{"id":3134242,"date":"2007-10-14T14:22:33","date_gmt":"2007-10-14T14:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/10\/14\/der_ochse_muss_an_die_theke3134242\/"},"modified":"2007-10-14T14:22:33","modified_gmt":"2007-10-14T14:22:33","slug":"der_ochse_muss_an_die_theke3134242","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/10\/14\/der_ochse_muss_an_die_theke3134242\/","title":{"rendered":"Der Ochse muss an die Theke!"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><span>Das ist jetzt mal eine sch\u00f6ne Sonntags-Geschichte, die ich aber ausnahmsweise nicht selber erlebt habe. Aber daf\u00fcr meine Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits vor sechzig Jahren oder so. Es bleibt also wenigstens in der Familie.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Also, meine Gro\u00dfeltern lebten in einem ganz kleinen Ort und hatten da wohl sowas wie die Kappe auf. In ihrem eigentlich gar nicht so gro\u00dfen Haus kam alles Wichtige im Dorf zusammen. Mein Opa war n\u00e4mlich der Dorfschmied und B\u00fcrgermeister. Au\u00dferdem war er kugelrund und sah immer aus wie ein fr\u00f6hlicher rotbackiger Apfel mit Zigarrenstumpen. Meine Oma k\u00fcmmerte sich um die Schenke (Dorfkneipe), die Fremdenzimmer und die Poststelle. Sie war hager und fast immer n\u00f6rgelig, daf\u00fcr wusste sie alles \u00fcber Jeden.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Zu Himmelfahrt war immer schwer was los, denn nach dem Kirchgang kamen die M\u00e4nner des Ortes zum Trinken in die Schenke. Bei gutem Wetter konnte man im Garten sitzen, aber lieber quetschte sich alles in die winzige Wirtsstube, um n\u00e4her am Bier zu sein. Die Frauensleute waren brav nach Hause gegangen und verschnabulierten bestimmt auch so einiges beim Tratschen hinter den K\u00fcchengardinen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>In diesem Jahr war es nun schon sehr warm im Mai. Ein Bauer aus dem Nebenort war mit seinem Ochsenkarren vorgefahren. Der Ochse war ein pr\u00e4chtiges Tier, hatte wohl ziem-<br \/>liche H\u00f6rner und stand gelangweilt in seinem Geschirr herum. Wahrscheinlich war dem der Feiertag auch total schnuppe. Die M\u00e4nner tranken also ihr Bier und ihre K\u00f6rnchen dazu, die Sonne schien, und alle wurden langsam so richtig sch\u00f6n besoffen. Die Diskus-<br \/>sionen wurden immer lauter, daf\u00fcr aber immer undeutlicher. Gerade als endlich welche anfangen wollten, sich zu pr\u00fcgeln, rief einer: \u201eDer Ochse hat doch sicher Durst!\u201c Alle schauten jetzt zum Ochsen r\u00fcber, der allm\u00e4hlich wohl schon ganz sch\u00f6n d\u00f6sig guckte, schlie\u00dflich stand er auch schon lange nicht mehr richtig im Schatten. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>\u201eDer muss auch an die Theke!\u201c \u201eJou, genau! Der Ochse muss an die Theke, schlie\u00dflich ist heute Feiertag!\u201c Denn an der Theke stand ja das Fass. Und unter dem Fass stand ein kleiner Zuber, in den der Bierschaum tropfte. Da sollte das arme durstige Tier nun draus zu trinken kriegen. Meine Oma muss gerade in der K\u00fcche gewesen sein, denn sie bekam nicht mit, wie pl\u00f6tzlich alle G\u00e4ste nach drau\u00dfen wankten, mein Opa vorneweg. Der tr\u00e4ge Ochse wurde ausgespannt und durch die schmale T\u00fcr, durch den schmalen Flur, in die enge Gaststube gef\u00fchrt, was gar nicht so einfach gewesen sein d\u00fcrfte. Viele Leute pass-<br \/>ten da nun auch nicht mehr mit rein, deswegen guckte der Rest von drau\u00dfen durch die Fenster. Das war dem Ochsen aber egal, denn der hatte wirklich Durst und trank den Zuber schneller leer, als man gucken konnte. Also wurde von oben Bier nachgelassen. Immer wieder, bis der Ochse nicht mehr wollte. Und dann wurde erstmal wieder eine Runde f\u00fcr die G\u00e4ste gezapft, denn die wollten ja nun auch nicht zugucken m\u00fcssen. