{"id":7729412,"date":"2010-01-15T04:00:00","date_gmt":"2010-01-15T04:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2010\/01\/15\/ha-7729412\/"},"modified":"2010-01-15T04:00:00","modified_gmt":"2010-01-15T04:00:00","slug":"ha-7729412","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2010\/01\/15\/ha-7729412\/","title":{"rendered":"HA!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 9px;\">(Erstver\u00f6ffentlichung 24. August 2007)<\/span><\/p>\n<p>Vor ein paar Jahren musste ich mal ein paar Monate in einer Firma arbeiten, die ich sehr bald nur noch \u0084Die Kackbude\u0093 nannte. Mir wurde der Arbeitsvertrag geradezu aufgen\u00f6tigt, obwohl ich sogar extra mit zerkn\u00fcllter Bluse und gelangweiltem Gesicht zum Vorstel- lungsgespr\u00e4ch erschienen war, bei dem ich dem Chef auch noch st\u00e4ndig ins Wort fiel und ihm widersprach, wo ich konnte. Das schien ihm entweder zu imponieren, oder gar nicht erst aufzufallen. Er wollte mich unbedingt als Marketingtante einstellen, obwohl ich ihm bestimmt f\u00fcnfmal gesagt hatte, dass ich von Marketing so viel verstehe wie meinetwegen ein Konditor vom Trampolinspringen.<\/p>\n<p>Die Firma, f\u00fcr deren Marketinggeschicke ich nun zust\u00e4ndig war, vertrieb Software f\u00fcr Kon- strukteure und Architekten. Im Grunde waren das alles Vertreter. Man sagt ja, dass das schon irgendwie eine Gruppe f\u00fcr sich ist, mit ganz eigenen Regeln. Nachdem ich heraus fand, dass offensichtlich niemand genau wusste, was eine Marketingfrau eigentlich so zu tun hat, machte ich einfach, was mir so einfiel, oder was man mir hinlegte.<\/p>\n<p>Der Chef hie\u00df B. und begann jeden Ausspruch mit der Einleitung: <em>\u0084Ich sach\u0092 mal, halt, was k\u00f6nn\u0092wir tun, was k\u00f6nn\u0092wir machen, das ist dann halt die Sache, halt&#8230;\u0093 <\/em> Das machte mich ganz irre, und ich musste bald sehr aufpassen, ihm nicht aus Daffke genauso zu antworten.<\/p>\n<p>Alles, was nicht so anfing, wurde gebr\u00fcllt. Und wie! Herr B. genoss es sichtlich, eine At- mosph\u00e4re von Angst und Schrecken zu verbreiten. Alle Kollegen sahen immer so aus, als wollten sie lieber zum Schutz unter den Tisch kriechen. Nur ich wieder nicht. Ich blieb ganz unbeeindruckt und antwortete jedes Mal in gut gelauntem Plauderton. Einmal mach- te ihn das so rasend, dass er tats\u00e4chlich anbot, mir den Hals umdrehen zu wollen. Ich lehnte das aber genauso ruhig ab wie alles andere. <em>\u0084Ach nein danke, Herr B., ich hab\u0092 ja auch zu tun.\u0093<\/em> Hinterher wollte er das als \u0084Scherz\u0093 gemeint haben. Deswegen also hatte ich so lachen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Kollegin, mit der ich in ein B\u00fcro gesetzt wurde, war 22, hatte unterm Bauchnabel so eine T\u00e4towierung, die man wohl normalerweise auf der anderen Seite hat, wo sie dann \u0084Geweih\u0093 hei\u00dft. Der Rest von ihr sah wie etwas, dass man erst aus einem rosa Karton pellen muss. Und im Nebenkarton wohnt Ken. Trotzdem verstanden wir uns gut, denn der Rest der Belegschaft war m\u00e4nnlich und nicht zum Aushalten.<\/p>\n<p>Ich will sie nicht alle beschreiben, aber in einem B\u00fcro sa\u00dfen z.B. ein Zweitmeterzehn- Mann und ein Terrier von h\u00f6chstens 1,60 m zusammen, die nebeneinander einfach zum Schie\u00dfen aussahen. Der Eine bog sich \u00fcber seinen Schreibtisch wie ein Geier, w\u00e4hrend der Andere kaum \u00fcber die Tischkante gucken konnte. Aus der offen stehenden T\u00fcr ihres B\u00fcros h\u00f6rte ich immer wieder ein Ger\u00e4usch wie von einem Nagelknipser, so etwa alle halbe Stunde.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter fand ich heraus, dass der Geier sich nicht etwa in Zeitlupe die N\u00e4gel schnitt, son- dern so ein schickes Knipsfeuerzeug hatte, mit dessen Hilfe er den Terrier mit Zigaretten- rauch einnebelte. Bestimmt, um dessen doofes Gesicht nicht sehen zu m\u00fcssen. Leider musste er ihn trotzdem weiterhin h\u00f6ren und darum beneidete ich ihn auch nicht gerade. Der Terrier war n\u00e4mlich nie f\u00fcr irgendwas zust\u00e4ndig oder verantwortlich und sprach in \u0084Wir\u0093-S\u00e4tzen, wenn er \u0084Du\u0093 meinte. Zudem kam er aus Sachsen, was man deutlich h\u00f6ren konnte:<em> \u0084Ham wi\u00f6r d\u00e4nnsch\u00f6 die C\u00e4D\u00e4hs geprannd?\u0093<\/em> Und er war ordentlich scharf auf die Barbie-Sekret\u00e4rin, erkl\u00e4rte ihr st\u00e4ndig die Welt und merkte nicht, dass sie davon v\u00f6llig unbeeindruckt blieb.<\/p>\n<p>Eines Tages bekamen wir neues Gesch\u00e4ftspapier. F\u00fcr Hannover und f\u00fcr Hamburg. Damit da keine Verwechslungen auftr\u00e4ten, sollten die Kartons beschriftet werden. Die Beschrif- tung nahm der Chef pers\u00f6nlich vor, mit dickem Filzschreiber. Ein Stapel Kartons wurde mit \u0084H\u0093 beschriftet, ein Stapel mit \u0084HA\u0093. Ich wollte dazu lieber ausnahmsweise nichts sagen. Wir mussten dann jedes Mal \u00fcberlegen, welche der Kartons nun f\u00fcr welche Stadt waren, bis die \u0084H\u0093-Kartons endlich nach Hamburg gebracht wurden. \u00dcbrig blieben dann im Flur der hann\u00f6verschen Niederlassung diese Kartons, die sich offensichtlich genauso \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse dort am\u00fcsierten wie ich&#8230;<\/p>\n<p><a title=\"lustige_kartons\" href=\"..\/..\/..\/media\/photo\/lustige_kartons\/1908533\"><img style=\"margin: 5px;\" src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/1908533_410830d443_m.jpeg\" alt=\"lustige_kartons\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Erstver\u00f6ffentlichung 24. August 2007) Vor ein paar Jahren musste ich mal ein paar Monate in einer Firma arbeiten, die ich sehr bald nur noch \u0084Die Kackbude\u0093 nannte. 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