1. Dezember

Liebe Mitmacher und Frageneinschicker!

Ich bin hoch erfreut, von Euch so viele schöne Fragen bekommen zu haben!
Für den Adventskalender reicht es dicke, ich kann an manchen Tagen sogar zwei Fragen beantworten. Noch mal vielen Dank für Eure Beteiligung! Ich werde mir jetzt ordentlich Mühe geben, mich um alle Fragen, deren Reihenfolge ich allerdings frecherweise nach Gutdünken festlege, gut zu kümmern. Noch bin ich ja verreist, deswegen habe ich mich in den letzten Tagen nur ab und zu im Blog gezeigt, aber bald bin ich wieder zuhause…

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Aber jetzt komme ich mal zu unserer ersten Frage. Sie ist von rebhuhn, und ich finde, sie passt prima als Einstieg. Rebhuhn möchte nämlich wissen: „seit wann gibt es adventskalender und aus welchem grund wurden sie ursprünglich erfunden?“

Das musste ich jetzt natürlich auch erstmal nachgeschlagen:
Adventskalender gibt es wohl seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Grund war schon damals derselbe wie heute: Warten auf’s Christkind. Adventus bedeutet nämlich Ankunft.

Allerdings sahen die Kalender damals noch anders aus als heute, und es wurde auch ab dem 1. Adventssonntag gezählt. Es gab z.B. Kerzen, die jeden Tag um eine Strichmar-
kierung weiter abgebrannt wurden, bunte Bildchen zum Ausschneiden, oder es wurde jeden Tag ein weiterer Strohhalm in die Weihnachtskrippe gelegt, damit das Christkind dann am heiligen Abend weich hinein gebettet werde konnte.

Irgendwann wurden Türchen-Kalender zum Aufhängen populär, denn man konnte sie in hohen Auflagen produzieren und sie fanden sofort viele Käufer. Jeden Tag gab es ein Bildchen hinter der Tür, die Motive waren noch ausschließlich christlich. Heute schwer vorzustellen, dass es damals schon aufregend genug war, jeden Tag ein neues Bild freilegen zu dürfen. Die beliebten Schokokalender gibt es wohl erst seit ca. 50 Jahren. Man kann sich ja denken, welche Kalender ich als Kind klar bevorzugt habe…

Heute verbreitet sich der Brauch von Deutschland aus über die ganze Welt, darum werden die Motive auch immer weniger christlich. Jedenfalls gehe ich mal davon aus, dass B*rbie plus Zubehör keine moderne Entsprechung der Maria sein soll. Obwohl, es gibt ja auch eine Schwangerb*rbie und Ken macht sich als Josef eventuell gar nicht mal schlecht!
Ach nee, die beiden sind ja inzwischen längst offiziell getrennt, sagt jedenfalls der Her-
steller. Dann geht’s natürlich nicht.

Ich staune (übrigens zusammen mit der Süddeutschen), was es heute alles in Adventska-
lendern gibt. Schokolade, klar. Sogar richtig gute, wenn man bereit ist, ein bisschen Geld auszugeben. Das mit dem Geld ausgeben scheint aber wohl kein Problem zu sein, denn die Kalender kosten heute mehr als ich normalerweise für ein vernünftiges Weihnachts-
geschenk ausgeben kann. Dann finden sich darin: verblüffend teures Plastikspielzeug, Prinzessinnen-Zubehör, Schminkzeug, Parfums, angeblich aufregende Sex-Toys, Hunde-
snacks, Katzenspielzeug, Literatur. Sogar Hamster-Adventskalender gibt’s. Neenee, da sind keine Hamster drin, obwohl sie reinpassen würden. Sondern so Knabberzeug. Ich vermute aber, dass das den Hamstern komplett wumpe ist, ob da nun vielleicht noch ein Glöckchen dran ist oder so.

Für Männer wird empfohlen, eine 24er Bierkiste zu beschriften und dann als Adventskalen-
der zu benutzen. Die Frauen kriegen dafür hautliftende Ampullen. Aha.
Ich möchte übrigens bitte keinen Kalender, von dem meine Haut das Fahrstuhlfahren anfängt, während ich meinetwegen zeitschriftenblätternd auf dem Sofa liege.

Am liebsten sind mir die selbst gemachten Adventskalender.
Freundin T. und ich basteln uns gerne welche, wenn wir Zeit dazu haben. Auflage ist, möglichst viel Nonsens darin unterzubringen. Ich fürchte, in diesem Jahr sind wir beide zu beschäftigt dafür, – vielleicht nächstes Jahr wieder… Letztes Jahr konnte T. es sich nicht verkneifen, mich mit meinem Führerscheinerwerb aufzuziehen, der in die Weihnachtszeit fiel. So bekam ich dann z.B. Fotos von Tacho und Drehzahlmesser (als Merkhilfe, ich hatte die mal verwechselt) und einen Kinderkompass, der mir als hochmodernes Navigerät untergejubelt wurde, auf dem ich mich aber lieber nicht verlasse, weil er nämlich meint, Norden sei jeden Tag woanders.

Zum Glück braucht man zum Aufhängen eines Adventskalenders keinen Kompass, sondern allerhöchstens Hammer und Nagel. Zum Beantworten dieser Frage brauchte ich sie alle drei nicht. Gelungen ist es mir hoffentlich trotzdem.

Danke rebhuhn!

15 thoughts on “1. Dezember

  1. Das kann man wohl sagen, das mit dem Gelungen.
    Übrigens ist der Bieradventskalender sogar noch einfacher zu bewerkstelligen, es gab doch mal von einer dänischen Brauerei T. einen Kalender mit 24 Dosen (den ich übrigens nie hatte, bevor hier wieder Gerüchte aufkommen).
    Und bei den Tierkalendern muss ich immer an meinen hessischen Professor denken, der sich während der Weihnachtsfeier amüsiert darüber aufregte, dass es „Adventskalender für Hund und Katz gibt“.

  2. Da bin ich aber platt wie ein Adventskalender alter Güte. Hätte nie gedacht, dass es so viele lustige Versionen des Adventskalenders gibt. Doch wenn ich dein Startbild betrachte, denke ich mit ein bisschen Wehmut an die unschuldigen frühen Formen des Adventskalenders, in denen es nur kleine einfache Bildchen zu sehen gab, die trotzdem Gesprächsstoff auf dem Schulweg boten:
    „Was hattest du heute im Adventskalender?“
    „Eine Brezel!“
    „Ich hatte eine Kerze.“
    Naja, es war nur das Bild einer Brezel und das Bild einer Kerze. Aber die Bilder ließen Platz für die eigene Phantasie.
    Die Zeiten sind vorbei. Deshalb: Ein gelungener Auftakt, meine Liebe, sehr zeitgemäß. Das Konzept überzeugt, und ich freue mich auf die 23 weiteren Türchen.

    Jules

    • Huch, ich hoffe, Du musst jetzt nicht zweidimensional raus auf die Straße, lieber Jules. Ein Windstoß genügt, und Du hängst irgendwo im Baum!

      Ich kann mich auch noch erinnern, mich mit Schulfreunden über die jeweilige Tagesform der Schokolade besprochen zu haben. Und ich erinnere mich auch, dass ich spätestens bis Nikolaus alle Schokostücke heimlich weggemümmelt und die Türchen vorsichtig wieder verschlossen hatte. Ich bin doch manchmal so furchtbar ungeduldig! 😉

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