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Nun betrat meine Oma die Szene. Wahrscheinlich war sie als Einzige im Haus n\u00fcchtern. Jedenfalls kriegte sie erstmal einen Riesenschreck und fing dann sofort an zu keppeln, das \u201eVieh\u201c solle \u201egef\u00e4lligst aus dem Haus geschafft\u201c werden, und ob die Herren wohl noch alle beisammen h\u00e4tten und so. Zur\u00fcck kam erstmal gro\u00dfes Gel\u00e4chter, aber mit der Oma war bekannterma\u00dfen nicht gut Kirschen essen, und die Kumpels wollten nicht, dass mein Opa zuviel \u00c4rger kriegte, also beruhigten sie sich. Oma machte auf dem Absatz kehrt, rief noch: \u201eSeht zu!!! Aber passt mir ja auf die Tapeten auf. Die sind ganz neu!\u201c und verzog sich wieder in die K\u00fcche.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Man hatte seinen Spa\u00df gehabt und wollte also den Ochsen wieder hinausf\u00fchren. Erst jetzt merkten sie, dass der Raum viel zu klein war, um dem Ochsen zu wenden. Entweder stand der Tresen im Weg oder Ochse. Mal abgesehen davon, war das Tier jetzt br\u00e4sig <em>und <\/em>besoffen und bewegte sich nur ungern, schon gar nicht r\u00fcckw\u00e4rts. Da half kein Schieben und kein Ziehen. Alle m\u00fchten sich mit vereinten Kr\u00e4ften ab, es n\u00fctzte nix, das Tier war einfach zu massig und wollte nicht. Auch Futter lockte ihn nicht. Lieber wollte er sich hinlegen. Und das machte er dann auch und hielt erstmal ein Schl\u00e4fchen. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Das wiederum gab den M\u00e4nnern Zeit, zu \u00fcberlegen, wie man den Ochsen denn nun wie-<br \/>der aus dem Haus kriegen k\u00f6nnte. Ein paar Vorschl\u00e4ge wurden gemacht, so gut es ging durchdacht und wieder verworfen. Es muss wohl ein Weilchen ziemlich still geworden sein. Pl\u00f6tzlich aber durchzuckte einen der Geistesblitz, er tat aber geheimnisvoll. Ohne was zu verraten, lie\u00df er sich aufs Fahrrad helfen und radelte in Richtung seines Hauses davon. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Als die anderen ihn schon abgeschrieben hatten und \u00fcberlegten, ob man vielleicht doch den Tresen zers\u00e4gen oder ein sch\u00f6nes Loch in die Au\u00dfenmauer schlagen sollte, kam er wieder die Stra\u00dfe runtergesegelt. Am Lenker hingen links und rechts zwei Eimer. Schmierseife! Das war die Idee!!! Der Ochse d\u00f6ste immer noch, und um ihn herum wurde alles so gut es ging dick mit der Seife eingeschmiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Zur selben Zeit kam die Oma, um zu gucken, ob nun alles wieder in Ordnung w\u00e4re. Das Bild, dass sich ihr bot, m\u00fcsste eigentlich eher zum Lachen gewesen sein: Ein Haufen Betrunkene, die auf dem vollgeseiften Boden um einen verpennten Ochsen herumrutsch-<br \/>ten und versuchten, sich gegenseitig Kommandos zu geben. Oma aber kriegte zuviel und fing das Kreischen an. Das allerdings weckte wohl das Tier auf, und es versuchte erstmal, aufzustehen. Ging aber wohl nicht so gut, wegen der Seife. Zum Gl\u00fcck war das Vieh noch <\/span><span>immer <\/span><span>bet\u00fcdelt und tr\u00e4ge, und es beschloss, lieber noch abzuwarten. Aber Oma, die sich zur Sicherheit inzwischen oben auf die Treppe zur\u00fcckgezogen hatte, bekam sofort wieder Angst um ihre Tapeten: \u201eDer wird hier noch wild! Mit den riesigen H\u00f6rnern zerschl\u00e4gt der uns doch die ganzen W\u00e4nde! Herrjeh! Jetzt tut doch was!\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Und das taten sie dann. Der gutm\u00fctige Ochse wurde langsam, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, am Schwanz gezogen und von der anderen Seite geschoben, aus dem Haus geschleift. Zum Gl\u00fcck war er v\u00f6llig lethargisch, vielleicht sogar heimlich am\u00fcsiert \u00fcber die herumschlittern-<br \/>den M\u00e4nner. Er blieb jedenfalls ruhig, bis er drau\u00dfen war. Der Fu\u00dfboden im Haus, der Ochse und die M\u00e4nner sahen aus wie Sau. Alle waren fix und fertig, aber gl\u00fccklich. Neu tapeziert werden musste auch nicht. Darauf wurde nat\u00fcrlich erstmal noch ein weiteres verdientes Bier getrunken. Blo\u00df die Oma, die war noch lange sauer&#8230;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist jetzt mal eine sch\u00f6ne Sonntags-Geschichte, die ich aber ausnahmsweise nicht selber erlebt habe. Aber daf\u00fcr meine Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits vor sechzig Jahren oder so. Es bleibt also wenigstens in der Familie. 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