17. Dezember

stern17Da auch Trithemius mir gleich ganz schön viele Fragen gestellt hat, fasse ich heute mal drei davon zusammen, denn das bietet sich geradezu an. Er möchte nämlich wissen:

„Bist du Schröder in Hannover schon begegnet?
Was ist mit der Albrecht-Bagage? Und geisterte
nicht auch Herr Dosenpfand in Hannover herum?“


Antwort:

Erstmal vorweg:

– Wer Schröder ist, weiß ja vielleicht noch der Eine oder die Andere.

Ernst Albrecht war mal Ministerpräsident von Niedersachsen, hat uns in dieser Zeit jede Menge Atommüll eingebrockt, und ist außerdem der Vater von reichlich Kindern, eins davon heißt übrigens Ursula von der Leyen und will Kinder als Alkoholkauf-Spione einset-
zen. Herr Albrecht war lange Ministerpräsident (14 Jahre), hat mich als Kind mit seinem berühmten Gutsherrengrinsen ziemlich angestrengt, und wurde dann damals von Gerhard Schröder abgelöst. Das nur zur Erklärung.

– Herr Dosenpfand kann ja nur Jürgen Trittin sein, der tatsächlich auch lange in Hannover herumgewerkelt hat. Allerdings hatte er hier noch eine Schuhbürste im Gesicht, die ich im Geiste immer noch jedes Mal hinzufüge, wenn ich sein Gesicht irgendwo abgebildet sehe.

Und, na klar, kenne ich die alle persönlich, Hannover ist ja eher klein. Nee, stimmt gar nicht, aber ich kann tatsächlich von allen sagen, dass ich sie schon mal live vor der Nase hatte. Allerdings ist dabei nie was Spektakuläres passiert, – schade eigentlich. In den 90ern habe ich nämlich ziemlich viel gekellnert. Das lag daran, dass ich damals mit einem Koch verbandelt war, der hat mich da mit reingezogen… Und irgendwie bin ich wohl öfter mal dahin geraten, wo „man“ eben hinging, wenn man Hüngerchen hatte. Kann ich ja nix für.

Es muss so 1994 gewesen sein, als ich in einem italienischen Restaurant beschäftigt war. Eines Mittags tauchte dort Gerhard Schröder, damals noch Ministerpräsident, mit ein paar Bodyguards auf und bestellte Spaghetti Bolognese. (Er war ja noch mit „Hillu“ Hiltrud verheiratet, und die ist Vegetarierin und weigerte sich, ihm zuhause Schnitzel und sowas zu braten.) Ich war ziemlich nervös und hatte Angst, ihm vielleicht aus Versehen die Nu-
deln in den Schoß zu kippen. Zum Glück war wenigstens der Laden nicht so voll. Herr Schröder war aber wider Erwarten ganz normal nett, geradezu sympathisch, ich beruhigte mich und er aß in Ruhe seine Nudeln.

Da wusste ich ja zum Glück noch nicht, dass er mal Kanzler werden würde, sonst wären die Nudeln vor Aufregung doch sonstwo gelandet. Und wenn ich da schon gewusst hätte, wie sehr er sich mal für „lupenreine“ Demokraten einsetzen würde, hätte ich womöglich sogar nachgeholfen. Nett hin oder her.

Herrn Trittin hingegen hatte ich ein paar Jahre zuvor als eher arrogant und herablassend empfunden. Das war die Zeit, als ich in der Markthalle einen ziemlich umfangreichen Delikatessenstand alleine schmeißen musste. Der Stand war ein Ableger eines französi-
schen Feinkostladens mit kleinem Restaurant. Samstags war immer die Hölle los, denn es kamen nicht nur mehr Kunden zum Einkaufen, sondern auch die Möchtegern-Haute vollée zum Champagner-und-Schnittchen-Umtrunk. Da war der Herr Dosenpfand öfter mal mit seiner Entourage dabei und wollte natürlich immer alles sofort und pronto. Sollten die Anderen doch ruhig warten, und ich war ja eh’ nur die Schnittchenmamsell.

Ungefähr zur selben Zeit tauchte dann auch die Albrecht-Familie mal im dazugehörigen Restaurant auf. Wir hatten sonntags dort ein kleines, aber feines Brunch-Buffet. Die Albrechts kamen, ich weiß es nicht mehr genau, nicht ganz vollzählig, trotzdem sind es richtig viele gewesen. Schließlich hatten wir ja auch noch ein paar andere Gäste. Buffet-
erfahren, wie die Albrechts waren, rasierten sie uns komplett, scheuchten uns getränke-
herbeikarrend durch die Gegend, aber vom typischen Albrecht-Lächeln war nix zu sehen. Eine knappe Dreiviertelstunde später war der Spuk vorbei, sie gingen so schnell, wie sie gekommen waren und ließen uns erschöpft zurück. Danach zitterten wir jeden Sonntag, ob sie vielleicht noch mal kämen.

Mir war der ganze normale Betrieb ohne Promis immer viel lieber, und ich hab’ mich über meine ganz normalen, aber netten Stammgäste viel mehr gefreut. Da fing der Chef auch nicht an, sich zu überschlagen, es gab keinen Grund zur Nervosität und mehr Trinkgeld gab’s meistens noch dazu…

 
So, lieber Jules, eine Deiner Fragen habe ich nun noch übrig; – die kommt dann wohl kurz vor Weihnachten dran. Mal gucken.

Bis dahin, erstmal pinkgefiederte Grüße,

von Theobromina

2 thoughts on “17. Dezember

  1. Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen, liebe Theobromina. Was jemand aus der eigenen Anschauung zu berichten weiß, interessiert mich stärker als die gefilterten Information aus den klassischen Medien. In deiner Rolle als Kellnerin und „Schnittchenmamsell“ (ein schönes Wort) hast du die Leute aus einem speziellen Blickwinkel erlebt, der mehr über ihren Charakter aussagt als das Bild, das gewogene Journalisten von ihnen zeichnen.

    Beste Grüße
    Jules

    • Gern geschehen, lieber Jules.

      Man zuckt ja immer erstmal zusammen, wenn jemand reinkommt, den man aus den Medien „kennt“, weil man meint, jetzt passiert irgendwas Besonderes. Aber dann ist es eben oft nur anstrengend…

      Dienstagmorgengruß zurück,
      Theobromina

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