{"id":7886053,"date":"2010-01-28T04:00:00","date_gmt":"2010-01-28T04:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2010\/01\/28\/gebadet-sei-koerper-7886053\/"},"modified":"2010-01-28T04:00:00","modified_gmt":"2010-01-28T04:00:00","slug":"gebadet-sei-koerper-7886053","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2010\/01\/28\/gebadet-sei-koerper-7886053\/","title":{"rendered":"&#8230;und gebadet sei dein K\u00f6rper!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 9px;\">(Erstver\u00f6ffentlichung: 16. Mai 2007)<\/span><\/p>\n<p>Heute innerlich sowas wie ein stillvergn\u00fcgtes Jubil\u00e4um gefeiert.<br \/> Der Umbau ist nun ein Jahr her. Und das kam so:<\/p>\n<p>Als ich hier vor gut sechs Jahren einzog, war die Wohnsituation sagenwirmal <em>studentisch<\/em>. Das Klo war auf halber Treppe (1\/4 qm) und musste auch noch mit dem doofen Nachbarn geteilt werden. Die Dusche stand in der K\u00fcche, daneben ein Waschbecken. Das versetzte mich in die angenehme Lage, mich beim Duschen unterhalten zu k\u00f6nnen, falls zuf\u00e4llig jemand in der K\u00fcche war, der dort schon mal seinen Morgenkaffee genoss (kam netter- weise ab + zu vor).<\/p>\n<p>Besucher fanden das grenzwertig, aber f\u00fcr mich war das alles ganz o.k.; was ich mir ersehnte, war eine Badewanne. Ich stellte \u00dcberlegungen an, mir ein Planschbecken in die K\u00fcche zu stellen, um dem wenigstens nahe zu kommen. Aber dann schreckte mich die Vorstellung, das Badewasser ja auch wieder entsorgen zu m\u00fcssen, nachdem ich mich, von lauten Quietschger\u00e4uschen begleitet, in der 20 cm tiefen Pf\u00fctze geaalt h\u00e4tte. Das l\u00f6ste keine Euphorie aus. Freund M. erz\u00e4hlte mir, seine Gro\u00dfmutter habe fr\u00fcher mal eine legend\u00e4re Faltbadewanne unter der Sp\u00fcle gehabt, von wo man sie bei Bedarf herauszie- hen konnte. Leider ist der Faltbadewannenmarkt seither eingeschlafen.<\/p>\n<p>Dann wechselte der Hausbesitzer und der Neue war Installateurmeister. Das hie\u00df, immer wenn eine Wohnung leer stand, sanierte er sie und baute Badezimmer ein. Irgendwann schlug ich vor, er solle nicht warten, bis ich ausz\u00f6ge, sondern den Patienten quasi ohne Narkose operieren. Er \u00fcberlegte ein Weilchen, dann stimmte er zu.<\/p>\n<p>Er sch\u00e4tzte, der Umbau w\u00fcrde so zwei Wochen dauern. Ich legte im Geiste noch eine drauf und fing das Umr\u00e4umen an, denn schlie\u00dflich sollte die K\u00fcche das neue Bad werden, das Schlafzimmer die neue K\u00fcche, das Arbeitszimmer musste mit ins Wohnzimmer gestopft werden, damit ich zuk\u00fcnftig in der Arbeitskemenate schlafen konnte.<\/p>\n<p>An einem Montag ging es los: Die Jungs kamen.<\/p>\n<p>Als erstes wurden die alten Einbauten rausgerockt. Der Geselle trat unter Riesengekl\u00f6ter meinen Waschtisch zusammen und erkl\u00e4rte seinem Azubi dabei : <em>&#8222;Kuck! Eima anne Seite reintreten, dann issi Brause gelutscht!&#8220;<\/em> Sie st\u00f6pseln nat\u00fcrlich ihr mitgebrachtes Radio ein und drehten da einen ganz fiesen Sender rein. Ich sa\u00df derweil im Wohnzimmer in der neuen Arbeitecke am Rechner und versuchte, zu arbeiten. Der Azubi \u00fcbert\u00f6nte das Ganze mit Heldengeschichten, die er sich am Wochenende ausgedacht hatte: Wie viel er imstande gewesen war zu trinken (<em>&#8222;Aaaaaal-ther!!!&#8220;<\/em>), was er an seinem Mokick alles so an- und abzuschrauben gedenke und wem er dann mal beim n\u00e4chsten Piep so richtig aufs Fressbrett hauen wolle.<\/p>\n<p>An Arbeit war nicht mehr zu denken. Ich sa\u00df nur da und am\u00fcsierte mich.