Teee trinken.

(Erstveröffentlichung: 13. Mai 2007)

Ich bin eine Teetrinke.

Aber keine Sorge: Ich werde morgens genauso patzig wie ein Kaffeetrinker, wenn ich mein Zeug nicht kriege: Stämmiger schwarzer Tee ausm Beutel. Die Gerüchteküche raunt: Teebeutel sind des Teufels… Stimmt aber gar nicht so immer. Warum sollten sich anerkannte Teebeutelteeabfüller die Mühe machen, extra schlechten Tee einzukau- fen und einzutüten? Der Tee ist lediglich meistens kleiner gebröselt als der lose. (Und der wird ja nun auch überwiegend in, wenn auch größeren, Beuteln verkauft.) Und ich habe auch schon häufig genug richtig schlimmen losen Tee trinken müssen! Die Form bestimmt also nicht unbedingt die Qualität.

Mein derzeitiger Freund heißt schlichtweg „Me*mer Klassik“ und wohnt hier in handli- chen 100er Packs, die so ’nen Monat vorhalten. Der ist gut genug für mich. Dazu habe ich zwei dicke, schwere geräumige Tassen, die erwirken genau das richtige Beutel-/ Wasserverhältnis, also bette ich das niedlich gefaltete Tütchen rein, schütte bis einen Damendaumenbreit untern Rand kochend Wasser drauf und tippe auf ein Piepsding, das dann den Countdown von 3:30 runterzählt. Wenn es fiept, drücke ich den Teebeutel mit bloßer Pfote („huarlk!“) über der Tasse aus, genieße das zart fauchende Geräusch, das der Zucker macht, wenn er vom Löffel in den Tee rauscht und fülle das Ganze mit guter Vollmilch auf.

Wenn ich woanders übernachte, habe ich immer Teebeutel dabei. Man weiß ja nie. Meine Freunde sind meistens rührend bemüht, kramen dann aber oft irgendwas altes, zerknittertes aus den Küchenschrank und wollen es mir gern aufbrühen. Allerdings ist manchmal auch keine Milch im Haus, oder nur H-Milch („Brrrr!“) oder fettarmes Milch- wasser oder sogar Kaffeeweißer, von dem keiner weiß, wie alt der schon ist und was da eigentlich genau drin ist. Da muss ich dann durch, will dann aber auch bald nach Hause.

Auch im Profibereich macht man schlechte Erfahrungen. In Cafés kriegt man oft warmes Wasser mit traurigem Schwimmkörper. Das Wasser ist nicht warm genug, um beleben- de Essenzen entstehen zu lassen. Irgendwann setzt eine Art Schlierenbildung ein, man beginnt, den Teebeutel im Glase auf und ab zu bewegen, quasi Herzlungenmassage. Doch es hilft nix. Blasse Brühe bleibt’s.

Und dann gibt’s auch noch so Tassen mit Deckelchen und Siebeinsatz, in dem sich uffjedunsene Teeblätter befinden. Nie sagt einem der Service dazu, wie lange das Zeug schon gärt. Man hebt also den Siebeinsatz zum Gucken an und schon hat man Schwei- nerei. Wieso kriege ich den Tee nicht fertig gezogen gebracht? Kaffee wird doch auch nicht am Tisch aufgebrüht! („Hier. Halten’se doch mal den Filter!“) Dazu gibt’s merkwür- diges Zeug. Ein Monster der Verpackungsindustrie: Kaffeesahne oder Kondensmilch. Weder das eine noch das andere hat was mit Milch zu tun, da bin ich sicher. Immerhin bin ich trickreich genug, mich damit nicht auch noch einzusauen. Und sollte ein Zucker- streuer auf den Tisch stehen, kann ich davon ausgehen, dass die Zuckerkristalle sich dadrin aneinanderkrallen und auf keinen Fall voneinander getrennt werden wollen, was mich dazu zwingt, das Streuerteil auf den Tisch zu donnern…

Gucken wieder alle.

Im Café bestelle ich darum meistens Cappuccino oder Milchcafé. Da muss ich nicht rumhantieren, schließlich will ich mich ja entspannen. Und wenn da ein Streuer steht, trinke ich das Zeug eben ungesüßt.

