{"id":4036887,"date":"2008-04-13T07:52:41","date_gmt":"2008-04-13T07:52:41","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/04\/13\/kuchensofagedanken-am-morgen-teil-10-sch-4036887\/"},"modified":"2008-04-13T07:52:41","modified_gmt":"2008-04-13T07:52:41","slug":"kuchensofagedanken-am-morgen-teil-10-sch-4036887","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/04\/13\/kuchensofagedanken-am-morgen-teil-10-sch-4036887\/","title":{"rendered":"K\u00fcchensofagedanken am Morgen (Teil 10) \u0096 Schweigend genie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" align=\"left\"><a href=\"#\" title=\"Theobrominenfuesse\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1837860_dadbe05ba5_s.jpeg\" alt=\"Theobrominenfuesse\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" align=\"left\"><\/a>Eigentlich, wenn man\u2019s genau nimmt, sollte hier heute gar kein Text neben dem Foto ste-<br \/>hen. Aber noch eigentlicher <em>spreche<\/em> ich ja nicht, weil ich das, das ich sagen will, schlie\u00df-<br \/>lich schreibe. Und die Zeiten, in denen ich beim Schreiben noch <em>mit<\/em>sprechen musste, sind zum Gl\u00fcck ungef\u00e4hr 30 Jahre her. Weil das Schreiben aber nun mal eine Form des Sagens ist, kann man wiederum auch nicht richtig behaupten, dass ich heute schweige. &#8211; Sei\u2019s drum.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es geht also ums Schweigen. Schweigen ist eigentlich ganz einfach. Man muss nur mal eben den Mund halten. Dennoch f\u00e4llt es vielen Menschen immer schwerer. Sie haben das Bed\u00fcrfnis, sich immer und \u00fcberall mitzuteilen. (Manche f\u00fchren sogar st\u00e4ndig Selbstge-<br \/>spr\u00e4che, &#8211; aber das ist ein ganz anderes Thema.) Es soll ja beispielsweise \u00fcberall und st\u00e4ndig telefoniert werden, aus dem Fernseher heraus teilen uns ebenfalls dauernd Leute ihre privaten Ansichten mit. Und wenn sie nicht im Fernseher sind, dann bloggen sie viel-<br \/>leicht. Entschuldigung, aber: Ist doch wahr. Klar, man will ja auch irgendwohin mit den ganzen Eindr\u00fccken, die man so aufnimmt. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hingegen ein Freund von mir ist ein ziemlicher Schweiger. Seine Antworten bestehen oft aus Einworts\u00e4tzen. Es macht ihm nichts aus, Pausen entstehen zu lassen, da bleibt er ganz er selbst. Eigentlich spricht er nur, wenn er auch wirklich was zu sagen hat. Oder wenn seine extrem redefreudige Frau mal ein P\u00e4uschen macht. (Oder aber, wenn er ziem-<br \/>lich betrunken ist. Das ist allerdings auch wieder ein ganz anderes Thema. Und au\u00dferdem versteht man das, was er dann sagt, sowieso nicht. Zum Gl\u00fcck ist ihm das aber ganz egal.) Er und seine Frau passen erstaunlich gut zusammen. Ihn st\u00f6rt\u2019s nicht, dass sie viel redet. Sie mag\u2019s, wenn er schweigt. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich wei\u00df eigentlich erst seit Kurzem, dass ich auch gern mal schweige. Fr\u00fcher war mir das gar nicht so aufgefallen. Ich dachte n\u00e4mlich immer, dass ich eher gern \u00fcberall meinen Senf dazu gebe. Vielleicht hat das mit dem Gelegentlichgernschweigen aber auch gerade erst angefangen, das wei\u00df ich nicht so genau. Eine Freundin von mir k\u00f6nnte jetzt protes-<br \/>tieren und sagen: \u201eAber so bist Du doch, seit ich Dich kenne!\u201c, und das sind immerhin gute 12 Jahre. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es gab n\u00e4mlich zwischen uns ziemlich h\u00e4ufig folgende Situation: Wir gehen spazieren, die Sonne scheint, das Gras ist gr\u00fcn, der Himmel blau, und vielleicht sind da auch Bl\u00fcm-<br \/>chen irgendwo. Vermutlich rauscht auch ein Bach oder ein Baum, und es piepen V\u00f6gel. Aber davon h\u00f6re ich kaum was, weil die Freundin die ganze Zeit (und immer wieder von vorn) aufz\u00e4hlt, was sie sieht: \u201eHach&#8230;! Guck\u2019 mal, wie blau der Himmel ist! Und wie <em>toll<\/em> die Sonne scheint! Ist das <em>sch\u00f6n<\/em>! Und da ist ein Baum! Und da ist noch ein Baum! Und da ist noch&#8230;\u201c Jaja, wahrscheinlich sind wir im Wald. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">O.k., ich gebe zu, ich habe jetzt ein bisschen \u00fcbertrieben, wir f\u00fchren h\u00e4ufig auch gute Ge-<br \/>spr\u00e4che \u00fcber Dinge, die uns gerade besch\u00e4ftigen, &#8211; sie wird es mir hoffentlich nachsehen. Aber garantiert sagt sie irgendwann noch: \u201eH\u00f6r\u2019 mal: die Amseln (die Meisen, der Bach, usw.)!<em> Ist das <strong>sch\u00f6n<\/strong>!!!<\/em>\u201c Schon oft habe ich zu ihr gesagt: \u201eJa-ha, ist ja gut jetzt! Ich bin doch auch hier und sehe das alles!\u201c Und ich w\u00fcrde das auch alles h\u00f6ren, wenn&#8230; H\u00e4lt sie mich vielleicht f\u00fcr tumb? Wir k\u00f6nnten doch auch mal ein paar Minuten nicht sprechen und die Umgebung einfach wirken lassen. Aber es will unbedingt aus ihr heraus, da kann man wohl nichts machen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das ist \u00e4hnlich wie mit dem Publikum eines Feuerwerks. \u00dcberall wird \u201eOooooooooh!\u201c und \u201esch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n!\u201c gerufen und flei\u00dfig kommentiert, oder sogar gefachsimpelt. Wozu nur? Mir schm\u00e4lert es das Vergn\u00fcgen, wenn gleich alles so abgehandelt wird. Ich finde Feuerwerke fast immer ergreifend und m\u00f6chte dieses Ergriffenwerden gern genie\u00dfen k\u00f6nnen. Ein eifri-<br \/>ger Kommentator in meiner N\u00e4he wirkt dann auf mich schon mal so wie eine Praline, die mittenmal eine Leberwurstf\u00fcllung hat. Wieso dr\u00e4ngt der mir seine Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen auf? Dass er Feuerwerk sch\u00f6n findet, kann ich mir doch denken, sonst w\u00e4re er schlie\u00dflich zu-<br \/>hause geblieben! Vielleicht sollte auch lieber <em>ich <\/em>zuhause bleiben, aber da gibt\u2019s so selten Feuerwerk. Eigentlich sogar nie. Die Decken sind zu niedrig. Aus diesem Grund suche ich mir, wenn ich ein Feuerwerk besuche (und es m\u00f6glich ist), einen Platz abseits, von wo ich es vielleicht nicht ganz so gut sehen kann, aber dann wenigstens in Ruhe. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Aber ich bleibe jetzt mal beim Spazierengehen, weil das so ein sch\u00f6nes Beispiel ist. Und sch\u00f6n ist eben auch, wenn man mal gemeinsam ein St\u00fcckchen schweigend gehen kann, in einem guten Rhythmus. (Ich hatte n\u00e4mlich vor langer Zeit mal einen Freund, der blieb immerzu stehen, wenn er einen Gedanken ausformulieren wollte. Das hat mich ganz be-<br \/>kloppt gemacht. Irgendwann verlor er meine Hand aus seiner, weil ich einfach weiter ging. Aber das ist nun wirklich ein <em>ganz <\/em>anderes Thema.) <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Vielleicht bin ich einfach zu oft allein spazieren gegangen. Das mache ich n\u00e4mlich schon seit vielen Jahren. Auch, weil das Gehen mir den Kopf sortiert, ohne dass ich viel dazu tun muss. Dabei beobachte ich und lausche. Es werden Pflanzen beschnuppert, angefasst. Ich mache den Kopf frei, nehme Eindr\u00fccke, Bilder, Ger\u00e4usche auf. Und dabei schieben sich heimlich innere Dinge zurecht. Und wenn ich in Begleitung gehe, dann genie\u00dfe ich das alles ebenfalls, und dazu das Zusammensein, ein gutes Gespr\u00e4ch. Wenn ich aller-<br \/>dings immerzu sagen soll, wie sch\u00f6n ich nun alles um uns finde, komme ich kaum zum Genie\u00dfen. Und das l\u00e4sst sich zwar nicht auf alle, aber doch auf viele Situationen \u00fcber-<br \/>tragen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Irgendwer hat mir mal erkl\u00e4rt, dass, wenn man ein Gef\u00fchl eilig herausl\u00e4sst, dann ist es: drau\u00dfen. Und eben nicht mehr drinnen. Ich finde das eigentlich ganz treffend, denn man-<br \/>che Gef\u00fchle behalte ich wirklich ganz gern erstmal ein bisschen drinnen. Und wenn man sich ein bisschen kennt und mag, dann teilt man eine sch\u00f6ne Stimmung doch auch mal ein paar Minuten ohne Worte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich, wenn man\u2019s genau nimmt, sollte hier heute gar kein Text neben dem Foto ste-hen. Aber noch eigentlicher spreche ich ja nicht, weil ich das, das ich sagen will, schlie\u00df-lich schreibe. Und die Zeiten, in denen ich beim Schreiben noch mitsprechen musste, sind zum Gl\u00fcck ungef\u00e4hr 30 Jahre her. 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