<\/p>\n<p>Wenn die Jungs abends wieder weg waren, legte ich los: Tapeten runterschaben, K\u00fcchen- schrank abschleifen, Kartons rumschieben. \u00dcberhaupt musste ich st\u00e4ndig alles herum r\u00e4umen. Ich kam mir vor wie in einer Gro\u00dfversion dieses Geduldsspiels, in dem man kleine Vierecke in einem Rahmen herum schiebt, bis das Bild wieder zusammengesetzt ist. Zum Feierabend gab&#8217;s Leckeres aus der Campingk\u00fcche und die Erkenntnis: Mikro- wellenessen schmeckt wie, na ja, Mikrowellenessen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatte ich nur noch kaltes Wasser, das quasi direkt aus den Wand kam, aber daf\u00fcr keinen Abfluss, was hie\u00df, dass ich mit Sch\u00fcsseln und Eimern hantieren musste, die dann auf dem Treppenhausklo ausgekippt werden mussten. Sp\u00e4tabends kippte ich jedes Mal total fertig zwischen die Kartons und traf fast immer das Bett. Morgens um halb sechse wieder hoch, Campingkatzenw\u00e4sche (wat sindn Campingkatzen? Sindi mit Anh\u00e4nger?), ab vor&#8217;n Rechner.<\/p>\n<p>Um sieben sp\u00e4testens kamen die Jungs. Mit ihren dicken Schuhen bollerten sie profes- sionell durch die H\u00fctte, rissen Bodendielen raus, ramenterten Schutt durche Gegend, kl\u00f6terten mit Rohren herum, marodierten durch Treppenhaus und knallten alle 5 Minuten meine Wohnungst\u00fcr ins Schlo\u00df.<\/p>\n<p>Das lernen die heute alles auf der Berufsschule.<\/p>\n<p>Irgendwann, es war so nach vier Wochen war auch mal pl\u00f6tzliche Stille. Dann leises Gemurmel, ab und an h\u00f6rte ich mal: <em>&#8222;Schei\u00dfeschei\u00dfeschei\u00dfe!!!&#8220;<\/em><br \/> Ich schaute aus der T\u00fcr:<em> &#8222;Alles o.k. bei Euch?&#8220;<\/em><br \/><em>&#8222;Jaja, Frau G., alles in Ordnung!&#8220;<\/em><br \/> Was<em> &#8222;Jaja&#8220;<\/em> hei\u00dft wei\u00df ja nun jeder, aber sei&#8217;s drum.<br \/> Wahrscheinlich so ein Fall von: Nach fest kommt lose.<\/p>\n<p>Und als ich dachte: schlimmer kann es ja nicht werden, kam der Elektriker und stemmte u.A. meine von mir frisch verputzte Wand wieder auf und saute mir nebenbei meine ganze Bude total ein. Als der Hausbesitzer das sah, gab&#8217;s Mecker nicht zu knapp und der Elek- triker wurde verdonnert, die <em>Schweinerei<\/em> (fiesen roten Staub) gef\u00e4lligst wieder zu beseitigen. Also schnappte er sich meinen <em>Schrubber<\/em> und beste damit los. Also ein echter Profi. Mannmann, der kannte sich aus. Respektrespekt. Der wusste, wie man&#8217;s macht. So sah&#8217;s hier dann auch aus, als er &#8222;fertig&#8220; war. Den Staub hole ich heute noch aus den Ecken.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Wochen kam der Fliesenleger und zum Feierabend bekam ich mein eigenes Klo. Ich durfte es aber noch nicht gleich ausprobieren, weil der Boden frisch gefliest war. Erst sollte ich einige Stunden warten. An diesem Abend ging ich aus und trank mehrere Biere. Als ich nachts um 3 nach Hause kam, setzte ich mich zum ersten Mal gaaanz vorsichtig auf die Sch\u00fcssel. Und war selig. Ich sa\u00df im Zappendustern, m\u00fcde und betrun- ken, und war begeistert. Mein Klo! Nagelneu. Da war noch keiner drauf&#8230; &#8211; War aber auch ein komisches Gef\u00fchl, vorher hatte da der Herd gestanden.<\/p>\n<p>Aber was war mit der Badewanne? Das hei\u00df ersehnte Teil war eine Diva. Sie lie\u00df sich richtig Zeit. Die erste Ausf\u00fchrung fiel vom LKW. Neenee, nicht so. Sie war kaputt. Ange- titscht. Ecke ab. Die Neue musste erst bestellt werden. Meine Nerven waren am Ende. Aber nach sieben Wochen war es soweit: Die Wanne war eingebaut! Ich hatte mir extra einen tollen Badezusatz gekauft, um wie eine K\u00f6nigin in die Wasser zu steigen.<\/p>\n<p>Und was soll ich sagen: Es-war-himm-lisch! Bombe. Das Gr\u00f6\u00dfte. Besser als Schokolade. Und viel besser als Planschbecken. Ich war verliebt.<\/p>\n<p>Bin ich noch. Badewasser l\u00e4uft.<\/p>\n<p><em>&#8222;Sie will ein Fisch im Wasser sein, im flaschengr\u00fcnen, tiefen See&#8230; Sie will mit Wasser sich besaufen und paar Blasen blubbern lassen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung: 16. Mai 2007) Heute innerlich sowas wie ein stillvergn\u00fcgtes Jubil\u00e4um gefeiert. Der Umbau ist nun ein Jahr her. Und das kam so: Als ich hier vor gut sechs Jahren einzog, war die Wohnsituation sagenwirmal studentisch. Das Klo war auf halber Treppe (1\/4 qm) und musste auch noch mit dem doofen Nachbarn geteilt werden. 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