{"id":3197119,"date":"2007-10-26T08:30:36","date_gmt":"2007-10-26T08:30:36","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/10\/26\/ein_morgen_im_schloss3197119\/"},"modified":"2007-10-26T08:30:36","modified_gmt":"2007-10-26T08:30:36","slug":"ein_morgen_im_schloss3197119","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/10\/26\/ein_morgen_im_schloss3197119\/","title":{"rendered":"Ein Morgen im Schloss"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Es gibt eine Beh\u00f6rde, wenn ich von <em>der<\/em> Post bekomme, wei\u00df ich, der Tag ist gelaufen. Dann komme ich ins Rotieren, bis ich das Gef\u00fchl habe, ich bin nur noch in Einzelteilen. Sie schicken ihre Briefe normalerweise so, dass sie freitags ankommen. Weil man dann nat\u00fcrlich niemanden mehr dort erreicht. Also nimmt man den \u00c4rger mit ins Wochenende, meistens regt man sich gezwungenerma\u00dfen ab, darauf spekulieren sie bestimmt. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nun bekam ich mal wieder einen Brief, aber schon gestern, das muss ein Versehen sein. Heute Morgen rief ich dann an und geriet wieder an diesen Menschen, der lieber als Bibliotheksarchivar arbeiten sollte. Oder irgendwas anderes, wo man vielleicht in Keller-<br \/>r\u00e4umen mit sch\u00f6nem Kunstlicht sitzt und nicht so viel mit Menschen zu tun hat, die was von einem wollen. \u00dcbelstes Geschnetz n\u00e4mlich. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Grunds\u00e4tzlich antwortet er auf alles, was ich ihm ruhig, freundlich und sortiert vortrage, oder ihn frage, mit: \u201eTja, das ist ihr Problem.\u201c \u201eDas ist eben so.\u201c \u201eDa m\u00fcssen sie den Sachbearbeiter fragen.\u201c \u201eDarauf kann ich ihnen keine Antwort geben.\u201c Auch schon mal: \u201eDa heben sie eben Pech gehabt.\u201c Oder \u201eWas soll ich dazu sagen?\u201c <br \/>Die Frage meint er nat\u00fcrlich nicht ernst. Das erkennt man an dem Tonfall, der ist n\u00e4mlich herablassend und leicht bockig. Ebenso gut k\u00f6nnte er auf alles mit \u201eN\u00f6.\u201c antworten und die Arme verschr\u00e4nken. So ist er, der <strong>Herr J.<\/strong>, mit dem ich eben das Vergn\u00fcgen hatte, mal wieder zu telefonieren. Wir kennen uns nun schon, denn das Problem ist eigentlich jedes Mal dasselbe. Es wird auch jedes Mal wieder zu meinen Gunsten gekl\u00e4rt, aber daf\u00fcr ist mein Gestrampel n\u00f6tig. Und wenn es dann l\u00e4uft, schreibt Herr J. den n\u00e4chsten Brief.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Er verwies mich aus reiner Unlust an den \u201ezust\u00e4ndigen Sachbearbeiter\u201c <strong>Herrn D.<\/strong>, dabei wei\u00df ich genau, dass die Post von ihm war. Er schreibt die Namen anderer Mitarbeiter oben in den Briefkopf, obwohl er fast immer der Verfasser ist. Irgendwann verplapperte sich n\u00e4mlich ein Vorgesetzter, an den ich mich gewandt hatte, weil ich mit Herrn J. mal wieder nicht weiter kam. Und der Vorgesetzte erz\u00e4hlte mir, dass Herr J. eigentlich gar kein richtiger Sachbearbeiter sei, sondern nur so Hilfsarbeiten ausf\u00fchrt. Aber weil da so viel los ist, darf er auch Sachen entscheiden und wichtige Briefe verfassen, aber er darf sie eigentlich nicht unterschreiben. Und auf so einen bin ich angewiesen!