{"id":3041596,"date":"2007-09-26T09:31:22","date_gmt":"2007-09-26T09:31:22","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/09\/26\/entschuldigung_gleis3041596\/"},"modified":"2007-09-26T09:31:22","modified_gmt":"2007-09-26T09:31:22","slug":"entschuldigung_gleis3041596","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/09\/26\/entschuldigung_gleis3041596\/","title":{"rendered":"&quot;Entschuldigung? Gleis 16?&quot;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Verreisung ist ein dolles Ding. <br \/>Besonders, wenn man am Tag zuvor irgendwas ganz Verkehrtes gegessen hat und die Verreisung mit&#8217;m Zug vornimmt, der mal eben vier Stunden durch die Pampa g\u00f6kelt, Um-<br \/>steigen nicht mal inbegriffen. Eigentlich ist damit schon fast alles erz\u00e4hlt. Es ist nicht sch\u00f6n, im Zug zu sitzen und alle f\u00fcnf Meter zu denken: Ich will nicht in das schlimme Kabuff da m\u00fcssen! Mir schr\u00e4g gegen\u00fcber sitzt ein junger Mann, der immer besorgter her\u00fcberschaut. Ich versuche, beruhigend zur\u00fcck zu schauen. Hinter mir sitzt Einer mit lautem Rasierwasser, davon wird mir auch nicht besser. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Beim Umsteigen stelle ich fest, dass auf diesem Bahnhof Gleis 11 und Gleis 16 an einem Bahnsteig liegen. Gut, dass ich nicht Harry Potter lese, sonst w\u00fcrde ich glauben, ich m\u00fcsste gegen die Pfeiler rennen. Ich bin aber nur beim Aussteigen aus Gleis 11 sofort ohne zu gucken die Treppe runter gehechtet, um dann in der Halle zu sehen, dass ich direkt wieder hoch muss, wenn ich von Gleis 16 weiterfahren will. Auch gut, dass ich nicht von Gleis 13 weiter fahren muss! Das liegt dann vielleicht neben Gleis 7, oder sogar in einem anderen Bahnhof. Wom\u00f6glich in einer anderen Stadt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">W\u00e4hrend ich also auf dem richtigen Bahnsteig warte und versuche, beruhigend auf meinen Magen einzudenken, stelzt ein Mann um mich herum. Er ist gro\u00df und trainiert. Au\u00dferdem ist er sich sicher, dass er ungeheuer attraktiv ist und wartet nun auf den Moment, in dem ich das auch merke. Ich l\u00e4chle ihn auch strahlend an, aber das liegt nur daran, dass er einen gro\u00dfen Br\u00f6tchenkr\u00fcmel neben dem Mund kleben hat. Ich k\u00f6nnte fragen: \u201eWas war denn drauf?\u201c und mir dann Verwirrung angucken. Aber ich will jetzt sowieso nicht ans Essen denken. Nachher sagt er: \u201eWurstsalat!\u201c oder so was.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als ich es mir im Anschlusszug so gem\u00fctlich wie m\u00f6glich gemacht habe, befinde ich mich schr\u00e4g einer Vierer-Sitzgruppe gegen\u00fcber. Dort zieht ein v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet wirkender junger Dynamo-Dresden-Fan ein, h\u00e4ngt sich in den Sitz, wohl um zu schlafen. Alles still. Ich krame meine Zeitung raus und beginne zu lesen, als der Kontrolleur kommt. Der Dresden-Fan l\u00fcmmelt sich herum und quetscht sich ein \u201ewissema&#8230; die faahkadde hamodda &#8230;wie?\u201c raus. Jetzt merke ich: Der Typ ist total besoffen und heiser und braucht eine General\u00fcberholung! <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Kaum ist wieder Ruhe im Waggon eingekehrt, halten wir und es steigen vier junge T\u00fcrken zu. Ein M\u00e4dchen, drei Jungs. Das M\u00e4dchen setzt sich mit zwei der Jungs zu dem armen Fu\u00dfballfan, der daf\u00fcr seine Beine wieder umbauen muss, der dritte Junge hockt sich gegen\u00fcber hin. Sofort ist richtig Ramenter in der Bude. Das M\u00e4dchen sendet auf einer unglaublichen Frequenz, die Flimmerh\u00e4rchen in meinen Ohren knistern nur so. Sie hat jede Menge Neuigkeiten zu erz\u00e4hlen, zu allem eine Meinung. Die Jungs antworten ruhiger, aber auch alle gleichzeitig. Ich verstehe nur jeden zweiten Satz, der Rest ist wahrschein-<br \/>lich t\u00fcrkisch. Ich bewundere das immer wieder, wie man zwei Sprachen gleichzeitig sprechen kann. Dazu hat jeder von ihnen mindestens zwei Handys, die auch alle piepen und fiepen, in M\u00f6rderlautst\u00e4rke. An Zeitunglesen ist kaum mehr zu denken. Der Dresden-<br \/>Fan f\u00e4llt in Duldungsstarre. Ich versuche das Kreuzwortr\u00e4tsel. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eDa! Alles voll mit Arbeit, ey!\u201c schreit das M\u00e4dchen. Hat sie sich bekleckert? Mit Arbeit? \u201eDas ist alles voller Arbeit!\u201c Ich schiele r\u00fcber. Ach so, sie zeigt Handyfotos ihrer Kollegen herum. Wir erfahren jetzt genau, wer was wann zu wem gesagt hat, und ob das eine Unversch\u00e4mtheit war oder so. Au\u00dferdem will sie immerzu wissen, \u201ewas geht!?!\u201c Die anderen wissen es aber jetzt auch nicht so genau.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach einer Stunde steigen sie wieder aus, der Dresden-Fan erhebt sich ebenfalls und sieht jetzt noch viel schlimmer aus als vorhin. Hoffentlich schafft er\u2019s bis nach Hause! <br \/>Und ich? Bin vergn\u00fcgt, denn ich bin auch bald am Ziel und habe inzwischen tats\u00e4chlich v\u00f6llig vergessen, dass mir schlecht ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verreisung ist ein dolles Ding. Besonders, wenn man am Tag zuvor irgendwas ganz Verkehrtes gegessen hat und die Verreisung mit&#8217;m Zug vornimmt, der mal eben vier Stunden durch die Pampa g\u00f6kelt, Um-steigen nicht mal inbegriffen. Eigentlich ist damit schon fast alles erz\u00e4hlt. 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