{"id":7418599,"date":"2009-11-20T08:56:35","date_gmt":"2009-11-20T08:56:35","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/11\/20\/kuechensofagedanken-morgen-teil-13-sinnlichkeit-7418599\/"},"modified":"2009-11-20T08:56:35","modified_gmt":"2009-11-20T08:56:35","slug":"kuechensofagedanken-morgen-teil-13-sinnlichkeit-7418599","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/11\/20\/kuechensofagedanken-morgen-teil-13-sinnlichkeit-7418599\/","title":{"rendered":"K\u00fcchensofagedanken am Morgen (Teil 13) &#8211; Sinnlichkeit."},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Theobrominenfuesse\" href=\"#\"><img style=\"margin: 5px; float: left;\" src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/4125676_dadbe05ba5_s1.jpeg\" alt=\"Theobrominenfuesse\"><\/a>Also ehrlich, hier habe ich lange nicht gele- gen&#8230; Tja, trauriger Mangel an Gelegenheit.<\/p>\n<p>Aber ich bin gerade mal ein bisschen krank geschrieben und wo k\u00f6nnte man \u00fcberraschend geschenkte Zeit besser verstreichen lassen als auf einem gem\u00fctlichen Sofa. Mit einer sch\u00f6nen Tasse Tee, warm in meiner Hand, die heute mal ganz ohne Eile getrunken werden kann.<\/p>\n<p>Damit bin ich schon direkt beim heutigen Thema, das  seit Wochen klammheimlich immer ein St\u00fcckchen n\u00e4her an mich r\u00fcckt, wie ein sch\u00fcchterner Verehrer neben einem auf der Parkbank. Heute hat er dann endlich seinen Arm um mich gelegt und ich genie\u00dfe das.<\/p>\n<p>Die Sinnlichkeit hat mich wieder.<\/p>\n<p>Nein,  hier geht&#8217;s nicht um Sex&#8230; Jedenfalls nicht vordergr\u00fcndig. Wer was \u00fcber Sex lesen m\u00f6chte, muss auf der Plattform nicht lange suchen, bis er unter eine gel\u00fcpfte Bettdecke schauen darf. Der Brominen Decke bleibt gef\u00e4lligst ungel\u00fcpft.<\/p>\n<p>Es geht ja blo\u00df um Schmecken, Riechen, H\u00f6ren, Sehen, F\u00fchlen.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr seit einem Vierteljahr schleicht er sich wieder an, einer meiner liebsten Lebens- begleiter, der Geschmackssinn, der Hochgenuss beim Essen. (Nicht <em>ganz<\/em> umsonst zeige ich der Welt schlie\u00dflich meine Zunge.) Nat\u00fcrlich habe ich auch vorher alles schmecken k\u00f6nnen, aber ich hab&#8216; immer wieder Phasen, in denen ich verst\u00e4rkt zur Geschmacksj\u00e4ge- rin werde. Dann will ich Neues, Ungew\u00f6hnliches, noch unbekannte Kombinationen, mir Gutes tun, mich verw\u00f6hnen und mal \u00fcberraschen. Und dann darf es gerne, muss aber gar nicht unbedingt Schokolade sein. Ein feiner Wein, ein gutes Brot, ein neues Gew\u00fcrz tun&#8217;s auch. Sich etwas genussvoll auf der Zunge zergehen zu lassen, von dem man wei\u00df, dass in dieses Produkt vielleicht viel Sonne, Liebe und K\u00f6nnerschaft eingegangen ist, ist doch wohl eine friedlichsten Handlungen \u00fcberhaupt! So, eine kleine, zarte Praline zum Beispiel, an deren entz\u00fcckender Form, Textur und komponierten Aromen sich ein Confiseur lange gem\u00fcht hat, happst man nicht einfach so weg wie Stulle.