Unausgeschlafen

Gestern wieder ewiges Bettkastenkonzert.
Quietschen & Rappeln, Pause, Quietschen & Rappeln, Pause, Quietschen & Rappeln,…
Eine Etage drunter: Ich mit O*ropax, denkend: Oh nöööö… (es war nämlich schon halb einse, und um elfe war ich „schlafen“ gegangen. Die Beede aber oooch.).

Irgendwann, ehe ich’s mich selbst versah, klopfte ich doch an die Wand und war fast erschrocken deswegen. Es liegt mir nicht, in das Liebesleben Anderer regulierend einzugreifen.
Erschrocken waren auch die da oben. Plötzliche Stille. Verdutzung wahrscheinlich.
Und es blieb still. Wir horchten alle drei; die da oben, ich da unten.
Bis ich dann einschlief…

Heute Morgen dachte ich dann: Vielleicht waren die Beiden ganz froh, dass sie endlich aufhören konnten. Das ist ein junges Paar und dem Alter verwechselt man solcherlei Betätigung noch ab und an mit Leistungssport. Und dann traut sich vielleicht keiner aufzuhören. Oder so.
Jedenfalls „freue“ ich mich schon auf die nächste Begegnung im Treppenhaus, bei der ich dann eine gutmütige Erklärung abzugeben gedenke. Ich könnte ja auch z.B. Hilfe beim Bettkastenreparieren anbieten. Neenee, immer schön diplomatisch bleiben…

Ich hab‘ aber auch echt Glück mit meinen Obermietern. Bevor die fleißige Dame da einzog, wohnte dort ein spanischer Junggeselle, der einen schweren Schritt hatte und vor Allem sehr laut sprach.

Und so bollerte und brüllte er, dass es nur so eine Art hatte. Das merkte er selber aber gar nicht. Das Bollern vernahm ich vor Allem abends, es hörte sich an, als würde man einen schweren Sessel oder meinetwegen auch ein Klavier herum schieben oder auch mal ein Stückchen tragen, bevor es einem dann aber doch aus der Hand rutscht. Der Herr Spanier telefonierte auch immer sehr laut. Ich kann kein spanisch, aber „Hola!“, „Por favor“, „Manana“ und „Okeh, okeh…“ verstand ich einwandfrei. Auch dem Rest hätte ich sonst ganz sicher verstanden, deshalb war ich ausnahmsweise mal ganz froh über meine mangelnde Bildung.

Irgendwann war es mit der Junggesellerei vorbei und es zog eine Dame bei ihm mit ein, die auch noch einen ca. 15-jährigen Sohn mitgebrachte. Dass die Dame „Flores“ hieß, brauchte ich gar nicht großartig zu recherchieren, das hörte ich ja bald und fand es ganz putzig, weil das ja in etwa dem früheren Künstlernamen von Jasmin Wagner entspricht, nur eben auf Spanisch. Das Putzige daran war, dass die neue Nachbarin keineswegs einer zarten Pflanze ähnelte, sondern eher einem Baumstamm.
Der Sohn hieß Pablo und hatte nix als Unsinn im Kopf. So klebte er beispielsweise seine Kaugummis an die arme Pflanze, die ich ins Treppenhaus gestellt hatte. Nachdem ich das arme Geschöpf (die Pflanze) wieder in meine Wohnung zurückgeholt hatte, begann er, seine Jackentaschen vor meiner Wohnungstür auszuleeren, weshalb da nun immer Zigarettenschachtelpapierchen, Tempos und Bonbonfähnchen lagen, die mir von der Nachbarschaft scheele Blicke einbrachten. Das war mir aber egal. Ich mache die Treppe sowieso nie und irgendwann wandert das von ganz alleine bis ins Erdgeschoß und verschwindet dann da.

Jedenfalls, seit das „Pflänzchen“ mit dem Rabauken eingezogen war, stieg der Geräuschpegel in ungeahnte Höhen. Jetzt wurde jeden Tag mehrmals gezankt, wobei Senora unglaubliche Frequenzen erreichte und nie Luft holte. Zwischendrin wurden Schrankwände geworfen und Ringkämpfe ausgetragen.