26 thoughts on “Teee trinken.

    • Ja, das mit dem Instantkaffee hatte ich gelesen, aber dazu konnte ich natürlich nicht viel sagen… 😉 Früher hab‘ ich viel Kaffee getrunken und dann mal, als ich krank war, schlagartig keinen mehr. Da hatte ich richtigen Koffeinentzug mit Kopfweh, Schwindel, kaltem Schweiß. Seither trink‘ ich Tee zum Wachwerden und Kaffee nur mal so, alle paar Wochen, aus Spaß.

      • Und ich trink Kaffee zum Wachwerden und Tee zum Spaß, lustig. Meine Schwiegereltern (Engländer, logisch) trinken ungelogen jeder MINDESTENS so 10 Pötte Tee pro Tag und wenn wir in England sind, trinke ich NUR Tee … weil der kaffee da scheiße schmeckt.
        Ich mag auch gerne richtig starken Pfefferminztee mit ganz viel Zucker. Mhhhh … 🙂

        • Von gesüßtem Minztee bekomme ich immer so’nen ganz sauren Geschmack im Mund, das finde ich total schade, weil ich den eigentlich auch mag, besonders aus frischer Minze. ich hatte im Sommer Erdbeerminze im Blumenkasten, die war lecker! 😀

          • Ja, und wie! Ich hatte sie bei einer Gartenausstellung gekauft, sowas aber später auch mal im Baumarkt bei den Pflanzen gesehen. Einfach die frischen Blätter aufgießen… Kann man beim Trinken im Glas lassen und danach noch mal aufgießen, wenn man will. Schmeckt nach Minze und duftet tatsächlich nach Erdbeeren. Echt gut.

          • Fein, danke für den Tipp. Ich hab vor, im Frühling meinen Balkon ein wenig anders zu gestalten. Der ist zwar popelig klein, aber ein paar Kräuter und Erdbeerminze finden da sicherlich noch Platz. 🙂

  1. Uahhhhhhh. Ich sollte sowas nicht lesen, während ich einen Teebeutel in der Tasse schwenke (Herzlungenmassage…ja, irgendwie schon – es gibt da ja auch den Herzbeutel – am besten gar nicht dran denken).

    „huarlk!“ mache ich übrigens nicht. Ich habe da so eine Technik entwickelt, bei der es darum geht, den Teebeutel um einen Teelöffel zu wickeln und mit der eigenen Strippe zu erdrosseln. Hat mir mal ein entfernter Kollege aus der Grauzone des organisierten Verbrechens gezeigt. Dann muss ich nur noch sämtliche Spuren verwischen, bevor die Forensiktante mit dem großen Lappen kommt. Die legt mir mittlerweile immer schon Küchenrolle in den Papierkorb um Spuren zu sichern.

    • Wickeltechnik mache ich auch, wenn ich „bei Tisch“ bin, oder im Lokal. Gut, dass die nicht schreien, die Biester. Die „Huarlk!“-Technik wende ich an, wenn keiner guckt. Weil nämlich sonst immer alle sagen: „Datt könntichnich! Issoch viel zu heiß!“

      • Boah, dat könntichnich, issoch viel zu heiß!

        Schuldigung, konnt ich nich‘ wiederstehen. Das klang so nett rheinländisch. 😉

        Aber die Auswringe-Technik hat was. Da kann man bestimmt gut ein Gespräch mit beenden. Wie die Szene in „Lawrence von Arabien“ in der Peter o’Toole ein Streichholz ganz langsam in seiner Faust ausdrückt. Sein Gegenüber versucht das auch und verbrennt sich fies. Das würde ja weh tun… Lawrence sagt, natürlich tue das weh. Der Trick sei, sich nichts aus dem Schmerz zu machen.

        Wenn der damals Teebeutel gehabt hätte…

        • Ohhhh, Peter ‚O Toole! In den war ich als kleines Mädchen total verknallt, weil ich nämlich „Lawrence von Arabien“ gesehen hatte und ihn soooo toll fand. Jetzt weiß ich also, woher ich das habe! Muss mich ja echt schwerstens beeindruckt haben. 😉

          Ich hatte mal einen Koch als Liebsten, der meinte immer, in der Küche heißt es: „Wer nicht heiß anfassen kann, kann auch nicht heiß lieben!“

          • hihi.
            Daher also die Teebeuteltechnik.