<\/p>\n<p>Komm&#8216; mir jetzt bitte keiner mit getr\u00fcffelter Stopfg\u00e4nseleber! Davon ist hier ja gar nicht die Rede. Ebensowenig wie von Austern oder Kaviar. Sowas hat Liebhaber, zugegeben. Vor allem doch aber, weil es teuer ist. Wer isst sowas schon zuhause, wenn keiner guckt? Eben. Nat\u00fcrlich mag ich auch mal einen sch\u00f6nen Champagner trinken, aber ein gut ge- machter Cr\u00e9mant f\u00fcr 8 Euro ist auch was Feines und ich behaupte auch gar nicht erst, dass ich den Unterschied \u00fcberhaupt schmecken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber den Unterschied zwischen einem Brot, das in Folient\u00fcte f\u00fcr 59 ct. beim Discounter rumliegt und einem, das ein guter B\u00e4cker ganz in Ruhe und aus wenigen Zutaten b\u00e4ckt, den schmeckt man sofort! Und den sollte man sich ruhig ab und an g\u00f6nnen, auch wenn f\u00fcr&#8217;s G\u00f6nnen eigentlich nichts auf Tasche ist. Das hat auch was mit Selbstwertgef\u00fchl zu tun. (Ich wei\u00df, wovon ich rede, denn auch hier gab&#8217;s Hartz-IV-Zeiten.)<\/p>\n<p>Aber mal weg vom Essen, ich krieg&#8216; hier langsam Appetit und habe nix Anst\u00e4ndiges mehr im Haus&#8230;<\/p>\n<p>Der Geschmackssinn ist mir also wichtig, aber er ist ja nun nicht der Einzige. Ich war wohl schon immer ziemlich sinnlich und das auf allen Ebenen. Das hab&#8216; ich vermutlich von der Mutter. Ger\u00fcche z.B. rufen schnell Gef\u00fchle oder Erinnerungen in mir auf, aber das geht ja eigentlich jedem so. Ob es ein leicht feuchter Kellergeruch ist, der mich an das stets gef\u00fcllte, d\u00e4mmrige Vorratslager meiner Oma erinnert oder aktuell der herbe Geruch von Herbstlaub, das feucht auf den Wegen liegt. Der metallische Geruch, den die Stadtluft im Sommer nach einem Regenguss hat, der Gestank nach Schwefel in der Silvesternacht (den ich aber komischerweise mag) oder wenn mein Nachbar eine seiner scheu\u00dflichen Zigarillos raucht (was ich eher nicht so&#8230;). Und dann wieder: frisches Brot, Gurkensalat, Erdbeeren, Freilandrosen, Kaffee, das Fell einer Katze, die eben in der Sonne gelegen hat, und nat\u00fcrlich: frisch gem\u00e4htes Gras. Stars der Geruchshitparade.<\/p>\n<p>Und jetzt das H\u00f6ren: Die Ger\u00e4usche im Haus, Kinder streiten sich auf der Stra\u00dfe, ein Auto f\u00e4hrt langsam vorbei. Im Sommer zirpt&#8217;s im Gras und wer Gl\u00fcck hat, h\u00f6rt Lerchen \u00fcber den Feldern. Mein Lieblingsger\u00e4usch? Das kennt ihr: Das Rauschen der Pappel vor meinem Haus. Das zweitliebste? Das lass&#8216; ich Euch mal raten&#8230; Mal abwarten, ob Einer drauf kommt. *g* &#8211; Wo war ich? Ach ja: Und Musik! Nat\u00fcrlich&#8230;<\/p>\n<p>Und Stille.<\/p>\n<p>In der Stille zu zweit sein und sie teilen. Unvergleichlich. Da ist viel Platz zum Sehen und F\u00fchlen. <\/p>\n<p>Kleiner Schlenker: <br \/>Gestern hab&#8216; ich  einen kurzen Bericht \u00fcber James Turell und sein <a href=\"http:\/\/www.kunstmuseum-wolfsburg.de\/exhibition\/110\/James_Turrell._The_Wolfsburg_Project_\" target=\"_blank\">&#8222;Wolfsburg-Projekt&#8220;<\/a> (Video beachten!) ferngesehen, da ging&#8217;s unter anderem um die F\u00fchlbarkeit des Lichts. (Ich wei\u00df