(Erstveröffentlichung 24. August 2007)
Vor ein paar Jahren musste ich mal ein paar Monate in einer Firma arbeiten, die ich sehr bald nur noch Die Kackbude nannte. Mir wurde der Arbeitsvertrag geradezu aufgenötigt, obwohl ich sogar extra mit zerknüllter Bluse und gelangweiltem Gesicht zum Vorstel- lungsgespräch erschienen war, bei dem ich dem Chef auch noch ständig ins Wort fiel und ihm widersprach, wo ich konnte. Das schien ihm entweder zu imponieren, oder gar nicht erst aufzufallen. Er wollte mich unbedingt als Marketingtante einstellen, obwohl ich ihm bestimmt fünfmal gesagt hatte, dass ich von Marketing so viel verstehe wie meinetwegen ein Konditor vom Trampolinspringen.
Die Firma, für deren Marketinggeschicke ich nun zuständig war, vertrieb Software für Kon- strukteure und Architekten. Im Grunde waren das alles Vertreter. Man sagt ja, dass das schon irgendwie eine Gruppe für sich ist, mit ganz eigenen Regeln. Nachdem ich heraus fand, dass offensichtlich niemand genau wusste, was eine Marketingfrau eigentlich so zu tun hat, machte ich einfach, was mir so einfiel, oder was man mir hinlegte.
Der Chef hieß B. und begann jeden Ausspruch mit der Einleitung: Ich sach mal, halt, was könnwir tun, was könnwir machen, das ist dann halt die Sache, halt… Das machte mich ganz irre, und ich musste bald sehr aufpassen, ihm nicht aus Daffke genauso zu antworten.
Alles, was nicht so anfing, wurde gebrüllt. Und wie! Herr B. genoss es sichtlich, eine At- mosphäre von Angst und Schrecken zu verbreiten. Alle Kollegen sahen immer so aus, als wollten sie lieber zum Schutz unter den Tisch kriechen. Nur ich wieder nicht. Ich blieb ganz unbeeindruckt und antwortete jedes Mal in gut gelauntem Plauderton. Einmal mach- te ihn das so rasend, dass er tatsächlich anbot, mir den Hals umdrehen zu wollen. Ich lehnte das aber genauso ruhig ab wie alles andere. Ach nein danke, Herr B., ich hab ja auch zu tun. Hinterher wollte er das als Scherz gemeint haben. Deswegen also hatte ich so lachen müssen.
Die Kollegin, mit der ich in ein Büro gesetzt wurde, war 22, hatte unterm Bauchnabel so eine Tätowierung, die man wohl normalerweise auf der anderen Seite hat, wo sie dann Geweih heißt. Der Rest von ihr sah wie etwas, dass man erst aus einem rosa Karton pellen muss. Und im Nebenkarton wohnt Ken. Trotzdem verstanden wir uns gut, denn der Rest der Belegschaft war männlich und nicht zum Aushalten.
Ich will sie nicht alle beschreiben, aber in einem Büro saßen z.B. ein Zweitmeterzehn- Mann und ein Terrier von höchstens 1,60 m zusammen, die nebeneinander einfach zum Schießen aussahen. Der Eine bog sich über seinen Schreibtisch wie ein Geier, während der Andere kaum über die Tischkante gucken konnte. Aus der offen stehenden Tür ihres Büros hörte ich immer wieder ein Geräusch wie von einem Nagelknipser, so etwa alle halbe Stunde.
Später fand ich heraus, dass der Geier sich nicht etwa in Zeitlupe die Nägel schnitt, son- dern so ein schickes Knipsfeuerzeug hatte, mit dessen Hilfe er den Terrier mit Zigaretten- rauch einnebelte. Bestimmt, um dessen doofes Gesicht nicht sehen zu müssen. Leider musste er ihn trotzdem weiterhin hören und darum beneidete ich ihn auch nicht gerade. Der Terrier war nämlich nie für irgendwas zuständig oder verantwortlich und sprach in Wir-Sätzen, wenn er Du meinte. Zudem kam er aus Sachsen, was man deutlich hören konnte: Ham wiör dännschö die CäDähs geprannd? Und er war ordentlich scharf auf die Barbie-Sekretärin, erklärte ihr ständig die Welt und merkte nicht, dass sie davon völlig unbeeindruckt blieb.
Eines Tages bekamen wir neues Geschäftspapier. Für Hannover und für Hamburg. Damit da keine Verwechslungen aufträten, sollten die Kartons beschriftet werden. Die Beschrif- tung nahm der Chef persönlich vor, mit dickem Filzschreiber. Ein Stapel Kartons wurde mit H beschriftet, ein Stapel mit HA. Ich wollte dazu lieber ausnahmsweise nichts sagen. Wir mussten dann jedes Mal überlegen, welche der Kartons nun für welche Stadt waren, bis die H-Kartons endlich nach Hamburg gebracht wurden. Übrig blieben dann im Flur der hannöverschen Niederlassung diese Kartons, die sich offensichtlich genauso über die Verhältnisse dort amüsierten wie ich…
HA-HA-HA-HA :>>
selten so gelacht, wie am 15.januar 2010 😉 hast mich zum schmunzeln gebracht ^^ danke !!!