Nach einer ganzen Weile kam ein neues Geräusch hinzu: Einer der beiden „Jungs“ wollte nun wohl das Schlagzeugspiel erlernen. Ich hatte jetzt erstmal sofort angenommen, dass es sich dabei nur um den Jungen handeln konnte, aber das noch relativ unrhythmische Getacker fand jedes Mal zu einem alten Phil Collins-Stück statt und da wurde ich dann doch unsicher.
Das Üben ging so: Man wartet, bis es mindestens 22°° Uhr ist und spielt dann das Phil Collins-Stück auf der Minianlage volle Pulle laut immer so halb bis dreiviertel, um dann abzubrechen und wieder neu anzufangen. Dazu wird ramentert. In dem Zimmer, das sich direkt über meinem Schlafzimmer befand.

Irgendwann hatte ich mal Besuch, während oben eine schwere Diskussion im Gange war. Da der Besucher über ausgezeichnete Spanischkenntnisse verfügte, konnte er mir simultan übersetzen: Der Junge hatte irgendwas kaputt gemacht und das ging nicht mehr heile und wer das denn jetzt bezahlen sollte! Er von seinem Taschengeld ja wohl nicht, aber er könnte sich ja mal einen Job suchen! Und überhaupt!
Ich hoffte dann sofort, dass das Kaputte vielleicht das Schlagzeug wäre oder wenigstens die Phil Collins-CD.
War aber nicht so.

Zum Glück zog die lustige Kleinfamilie irgendwann zwei Häuser weiter und kurzfristig zog ein Zwielichtiger ein. Man sah ihn nie, aber ich hörte ihn und seine geschätzten 40 Freunde, die wohl mit eingezogen waren. Zu dieser Zeit war unsere Hausfassade eingerüstet wg. Verschönerung. Ich kriegte manchmal mit, wie der Hausbesitzer oben klingelte und an die Tür wummerte, aber es öffnete Niemand, obwohl (zumindest mir) klar war, dass da jemand zuhause war.
Eines Abends plötzlich: Hausbesitzer mit Pullezei! Und die auch mit zwei Bullis gleich. Und zwei Hunde. Und Schlüsseldienst. Und grade, als ich mich aus dem Fenster hängen wollte, um mal zu gucken, was denn da…, wurde die Fassade per Strahler erhellt, damit da keiner heimlich übers Gerüst abhaut. Gottogott!
Und dann das berühmte: „Aufmachen! Pullezei!“
Als das keine Wirkung zeigte, wurde die Tür aufgebohrt. Und gezetert. Und gebellt (Hunde). Und abgeführt sogar.

Später erfuhr ich vom Hausbesitzer, dass der Zwielichtige ursprünglich eigentlich nur ein paar Wochen bleiben sollte, weil er irgendwie in Not gewesen war. Er hatte dann aber nie den kleinsten cent bezahlt und stattdessen ein halbes Dutzend seiner Kumpels mitgebracht, die die ganze Bude mit Matratzen ausgelegt hatten und sich ihr Essen auf Campingkochern zubreitet hatten.
Naja, und da war dem Hausbesitzer irgendwann der Kragen geplatzt.

Dann stand die Bude erstmal ein Vierteljahr leer und das war natürlich himmlisch ruuuuhiiig.

Bis das Bettkastenfrollein einzog…

3 thoughts on “Unausgeschlafen

  1. Schön, dass ich Deine Einträge über mehrere Umwege entdeckt habe. Bei RetNax(?!Richtig geschrieben?). Schreib bitte immer schön weiter, damit ich viel zu lachen habe. Viele Grüße von der OPTIMISTIN

  2. Naja, RetNax trifft’s nicht so ganz… 😉 Aber das macht Ihr mal lieber schön unter Euch aus.

    Jedenfalls: Vielen Dank und ich werde mir tüchtig Mühe geben!

    Gruß zurück!

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