{"id":6483161,"date":"2009-07-10T08:25:29","date_gmt":"2009-07-10T08:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/07\/10\/sieht-s-6483161\/"},"modified":"2009-07-10T08:25:29","modified_gmt":"2009-07-10T08:25:29","slug":"sieht-s-6483161","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2009\/07\/10\/sieht-s-6483161\/","title":{"rendered":"So sieht&#8217;s aus."},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Dass ich mit meinem neuen Job nicht ganz gl\u00fccklich bin, hat man mir hier wahrscheinlich schon angemerkt. Dass ich aber regelrecht ungl\u00fccklich bin, gebe ich erst heute richtig zu. Ich f\u00fchl mich sogar fast ein bisschen wie eine Fliege auf Leimpapier.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Es k\u00f6nnte ein toller Job sein, die Aufgabe macht mir richtig Spa\u00df, weil ich dort vieles anbringen kann, was ich in anderen Bereichen aufgesammelt habe. Ich muss Gruppen kompetent\/witzig erkl\u00e4rend durch die Ausstellung f\u00fchren, mich f\u00fcr die anschlie\u00dfende Verkostung in eine fixe Kaltmamsell verwandeln und zwischendrin den ganzen, vielen B\u00fcrokram machen. Meine G\u00e4ste sind mal fidele Landfrauen, mal Lions-Clubs. Mal die \u00f6ligen Au\u00dfendienstler mit ihren Kunden, mal Seminarg\u00e4ste, mal die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit wichtigen Besuchern. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Ich bestelle die ganze Ware, karre sie an, h\u00fcte den Verkauf, organisiere Veranstaltungen und bereite sie vor (und nach). Dann bin ich noch f\u00fcr das ganze Geb\u00e4ude und seine Tech- nik zust\u00e4ndig und muss Handwerker koordinieren und wissen, wieso die Heizung mal wieder nicht z\u00fcndet und warum die Beleuchtung neuerdings flackert. Zwischendrin stehe ich auf der Leiter und wechsle Spots aus, w\u00e4hrend ich vielleicht eine telefonische Anfrage entgegennehme oder mache die Abrechnung f\u00fcr die letzte Veranstaltung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Die Details lasse ich jetzt mal weg.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Alles w\u00e4re sch\u00f6n, wenn ich das nicht mit der Kollegin machen m\u00fcsste. Sie hat offiziell die Leitung der ganzen Klamotte inne, wir sind also zu zweit, und ich bin ihre \u0084rechte Hand\u0093. Ich bin da eigentlich gut drin, ich bin n\u00e4mlich was ganz Seltenes: gern die Zweite. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Allerdings geht das nur so lange gut, wie ich jemanden unterst\u00fctzen kann, der was auf dem Kasten hat und wei\u00df, was er an mir hat. Oder sie. Leider ist meine Weisungsbefugte aber unf\u00e4hig zur Teamarbeit, herzlich unorganisiert, daf\u00fcr extrem hektisch, trickst sich \u00fcberall durch und l\u00e4sst sich liebend gern den Allerwertesten nachtragen. Dabei tut sie wahnsinnig herzlich und glaubt, man merkt nicht, wie sie ihre Sch\u00e4fchen unterm Ellen- bogen durch ins Trockene winkt. Ehrlich gesagt, brauchte ich tats\u00e4chlich ein Weilchen, bis ich das alles so auseinanderkriegte, weil ich diese Form von \u0084Zusammenarbeit\u0093 \u00fcberhaupt nicht kannte, arglos und hilfsbereit, wie ich bin. Und nachdem ich nun einige Monate dort bin, fassen andere Mitarbeiter Vertrauen zu mir und best\u00e4tigen mir, was ich schon lange ahne: Intrigen, Stuhlges\u00e4ge, und meine mitunter von Heulkr\u00e4mpfen gesch\u00fct- telte Vorg\u00e4ngerinnen, die immer <em>gegangen<\/em> wurden, wenn\u0092s irgendwo hakte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Doof dazu, dass Madame mit der Oberchefin lose befreundet ist und die auch nur am Rande mitbekommt, was bei uns so los ist, denn wir sind relativ autark in unserem Geb\u00e4ude.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Ich wei\u00df, was ich leiste. Ich rackere 40 Std. in der Woche, und zwar so, dass ich abends umkippe. Schlie\u00dflich arbeite ich nicht selten f\u00fcr Zwei, habe die ganze Organisation immer mit im Kopf. Ich glaube, dass auch die Oberchefin und die anderen Herrschaften der Gesch\u00e4ftsleitung inzwischen sehr zufrieden mit dem sind, was sie von mir mitbekommen. Leider ist das aber nicht wirklich viel. <em>Wenn die w\u00fcssten, was sie alles nicht wissen! <\/em>Aber ich kann (und will) ja schlecht hingehen und petzen. Und k\u00fcndigen kann ich auch nicht, weil ich nat\u00fcrlich das Geld brauche, um die Verluste der letzten Jahre mal wieder aufzu- holen und zudem eine F\u00f6rderung zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcsste, wenn der Vertrag (1 Jahr) nicht erf\u00fcllt wird. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Mein Plan ist nun, nach dem Urlaub (dann ist auch meine 6-monatige Probezeit rum) ein Gespr\u00e4ch mit der Oberchefin zu suchen und dann sehr gut vorbereitet zu sein. So viele sachliche Argumente wie nur m\u00f6glich, Pers\u00f6nliches nur hauchd\u00fcnn mal zwischen zwei Zeilen oder so. Eventuell weckt das mal Aufmerksamkeit und die Erkenntnis, dass es ja nicht immer ausschlie\u00dflich an den \u0084rechten H\u00e4nden\u0093 liegen kann, wenn was nicht l\u00e4uft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Und nebenbei studiere ich eben die Stellenanzeigen. Schade. Wirklich.<br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich mit meinem neuen Job nicht ganz gl\u00fccklich bin, hat man mir hier wahrscheinlich schon angemerkt. Dass ich aber regelrecht ungl\u00fccklich bin, gebe ich erst heute richtig zu. Ich f\u00fchl mich sogar fast ein bisschen wie eine Fliege auf Leimpapier. 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