonderes. Man muss ja mit derHand diese ganzen kleinen Knötchen unregelmässig auf den Pullovern verknoten, damit es dann so unglaublich cool und lässig wirkt, wie eben schnell mal nebenbei so hingekotzt…

        • Also, dann war es aber ein Designer, der richtig was kann! Genau so sah es nämlich aus. Und vermutlich war die „Blöd“-Zeitung, die bei der Einen aus der Tasche guckte, auch auf Bütten gedruckt, das extra auf Boulevardlook zurechtgemacht war. ;D

  5. Was die Mäuse betrifft, DAS Problem kenn ich, und meine Lösung lautet: „Sixpacks bauen“, sprich, sie ORDENTLICH aneinandergelegt portionsweise einfrieren. Gehn nicht nur auf diese Weise ganze Hundertschaften fein säuberlich gestapelt in 1 Gefrierfach, sondern auch die Vogelpfleger dankten es mir mit den Worten: „So ordentlich eingefrorene Mäuse bekommt man nur bei hikE“…

    und bevor jetzt einer den Waggon vollreihert, ja, Reiher essen auch Mäuse (und schüssli)

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