Die sind gut, was? – Gern geschehen! ;D Ich muss selber immer wieder lachen, wenn ich das Foto sehe.
ich hatte auch mal einen chef, der hat sich zum vornherein schon immer für jede arbeit entschuldigt, die er uns aufgetragen hat… und auch da hat er noch alles mögliche in die sätze eingeschoben, so dass ja nichts konkretes dabei rauskommt… „ja, da können wir jetzt auch nichts anderes machen, da müssen wir jetzt durch, sozusagen… aussuchen können wir es uns ja nicht… bla“ wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich ihm am besten nur mit HA! antworten könnte… ich hätte es getan! 😀
Das hätte ihn sicher komplett verdattert und er hätte nach einer Schreckpause noch mal ganz von vorn begonnen… 😉
Komisch, oder? Ich mein‘, ist doch so, dass manche Leute, also nicht alle, aber viele, müsste man jetzt mal klären, ab wann man „viele“ sagt, so Probleme haben, nicht richtige Probleme, aber doch scheinbar Schwierigkeiten, aber das ist nur meine persönliche Einschätzung, zu sagen oder darzustellen oder sonstwie zum Ausdruck zu bringen, was sie eigentlich genau sagen wollen… :>>
ja, weil ich ihn wohl völlig aus dem konzept gebracht hätte… :))
hmmm, ich glaube, ich weiss, um jetzt hier nur für mich zu sprechen, genau, wobei ich ja nur mutmasse, was du, wenn du von diesen problemen, welche für viele vielleicht gar essentiell, wenn nicht sogar entscheidend sind, da in gewissen momenten, wenn man vielleicht einfach mal sagen sollte was sache ist, obwohl man das auch nicht unterschätzen sollte, wenn jemand mal so richtig ausführlich erklärt, was da alles zusammenhängt, meinst… :>>
…gerade den Spaß darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen! – Wenn man gerade’n bisschen Zeit hat… 😉
Dabei ist es doch, sach‘ ich mal, wichtig, und mit „wichtig“ meine ich: „wirklich wichtig“, halt, das ist ja so, wenn man was sagen muss, auch wenn, wie soll ich sagen, ich sach‘ mal so: es nicht so richtig angenehm ist oder man eben weiß, dass vielleicht der Gegenüber, das falsch… Also, das muss man doch dann irgendwie trotzdem, – das ist doch die Situation hier! :>>
wir sollten politiker werden… so wie die können wir schon lange ums thema herumreden! :>>
spass ist, um das mal so zu sagen, total wichtig im leben, viele, zu viele, wissen mittlerweile bald nicht mehr und das ist wirklich wahr, wenn sie mal wieder so richtig angestrengt und vom leben abgelenkt enstirnig und scheuklappenmässig in die sackgasse gefahren und dort nicht mehr wissen wieso sie jetzt hier gelandet sind und wieder einmal nur auf das eine und nicht auf das wesentliche geachtet haben, was spass überhaupt ist! 😀
Also, da werd‘ ich lieber, äh…, öh…, – alles Andere! Die Macht, seine Umgebung mit Worthülsen vollzukippen, hat mich zum Glück nie gereizt. Außerdem stehen mir dunkelblaue Anzüge so gar nicht! 😉
mir schon… aber politiker möcht ich auch nicht werden. die sind irgendwie so… wer vertraut denen schon?
Anwälte? :>>
An den Text kann ich mich noch gut erinnern. Ich glaube, da hab ich den Schlampenstempel im Kommentar erwähnt. Nebenbei möchte ich auf etwas hinwiesen:
Das ist natürlich kein logischer Schluss, sondern eine zufällige Koinzidenz. :))
Hab‘ mal nachgeguckt, aber da ist kein Kommentar von Dir drunter, dann hast Du den Stempel sicher mal woanders erwähnt…
Jaja, diese beiden Eigenschaften trafen natürlich nur ganz zufällig aufeinander, das kann ich voll und ganz bestätigen! Die 50 Euro kannste mir ja dann mit der Post schicken.
Weiter oben steht aber ja auch. „Im Grunde waren das alles Vertreter.“ Da liegt dem Ganzen dann allerdings schon wieder eine gewisse Logik zugrunde. :>>
in kleinen briefmarken? nicht durchnummeriert?
Meinetwegen kannst Du sie auch nummerieren, falls Dir grad‘ ein bisschen langweilig ist. Und bitte nicht wieder so klein, dass ich sie beim Anlecken runterschlucke. Letztes Mal hast Du mir Konfetti geschickt, – das war eine Fieselei!
ja, aber jeder einzelne papierfetzen war 55 cent wert!
