{"id":3973546,"date":"2008-03-31T09:53:12","date_gmt":"2008-03-31T09:53:12","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/03\/31\/title-3973546\/"},"modified":"2008-03-31T09:53:12","modified_gmt":"2008-03-31T09:53:12","slug":"title-3973546","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2008\/03\/31\/title-3973546\/","title":{"rendered":"Ostern in s\u00fcdwestlicher Richtung"},"content":{"rendered":"<p>Ehrlich gesagt, ist mir gerade gar nicht so nach Schreiben, weil mein Kopf ganz voll ist mit noch <em>un<\/em>gedachtem, aber eigentlich dringend mal gr\u00fcndlich <em>zu<\/em> denkendem Zeug. Das r\u00fcmpelt mir das Oberst\u00fcbchen ein bisschen voll und ich hab&#8216; dieser Tage zu wenig Zeit, da mal ordnend zu Stapeln. Und Ostern ist ja nun auch schon wieder eine Woche her, aber ich wollte trotzdem eben noch ein bisschen von meiner Reise erz\u00e4hlen. Das kann ich ei-<br \/>gentlich auch ruhig noch machen, weil ja gar nicht so viel mit Ostern drin vorkommt. Und die Vorgeschichte mit dem missgl\u00fcckten Fahrkartenkauf hatten wir ja sogar schon&#8230;\u00a0 <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich fahre ganz gern mit der Bahn, auch vor dem Umsteigen habe ich inzwischen keinen Bammel mehr. Wenn die Z\u00fcge so halbwegs p\u00fcnktlich sind, ist das ja auch gar nicht so schwer und verwirrend, wie man sich das vorher immer ausmalt. Als ich diesmal in Han-<br \/>nover am Bahnsteig stand und auf meinen Zug wartete, stand eine Frau in meiner N\u00e4he, die mit weit aufgerissenen Augen und Hilfe suchend um sich blickte. Als sie merkte, dass ich in ihre Richtung schaute, sprach sie mich an: Ob sie denn hier richtig sei, sie wolle da und da hin&#8230; Der Zug w\u00fcrde doch unterwegs geteilt, und sie habe Angst, aus Versehen in das falsche Ende einzusteigen. Die Lautsprecherdurchsagen dazu w\u00fcrden sie eher verwir-<br \/>ren. Genauso ging es mir auch vor nicht allzu vielen Monaten, aber weil ich inzwischen schon gelassener bin, konnte ich sie beruhigen, sie stehe hier ganz prima und goldrichtig und ihr Waggon 11 w\u00fcrde auch hier ungef\u00e4hr zum Stehen kommen und so weiter. Danach sah ich sie nicht mehr, denn ich musste zwei Wagen davor einsteigen, aber bestimmt ist sie gut angekommen und vielleicht beim n\u00e4chsten Mal auch schon etwas weniger nerv\u00f6s. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"#\" title=\"Zug\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442215_462093e08b_m.jpeg\" alt=\"Zug\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mir wird ja immer wieder nahe gelegt, w\u00e4hrend der Fahrt doch aus dem Fenster zu schau-<br \/>en, aber das tue ich eher selten, h\u00f6chstens vor und nach Bahnh\u00f6fen. Ich mag diese olle, schruddelige Atmosph\u00e4re um Bahnh\u00f6fe herum, das ganze rostige Zeug, das da oft so vergessen im Gestr\u00fcpp herumliegt. Nat\u00fcrlich schau ich mir manchmal auch die Land-<br \/>schaft an, aber dabei denke ich an ganz andere Sachen, deshalb vergesse ich das, was ich sehe, gleich wieder. Meistens lese ich oder begucke meine Umgebung im Waggon, die Mitreisenden, h\u00f6re heimlich ihren Gespr\u00e4chen zu, ab und an mache ich mir Notizen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"#\" title=\"Raucherflecken\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442232_d11387957a_m.jpeg\" alt=\"Raucherflecken\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" align=\"left\"><\/a>Diesmal habe ich mich zum Beispiel gefragt, wie ungeschickt man sich als Raucher eigent-<br \/>lich anstellen muss, damit der Sitz hinterher <em>so<\/em> aussieht. Und wie ich wohl reagieren w\u00fcr-<br \/>de, wenn vielleicht pl\u00f6tzlich jemand neben mir (wom\u00f6glich an mehreren Stellen gleichzeitig) anfangen w\u00fcrde, zu brennen. Nur weil er zu doof zum Schmeuken ist. Wahrscheinlich w\u00fcrde ich ihn spontan mit knallhei\u00dfem Tee aus meiner kleinen Thermoskanne l\u00f6schen. Und das w\u00fcrde uns beiden wohl nicht gefallen, denn <em>ich <\/em>h\u00e4tte danach schon mal nix mehr zum Trinken. Allein deshalb bin ich auch ganz froh, dass das Rauchen in den Z\u00fcgen jetzt nicht mehr erlaubt ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Meine G\u00fcte, das hier ist ja jetzt schon ein halber Roman, dabei ist meine Erz\u00e4hlung doch noch nicht mal am Zielort der Reise angekommen! So geht das aber nicht. Deshalb behal-<br \/>te ich jetzt frech das freudige Ankommen und sogar auch den Rest des verschn\u00e4belten Ankommenssamstags f\u00fcr mich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Am Sonntag also, nach dem Osterfr\u00fchst\u00fcck, bekam ich ordentlich viel eif\u00f6rmige, leckere Schokolade geschenkt. Angeblich von einem Hasen, in Wirklichkeit aber wohl von einer Zimmerpflanze. Ich kann mich nat\u00fcrlich t\u00e4uschen, aber die Fakten sprechen alle daf\u00fcr. Und weil nun Ostern war, und man zu Ostern traditionell spazieren geht, ging es dann an eine Bushaltestelle, dann in einen Bus, und mit dem Bus ein St\u00fcckchen raus aus der Stadt, und dann sogar raus aus dem Bus.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und da standen wir. In einem ruhigen Wohnviertel vor einem kleinen Berg. Aber das war ganz richtig so, denn auf diesen Berg wollten wir ja rauf, weil dort ein spezieller Punkt liegt. Es war kalt, aber die Sonne schien sch\u00f6n, und durch einen besonderen Umstand ging ich nicht nur bergan, also so wie mein gastgebender Begleiter und alle anderen hier, sondern auch gleichzeitig (oder vielleicht zus\u00e4tzlich?) seitlich an einem kleinen, unsicht-<br \/>baren, quasi selbstverschuldeten, Berghang entlang. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich hatte n\u00e4mlich am Samstag in der Losreiseeile nur <em>eine<\/em> meiner Schuh-Einlagen in die Stiefel getan, und zwar die linke. Immerhin aber schon mal passend in den linken Stiefel&#8230; Dabei hatte ich hier doch neulich gerade noch \u00fcber meine Schuheinlagen geschrieben, dar\u00fcber, dass ich die manchmal ganz sch\u00f6n kompliziert finde. Jedenfalls war ich noch ein bisschen schr\u00e4ger als sonst unterwegs, konnte mich aber zum Gl\u00fcck bequem bei mei-<br \/>nem lieben Gef\u00e4hrten einhaken, und brauchte so wenigstens keine Angst zu haben, vielleicht in einer scharfen Kurve pl\u00f6tzlich umzufallen oder sowas.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"#\" title=\"topografische_Karte\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442240_c6cdf65fa5_m.jpeg\" alt=\"topografische_Karte\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" align=\"right\"><\/a>Im Spazieren kamen wir an einer Landkarte vorbei, die ich zun\u00e4chst f\u00fcr topografisch hielt, bei n\u00e4herem Hinsehen stellte sich aber her-<br \/>aus, dass wohl blo\u00df der olle Kartenherbergs-<br \/>kasten nicht ganz dicht war. Eventuell war es auch ein Vorschlag, wie man die Landschaft in K\u00fcrze gestalten k\u00f6nnte. Hier was weg und da was hin&#8230;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"> Vielleicht handelte es sich aber auch um eine neue Art von<em> Seersucker<\/em>-Karte. K\u00f6nnte ja sein. Kochw\u00e4sche und b\u00fcgelfrei.<\/p>\n<p>Oben auf dem Berg angekommen, setzten wir uns in die Sonne und beguckten uns die ganzen Touristen, die da hin- und herliefen, uns zur\u00fcckbeguckten und sich aufgeregt ge-<br \/>genseitig fotografierten. Niederl\u00e4nder, Belgier, Deutsche. Wir waren n\u00e4mlich am Dreil\u00e4n-<br \/>derpunkt, wo sich eben diese drei L\u00e4nder treffen. Und auch alle Hundehalter der Gegend. Den Hunden war diese ganze L\u00e4nderei bestimmt schnuppe, die markierten sich sicherlich sowieso alle paar Meter gegenseitig \u00fcber. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"#\" title=\"gut_sitzende_klamotten_im_s\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442452_1553262a5a_m.jpeg\" alt=\"gut_sitzende_klamotten_im_s\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" align=\"left\"><\/a>Im Souvenirshop der Niederl\u00e4nder gab es den Postkarten- und\u00a0 Schl\u00fcsselan-<br \/>h\u00e4ngertinnef, den es immer \u00fcberall gibt. Man m\u00fcsste vielleicht mal eine Sammlung aufmachen mit Schl\u00fcssel-<br \/>anh\u00e4ngern, die alle gleich aussehen, aber dann eben regionale Aufdrucke haben. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wozu braucht mein Schl\u00fcsselbund denn<span> <\/span>so ein Gebimsel, auf dem mei-<br \/>netwegen sagenwirmal &#8222;Nederlands&#8220; draufsteht? Ich wohn&#8216; da doch gar nicht! Und wenn ich den Schl\u00fcssel dann mal verliere, kann ich noch nicht mal darauf hoffen, dass im richtigen Land nach der Besitzerin gesucht wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"> Das bleibt also unklar. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gelernt habe ich aber doch was in dem Laden: Dass es unheimlich wichtig ist, dass die Klamotten gut <em>sitzen<\/em>, &#8211; auch im Stehen. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bei den Belgiern dr\u00fcben (ca. 100m weiter) wollte ich dann was S\u00fc\u00dfes und bestellte im Caf\u00e8 eine <em>Appeltart <\/em>mit Sahne und eine Schokomilch. Mein Begleiter bestellte ebenfalls Appeltart. Als unsere Tarts kamen, war aber keine Sahne drauf. Wahrscheinlich, weil die auch nicht mehr auf die kleinen Untertassen gepasst h\u00e4tte. Daf\u00fcr war die Gabel so fest in den Kuchen gerammt, dass ich sie mit beiden H\u00e4nden herausziehen musste. Die Tart w\u00e4re also was f\u00fcr ollen Artus gewesen, s<br \/>\nchmeckte mir aber gut.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"> <a href=\"#\" title=\"appeltart\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442250_2bd7cf2a0a_m.jpeg\" alt=\"appeltart\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dem Begleiter hingegen fiel pl\u00f6tzlich ein, dass er eigentlich und sowieso vielviel lieber Pommes gehabt h\u00e4tte und er guckte immer zum Nebentisch r\u00fcber, wo ein stilles P\u00e4rchen vor zwei riesigen Tellern mit Pommes sa\u00df. Das M\u00e4dchen nagte ein bisschen lustlos an ihrer Portion herum und lie\u00df dann fast alles stehen. Ich musste an Freundin T. denken, die jetzt vielleicht eventuell gefragt h\u00e4tte: &#8222;Isst Du das gar nicht mehr?!?&#8220;, aber so\u00a0 was w\u00fcrde mein \u00fcberaus wohlerzogener Begleiter nat\u00fcrlich niemals tun.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Also sa\u00dfen wir da, schauten aus dem Fenster und lauschten der Musik. Schon komisch, da sitzt man genau zwischen Belgien, Niederlanden und Deutschland, und was l\u00e4uft f\u00fcr Musik? Zucchero! Italienischer Schlimmpop. Den mag ich schon nicht, wenn ich nur in <strong>einem<\/strong> Land bin. Ich versuchte aber, mich zu freuen, dass es wenigstens nicht der andere war, dieser Polypenmann. Der, der angeblich so sexy sein soll. Vielleicht ist er das immer nur, wenn ich grade nicht hingucke. Die Stimme von dem mag ich jedenfalls noch viel we-<br \/>niger. So gesehen, hatten wir nat\u00fcrlich richtig Gl\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"#\" title=\"Laternenmutter\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/2442251_a82339995f_m.jpeg\" alt=\"Laternenmutter\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" align=\"left\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In diesem Wissen, zudem angenehm m\u00fcde, doch weiterhin gut gelaunt, wanderten wir irgendwann zur\u00fcck zur Bushaltestelle, wo es dann doch noch ein kleines bisschen religi\u00f6s wurde, denn wir trafen dort noch Maria, die ganz versonnen in Richtung einer dreifaltigen Laterne blickte, die sie und das Jesukind wahrscheinlich an jedem Abend auf&#8217;s Neue erleuchtet&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ehrlich gesagt, ist mir gerade gar nicht so nach Schreiben, weil mein Kopf ganz voll ist mit noch ungedachtem, aber eigentlich dringend mal gr\u00fcndlich zu denkendem Zeug. 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