{"id":7301449,"date":"2009-11-03T20:07:15","date_gmt":"2009-11-03T20:07:15","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/11\/03\/saunier-7301449\/"},"modified":"2009-11-03T20:07:15","modified_gmt":"2009-11-03T20:07:15","slug":"saunier-7301449","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/11\/03\/saunier-7301449\/","title":{"rendered":"Saunier&#8216; mir!"},"content":{"rendered":"<p>Freundin T. hat rigoros entschieden, ich br\u00e4uchte jetzt <em>&#8222;was Warmes, Kuscheliges&#8220;<\/em>, und wo sie Recht hat, hat sie nun mal Recht. Es stellt sich dann aber raus, dass sie blo\u00df mit mir in die Sauna will. Und weil ich am Wochenende direkt mal eben 1 1\/2 Kilo abgenom- men habe, finde ich mich auch ausreichend sch\u00f6n daf\u00fcr. Das finden eventuell auch die anderen Saunierer, denn wenn nicht neugierig geguckt wird, dann erkl\u00e4rt man uns sogar gerne, wo wir was am sch\u00f6nsten machen k\u00f6nnen, obwohl wir eigentlich gar nicht gefragt haben und nur so gucken.<\/p>\n<p>Wir saunen <em>antizyklisch<\/em>, Freundin T. und ich. Antizyklismus bringt&#8217;s. Das ist nicht etwa ein neuer Wellness-Trend, sondern bedeutet lediglich, dass immer da, wo wir <em>rein<\/em>gehen,  die Anderen gerade<em> raus<\/em>wollen. Das Gute dabei ist nat\u00fcrlich, dass wir auch in der Sauna schwatzen k\u00f6nnen und uns ohne die Aufg\u00fcsse dabei sogar sehen k\u00f6nnen, weil keine l\u00e4stigen Dampfschwaden zwischen uns wabern.<\/p>\n<p>Wenn wir fix und fertig sind, gehen wir ins Wasser.<br \/>Und dann kommen wir wieder raus und legen uns in den Ruheraum.<\/p>\n<p><a title=\"Saunageschredder\" href=\"#\"><img style=\"margin: 5px; float: left;\" src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/4073309_3a1476c1d6_m.jpeg\" alt=\"Saunageschredder\"><\/a> Einer der beiden Ruher\u00e4ume ist ein riesiges Holzgeb\u00e4ude im Garten, mit luftiger Decke und Kamin. Es hei\u00dft sogar &#8222;Silentium&#8220; und drinnen herrscht absolute Stille. Bis auf das Herumgekrame der Ruhenden nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist ein Holzgranulat ausgestreut, das fast soviel L\u00e4rm macht wie frisch ge- harkter Kies. Und wenn man die Schlappen auszieht, muss man ganz tapfer sein und sich zusammenrei\u00dfen, um nicht vor Fu\u00df- schmerzen  laut <em>&#8222;Kartoffelsalat!!!&#8220;<\/em> zu rufen.<\/p>\n<p>Der Planer muss ein Witzbold gewesen sein, der bestimmt immer noch zuhause sitzt und sich verschmitzt die kleinen H\u00e4ndchen reibt vor Schadenfreude.<\/p>\n<p>Kaum, dass wir liegen, kommt ein Fr\u00e4ulein vom Personal sehr leise durch die T\u00fcr, macht sehr leise die Kamint\u00fcr auf, legt ausgesprochen leise ein paar Scheite hinein und versucht dann, leise ein Blatt Zeitungspapier zu zerkn\u00fcllen. Wer Spa\u00df dran hat, kann jetzt ja mal raten, ob es ihr gelungen ist&#8230;<\/p>\n<p>Als wir fertig &#8222;geruht&#8220; haben, und wieder in den Saunabereich wollen, h\u00e4lt uns ein netter Herr die T\u00fcr auf. Prompt kommen noch jede Menge andere G\u00e4ste und er kann die T\u00fcr nicht loslassen. Verdammte H\u00f6flichkeit. Ich sage noch: &#8222;Na, da haben sie jetzt aber den Abend lang zu tun, was?&#8220;, da h\u00e4lt uns zuf\u00e4lligerweise sein Freund gleich noch die zweite T\u00fcr dahinter auf. Wir bedanken uns artig und bekommen daraufhin den T\u00fcraufhalter sofort als &#8222;Hermann&#8220; angeboten. Ich gucke kurz, brauchbar sieht er ja aus, der Hermann, aber dann f\u00e4llt mir ein, dass ich ja noch drei Herm\u00e4nner zuhause habe. Bei denen handelt sich zwar um <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann-Teig\" target=\"_blank\">Teig<\/a>, aber Kuchen ist mir eventuell zurzeit ohnehin lieber. Der streitet sich nicht mit mir rum, und wenn, bring&#8216; ich ihn einfach um die Ecke und trinke noch Tee dazu.