            Peter o’Toole hat mal in einem Interview gesagt: „Ich bin der einzige Schauspieler, bei dem sowohl Vor- als auch Nachname eine Bezeichnung für das männliche Geschlechtsteil ist.“
            Wenn der mal nicht traumatisiert ist…

  2. Das schlimmste war bei uns auf der Maloche: Teebeutel lose, einfach so, ohne Papiertütchen drumherum die wochenlang auf irgendeinem Tablett rumlagen und die mussten wir dann englischen Besuchern servieren. 🙄

    Schwarzen Tee mag ich nur frisch aufgebrüht – entweder auf türkische Art oder Earl Grey. Letzteren NUR mit Sahne und Kandis!

    • Türkischen Tee mag ich auch, der ist ja so geröstet, das mag ich. Aber auch da fehlt mir meistens Milch. Chai mag ich auch ganz gern, wenn er anständig gemacht ist. Earl Grey mag ich gar nicht. Das ist mir zu parfümiert, irgendwie. Eigentlich komisch, denn Zitrus mag ich sonst in Allem.

      Übrigens meinte ich genau solche ollen Beutel wie die auf Eurerm Tablett da. Sowas kramen Gastgeber auch oft raus. Oder so ganz schlimmes aromatisiertes Zeug, dass dann „Heiße Küsse“ heißt oder so. *schüddl*

      • „Heisse Küsse“ 8| Und das schmeckt dann wie sauer gewordener Kirschsaft nur süß. *bääh*

        Komisch. Früher – also als ich noch jung, also noch ganz jung war, also so wie heute nur jünger – da habe ich nur schwarzen Tee mit Milch getrunken. Jetzt kann ich das nicht mehr. Aber wegen Dir und Deinem Eintrag hier, hab ich heute endlich wieder mal frische, volle Ökomilch gekauft.

        • Also nicht so eine, die „länger haltbar“ ist? Normale Milch kriegt man ja kaum noch, was ich eine Frechheit finde! Finde ich also sehr löblich, Deinen Einkauf. 😀

          Ja, und dieses Komische Ekelwasser halten dann Leute für Trinkkultur. Für mich hat das mehr mit „Entsorgung“ zu tun.

  3. andere nehmen sich nen schlüpper mit, wennse wo übernachten, aber gut. 😉

    ich bin auch leidenschaftlicher teetrinker. so 3 liter pro tag sinds bestimmt. (außer im sommer.)
    früher nur schwarztee, heute hab ich ne aufregende sammlung verschiedenes in meiner teebox.

    und im café bestell ich auch lieber nen latte, weil: das wasser hat ja nicht mal gekocht, sondern nur gebrüht! und das is ja wohl eine vergewaltigung am tee!!! also wirklich!

    • Schlüppi nehm‘ ich natürlich auch mit und ungefähr noch 1.000 andere Sachen… 😉

      3 Liter schaff‘ ich nicht! Ich versuch‘ immer wieder, mehr zu trinken, auch Wasser, aber mehr als 1,5 pro Tag ist nicht reinzukriegen.

      Ja, was man in Lokalen so als „Getränk“ serviert bekommt, spottet oft jeder Beschreibung. Ich sach nur: Heiße Schokolade.

  4. Was mich immer ärgert ist die fehlende Ablage für den Teebeutel, denn als Raucher finde ich, daß er auch im Aschenbecher nichts verloren hat.

    Jedem Kellner der mir anstelle des bestellten Schwarztees Earl Grey serviert frage ich nach der Reaktion eines Gastes dem er statt des bestellten Mokkas eine (Wiener) Melange gebracht hat.

    Leider neigen Kaffeetrinker dazu Earl Grey besonders toll zu finden, weil er statt nach Tee nach Bergamote schmeckt. Was ich auch verstehe und respektiere, aber ich gönne ihnen auch ihren Mokka und hätte im Gegenzug auch gerne das was mir schmeckt und eben keinen Bergamote-Aufguß.