von mir, dass ich auch mit verbundenen Augen sagen kann, ob das Licht an oder aus ist. Ist gar nicht so schwer, lohnt sich mal, zu probieren.) Turell hat \u00fcbrigens schon vor Jahren einige Installationen im Hann\u00f6verschen Sprengel-Museum angelegt, die mich immer sehr angesprochen haben. Die Stadt Wolfsburg an sich hingegen fand ich bisher immer eher uninteressant, weil ich da eigentlich blo\u00df an Autos denken muss, aber jetzt will ich dann doch mal hin!<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wieso, aber manchmal frage ich mich, ob ich ohne das Sehen auskommen k\u00f6nnte. Ich hoffe, das ist keine schlimme Vorahnung oder sowas. Jedenfalls denke ich dann: ich habe soviele Bilder in mir, die k\u00f6nnte ich dann doch aufrufen&#8230; Trotzdem, wen \u00fcberrascht&#8217;s, h\u00e4tte ich das eher ungern, denn gerade in der Gegend rumgucken gef\u00e4llt mir besonders gut.<\/p>\n<p>Das F\u00fchlen und der Tastsinn; &#8211; ich glaube, von diesen Beiden kriegen wir oft gar nicht so viel mit, denn die Wahrnehmung nimmt uns viel weg, damit wir nicht pl\u00f6tzlich mal balla balla werden. Dass wir Klamotten tragen, merken wir z.B. \u00fcber&#8217;n Tag kaum, wenn nicht gerade die Hose kneift. Eigentlich m\u00fcssten die Nerven die ganze Zeit Funken: Kontakt hier, Kontakt da. Machen sie aber nicht, weil sie oft viel lernf\u00e4higer sind als ihre Besitzer. Trotzdem lege ich Wert darauf, mich lieber mit angenehmen Materialien zu ummanteln. Am liebsten habe ich ganz, ganz weiche, zarte Baumwolle. Samt ist auch sch\u00f6n. Seide ist mir zu k\u00fchl und Wolle darf auf gar keinen Fall kratzen, schon allein, weil mein zarter Schwanenhals so empfindlich ist, dass ich das Kitzeln meiner eigenen Haare daran schon manchmal zu viel finde. Polyester soll \u00fcbrigens meinetwegen bleiben, wo sie will. Und das sind jetzt nur Materialien, die in der Kleidung stecken k\u00f6nnen und Ber\u00fchrung ganz neben- bei und unbewusst ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Da gibt&#8217;s aber auch noch die ollen K\u00fcsse der ungeliebten Tante, die man jahrzehntelang lieber vergessen m\u00f6chte. Oder einen frischen Luftzug im Wohnzimmer. Strahlende Ofen- w\u00e4rme. Haareziepen beim K\u00e4mmen. Das Gef\u00fchl, barfu\u00df in &#8217;nem Bachbett herumzulaufen. In eine hei\u00dfe Wanne zu sinken. Sonne auf der Haut zu haben, oder sogar geliebte fremde Haut. Ausgekitzelt werden. Eine glatte Kastanie in der Tasche umfassen.<\/p>\n<p>Wie gesagt, die Sinnlichkeit hat mich wieder, ist hochwillkommen und darf sich oft \u00fcber volle Aufmerksamkeit und Zuwendung freuen. Und jetzt muss ich mal einkaufen: Gucken, Tasten, Schnuppern&#8230;<\/p>\n<p>Und Ihr? Tut Euch was Gutes&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also ehrlich, hier habe ich lange nicht gele- gen&#8230; Tja, trauriger Mangel an Gelegenheit. Aber ich bin gerade mal ein bisschen krank geschrieben und wo k\u00f6nnte man \u00fcberraschend geschenkte Zeit besser verstreichen lassen als auf einem gem\u00fctlichen Sofa. 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