<\/p>\n<p>Wir lassen Hermann also links liegen und muckeln uns wieder ins Warmhei\u00dfe, bevor  ich mich unter Fiepen komplett in sehr, <em>sehr<\/em> kaltes Wasser tunke, und wir danach im zweiten Ruheraum landen. Dort \u00fcberlege ich bald, mal heimlich eine Kamera aufzustellen, die den ganzen Tag nur das ewige Deckenauf- und Zugefalte filmen darf. Jeder, der kommt, findet eine gefaltete Decke vor und hinterl\u00e4sst eine ebensolche. Ein Kommen und Gehen und Wedeln und Aussch\u00fctteln und Falten ist hier an der Tagesordnung, dass die Luft nur so zirkuliert! Sp\u00e4ter stellen wir sogar fest, dass es wohl sogar den Beruf des Deckenfalters geben muss, denn da l\u00e4uft einer vom Personal herum, der tut nichts anderes, als Decken zu falten. Ich stelle mir dann vor, wie ich irgendwo einen netten Herrn kennenlerne, und dann frage ich ihn, was er denn so beruflich tut. Und dann sagt der: &#8222;Ich bin Plaidfolding Manager in einem gro\u00dfen Wellness-Unternehmen!&#8220;<\/p>\n<p>Weil T.&#8217;s Magen inzwischen so laut grumbelt, dass wir gegen die Ruheverordnung versto- \u00dfen, kehren wir im Bistro ein. Ich bin entsetzt, dass sie dort gar nicht mehr dieses irre leckere Roastbeef mit Bratkartoffeln auf der Karte haben, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut habe. Als ich mich dann endlich f\u00fcr die Entenkeule in Orangensauce entscheide, gibt&#8217;s die auch nicht mehr. T. bem\u00fcht sich, w\u00e4hrend des Essens nicht einzu- schlafen und ich versuche, die Beinchen adrett \u00fcbereinanderzuschlagen. Es geht leider nicht, weil der Tisch zu niedrig ist. Wahrscheinlich hat den ebenfalls das M\u00e4nnlein entworfen, das auch das Granulat auf den Gewissen hat.<\/p>\n<p>Als wir kurz darauf noch mal ruhen wollen, sind T.s F\u00fc\u00dfe vom Essen so schwer gewor- den, dass sie ihre Liege fast nur mit tatkr\u00e4ftiger Hilfe nach hinten gekippt bekommt. Zum Gl\u00fcck ist Hermann grad&#8216; au\u00dfer Sichtweite. Ein paar Reihen hinter uns h\u00e4lt sich jemand auf, den wir zwar auch nicht sehen k\u00f6nnen, aber: <em>Ey du! Du, mit der rascheligen Plastik- t\u00fcte, in der du minutenlang herumgesucht hast, nur unterbrochen vom hektischen Auf- und Zuziehen des Rei\u00dfverschlusses deiner Sporttasche, bis du dann unter lautem Schlapfen und T\u00fcrenklappen den Raum verlassen hast: sag&#8216; uns ruhig n\u00e4chstes Mal Bescheid, wenn du in die Sauna gehst! Ich bring&#8216; dann meine Bohrmaschine, den Staub- sauger und meine anstrengende Kollegin mit, dann wollen wir doch mal sehen!<\/em> &#8211; Keine Ahnung, wie T. bei dem L\u00e4rm schlafen kann&#8230; Ich liege wach, gucke den hellen Nebel- schwaden drau\u00dfen zu, die vom Solebecken aufsteigen und versuche, was Sch\u00f6nes zu denken.<\/p>\n<p>Als T. wieder wach wird, saunieren wir noch mal, tauchen uns in<em> noch<\/em> k\u00e4lteres Wasser (mindestens &#8211; 10 \u00b0C, wahrscheinlich Fl\u00fcssigstickstoff), ruhen noch mal (eine Frau, die vor uns schl\u00e4ft, seufzt auf eine Weise, der man anmerkt, dass sie sich im Traum a<em>usgespro- chen<\/em> wohl f\u00fchlt. Ich w\u00fcrde ja jetzt gern behaupten, dass ich das war, aber das w\u00e4re leider gelogen.), dann reibt sich T. aus Versehen noch statt mit K\u00f6rperlotion mit Duschgel ein, und dann  gehen wir.<\/p>\n<p>Und sind uns wieder mal einig: sowas machen wir jetzt \u00f6fter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freundin T. hat rigoros entschieden, ich br\u00e4uchte jetzt &#8222;was Warmes, Kuscheliges&#8220;, und wo sie Recht hat, hat sie nun mal Recht. Es stellt sich dann aber raus, dass sie blo\u00df mit mir in die Sauna will. 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