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich rief also Herrn D. an, der gleich sauer wurde auf den J., weil der mich in Gegend herumschickt, statt mir zu helfen. Offensichtlich kommt das \u00f6fter vor. Herr D. meinte knapp: \u201eMoment mal eben, ja?\u201c und dann war die Leitung leer. Ich wartete 20 Minuten! Zum Gl\u00fcck haben sie da keine fiese Musik. Dabei stellte ich mir vor, wie Herr J. von Herrn D.<strong> <\/strong>anst\u00e4ndig in die Mangel genommen wird, von wegen: \u201eSo geht\u2019s ja nicht!\u201c Und: \u201eSie k\u00fcmmern sich jetzt um die Frau! Der Fall ist doch ganz einfach!\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und dann hatte ich pl\u00f6tzlich Herrn J. wieder in der Leitung. Ich fasste noch mal eben zu-<br \/>sammen, worum es geht, aber er antwortete nicht gleich. Er macht n\u00e4mlich gerne auch so aushungernde Pausen. <font size=\"1\">(Diesen Trick kenne ich aber von einer Ex-Liebe, darauf falle ich nicht mehr rein. Dessen zweiter Trick war \u00fcbrigens, sich erstmal alles anzuh\u00f6ren und dann sp\u00f6ttisch zu fragen: \u201eMeinst Du das etwa ernst?\u201c)<\/font><br \/>Dann begann er etwas von \u201eBescheinigung durch den Arbeitgeber\u201c zu faseln. Ich muss jetzt dazu sagen, dass ich keinen solchen habe, denn ich bin freiberuflich selbst\u00e4ndig. Er lie\u00df aber nicht davon ab, ich solle eine Bescheinigung per Einschreiben schicken. Watt? So ging das eine Weile hin und her.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Irgendwann merkte ich, dass etwas komisch war an unserem Gespr\u00e4ch. Noch komischer als sonst&#8230; Ich brauchte noch ein Weilchen, bis ich es kapierte: offensichtlich oder \u2013h\u00f6rig war ich in ein anderes Gespr\u00e4ch geraten, <em><strong>&#8211; ich h\u00f6rte aber nur Herrn J.! <\/strong><\/em><br \/>Und antwortete ihm. Diesen Dialog h\u00e4tte man aufnehmen sollen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich kam mir vor wie bei Kafka. <br \/>Das irre ist, ich dachte wirklich, der spricht mit mir! Es war alles fast genauso wie sonst: Das Gef\u00fchl, wir spr\u00e4chen \u00fcber zwei verschiedene Dinge, sein Gemauer, der Tonfall, &#8211; alles. Der ist offenbar immer so, zu allen, die ihn <em>bel\u00e4stigen<\/em>. Ich dachte bisher, der schaltet das an, wenn er meinen Namen h\u00f6rt, weil ich immer so hartn\u00e4ckig bin und mich an ihm festbei\u00dfe, bis er endlich mit ir-gend-was rausr\u00fcckt. Wir sind also wahrscheinlich viele&#8230; Ich legte einfach auf. (Und frage mich nun, ob mich wirklich die Telefonanlage verulkt hat, oder ob dieser Mensch so gerissen&#8230;)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und nachdem ich bei nun noch mal den netten Herrn D. angerufen habe, der mich gebe-<br \/>ten hat, es in einer Stunde noch mal versuchen, weil er die Sachlage sichten und kl\u00e4ren will, bin ich nun gespannt, wie\u2019s weitergeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine Beh\u00f6rde, wenn ich von der Post bekomme, wei\u00df ich, der Tag ist gelaufen. Dann komme ich ins Rotieren, bis ich das Gef\u00fchl habe, ich bin nur noch in Einzelteilen. Sie schicken ihre Briefe normalerweise so, dass sie freitags ankommen. Weil man dann nat\u00fcrlich niemanden mehr dort erreicht. 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