{"id":4473150,"date":"2008-07-20T10:59:35","date_gmt":"2008-07-20T10:59:35","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/07\/20\/reisen-ist-toll-ehrlich-4473150\/"},"modified":"2008-07-20T10:59:35","modified_gmt":"2008-07-20T10:59:35","slug":"reisen-ist-toll-ehrlich-4473150","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/07\/20\/reisen-ist-toll-ehrlich-4473150\/","title":{"rendered":"Reisen ist toll. Ehrlich."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"#\" title=\"Dortmund\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/2672952_2c67c3dcaf_m.jpeg\" alt=\"Dortmund\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><br \/>Kaum Jemandem wird\u2019s verborgen geblieben, dass ich \u00f6fter mal mit\u2019m Zug fahre; &#8211; gestern hab\u2019 ich\u2019s schon wieder getan. Und zwar habe ich\u2019s nach D\u00fcsseldorf getan.       <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In Hannover auf dem Bahnsteig sa\u00df ich erst noch ein Viertelst\u00fcndchen in so einem Draht-<br \/>ding, die sie einem dort als \u201eSitzgelegenheiten\u201c unterjubeln wollen und wo einen der kalte Wind so richtig sch\u00f6n von unten und von hinten erwischen kann. Ein P\u00e4rchen setzte sich neben mich und dann roch es pl\u00f6tzlich sehr unfein. Ich dachte schon: Puh, da ist aber bestimmt jemand ziemlich krank oder so. Aber als ich vorsichtig r\u00fcbergucke, stelle ich fest, dass die Beiden nur ihr Fr\u00fchst\u00fcck ausgepackt haben. Aus so braunen Papiert\u00fcten, die man bei diesem einen Frikadellenbrater bekommt. Sie hatte sich wohl so ein komi-<br \/>sches Eidings einpacken lassen, und dem Geruch nach musste das fast \u00e4lter sein als ich. Was Leute so runterkriegen, morgens um achte! <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als unser Zug dann kam, stiegen da auch ein paar Jungs ein, die schon ein 5l-Bierf\u00e4ss-<br \/>chen ernsthaft in Arbeit hatten. Also wirklich. Was Leute so runterkriegen, morgens&#8230; Zum Gl\u00fcck setzten die sich aber eine ganze Ecke weit weg von mir und der Zug war ohne-<br \/>hin himmlisch leer. Leider bin ich mit diesem Zug nur eine halbe Stunde gefahren, bis ich in Minden umsteigen musste. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und in Minden schwante mir B\u00f6ses. Denn der Mindener Bahnhof, der \u00fcbrigens eine sehr interessante Anordnung der Gleise hat (Gleis 1 f\u00fchrt irgendwie vor dem Bahnhofsgeb\u00e4ude lang. Da muss man, wenn man drauf angewiesen ist, auch erstmal drauf kommen.), war voll mit Geradeerwachsenen in unterschiedlich stark angetrunkenen Zust\u00e4nden. Wie ge-<br \/>sagt, was die Leute so runter&#8230; Ich brachte mich fix auf einem Fensterplatz unter, meinen Koffer vor dem Sitz neben mir, als die Mindener schon unter Get\u00f6se den Zug st\u00fcrmten. Vor mir nahm ein netter junger Mann Platz, und fragte mich gleich: \u201eNa? F\u00e4hrste auch zur Love-Parade?\u201c Und da hat\u2019s dann aber ganz ordentlich ged\u00e4mmert in meinem Oberst\u00fcb-<br \/>chen! \u201e\u00c4h, nee. Wo ist die denn dieses Jahr?\u201c &#8211; \u201eNa, in Dortmund!\u201c <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bis Dortmund waren\u2019s noch zweieinhalb Stunden, mindestens. Eher drei. Ach, &#8211; hab\u2019 ich schon erw\u00e4hnt, dass der Zug \u00fcbrigens ein Regionalexpress war? So einer, der alle zehn Meter anh\u00e4lt? Jetzt wurde mir auch klar, wieso ich kein vern\u00fcnftiges ICE-Ticket mehr be-<br \/>kommen hatte. Sondern nur so eins, mit dem ich zweimal umsteigen musste, um an meinen Zielort zu kommen. Love-Parade! Und keine Zusatzz\u00fcge f\u00fcr die erwarteten 2 Millionen Besucher. Na klar! Deswegen. Na, das konnte ja lustig werden&#8230; <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wurde es leider nicht. Es wurde sehr schnell sehr eng. Neben mich quetschte sich ein M\u00e4dchen, dem es zum Gl\u00fcck nichts ausmachte, dass wir unsere Beine um meinen Koffer drapieren mussten (in Regionalz\u00fcgen sind die \u00dcber-Kopf-Gep\u00e4cktr\u00e4ger-Regale n\u00e4mlich in so einer wahnwitzigen Schr\u00e4glage angebracht, dass kein kleinstes K\u00f6fferchen reinpasst. H\u00f6chstens mal ein T\u00fctchen Erdn\u00fcsse oder so). Das M\u00e4dchen packte mal gleich ein Grapefruitbier aus (Grapefruit ist ja auch <em>sehr<\/em> gesund zum Fr\u00fchst\u00fcck) und dazu noch so ein kleines P\u00fcllchen, bei dem man wohl erstmal anklopfen muss, bevor man\u2019s \u00f6ffnen darf. Fiel aber gar nicht weiter auf. Eigentlich war <em>ich<\/em> die Auff\u00e4llige, weil ich als Einzige keinen Flaschenhals im Gesicht hatte. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mein \u201eProst!\u201c hat sie bestimmt auch gar nicht geh\u00f6rt, daf\u00fcr war die Musik zu laut. Ich bin mir jedenfalls relativ sicher, dass da Techno lief, irgendwo unter dem Geschrei (\u201eNee, das macht voll blass, da sieht man ja aus wie son Gothik-Vieh!\u201c \u201eIntim mach\u2019 ich mir nicht, das ist doch voll h\u00e4sslich!\u201c \u201eBoah, ich muss voll pissen, Alter, ich glaub\u2019, der Urin zirkuliert bei mir schon bis in die Herzkammern!\u201c) und den Fu\u00dfballges\u00e4ngen (\u201eOleeee, wir fahr\u2019n zur Love-Parade!!!\u201c \u201eEs gibt nur ein\u2019n Rudi V\u00f6ller!\u201c). Es war aber auch sowieso kein besonders guter Techno, eher so das, was man an der Tanke als Sampler-CD kaufen kann, deswe-<br \/>gen war\u2019s auch nicht richtig schade drum. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Schade war, dass in mir Panik aufstieg, weil ich mir vorkam wie in einem Viehtransporter. Eng zusammengequetscht, keine Aussicht darauf, eventuell irgendwie zum Klo zu kom-<br \/>men oder auch aussteigen zu k\u00f6nnen, um dann drei Stunden in, sagenwirmal, Beckum rumzustehen und zu warten, bis alle Sauft\u00fcten in Richtung Dortmund durchgerauscht sind. Das war nix f\u00fcr die alte Bromine, das kann ich Euch sagen. Das Feiern, Rauchen, Saufen und die aufgeregte Vorfreude h\u00e4tte ich noch prima ausgehalten, wenn da nicht noch diese drangvolle Enge und der unglaubliche L\u00e4rm gewesen w\u00e4ren. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In jedem Bahnhof versuchten sich noch Hunderte dazuzuquetschen, was dazu f\u00fchrte, dass wir jeweils mindestens eine Viertelstunde standen und mehrfach die Durchsage kam, wir sollten doch bitte endlich die T\u00fcren freigeben, damit\u2019s weiter gehen kann. Und nat\u00fcrlich fingen auch welche an, sich zu buffen, weswegen dann auch noch Spezialpolizei in voller Montur anr\u00fcckte, um \u201ezu schlichten\u201c. Da standen wir schon in Hamm und eigent-<br \/>lich w\u00e4r\u2019 es jetzt nicht mehr weit gewesen. Das ging nat\u00fcrlich schon ein bisschen auf die allgemeine gute Laune. Ich konnte eigentlich schon l\u00e4nger nicht mehr, wenn ich ehrlich bin. Irgendwann setzte sich in mir ein Mantra durch: \u201eHalt durch, Baby. Halt durch.\u201c Komisch, ich hab\u2019 mich noch <em>nie<\/em> von<em> Ir-gend-wem<\/em> \u201eBaby\u201c nennen lassen, nicht mal von mir selber. Half aber. Muss ich mir also mal merken. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In Dortmund kamen wir jedenfalls nach vier Stunden an, kurz bevor die ersten anfingen, in die Ecken zu pinkeln oder sich zu \u00fcbergeben. Der Zug leerte sich und zur\u00fcck blieben eine Handvoll \u201eNormalreisende\u201c wie ich, die wortlos ersch\u00f6pfte, aber bedeutungsvolle Blicke tauschten. Dazu tonnenweise leere Flaschen (was eine eigentlich interessante Ger\u00e4usch-<br \/>kulisse abgab, wenn wir z.B. in Kurven fuhren oder hielten), M\u00fcll und eine gef\u00fchlte 1-cm dicke klebrige Bodenschicht aus Asche, Bier, Wodkairgendwas, Kippen und zertretenen Chips. Was eben von der Liebe \u00fcbrig blieb&#8230; <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">So sehr hab\u2019 ich echt mich noch nie gefreut, D\u00fcsseldorf zu sehen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Da war der Rest der Fahrt (immerhin noch anderthalb Stunden) die reinste Kreuzfahrt. N\u00e4chstes Jahr soll die Love-Parade ja in Bochum sein. Aber dann ganz sicher ohne mich. Bochum liegt ja noch <em>hinter<\/em> Dortmund, also, von Hannover aus gesehen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nee, echt. Voll sorry.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"1\">(Der Text ist \u00fcbrigens nur deshalb so lang, weil mir die Fahrt fast wie ein halbes Leben vorkam&#8230;)<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum Jemandem wird\u2019s verborgen geblieben, dass ich \u00f6fter mal mit\u2019m Zug fahre; &#8211; gestern hab\u2019 ich\u2019s schon wieder getan. Und zwar habe ich\u2019s nach D\u00fcsseldorf getan. 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