Das behauptest Du doch jetzt einfach so, weil’s niemand mehr nachvollziehen kann!
natürlich, aber das würde ich niemals nicht zugeben!
Also doch.
nein, eben nicht, sonst wüsstest du es ja. :))
Ich fühl‘ das. Eine Frau hat das im Gefühl.
gut, aber wo sind die fakten?!
Na, die hat doch das Markwort!
im gegensatz zu uns beiden denkt das aber nicht an die leser. :yes:
Nee, so wie das aussieht, denkt es an volle Schüsseln… 😉
was mich wiederum an villon erinnert
Wenn‘ um Masslosigkeit geht, ist Villon immer ganz vorne, stimmt.
ich dachte jetzt mehr an:
vor vollen schüsseln muss ich hungers sterben,
am heißen ofen frier ich mich zu tod,
wohin ich greife, fallen nichts als scherben
als archäologe kennt man natürlich zumindest die letztgenannte zeile. :))
Na, das kenne ich, glaub‘ ich, nicht. Ich hatte mal einen Liebsten, der zitierte gern und oft Villon, aber hauptsächlich „Die Lästerzungen“ und natürlich den „Erdbeermund“… ;D
Heißt das etwa, Ihr macht die Sachen erst kaputt?
ich hab früher eine ganze reihe villon zitiert, wenn ich volltrunken war. nach allem, was ich weiß, wohl sogar sehr gut. und ich staune manchmal, was ich davon noch alles hinkriege.
was heißt erst? hinterher. hinterher ist alles kaputt. Und wenn es gut ist, wird es wieder zusammengeklebt. :))
Das glaube ich, und zwar ALLES! 😉
…und dafür studiert man dann auch noch! :))
muss mir das jetzt zu denken geben? 8|
natürlich, man muss ja vorher wissen, wie man den schrott wieder zusammenkleben soll. sonst kommt ja am ende einfach nur die ursprüngliche form dabei raus.
Ja. :>>
Das geht ja schon irgendwie in Richtung „Kreatives Töpfern“, muss ich jetzt mal vermuten…
macht aber garantiert mehr spaß als töpfern, besonders wenn man leicht angetrunken klebt. wobei die dämpfe des klebers sicher beim launeheben noch helfen. :))
Ich glaub‘, ich geh‘ auch noch mal studieren… – Was man da so alles lernt!
das kann schon interessant sein, ja. ;D
Hihi, ich kann mir das – aufgrund ähnlicher Erfahrungen – sehr lebhaft vorstellen. Mann, hab ich schon in Scheißläden gearbeitet, aber irgendwie hatte ich auch dort immer Spaß, und die Anekdötchen die man da mitnehmen kann…
Muß jetzt los, „wir“ wollen ja das Essen fertigkriegen! :>>
Also, Spaß hatte ich da eher wenig. Aber viel zum Gucken und Merken. 😉 Schade, dass ich DA noch nicht gebloggt habe!
Und ich habe gelernt, dass es auch mal gut ist, sein eigenes Ding unbeirrt durchzuziehen, bis bessere Zeiten kommen. Ich hab‘ damals nämlich regelrecht auf meine Kündigung gespart (und ich kann eigentlich nicht sparen). Ich wusste ja, mir blüht eine Sperre, wenn ich da abhaue ohne neuen Job. Also habe ich eisern die Groschen zusammengehalten, um gehen und 3 Monate trotzdem überstehen zu können. Hoch erhobenen Hauptes hab‘ ich das Büro dieses Idioten verlassen und klopfe mir heute noch auf die Schulter dafür.
Harte Zeiten sind eine gute Schule! Das hab ich auch gemerkt :yes:
Daraus kann etwas entstehen, das einem niemand mehr nehmen kann. Ich wusste vorher ja gar nicht, dass ich in diesem Punkt tatsächlich „Biss“ habe. :))
Ich weiß gar nicht, was Du gegen diese Firma hast, die ist doch offensichtlich zum schießen :>>
Wenn Du willst, geb‘ ich Dir die Adresse! ;D
Verschicken die an Weihnachten „Ho! Ho! Ho!“ Päckchen?
Sorry, Kalauer.
schöööön! :))
Glaub‘ ich nicht, aber Weihnachten war ich da auch schon wieder weg. 😉 Ich vermute eher, der Chef hat so Kugelschreiber verschenkt, in denen sich eine Weihnachstfrau nackig macht, wenn man ihn umdreht… 🙄
nö, mit vorgehaltener Hand lesen sie den Vogel der Woche Höhöhö vor…
http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=30760
@theo, sorry für diese schamlose Eigenwerbung 🙂 wenn es einer versteht, dann DU 🙂
Hihihi. 😉
Werb‘ Du nur, werbe!
Was ne Story :))
100%ig selbst erlebt. 😉
Brüller! 😉
:)) Würde ja jetzt gerne „Ha ha“ schreiben… trau mich aber nicht… ist zu billig 😉
Gut, dass Du’s nicht gemacht hast. 😉