    In allen Lokalen die ich regelmäsig besuche – und das sind immerhin vier hier in Wien – habe ich es geschafft meine Sorte in Teelade zu bringen. 2 der Gastronomen kaufen ihn inzwischen selber, bei den anderen beiden gibt mir das Personal Bescheid sobald es eng wird, dann bringe ich eine neue Schachtel mit.

    Ja – in diesen beiden Lokalen bezahle ich im Grunde ein zweitesmal für meinen eigenen Tee. Aber ich will ihn ja auch serviert haben, in einem geheiztem, gemietetem und beleuchtetem Lokal.

    Dafür haben die beiden Lokale, die meine Sorte inzwischen selber kaufen von mir Wasserkocher zu Weihnachten bekommen.

    Für alle anderen Lokale habe ich in der Regel immer einige Teebeute eingesteckt und bestelle dann mit den Worten: „Ich bezahle ihn ganz normal und den vollen Preis, aber bitte, nehmen sie diesen.“

    „Ausdrücken“…

    Ich habe vor Jahren einmal gelesen, daß das letzte, das in den Teeblättern und somit im Teebeutel bleibt die Gerbsäure ist. Die ist dafür verantwortlich dafür, daß Tee u.U. bitter schmeckt und macht die Zähne gelb. Außerdem ist sie böse zu meinen Eingeweiden. Seitdem verzichte ich darauf den Beutel auszudrücken.

    Ach ja, meine Droge heißt Twinings English Breakfast. Aber der Mesmer den Du trinkst geht auch schon mal rein.

    Um der Gerechtigkeit genüge zu tun habe ich alle Freunde die mich ab und an besuchen gefragt welcher Instant-Kaffee für sie akzeptabel ist und entsprechende Vorräte für sie angelegt. Die gibts glücklicherweise sogar in Portionen die dank luftdichter Einzelverpackung wesentlich länger haltbar sind als die größeren Gebinde.

    Es hat was snobistisches, aber dafür kann ich zumindest von mir sagen, daß ich weiß was ich will.

    • Das mit der fehlenden Ablage stört mich auch, meistens landet der Beutel dann mit auf der Untertasse, was auch keine richtig gute Lösung ist, denn da liegen auch schon die Zuckertütchen und Milchtöpfchen und wattweißichwatt.

      Earl Grey mag ich auch nicht, das ist mir zu parfümiert und Bergamotte ist sowieso nicht mein Fall. Ich glaube auch, viele finden einfach den Namen so schick. Aber auch andere aromatisierte Tees sind ein gutes Mittel, mich um den Tisch zu jagen. *brrr*

      Leider habe ich keine 4 Stammlokale, nicht mal eins, das ich erziehen könnte. Aber ich kann meinen Tee ja auch super zuhause trinken und unterwegs was anderes.

      Dass man Teebeutel nicht ausdrücken soll, ist interessant, das werde ich mir mal gleich merken. Danke für den Tipp! 🙂

  5. ich trinke jeden tag auf der arbeit mindestens einen liter tee, den ich mir mit beuteln in der thermoskanne mache. sorten: blutorange, earl grey, noch ausgefallener. eigentlich fast egal – nur so schoko-karamell-sorten mag ich überhaupt nicht.

    wegen der guten händelbarkeit bin ich beutel-fan :), kaufe mir aber auch ab und zu losen tee, weil es [eingebildeterweise?] besser schmeckt.

    • Es ist ja alles, wie immer, eine Geschmacksfrage. Mir schmecken diese aromatisierten Sorten eher nicht so. Wenn ich was will, das nach Blutorange schmeckt, esse ich eine Orange. 😉 Das ist auch so’n bisschen in den letzten Jahren wieder aufgekommen, dass alles in 30 Geschmackrichtungen erhältlich sein muss. Bei der Schokolade ist es ja z.B. auch so. Oder Joghurt. Ich bin da aber vielleicht ein bisschen puristisch.

      Schokotee finde ich auch Killefitt. Entweder Tee oder Kakao. Oder? 😀

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