{"id":4616999,"date":"2008-08-21T08:40:07","date_gmt":"2008-08-21T08:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/08\/21\/schulterzucken-hilft-bei-gewitterfront-4616999\/"},"modified":"2008-08-21T08:40:07","modified_gmt":"2008-08-21T08:40:07","slug":"schulterzucken-hilft-bei-gewitterfront-4616999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/08\/21\/schulterzucken-hilft-bei-gewitterfront-4616999\/","title":{"rendered":"Schulterzucken hilft bei Gewitterfront"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Nachdem ich gestern fr\u00fch einen wichtigen Termin abgehakt hatte, bei dem sich \u00fcbrigens rausstellte, dass ich v\u00f6llig umsonst schlecht geschlafen, mich aufgeregt und -ger\u00fcscht hatte, weil der Job dann doch leider nicht in Frage kam, rief ich endlich mal wieder Freun-<br \/>din M. an, drohte mit meinem spontanen Besuch und versprach, Br\u00f6tchen mitzubringen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In der B\u00e4ckerei sollte ich 2,18 \u20ac zahlen und schob der Verk\u00e4uferin einen Zwanziger zu. Sie hatte aber nur wenig Wechselgeld in der Kasse und war jetzt v\u00f6llig zerknirscht, weil sie mir nur Hartgeld zur\u00fcckgeben konnte. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eNaja\u201c, antwortete ich schulterzuckend, \u201eist doch schlie\u00dflich auch Geld. Heute ist wohl so ein Tag, an dem alle mit Scheinen kommen, was?\u201c Sie entschuldigte sich aber gleich noch mal so, als w\u00e4re sie mir aus Versehen heftig \u00fcber den Fu\u00df gefahren und meinte, es t\u00e4te ihr <em>wirklich total leid! <\/em>Dann fing sie an, mir z\u00f6gerlich die Ein- und Zwei-Eurost\u00fccke hinzuz\u00e4hlen, was ihr sichtlich unangenehm war. \u201eOch was\u201c, sagte ich, \u201cdas krieg\u2019 ich auch noch irgendwie ausgegeben. Ist doch nicht schlimm&#8230;\u201c Ihre Kollegin hatte nebenbei alles mit angeh\u00f6rt und meinte anerkennend: \u201eAlso, so viel Verst\u00e4ndnis haben die Kunden aber echt selten!\u201c und ihr war tats\u00e4chlich Erleichterung anzusehen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Jetzt wei\u00df ich nicht, ob\u2019s nun daran lag, dass ich fr\u00fcher selbst mal im Verkauf gearbeitet habe, oder ob es selten vorkommt, dass die da nicht so wechseln k\u00f6nnen, wie sie wollen. Aber ich frage mich schon, welche Reaktion die Beiden denn bef\u00fcrchtet hatten. Sind die Kunden inzwischen so, dass man regelrecht Schiss vor ihnen haben muss? Hatten sie Angst, ich w\u00fcrde gleich anfangen, das schlimme Lied von der &#8222;Servicew\u00fcste Deutschland&#8220; zu singen? Haben sie mit einer Anzeige gerechnet, wegen &#8222;mutwilliger Portemonnaie-<br \/>Beschwerung&#8220;? <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Etwas sp\u00e4ter ahnte ich dann, wie bei denen die Otto-Normalkundin aussehen muss: <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Freundin M. wollte nach dem Fr\u00fchst\u00fcck gern noch mit ihren beiden s\u00fc\u00dfen T\u00f6chtern auf den Spielplatz an der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Kaum, dass wir so dasa\u00dfen und schnatterten, kam eine Kindergartentruppe angetummelt und begann unter fr\u00f6hlichem Gejohle einen Regentanz. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Eine \u00e4ltere Frau, Typ Hanseatenschickse, n\u00e4herte sich mit ihrem halbvollen Einkaufsbeu-<br \/>tel, verzog schmerzlich das Gesicht und fragte ein Kind: \u201eWas schreist Du denn so! Du musst doch nicht so schreien!\u201c Das Kind lie\u00df sich aber zum Gl\u00fcck nicht beirren und lach-<br \/>te herzhaft, bevor es erneut loslegte. Jetzt blieb die Frau aber stehen und fing an, erstmal kr\u00e4ftig rundum zu meckern, erwischte dabei einen Betreuer und wollte ihn jetzt zur Verant-<br \/>wortung ziehen: \u201eMuss das sein, dieses Geschrei hier!?! Das geht doch nicht!\u201c Der blieb aber ganz ruhig und meinte nur: \u201eDas ist\u2019n Spielplatz hier!\u201c <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nu\u2019 wurde Omi aber richtig fuchsig, holte ihr Handy raus und fing an, zu Demonstrations-<br \/>zwecken zu telefonieren. Nur um irgendeinem armen, unbeteiligten Menschen mitzuteilen, es sei hier <em>so laut,<\/em> dass man sein eigenes Wort nicht verst\u00fcnde! <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich muss jetzt mal sagen, dass <em>mir<\/em> das noch nie passiert ist. Ich verstehe meine eigenen Worte immer prima, egal, ob\u2019s nun laut ist oder nicht. Manche verstehe ich sogar, obwohl ich den Mund gar nicht erst aufgemacht habe! Was ich hingegen manchmal nur ganz schlecht verstehe, sind die Worte der Anderen, aber das ist ja ganz normal&#8230; <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich meine, wenn man in der N\u00e4he eines Spielplatzes <em>wohnt<\/em>, kann das im Sommer schon mal anstrengend sein; ich wei\u00df gut, wovon ich rede. Aber im <em>Vorbeigehen<\/em> Kinder anzu-<br \/>meckern, die sich in der Stadt auch mal austoben wollen&#8230;? &#8211; Das erinnert mich schwer an das Titellied der 70er-Kinderserie \u201e<a href=\"http:\/\/de.youtube.com\/watch?v=Ksc7vGCHjOc\">Rappelkiste<\/a>\u201c, in dem ja vorkommt: <em>\u201eMachste mal zuhause Krach, kriegste gleich eins auf das Dach. Willste \u00fcbern Rasen laufen, mu\u00dfte dir ein Grundst\u00fcck kaufen. Spielste mal im Treppenhaus, schmei\u00dft dich gleich der Hauswart raus<\/em><em>.\u201c<\/em><em> <\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Kindergartenbetreuer schlug der Frau vern\u00fcnftigerweise vor, sie k\u00f6nnte doch auch ein-<br \/>fach weiter gehen&#8230; <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">So h\u00e4tte ich das \u00fcbrigens auch gemacht. Die Gesetze der Physik sagen schlie\u00dflich, dass die Lautst\u00e4rke mit der Entfernung abnehmen muss. Madame hatte aber zuwenig Ahnung von Physik und rief entr\u00fcstet: \u201eJa, ich kann doch nicht fliegen!!!\u201c. Aber stehen bleiben und wertvolle Energie verpuffen, das konnte sie prima. Erst als sie merkte, dass wirklich niemand Partei f\u00fcr sie ergriff, sondern eher \u00fcberall geschmunzelt wurde, ging sie unter anhaltendem Gezeter und Gepruste weiter. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich vermute, zum B\u00e4cker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich gestern fr\u00fch einen wichtigen Termin abgehakt hatte, bei dem sich \u00fcbrigens rausstellte, dass ich v\u00f6llig umsonst schlecht geschlafen, mich aufgeregt und -ger\u00fcscht hatte, weil der Job dann doch leider nicht in Frage kam, rief ich endlich mal wieder Freun-din M. an, drohte mit meinem spontanen Besuch und versprach, Br\u00f6tchen mitzubringen. 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